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Ein Denkmal für die Kinderreichen»
Geschichten aus aller Welt
(Nachdruck, äus mit Quellenangabe, verboten!) ErstSteuern zahlen - dann aufs Standesamt!
(ur) Kabul (Afghanistan).
Welches europäische Land geht so hart gegen liebende Herzen vor wie Afghanistan? Dort ist nämlich bestimmt worden, daß die Schließung einer Ehe so lange verboten ist, bis Braut und Bräutigam sowie die gesamten Familienmitglieder beider Seiten ihre sämtlichen Steuerschulden beglichen haben. Nur gegen die Steuerquittungen wird die Ehe vollzogen. Da mitunter in fernen Gebieten die Steuerquittung eigentlich nur in einer mündlichen Aussage des Steuerbeamten besteht, entwickelt es sich zur Sitte, daß man diesen sonst wenig beliebten Herrn zum Trauzeugen auserwählt. Seine
Schon daraus folgert, daß die wahre Kunst nicht international fein kann. Sie kann nur der plastische Ausdruck eines einzigen Volkstums fein, nimmermehr aber der Ausdruck zweier, einander wesensfremder Volkstümer zugleich. Versucht ein Volk, mit den Mitteln eines ihm wesensfremden Volkstums sich selbst darzustellen, so ist das Ergebnis ein Zwitterding, das der ersten Voraussetzung eines echten Kunstwerks entbehrt: der inneren Wahrheit. Das war eine Zeitlang der Zustand deutscher Kunst, die es mit der Anpassung an alle möglichen Kulturen versuchte und der das Wesentliche fehlte; Eigenart, Bodenständigkeit, Volkstümlichkeit, wodurch allein eine Kunst auch aus andere Völker überzeugend wirkt. Haben wir das nicht erlebt am größten deutschen Künstler des 19. Jahrhunderts, an Richard Wagner? So lang er versuchte, von der damaligen Hauptstadt des Kunstbetriebes, von Paris aus die Welt zu erobern und sich zu dem Zwecke, soweit ihm das überhaupt möglich war, dem Pariser Geschmack anzupassen, ist er gescheitert. Erst nachdem er seiner Kunst das deutsche Volk erobert hatte, hat sich diese seine Kunst auch die Welt erobert! Und die ihr einst am schärfsten widerstrebt hatten, sind ihr heute am gründlichsten verfallen.
Kunst ist schöpferische Tätigkeit. Aus dem vollen Verständnis für dieses ihr Wesen heraus hat Dr. Goebbels das andere Wort geprägt: Die Kunst gehorcht keinem Kommando. Schöpferische Tätigkeit muß frei sein, sie darf nicht gehemmt werden durch Druck von außen, der ihrem Wesen widerstrebt. Solch ein Druck aber wird schon dann ausgeübt, wenn die Erzeugnisse der Kunst gemessen werden mit Maßstäben, die einem fremden Volkstum entnommen sind. Nur aus völkischem Empfinden heraus kann ein eigenwüchsiges und bodenständiges Kunstwerk kritisch beurteilt werden! Auch unter diesem Gesichtspunkt also, dem des Kunstgenusses, ist die Anschauung abzulehnen, als sei die Kunst international. Ein Kunstwerk kann nur geschaffen werden aus dem Wesen eines Volkes heraus, und ein Kunstwerk kann nur gewürdigt werden von der festen Grundlage eines Volkstums aus. Wenn also der totale Staat die Kunst dazu anhält, sich dessen bewußt zu bleiben, so übt er keinen Zwang auf das Kunstschaffen aus, sondern macht es im Gegenteil erst frei. Frei von Einflüssen die dem Wesen wahrer Kunst zuwider sind und das
gen des noch nicht geeinten Spaniens, steht, ist der A l k a z a r Anziehungspunkt für alle Fremden. Außer der Alhambra ist der Alkazar höchster Beweis für den damaligen Stand maurisch-arabischer Kultur. Es erübrigt sich, und es ist auch gar nicht möglich, den Eindruck wiederzugeben, den ein gründlicher Besuch dieses maurischen Palastes vermittelt. Hier haben sich die „Asiaten", denen wir Europäer soviel an Kulturgut verdanken, ein bleibendes Denkmal gesetzt. Macht sich der Euro- per von heute noch Gedanken, daß er arabische Zahlen benutzt? Wer denkt daran, daß ein gut Teil der Berührung mit der Antike durch Asiaten Europa vermittelt wurde, daß Grundlagen der Naturwissenschaft von ihnen Europa gelehrt wurden? Wer weiß heute noch, daß ein Teil auch des deutschen Sprachschatzes auf die arabische Sprache zurückgeht? Tausendjährige asiatische Herrschaft haben im kulturellen Sektor unseres Lebens ihre unauslöschlichen Spuren hinterlassen. Und in Sevilla ist es nicht allein der Alkazar, der einem ein Bild von der Höhe damaliger KulUrr vermittelt. Ebenso wie in Portugal bereits, findet man auf Schritt und Tritt Zeugen dieser Vergangenheit, wie ja überhaupt die Stadt des „Barbiers von Sevilla" eine Fundgrube für Historiker und Geschichtsphilosophen ist.
Einst eine weltumspannende Geltung, ein welt-
Anwesenheit soll denselben Wert besitzen wie eknS Steuerquittung in papierner Form.
Uebriaens eine tückische Möglichkeit: wenn jemand einem Verwandten die Braut nicht gönnt, dann zahlt er einfach keine Steuern, und der andere ist die Braut los ...
Schauspielerin Kanada. -ZujchauerinULA.
(ku) Quebec.
Die Grenzlinien auf dieser Erde haben schon manche Groteske geschaffen. Es gibt Dörfer, die unter zwei Ländern aufgeteilt sind, ja, es gibt auch in Europa Häuser, durch die die Grenzlinie mitten hindurch führt. Allmählich versucht die Menschheit, derartige Unsinnigkeiten aus der Welt zu schaffen. So tritt auch in Kürze in Quebec eine
Im Stuttgarter Stadtteil Ostheim ist ein Denkmal für kinderreiche Mütter errichtet worden. Das Bildwerk ist eine Arbeit des Stuttgarter Bildhauers C a l w e r_ und stellt eine sitzende Mutter inmitten ihrer fünf Kinder dar. Ostheim ist der kinderreichste Stadtteil Stutt« garts. — (Weltbild-M.)
Bei drei Pionieren europäischer Kolonialgeltung
Eine beschauliche Reise zu den glücklichen Inseln.
Bon unserem H. Er.-Sonderberichterstatter*.
Pflichten nimmt, die ihm hieraus erwachsen. Aber auch ihm sind Grenzen gesetzt durch die harte Notwendigkeit, zunächst einmal das nackte Leben sicherzustellen und dann erst darauf zu denken, wie dieses Leben immer lebenswerter zu gestalten sei.
Wir kommen also nicht darum: wir müssen die lebensfähige Synthese von Kun st und Geschäft Herstellen. Die Kunst, die nach Brot geht, muß in den Stand gesetzt werden, auch ihr Brot zu finden. Das ist kaum einer Kunst so schwer gemacht, wie der B ü h n e n k u n st, denn gerade sie hat neuerdings einen mächtigen Konkurrenten bekommen im Film. Filmkunst und Bühnenkunst — das ist ein ganz großes Kapitel für sich. Aber so wenig das Auto die Eisenbahn und so wenig das Flugschiff das Auto überflüssig gemacht hat, [o wenig wird der Film das Theater überflüssig machen. Darum bleibt die Ertragsfähigkeit des Theaters ein Problem, das gelöst werden muß. Und man braucht an seiner Lösbarkeit durchaus noch nicht zu verzweifeln, weil die Mißwirtschaft vieler Jahre nicht von einer Spielzeit zur anderen restlos überwunden werden kann. Wo eine so klare Einsicht in den Zusammenhang der Dinge und ein so fester Willen zur Bewältigung der lebenswichtigen Probleme vorhanden ist, wie beides aus der Rede des Ministers Goebbels spricht, da bleibt der Erfolg nicht aus! Man muß ihn nur nicht herbeizaubern, man muß ihn, wie jeden echten und dauerhaften Erfolg, erarbeiten wollen. Und Arbeit braucht nicht nur Einsicht und Willen, jede Arbeit braucht auch die ihrer besonderen Natur angemessene Zeit.
Kunstschaffen nur beengen und hemmen — oder zur Zügellosigkeit verführen.
Ist es aber erst dazu gekommen, dann hört die Kunst auf, „leidenschaftliche und ernste Herzensangelegenheit" zu sein. Sie wird sehr bald reine Ge- schäftssache, Sache eines politischen Zweckgeschäfts. „Die Kassen werden voll, und die- Herzen werden leer", so hat Dr. Goebbels diese Unerquicklichkeit treffend gekennzeichnet. Ein Jdealzustand ist das wahrlich nicht, schon weil er nur zu flüchtig-vorübergehender Natur ist. Aber, so wird man hinzufügen müssen, ein Jdealzustand ist auch der umgekehrte Fall nicht, wenn die Herzen voll — und die Kassen leer sind. So wie sich die Dinge nun einmal entwickelt haben, hat alles Kunstschaffen auch eine geschäftliche Seite. ■
Die Zeiten eines Mäzenatentums, das seinen Ehrgeiz darin suchte, hochstrebende Künstler vor der Not des grauen Alltages zu bewahren, sind vorbei. Im Altertum, im Mittelalter, in der Zeit der Renaissance, des Barock und des Rokoko war ein freudiges Kunstschaffen gar nicht denkbar ohne dieses Mäzenatentum. Und vergessen wir nicht: niemand vermag zu sagen, was aus Richard Wagners Kunstschaffen geworden wäre, wenn nicht im Augenblick abgründigster Verzweiflung König Ludwig II. dem Künstler die rettende Hand geboten hätte. Dergleichen klingt heute, im Zeichen der Weltwirtschaftskrise, wie ein Märchen aus uralten Tagen. Wo ist heute die Einzelpersönlichkeit, die sich ein großzügiges Mäzenatentum noch leisten kann? Dazu ist nur noch d i e Staatspersönlichkeit imstande, und wir alle wissen, wie ernst der totale Staat die
weiter Handel. Die noch stehenden Gebäude der Jbero ° amerikanischen Ausstellung von 1929 legen beredtes Zeugnis für die riefen« große Einflußsphäre Spaniens ab. Was ist davon geblieben? Ein Kolonialbesitz in Marokko, der mehr Sorgen macht, als daß er nutzt. Ein schönes, rassiges und in seinem Aeußeren stolzes Volk, das aber in Parteien zerrissen ohnmächtig ist. Seit Sturz der Monarchie Unruhen, Revolutionen und Parteiherrschaft, die Spanien den Rest an Auf« baumöglichkeit nimmt Potugal ist in dieser Hin« sicht einen Schritt weiter. Sein Präsident hat, gestützt auf das Volk, den inneren Hader bezwun« gen, während Spanien von einer Krise in die an« dere stolpert. Ob das neue Kabinett Lerroux, in dem die katholische Gruppe von Gil Nobles einen maßgebenden Einfluß hat, zu einer Konsolidierung und inneren Befriedung führt, wird man abwarten müssen.
Was Sevilla seinen Reiz gibt, ist die Tatsache, daß es spanisch geblieben ist ohne jegliche Kon« zession. Hier kann man noch die kleinen Häuser sehen mit den winzigen Balkons, den überaus reizvollen mit Pflanzen bestandenen Höfen, die durch ein schönes schmiedeeisernes Gitter nach außen abgeschlossen sind. Und, besonders im älte« sten Stadtviertel, alles berankt mit Blumen, fo daß die Häuschen wirken wie die Gebilde eines wunderschönen Märchens.
III.
Lehren der Geschichte
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
Sevilla, Anfang Juni 1935.
Europa hat sich von jeher für den Kern- und Ausgangspunkt der Weltgeschichte gehalten. Das Abendland als Beherrscher der Welt — ein Begriff, der bis zum Kriege ganz geläufig war. Nach dem Kriege allerdings schrieb man schon vom „Untergang des Abendlandes". Daß aber in der geschichtlichen Vergangenheit Asien rund ein volles Jahrtausend europäische Geschichte diktiert hat, davon hört man heute nur ungern, obwohl Anlaß genug vorläge. Eine „gelbe Gefahr" belächeln zu mögen, verlernt man schnell, wenn man japanische Dampfer und Waren überall trifft. Darum ist es auch auf einer beschaulichen Reise gut, Tatsachen aus Vergangenheit und Gegenwart auf sich wirken zu lassen. Und das wäre geeigneter dazu als Sevilla?
Langsam und lebmig-gelb, dick wie Erbsensuppe wälzt sich der Guadalquivir zur Mün- düng. Die Ufer find flach: auf Schlick entstanden Weiden. Erst später treten an ihre Stelle Apfelsinen- und weiter vom Ufer abgelegen ausgedehnte Olivenkulturen. Nach mehrstündiger Fahrt ist Sevilla erreicht, und von weitem grüßt die riesige gotische Kathedrale. Sie ist eigentlich ein Denk- und Mahnmal spanischer Vergangenheit. Ueber einem we st gotischen Tempel —- erhalten ist heute noch ein Brunnen — erstand hie maurische Moschee, die wiederum, nach Verdrängung der Araber, der wunderschönen, gar nicht zu schildernden gotischen Kathedrale mit ihren Schätzen weichen mußte. Dazu Ueberrefte aus der Römerzeit in der Stadt. Nur einige Kilometer von Sevilla liegt ja auch der Geburtsort dreier römischer Kaiser! Römer — Westgoten — Araber — Spanier! Völker sind gekommen und vergangen — und haben sie nur ihre Denkmäler hinterlassen? Anlaß genug für gefchichtsphilosophische Betrachtungen!
Neben der Kathedrale, in der der Sarkophag von Columbus, getragen von den damaligen vier Köm-
♦) Vgl. Gießener Anzeiger Nr. 137 vom 15. Juni.
Solksluin, Kunst und Brot
Bon Or. Paul Harms
Anläßlich der zweiten Reichstheaterwoche in Hamburg hat Reichsminister Dr. Goebbels ein ebenso schönes wie tiefes Wort geprägt. Kunst — fo sagte er gleich zu Beginn seiner großen Rede — ist nichts anderes als der plastische Ausdruck eines Volkstums. In der Umwelt harter Tatsachen, die wjr als „die Wirklichkeit" bezeichnen, stellt ein Volk sich selbst dar in seinem Staat. Jedes Volk lebt aber nicht nur in dieser Welt der harten Tatsachen. Es lebt auch in einer Welt der Wunsch- t r ä u und der Sehnsucht, die man, im Gegensatz zu jener andern Welt, als unwirklich bezeichnen könnte, die man aber zutreffender als eine Wirklichkeit von anderer Seite bezeichnen wird. Denn für den künstlerischen Menschen ist ja diese tmbere Welt gerade d i e eigentliche Wirklichkeit, während ihm für die Welt der harten Tatsachen nur zu oft das Verständnis fehlt.
Jedenfalls vermag Fein Volk, wenn es eine gewisse Kulturstufe erreicht hat, diese Welt der anderen Wirklichkeit, die Welt der Wunschträume und Sehnsüchte, zu entbehren. Es baut sich über dieser Welt der harten Tatsachen, in der es sich im Völkerkampf ums Dasein durchzusetzen hat, die Welt der anderen Wirklichkeit auf, in der es Menschen, Dinge und Geschehnisse gestaltet, nicht wie sie sind, sondern wie es möchte daß sie wären. Und weil das Volk in dieser Darstellung offenbart, worauf das tiefinnerste Sehnen seiner Seele gerichtet ist, so kann man mit Recht sagen, daß es in der Kunst fein eigen ft es Wesen, sein Volkstum plastisch darstellt. Rücksichten, die in der Welt der harten Tatsachen maßgeblich sind, die zu Anpassungen, Ausbiegungen und Verschleierungen zwingen, fallen in der Welt der Kunst fort. Hier gibt es keine Anpassung an besondere, einmalige ober bauernbe Umstände, keinen Opportunismus, wozu die Staatstunft sich nur zu oft gezwungen sieht. Die Kunst ist wahr, ober sie ist nicht die wahre Kunst.
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