Ausgabe 
21.8.1935
 
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Nr.M Erster Blatt

,85. Jahrgang

Mittwoch, 2l-August 1935

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Schweres Lmsiurzimgliiü beim Untergrundbahn-Van in Berlin.

Lieber 50 mTunnelstrecke eingebrochen..Bisher6Ver1etzie geborgen,noch^4Arbeitervermißt.

Wahlkomödie im Memelgebiei. Von unserem B..Berichterstatter.

Eine riesige Einbruchsteüe.

Berlin, 20. August. (DHL.) heule mittag gegen 12.15 Uhr ereignete sich, wie gestern bereits durch Aushang gemeldet wurde, in der Hermann- Göring-Straße ein schweres Einsturzunglück. Dorf brach aus bisher noch unbekannter Ursache ein Schnell-Bahn-Schacht plötzlich ein. Bei dem Einsturz Unglück ist die Tunnelstrecke, die sich noch in Arbeit befand, in einer Länge von mehr als 50 Meter eingestürzt. Die Einbruchsstelle bil­det ein tiefes gähnendes Loch. Bei dem Unglück wurden der große Kran und die gesamte Kon­struktion mit den darüber liegenden Straßenbahn- schienen in die liefe gerissen. Auch ein starkes Wasserrohr zerbrach, das jedoch nur für kurze Zeit seine Wassermassen in die Grube senden konnte, da die Zufuhr sofort abgeriegelt wurde. Die Hermann-Göring-Straße, die vom Potsdamer Platz am Brandenburger Tor vorbei zum Reichstagsgebäude führt, ist sofort für jeden verkehr gesperrt worden.

Der amtliche Bericht.

Unmittelbar nach dem Bekanntwerden des Un­glücks begab sich Reichsminisier Dr. Goebbels an die Unglücksstätte, an der alsbald auch Reichs- Minister Dr. Frick, Polizeipräsident Graf heu­l' o r f, Reichsleiter Dr. Ley, Generaldirektor Dorpmüller einlrafen, ebenso der zuständige Generalstaatsanwalt. Polizei und Pioniere beteilig­ten sich mit Energie an den Aufräumungsarbeiten, die mit Erfolg weitergeführt werden. Der Garten les Ministers Goebbels, ebenso seine ganze Woh­nung wurden aus seine persönliche Anweisung z u Sanitätszwecken z ur Verfügung ge- ssellt, um den Verunglückten jede Hilfe zu leisten. Die Zahl der Verunglückten kann noch nicht ange­geben werden. Bis jetzt wurden zwei Schwer­verletzte und zwei Leichtverletzte feffge- skellt und geborgen.

Die Ursache des Unglücks ist noch nicht ein­wandfrei geklärt. Von feiten der anwesenden Regie- wngsmitglieder wurde jedoch eine strenge Unter­suchung angeordnet, um festzustellen, ob und in­wieweit Fahrlässigkeit der beteiligten Aufsichtsstellen in Frage kommt. Rach einer ersten Feststellung durch Namensaufruf werden etwa 14 Arbeiter vermißt. Man darf annehmen, daß bei dem Aufruf nicht alle Arbeiter erfaßt werden konnten, jo daß sich vielleicht noch einige als vermißt be­zeichnete melden werden, wodurch sich die Ver­mißtenliste entsprechend verringern würde.

Schärfste Untersuchung angeordnet.

Der Generaldirektor der Deutschen Reichsbahn Dr. Dorpmüller hat schärfste ^"Er­suchung angeordnet und läßt während der Auf­räumungsarbeiten photographisch jede einzelne Phase festlegen, um der Untersuchungskommission einen möglichst einwandfreien Einblick in die Vor­gänge die zu dem bedauernswerten Unglück geführt haben', zu geben. Ehe die Aufräumungsarbeiten durchgeführt find, wird sich voraussichtlich die Ent­lieh u n g s u r s a ch e des Unglücks mcht festftellen lrssen. Neben sechs Verletzten, die in die e haritö überführt worden sind, konnte bisher kei- rer von den vermutlich verschütteten Arbeitern ge­borgen werden.

Sofort nach dem Einsturzunglück hat der ame­rikanische Botschafter das Gebäude der Bot­schaft, das ehemalige Blücher-Palais am Pariser Platz, für die Unterbringung der Verletzten und der Rettungsmannschaften bereitwillig st zur Verfügung gestellt.

Duplizität der Ereignisse

Berlin 21. Aug. (Eigenbericht.) Wer jemals die sjieichshauptstadt besucht hat, wird sich der brausen­den Symphonie des Verkehrs erinnern, die um das Brandenburger Tor brandet. Ein Verkehr, der zwi­schen Siegessäule und Reichstagsgebaude einerseits und der Hermann-Göring-Straße bzw. dem Pots­damer Platz andererseits in scheinbar sinnlosem und doch so wohlgeordnetem Durcheinander sich abspielt. Xie Reichsbahn unterfährt auf kilometerlanger L trecke die belebtesten Straßen der Berliner City; her entwickelt sich der Trakt der Reichsbahn-Unter- flrUnb, der Schienenstrang derSchnellbah n, die unterirdisch die unmittelbare Verbindung der Ost­md Nordsee mit den bayerischen Gebirgen Herstellen ^°Die Reichshauptstadt ist im wahrsten Sinne des Wortes aufSandgebaut. Das SA.-Lied von btr märkischen HUde und dem nmrkischen Sand ist iw buchstäblichsten Sinne wahr. Riesige Baugruben stad hineingewühlt in diese unterirdischen Sandge- buge. Die ewig rieselnden SaNdmassen mußten ge° b-nnt werden in mühesamer Verschalungsarbeit, bevor sich die Werkleute unter Tag an die Arbeit begeben konnten. Wo oben auf dem Asphalt der Lerkehrsstraßen Tausende von Kraftwagen zeder Troße und Art vorüberrasten, da buddeln 15 ms 2(1 Meter tiefer in den geräumigen Baugruben

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Unser Bild gibt einen UebLrblick über die Unglücksstätte wenige Minuten nach der Katastrophe. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Tag für Tag die fleißigen Arbeitsmänner, um zu den Olympischen Spielen die große Nord-Südbahn fertigzustellen, damit noch vor Empfang der aus­ländischen Gäste das Straßenbild der Innenstadt wieder das normale Aussehen erreichen kann. Denn auch die Prachtstraße Unter den Linden ist seit langem erfaßt vom Trubel des Riesenbauprojektes. Auch hier sind aus den breiten Fahrbahnen Eng­pässe des Verkehrs geworden, die nur unter sorg­samer Hut gewandter Verkehrspolizisten passiert werden können.

hier also war es, wo das unfaßbare Unglück ge­schah. Ein Blick sagt alles: In einer Länge von 50 Meter und in einer Breite von 40 Meter gähnt ein entsetzlich tiefes Loch. 15, 20, vielleicht 30 Me­ter nichts als ein Gewirr von stählernen Gerüsten, von Röhren und Bauteilen. Die Straßenbahn­schienen, die noch vor einer Stunde die schweren Straßenbahnen über die Baugrube hinwegtrugen, gleiten in die Tiefe. Da unten liegt der schwere Kran, der bisher die Eisenträger packte. Da unten liegen die Gerätschaften, die Streben, die Pfeiler. Da unten liegen: Menschen, fleißige Arbeiter, die ihrem Werk dienten.

Die Ränder des tiefen Loches klaffen wie schwä­rende Wunden. Bäume drohen jeden Augenblick hineinzustürzen. Straßenbahnmasten stehen schief. Ueberall tut Hilfe not. Ueberall wird Einsatz erfor­derlich. Mit wunderbarer Präzision rollt auch dies­mal das Uhrwerk der Rettungsaktion ab. Dreifach ist die Aufgabe: Neugierige, müßige Gaffer fern­zuhalten und den Verkehr umzulenken; weiteren Einsturz und vermehrtes Unglück zu verhindern; schnell und gründlich zu helfen.

Die gleiche Aufopferung, der gleiche ungeheure

B e r l i n; 20. August. (DNB.) In den letzten Tagen wurde von der zuständigen Stelle des Reichs Ministeriums für Dol ks auf­klär ung und Propaganda die Feststellung gemacht, daß in einem Berliner Lichtspieltheater bei den Aufführungen des bekannten Schwedenfilms Petterson & Bendel" die vom Deutschen Hammer-Verleih herausgegebene und von der Zen­sur genehmigte Originalkopie oerstum- melt zur Aufführung gebracht wurde. So wurde z. B. eine solche gesetzwidrige Kürzung der Originalfassung bei dem Dialog Petterson-Ben­del festgestellt, in dem Petterson den Bendel fragt: Du bist wohl Jude, was?" und Bendel erzählt, wie er siebenmal aus Schweden ausgewiesen

Staatskommissar Hans hinkel erklärte dazu u a daß auf seine Veranlassung 41 Berliner Filrn- theat'er besucht worden seien, die mit der Original­kopie vonPetterson & Bendel behefert feien Dabei seien in vier Fällen im Vergleich mit dem amtlichen Originaltext der Zensurkarte A e n - der ungen fest gestellt worden. Eine be­sonders sinnverletzende und böswillige Verstümme­lung der Originalkopie habe, in einem 6^dßeren Kino des Berliner Ostens vorgelegen. Die Der-

Tatenwille der Rettungsmannschaften, der 12 Stun­den vorher am Funkturm das Schlimmste verhü­tete: wird wieder Ereignis. Die eingesetzten Män­ner tun in eiserner Ruhe mit selbstverständlicher Hingabe ihre Pflicht. Jeden Augenblick kann ein weiterer Einsturz, ein weiterer Sandrutsch erfolgen: niemand fragt danach. Wie jene verunglückten Ar­beiter im Schacht still und selbstverständlich ihre Pflicht taten, so ohne Zaudern setzen sich Feuer­wehr, Soldaten, Männer der Bewegung ein. In tiefer Trauer steht die Reichshauptstadt dem neuen Unglück gegenüber. Wieder hat eine Laune des Schicksals den Grundsatz der Duplizität der Er- eignisse bestätigt. Ein Unglück kommt nie allein, sagt der Volksmund. Er hat dieses Mal recht be­halten. Heber den Gräbern aber schreitet das Werk vorwärts. Die toten Arbeitsmänner werden eingehen in das goldene Buch der Pflichterfüllung. Man wird ihrer in Trauer gedenken als Kame­raden im Schützengraben der Arbeitsfchlacht.

Schwierige LergungSarbeiten im Scheinwerferlicht.

Seit Einbruch der Dunkelheit wird die Arbeit an der Unglücksstelle am Brandenburger Tor im Lichte vieler Scheinwerfer fortgeführt. Ein besonders schwieriges Stück der Bergungsarbeiten war die Bergung eines Schalthauses für die Straßen­beleuchtung, das in einer gleichfalls in die Grude gestürzten Litfaßsäule enthalten war. Infolge der Zerstörung dieser Säule lag vorerst der Hindenburg- Platz vor dem Brandenburger Tor noch im Dunkel. Bis 21 Uhr war es immer noch nicht möglich, eine genaue Auskunft über die Zahl der Vermißten zu geben.

kürzungen müßten zweifellos von Fachleuten Dorgenommen fein. Der Inhalt des Films fei in so eindeutiger Absicht verfälscht und derart unverständlich geworden, daß die Beschlag­nahme des Bild st reifens veranlaßt werden mußte. Es fei übrigens bezeichnend, daß die Ver­fälschung einen sofortigen Rückgang des Besuches zeitigte im Gegensatz zu den übrigen Filmtheatern, die Petterson & Bendel spielten. Bei zwei von den vier Kinos handele es sich um g l e i ch g e - schaltete Firmen, deren jüdischer Hauptin­haber offenbar auch jetzt noch der eigentliche ge­schäftliche und geistige Leiter sei. Selbstverständ­lich werde allen an dieser dreisten Fälschung Be­teiligten durch die Filmkammer die Spiel- erlaubnis entzogen werden.Darüber hinaus aber", schloß Staatskommissar Hinkel,wer­den wir prüfen, welche nichtarifchen Berliner Kinotheaterbesitzer wir zukünftig überhaupt noch als genügend zuverlässig ansehen können, ihre Theater entsprechend den Gesetzen zu führen. In den Fal­len wo dringender Verdacht der Unzuverlässigkeit vor'liegt, wird den betreffenden Theaterbesitzern eine Frist gesetzt werden, innerhalb deren sie ihren Betrieb an saubere und zuverlässige Personen zu veräußern haben."

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten?)

Memel, 18. August. 1935.

Das Memelgebiet steht am Vorabend einer schick« 1 alsschweren Entscheidung. Am 29. September soll der Landtag neu gewählt werden. Diese Wahl, der die ganze Bevölkerung wie in einem örmlichen Fieber entgegensieht, kann und muß ent- cheidend darüber werden, ob ein freiheitliches Volk auch weiterhin von fremben Eindringlingen in der schamlosesten Weise unterdrückt und geknebelt wer­den soll, oder ob sich endlich eine Aussicht eröffnet, daß Recht und Gesetz und Ruhe und Ordnung wie­derkehren. Diese Wahl könnte endlich aller Welt die Unmöglichkeit des litauischen Ge- w a l t s y st e m s an der Memel vor Augen führen, könnte das ganze Lügengewebe zerstören, das um das angeblichlitauische Memelland" gesponnen worden ist, wenn die Abstimmung ensprechend den Bestimmungen des Memelabkommens frei und un­beeinflußt vor sich gehen würde.

Die Litauer wissen aber sehr wohl, daß im Falle einer freien Wahl das Urteil der memelländischen Bevölkerung über die litauischen Fronvögte ver­nichtend ausfallen würde. Würde die Wahl so vor ich gehen, wie sie das Memel st atut vor« chreibt, die Mehrheit der memeldeutschen Parteien würde mindestens 95 v. h. betragen. Die litauische Regierung will aber am 29. September etwas ganz anderes durchsetzen. Sie will erreichen, daß ihre Gewaltpolitik nicht nur eineLegalisie­rung" erfährt, sondern daß für alle Zeiten der litauische Kurs gewährleistet und gesichert wird. Das deutsche Memelland soll zu einer litaui­schen Provinz gemacht werden, und das Wahlergebnis soll nach außen hin denBeweis" liefern, daß die Bevölkerung damit einverstanden und somit die Autonomie überflüssig sei! So gro­tesk und utopisch diese Zielsetzung auch anmuten mag, die Litauer wollen darüber muß man sich klar werden tatsächlich darauf hinaus.

Um genügend Zeit für die Vorbereitung der Wahlen zu haben, wurde der Wahltermin in den späten September verlegt, obwohl die Wahlperiode des vorhergehenden Landtags bereits Anfang Mai abgelaufen» war. Inzwischen haben die litauischen Gehirnakrobaten alles aufgeboten, um eine in Europa sicher einzig dastehende Wahlkomödie auf­zuziehen. Und dieses Zerrbild einer Wahl hat jetzt seine Krönung durch die Abänderung des bis­herigen Wahlgesetzes erfahren, das hinter einer möglichst harmlosen Außenseite ein System verbirgt, das jeder Möglichkeit der Beeinflussung, Bedrohung, Verfälschung und Verhinderung der Stimmabgabe Tor und Tür öffnet. Das Wort Wahl" nimmt sich wie ein Hohn aus für das, was sich am 29. September im Memelgebiet ad- spielen soll. Kriegszustand undStaats­schutzgesetz" machen schon von vornherein jede Wahlpropaganda von memelländischer Seite un­möglich. Nicht einmal die Wahllügen der Litauer, die schon jetzt zu Dutzenden ausgestreut werden, dürfen die Memeldeutschen widerlegen, wollen sie sich nichtwegen Aufhetzung des einen Teils der Bevölkerung gegen den anderen" hohen Zuchthaus­strafen ausfetzen! Den Litauern steht es frei, Wahl­versammlungen abzuhalten. Den Memeldeutschen nicht. Die litauische Presse darf Hetzen, so viel sie will, die deutsche Presse ist völlig mundtot ge­macht.

Die Litauer wissen, daß ihre Anhängerschaft ver­schwindend gering ist. Also wird eine Hilfs- truppe für die Wahl aus Großlitauen nach dem Memelgebiet kommandiert. Durch die Masseneinbürgerungen von Großlitauern, die ohne Rücksicht auf die gesetzlichen Bestimmungen erfolgen, sollen bis zum Wahltage mindestens 1 2 0 0 0 neue Wählergeschaffen" werden, das würde aber noch lange nicht ausreichen, um einen litauischen Wahlsieg sicherzustellen. Man hat daher etwa 11000 Memelländern das Wahlrecht aberkannt unter der fadenschei­nigen Begründung, ihre Pässe seien nicht in Ord­nung und ihre Staatsangehörigkeit sei zweifelhaft. Hunderte von memelländischen Beamten sind nach dem Innern Litauens versetzt worden. Und jetzt wird in der Abänderung des Wahlgesetzes auch allen denen das aktive und passive Wahlrecht entzogen, die einer der verbote­nen sogenanntenstaatsfeindlichen Parteien" ange­hört haben, was eine weitere Schwächung der deut­schen Wahlfront um mehrere tausend Stimmen be­deutet.

Nach den Bestimmungen des neuen Wahlgesetzes schalten aber nicht nur etwa ein Drittel der memel­deutschen Wähler aus, sondern auch der K r e i s der Wählbaren wird auf das engste beschränkt. Mitglieder der verbotenen Parteien, derenStaats­feindlichkeit" gerichtlich festgestellt ist, können nicht gewählt werden. Es handelt sich dabei um dis Parteien von Neumann und Saß, deren Führer bekanntlich in dem berüchtigten Kownoer Prozeß zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt worden sind. Man muß bei dieser Gelegenheit daran er­innern, daß den Angeklagten auch nicht im ge­ringsten ein Verbrechen im Sinne der Anklage (Vorbereitung eines bewaffneten Aufstandes) nach­gewiesen werden konnte. Wenn man sich jetzt in Kowno erneut hierauf beruft, so ist das ein wei­terer Beweis für die ausschließlich politische Tendenz dieses ungeheuerlichen Urteils. Weiter wird in den Abänderungsbestimmungen festgesetzt, daß auch frühere deutsche Beamte, die für Litauen optiert haben und damit laut Statut vollberechtigte Bürger geworden sind, nicht gewählt

Fälschung desSchwedensilms,pellersvns.Venber

Eine Erklärung Gtaatskommiffars Hinkels.