werden dürfen. Auf diese Weise werden Memel- landführer wie der seines Amtes unrechtmäßig enthobene Landespräsident Dr. Schreiber und der frühere Oberbürgermeister Dr. Brindlinger ausgeschaltet. Wie soll das Memeldeutschtum seine Kandidatenlisten ^ustandebri^gen, wenn nabezu alle führenden Männer unter irgendwelchen fadenscheinigen Gründen als nicht wählbar bezeichnet werden?
Ein Problem für sich ist die W a h l t e ch n i k. Früher wurde nach dem Listensystem gewählt. Jetzt sollen einzelne Abgeordnete tzewählt werden. Anscheinend soll das so vor sich gehen, daß jeder Wähler sich aus der Zahl der insgesamt vorhandenen Kanditaten die ihm zusagenden aussucht, und zwar so viele, wie Abgeordnete zu wählen sind, nämlich 29. Wenn man sich aber vorstellt, daß bei der letzten Wahl 34 Wahlvorschläge mit insgesamt 364 Kandidaten ausgestellt waren und in der Wahlordnung ausdrücklich bestimmt wird, daß der Wähler die Stimmzettel e r st i m W a h l l o k a l unmittelbar vor der Wahlhandlung erhält, so kann man sich lebhaft vorstellen, wie schwierig und zeitraubend das Aussuchen der einzelnen Kanditaten sich gestalten muß. Vermehren die Litauer die Anzahl der Kanditaten absichtlich oder drängen sie sich zuerst in die Wallokale, so besteht zweifellos die Gefahr, daß ein großer Teil der Wähler überhaupt nicht zur Stimmabgabe kommt. Im übrigen wird es bei diesem System auch gar nicht möglich sein, die Geheimhaltung der Stimmabgabe zu gewährleisten, so daß hier ein weiterer Spielraum für Beeinflussung gegeben ist, um so mehr, als sich die Wahlkommissionen ausschließlich aus Litauern zusammensetzen werden.
Allergrößtes Mißtrauen muß es auch erregen, daß die Auszählung der Stimmen nicht im Wahllokal selbst erfolgen soll, sondern daß die Umschläge nach Memel geschickt werden müssen, wo die ebenfalls rein litauische Wahlkreiskommission das Ergebnis feststellt. Diese Wahlkreiskommission wird übrigens dem Landtag während der ganzen Dauer der Wahlperiode übergeordnet, so daß eine ordnungsmäßige und von fremden Einflüssen freie Tätigkeit der Volksvertretung überhaupt nicht mehr möglich ist. Eine besondere Rolle spielt der „Treu- eid" auf die Republik Litauen, von dem die Zuerteilung des Mandats an die gewählten Abgeordneten abhängig gemacht wird. Dieser „Treueid" ist so gehalten, daß er gewissermaßen einen Verzicht auf die autonomen Rechte in sich schließt. Der Abgeordnete soll sich eidlich verpflichten, u. a. auch alle die Gesetze, die die litauische Regierung in letzter Zeit für das Memelgebiet erlassen hat, zu achten. Mit anderen Worten: die Landtagsabgeordneten sollen dazu gezwungen werden, nachträglich alle Rechtsbrüche, die Kowno in letzter Zeit begangen hat, zu sanktionieren!
Diese Wahlbestimmungen sind derart skandalös, daß man eigentlich erwarten könnte, die Unterzeich- nermächte des Memelabkommens würden nun end- lich einschreiten und dafür sorgen, daß die Wahl frei und unbeeinflußt vor sich geht. Um so mehr muß man sich wundern, wenn litauischerseits die Behauptung aufgestellt wird, Frankreich hätte bereits seine Zustimmung zu dieser unglaublichen Wahlschiebung gegeben. Die Memelländer erwarten, daß hier schnellstens eine Klarstellung erfolgt und daß die litauischen Behauptungen — wie sie beispielsweise auch das Kownoer Regierungsorgan „Lietuoos Aidas" aufgestellt hat — die Memelwahlen könnten sich nunmehr in einer normalen und durch fremde Propaganda nicht gestörten Atmosphäre abwickeln, nicht ohne weiteres als bare Münze genommen werden. Nötig wäre vor allem auch die Einsetzung einer Aufsichtskommission, wie sie bereits seit Langem von den Memelländern und kürzlich auch von einem bekannten englischen Blatt, dem Londoner „Star", gefordert worden ist.
„Zimte“'
zur Entrechtung der Memelländer.
London, 21. Aug. (DNB. Funkspruch). „Times" erörtert die Maßnahmen der litauischen Regierung, die anscheinend darauf abzielten, bei den Wahlen im Memelland eine geheime und freie Abstimmuna unmöglich zu machen und die Rede- und Versammlungsfreiheit aufzuheben. Das Blatt spricht von einer Anregung, die Wahlen wie an der Saar unter Aufsicht des Völkerbundes abzuhalten. Dieser Vorschlag könne aber nicht verwirklicht werden, da die Saar der Aufsicht des Völkerbundes unterstand, während das Memelland sich unter der Souveränität Litauens befinde. Anderseits würden die Garantiemächte zweifellos ihre offiziellen Vertreter in Litauen beauftragen, auf die Art und Weife zu achten, in der die Wahlen abgehalten werden. Wenn das Ergebnis der Wahlen eine Krisis in den Beziehungen zwischen Litauen und Deutschland Hervorrufe, würden die Garantiemächte unvermeidlich in Mitleide ikschaft gezogen werden.
Bis jetzt 465 Eonderzüge für den Reichsparteitag.
Für den R e ich s par teita g 1935 sind an Sonderzügen vorgesehen (nach dem Stand vom 15. August 1935): Für den Arbeitsdienst 61, für die Deutsche Arbeitsfront 8, für den Deutschen Luftsportoerband 3, für die Hitlerjugend 45, für die Politischen Leiter 196, für SA. und RSKK. 105, für die SS. 31, für die Wehrmacht 16 Züge, insgesamt 456 Züge. Die Sonderzüge der verschiedenen Gliederungen treffen wie folgt ein: Am 6. September: 5 Züge HI., 1 Zug Politischer Leiter. 8 .(September: 2 Züge Arbeitsdienst, 1 Zug SS. 9. September: 11 Züge SS., 11 Züge SA., 14 Züge Wehrmacht. 10. September: 4 Züge SS., 2 Züge Politischer Leiter, 59 Züge Arbeitsdienst. Am 11. September in den Morgenstunden 6 Züge Politische Leiter-, vom 11., abends, bis 13. September, vormittags, die restlichen 184 Züge mit Politischen Leitern, anschließend 40 Züge HI., 12 Züge SS., 2 Züge Wehrmacht und weiter bis Samstag, den 14. September, 15 Uhr noch 94 Züge SA. und NSKK. sowie 3 Züge SS., 3 Züge DLD. und 8 Züge DAF.
Italien und die Schweiz
Genf, 20. August. (DNB.) Zwischen Bundes- rat Motta und dem italienischen Ge- sandten hat eine Unterredung stattgefunden über Die Angriffe, die ein in Varese erscheinendes Blatt wegen der „Adula"-Angelegenheit (irreben- tistische Propaganda im Kanton Tessin) gegen die Schweiz richtet. Bundesrat Motta soll den italie- nschen Gesandten auf den sehr schlechten Eindruck hingewiesen haben, den die Haltung dieses Blattes in der Schweiz und besonders im Tessin gemacht hat. Er soll von dem italienischen Gesandten die Zusicherung erhalten haben, daß künftig diese gehässigen Angriffe unterbunden werden.
An -er Wiege
-es nationalsozialistischen Arbeits-ienstes
Ein Ge-enkiag in -er Geschichte -er Arbeits-ienstpflicht.
Reich Stamm- und Musterverbände zu schaffen.
So wurde hier in Groß-Kühnau die erste Stammabteilung und die erste Führerschule des nationalsozialistischen Arbeitsdienstes errietet Das kleine Land Anhalt kann den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, die wiege des Reichsarbeitsdienstes zu fein. Zur Erinnerung an diese geschichtliche Tatsache habe ich der Gruppe für alle Zeiten das grün- rote Rand mit der Inschrift „Anhalt" verliehen. Im Sommer 1932 konnte der Aufbau des freiwilligen nationlasozialistischen Arbeitsdienstes im großen Stike und mit vollem Nachdruck beginnen. Zu dem Zweck wurden vor 3 Jahren die Sachbearbeiter hierher berufen. Sie haben damals die Richtlinien für den Aufbau und die Tätigkeit des nationalsozialistischen Freiwilligen Arbeitsdienstes erhalten im Hinblick auf die allgemeine Arbeits- dienstpflicht als Ziel. Wir haben an diesem Ziel unbeirrbar festgehalten. Wir find von den damals ausgegebenen Richtlinien bei aller Anpassung an die jeweilige Lage in grundsätzlichen Fragen nicht abgewichen. Der Erfolg hat gezeigt, daß Wog und Ziel richtig waren. Don jener ersten Führer- lagung in Groß-Kühnau im August 1932 bis zum 26. Juni 1935, dem Tage der gesetzlichen Einfüh- rung der allgemeinen Arbeitsdienstpflicht, war der Weg steil und steinig. Aber als eine in Treue, Gehorsam und Kameradschaft verschworene Gemeinschaft haben wir allen Feinden zum Trotz weiter gearbeitet. Der Parteitag 1934 hat den Erfolg unserer Arbeit offenbart und Feinde, Verräter und Verleumder zum Schweigen gebracht.
Dank dem Dillen unseres Führers Hal der 26.
Juni 1935 und die Erreichung unseres feit 5 Zähren heiß erstrebten Zieles, die allgemeine Arbeitsdienst pflicht gebracht Die Erreichung dieses Zieles bedeutet für uns keinen Abschluß unserer Arbeit sondern einen neuen Anfang. Grund und Zweck ist die uns vom Führer übertragene Aufgabe, eine Schule der Ration zu sein, zu national- sozialistischem Gemeinschaftsgeist, nationalsozialistischer Arbeitsauffassung, Weltanschauung und Lebenshaltung. Doppelt schwer ist es, diesen Ausgaben in der außerordentlich kurzen Zeit eines halben Jahres zu entsprechen. Umso mehr müssen wir unsere flräfte anspannen, um das höchstmögliche zu erreichen.
Dessau, 20. Aug. (DNB.) Dessau prangt im Schmuck der Fahnen des neuen Deutschlands. Mit klingendem Spiel und frohem Singen ziehen Abteilungen des Arbeitsdienstes hinaus nach Groß- Kühnau. Der Anlaß dieses Feiertages ist die dreijährige Wiederkehr des Tages, an dem im Schloß von Kühnau der damalige Beauftragte der NSDAP, für den Arbeitsdienst Oberst a.D. Hier! vor den Gaufachverwaltern der NSDAP, für Arbeitsdienst die Idee des staatlichen Arbeits- d i e n st e s auf der Grundlage der „allgemeinen, gleichen Arbeitsdien st pflicht für alle jungen Deutschen" verkündet hat. Auf dem Hof des Schlosses, wo die Ehrenabteilungen aus den Gruppen des Arbeitsgaues 13 mit dem Spielmannsund Gaumusikzug, die Fahnenabordnungen aller 30 Gaue des Reiches und Abordnungen der ehemaligen Kühnauer und Hammerfteiner, des Ar- beitsoankes und des weiblichen Arbeitsdienstes aufmarschiert waren, leitete die „Heroische Ouvertüre" von R. Schmidt den Festakt ein, 1700 Arbeitsmänner sangen wuchtig das Lied der Werksoldaten. Staatsminister F r e y b e r g, der als anhaltischer Ministerpräsident die erste Stammabteilung und die erste Führerschule des nationalsozialistischen Arbeitsdienstes Wirklichkeit werden ließ, gab eine anschauliche Schilderung aus dieser Zeit, und überreichte 45 der damaligen Teilnehmer der Tagung ein Erinnerungszeichen.
Mchsarbeitssiihrer Hier!
gab dann einen geschichtlichen Rückblick, bei dem er darauf hinwies, daß der Nationalsozialismus mit seinem Entschluß zur Beteiligung an dem da- maligen Freiwilligen Arbeitsdienst später kam als manche andere Verbände, weil es ihm darum zu tun war, die nationalsozialistische Auffassung vom Arbeitsdienst rein und unverfälscht zu er- halten. Entgegen der Auffassung der Systemregie, rung, die den Freiwilligen Arbeitsdienst lediglich als produktive Erwerbslosenfürsorge behandelte, betrachtete der Nationalsozialismus den Freiwilligen Arbeitsdienst ausschließlich als Vorstufe und Vorschule für die allgemeine Arbeits- d i e n ft p f l i ch t und die allgemeine Arbeitsdienst- pflicht als die große Schule des Volkes zur Erziehung zu nationalsozialistischer Arbeitsauffassung und nationalsozialistischer Weltanschauung.
Der Reichsarbeitsführer schilderte dann, wie die Uebernahme der Regierung durch Nationalsozialisten in einigen Ländern die Möglichkeit bot, die nationalsozialistische Auffassung vom Arbeitsdienst in die Tat umzusetzen und damit für das
Die Einführung der allgemeinen Dienstpflicht m Deutschland wird in der Geschichte fortleben als ein Merkmal des 20. Jahrhunderts, wie die Einführung der allgemeinen Wehr- pflicht in Preußen ein Merkmal des 19. Jahr- Hunderts und die der allgemeinen Schulpflicht durch den Preußenkönig Friedrich Wilhelm 1. em Merkmal des 18. Jahrhunderts wurde. Der Führer hat verfügt, daß der Reichsarbeitsdienft auch als staatliche Einrichtung die Kampfbünde der Partei weitertragen darf. Damit ist symbolisch zum Aus-> druck gebracht, daß der Reichsarbeitsdienst auch als staatliche Einrichtung ein kämpfendes Glied der nationalsozialistischen Bewegung bildet. Unser Reichsarbeitsdienst würde nie bestehen, wenn die braunen Bataillone der Partei nicht den nationalsoizalistischen Staat erkämpft und wenn nicht der Führer seine schützende Hand über den Arbeitsdienst gehalten hätte. Wir danken dem Führer und vergelten ihm Treue mit Treue.
Unseren Dank wollen wir unserem Führer ab- statten vor allem mit der Tat, indem wir unser Bestes daransehen, die uns übertragenen Arbeiten zu erfüllen. Damit helfen wir dem Führer, sein großes Werk fortzuführen und seine geschichtliche Sendung zu erfüllen. Dor den Fahnen der Stammabteilungen der 30 Gaue, schloß der Reichsarbeitsführer, geloben wir an diesem Lrlnnerungstaae aufs neue: Wir wollen bleiben eine auf Ehre und Treue und Kameradschaft verschworene Gemeinschaft im Ehrendienst an unserem Volk im Geiste Unseres Führers. In diesem Sinne rufen wir: „Hitler und Deutschland heil!"
Dr. Will Deckers' festliche Hymne „Heiliges Feuer" beschloß die Feierstunde. Im Anschluß daran brachten tie Omnibusse die Festteilnehmer zur er st en Arbeits st elle der Stamm- und Lehrabteilung 1/135 bei Mosigkau, wo ein schlichter Gedenk st ein durch den Reichsarbeitsführer ein« geweiht wurde. Während dieser Zeit hatten sich die Fahnenabordnungen der 30 Arbeitsgaue und die Abteilungsabordnungen des Gaues 13 zum Vorbeimarsch vor dem Reichsarbeitsführer und den Ehrengästen am Reichsftatthaltergebäude in Dessau formiert Den Tag beschlossen sportliche Vorführungen und die Uraufführung des in gemeinsamer Arbeit des Arbeitsgaues 13 entstandenen Festspiels „Schwert und Spaten" im Groß-Kühnauer Park.
Oie Ganktionsftage im Mittelpunkt -er morgigen Beratungen -es britischen Kabinetts.
London, 21. August. (DNB. Funkspr.) Mardon a l d, der gestern abend von Schottland abgereift ist, wird heute früh in London erwartet. Baldwin hat gestern kurz nach 21 Uhr Aix- les - Bains verlassen und dürfte am späten Nachmittag in der englischen Hauptstadt sein. Dor seiner Abreise hatte er eine beinahe vierstündige Unterredung mit dem nach Aix-les-Bains gekommenen ständigen Unterstaatssekretär des Aeußeren, Sir Robert Vansittart. SirAustenCham- b e r I a i n und der australische Oberkommissar Bruce hatten im Foreign Dfice lange Unterredungen mit Eden, der ihnen über seine Pariser Bemühungen und die allgemeine Lage berichtete. Bruce ist australischer Vertreter im Völkerbunds- rat, in dem er während der Januar-Tagung den Vorsitz führen wird.
Nach dem „Daily Telegraph" wird in der schon auf Donnerstag anberaumten Sondersitzung des Kabinetts u. a. die Frage erörtert werden, o b Baldwin persönlich an der Völkerbundsratstagung teilnehmen solle, was er bisher noch niemals getan hat. Wahrscheinlich werde die Ent- scheidung davon abhängen, ob Laval nach Genf gehen werde. In Regierungskreisen werde Nachdruck auf die Tatsache gelegt, daß e n g ft e diplomatische Fühlung mit Frankreich aufrecht erhalten werden solle.
Gegenwärtig seien zwei verschiedene Auffassungen im Kabinett bekannt, die morgen zweifellos einander gegenübertreten würden. Die eine Gruppe von Winlstern, anscheinend die Wehrheit, glaube, daß England suchen sollte, d a 6,(0 ebiet des Streikes elnzuschränken, und daß es nichts tun sollte, was einen örtlichen kolonialen Zwist zu einem Streit zwischen den Wachten erweitern könnte, der nur z u einem neuen Weltkrieg führen würde. Diese Politik ziele besonders darauf ab, die S t r e f a - E i n i g k e i t zwischen England, Frankreich und Italien aufrechtzuerhalten. Die andere Gruppe von Wlnl- stern, deren Führer anscheinend Eden sei, vertrete die Auffassung, daß „Sanktionen" möglich seien, ohne England unbedingt in einen Krieg zu verwickeln, und daß England, selbst wenn es zum Kriege käme, stark genug wäre, um den Ausgang unzweifelhaft zu machen. In den Kreisen, die diese Meinung teilten, glaube man aber, daß der italienische wider st and bei der ersten Drohung mit Dölkerbundssanktio- nen zusammenbrechen würde.
In einem beachtenswerten Aufsatz des Pariser Berichterstatters der „Times" heißt es: Das Foreign Office hatte zwar nicht erwartet, daß Mussolini die Vorschläge annehmen werde, war aber auch nich t auf eine glatte Ablehnung g e • faßt. Man hatte damit gerechnet, daß sie als Erörterungsgrundlage angenommen werden würden, und daß bei den anschließenden Verhandlungen die italienischen Einwendungen sich soweit verringern würden, um die noch bleibende- Kluft durch irgendein weiteres Zugeständnis oder Versprechen überbrücken zu können. Selbst ein fiel nee Entgegenkommen der Italiener wurde es Abessinien ermöglicht haben, von Frank- reich und England beraten, viel zur Befriedigung rtalienifötn Wmrjche zu tim. Wujjoüm war
tatsächlich in der Lage, eine sehr wesentliche Ge- nugtuung zu erhalten; der Umstand, daß er anscheinend entschlossen ist, eine Regelung durch kriegerische Methoden zu erreichen, erscheint unerklärlich.
Dun wird man abwarten müssen, ob der Döl- kerbundsrat beschließt, Sanktionen gegen Italien zu empfehlen. Die Sanktionen werden in erster Linie passiver und wirtschaftlicher Art sein und in der Hauptsache im Abschneiden der Lieferungen von Rohmaterial und der Kredite bestehen. Die Gefahren der Anwendung eines Druckes auf ein Land in der gegenwärtigen Stimmung und Verfassung Italiens liegen auf der Hand. Die wirksamste Waßnahme, um eine Eroberung Abessiniens durch Italien zu verhindern, würde die Schließung des Suez- Kanals für italienische Schiffe sein. Bevor dies aber geschehen könnte, mühte der völker- bundsrat den Wachten, die notwendigen Seestreitkräfte besitzen, d. h. Frankreich und England, eine Dollzugsvollmacht erteilen.
Soweit die marinetechnische Seite in Frage kommt, dürste die Durchführung einer solchen Aufgabe nicht über die Fähigkeit Großbritanniens hinausgehen, gesetzt, daß es sich dazu entschlossen hat. Aber angesichts der Tatsache, daß eine halbe Million S oldaten in Norditalien Hebungen veranstaltet und daß die französische Armee nur etwas über 300 000 (?) besitzt, die für eine ganz andere Aufgabe bestimmt sind, ist es entschuldbar, wenn Laval in Genf mit äußer st er Vorsicht auftritt. Auf der anderen Seite kommt selbst ein isoliertes Vorgehen der britischen Regierung nicht in Frage. Bei dieser Sachlage wird, die Anwen
dung von Sanktionen zu einem äußerst r>erWelten Problem.
Die italienische Regierung vertraut auf einen schnellen und leichten Erfolg in Abessinien. Sie nimmt sich anscheinend nicht die Mühe, au erwähen, daß das Gebiet, wenn es die Mühe Der Eroberung lohnte, ober wenn die Eroberung leicht wäre, wahrscheinlich schon einen Eroberer gefunden hätte. Es wird interessant sein, zu beobachten, wie den Italienern nach den ersten drei Monaten Krieg zu Mute ist. Niemand außerhalb Italiens würde sich wundern, wenn ein Feldzug in Abessinien sich fünf oder Aehn oder fünfzehn Jahre bei unberechenbaren Ko st en hinschleppt. Kann Italien während einer solchen Zeit eine Million Mann unter Waffen halten und zahlungsfähig bleiben?
Es gibt heute nur wenige britische oder fron- zösische Staatsmänner, die leugnen werden, wie unklug die Alliierten gewesen sind, die die italienischen Forderungen nach dem Kriege nicht in vernünftiger Weise befriedigten. In Frankreich und anderswo erkennt man seht, daß diese Unterlassung und die überflüssige Erwerbung neuer Gebiete durch Wächte, deren Ausdehnungsbe- dürfnls bereits mehr als befriedigt war, eine schwere Hypothek auf bie Zukunft Europas gelegt hat. Das koloniale Problem wird die nächste große Frage fein, der Europa gegenübertreten muß. 3n Frankreich wie in England gibt es nachdenkliche Leute, die glauben, daß eine Revision der Verteilung der Kolonien früher oder später unvermeidlich ist und daß diese Revision um so leichter und billiger oonffatten gehen wird, se eher diese Tatsache offen Anerkennung findet.
Italien beschleunigt seine Truppentransporte.
Oie Spitzen der Faschistischen Partei melden sich zur Teilnahme am Kriege.
ttagt* die für da» faschistische Italien von bejon- den Fahnen
derer geschichtlicher Bedeutung sind, haben dieser Bezeichnung nunmehr noch ein besonderes Kennwort zugefügt. Die erste Division „23. März" er hält den Beinamen „u n b e u g s a m", die zweite Division „28. Oktober": „höchster Mut und T a p f e r k e i t", die dritte Division „21. April":' „Roma, nomen est omen", die vierte Division „3. Januar": „W er wagt gewinnt" und die fünfte Division „1. Februar": „M i t dem Herzen unb mit der Waffe bis zum Z i e l".
Durch ein soeben im Amtsblatt veröffentlichtes Dekret wird der Personal st and der italienischen Militärfliegerei beträchtlich vergrößert. So wird beim fliegenden Personal u. o. die Zahl der Generäle von 13 auf 33, die der Obersten von 22 auf 68 und die der Oberstleutnants
von 57 auf 166 erhöht. Aehnliche Steigerungen finden sich beim Land- und technischen Personal. Insgesamt befinden sich bei der Fliegertruppe 3061 Offiziere bei einer Erhöhung um 500, 7026 Unteroffiziere bei einer Erhöhung um 1860 und 30 396 Mannschaften bei einer Erhöhung um 10 988 unter
Rom, 20. August. (DNB ) Die Schwachem- denabteilungen, von denen sich der Duce am letzten Wochenende in Süditalien feierlich verabschiedete, haben nunmehr die Ausreise nach O st - afrika angetreten. Große Teile der beiden Divisionen „23. März" und „18. Oktober" schiffen sich täglich von Neavel aus ein. Die Dampfer „Leonardo da Diner und „Merano" sind bereits auf hoher See. „Cesare Battisti" läuft am Dienstag mit 1800 Schwarzhemden, 124 Offizieren und 2000 Regulären an Bord nach Ostafrika aus, desgleichen zwei weitere Schiffe mit Transporten. Noch in dieser Woche sollen „Saturnia", „Atlanta" und „Prinzipessa Giovanna" insgesamt 4000 Mann befördern. Anfang September werden sodann die großen Dampfer eingesetzt, die Italien von ausländischen Scbiffahrtsgesell- schäften erworben hat. Dadurch wird es möglich sein, die Truppenverladungen mit noch weit größerer Besckleunigung als bisher vorzunehmen.
Die fünf für Ostafrika mobilisierten Schwarzhem- den-Divisionen, die ihre Namen nach den Daten


