Der kommunistische Welttao „Gegen den Imperialismus". — Aufstand in Kolumbien. — September: Bombenexplosionen in Deuts chl a nd. — Oktober: Einmarsch der Bolschewisten aus Rußland in die Mandschurei.
1930. Februar: Kommunistische Auftritte in D e^ t s ch l a n d. — März: Der kommunistische „Welttag der Arbeitslosen". — Mai: Kommunisti- scher bewaffneter Aufstand in China. — Juni- Juli: Bekämpfung der kommunistischen Bewegung in F.i n n l a nd. — Juli: Kommunistischer Bürgerkrieg in China.
1931. Januar: Bekämpfung kommunistischer Banden in China. — Amtliche Enthüllungen über Kommunisten in den Vereinigten Staaten. — Mai: Revolution in Spanien bricht los. — Juni-Juli: Kampf gegen kommunistische Banden wieder in China. — Auaust: Bekämpfung des Kommunismus in Argentinien. — Kommunistische Handelsvertretung für Südamerika wird geschloffen, Verhaftungen usw. usw. — Es ist eine endlose, endlose Serie.
Ich habe aus der letzten Rede des englischen Lordsiegelbewahrers, wenn ich nicht irre, die Auffassung hsrausgelesen, daß solche und insbesondere aggressive militaristische Tendenzen der Sowjetunion gänzlich fernliegen. Niemand würde glücklicher sein als wir, wenn sich diese Auffassung i n der Zukunft bewahrheiten sollte. Die Vergangenheit spricht jedenfalls dagegen. Wenn ich mir anmaße, meine Auffassung diesem Urteil entgegenzuhalten, dann kann ich immerhin darauf Hinweisen, daß der Erfolg meines eigenen Lebenskampfes nicht gerade ausschließlich einer bei mir zufällig ganz besonders stark angehäuften Unfähigkeit zu verdanken ist. Ich
glaube, ich verstehe hier immerhin einiges. Ich habe in Deutschland meine Tätigkeit etwa in derselben Zeit begonnen, in der der Bolschewismus feine ersten Erfolge, d. h. b? n erste n Bürgerkrieg in Deutschland feierte. Als nach 15 Jahren der Bolschewismus in unserem Lande 6 Millionen Anhänger zählte, war ich auf 13 Millionen gestiegen. Im EntscheidunHskampf ist er unterlegen. Der Nationalsozialismus hat Deutschland und damit vielleicht ganz Europa vor der schrecklich st en Katastrophe aller Zeitenzurückgerissen.
Würden die westeuropäischen Beurteiler dieser Idee über dieselben praktischen Erfahrungen verfügen, wie ich sie habe, dann glaube ich, würde man vielleicht auch dort zu wesentlich anderen Auffassungen gelangen. Würde aber mein Kampf in Deutschland mißlungen sein, und der bolschewistische Aufruhr das Reich zunächst überwältigt haben, dann weiß ich, würde das Verständnis für die Größe unserer geschichtlichen Leistung sicher nicht bestritten werden. So kann ich nur als vielleicht von der übrigen Welt verlachter Warner auftreten. Soweit es sich jedenfalls aber um Deutschland handelt, muß ich meinem Gewissen und meiner Verantwortung gemäß folgendes feststellen:
Die deutschen kommunistischen Aufstände und Revolutionen hätten ohne die geistige und materielle Vorbereitung durch den Weltbolschewismus gar nicht stattfinden können. Ihre hervorragendsten Führer wurden für ihre revolutionären Handlungen in Deutschland nicht nur in Rußland geschult und finanziert, sondern auch gefeiert und mit Orden ausgezeichnet, ja sogar zu Inhabern russischer Truppenteile ernannt. Dies sind Tatsachen.
Kein Vertrag mit Litauen!
Deutschland hat bei keinem europäischen Krieg - etwas zu gewinnen. Was wir wollen, ist Freiheit und Unabhängigkeit. Aus diesen Absichten heraus waren wir auch bereit, mit all unseren Nachbarstaaten Nichtangriffspakte abzuschließen. Denn wir davon Litauen ausnehmen, so geschieht dies nicht deshalb, weil wir dort einen Krieg wünschen, sondern weil wir nicht mit einem Staat politische Verträge, eingehen können, der die primitivsten Gesetze des menschlichen Zusammenlebens mißachtet.
Es ist traurig genug, daß durch die zersplitterte Lagerung der europäischen Völker sich in manchen Fällen eine praktische Grenzziehung in den Nationalitäten entsprechenden Nationalgrenzen nur schwer verwirklichen läßt, oder daß durch gewisse Verträge auf die nationale Zusammengehörigkeit bewußt keine Rücksicht genommen wurde. Es ist dann aber erst recht nicht notwendig, daß man Menschen, die ohnehin schon von dem Unglück getroffen sind, von ihrem angestammten Volk weggerissen zu sein, außerdem noch quält und mißhandelt. (Stürmische Pfuirufe.) In einer großen internationalen Zeitung las ich vor roenigen Wochen die Bemerkung, daß Deutschland doch leicht auf das Memelgebiet Verzicht leisten könne, es sei ohnehin schon groß genug. Dieser edle menschenfreundliche Skribent vergißt nur eines, daß 140 000 Menschen endlich ja auch ein ei gene s Le - bensrecht besitzen, daß es sich gar nicht darum handelt, ob Deutschland sie will ober nicht will, sondern darum, ob f i e selbst Deutsche ober keine Deutsche sein möchten. S i e finb Deutsche; man hat sie burch einen nachträglich sanktionierten Ueberfall, ber mitten im Frieden ftattfanb, vom Reich weggerissen und zur Strafe dafür, baß sie nun bennoch am beutschen Volkstum hängen, werden sie verfolgt, gefoltert und auf ba? barbarisch st e mißhanbelt. Was würbe man wohl in En g« lanb ober in Frankreich sagen, wenn ein solch trauriges Schicksal Angehörigen diesen Nationen zustoßen würde, wenn das Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Volk durch Menschen, die man gegen jebes Recht und Naturemp- finden von einem solchen Volke weggerissen hat, als strafwürdiges Verbrechen gilt, dann heißt dies, baß man Menschen selbst bas Recht bestreitet, bas jebem Tier noch zugebilligt wirb: Das Recht ber Anhänglichkeit an ben alten Herrn unb bie alte angeborene Gemeinschaft. Aber 140 000 Deutsche in Litauen werden sogar unter diese Rechte gestellt. (Lebhafte Zustimmung.) Wir haben daher keine Möglichkeit, solange es ben verant
wortlichen Garanten bes Memelstatuts ihrerseits nicht möglich ist, Litauen zum Respekt ber primitivsten Menschenrechte zurückzuführen, unsererseits mit biesem Staat irgendeinen Vertrag abzuschließen.
Wik dieser Ausnahme aber, die jederzeit von den dafür verantwortlichen Großmächten behoben werden kann, sind wir bereit, jeden angrenzenden europäischen Staat durch einen Nichtangrisfs- und Gewaltausschlie- hungsvertrag jenes Gefühl der Sicherheit zu erhöhen, das ja auch uns als Gegenseite zugute kommt. Vir haben aber nicht die Möglichkeit, solche Verträge durch Beistandsverpflichtungen zu ergänzen, die weltanschaulich, politisch und sachlich für uns untragbar sind. Der Nationalsozialismus kann nicht die Angehörigen des deutschen Volkes, d. h. seine Anhänger, zum Kampf aufrufen, für die Erhaltung eines Systems, das in unserem eigenen Staat zumindest als unser grimmigster Feind in Erscheinung tritt. Die Verpflichtung zum Frieden: Ia. Eine Kampfhilfe des Bolschewismus wünschen wir selbst nicht und wären auch nicht in der Lage, sie zu geben.
Im übrigen sehen wir in dem Abschluß ber uns bekanntgeworbenen Beistandspakte eine Entwicklung, bie sich in nichts mehr unterscheibet von ber Bildung ber früheren militärischen Allianzen. Wir bebauern dies besonbers deshalb, weil burch bas zwischen Frankreich unb Ruß» lanb abgeschlossene Militärbünbnis ohne Zweifel in ben einzig klaren unb wirklich wertvollen gegenseitigen Sicherheitsoertrag in Europa, nämlich ben Locarno-Pakt, ein Element ber Rechtsunsicherheit hineingetragen wirb. Die wohl aus ähnlichen Befürchtungen heraus in letzter Zeit von verschiebenen Seiten oorgetragenen Interpellationen über bie infolge bieses Bündnisses gegebenen Rechtsoerpflichtungen beweisen sowohl durch bie Fragestellungen als auch durch bie Beantwortung, wie groß die Zahl ber dadurch ermöglichten Fälle ist, die jedenfalls zu Meinungsverschiedenheiten Anlaß geben können. Die deutsche Reichsregierung wird besonders dankbar sein, eine authentische Interpretation der Rückwirkungen und Auswirkungen des russisch-französi- schen Militärbündnisses auf die Vertragspflichten der einzelnen Vertragspartner des Locarno-Paktes zu erhalten. Sie möchte auch keinen Zweifel über ihre eigene Auffassung aufkommen lassen, baß sie diese Militärallianzen als unvereinbar mit dem Gei st und dem Buchstaben des Vol» ferbunbsftatuts hält.
„Mchleinmischulig".
Nicht weniger unmöglich als die llebernahme unbegrenzter Beistandsverpflichtungen erscheint uns die Unterzeichnung von Nichteinmischungspakten, solange dieser Begriff nicht eine genaueste Definition erfährt. Denn an sich hätten wir Deutsche den allermeisten Grund, uns zu freuen, wenn endlich ein Weg oder eine Methode gefunden werden könnte, um die Einflußnahme auf das innere politische Leben der Völker durch Kräfte von außen zu unterbinden und zu verhindern.
Seit Beendigung des Weltkrieges ist ja Deutschland ein Opfer solcher fortgesetzten Störungen. Unsere Kommuni st ische Par- t e i war die Sektion einer im Auslande verankerten und von dort dirigierten politischen Bewegung. Alle Aufstände in Deutschland erhielten von außen ihre geistige Führung und materielle Förderuna. Das ist übrigens der anoeren Welt aanz genau bekannt, hat sie aber nie sonderlich aufgeregt. Eine Armee von Emigranten ist im Ausland gegen Deutschland tätig. In Prag, Paris unb anderen Stäbten werben fortgesetzt revolutionäre deutsche Zeitungen gedruckt und nach Deutschland geschmuggelt. Oeffentliche Aufrufe zu Gewalttaten finden nicht nur in diesen Organen, sondern auch in sonstigen großen Blättern bereitwillige Aufnahme. Sogenannte „schwarze" Sender fordern von dort aus in Deutschland zu Attentaten auf. Wieder andere Sender machen in deutscher Sprache Propaganda für in Deutschland verbotene Terrororganisationen. Gerichtshöfe werden im Auslande in voller Offenheit gebildet unb versuchen, von außen her in bie beutsche Rechtspflege einzugreifen usw. usw. So sehr wir also selbst interessiert finb, solche Versuche unb Methoben zu beseitigen, so groß scheint uns o t e Gefahr zu sein, baß bei einer nicht ganz genauen Definition solcher Vorgänge ein Regime, bas im Innern eines Staates über keine andere Rechtsgrundlage als die der Gewalt verfügt, jede innere Erhebung sofort als auj ätt^eien MuUuH
renbe Einmischung umzubeuten versucht unb nun zu seiner Selbsterhaltung bie vertragliche Waffenhilfe forbert. Daß in Europa b i e politischen Grenzen nicht bie Jbeen- grenzen finb und sein können, kann schwerlich bestritten werden. Seit der Einführung des Christentums haben sich in ununterbrochener Folge bestimmte Ideen in der europäischen Völker- und Sckicksalsfamilie verbreitet unb über alle staatlichen und nationalen Grenzen hinweg Brücken geschlagen unb oerbinbenbe Elemente geschaffen. Wenn z. B. ein auslänbisches Kabinettsmitglied bedauert, daß im heutigen Deutschland bestimmte, im Westen Europas gültige Vorstellungen zur Zeit nicht mehr anerkannt werden, so müßte es eigntlich um so verständlicher sein, wenn umgekehrt deutsche Gedanken des Reiches an dem einen oder anderen deutschen Land nicht spurlos vorübergehen können.
Deutschland hat weder die Absicht, noch den Willen, sich in die inneren österreichischen Verhältnisse einzumengen, Oesterreich etwa zu annektieren oder anzuschtiehen. Das deutsche Volk und die deutsche Regierung haben aber aus dem einfachen Sotidaritätsgefüht gemeinsamer nationaler Herkunft den begreiflichen Wunsch, daß nicht nur fremden Völkern, sondern auch dem deutschen Volk überall das Selbst- bestimmungsrecht gewährleistet wird. (Lebhafte Zustimmung.)
Ich selbst glaube, daß auf bie Dauer kein Regime, das nicht im Volke verankert, vom Volke getragen und vom Volke gewünscht wird, Bestand haben kann. Wenn zwischen Deutschland und der zu einem großen Prozentsatz auch deutschen Schweiz solche Schwierigkeiten nicht bestehen, bann einfach bes» halb, weil bie Unabhängigkeit unb Selbständigkeit der Schweiz eine tatsächliche ist, unb weil niemanb zweifelt, in ihrer Regierung ben wirklichen legalen Ausbruck bes Lolkswillens zu sehen. Wir Deutsche haben aber allen Anlaß, zufrieben zu sein, baß sich Oö unserer Grenze ein Staat mit Mer zu einem
hohen Teil deutschen Bevölkerung bei großer, bedingte Spannung um so mehr, als dadurch eine innerer Festigkeit und im Besitz einer Störung unseres früher s o guten Verwirklichen und tatsächlichen Unab-Hältnisses zu Italien eingetreten ist. einem hängigkeit befindet. Die deutsche Regierung Staat,'mit dem wir sonst keinerlei Inter- bedauert die durch den Konflikt mit Oesterreich^essengegensätze besitzen.
Deutschlands konstruktives Programm.
Wenn ich von diesen allgemeinen Betrachtungen nun übergehe zu einer präziseren Fixierung der vorliegenden aktuellen Probleme, so komme ich zu folgender Stellungnahme ber beutfdjen Reichsregierung:
1. Die beutsche Reichsregierung lehnt bie am 17. März erfolgte Genfer Entschließung ab. Nicht Deutschlanb hat ben Vertrag von Versailles einseitig gebrochen, fonbern bas Dik - tat von Versailles würbe in ben bekannten Punkten einseitig verletzt unb damit außer Kraft gesetzt durch jene Mächte, die sich nicht entschließen konnten, der von Deutschland verlangten Abrüstung bie vertraglich vorgesehene eigene folgen zu lassen. Die burch bieten Beschluß in Genf Deutschland zugefügte neue Diskriminierung machte es ber deutschen Reichsregierung unmöglich, in diese Institution zurückzukehren, ehe nicht bie Voraussetzung für eine wirklich gleiche Rechtslage aller Teilnehmer geschaffen ist. Zu bem Zweck erachtet es bie beutsche Reichsregierung als notwendig, zwischen bem Vertrag von Versailles, ber aufgebaut ist auf ber Unterfdjeibung ber Nationen in Sieger unb Besiegte, unb bem Völker- b u n b, ber aufgebaut fein muß auf ber Gleichbewertung unb Gleichberechtigung all feiner Mit- glieber, eine klare Trennung herbeizuführen. Diese Gleichberechtigung muß sich auf alle Funktionen unb alle Besitzrechte im internationalen Leben erstrecken.
2. Die beutsche Reichsregierung hat infolge ber Nichterfüllung der Abrüstungsverpflichtungen durch die anderen Staaten sich ihrerseits l o s g e s a g t von den Artikeln, die infolge ber nunmehr einseitigen vertragswibrigen Belastung Deutsch- lanbs eine Diskriminierung ber beut» schen Nation für unbegrenzte Zeit barstellen. Sie erklärt aber hiermit feierlichst, baß sich biefe ihre Maßnahme ausschließlich auf die moralisch und sachlich bas beutsche Volk bisfriminierenben unb bekanntgegebenen Punkte bezieht. Die beutsche Reichsregierung wirb daher die sonstigen, das Zusammenleben der Nationen betreffenden Artikel einschließlich ber territorialen Bestimmungen unbebingt respektieren unb bie im Wanbel ber Zeiten unvermeiblichen Revisionen nur auf bem Wege einer frieblichen Ver- ftänbigung burchführen.
3. Die deutsche Reichsregierung hat die Absicht, keinen Vertrag zu unterzeichnen, der ihr unerfüllbar erscheint. Sie wird aber jeden freiwillig unterzeichneten Vertrag, auch wenn seine Abfassung vor ihrem Regierungs- und Machtantritt stattfand, peinlich ein halten. Sie wird insbesondere daher ave aus dem Locarnopakt sich ergebenden Verpflichtungen solange halten und erfüllen, als die anderen Vertragspartner auch ihrerseits bereit sind, zu diesem Pakt zu stehen. Die deutsche Reichsregierung sieht in der Respektierung der entmilitarisierten Zone einen für einen souveränen Staat unerhört schweren
Beitrag zur Beruhigung Europas.
Sie glaubt aber darauf Hinweisen zu müssen, daß die fortgesetzten Truppenvermehrungen auf der anderen Seite keineswegs als eine Ergänzung dieser Bestrebungen anzusehen sind.
4. Die deutsche Reichsregierung ist jederzeit bereit, sich an einem Gütern kollektiver Z u- fammenorbeit zur Sicherung des e u • 53 Hp(i /U30ijid|dq nL suaqaiig u 3 (p j 1 p d o 2 aber bann für notwendig, dem Gesetz ber ewigen Weiterentwicklung burch bie Offenhaltung vertraglicher Revisionen entgegenzukommen. Sie sieht in ber Ermöglichung einer geregelten Vertragsentwicklung ein Element der Friebens- sicherung, in dem Abdrosseln jeder notwendigen Wandlung eine Aufstauung für spätere Explosionen.
5. Die deutsche Reichsregierung ist ber Auffassung, daß ber Neuaufbau einer europäischen Zusammenarbeit s i ch nicht in ben Formen einseitig aufoktroyierter Bebingun- gen vollziehen kann. Sie glaubt, daß es richlig ist, sich angesichts ber nicht immer gleichgelagerten .Interessen stets mit einem Minimum zu begnügen, statt biefe Zusammenarbeit . n - folge eines unerfüllbaren Maximums an Forberungen scheitern zu lassen. Sie ist weiter ber Ueberzeugung, baß sich biefe Ser» ftänbigung mit einem großen Ziel im Auge nur schrittweise vollziehen kann.
6. Die beutsche Reichsregierung ist grundsätzlich bereit, Nichtangriffspakte mit ihren einzelnen Nachbarstaaten abzuschließen unb diese durch alle Bestimmungen zu ergänzen, die auf eine I s o° lierung ber Kriegsührenben und eine Lokalisierung des Kriegsherbes abzielen. Sie ist insbefonbere bereit zur Uebernahme aller Verpflichtungen, bie. sich baraus für bie Lieferung von Materialien und Waffen im Frieden ober Krieg ergeben mögen unb von allen Partnern übernommen unb respektiert werden.
7. Die deutsche Reichsregierung ist bereit, zur Ergänzung des Locarnopaktes einem Luftad- ko m m e n zuzustimmen und in seine Erörterungen einzutreten.
8. Die deutsche Reichsregierung hat bas 21 u s • maßbesAufbauesberneuendeutschen Wehrmacht bekanntgegeben. Sie wird davon unter keinen Umständen abgehen. Sie sieht weder zu Lande, noch zur Luft, noch zur See in der Erfüllung ihres Programms irgendeine Bedrohung einer anderen Nation. Sie ist aber jederzeit bereit, in ihrer Waffenrü - ftung jene Begrenzungen vorzunehmen, die von ben anderen Staaten ebenfalls übernommen werden. Die deutsche Reichsregie- rung hat von sich aus bereits bestimmte Begrenzungen ihrer Absichten mitgeteilt. Sie hat damit am besten ihren guten Willen gekennzeichnet, ein unbegrenztes Wettrüsten zu vermeiden. Ihre Begrenzung der deutschen Luftrüstung auf ben Stand einer Parität mit ben einzelnen anderen westlichen großen Nationen ermöglicht jederzeit die Fixierung einer oberen Zahl, die bann miteinzu- halten sich Deutschland bindend verpflichten wird.
Keine Flottennvalilät mit England.
Die Begrenzung der deutschen Marine liegt mit 35 Prozent ber englischen mit noch 15 Prozent unter dem Gesamt- tonnagement der französischen Flotte. Da in ben verschiedenen pressekom- mentaren bie Meinung besprochen wurde, daß diese Forderung nur ein Beginn sei und sich insbesondere mit dem Besitz von Kolonien erhöhen würde, erklärt die deutsche Reichsregierung bindend: Diese Forderung ist für Deutschland eine endgültige und bleibende. Deutschland hat weder die "(('sicht noch die Notwendigkeit oder das Vermögen, in irgendeine neue Flottenrivaliiat einzutreten. Die deutsche Reichsregierung erkennt von sich aus die überragende Lebenswichttgkeit und damit die Berechtigung eines dominierenden Schuhes des Britischen Weltreiches zur See an, genau so wie wir umgekehrt entschlossen sind, alles Notwendige zum Schuhe unserer eigenen kontinentalen Existenz und Freiheit zu tun. Die deutsche Regierung hat die aufrichtige Absicht, alles zu tun, um zum britischen Volk und Staat ein Verhältnis zu finden und zu erhallen, das eine Wiederholung des bisher einzigen Kampfes zwischen beiden Nationen für immer verhindern wird.
9. Die deutsche Reichsregierung ist bereit, s i ch an allen Bestrebungen aktiv zu beteiligen, bie z u praktischen Begrenzungen uferloser Rüstungen führen können. Sie sieht ben einzig möglichen Weg hierzu in einer Rückkehr zu ben Gebankengängen der einstigen Genfer Konvention bes Roten Kreuzes. Sie glaubt zunächst nur an bie Möglichkeit einer schrittweisen Abschaffung unb Verfemung von Kampfmitteln unb Kampsmethoden, bie ihrem innersten Wesen nach in Widerspruch stehen zur bereits geltenden Genfer Konventton des Roten Kreuzes. Sie glaubt dabei, daß ebenso wie bie Anwendung von Dumdum-Geschossen einst verboten und im großen damit auch prakttsch verhindert wurde, auch bie Anwendung anderer bestimmter Waffen zu verbieten und damit auch prakttsch zu verhindern ist. Sie versteht darunter alle jene Kampfwaffen, die in erster Linie weniger den kämpfenden Soldaten als vielmehr den am Kampfe selb st unbeteiligten Frauen unb Kinb ern Tob und Vernichtung bringen. Die deutsche Reichsregierung hält ben Gedanken, Flugzeuge abzuschaffen, aber das Bombardement offenzulassen, für irrig und unwirksam. Sie hält es aber für möglich, die A n - wenbung bestimmter Waffen international als völkerrechtswidrig zu verbannen und bie Nationen, bie sich solcher Waffen dennoch bedienen, als außerhalb der Menschheit und ihrer Rechte und Gesetze stehend zu verfemen. Sie glaubt auch hier, daß ein schrittweises Vorgehen am ehesten zum Erfolg führen kann. AljA Verb dl des Abwerfens von Gas^
Brand- und Sprengbomben außerhalb einer wirklichen Kampfzone. Diese Beschränkung kann bis zur vollständigen internationalen Verfemung des Bombenabwurfs überhaupt fortgesetzt werden. Solange aber der Bombenabwurf als solcher freisteht, ist jede Begrenzung der Zahl ber Bombenflugzeuge angesichts der Möglichkeit des schnellen Ersatzes fraamürbig. Wird ber Bomben- aomurf aber als solcher als völkerrechtswidrig e Sarb ar e i ge brandmarkt, so wird der Bau von Bombenflugzeugen damit bald als überflüssig und zwecklos von selbst fein Ende finden.
Denn es einst gelang, durch die Genfer Rote- kreuz-konvention die an sich mögliche Tötung des wehrlos gewordenen Verwundeten oder Gefangenen allmählich zu verhindern, bann muh es genau fo möglich fein, durch eine analoge Konvention den Bombenkrieg gegen die ebenfalls wehrlose Zivilbevölkerung zu verbieten und endlich überhaupt zur Einstellung zu bringen. Deutschland sieht in einer solchen grundsätzlichen Anfassung des Problems eine größere Beruhigung und Sicherheit der Völker, als in allen Beistandspakten und TNilitärkonventionen.
10. Die deutsche Reichsregierung ist bereit, jeder Beschränkung zuzusttmmen, die zu einer Beseitigung der gerade für ben Angriff besonbers geeigneten schwersten Waffen führt. Diese Waffen umfassen 1. schwerste Artillerie und 2. schwerste Tanks. Angesichts ber ungeheuren Befestigungen ber französischen Grenze würde eine solche internationale Beseitigung ber schwersten Angriffswaffen Frankreich automatisch in ben Besitz einer geradezu 100prozenttgen Sicherheit bringen.
11. Deutschland erklärt sich bereit, jeder B e - grenzung ber Kaliber stärken der Artillerie, der Schlachtschiffe, Kreuzer und Torpedoboote zuzustimmen. Desgleichen ist die deutsche Reichsregierung bereit, jede internationale B e - grenzung der Schiffsgrößen zu akzeptieren. Unb endlich ist die deutsche Reichsregierung bereit, der Begrenzung des Tonnengehaltes ber U-Boote oder auch ihrer vollkommenen Beseitigung für den Fall einer internationalen Regelung zuzustimmen.
Darüber hinaus aber gibt sie abermals die Versicherung ab, daß sie sich überhaupt jeder internationalen unb im gleichen Zeitraum wirksam werdenden Waffenbegrenzung ober Waffenbeseittgung anschließt.
12. Die deutsche Reichsregierung ist ber Auffassung, baß alle Versuche, burch internationale ober mehrstaatliche Vereinbarungen eine wirksame Mil- berung gewisser Spannungen zwischen einzelnen Staaten zu erreichen, vergeblich sein müssen, solange nicht burch geeignete Maßnahmen einer Vergiftung ber öffentlichen Meinung ber Volker burch unverantwortliche Elemente in Wort unb Schrift, Film unb Theater erfolgreich oorgebeugt wirb.
Schluß der Führerrede im 3» Matt.


