Ausgabe 
21.9.1935
 
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den Grenzgebieten Sowjetruhlands Aserbeidschan, Georgien, Turkestan und Ukraine haben dem Prä«

>es neuen

den. Vier weitere britische Schiffahrts-Gesellschaften sollen das Reiseprogramm der Schiffe, die Vergnü- gungsreisen nach dem Mittelmeer unternehmen wollten, geändert haben.

führt.

cht mehr wie tn

Grenzstreifen ' r al-

Gibraltar und der Aufmarsch im Miiielmeer.

Von unserem Ll.-Gt.-Äerichierstaiier.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Gibraltar, 18. September 1935.

Ueber dem Gibraltarselsen hängt eine graue Dunstmasse. Eine Wolke, die an der Spitze festge­halten wird und die der Ostwind über die Stadt und einen Teil der Bucht von Algeciras schweben

Daheim und in Gens.

Auch heute noch brutale Unterrdückung der nationalen Minderheiten inSowjetrutzland.

Genf, 20. Sept. (DRB.) Die Vertreter der fremd st ämmigen Nationalitäten in

London, 21. Sept. (DNB. Funkspruch.) Nach demDaily Expreß" wird infolge der gespannten politischen Lage die Jungfernfahrt bi englischen DampfersStrathmore" nicht, wie ur­sprünglich vorgesehen, nach dem Mittelmeer und nach italienischen Häfen, sondern nach den Kanarischen Inseln unternommen wer-

Keine britische Sonderbürgschast für Mitteleuropa.

LondonsAntwort auf dieAnfrage ausParis

London, 21. Sept. (DNB.-Funkspruch.)Mor- ning Post" meldet, zwischen der britischen und der französischen Regierung sei setzt eine volle V e r - ständigung über die kürzliche französische An­frage erzielt worden, welches die englische Stellungnahme im Falle eines An­griffes in Mitteleuropa sein werde. Eine englische -Sonderbürgschast für Mittel­europa komme nicht mehr in Frage. Die französische Anfrage werde demnächst auf diplo­matischem Wege beantwortet werden. Die Ant­wort werde sich genau an die allgemeine Verpflich­tung einer Unter st ützung der Völker­bundssatzung halten, die Außenminister Sir Samuel Hoare in Genf abgegeben habe. Die Tatsache, daß eine besondere Versicherung Englands jetzt nicht mehr notwendig sei, werde als sehr befriedigend betrachtet.

Englische Vergnügungsreisen nach dem Mittelmeer werden eingeschränkt.

identen der Dölkerbundsversammlung eine Denk- chrift überreicht, in der dagegen protestiert wird, ) trotz der Aufnahme Sowjetrußlands in den Völkerbund die moskowitische Unter- drückungspolitik in diesen Gebieten hem­mungslos fortgesetzt werde. Ungeachtet der Zusage verschiedener Delegierter bei der Aufnahme der Sowjetunion in den Völkerbund sei nicht­geschehen, um auf Moskau einen mäßigenden Einfluß auszuüben. Der Terror, die Religi- onsverfolgungen und die Zwangsar­beit beständen in vollem Umfange weiter. Al- neue Tatsache von größter Bedeutung sei die Massenabschiebung der Bevölkerung aus den Grenzgebieten und ihre Ersetzung durch russische Dauern zu verzeichnen. In der Ukraine habe man nicht nur einen Grenzst von 50, sondern von 150 bis 200 Kilometer Derteidigungszone erklärt und die dortige bodenständige Bevölkerung nach Rordruk* land abaeschoben. Die Reform der Kollektiv- wirtschaft sei nur zum Schein erfolgt. Die Bau­ern seien nach wie vor einer leicht modernisierte» Leibeigenschaft unterworfen und seien ftiut*

Der Wahtterror im Memelgebiet

Feststellungen eines englischen Journalisten.

ner große Zuschüsse für Straßenbauten, zur Errichtung von Krankenhäusern, Jugend- und Altersheimen usw.

Daneben läuft derErich-Koch-Plan", der die Jnnensiedlung Ostpreußens vorwärts treibt. Zwanzig Millionen Mark werden durch ihn für Ar­beitsbeschaffung und Bodenoerbesserung (Meliora- tionen) verwendet und eine bodenständige I n- d u st r i e in Ostpreußen aufgebaut, die tausend fleißigen Händen Arbeit und Brot geben wird. Außerdem hat die Agrarpolitik des Reiches der ost preußischen Landwirtschaft einen loh­nenden Absatz ihrer Erzeugnisse ermöglicht und der Fischerei und Forstwirtschaft mächtige Förderung zuteil werden lassen. DerSeedienst Ost­preußen" bient mit seinen modernen Schiffen dem Fremdenverkehr, der in immer größerem Umfange Deutsche aus allen Gebieten des Reiches nach Ostpreußen führt und besondere Bedeutung für weite Gebiete des schönen ostpreußischen Landes gewinnt.

Neben diesen materiellen Hilfen des Reiches er­scheinen mir die rein seelischen Kraft- quellen, die aus dem Reiche nach Ostpreußen strömen, sein Selbstbewußtsein und seine Sicherheit stärken, nicht weniger wichtig. Das Reich Adolf Hitlers ist ein starker, nationalbewuß- ter, deutscher Staat. Es ist heute weder das arme Preußen, das vor 130 Jahren schwer um

Hafen.bedroht.

Die Stadt Gibraltar zählt ungefähr 40000 Ein­wohner, dazu eine Garnison von etwa 8000 bis 10 000 Mann. Unter klingendem Spiel marschiert allabendlich, wenn bei Sonnenuntergang von der Felsenspitze ein Kanonenschuß ertönt, eine Wacht- mannschaft durch die Hauptstraße, voran ein Ser­geant mit einem riesigen altertümlichen Schlüssel, um die Tore bei Waterport, durch die der Weg auf spanisches Gebiet führt, zu schließen. Der letzte Dampfer bringt die Tagesgäste nach Algeciras zu­rück, denn k e t n A u s l ä n d e r d a r f i n G i b r a l- tar ohne besondere Erlaubnis, die allerdings für eine oder zwei Nächte gern erteilt wird, über­nachten. Die Bewohner der Stadt sind zum größ­ten Teil nichtenglischen Ursprungs. Ihre Voreltern waren Malteser oder auch Italiener. In späterer Zett sind viele Inder hinzugekommen, die in der Main- Street orientalische Läden eröffnet haben. Im Hasen arbeiten viele Malteser, Berber und Spanier. Als Umgangssprache hört man häufiger Spanisch als Englisch.

Seitdem der abessinisch-italienische Konflikt sich zu einem britisch-italienischen zu erweitern droht, seit­dem das ganze Mittelmeerbecken in Unruhe geraten ist ist auch das Leben in Gibraltar aus seinen ge- wohnten Bahnen getreten. Zwei Italiener wurden kürzlich als der Spionage verdächtig verhaftet; jeder Fremde wird mit einem gewissen Mißtrauen be­trachtet. Der imposante Aufmarsch der bri­tischen Kriegsflotte, der alles andere als eine Parade ist, und die geheimnisvollen Vorbe­reitungen in der F estu n g selbst erhöhen die Alarmstimmung. Die Nachricht, daß italienische Kriegsschiffe im nahen spanischen Hafen Malaga ein- gelaufen sind, läßt die Lage noch ernster erscheinen.

Es will hier so erscheinen, als ob sich Italien und England die Vorherrschaft im Mit- telmeer, durch das die großen Handelsstraßen der Weltmächte führen, streitig machen wollten. Italien ist durch seine geographische Lage im Dor- teil. Das Thyrrenische und das Adriatische Meer sind ganz von Italien beherrscht. Da die Südwest­spitze Siziliens (Mazzara-Marsala) vom nordöst- lichen Kap von Tunis, Kap Bon, nur 140 Kilometer entfernt liegt, ist Italien aller Voraussicht nach in der Lage, durch seine maritimen Machtmittel das Mittelmeer in zwei Teile zu trennen. Die kleine Insel Pantellaria ist sogar nur 80 Kilometer von Kap Bon entfernt. Sie bient als vortrefflicher Stützpunkt für Unterseeboote, Flugzeuge und klei­nere, schnelle Kriegsschiffe. Italien hätte dadurch die Möglichkeit, den Verkehr zwischen Gibraltar, Malta und Suez abzuriegeln. England hingegen wäre in der Lage, durch den Besitz von Gibraltar auf der einen Seite und von Alexandrien und Suez auf der anderen das gesamte Mittelmeer

feine Erillenz rang, noch das Systemaebilde der Lmb-rrAblik. da- Ehre und Fr-i?- t g°rinz achtet- und Kraft und Will- ocrmtffen l,-ß. Da» Reich Adolf Hitlers ist wieder eine Groß­macht geworden, deren geballte Kraft m ihren ge­waltigen Friedenswerken auch den Fernstehenden, ja selbst den Gegnern nicht verborgen Herbert kann. Die für Jahrhunderte gebauten, von der Vielt oe» staunten Straßen Adolf Hi t le; r s , bie neu- erstandene Wehrmacht, bie Millionen opfer­bereiter Männer in der SA., der SS. und im Deutschen Arbeitsdienst, der giaan- tische und erfolgreiche Kampfe ge gen Dt e L r werbslosigkeit, die soziale Großtat der NS.- Volkswohlfahrt, ihrer Winterhilfe, Frauen- und Kinderfür sorge, reden eine deutlichere Sprache als viele, viele Worte. Der deutsche Mensch ist wieder frei in feinem Schaffen und Wirken geworden und arbeitet in allen Teilen des Reiches, vorn Bodensee bis an die Memel, mit unerhörter Tatkraft an dem Aufstieg des Reiches und dem Wohlstand des deut­sch e n D o l k e s.

Ostpreußen ist allen Deutschen in dieser Aufbau­arbeit ein wichtiges Glied. Aus ihm strahlt dis Kraft der wiedererwachten aufsteigenden Nation weit in den Osten, den Nachbarn zeigend, was Einigkeit und treue Voltsverbunden, heit gemeinsam unter einem starken Führer vermag.

Oer Völkerbund für die Behandlung der Memelfrage ausgeschattet.

London, 20. Sept. (DNB.) Eden und La- o a l hatten in Genf eine lange Besprechung mit den Vertretern Litauens und Lettlands L o z o r a i t i s und M u n t e r s über die Frage der Zukunft von Memel. Es verlautet, die vier Staatsmänner feien übereingekommen, die Frage auf diplo­matischem Wege und nicht vor dem Völkerbund zu behandeln. Wie dasPetit Journal" wissen will, hat Laval in der Unterredung noch einmal ausdrücklich betont, daß das M e - m e I ft a t u t von der litauischen Regierung strikt befolgt werden müsse, und daß auch die Wahlen in größter Ruhe vonstatten gehen müßten, um jeden Zwischenfall zu vermeiden, der Folgen für Osteuropa nach sich ziehen könnte. Ueber diesen Punkt habe Laval nacheinan­der mit Eden, Beck und Aloisi gesprochen.

»Memelland in Not.-

In wenigen Tagen, am 29. September b. I., sollen die deutschen Brüder im Memelland unter größtem Terror zur Wahlurne schreiten. Diese Wahl eines deutschen Stammes unter fremder Gewalt geht ganz Europa an; denn hier kämpft ein Volk um Rechte, die ihm feierlich von den Signatar­mächten verbrieft worden sind, die aber Litauen unter beispiellosem Terror immer wieder zu durch­brechen versucht. Der Oberpräsident und Gauleiter von Ostpreußen, Staatsrat Erich Koch, hat eine Aufklärungsschrift herausgegeoen, die eine lückenlose Aufzählung all der brutalen Gewaltakte im Memellande enthält. Die Schrift, die den Titel Memelland in Not" trägt und in der fast alle Reichsminister und führende Männer der deutschen Oeffentlichkeit das Wort nehmen, wird in vielen hunderttausend Exemplaren in der ganzen Welt verbreitet. Anforderungen auf Zusendung von Exemplaren sind zu richten an den Sturmver - l a g GmbH., Königsberg-Pr., Selkestraße 3 bis 4, unter Beifügung von 30 Pfennig.

zu isolieren.

Italien besitzt England gegenüber im Mittelmeer die Ueber macht an Unterseebooten. Seine Luftstreitkräfte sind gleichfalls den englischen weit überlegen. An Flotten- ei nh eiten verfügt es an großen Kriegsschiffen über vier Dreadnoughts, zehn schwere und 19 leich­tere Kreuzer, dazu die erforderlichen Zerstörer, Trainschiffe und 90 Torpedo- und Kanonenboote. Die b r i t i f ch e Flotte ist d e r i t a l i e n i s ch e n überlegen, besonders wenn die Atlantikflotte und ein Teil der Heimatflotte im Mittelmeer zu- fammengezogen werden. In Gibraltar sind soeben die SchlachtschiffeHood" undRenown" einge­troffen, eine Kreuzerflottille ist nach Malta weiter- gedampft, eine Reihe von Kreuzern machen Er- rundungssahrten längs der Küste. Alle Kriegsschiffe sind in Kampfbereitschaft gesetzt und können sofort ihre Kanonen auf ein gegebenes Signal reden lassen.

Die britischen und italienischen Flottenaufmärsche im Mittelmeer haben keineswegs den Charakter von theoretischen Manövern, sie sind auf einen Zu­sammenprall vorbereitet, der sich heute oder morgen ereignen kann. Die Atmosphäre ist gewittergeladen, der geringste Funke kann genüaen, um eine Ex­plosion herbeizuführen, deren Folgen sich nicht aus- denken lassen. Spanien als benachbarte Mittel- meerrnacht ist durch den Lauf der Ereignisie sehr beunruhigt. Es befürchtet, im Falle eines Krieges mit in den Trubel hereingezogen zu werden und feine unbedingte Neutralität nicht wahren zu können. Längs der andalusischen Küste finden starke Truppenbewegungen statt. Mahon auf den Balearen ist infolge der Befestigungsarbeiten für

In wenigen Tagen werden die Deutschen im Memelland an b ic Wahlurne treten und trotz allen Terrors einer oolks- und landfrem­den Macht ihre (Stimme für die Deutscherhal­tung ihrer Heimat abgeben, die 500 Jahre seit dem Friedensschluß am Melnosee tn deut­schem Hoheitsgebiet lag. Obzwar die Rechte der Memeldeutschen durch das Autonomiestatut vom Mai 1924 von England, Frankreich, Italien und Japan garantiert, vom Völkerbund bestätigt und von Litauen anerkannt wurden, ist das Statut von Litauen niemals erfüllt worden. Im Gegenteil: Alle kulturellen und innerpolitischen Frei- beiten, das Recht der eigenen Gerichtsbarkeit, der Polizei- und Steuerhoheit und selbst die frei ge­wählte Vertretung ist den M e m e l d e u t s ch e n geraubt worden.

Sett Jahren betreibt Litauen eine aufreizende und provozierende Gewaltpolitik in diesem Teil des vor dem Weltkriege 3u Ostpreußen und damit zum Reiche gehörigen Landes, die zweifellos böse Folgen für das friedliche Zusammen­leben der Völker haben muß. Mit Gewalt und Lockungen sucht man ein politisch und wirt­schaftlich zermürbtes und verelendetes Land samt seiner deutschen Bevölkerung den großen litauischen Bestrebungen gefügig zu machen. Gerade deshalb ist es nicht überflüssig, daraus hinzuweisen, wie fürsorglich die im Reichsgebiet verbliebenen Lan­des- und Bolksteile Ostpreußens, insbesondere seit der Machtergreifung Durch den Nationalsozialis­mus betreut wurden, welche Fortschritte sie gemacht und wie sie einem neuen Ausstieg ent­gegengegangen sind.

Die Friedensdiktate haben Ostpreußen räumlich vom Reich getrennt, aber gerade darum ist dieses Land der Seele des deutschen Volkes nähergebracht worden als je zuvor. Das Reich hat den schweren Kamps Ostpreußens mit allen Mitteln un­ter st ützt und gefördert und diese schöne Insel der deutschen Kultur im Osten als ein hohes Kleinod im Kranze der Länder des großen Volks­reiches gehegt und gepflegt, wie die liebende Mutter ihr einziges Kind.

Ostpreußen ist ganz Deutschland das Sinn­bild der Liebe und Treue zu Volk und Vaterland geworden.

Das Reich bat darum auch Treue mit Treue und Liebe mit Liebe gelohnt. Ostpreußen hat i m Kriege am meisten von allen deutschen Landschaften ertragen und in der Nach­kriegszeit schwer gelitten; darum hat es auch An­spruch darauf, Hilfe vom Reiche zu fordern, und das nationalsozialistische Deutschland hat sie gern und freudig geboten. Schon mit der sogenann­ten Kleinen O st h i l f e" ist Ostpreußen weit­gehende Hilfe zuteil geworden. Sie besteht vor allem darin, daß Die Real steuern wesentlich g e senkt wurden und das Reich dreißig Millionen Mark jährlich für Ostpreußen beisteuert. Dadurch sind Senkungen der kommunalen La- st e n bis zu 55 v. H. in den Ostgebieten möglich geworden. Der Sinn dieser Maßnahme ist, Dem Steuerzahler weitestgehend entgegenzukommen und anderseits den Gemeinden eine sichere Finanzgeba­rung zu ermöglichen. Gerade die kleinen Land­gemeinden, die die Reickszuschüsse jetzt pünktlich erhalten und damit in Die Lage gesetzt werden, ihre Verpflichtungen zu erfüllen, empfinden diese Art derKleinen Osthilfe" besonders wohltuend.

Eine weitere Hilfe ist Ostpreißen durch die soge­nannte Frachtensenkung zuteil geworden. Das Reich gibt jährlich zwölf Millionen Frachtzu- schüffe an Ostpreußen, bie dazu dienen, dietote Zone" des Korridors, der Ostpreußen vom Reich trennt, auszuschalten. Dadurch werden die Frachtkosten von und nach Ostpreußen soweit ge­senkt, daß die räumliche Entfernung des Korridors restlos überbrückt wird. DieFrachtenerstattungs­stelle beim Oberpräsidenten in Königsberg" führt diese wichtige Hilfsaktion durch. Das Reich leistet fer-

läßt. Die Leute sagen hier:Der Calpefelfen raucht seine Pfeife." Rings um den Dunstschleier leuchtet helle, südliche Sonne. Sie läßt die Wasser in der Meerenge aufblitzen, fpiegelt sich in den Fenstern von La Linea und zeichnet durch die Blätter der hohen Palmen im Park wunderliche Schatten auf den Kies. Es wäre ein Bild des Friedens, wenn nicht im Hafen vor der Festung die riesigen Körper britischer Kriegsschiffe ankern würden, wenn die Garnison nicht in halben Alarmzustand versetzt worden wäre, und wenn nicht scharfe Polizeima ß n ahmen den Verkehr in der Stadt regeln würden. Das furchtbare WortKrieg" wird geflüstert. Man be­fürchtet Fliegerangriffe. Und wenn auch noch von feiner Panik gesprochen werden kann, so ziehen es doch schon viele Familien vor, auf f p a n i f A e s Gebiet überzusiedeln. Nur eine etwa einen Kilo­meter breite sogenannteneutrale Zone" trennt die britische Festung von der spanischen Stadt La Linea. Schmucke kleine Dampfer befördern die Fahrgäste in einer Viertelstunde quer über die Bucht nach der spanischen Stadt Algeciras, dem Endpunkt der Bahn, die über die Berge von Rvnda nach Bobadilla nach allen Richtungen des weiten spanischen Hinterlandes

Gibraltar kann heute nf_,. ,

früheren Zeiten als uneinnehmbare Fe - ftu n g gelten, die unbedingt die Meerenge be­herrscht und den Schlüssel zum Tor besitzt, das den Ozean vom Mittelmeer trennt. Die gewaltige Fels­masse aus Kalkstein, und wenn auch die obere Lage durch künstliche Betonschichten gedeckt sein sollen, unter denen sich verborgene Batte- r i e n von ungeheurer Macht befinden, die die ganze Meerenge unter Feuer nehmen können, wenn sicherlich auch L u f t a b w e h r g e s ch ü tz e ausge­stellt sind, so sollen doch sachverständigem Urteil gemäß die ausgehöhlten Felsmassen auf die Dauer einem konzentrischen Luftangriff nicht stand­halten. Vor allem aber ist die Stadt, die am Westabhang terrassenförmig klebt, und ist d e r

lienischen Handelsschulden an englische Woll­firmen im Gebiet von Bradford allein betragen z. B. 250 000 Pfund Sterling. Die Verpflichtungen an die Kohlenausfuhrfirmen sind noch größer. Die englische Kohlenausfuhr nach Italien ist im August dieses Jahr um 85 000 Tonnen niedriger gewesen als im selben Monat des Vorjahres.

Italien und die Türkei.

Mailand, 21. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Mailänder Blätter bringen ein Dementi der Mel­dung eines belgischen Blattes, wonach bie Insel Rhodos einem großen Lazarett gleiche. Dal Gerücht von einer Abtretung der Insel an die Türkei, um deren Freundschaft zu erwerben, wird als absurd bezeichnet. Die Beziehungen Italiens zur Türkei seien so herzlich und von so großem gegenteiligem Verständnis für Mittelmeer- Fragen, daß es wahrhaftig nicht nötig sei, diese noch durch die Abtretung von Gebieten zu stärken.

den Zivilverkehr gesperrt. Flugzeugbasen werden angelegt, und das afrikanische Ufer gegenüber von Gibraltar bei Ceuta, dessen Häuser bei gutem Wet­ter von Gibraltar aus klar zu erkennen sind, wird, soweit wie möglich, in Verteidigungszustand gesetzt, um zu verhüten, daß von Dort aus in gesicherter Stellung die Festung und der englische Hafen be­schossen werden.

Man hat das Jahr 1935das Jahr des Schick­sals" genannt. Die vielen Menetekel, die jetzt am Horizont der Zukunft aufleuchten und dem Lauf der Geschichte neue Bahnen weisen, scheinen in der Tat darauf hinzudeuten, daß die Welt aus der Katastrophe von 1914 wenig gelernt hat und daß, vor die Wahl gestellt, die Völker wieder dem falschen Wegweiser folgen.

Oie Krisis

in der englischen Arbeiterpartei.

London, 21. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Zersplitterung der Arbeiterpartei Durch den Rück­tritt führender Parteimitglieder hat die Partei­organe zu Bemühungen veranlaßt, die Parteiver­hältnisse neu zu ordnen.Daily Telegraph" meint, es besiehe jetzt sogar die Möglichkeit, daß die Partei dieA e ch t u n g" der früheren M i t g He­be r, bie in der Krise von 1931 Macdonald folgten und bie Nationale Arbeiterpartei bildeten, wie­der aufheben werde. Der Führer der Sozia­listischen Liga, Sir Stafford (Tripps, hat seinen Austritt aus der Partei damit begründet, daß er internationale Sühnemaßnahmen n i cht unterstützen könne, wenn sie den im­perialistischen Zielen Englands ober anderer Mächte dienen. Nur bann sei er für mili­tärische Maßnahmen, wenn sie von einer Gruppe sozialistischer Staaten zur Un­terstützung einerinternationalen sozialistischen Dränung' gegen einenk a p i t a 11 st i s ch e n Angriff" angeroanbt würden.

Oas geographische Bild Abessiniens.

Eine ausgezeichnete Karte von Abessinien zum Preise von 1,20 Mark (294) gibt Ju­stus Perthes in Gotha heraus. Sie beruht auf her Darstellung in Stielers Handatlas, zeigt also die Vorzüge dieses Attas (Kupferstich). Der Aus­schnitt ist glücklich gewählt; der künftige Kriegs­schauplatz Abessinien steht in der Mitte. Die So­maliländer und Eritrea umranden Abessinien im Osten. Auf der anderen Seite ist auch das Nil­gebiet (Aegyvttsch-Englischer Sudan) bargestellt, des­sen Nachbarschaft zu Abessinien ja von entscheiden­der politischer und wirtschaftlicher Bedeutung ist (Tana-See). Eine Nebenkarte zeigt das ganze Ge- oiet des Mittelmeeres und Roten Meeres. Der Karte ist rückseitig ein Text aufgedruckt, der über die Verfassung und Regierung Abessiniens, über Fläche, Bevölkerung, Wirtschaft und Verkehr, über die geographischen, für alle militärischen Vorgänge entscheidenden Eigenheiten des Landes ausreichend informiert.

Italiens Handelsschulden in England.

London, 21. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die englischen Handelskammern sind an das Ueberfee- Handelsamt mit der dringenden Forderung heran- getreten, einen neuen Druck zur Bezahlung der ausstehenden italienischen Han­delsschulden an England cruszvüben. Ihre Be- mühungen seien bisher erfolglos gewesen. Die ita-

Ostpreußen und das Memelland

Von Reiche- und preußischem Minister de- Innern Dr. Wilhelm Frick

London, 21. Sept. (DNB.-Funkspruch.) In einem Sonderbericht derDaily Mail" aus Memel heißt es: Viele Leute des Memelgebietes fragen sich:Können wir bei den kommenden Wahlen die Abstimmung wagen und, wenn wir wählen, was wird gegen uns unternom­men, falls wir nicht für Litauen stimmen?" Die Memelländer beklagen sich besonders Darüber, daß kein Vertreter Der memelländischen Partei, Die Den Litauern in einem Verhältnis von beinahe 5 :1 überlegen ist, in Den Wahl­ausschuß und die Unterausschüsse gewählt wor­den ist, bie Die einzelnen Wahllokale überwachen werben. Die Memelländer sind Daher in ihrem eigenen Lande sogar des Rechtes beraubt, auch nur als neutrale Beobachter bei den Wahlen aufzutreten. Aber nicht nur das, sondern Gailius, der Präsident Des Wahlaus­schusses, und sein Stellvertreter, Dawils, sind Kandidaten der litauischen Parteien und werden als Mitglieder des Ausschusses Die Pflicht haben, an Der Stimmenauszäh­lung teilzunehmen. Die Zählung wird übrigens nur von Litauern vorgenommen.

Der Korrespondent weist dann auf die umständ­liche Wahlhandlung hin. Er schreibt: Die Möglich­keit von Irrtümern bei diesen Wahlen muß ungeheuer sein, wenn man berücksichtigt, daß ein großer Hundertsatz Der Bevölkerung aus Land­arbeitern und Fischern besteht, die kaum lesen ober schreiben können. Schon bie Ab­gabe eines Kcmbibatenzettels mehr als verlangt bedeutet eine ungültige Stimme. Man hat zuge- geben, daß bei einer Verfuchswahl, die nach ähn­lichen Richtlinien mit Leuten höherer Vorbildung Dorgenommen wurde, nur 20 v. H. der Wähler ordnungsgemäß ihre Kandidatenzettel abgaben. Die weitverbreitete Ansicht, Daß die Ueberbleib- s e 1 der einzelnen Wahlzettelblöckewertvolle poli­tische Dokumente" darstellen, hat die Bevölkerung von Memel überzeugt, daß bie Wahlen nicht g e » heim sein werden, und daß sie, wenn sie zum Wahllokal geht und für ihre eigene Partei stimmt, Gefahr läuft, künftig benachteiligt zu wer­den.