Ausgabe 
21.8.1935
 
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werden dürfen. Auf diese Weise werden Memel- landführer wie der seines Amtes unrechtmäßig ent­hobene Landespräsident Dr. Schreiber und der frühere Oberbürgermeister Dr. Brindlinger ausgeschaltet. Wie soll das Memeldeutschtum seine Kandidatenlisten ^ustandebri^gen, wenn nabezu alle führenden Männer unter irgendwelchen faden­scheinigen Gründen als nicht wählbar bezeichnet werden?

Ein Problem für sich ist die W a h l t e ch n i k. Früher wurde nach dem Listensystem gewählt. Jetzt sollen einzelne Abgeordnete tzewählt werden. An­scheinend soll das so vor sich gehen, daß jeder Wähler sich aus der Zahl der insgesamt vorhan­denen Kanditaten die ihm zusagenden aussucht, und zwar so viele, wie Abgeordnete zu wählen sind, nämlich 29. Wenn man sich aber vorstellt, daß bei der letzten Wahl 34 Wahlvorschläge mit insgesamt 364 Kandidaten ausgestellt waren und in der Wahl­ordnung ausdrücklich bestimmt wird, daß der Wähler die Stimmzettel e r st i m W a h l l o k a l unmittel­bar vor der Wahlhandlung erhält, so kann man sich lebhaft vorstellen, wie schwierig und zeitraubend das Aussuchen der einzelnen Kanditaten sich ge­stalten muß. Vermehren die Litauer die Anzahl der Kanditaten absichtlich oder drängen sie sich zuerst in die Wallokale, so besteht zweifellos die Gefahr, daß ein großer Teil der Wähler überhaupt nicht zur Stimmabgabe kommt. Im übrigen wird es bei diesem System auch gar nicht möglich sein, die Geheimhaltung der Stimmabgabe zu gewährleisten, so daß hier ein weiterer Spiel­raum für Beeinflussung gegeben ist, um so mehr, als sich die Wahlkommissionen ausschließlich aus Litau­ern zusammensetzen werden.

Allergrößtes Mißtrauen muß es auch erregen, daß die Auszählung der Stimmen nicht im Wahllokal selbst erfolgen soll, sondern daß die Um­schläge nach Memel geschickt werden müssen, wo die ebenfalls rein litauische Wahlkreiskommission das Ergebnis feststellt. Diese Wahlkreiskommission wird übrigens dem Landtag während der ganzen Dauer der Wahlperiode übergeordnet, so daß eine ordnungsmäßige und von fremden Einflüssen freie Tätigkeit der Volksvertretung überhaupt nicht mehr möglich ist. Eine besondere Rolle spielt derTreu- eid" auf die Republik Litauen, von dem die Zuerteilung des Mandats an die gewählten Abgeordneten abhängig gemacht wird. DieserTreu­eid" ist so gehalten, daß er gewissermaßen einen Verzicht auf die autonomen Rechte in sich schließt. Der Abgeordnete soll sich eidlich ver­pflichten, u. a. auch alle die Gesetze, die die litauische Regierung in letzter Zeit für das Memelgebiet er­lassen hat, zu achten. Mit anderen Worten: die Landtagsabgeordneten sollen dazu gezwungen wer­den, nachträglich alle Rechtsbrüche, die Kowno in letzter Zeit begangen hat, zu sank­tionieren!

Diese Wahlbestimmungen sind derart skandalös, daß man eigentlich erwarten könnte, die Unterzeich- nermächte des Memelabkommens würden nun end- lich einschreiten und dafür sorgen, daß die Wahl frei und unbeeinflußt vor sich geht. Um so mehr muß man sich wundern, wenn litauischerseits die Behauptung aufgestellt wird, Frankreich hätte bereits seine Zustimmung zu dieser unglaub­lichen Wahlschiebung gegeben. Die Memelländer er­warten, daß hier schnellstens eine Klarstellung er­folgt und daß die litauischen Behauptungen wie sie beispielsweise auch das Kownoer Regierungs­organLietuoos Aidas" aufgestellt hat die Memelwahlen könnten sich nunmehr in einer nor­malen und durch fremde Propaganda nicht gestör­ten Atmosphäre abwickeln, nicht ohne weiteres als bare Münze genommen werden. Nötig wäre vor allem auch die Einsetzung einer Aufsichts­kommission, wie sie bereits seit Langem von den Memelländern und kürzlich auch von einem bekannten englischen Blatt, dem LondonerStar", gefordert worden ist.

Zimte'

zur Entrechtung der Memelländer.

London, 21. Aug. (DNB. Funkspruch).Times" erörtert die Maßnahmen der litauischen Regierung, die anscheinend darauf abzielten, bei den Wahlen im Memelland eine geheime und freie Abstimmuna unmöglich zu machen und die Rede- und Versammlungsfreiheit aufzuheben. Das Blatt spricht von einer Anregung, die Wahlen wie an der Saar unter Aufsicht des Völker­bundes abzuhalten. Dieser Vorschlag könne aber nicht verwirklicht werden, da die Saar der Aufsicht des Völkerbundes unterstand, während das Memelland sich unter der Souveränität Litauens befinde. Anderseits würden die Garan­tiemächte zweifellos ihre offiziellen Vertreter in Litauen beauftragen, auf die Art und Weife zu achten, in der die Wahlen abgehalten werden. Wenn das Ergebnis der Wahlen eine Krisis in den Beziehungen zwischen Litauen und Deutschland Her­vorrufe, würden die Garantiemächte unvermeidlich in Mitleide ikschaft gezogen werden.

Bis jetzt 465 Eonderzüge für den Reichsparteitag.

Für den R e ich s par teita g 1935 sind an Sonderzügen vorgesehen (nach dem Stand vom 15. August 1935): Für den Arbeitsdienst 61, für die Deutsche Arbeitsfront 8, für den Deutschen Luftsportoerband 3, für die Hitlerjugend 45, für die Politischen Leiter 196, für SA. und RSKK. 105, für die SS. 31, für die Wehrmacht 16 Züge, ins­gesamt 456 Züge. Die Sonderzüge der verschiedenen Gliederungen treffen wie folgt ein: Am 6. Septem­ber: 5 Züge HI., 1 Zug Politischer Leiter. 8 .(Sep­tember: 2 Züge Arbeitsdienst, 1 Zug SS. 9. Sep­tember: 11 Züge SS., 11 Züge SA., 14 Züge Wehrmacht. 10. September: 4 Züge SS., 2 Züge Politischer Leiter, 59 Züge Arbeitsdienst. Am 11. September in den Morgenstunden 6 Züge Poli­tische Leiter-, vom 11., abends, bis 13. September, vormittags, die restlichen 184 Züge mit Politischen Leitern, anschließend 40 Züge HI., 12 Züge SS., 2 Züge Wehrmacht und weiter bis Samstag, den 14. September, 15 Uhr noch 94 Züge SA. und NSKK. sowie 3 Züge SS., 3 Züge DLD. und 8 Züge DAF.

Italien und die Schweiz

Genf, 20. August. (DNB.) Zwischen Bundes- rat Motta und dem italienischen Ge- sandten hat eine Unterredung stattgefunden über Die Angriffe, die ein in Varese erscheinendes Blatt wegen derAdula"-Angelegenheit (irreben- tistische Propaganda im Kanton Tessin) gegen die Schweiz richtet. Bundesrat Motta soll den italie- nschen Gesandten auf den sehr schlechten Ein­druck hingewiesen haben, den die Haltung dieses Blattes in der Schweiz und besonders im Tessin gemacht hat. Er soll von dem italienischen Ge­sandten die Zusicherung erhalten haben, daß künftig diese gehässigen Angriffe unterbunden werden.

An -er Wiege

-es nationalsozialistischen Arbeits-ienstes

Ein Ge-enkiag in -er Geschichte -er Arbeits-ienstpflicht.

Reich Stamm- und Musterverbände zu schaffen.

So wurde hier in Groß-Kühnau die erste Stammabteilung und die erste Führerschule des nationalsozialistischen Arbeitsdienstes errie­tet Das kleine Land Anhalt kann den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, die wiege des Reichsarbeitsdienstes zu fein. Zur Erinnerung an diese geschichtliche Tatsache habe ich der Gruppe für alle Zeiten das grün- rote Rand mit der InschriftAnhalt" verliehen. Im Sommer 1932 konnte der Aufbau des frei­willigen nationlasozialistischen Arbeitsdienstes im großen Stike und mit vollem Nachdruck beginnen. Zu dem Zweck wurden vor 3 Jahren die Sach­bearbeiter hierher berufen. Sie haben damals die Richtlinien für den Aufbau und die Tätigkeit des nationalsozialistischen Freiwilligen Arbeitsdienstes erhalten im Hinblick auf die allgemeine Arbeits- dienstpflicht als Ziel. Wir haben an diesem Ziel unbeirrbar festgehalten. Wir find von den damals ausgegebenen Richtlinien bei aller Anpassung an die jeweilige Lage in grundsätzlichen Fragen nicht abgewichen. Der Erfolg hat gezeigt, daß Wog und Ziel richtig waren. Don jener ersten Führer- lagung in Groß-Kühnau im August 1932 bis zum 26. Juni 1935, dem Tage der gesetzlichen Einfüh- rung der allgemeinen Arbeitsdienstpflicht, war der Weg steil und steinig. Aber als eine in Treue, Gehorsam und Kameradschaft verschworene Gemein­schaft haben wir allen Feinden zum Trotz weiter gearbeitet. Der Parteitag 1934 hat den Erfolg unserer Arbeit offenbart und Feinde, Verräter und Verleumder zum Schweigen gebracht.

Dank dem Dillen unseres Führers Hal der 26.

Juni 1935 und die Erreichung unseres feit 5 Zähren heiß erstrebten Zieles, die allge­meine Arbeitsdienst pflicht gebracht Die Erreichung dieses Zieles bedeutet für uns keinen Abschluß unserer Arbeit sondern einen neuen Anfang. Grund und Zweck ist die uns vom Führer übertragene Aufgabe, eine Schule der Ration zu sein, zu national- sozialistischem Gemeinschaftsgeist, nationalsozia­listischer Arbeitsauffassung, Weltanschauung und Lebenshaltung. Doppelt schwer ist es, diesen Ausgaben in der außerordentlich kurzen Zeit eines halben Jahres zu entsprechen. Um­so mehr müssen wir unsere flräfte anspannen, um das höchstmögliche zu erreichen.

Dessau, 20. Aug. (DNB.) Dessau prangt im Schmuck der Fahnen des neuen Deutschlands. Mit klingendem Spiel und frohem Singen ziehen Ab­teilungen des Arbeitsdienstes hinaus nach Groß- Kühnau. Der Anlaß dieses Feiertages ist die dreijährige Wiederkehr des Tages, an dem im Schloß von Kühnau der damalige Beauftragte der NSDAP, für den Arbeitsdienst Oberst a.D. Hier! vor den Gaufachverwaltern der NSDAP, für Arbeits­dienst die Idee des staatlichen Arbeits- d i e n st e s auf der Grundlage derallgemeinen, gleichen Arbeitsdien st pflicht für alle jun­gen Deutschen" verkündet hat. Auf dem Hof des Schlosses, wo die Ehrenabteilungen aus den Grup­pen des Arbeitsgaues 13 mit dem Spielmanns­und Gaumusikzug, die Fahnenabordnungen aller 30 Gaue des Reiches und Abordnungen der ehe­maligen Kühnauer und Hammerfteiner, des Ar- beitsoankes und des weiblichen Arbeitsdienstes auf­marschiert waren, leitete dieHeroische Ouvertüre" von R. Schmidt den Festakt ein, 1700 Arbeits­männer sangen wuchtig das Lied der Werksoldaten. Staatsminister F r e y b e r g, der als anhaltischer Ministerpräsident die erste Stammabteilung und die erste Führerschule des nationalsozialistischen Ar­beitsdienstes Wirklichkeit werden ließ, gab eine an­schauliche Schilderung aus dieser Zeit, und über­reichte 45 der damaligen Teilnehmer der Tagung ein Erinnerungszeichen.

Mchsarbeitssiihrer Hier!

gab dann einen geschichtlichen Rückblick, bei dem er darauf hinwies, daß der Nationalsozialismus mit seinem Entschluß zur Beteiligung an dem da- maligen Freiwilligen Arbeitsdienst später kam als manche andere Verbände, weil es ihm darum zu tun war, die nationalsozialistische Auffassung vom Arbeitsdienst rein und unverfälscht zu er- halten. Entgegen der Auffassung der Systemregie, rung, die den Freiwilligen Arbeitsdienst lediglich als produktive Erwerbslosenfürsorge behandelte, be­trachtete der Nationalsozialismus den Freiwilligen Arbeitsdienst ausschließlich als Vorstufe und Vorschule für die allgemeine Arbeits- d i e n ft p f l i ch t und die allgemeine Arbeitsdienst- pflicht als die große Schule des Volkes zur Erziehung zu nationalsozialistischer Arbeitsauffas­sung und nationalsozialistischer Weltanschauung.

Der Reichsarbeitsführer schilderte dann, wie die Uebernahme der Regierung durch Nationalsozia­listen in einigen Ländern die Möglichkeit bot, die nationalsozialistische Auffassung vom Arbeitsdienst in die Tat umzusetzen und damit für das

Die Einführung der allgemeinen Dienstpflicht m Deutschland wird in der Geschichte fortleben als ein Merkmal des 20. Jahrhunderts, wie die Einführung der allgemeinen Wehr- pflicht in Preußen ein Merkmal des 19. Jahr- Hunderts und die der allgemeinen Schulpflicht durch den Preußenkönig Friedrich Wilhelm 1. em Merkmal des 18. Jahrhunderts wurde. Der Führer hat verfügt, daß der Reichsarbeitsdienft auch als staatliche Einrichtung die Kampfbünde der Partei weitertragen darf. Damit ist symbolisch zum Aus-> druck gebracht, daß der Reichsarbeitsdienst auch als staatliche Einrichtung ein kämpfendes Glied der nationalsozialistischen Bewegung bildet. Unser Reichsarbeitsdienst würde nie bestehen, wenn die braunen Bataillone der Partei nicht den nationalsoizalistischen Staat erkämpft und wenn nicht der Führer seine schützende Hand über den Arbeitsdienst gehalten hätte. Wir danken dem Führer und vergelten ihm Treue mit Treue.

Unseren Dank wollen wir unserem Führer ab- statten vor allem mit der Tat, indem wir unser Bestes daransehen, die uns übertragenen Ar­beiten zu erfüllen. Damit helfen wir dem Füh­rer, sein großes Werk fortzuführen und seine geschichtliche Sendung zu erfüllen. Dor den Fahnen der Stammabteilungen der 30 Gaue, schloß der Reichsarbeitsführer, geloben wir an diesem Lrlnnerungstaae aufs neue: Wir wol­len bleiben eine auf Ehre und Treue und Ka­meradschaft verschworene Gemeinschaft im Ehrendienst an unserem Volk im Geiste Unse­res Führers. In diesem Sinne rufen wir: Hitler und Deutschland heil!"

Dr. Will Deckers' festliche HymneHeiliges Feuer" beschloß die Feierstunde. Im Anschluß daran brachten tie Omnibusse die Festteilnehmer zur er st en Arbeits st elle der Stamm- und Lehrabteilung 1/135 bei Mosigkau, wo ein schlichter Gedenk st ein durch den Reichsarbeitsführer ein« geweiht wurde. Während dieser Zeit hatten sich die Fahnenabordnungen der 30 Arbeitsgaue und die Abteilungsabordnungen des Gaues 13 zum Vorbei­marsch vor dem Reichsarbeitsführer und den Ehren­gästen am Reichsftatthaltergebäude in Dessau for­miert Den Tag beschlossen sportliche Vorführungen und die Uraufführung des in gemeinsamer Arbeit des Arbeitsgaues 13 entstandenen Festspiels Schwert und Spaten" im Groß-Kühnauer Park.

Oie Ganktionsftage im Mittelpunkt -er morgigen Beratungen -es britischen Kabinetts.

London, 21. August. (DNB. Funkspr.) Mar­don a l d, der gestern abend von Schottland abge­reift ist, wird heute früh in London erwartet. Baldwin hat gestern kurz nach 21 Uhr Aix- les - Bains verlassen und dürfte am späten Nachmittag in der englischen Hauptstadt sein. Dor seiner Abreise hatte er eine beinahe vierstündige Unterredung mit dem nach Aix-les-Bains gekom­menen ständigen Unterstaatssekretär des Aeußeren, Sir Robert Vansittart. SirAustenCham- b e r I a i n und der australische Oberkommissar Bruce hatten im Foreign Dfice lange Unterre­dungen mit Eden, der ihnen über seine Pariser Bemühungen und die allgemeine Lage berichtete. Bruce ist australischer Vertreter im Völkerbunds- rat, in dem er während der Januar-Tagung den Vorsitz führen wird.

Nach demDaily Telegraph" wird in der schon auf Donnerstag anberaumten Sondersitzung des Kabinetts u. a. die Frage erörtert werden, o b Baldwin persönlich an der Völkerbunds­ratstagung teilnehmen solle, was er bisher noch niemals getan hat. Wahrscheinlich werde die Ent- scheidung davon abhängen, ob Laval nach Genf gehen werde. In Regierungskreisen werde Nachdruck auf die Tatsache gelegt, daß e n g ft e diplomatische Fühlung mit Frank­reich aufrecht erhalten werden solle.

Gegenwärtig seien zwei verschiedene Auffassungen im Kabinett bekannt, die morgen zweifellos einander gegenüber­treten würden. Die eine Gruppe von Winlstern, anscheinend die Wehrheit, glaube, daß England suchen sollte, d a 6,(0 ebiet des Streikes elnzuschränken, und daß es nichts tun sollte, was einen örtlichen kolonialen Zwist zu einem Streit zwischen den Wachten erweitern könnte, der nur z u einem neuen Welt­krieg führen würde. Diese Politik ziele be­sonders darauf ab, die S t r e f a - E i n i g k e i t zwischen England, Frankreich und Italien auf­rechtzuerhalten. Die andere Gruppe von Wlnl- stern, deren Führer anscheinend Eden sei, ver­trete die Auffassung, daßSanktionen" möglich seien, ohne England unbedingt in einen Krieg zu verwickeln, und daß England, selbst wenn es zum Kriege käme, stark genug wäre, um den Ausgang unzweifel­haft zu machen. In den Kreisen, die diese Meinung teilten, glaube man aber, daß der italienische wider st and bei der ersten Drohung mit Dölkerbundssanktio- nen zusammenbrechen würde.

In einem beachtenswerten Aufsatz des Pariser Berichterstatters derTimes" heißt es: Das Fo­reign Office hatte zwar nicht erwartet, daß Musso­lini die Vorschläge annehmen werde, war aber auch nich t auf eine glatte Ablehnung g e faßt. Man hatte damit gerechnet, daß sie als Erörterungsgrundlage angenommen wer­den würden, und daß bei den anschließenden Ver­handlungen die italienischen Einwendungen sich so­weit verringern würden, um die noch bleibende- Kluft durch irgendein weiteres Zugeständnis oder Versprechen überbrücken zu können. Selbst ein fiel nee Entgegenkommen der Italiener wurde es Abessinien ermöglicht haben, von Frank- reich und England beraten, viel zur Befriedigung rtalienifötn Wmrjche zu tim. Wujjoüm war

tatsächlich in der Lage, eine sehr wesentliche Ge- nugtuung zu erhalten; der Umstand, daß er an­scheinend entschlossen ist, eine Regelung durch kriegerische Methoden zu erreichen, er­scheint unerklärlich.

Dun wird man abwarten müssen, ob der Döl- kerbundsrat beschließt, Sanktionen gegen Italien zu empfehlen. Die Sanktionen werden in erster Linie passiver und wirtschaft­licher Art sein und in der Hauptsache im Abschneiden der Lieferungen von Rohmaterial und der Kredite be­stehen. Die Gefahren der Anwendung eines Druckes auf ein Land in der gegenwärtigen Stimmung und Verfassung Italiens liegen auf der Hand. Die wirksamste Waßnahme, um eine Eroberung Abessiniens durch Italien zu ver­hindern, würde die Schließung des Suez- Kanals für italienische Schiffe sein. Bevor dies aber geschehen könnte, mühte der völker- bundsrat den Wachten, die notwendigen Seestreitkräfte besitzen, d. h. Frankreich und England, eine Dollzugsvollmacht er­teilen.

Soweit die marinetechnische Seite in Frage kommt, dürste die Durchführung einer solchen Auf­gabe nicht über die Fähigkeit Großbritanniens hinausgehen, gesetzt, daß es sich dazu entschlossen hat. Aber angesichts der Tatsache, daß eine halbe Million S oldaten in Nordita­lien Hebungen veranstaltet und daß die französische Armee nur etwas über 300 000 (?) besitzt, die für eine ganz andere Auf­gabe bestimmt sind, ist es entschuldbar, wenn Laval in Genf mit äußer st er Vorsicht auftritt. Auf der anderen Seite kommt selbst ein isoliertes Vorgehen der britischen Regierung nicht in Frage. Bei dieser Sachlage wird, die Anwen­

dung von Sanktionen zu einem äußerst r>erWel­ten Problem.

Die italienische Regierung vertraut auf einen schnellen und leichten Erfolg in Abessi­nien. Sie nimmt sich anscheinend nicht die Mühe, au erwähen, daß das Gebiet, wenn es die Mühe Der Eroberung lohnte, ober wenn die Eroberung leicht wäre, wahrscheinlich schon einen Erobe­rer gefunden hätte. Es wird interessant sein, zu beobachten, wie den Italienern nach den ersten drei Monaten Krieg zu Mute ist. Niemand außerhalb Italiens würde sich wundern, wenn ein Feldzug in Abessinien sich fünf oder Aehn oder fünfzehn Jahre bei unberechen­baren Ko st en hinschleppt. Kann Italien wäh­rend einer solchen Zeit eine Million Mann unter Waffen halten und zahlungsfähig blei­ben?

Es gibt heute nur wenige britische oder fron- zösische Staatsmänner, die leugnen werden, wie unklug die Alliierten gewesen sind, die die italienischen Forderungen nach dem Kriege nicht in vernünftiger Weise befriedig­ten. In Frankreich und anderswo erkennt man seht, daß diese Unterlassung und die über­flüssige Erwerbung neuer Ge­biete durch Wächte, deren Ausdehnungsbe- dürfnls bereits mehr als befriedigt war, eine schwere Hypothek auf bie Zukunft Europas gelegt hat. Das kolo­niale Problem wird die nächste große Frage fein, der Europa gegenübertreten muß. 3n Frankreich wie in England gibt es nach­denkliche Leute, die glauben, daß eine Revi­sion der Verteilung der Kolonien früher oder später unvermeidlich ist und daß diese Revision um so leichter und billiger oonffatten gehen wird, se eher diese Tatsache offen Anerkennung findet.

Italien beschleunigt seine Truppentransporte.

Oie Spitzen der Faschistischen Partei melden sich zur Teilnahme am Kriege.

ttagt* die für da» faschistische Italien von bejon- den Fahnen

derer geschichtlicher Bedeutung sind, haben dieser Bezeichnung nunmehr noch ein besonderes Kenn­wort zugefügt. Die erste Division23. März" er hält den Beinamenu n b e u g s a m", die zweite Division28. Oktober":höchster Mut und T a p f e r k e i t", die dritte Division21. April":' Roma, nomen est omen", die vierte Division3. Januar":W er wagt gewinnt" und die fünfte Division1. Februar":M i t dem Her­zen unb mit der Waffe bis zum Z i e l".

Durch ein soeben im Amtsblatt veröffentlichtes Dekret wird der Personal st and der ita­lienischen Militärfliegerei beträchtlich vergrößert. So wird beim fliegenden Personal u. o. die Zahl der Generäle von 13 auf 33, die der Obersten von 22 auf 68 und die der Oberstleutnants

von 57 auf 166 erhöht. Aehnliche Steigerungen finden sich beim Land- und technischen Personal. Insgesamt befinden sich bei der Fliegertruppe 3061 Offiziere bei einer Erhöhung um 500, 7026 Unter­offiziere bei einer Erhöhung um 1860 und 30 396 Mannschaften bei einer Erhöhung um 10 988 unter

Rom, 20. August. (DNB ) Die Schwachem- denabteilungen, von denen sich der Duce am letzten Wochenende in Süditalien feierlich verabschiedete, haben nunmehr die Ausreise nach O st - afrika angetreten. Große Teile der beiden Divisionen23. März" und18. Oktober" schiffen sich täglich von Neavel aus ein. Die Dampfer Leonardo da Diner undMerano" sind bereits auf hoher See.Cesare Battisti" läuft am Diens­tag mit 1800 Schwarzhemden, 124 Offizieren und 2000 Regulären an Bord nach Ostafrika aus, des­gleichen zwei weitere Schiffe mit Transporten. Noch in dieser Woche sollenSaturnia",Atlanta" undPrinzipessa Giovanna" insgesamt 4000 Mann befördern. Anfang September werden sodann die großen Dampfer eingesetzt, die Italien von ausländischen Scbiffahrtsgesell- schäften erworben hat. Dadurch wird es möglich sein, die Truppenverladungen mit noch weit grö­ßerer Besckleunigung als bisher vorzunehmen.

Die fünf für Ostafrika mobilisierten Schwarzhem- den-Divisionen, die ihre Namen nach den Daten