legt habe, lieber die Verantwortung an öer Entfesselung des Krieges sei das Urteil längst gesprochen. Er werde nicht zulassen, daß dieses Urteil in Verjährung gerate. Eitler möge die Erinnerungen eines seiner großen Vor« ganger, des Fürsten Bülow, lesen über die Umstände, unter denen die Kriegserklärung Deutschlands an Rußland erfolgt sei. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der beiden Völker könne nicht Zustandekommen durch das Vergessen der Verantwortlichkeiten. Es sei nicht wahr, daß das deutsche Volk freiwillig die Waffen im Jahre 1918 niedergelegt habe. Gewiß habe das deutsche Volk kraftvoll bis zum Schluß gekämpft, das werde niemand leugnen. Aber der Waffenstillstand sei unterzeichnet worden, da Frankreich ihn gewollt habe, um neue Verluste zu vermeiden, da die Koalition der Völker, die für das Recht gekämpft hätten, siegreich gewesen sei, ebenso wie sie es in Zukunft sein würde.
Auch sei die Behauptung unrichtig, Frankreich habe seine Abrüstungsverpflichtungen nicht erfüllt. Vergesse man denn die Verminderung der Effektivstärke, die Frankreich vorgenommen und die über 50 v. H. betragen habe? Vergesse man, daß Frankreich die Dauer der Militärdienstzeit nach und nach von drei Jahren auf ein Jahr verkürzt habe? Bei der Kriegsmarine habe Frankreich den Tonnengehalt von 768 000 Tonnen im Jahre 1914 auf 550 000 Tonnen verringert. Ebenso seien die Luftstreitkräfte vermindert worden. Wenn Frankreich nicht mehr getan habe, so nur wegen der Aufrüstung, die jenseits des Rheins fortgesetzt worden sei. Es sei ferner nicht wahr, wenn erklärt werde, das Reich habe seine Verpflichtungen aus dem Friedensvertrag ausgeführt. Das Reich führe die amtliche Vernichtung des Materials an, vergesse aber die Neubauten aufzuzählen, die insgeheim oorgenommen worden seien und die hinter einer offiziellen Abrüstung eine tatsächliche Aufrüstung darstellten.
Das französische Volk, das erregt gewesen sei über den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund, habe seit dem Abkommen von Rom und den Besprechungen von London sich zu neuer Hoffnung berechtigt geglaubt. Diesen Augenblick habe Deutschland gewählt, um zu behaupten, es sei bedroht. Von wem könne es sich bedroht fielen?
Wenn Frankreich sich anschicke, den Völkerbund auf Grund des Artikels 11 der Völker- bundsfahungen mit einem für die Sache des Friedens so schwerwiegenden Akt zu befassen, so diene Frankreich damit nicht seinem eigenen Interesse, sondern dem Interesse der Gesamt- heit aller Staaten. Der Friede der Welt stehe auf dem Spiel. Frankreich sei um den auf der Gerechtigkeit und auf der Ehre stehen- den Frieden besorgt. Ls handele sich nun nicht mehr um eine französisch-deutsche Frage. Frankreich sei stark genug, um sich selb st zu verteidigen, und wenn sich die Notwendigkeit biete, sich durch seine Bündnisse zu verteidigen. Aber es gebe in Europa auch schwache Völker, deren Bestand bedroht wäre, wenn man es zulassen würde, daß die Politik des Rechtes durch eine Politik der Wacht erseht würde. Vor dem großen internationalen Tribunal müsse diese Frage behandelt werden. Ein jeder solle dort seine Begründungen anführen, und ihre Berechtigung falle dort geprüft werden.
Gewiß wolle Frankreich nicht Ungerechtigkeiten aufrechterhalten oder untragbare Zu stände. Im Rahmen der Legalität feien alle Abänderungen der Verträge möglich, das habe man — so meinte Flandin, der damit auf Oesterreich, Ungarn und Bulgarien angespielt haben soll — in der Vergangenheit gezeigt, seitdem habe sich diese Anschauung nicht geändert.
Frankreich hasse den Krieg. Die Regierung werde alles tun, um den Frieden aufrechtzuerhalten und werde in den Bemühungen nicht ablassen, um sich einen mächtigen Block der Staaten zu scharen, die denselben Idealen treu geblieben seien wie Frankreich. In einem Augenblick, wo Frankreich die Flamme des Rechtes und der Gerechtigkeit wieder entfache, wolle man nicht daran zweifeln, daß eine lange Reihe von Nationen sich Frankreich anschließen würde in der Stunde der Gefahr. Es sei zu hoffen, daß die Gefahr abgewendet werde, und daß das Recht und die Gerechtigkeit triumphieren werden.
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Der erste Eindruck der Rede des französischen Ministerpräsidenten geht dahin, daß Flandin es sich unter Verwendung bekannter und oft angewandter und ebenso oft widerlegter Argumente (wie die Kriegsschuld, die längst durch objektive historische Forschung widerlegt ist) leicht macht, Deutschland mit seinem Entschluß vom 16. März ins Unrecyt zu setzen; auf der anderen Seite vermißt man auch den geringsten Hinweis auf die jahrelang sich hinziehenden Unterlassungen, Verseh - lungen und Versäumnisse der anderen, ja deren passive Resistenz, die der Durchführung berechtigter deutscher Forderungen entgegengesetzt worden ist. So entsteht der Eindruck, als ob Frankreich an seiner alten politischen Ideologie fest halten wollte, an der bisher jeder Fortschritt scheitern mußte. Es muß bedauert werden, daß die Rede Flandins offenbar keinen Anhalt dafür gibt, daß die mit dem 3. Februar in London inaugurierte Politik seitens der Franzosen wirklich ernsthaft in der Richtung einer europäischen Entspannung gewollt war. Frankreich vermag sich offenbar immer noch nicht damit abzufinden, daß mit einem gleichberechtigten Deutschland in freier Weise verhandelt werden soll. Wenn Frankreich wirklich, wie Flandin sagt, „um den auf der Gerechtigkeit und der Ehre fußenden Frieden besorgt ist", so muß man sich fragen, ob diese Rede des französischen Staatsmannes und sein Schritt in Genf wirk- lich der richtige Weg hierfür ist!
Der Senat fordert noch wettere Rüstungsmaßnahmen.
Senator L 6 m e r y gab der Auffassung Ausdruck, daß der Senat einmütig die Antwort der Regierung an das Reich billigen werde. Hingegen bleibe die Frage des R ü st u n g s st a n d e s offen. Die Erklärung der Regierung begründe die Verlängerung der Dienstzeit ausschließlich mit dem Ausfall von Rekruten in den Krisenjahren. Stattdessen müsse die Militärorganisation Frankreichs nunmehr der militärischen Organisation des Reiches entsprechend aufgezogen werden. Frankreich wolle mit der deutschen Armee hinsichtlich der Offensivkraft nicht in einen Wettbewerb treten. Frankreich wolle nur, daß seine Armee zur Verteidigung seiner Grenzen ausreiche. Marschall Pötain veranschlage den Mcmn-
schaftsbestand, der dazu mindestens erforderlich wäre, auf 290 000 Mann. Frankreich verfüge aber nur über 278 000 Mann, von denen 62 000 Mann abgezogen werden müßten, die aus verschiedenen Gründen im Mutterlande nicht verwendungsfähig seien.
Der ehemalige Botschafter in Rom, H e nr y de I o u v e n e l, befürwortete, daß die Militärorganisation Frankreichs von der Wurzel aus reformiert werde, indem man mit der nationalen Erziehung der Jugend und der Schaffung eines neuen Nationalbewußtseins beginne. Er verlange, daß man mit dem Abschluß der B e i st a n d s p a k t e nicht länger warte und
daß man sie sofort in Kraft setze. Er wisse nicht, wie die Beziehungen Frankreichs zu England gegenwärtig seien, aber er habe Vertrauen z u Mussolini, der wisse, was er wolle, und dementsprechend handele. Man solle aufhören, auf Deutschland zu warten, das nie auf Frankreich warte.
Folgende, von de Jouvenel eingebrachte Entschließung: „Der Senat vertraut der Regierung, daß sie eine Politik der nationalen Sicherheit und der Sicherstellung des Friedens fortsetzen wird, billigt ihre Erklärung und geht zur Tagesordnung über" wurde mit 263 gegen 21 Stimmen angenommen.
Samstag Dreierkonferenz in Paris.
Paris, 20. März. (DNB.) Zwischen Rom, London und Paris hat man sich über eine Zusammenkunft von Vertretern Italiens, Englands und Frankreichs geeinigt, die einen vorbereitenden Charakter tragen und vor der Abreise Sir John Simons nach Berlin stattfin- den soll. Eine zweite Zusammenkunft soll nach der Rückkehr Sir John Simons erfolgen. Als Grundlage für die Arbeiten dieser zweiten Zusammenkunft sollen die von den Ministern von ihren Reisen nach Berlin, Warschau und Moskau heimgebrachten Erkundigungen dienen. Die erste Zusammenkunft soll am Samstag i n P a r i s stattfinden. Italien soll hierbei durch den Unterstaatssekretär S u v i ch vertreten sein, während die Interessen Frankreichs durch Laval wahrgenom- men werden. Vertreter Englands wird der Lordsiegelbewahrer Eden sein. Voraussichtlich wird Eden noch am Samstagabend nach London zurück- kehren, um bann wie geplant, am Sonntag mit dem englischen Außenminister Sir John Simon nach Berlin zu reisen.
Die zweite Konferenz zu dritt wird dann in Norditalien, etwck in Stresa am Lago Maggiore ftattfinben, um Mussolini bie Teilnahme baran zu ermöglichen, falls er ben Wunsch hierzu äußern mürbe. Der englisch-italienisch-französische Gebankenaustausch wirb inzwischen auf biploma- tischem Wege bis zur Rückkehr Ebens aus Moskau unb Warschau fortgesetzt werben.
Die Pariser Morgenpresse begrüßt bas Zustande- kommen einer Einigung zwischen ben brei Großmächten über bie Abhaltung einer Besprechung in Paris am Samstag. Ein Wermutstropfen mischt sich jeboch in bie Genugtuung über bie Samstag- Besprechung, bas Fernbleiben bes englischen Außenmini st ers Sir John Simon. So schreibt „Echo be Paris", England habe nur wiberwillig bem Wunsche Frankreichs statt- gegeben. Simon selbst habe sich mit einer Wahlversammlung entschuldigt. Der große Irrtum ber englischen Note vom 18. März mürbe burch bie bisher getroffenen Maßnahmen nicht roieber gutgemacht. Die einzig richtige Antwort auf bie Beschlüsse ber Reichsregierung bestehe in ber sofortigen Schaffung eines Mächteblockes zwischen Frankreich, Italien, der Kleinen Entente, Sowjetrußland und der Türkei. „Oeuvre" bezeichnete das Zustandekommen der Dreierkonferenz zwar als einen Erfolg der französischen Diplomatie, weist aber darauf hin, daß durch diese Fühlungnahme vor der Berliner Reise der englische Außenminister in gewissem Sinne auch im Namen Frankreichs in Berlin sprechen werde. Die Schlußfolgerung sei, daß Frankreich praktisch mit Berlin verhandele, aber wieder einmal durch eine Mittelsperson. „Jour" bestreitet diese Auffassung. Es treffe nicht zu, daß Simon der Sprecher einer eng- liscy-französisch-italienischen Einheitsfront ist. Simon werde in Berlin vielmehr ausschließlich Englands Politik vertreten.
Frankreich bemüht den Völkerbund.
Der Beschluß des Rinisterrals.
Paris. 20. War; (DNB.) lieber eine mehrstündige Beratung des französischen Winisterrates wird folgende Mitteilung ausgegeben: Außenminister Laval hat den Ministerrat über bie auswärtige Lage unterrichtet. Der Ministerpräsident hat den Ministerrat von der Erklärung in Kenntnis gefetzt, die er heute nachmittag im Senat abgeben wird. Anschließend hat der Ministerrat
1. den Wortlaut der Protestnote genehmigt, die in Beantwortung der Mitteilung vom 16. März der Reichsregierung überreicht wird;
2. die Verhandlungen, die gegenwärtig mit England und Italien Über ein Konsultationsverfahren gepflogen werden, gebilligt;
3. beschlossen, den Völkerbundsrat mit der Angelegenheit zu befassen.
Der Ministerrat hat weiter den Außenminister Laval ermächtigt, die Einladung der Sow
jetregierung, sich demnächst nach Moskau zu begeben, anzunehmen.
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Hcwas meldet aus Genf: Sobald bas Generol- sekretariat im Besitz ber französischen Mitteilung sein wirb, bie bie sosortige Einberufung bes Völkerbunbsrates beantragt, wirb biefe Mitteilung bem gegenwärtigen Präsidenten bes Rates, bem türkischen Außenminister Rüschtü Aras, telegraphisch übermittelt werben, ber sich bann mit ben übrigen Mitgliedern bes Dölkerbunos- rates in Derbinbung setzen unb einen Zeitpunkt für ben Zusammentritt bes Rates vorschlagen wirb. Havas erinnert baran, baß ber Völkerbundsrat auf Vorschlag Litwinows gelegentlich seiner Januarsitzung beschlossen hat, baß bie Ratsmitglieber auf jeben Fall fünf Tage vor einer außer- orben11ichen Sitzung verstänbiat werben müssen. Die Berufung ber ftanzösischen Regierung an ben Völkerbunb bezieht sich auf bie Präambel ber Dölkerbunbssatzung (ftren^e Beobachtung aller Vertragsverpflichtungen burch bie Mitgliedsstaaten) unb auf ben § 2 bes Artikels 11 (Recht ber Berufung an ben Völkerbunb im Falle einer Bebrohung ber internationalen Beziehungen ober bes Friebens).
Times
Verstimmung in England.
Völkerbundes tief bedauerlich.
L o n b o n , 21. März. (DNB. Funkspruch.) Der Beschluß ber französischen Regierung, ben Dölte r b u n b mit ber Wiedereinführung ber Wehrpflicht in Deutschland zu befassen, wirb in Englanb mehr ober weniger scharf verurteilt. „Times" erklärt u. a., man bürfe sich barauf verlassen, baß Eben alles tun werbe, um in biesem kritischen Augenblick bie ftanzösischen unb italienischen Minister in Paris zu beschwichtigen.
Ls herrsche Einigkeit darüber, daß es ein allgemeines Siel der europäischen Politik fei, Deutschland nach Genf zurückzubringen. Nichts aber sei besser geeignet, seine Rückkehr zu verhindern, als eine Anklage vor dem Vülkerbundsral. Ueberdies könne der Völkerbundsrat nichts weiter tun, als das zu erklären, was jedermann wisse, nämlich, daß Deutschland den Versailler Vertrag verletzt habe. Die wirklich wesentliche Frage sei aber, ob Deutschland wahrend der letzten 15 Jahre in gerechter und billiger Weise behandelt worden ist und ob der Vertrag selbst in allen Beziehungen fair war. Diese Frage könne von keinem Schiedsgericht der Welt beantwortet werden. Das einzige Ergebnis einer Anschuldigung gegen Deutschland müßte fein, dem Völkerbund in den deutschen Augen noch mehr das Ansehen einer deutschfeindlichen Bereini
gung zu geben und eine Annäherung Deutschlands an den Völkerbund zu erschweren. Der. französische Beschluß sei daher tief bedauerlich.
„Morning Post" glaubt, bie erste unb wichtigste Frage, bie Simon an Hitler richten werbe, werbe sich auf Deutschlanbs Bereitschaft zur Rückkehr nach Genf beziehen. Diese Frage werbe als Prüfstein für bie praktische Möglichkeit europäischer Zusammenarbeit betrachtet. „News Chronicle" sagt, bie französische Berufung an ben Völkerbunbsrat sei auf innerpoltische Beweggrünbe zu rückzuführen. Der Sache bes Friebens werbe burch solche juristischen Anträge nicht gebient. „Daily Heralb" schreibt, ber Beschluß ber französischen Regierung sei nur geeignet, bie internationale Lage noch verwickelter unb schwieriger zu machen als vorher. Gegen bie Verweisung einer Streitfrage an ben Völkerbunb sei grundsätzlich nichts einzuwenden, aber bie Wirkung werbe jetzt wahrscheinlich sein, baß jebe Aussicht auf eine sofortige Rückkehr Deutschlanbs nach Genf vereitelt wirb. Es fei nur zu wahrscheinlich, baß auf einer Sitzung bes Völkerbunbsrates Reben gehalten unb Maßnahmen vorgeschlagen werben würben, bie bie Kluft zwischen Berlin unb Genf erweitern unb vertiefen müßten, während boch eine ber erklärten unb ausgesprochenen Ziele -ber französisch- britischen Erklärung vom 3. Februar gewesen sei, eben diese Kluft zu schließen.
Erheblicher Ausbau der ftanzösischen Lustwaffe.
General Denain beantragt einen Kredit von 3% Milliarden.
Paris, 21. Febr. (DNB. Fankfpruch.) Bei der Sitzung des Luftfahrtausfchuffes der Kammer am Mittwoch hat Luftfahrtminister General Denaiu angekündigl, daß er unverzüglich einen Gefehesvorfchlag einbringen werde, der es ihm erlaube, die für das kommende Jahr vorgesehene Kredite für die Militärluftfahrt in höhe von einer MilliardeFranks sofort zum Ausbau der ftanzösischen Luftstreitkrafte zu verwenden. Außerdem sollen diese Kredite u m eine halbe Milliarde erhöht werden, so daß der Luftfahrtminister zusammen mit den für 1935 bereitgestellten Krediten In höhe von zwei Milliarden Franks über 3Vt Milliarden Franks verfügen würde.
Flandins Rede in der pariser presse.
Paris, 21. März. (DNB. Funkspruch.) Der „Petit Parisien" ist mit ben Ausführungen bes Ministerpräsidenten re ft los zufrieben. Flan- bin sei gestern bas wahre Sprachrohr Frankreichs gewesen. „Excelsior" legt bie Anrufung bes Völkerbundes burch Frankreich bahin aus, baß es sich um eine Form ber Aussprache unb möglicherweise ber Verständigung unter ber Schutzherrschast des' Völkerbundes handele. Diese Form habe keinen Dringlichkeitscha- ratter. Wenn entgegen der durch die deutsche Haltung gerechtfertigten Annahme die Reichsregierung sich im Verlauf der Besprechungen mit Sir
John Simon bereit erklären sollte, in ein System ber gegenseitigen Unter« stützung einzutreten, so würbe eine allgemeine Derftänbigung, bie aus einer freien Aussprache hervorgegangen sei, es ber französischen Regierung erlauben, ihren Antrag einfach roieber zurückzuziehen.
Realitäten anstatt Phrasen.
Der Reichsautzenminister über den Besuch Simons.
L o n b o n, 20. März. (DNB.) Der Reichsaußen» minifter Freiherr von Neurath gewährte bem Reuter forrefponbenten in Berlin ein Interview. Auf bie Frage bes Korresponbenten: „Warum allgemeine Wehrpflicht, Herr Minister?" anroortete Freiherr von Neurath: „Noch im Jahre 1932 forderte Herriot, baß Deutschlanb eine kurz» bienenbe Armee an Stelle einer langbienen» ben haben solle, unb zwar aus bem Grunde, baß eine kurzbienenbe Armee weniger geeignet für einen Angriffskrieg ist. Die Franzosen forberten, baß wir unser Militärsystem ändern sollten. Jetzt haben wir beschlossen, eszutun. Außerdem hat auch der Macdonald-Plan eine kurzbienende Armee vorgesehen!"
Frage: „Es ist die Zahl von 3 6 Divisionen, bie einige Ueberraschung hervorgerufen hat."
Neurath: „Alles, was wir festgesetzt haben, ist die Verpflichtung jebes gefunben beutschen Mannes, feine Pflicht für fein 23 a t e r l a n b z u tun, wenn er aufgerufen wirb. Die Zahl von 36 Divisionen ist ber gesetz - l i ch fe st gelegte Rahmen, in bem bie zukünftige beutsche Armee organisiert werben wirb."
Frage: „Betrachten Sie bie Aussichten bes Besuches von Sir John Simon als hoffnungsvoll?"
Neurath: „Er beginnt in einer guten Atmosphäre. Die Besprechungen bürsten nicht ganz leicht fein; aber sie waren auch vorher nicht leicht, unb jetzt ist zumindesten bie @runb« läge viel klarer. Wir werben über Reali - tätenanftattüber Phrasen reden. Nachbem jetzt Deutschlanb genommen hat, was es für bie Gleichheit notroenbig erachtet unb nachbem ber Kanzler in bem Aufruf verkünbet hat, baß biefe Streitmacht niemals für Zwecke bes A n - griffs benützt werben wirb, sollte ein allgemeines Gefühl ber Sicherheit leichter herbeigeführt werben können. Es sollte möglich sein, baß bie Staaten zu einer gemeinsamen 23erftänbigungsgrunblage kommen. Ich bin sicher, baß jedermann ber Ueberzeugung ist, baß e i n neuer Krieg bas Enbe Europas bebeuten würbe."
Botschafter Gackett über Deutschlands Aufrüstung.
Neuyor k, 20. März. (DNB. Funkspruch.) Der aus Europa eingetroffene frühere amerikanische Botschafter m Berlin, Sackett, wurde bei seiner Ankunft in Neuyork von Pressevertretern gefragt, ob er Deutschlanbs Ausrüstung für gerechtfertigt halte. Der Botschafter erroiberte: I a , teilweise gerechtfertigt. Im übrigen lehnte er es ab, über europäische Fragen zu sprechen, ba er nicht mehr im biplomatischen Dienst stehe. — Er erklärte jeboch: „Falls Sie mich fragen, ob ich bie Deutschen gern habe, so sage ich mit Freuben, baß ich sie für ein vortreffliches Volkha11 e." Sackett versicherte im übrigen, er habe in Europa keinerlei Anzeichen für einen etwa bevor st ehenben Krieg bemerkt.
Besucht die Heinen Universitäten!
Studentenhöchstziffern
für die Grotzstadt-Hochschnlen.
DNB. Berlin, 20. März. Die Hochschulen in ben brutschen Großstädten haben nach bem Kriege ein ungleich größeres Wachstum als bie Hochschulen ber mittleren unb kleineren Stäbte aufzuweisen gehabt. Der Zug nach ber Grohstabt ist noch unoerminbert im Wachsen. Um bie beutschen Stubenten aus ber Groß- ft ab t hinauszuführen in bie kleinen unb mittleren Hochschul st übte zu intensiver Arbeit unb um eine möglichst enge Verbi n b u n g zwischen Hochschullehrern und Studenten wiederherzustellen und zu gewährleisten, setzt ber Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung unb Volksbilbung für bie Universitäten ber Stäbte Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln, Leipzig, München, Münster, unb bie Technischen Hochschulen ber Stäbte Berlin, Dresben unb München folgenbe Stubentenhöch st Ziffern fest:
<0 Universitäten:
Berlin (einschl. lanbwirtschaftlich^ unb tierärztliche Fakultät) 5600 Frankfurt a. M. 1400 Köln a. Rh. 2300 Leipzig 3100 Hamburg 1600 München 5000 Münster i. W. 2500
b) Technische Hochschulen: Berlin 1800 München 1800 Dresben 1400.
Diese Ziffern liegen — unter Berücksichtigung bei allgemein zurücklausenben Stubentenziffern — etwa 10 v. H. unter bem im Sommersemester 1935 zu erroartenben Besuch ber genannten Hochschulen. Innerhalb ber Fakultäten erfolgt bie Verteilung berart, baß 70 v. H. ber Zahlen bes Sommersemesters 1934 erreicht werben Dürfen. Da bie festgesetzten Zahlen aufgerunbet sind unb wenig über ben errechneten 70 v. H. bes Sommersemesters 1934 liegen, verbleibt für jebe Hochschule ein Rest. Der Minister empfiehlt, biefen Rest so zu verwenben, baß Härtefälle vermieden werben, ins- befonbere baß auf alle Fälle bebürftigen, ortsansässigen Studenten das Studium in ihrer Heimatstadt ermöglicht wird. Bis zum 25. März 1935 stellen die Hochschulverwaltungen die bisher eingetragenen Studenten bes Wintersemesters 1934 fest unb bestimmen banach bie Zahl ber zulässigen Neuimmatrikulationen, nach Fakultäten getrennt. Schriftliche Anträge auf Immatrikulation finb in ber Reihenfolge bes Eingangs Zu berücksichtigen. Beurlaubte Stubenten zählen als Immatrikulierte. Diese Bestimmungen finben a u f Aus 1 änber keine Anwenbung, diese sind in bie Höchstzahl nicht mit einbegriffen. Reichs» beutschen Stubenten, bie sich neu an einer Hochschule in ben beutschen Großstäbten ifnmatrifulieren lassen wollen, wirb empfohlen, vorher bei ber Hochschulbehörbe bes in Aussicht genomme« ntn Stubienortes (zweckmäßig mittelst eingeschriebenen Briefes) anzufragen, ob die Immatrikulation noch möglich ist.


