Llnlerhausdebatle über den Lustpakt.
Roosevelts Steuerreform.
Auftakt zum Wahlkampf in USA.
Kurswechsel in Güdslawien?
Oer Führer der Kroatischen Opposition vom Prinzregenten empfangen.
Bemühungen zur Sicherung eines Abkommens über die Land- und Luftstreitkräfte nachlassen werde. Im Gegenteil sieht bie britische Regierung die Verhinderung eines internationalen Wettbewerbs in allen drei Rüstungsgruppen als eine Angelegenheit von höchst dringlicher Bedeutung an.
Ein Abgeordneter fragte, ob die Regierung die Einberufung einer Konferenz der Unterzeichner des Washingtoner und Londoner Flottenabkommens beabsichtige und ob das Abkommen mit Deutschland nach Meinung der Regierung eine Uebertretung des Versailler Vertrages darstelle. Der Erste Lord der Admiralität erklärte, es lasse sich noch nicht sagen, wann eine Vollkonferenz stattfinden könne. Die zweite Frage schneide eine j u r i st i s ch e Angelegenheit an, und er glaube nicht, dah sie an das richtige Ministerium gerichtet worden sei.
Auf die Frage, ob das Unterhaus eine baldige Gelegenheit zu einer Aussprache über das deutsch-englische Abkommen erhalten werde, erwiderte Ministerpräsident Baldwin: „Wie bei allen bisher mit anderen Ländern geführten zweiseitigen Unterhaltungen ist der wesentliche Inhalt dieser Unterhaltungen sehr vertraulicher Natur. Wenn alle Einzelheiten öffentlich erörtert würden, wäre die Erzielung jedes internationalen Abkommens ganz hoffnungslos."
Der Führer der arbeiterparteilichen Opposition, Lansbury, widersprach. Es handele sich um Fragen von öffentlicher Bedeutung. Die Arbeiterpartei wolle der Regierung keinerlei Schwierigkeiten verursachen. Aber sie lege auf eine Aussprache Wert. Baldwin bat Lansbury, die Angelegenheit mit den Einpeitschern des Unterhauses zu besprechen. Die Regierung erhebe gegen eine Aussprache grundsätzlich keine Einwände. Sie müsse sich aber notfalls Einzelheiten vorbehalten.
urrd den näch st jährigen großen Wahlkampf vorzubereiten, der über Sieg oder Niederlage Roosevelts und seiner demokratischen Partei entscheiden wird. Es war daher wesentlich, daß man noch vor dem Tagungsende den ihm feindlich gesinnten Agitatoren das Wasser abgrub.
Die Entscheidung des Obersten Gerichtes in der N i r a - F r a g e und die beifällige, ja begeisterte Aufnahme, die die Entscheidung bei der Groß- industrie und den Bankiers fand, hat Roosevelt offenbar davon überzeugt, daß chm diese Kreise verloren sind und daß alle Konservativen und Individualisten sich im nächsten Jahr um das Banner der republikanischen Opposition scharen werden. Um daher die wankenden Reihen seiner eigenen Partei zu halten und die Zersplitterung in kleine Sonderparteien zu verhindern, machte er einen fühlbaren Ruck nach links durch sein Eintreten für die Arbeitslosenversicherung und die Altersrenten, für die Koalitionsfreiheit der Arbeitnehmer und für die W e g st e u e r u n g d e r g r o - ßen Vermögen und der großen Geschäftsgewinne. Hierdurch wird er zweifellos bei den großen Wählermassen einen großen Teil seiner früheren Beliebtheit zurückgewinnen, selbst wenn die Steuerreform sich in diesem Jahr noch nicht verwirklichen lassen sollte.
beiden Flotten Deutschlands Kriegsmarine den Stand halten kann, den sie zur Sicherung der nationalen Interessen des Reichs haben muß. Im übrigen ist nun die Verantwortung für den künftigen Umfang der Seerüstungen den Mächten zugeschoben, zu denen England zur Sicherung seiner über den ganzen Weltkreis sich spannenden Interessen ein gewisses Stärkeverhältnis aufrechterhalten muß, in erster Linie Amerika und Japan, in zweiter Frankreich und Italien. Deutschland wird sich automatisch jeder Rüstungsbeschränkung zur See unterwerfen, die zwischen diesen Mächten vereinbart wird. So ist in dem schwierigen Zusammensetzspiel, von dem der Erste Lord der britischen Admiralität in seiner Rundfunkrede sprach, mit dem deutsch-britischen Flottenabkommen die Partie eröffnet, der erste Zug getan, die ersten beiden Stücke sind zusammengefügt, auf die Einsicht und den guten Willen, wie auf die Energie der Andern wird es nun ankommen, wenn das ganze Sviel gelingen und als Ganzes ein internationales Abkommen zustandegebracht werden soll, das ein hemmungsloses Wettrüsten zur See rechtzeitig verhindert und der Welt den Frieden bewahren hilft.
JNoskau und der Flottenpatt.
England lädt die Sowjetunion zu Besprechungen ein.
Moskau, 21. Juni. (DNB.) Der englische Botschafter Lord C h i l st o n setzte den Außenkommissar Litwinow von dem Abschluß des F l o t t e n a b k o m m e n s mit Deutschland in Kenntnis und gab die Erklärung ab, daß England außer mit Frankreich und Italien, mit denen es bereits verhandle, auch mit Sowjetrußland in Verhandlungen über eine Begrenzung der Seerüstungen einzutreten wünsche. England habe sich nicht nur die quantitative, sondern auch die qualitative Abrüstung zum Ziel gesetzt. Sowjetrußland werde über den Verlaus der Verhandlungen mit den anderen Mächten auf dem laufenden gehalten werden. Litwinow versprach, dem Rat der Volkskommissare die Einladung Englands zu unterbreiten. Die Sowjetregierung hat die russischen Botschafter in Rom, London und Paris beauftragt, die Regierungen über den Standpunkt der Sowjetregierung in der Flottenfrage wie auch in der Frage des Luftpaktes zu unterrichten.
Die Presse der Sowjetunion schenkt dem deutsch-englischen Flottenabkommen größte Beachtung. In der „Jsweftija" erscheint ein Artikel Radeks unter der ueberschrist „Deutsch-englisches Seeabkommen und Durchbruch englisch-französischer Front". Radeks Ausführungen enthalten zahlreiche Widersprüche. So behauptet er an der einen Stelle, daß Deutschland eine große Flotte brauche, um einen Schlag gegen England zu führen, falls es hierbei die Unterstützung Frankreichs finde, um an einer anderen Stelle zu erklären, dah Deutschland einen Durchbruch durch die im Entstehen begriffene englisch-französische Front erreicht habe. Radek schreibt weiter, daß die allgemeine Lage zunächst noch eine genauere Prüfung erfordere. Zunächst müsse man zugeben, daß auf der gegenwärtigen Etappe der „deutsche Imperialismus" einen Schlag bekommen habe. Uebereinftimmenb mit der gesamten übrigen Sowjetpresse vermeidet es Radek, im Zusammenhang mit dem Flottenabkommett auf die eigene Seestreitkräfte der Sowjetunion hinzuweisen, die gerade jetzt wieder eine ungeheure Verstärkung erfahren hat. Die aus zaristischer Zeit übernommenen Flotteneinheiten sind, wie den Erklärungen Tucharschewskis auf dem Rätekongreß im Januar d. I. zu entnehmen war, einschließlich der U-Bootbauten mehr als fünfmal vergrößert worden.
Englische Ehrungen für die deutsche Frontkämpfer-Abordnung.
London, 22. Juni. (DNB. Funkspruch.) In der StaSthalle von Hove bei Brighton fand am Freitagabend ein Empfang und Festessen für die Abordnung deutscher Kriegsteilnehmer statt. Preß Association berichtet darüber: Deutsche und Engländer, die sich im Weltkriege in den Schützengräben bekämpften, gelobten gestern abend, für den Weltfrieden zu streiten. Als die deutsche und die englische Nationalhymnen gespielt wurden, vermischten sich die Heil- und Hurra-Ruse, und Engländer und Deutsche gleicher Weise erhoben die Hand zum deutschen Gruß. Als Vertreter der beut» fchen Botschaft erklärte Freiherr von Put- litz: „Wir, die wir unsere Kameraden sterben sahen, wollen keinen neuen Krieg." Der englische Abgeordnete Rawson sagte: „Durch den Austausch freundschaftlichen Besuch von Frontkämpfern können wir mehr zu der Sache des Weltfriedens beitragen, als durch hunderte von Pakten, Verträgen und Konferenzen." Der englische General Lloyd führte aus: „Der Prinz von Wales hat uns den Weg gewiesen. Wir können der Welt zeigen, was Kameradschaft bedeutet. Wir können eine Brücke bauen, über die die Nationen in Freundschaft und Einmütigkeit marschieren."
Kondylis für die Wiedereinführung der Monarchie 'n Griechenland
Athen, 22. Juni. (DNB.) Der stellvertretende Ministerpräsident General Kondylis hat auf Anfrage von Pressevertretern den genauen Wortlaut seiner Erklärungen gegenüber der Belgrader Agentur Avala wie folgt festgelegt: Ich wünsche persönlich, daß die Volksabstimmung eine st a r k e Mehrheit zuaunsten der Monarchie ergibt, denn der Republik ist es nicht gelungen, dem Lande ein normales politisches Leben zu sichern. Wenn die Monarchie das sicherstellen kann, wird sie Griechenland retten.
Kleine politische Nachrichten.
„News Chronicle" glaubt zu wissen, daß die britische Regierung alle Vorbereitungen getroffen habe, um d i e in Abessinien lebenden Engländer im Falle von Schwierigkeiten i n Sicherheit zu bringen. In Aegypten ständen zu diesem Zweck bereits große militärische Transportflugzeuge bereit.
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Der bolivianische Kongreß hat das in Buenos Aires am 12. Juni abgeschlossene Abkommen über die Einstellung Der Feindseligkeiten im Gran Chaco angenommen.
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Aus Anordnung der Kanton-Regierung wurden 35 Kommunisten, die kürzlich bei Nanschan gefangen genommen wurden, in Swatau hin- gerichtet. Unter den Hingerichteten befanden sich mehrere junge Frauen.
London, 21. Juni. (DNB.) Der Erste Lord der Admiralität Sir Bolton Eyres Monsell gab im Unterhaus eine längere Erklärung über die deutsch-englischen Flottenbesprechungen ab. Die Regierung sei der Ansicht gewesen, daß das Abkommen auch von entschiedenem Vorteil für die Flottenbelange anderer Mächte sein müsse. Nach jahrelangen Bemühungen liefere dieses Abkommen einen e fte n Ausgangspunkt für weitere Besprechungen mit anderen Mächten, deren Stellung durch die Verpflichtung Deutschlands, daß es an dieser Verhältnisziffer unabhängig von den Flottenbauten anderer Mächte festhalten werde, erleichtert werden würde. Wir sehen daher dieses Abkommen als einen wesentlichen Beitrag z um Weltfrieden und zur internationalen Befriedung an. Man hat gesagt, die britische Regierung hätte dieses Abkommen nicht abschließen sollen. Aber wir müssen den Tatsachen ins Gesicht eben. (Beifall.) Wir haben uns mit dem sehr praktischen Problem au befassen, daß Deutschland bereits eine Flotte baut, die außerhalb der im Versailler Vertrag festgelegten Grenzen ist. Wir haben die Wirkungen umgrenzt, die als Folge dieser einseitigen Entscheidung Deutschlands vielleicht eingetreten wären. Wir glauben, daß dies im Interesse a'ller Flottenmächte der Welt liegt. Wir sind überzeugt, England hätte einen schweren Fehler gemacht, wenn die britische Regierung den Vorschlag abgelehnt oder eine Annahme verzögert hätte. Wir wollen fort» ahren, uns mit dieser Angelegenheit in voller und reimütiger Aussprache und Zusammenarbeit mit den anderen Unterzeichnermächten des Washingtoner und Londoner Vertrages zu befassen. Dies bedeutet nicht, daß, falls künftig ein allgemeiner Flottenbegrenzungsvertrag abgeschlossen werden ollte, die britische Regierung irgendwie in ihren
Washington, 20. Juni. (DNB.) Roosevelts Botschaft über die S t e u e r r e f o r m, die wir schon in unserem gestrigen Wirtschaftsbericht kurz erwähnten, rief lebhafte Erörterungen im Parlament und in der Presse hervor. Der Präsident schlägt eine bessere Verteilung des Privatvermögens und eine Einschränkung der großen Unternehmungen durch Erbschafts- und Schenkungssteuern sowie durch eine Staffelung der Firmensteuern vor, die bei großen Firmen bis über 16 v. H. betragen soll. Diese Vorschläge treffen naturgemäß den konservativen Teil Amerikas sehr hart und werden daher von reaktionären Blättern als „haut die R e i ch e n" - P l a n bezeichnet. Vorsichtigere republikanische Politiker erklären, die- er Plan werde die Erholung des Landes weiterhin aufhalten, da er die Großindustrie angreife. Die überwiegende Zahl der Parlamentarier stimmt jedoch Roosevelts Steuerplan zu und ist insbesondere froh Darüber, daß der Präsident dadurch Huey Lang und anderen Agitatoren, die ähnliche Pläne betreiben, Den WinD aus Den Segeln genommen hat.
Diese Erwägung Dürfte Der HauptgrunD gewesen sein, weshalb Roosevelt Der schon stark überlasteten Parlamentstagung noch Diese schwierige Frage auf- bürDete. Die Tagung steht kurz vor Dem Abschluß unD Die Parlamentarier gehen Dann in ihre Wahlbezirke, um mit Den Wählern Fühlung zu nehmen
Belgrad, 21. Juni. (DNB.) Die DerhanDlun- gen zur Beilegung der Regierungskrise haben begonnen. Um Die Mittagszeit rourDen vom Prinz- r e g e n t e n Die Vorsitzenden Des Senats und der Skupschtina tn Audienz empfangen. Nachmittags traf der Führer der Gesamtopposition Dr. Matschet in Belgrad ein. Er wurde am Bahnhof mit lebhaften Hochrufen begrüßt. Dr. Matschet begab sich vom Bahnhof aus unmittelbar in das Schloß Dedinje, wo er vom P r in z r e g e nt e n in Audienz empfangen wurde. Seine Anwesenheit in Belgrad ist sein erster offizieller und freiwilliger Aufenthalt in der südslawischen Hauptstadt seit sechs Jahren. Dr. Matschet hat die Reise nach Belgrad angetreten, nachdem ihm- der Banus von Kroatien eine Einladung des Prinzregen- t e n überreicht hatte. Dr. Matschet blieb rund IVt Stunden beim Prinzregenten. Nach der Audienz begab er sich in die Wohnung des ehemaligen Ministerpräsidenten Dawidowitsch, der sich mit Den Anhängern Der ehemaligen Kroatischen Partei zusammen mit Matschet in Der Opposition befindet. In der Wohnung Dawidowitschs trat eine Konferenz Der Führer aller oppositionellen Gruppen zusammen. Man glaubt aber nicht, Daß Dr. Matschet sich bereiterklären wirb, in Die Regierung einzutreten, erwartet jedoch, Daß er seine Wünsche freimütig Darlegen wirD, um eine einroanDfreie Klärung Der Lage zu ermöglichen. Der bisherige Finanzminister Stojadinowitsch hat Die besten Aussichten als zukünftiger Ministerpräsident.
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Am 5. Mai 1935 ging der serbische Ministerpräsident I e f t i t f ch in Die Wahlen, unD er erreichte auch eine absolute Mehrheit, immerhin hatte Der Kroate Dr. Matschek nicht weniger als 1,1 Millionen, also 4 0 v. H. aller Stimmen erhalten. Wenn Jeftitsch auch Die Parole für die Einheit des Staates ausgegeben hatte, so fuhr er doch gleichzeitig fort, die Opposition des Dr. Matschet als staatsgefährlich hinzustellen, obgleich Dr. Matschet sich ebenfalls für diese Parole eingesetzt hatte. Darüber ist Jeftitsch g e - stürzt. Die kroatischen Minister seines Kabinetts erklärten überraschend ihren Rücktritt und ihnen schlossen sich die Serben, also der Kriegsminister General Schifkowitsch und der Finanzminister Dr. Stojadinowitsch an. Der Rücktritt wurde zwar damit begründet, Jeftitsch habe die Pflicht gehabt, nach Dem Zusammentritt der Skuptschina seine Demission zu erklären, da damit seine Mission erfüllt gewesen wäre, aber in Wirklichkeit spielen andere Gründe eine Rolle.
Jeftitsch hat aus seiner Parteiabneigung gegen den Kroatenführer Dr. Matschek keinen Hehl gemacht und diesen noch kürzlich als Mann bezeichnet, der mit den Emigranten und Attentätern auf König Alexander auf eine Stufe zu stellen sei. Ferner wurde Dr. Matschek durch den Serben Banitsch von der Parlamentstribüne in noch schrof
ferer Weise der indirekten Mittäterschaft an Der ErmorDung Des serbischen Königs beschuldigt, ohne Daß es Der MinisterpräsiDent für nötig hielt, Einspruch zu erheben. Das ist Der GrunD für Den Zerfall Des Kabinetts, Da Die gegen Jeftitsch Demon= ftrierenben Minister nicht wieDer eine Aufrollung Des alten serbisch-kroatischen Gegensatzes wollen, sonDern, wie anscheinend auch Der Regent, nach Dem Zeitalter Der Diktatur Des Säbels eine Politik Der Aussöhnung erstreben.
Der Gegensatz Der Serben unD Kroaten und Slowenen sowie der bosnischen Mohamedaner ist an sich gegeben, da die Kroaten, die römisch-katholischer Konfession sind, einst Der alten Donaumonarchie unterftanDen, währenD Die Groß-Serben, griechisch-orthodox, felbftänDig waren. Dieser Gegensatz ist im alten Parlament mit seinen Parteigruppen durch Gewaltmittel ausgetragen worden. So wurde im Jahre 1928 in Der Skupschtina Der kroatische Bauernführer Stefan R a D i t s ch Durch einen serbischen Abgeordneten erschossen unD sein erklärter Nachfolger Dr. Matschek kam im Jahre 1933 wegen Hochverrats an Den Diktatorischen Gesetzen des Königs ins Zuchthaus. Der Gegensatz zwischen Serben und Kroaten, zwischen Belgrad und Agram, schien unüberbrückbar, bis die Ermordung des Königs in Marseille eine Wende bewirkte. Dr. Matschek ging nicht nur mit der serbischen Opposition ein Bündnis ein, sondern er erklärte sich bereit, mitzuhelfen, daß die kroatische Frage „innerhalb Der Grenzendes aemeinfamen Staates" eine Lösung fände. Damit war die Parole der Trennung Agrams von Belgrad aufgegeben worden. Aber Jeftitsch hat Dr. Matschek nie getraut, er suchte nach einem Ausweg für feine großserbische Politik und Darüber scheiterte er. Dr. Stojadinowitsch, der jetzt mit der Kabinettsbilduno beauttraat w^ben m»rD, versucht dagegen b i e Brücke der Versöhnung zu den Kroaten zu schlagen und Dr. Matschek ist seit 1928 zum ersten Mal wieder von Agram nach Belgrad gekommen, um mit dem Regentschaftsrat über die Möglichkeiten einer serbischkroatischen Aussöhnung zu verhandeln.
Kleine politische Nachrichten.
Der Führer der irischen Blauhemden General O'Dufsy hat eine neue irische Partei gebildet, und zwar die „Nationale Korpora- t i d p a r t e i". Als eines ihrer Hauptziele wird Die Ablösung Des gegenwärtigen Parteiensystems durch eine Ständeregierung genannt. Eine gesamtirische Republik und ein gesamtirischer Ständestaat sollen angestrebt werden. Andere Ziele Der Partei sollen sein: Die Bekämpfung des Kommunismus und des Kapitalismus und die Bekämpfung Des ausländischen Einflusses auf irische Angelegenheiten.
Zurück zu Gens!
Zur Noten-Kreuz-Woche.
Um keinen Irrtum aufkommen zu lassen: wir meinen nicht eine Rückkehr in den Genfer Völkerbund, mit Der es noch gute Weile haben wird, denn es scheint nicht, daß Die Deutschen Voraussetzungen durch eine gründliche Revision in absehbarer Zeit erfüllt werden würden. Es handelt sich vielmehr um die Genfer Konvention, die im Jahre 1863 zur Gründung des Roten Kreuzes, einer heute jedem zivilisierten Menschen bekannten Organisation und Tätigkeit geführt hat. Und um eine Rückkehr handelt es sich, weil der Führer und Reichskanzler in seiner Reichstagsrede vom 21. Mai die weitere Verfolgung der seinerzeit in der Genfer Konvention eingeschlagenen Methoden internationaler Abmachungen zur Milderung von Kriegsgreueln und Kriegsschäden als das realpolitische Mittel empfohlen hat, um dem anscheinend vorläufig unerfüllbaren Ideal eines dauernden Friedens wenigstens näher zu kommen. In dem Punkt 9 feiner Richtsätze erklärte er Die Deutsche Bereitschaft, jeDes Abkommen zu unterzeichnen, das zu einer schrittweisen Abschaffung und Verfemung von Kampfmitteln und Kampfmethoden führen würde, die ihrem innersten Wesen nach im Widerspruch zu den Grundsätzen der Genfer Konvention des Roten Kreuzes stehen. Wenn es möglich war, die Verwendung von Dum-Düm« Geschossen, Den Krieg gegen unbeteiligte Zivilbevölkerung, Die Tötung von VerwunDeten und Gefangenen und andere Kriegsgreuel im allgemeinen aus Dem moDernen Krieg zu entfernen, so müsse es auf Demselben Wege auch gelingen, Die neuen grausamen Kriegsmittel, wie Das Abwerfen von Gas-, BranD- unD Sprengb o m b e n zu verfemen unD Dann auszuschalten. Zweifellos wird Dieser Vorschlag Hitlers in Den nun von England angestrebten und mit Eile betriebenen Verhandlungen über einen ßuftpaft eine große Rolle spielen.
Es ist eigentlich erstaunlich, Daß nach Den ungeheuren Leiden Des Weltkrieges bis jetzt niemand auf Den Gedanken gekommen ist, an die E nt - stehungsgefchichte des Roten Kreuzes anzuknüpfen unD diese segensreiche Einrichtung, Die eine wirkliche Internationale Des Herzens ist, Den furchtbarer gewordenen Kriegsmitteln gemäß fortzuentwickeln. Denn ein Kriegserlebnis war es, Das einem mitleidigen und hochherzigen Mann Den Mut und Die Hartnäckigkeit gab. Den Plan einer internationalen Konvention zur Vermenschlichung Des Krieges Durchzusetzen. Der Genfer Schriftsteller Henri Dunant hatte im Jahr 1859 Die italienischen Schlachtfelder ausgesucht und nach Der blutigen Schlacht von Solferino mit angesehen, wie viele Tausende von Soldaten durch das völlige Versagen Der Der- rounbetenpflege unter der sengenden Junisonne der lombardischen Ebene elend zugrunde gingen. Die Schrift „Erinnerung an Solferino", in Der er seine Erlebnisse schilderte, wurde zu einem gewaltigen Bucherfolg und ermutigte ihn zur praktischen Weiterarbeit. Auf dem Berliner Statistischen Kongreß von 1863 trug er seine Ideen Dem preußischen Kriegsminister von Roon vor und fand weitestes humanes Verständnis. Schon im folgenden Jahre hatte er durch eine Rundreise an den Höfen die Geister so aufgerüttelt, daß die Vertreter Der wichtigsten Länder in Genf Die Grundsätze Der Roten-Kreuz-Organisation vertraglich niederlegten. Dunant selbst erlitt das Los fast aller „Erfinder", er starb vergessen in einem kleinen Orte bei Rorschach am Bodensee, und als viel später Rudolf Virchow auf einem internationalen medizinischen Kongresse beantragte, Den Ehrenpreis „für die größten Verdienste in diesem Jahrhundert um Die Menschheit" an Dunant zu verleihen, entstand ein lebhaftes Gemurmel, Denn Die meisten hatten feinen Namen überhaupt noch nicht gehört.
Anläßlich Der Werbe- unD Hilfsaktion, Die in Dieser Woche zugunsten Des Roten Kreuzes veranstaltet wirD, sollte sich jeDer Deutsche nicht nur Der großen D i e n st e bewußt sein, die ihm diese Einrichtung in Krieg und Frieden, vielleicht auf Dem Schlachtfeld selbst, vielleicht im Lazarett, vielleicht ihm persönlich, gewiß aber einem Angehörigen oder Nahestehenden geleistet hat. Man mag sich aber auch dabei erinnern, daß das Rote Kreuz diejenige internationale Organisation ist, mit der sich Der neue Deutsche Staat alsbalD nach seiner Machtübernahme unbeDingt solidarisch erklärt hat. Um allen Zweifeln über die Stellung des völkischen Staates zu begegnen, erklärte damals Der Reichsinnenminister Dr. Frick, Das Deutsche Rote Kreuz sei Der Träger Der völkerrechtlichen Verpflichtungen Des Deutschen Reiches auf GrunD Der Genfer Konvention unD Dürfe Deshalb wirksamer amtlicher Fö r D e r u n g sicher sein. Und der Führer selbst lehnte jeden Vergleich des Roten Kreuzes mit pazifistischen Organisationen ab, da seine Eigenart auf seiner völkerrechtlichen Stellung beruht. Die das Bestehen national gerichteter Gesellschaften vom Roten Kreuz in allen Ländern zur Voraussetzung hat.
Wichtiger noch aber als diese Anerkennung, Die Pflege und Unterfta^ung der bestehenden Einrichtungen des Roten Kreuzes und Der heute geltenDen GrunDfätze Der Genfer Konvention ist Der von Adolf Hitler zum erstenmal ausgesprochene Gedanke, diese völkerrechtlichen Verpflichtungen mit den gegenwärtigen Nachkriegsproblemen zu verbinden, die man bis jetzt trotz Völkerbund und trotz unzähligen Abrüstungskonferenzen nicht hat lösen können. Wenn diese Anregung, wie zu hoffen ist, ebenso Gehör findet, wie einst die des Schweizer Menschenfreundes, weil sie die praktische Verwirklichung einer nach einer Tat verlangenden ratlosen Menschheit darstellt, so würde man wohl von einem zweiten glücklichen Gründungstag der Genfer Konvention sprechen können.
D'e Aufgabe der OAF.
Berlin, 21. Juni. (DNB.) Im Haus der PO. in München fand eine Tagung Der Leiter Der Hauptämter in Der Reichsorganisationsleitung statt. Reichsorganisationsleiter Dr. Ley befaßte sich mit Der Führungsaufgabe, Die Die Partei in Der Deutschen Arbeitsfront zu erfüllen hat. Denn wenn aus Der Partei systematisch jede Art von Interessenvertretung grundsätzlich fern» aehalten werde, so sei die Deutsche Arbeitsfront die Organisation, in der die Jnteressenwah- rung in klare Bahnen und in den strengen Rahmen der Gemeinschaft gelenkt werde. Wie der Staatsapparat als gesetzgebende Körperschaft, als Exekutive, das Volk betreue, so sei Die Deutsche Arbeitsfront als nationalsozialistische Gemeinschaft gewissermaßen die Selbstverwaltung her arbeitenden


