Ausgabe 
21.2.1935
 
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Donnerstag, 2|. Februar 1955

185. Jahrgang

UM 4 Erstes Blatt

Japan und China.

Don 23. Meyhoeffer, Oberstleutnant a. O.

Das ProblemJapan und China" ist durch die jüngsten Ereignisse in Ostasien wieder einmal aktuell geworden. Japan strebt, gewaltsam oder auf friedlichem Wege oder auf beiden gleichzeitig, eine Vereinigung mit China unter sei­ner Führung an; China zögert aus leicht verständlichen Gründen vorläufig noch, sich den etwas robusten Liebesbezeugungen des teuren Ver­wandten allzu willig hinzugeben. Man kann aber wohl heute schon sagen: über kurz oder lang wird eine Vereinigung so oder so zustande kommen, als Abschluß einer Entwicklung, die nach der japani­schen Restauration 1868 einsetzte. Vis zu dieser Zeit hatte China die Vormachtstellung in Ostasien, nach dieser Zeit glitt sie allmählich in die Hände des kleinen Detters hinüber. Wie kam das?

Japan hatte schon in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Wichtigkeit der militä­rischen Stärke eines Landes erkannt. Hochbe­gabte Japaner lernten im Auslande und Auslän­der, z. B. General Meckel, lehrten in Japan. Da der Japaner ein geborener Soldat ist und ihm in seinen Samurais eine geborene Offiziersklasse zur Verfügung steht, trug die Arbeit bald die besten Früchte: Japan schuf sich ein gut organisiertes, gut ausgebildetes, gut ausgerüstetes und gut geführtes Heer. r

In China war das anders: hochmütig stand es mit dem Rücken zur Zukunft, den Blick auf seine stolze Vergangenheit gerichtet, mißachtend die Vor­gänge der Neuzeit und namentlich die moderne Entwicklung auf militärischem Gebiete. Als es sich dann, noch halb im Traume umsah, stand der kleine bisher so verachtete Vetter von jenseits des Meeres in glänzender Rüstung vor ihm; im japanisch- chinesischen Kriege erhielt China die Quit­tung auf sein weltfremdes Verhalten (1894 bis 95). Es wurde geschlagen, und im Laufe der nächsten Jahre ging Korea, die Brücke zum Festland ver­loren.

Nunmehr begann der japanische Auf - und der chinesische Abstieg. 1904/05 wurde der Russe aus der Süd-Mandschurei hinausgeworfen und die politische, wirtschaftliche und kulturelle Durchdringung der chinesischen Gebiete mit japa­nischem Geiste und japanischer Kraft nahm ihren Anfang. Der Weltkrieg kam und mit ihm die Fest­legung aller Großmächte außerhalb Ostasiens in einer'Weise, daß das starke Japan im Fernen Osten vollständig freie Hand gewann: T s i n g- tau fiel in japanische Hände und mit den21 For­derungen" ' begann die Knebelung des wehrlosen 1 China.

Der Appetit kam beim Essen! Japans weltpoli- tische Ziele hat sein Ministerpräsident Tanaka \ im Jahre 1927 in einer Denkschrift an den Mikado enthüllt; er sagt unter anderem:... Um die Welt ' zu erobern, müssen wir zunächst China er­obern ..." Die japanische neuzeitliche Mentalität 1 spiegelt ein Gedicht aus dem Jahre 1917 wieder, aus dem ich nur die eine Stelle wiedergeben will:

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Daher werde es vielleicht für wünschenswert gehalten werden, daß im Fall eines britischen Besuches in Berlin der betreffende Minister sein Reiseprogramm erweitert und vor seiner Rückkehr nach England auch Mos­kau und Warschau besucht. Eine Reise dieser Art könne dazu beitragen, die Befürch­tungen, die Deutschland und Rußland gegen­seitig hegten, zu beseitigen. Dadurch könnten auch die Verhandlungen über ein neues Sicherheitssystem für Osteuropa erleichtert werden. Die deutschen Einwendungen gegen ein östliches Sicherheitssystem könnten festgestellt und Mittet zu ihrer Überwindung ausgedacht werden.

Sowjetrußlands Bereitschaft zur Mitarbeit bei einer vollkommenen europäischen Regelung werde in Lon­don als wesentlicher Faktor gewertet. Die engen Beziehungen, die Litwinow jetzt mit den Außen­ministern der Donau- und Balkanländer herqestellt habe, hätten den Einfluß Sowietruß- lands in Europa bereits erheblich erweitert. Für die deutschen Einwendungen gegen Verpflichtungen gegenüber einem Lande, dessen politische Ueber- zeugungen den eigenen scharf entgegengesetzt seien, bestehe Verständnis. Jedoch glaube man daß dies einer Vereinbarung nicht im Wege stehen sollte, die gerade zu dem Zweck geschaffen sei, einen An­griff eines dieser Länder auf das andere zu ver­hindern.

London, 20. Febr. (DRB.) Unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten Macdonald tagte am Mittwoch das englische kabinett, um sich eingehend mit der deutschen Antwort aus die englisch-französischen Paktvorschläge zu befaßen. Dem Kabinett tag die Stellungnahme des Ab­rüstungsausschusses der Regierung vor, der bereits gestern über die weitere Behandlung der mit dem Londoner Protokoll zusammenhängenden Fragen beraten hatte. Reuter schreibt: Obwohl keine endgültige Entscheidung getroffen ist, scheint die Möglichkeit eines Besuches des englischen Außenministers Sir John Simon in Berlin in Verbindung mit den europäischen Verhandlungen größer zu sein, als ursprünglich angenommen wurde. Die Frage eines solchen Besuches lag vermutlich dem Kabinett vor. Während es auf der einen Seite nunmehr klar ist, daß die Franzosen keine Einwände gegen einen solchen Besuch erheben würden, kann dieser Besuch kaum verwirklicht werden, bevor nicht zwischen Frankreich und Großbritannien als den Urhebern des ge­meinsamen Londoner Protokolls eine höchst gründ­liche Prüfung der Lage stattgefunden hat. Anschließend hieran scheint eine gemeinsame Antwort an Deutschland der wahrscheinlich nächste Schritt zu sein. Ein kurzer Gedanken­austausch zwischen Sir John Simon und dem fran­zösischen Botschafter bezog sich auf Fragen des Ver­handlungsverfahrens. Die nächste wichtige Ent­wicklung in den Bemühungen, eine Regelung der europäischen Angelegenheiten zu erzielen, wird wahr­scheinlich ein Besuch des Staatssekretärs des Aeußeren, Sir John Simon, in Berlin fein, um die Lage mit dem Führer und Reichskanzler Adolf Hiller zu erörtern. Es ist zwar noch kein dahingehender Beschluß gefaßt worden, fo heißt es in der Reuter- Meldung, aber es ist augenscheinlich, daß man immer mehr dazu neigt, einen solchen Besuch als die natürlich st e und wünschenswerte st e Methode zur Fortsetzung der begonnenen Ver­handlungen zu betrachten. Wenn man auch berück­sichtigt, daß befriedigende Ergebnisse vielleicht aus- bleiben würden, so fleht doch die britische Regierung auf dem Standpunkt, daß sie die wirkfamsten ihr zur Verfügung stehenden Mittel anwenden muß, um die wichtige Aufgabe zu fördern, selbst wenn sie dabei zeitweilig Rückschläge erfahren könnte.

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aramm sieht die Herstellung eines Schlacht­kreuzers von 35 000 Tonnen mit einer Bestückung von 12 in drei Hecktürmen angeordneten 34-cm-Geschützen und den Bau zweier Tor­pedo d o o t s z e r st ö r e r von 1700 Tonnen vor. Man glaubt, daß die Regierung zur Finanzierung dieses Flottenbauprogramms eine kurzfristige Anleihe von 600 Millionen Francs auflegen werde, deren Tilgung auf die Flottenhaus­halte der nächsten sieben Jahre verteilt werden würde.

Das britische Kabinett wünscht weitere diplomatische Klärung vor einer persönlichen Fühlungnahme.

Die Londoner Abmachung ein unteilbares Ganzes. Einschaltung der Sowjetunion und polens in das Reiseprogramm Simons.

Die Dommions und derLufivatt

Wellington (Neuseeland), 20. Febr. (DNB.) Der Ministerpräsident von Neuseeland, Ford es, äußerte sich im Repräsentantenhaus über den Luft- Locarnoplan. Er sagte, die Dominions würden zwar an einem solchen Pakt ebensowenig wie an dem ur­sprünglichen Locarno-Vertrag Anteil nehmen, aber wenn er zustande käme und jemals der Fall ein­träte, daß Großbritannien dadurch in einen Krieg verwickelt würde, dann würde auch Neuseeland hineingezogen werden. Nicht nur wegen der Rechtslage, sondern auch, weil die öffentliche Meinung Neuseelands unbedingt darauf bestehen würde, daß Neuseeland in einem solchen Fall Schulter an Schulter mit Großbritannien steht. Selbst wenn es diese beiden Gründe nicht gäbe, so würde eine K a ta­st r o p h e , die Großbritannien betrifft, Neusee­land in Mitleidenschaft ziehen, das mit der Wohlfahrt des Mutterlandes verbunden ist.

fetzen werde.

Berlin sei übrigens nicht die einzige Hauptsttidt, die den Besuch britischer Minister wünsche. Es ver­laute, daß in den letzten Tagen eine Mitteilung eingegangen sei, wonach die Sowjet regie- r u n g gerne Vertreter der britischen Regierung i n Moskau begrüßen würde, wenn ein solcher Besuch ohne Schwierigkeiten erfolgen könnte. Die Frage sei vom Kabinett noch nicht erörtert worden. AuchDaily Telegraph" betont, daß nach Ansicht der Regierung die durch die französisch-italienische Erklärung vorbereiteten und in London ausgear­beiteten ' Bemühungen nur auf breitester europäischer Grundlage Erfolg haben könnten.

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Paris, 21. Febr. (DNB.-Funkspruch.) Der eng­lische Geschäftsträger Campbell hat Außenmini­ster Laval über die Stellungnahme seiner Regie­rung zu deutschen. Antwort unterrichtet Von der'Presse wird der Beschluß des englischen Kabi­netts als eine Bekräftigung der gemeinsamen Erklä­rung vom 3. Februar, die ein unteilbares G a n- zes sei, freudig begrüßt. Nicht geringere Beachtung findet die U e'b e r r e i ch u n g d e r svwjetrusi ischen Note. Man glaubt, England werde sich auf Sonderverhandlungen mit Deutschland erst ein­lassen, wenn Deutschland zu allen in der englisch- französischen Erklärung aufgeworfenen Fragen ein­deutig Stellung genommen habe.

Der halbamtlichePetit Parisi en scheibt: Nach reiflicher Ueberlegung ist die englische Regie­rung wie die französische zu der Auffassung ge­langt, daß das Protokoll vom 3. Februar als em unteilbares Ganzes anzusehen sei und folglich der Luftpakt nicht von den übrigen Fra- aen getrennt werden dürfe. Es bestätigt sich immer mehr, daß die weitere Behandlung langwierig und schmier t g Jem wird. Erne unmittelbare deutsch-englische Aussprache scheint nid)t fofort in Frage zu kommem Denn die englische Regierung ist mit Recht der Ansicht, daß ein solcher Meinungsaustausch zunächst aus diplomatischemWegevorber eitet wer­den muß. Wahrscheinlich wird zunächst ein Fragebogen nach Berlin abgehen, der Deutschland zur Stellungnahme über alle Punkte des englisch-französischen Vorschlags auffordern wird. Zwischen dem Quai d'Orsay und dem Foreign Office findet darüber ein reger Meinungsaustausch statt. Diese englisch-französischen Besprechungen werden wahrscheinlich ihren Abschluß in dem B e s u ch S i r John Simons finden, der Ende des Monats zu einem Vortrag in Paris eintrifft.

Zur Ueberreichung d e r sowjetrussl- schen Note bemerkt das Blatt: Sowjetrußland tritt also seinerseits der in London eingeleiteten Sicherheitspolitik bei. Frankreich, England Italien und Sowjetrußland, d. h. vier Großmächte sind jetzt darüber einig, daß das Friedenswerk auf der Grundlage der Erklärungen zum dritten Februar durchgefuhrt werden soll.Oeuvre" spricht auch von englisch-sowjetrussischen Annah e- rungsbestrebungen. Man könne fragen, wie England sich verhalten werde, wenn Deutschland es ablehnen sollte, sich hinsichtlich aller Punkte zu binden. Entweder werde England an seinem gestri­gen Beschluß festhalten, in diesem Falle wurde die Lage für Deutschland ernst werden, oder England würde versuchen, Frankreich f ü r e i n e andere Formel zu gewinnen als die des gegenseitigen Beistandes, was beispielsweise den Nordost- p a k t anlange. Indessen spreche alles dafür, daß England gemäß der ersten Hypothese handeln

werde. .

Frankreich baut einen 35000-t-Schlachtkreuzer.

a r t 5 , 20. Febr. (DNB.) Der Marmeausschuß der Kammer hat den Ministerpräsidenten aufgefor­dert das Flottenbauprogramm 1935 unverzug- l i ch einzubringen, damit das Parlament es noch vor Ostern verabschieden kann. Das Flottenbaupro-

Oie Vereinigten Staaten wünschen ^üstunasekontroNe.

W a s h i n g t o n , 20. Febr. (DNB.) Das Staats­departement hat mit Bedauern festgestellt, daß der amerikanische Plan eines besonderen internatio­nalen Vertrages über eine Kontrolle!) er Rüstungen, den der amerikanische Gesandte Wilson in Genf betreibt, offenbar wegen der Geg­nerschaft Englands und anderer Machte keine Aussicht auf Annahme habe. Die amerika­nische Regierung will daher auf den allgemeinen Rüstungskontrollvertrag vom Jahre 1925 zurückgreifen, der kürzlich vom Senat ge­billigt, aber von Roosevelt deshalb nicht ratifiziert wurde, weil der Senat einen völlig abwegigen Vorbehalt über die Souveränität Irans im Persischen Golf eingefügt hatte. Auf Druck der Regierung hat der Senat nunmehr den Vertrag zurückerbeten, um diesen Zusatz wieder zu tilgen, damit der Genfer Vertrag endlich m Kraft treten kann.

Oie englische Heerfübrung im Weltkrieg

London, 20. Febr. (DNB.) Nachdem Lloyd George in seinen Erinnerungen den britischen Herrführer im Weltkrieg Lord S)a i g für zahl­reiche Mißerfolge und furchtbare Menschenverluste der Engländer, vor allem an der Flandernfront, verantwortlich gemacht hat, ist von den Testa­mentsvollstreckern des toten Marschalls die Frage feiner Ehrenrettung durch Ver­öffentlichung feines priDaten läge- b uch es vor der von ihm dafür festgesetzten Zeit erwogen worden.

Heber das Ergebnis der Kabinettsberatungen er­klärt dieTimes", die Haltung der britischen Minister habe sich gegenüber dem Vortage nicht verändert. Es sei ihr Wunsch, daß bet allen etwaigen künftigen Besprechungen die englisch-, französische Erklärung als ein Ganzes be­handelt und kein Teil davon aus dem Zu­sammenhang gerissen werde. Nich t v e rl an gt werde allerdings, daß die verschiedenen in der Er­klärung behandelten Fragen in einer bestimm­ten Reihenfolge geprüft werden. Entschieden Iber fei man ber Meinung, d°ß irgendwelche etwa zustande kommende Schlußfolgern n g e n sich auf die Londoner französisch-britische Erklärung in ihrer Gesamtheit zu stutzen habe. Die eng­lischen Minister seien daher zwar durchaus geneigt w einer baldigen Erörterung eines Luftabkommens unter den Westmachten, sie seien aber nicht der Ansicht, daß die K°n°°n wn als eine van dem Rest der Erklärung losgelöste An gelegenheit betrachtet werden könne.

Von dem Wunsche der deutschen Regierung, daß britische Minister bald einen Be- such in Berlin abstatten sollten, sei ge­bührend Kenntnis genommen worden, un­wahrscheinlich sei es aber, daß m dieser Richtung irgendwelche sofortigen Schritte erfolgten. Man glaube, daß noch viel auf dem gewöhnlichen diploma- t i f ch e n Wege erörtert werden müsse, dis ein Stadium erreicht werde, in dem eine P e r- sünliche Fühlungnahme zwischen Hit­ler und Vertretern der britischen Regierung ein-

Paris ist bchiedigt.

Frankreich bremst:die weitere Behandlung langwierig und schwierig". - Ein Fragebogen an Deutschland geplant?

Zur Herrschaft, Japan, bist du geboren! Erhebe dich stolz mit der Morgensonne; Ich habe dich zum Herrn dieser Erde erkoren.

Der erste Teil des japanischen Zukunftspro- gramms ist also die Unterwerfung oder besser gesagt, die Vereinigung Japans und Chinas. Nach dem Weltkriege schien über China das Chaos hereinzubrechen; die Kämpfe der chinesischen Dia- dochen führten das Land an den Rand des Ab­grundes. Japan stand zunächst abwartend beiseite. Als dann unter Führung des heutigenFührers", des Generals Chiang kai-shek, die Kuo­mintang (Volkspartei) in schneidegem Schwünge ihren Siegeszug von Kanton über Nanking gegen Peking durchführte, wurde durch einen von außen kommenden Eingriff die Einigung Chinas ver­hindert.

Japans Außenpolitik ist zwangsläufig: es braucht Wohnraum für feine jährlich um rund eine Millione wachsende Bevölkerung und strebt daher mit elementarer Gewalt über seine Grenzen nach außen, und zwar hauptsächlich in Richtung auf d i e wärmeren Gegen­den, nach Süden und Osten, aber auch nach Westen, aufs Festland hin, wo noch weite Sied­lungsgebiete frei find, lieber die 1910 geschlagene Brücke Korea hielt es seinen Einzug in die chine­sische Mandschurei. Hier herrschte in dem Jahr- zehnt nach dem Weltkrieg dieDynastie" Chang: unter Führung dieser energischen und beaabten Familie nahm die Entwicklung in der Mandschurei zweifellos eine Aufwärtsrichtung so lange, bis Chang Tso -1in einem Eisenbahnattentate zum Opfer fiel. Die Japaner hatten in diesem Teile Chinas Millionen und aber Millionen von Pen in kulturellen und wirtschaftlichen Werten angelegt, und so kann man es ihnen nicht verdenken, daß sie sich nicht wieder hinausdrängen lassen wollten: die Eroberung der Mandschurei begann; ihre einzelnen Phasen sind aus den Zeitungen be­kannt; sie endete mit der Gründung des Kai­serreiches Mandschukuo, dessen Grenzen im Norden der Amur und im Süden die Große chinesische Mauer bilden. Der chinesische Einfluß ist ebenso wie der russische durch den Verkauf der ost- chinesischen Bahn vollständig hinausgedrängt. Die Mandschurei ist heute japanisch.

Liegen so die Grenzen dieses neuen Staates unter japanischem Protektorat im Norden, Osten und Süden fest, so sind sie gegen Westen labil, und in diese Richtung, gegen die alten chinesischen Gebiete der inneren und äußeren Mongolei drückt jetzt der Dampf des überheizten japanischen Kessels so daß hier ab und zu ein Ventil geöffnet werden muß. Daher der neuerliche Vorstoß aus

Gietzeim Anzeiger General-Anzeiger für Oberhessen richten: Anzeiger Gießen v _____________

SranöÄ'in 11686 Druck und Verlag: Brühl'iche Univerfilättvuch- und Zteinüruckerei «.Lange in Stehen. Schristleilung und GeschSstrftelle: Schulftrahe r M-ng-nabschwff-Staff-, s

Anfragen in Moskau.

Die Sowjetunion zum Londoner Abkommen.

Moskau, 20. Febr. (DNB.) Der französische Botschafter Alp Hand hat dem Volkskommissar für auswärtige Angelegenheiten Litwinow mit- geteilt, daß die französische Regierung sehr inter­essiert sei, welche Stellungnahme die ©orojetumon zu dem Londoner Abkommen einnehme. Der englische Botschafter in Moskau Lord Ch li­st o n hat in derselben Angelegenheit bei Litwinow Vorgesprächen. Die sowjetrussischen Botschafter in London und Paris sind beauftragt worden, der englischen bzw. französischen Regierung zu erklären, daß die Sowjetunion das Ergebnis der Bemühun­gen der englischen und französischen Staatsmänner begrüße und daß die Verlautbarung, die von den beiden Regierungen veröffentlicht worden sei, freundliche Aufnahme in der Sowjetunion gefunden habe. Die Sowjetregierung sei zu der Üeberzeugung gelangt, daß eine völlige oder auch nur eine teilweise Abrüstung heute unmog - I i ch geworden sei. Die Kriegsgefahr könne jedoch durch das System der regionalen Pakte bekämpft werden. Die Sowjetregierung habe mit Genugtuung davon Kenntnis genommen, daß in der Vereinbarung zwischen den englischen und französischen Staatsmännern das System die­ser regionalen Pakte als notwendig be­zeichnet worden sei.