Ausgabe 
21.2.1935
 
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Italiens wirtschaftliche Mobilmachung für -en Kriegsfall gesichert.

Ausführliche Darlegung des Obersten Rates für Landesverteidigung.

I e h o l gegen die innermongolische Provinz T s ch a - h a r an her Großen Mauer und gleichzeitig im Nor­den a m Buir N o r (See) gegen die jetzt vollstän­dig unter russischem Einfluß stehende Ä e u ß e r e Mongolei. China kann der Gewalt nicht Gewalt entgegensetzen, da es militärisch machtlos ist, Ja­pans Armee ist numerisch stark und in jeder Be­ziehung erstklassig, von größtem patriotischem Schwünge getragen. Die chinefifche Armee ist seit der Zeit, da ich in ihr als Instrukteur tätig war, i m Aufbau b e g r i f fe n ; das Menschen­material in ihr ist gut, es fehlt die Führer- schicht, ein gutes Offizierkorps. Augenblicklich wird an ihrer Verbesserung energisch gearbeitet, aber auch in China kann man nicht Armeen aus dem Boden stampfen. In den letzten Jahren sind bemer­kenswerte Fortschritte gemacht worden, wie man aus dem seinerzeitigen Widerstand gegen die versuchte japanische Invasion bei Schanghai, ferner der Nie­derschlagung des Aufstandes in Fukien und den Er­folgen gegen die Kommunisten in Kiangsi ersehen kann. Äber gegen eine erstklassige auswärtige Ar­mee sind die Chinesen heute noch machtlos.

Das weiß niemand besser als General Chiang k a i - s h e k, daher wird er in die ihm entgegen­gehaltene Hand wohl oder übel einschlagen müssen. Auf die Friedensrede des japanischen Außenmini st ers Hirota vom 21. Januar, in welcher er warm für eine enge Zusammenarbeit mit China eintrat, hat Chiang kai-shek am 2. Februar in der chinesischen Zeitung Schenpao dahingehend ge­antwortet, daß die japanfeindliche Bewegung in China e i n g e st e l l t werden soll', auch deutet er an, daß die Zeit für eine Verbesserung der japanisch­chinesischen Beziehungen gekommen sei; beide sollen sich entgegenkommen. Dann sagt er wörtlich:Die Annahme, daß China zu einem Vasallen- staate Japans herabsinken könnte, ist zu kindisch. Eine augenblickliche Kriegsgefahr im Fernen Osten besteht nur in der Phantasie sensationslüsterner Zei­tungen. China und Japan stehen sich näher denn je.

Fugend im Dienst her Erzeugungsschlachi.

Ein Aufruf des Sozialen Amtes der Reichsjugendführung.

Das agrarpolitische Referat des So­zialen Amtes der Reichsjugendführung übergibt der Oeffentlichkeit folgenden Aufruf:

Deutsche Jugend, stelle deine Arbeits­kraft der Erzeugungsschl ach t zur Ver­fügung. Hilf mit am Aufbau eines freien und unabhängigen Deutschland! Jugendliche, meldet euch zum deutschen Landdienst der Hitlerjugend! Alle Kameraden zwischen 16 und 25 Jahren können dem deutschen Landdienst der Hitlerjugend beitreten und finden damit wieder Arbeit und Brot. Die Gruppen des Landdienstes befinden sich in allen Teilen von Nord-, Ost- und Mitteldeutschland. Kamerad­schaftsgeist und Arbeitswille sind ihre Grundlagen. Die Entlohnung erfolgt nach Tarifverträgen, ist volltariflich und richtet sich nach der Leistung und Altersgrenze. Die Unterkunft in den Heimen ist sauber und gesund, die Ver­pflegung nahrhaft. Aufstiegsmöglichkeiten sind geboten wie Beförderung zum Unterführer und Gruppenführer. Besuch von Schulungslagern, Freistelle auf landwirtschaftlichen Schulen und Bauernhochschulen stehen euch zur Verfügung. Da­mit wird euch der Weg zur Siedlung er­öffnet.

Jungen, die ihre Kraft der Erzeugungsschlacht, der Ernährung des deutschen Volkes zur Verfügung stellen, melden sich sofort beim Deutschen Landddenst der Hitlerjugend (Artamanen- bewegung) EV., Reichsjugendführung, Soziales Amt, Berlin NW 40, Kronprinzenufer 10. Die Ein­stellungen beginnen, meldet euch sofort!

Erneuerung des Stillhalteabkommens für die kurzfristigen Auslandsschulden der Länder und Gemeinden.

Berlin, 20. Febr. (DNB.) Die Verhandlungen über die Erneuerung des Stillhalteabkommens für die kurzfristigen Auslandsschulden der Länder, Gemeinden und öffentlich-rechtlichen Körperschaften haben zur Unterzeich­nung eines neuen Abkommens geführt. Der Gesamtbetrag der in Frage kommenden öffent­lichen Schulden beläuft sich noch auf rund 110 Mil-

Rom, 20. Febr. (DNB.) Der Oberste R a t für Landesverteidigung ist am Mittwoch zur letzten Sitzung seiner ordentlichen 12. Jahres­tagung zusammengetreten. Ueber das Ergebnis wird im Gegensatz zu den früheren Tagungen eine ausführliche amtliche Mitteilung veröffentlicht, in der es nach Anerkennung der im Vorjahre ge­leisteten Vorarbeiten für die Mobilmachung der Zivilbevölkerung und des entsprechenden Pro­gramms für das laufende Jahr heißt:

Der Oberste Rat für die Landesverteidigung halt es für notwendig, der Nation darüber Mitteilung zu geben, daß er in den ersten zwölf Jahren seines Bestehens seine Aufgabe gelöst hat, die darin besteht, rechtzeitig die unerläßlich notwendigen Mittel bereitzustellen, damit eine etwaige kriegerische Aktion sich unter Voraussetzun­gen entfalten kann, die den Sieg ermög­lichen. Nach Prüfung aller Bedürfnisse, für die bei kritischen und entscheidenden Verhältnissen Vor­sorge getroffen werden muß, und zwar sowohl in Bezug auf die Versorgung der mobili­sierten bewaffneten Macht wie für die Arbeits- und L e b e n s m ö a l i ch k e i t e n der ganzen Nation, hat der Overfte Rat alle ursprünglich gegebenen Hilfsquellen des Landes organisiert und Vorkehrungen für den Uebergang zu den letzten Formen von Ver­wendung und Verbrauch getroffen. Insbesondere ist die Gewinnung und Verarbeitung der einzelnen Erzeugnisse in der von den Militärbehörden verlangten Art und Zahl bis ins klein st e vorbereitet. Sofern dabei Lieferungen und Güteraustausch mit dem Aus­lande in Betracht kommen, kann auf Grund der angestellten Untersuchungen das allzu oft wieder­holte Schlagwort von der Rohstoffarmut Italiens, die seine Handlungsfreiheit in Sachen der Außenpolitik behindere, mit Bestimmtheit als un­richtig bezeichnet werden.

In Wirklichkeit hat die vom faschistischen Regime in den 13 Jahren seines Bestehens entfaltete Aktion das Land von den schwersten dieser Erscheinungen, die man alsKriegsknechtschaft" bezeichnen könnte, befreit.

Die amtliche Mitteilung gibt dann im einzelnen an, daß die Versorgung Italiens mit Ge­treide, Mais, Reis usw. in Kriegszeiten im Gegensatz zur Fleischversorgung vollauf durch die eigene Landwirtschaft gedeckt wird. In Bezug auf die flüssischen Brennstoffe

Honen RM. Das Kreditabkommen für deutsche öffentliche Schuldner von 1935 ist für die Zeit vom 16. März 1935 bis 15. März 1936 abgeschlossen wor­den. Die Bestimmungen des Kreditabkommens von 1934 gelten unverändert auch während des neuen Stillhaltejahres.

Otto Strassers Schwarze Rock hochverräterisches Memel)»

Ein Urteil des Volksgerichtshofes.

Berlin, 20. Febr. Nachdem bereits gegen eine Anzahl von Anhängern der Schwarzen Front Hochver.ratsanklage erhoben worden ist, hatte sich der Erste Senat des Volksgerichts­hofes heute mit dem ersten dieser Fälle zu be­fassen. Es handelt sich dabei um einen 22jährigen Angeklagten, der Ende Februar und Anfang März 1934 dreimal in Prag am damaligen Sitze der Schwarzen Front gewesen ist und von dort rund 70 Briefe mit Propaganda­material nach Deutschland gebracht und hier zur Post befördert hat. Er wurde vöm Volks­gerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Ver­treter der Reichsanwaltschaft hatte fünf Jahre be­antragt.

Dieser Entscheidung kommt grundsätzliche Bedeu­tung zu, da in der Verurteilung des Angeklagten zugleich die Bestätigung des hochverräte­rischen Charakters der Schwarzen Front liegt. Diese von dem nationalen Bolschewi­sten Otto Strasser ins Leben gerufene Bewe­gung erstrebt unter schärfster Ablehnung des legalen

fei der Oberste Verteidigungsrat auf die Sicherung der Selbstversorgung Italiens in Kriegszeiten durch Ausnutzung der eigenen Bodenschatze und durch synthetische Erzeugun!, dieses Brennstoffes aus nationalen Rohstoffen bedacht. Für den Bedarf an Schmieröl fei Italien be­reits vom Auslande unabhängig; für ine Erzgewinnung und Erzverarbeitung verfuge Italien über beträchtliche Möglichkeiten, die von der Industrie entwickelt werden sollen; für die hochwertigen Brenn st offe sei Italien in Friedenszeiten auf das Ausland angewiesen; es habe aber feine Wafferkraftanlagen ausgebaut, und nach Ansicht des Obersten Ra­tes müsse Italien in Kriegszeiten auch auf feine Kohlen- und B r a u n k o h l e n l a g e r zahlen können. Ueber die industrielle Ausbeutung der Braunkohle seien wichtige Versuche im Gange; m Bezug auf die lebenswichtige Stick st offversor- g u n g müsse daran erinnert werden, daß nach ita­lienischen Patenten auch im Auslande erbaute An­lagen mit voller und zufriedenstellender Leistung arbeiten. Schließlich sei Italien wie auf dem Ge­biete der Nahrungsmittelverforgung auch auf dem Gebiete der Kleiderversorgung unabhängig, wobei der Hanf als nationaler Fa­serstoff in der Zukunft noch eine große Rolle spie­len werde.

Günstiger Stand der Verhandlungen zwischen Italien und Abessinien.

Rom, 20. Febr. (DNB.) In den Verhandlungen zwischen Italien und Abessinien wird von italieni­scher Seite eine Besserung verzeichnet. Grund­sätzlich sei man sich auf beiden Seiten nunmehr über die Errichtung einer neutralen Zone, wie sie von Italien an der Somali­grenze vorgeschlagen wurde, einig. Die Verhand­lungen drehten sich zur Zeit um einige Bedingungen Abessiniens, die von Italien jedoch nur schwer ange­nommen werden könnten. Ob Abessinien die übri­gen Bedingungen, über die noch nichts Näheres mit- geteilt wird, fallen lassen wird, ist trotz der günsti­geren Beurteilung der schwebenden Verhandlungen noch fraglich. Der Kronprinz von Italien hat heute vormittag in Neapel ein Pionierba­taillon in Stärke von 750 Mann besichtigt, das mittags in Begleitung von 40 Offizieren nach Jtalienifch-Ostafrika ausgefahren ist.

Kurses Adolf Hitlers einen revolutionären Kampf mit außerparlamentarischen Mitteln. Diese Zielsetzung führte bereits im Jahre 1930 zu einer Trennung von der NSDAP. Die Gegensätze verschärften sich immer mehr, so daß ein Verbot der Schwarzen Front nach der Machtergreifung durch den Na­tionalsozialismus unausbleiblich war. Inzwischen hat sich die Schwarze Front nach außen hin auf­gelöst, ihren Mitgliedern aber die Parole erteilt, getarnt in allen ihnen zugänglichen Stellen an der Vorbereitungder zweiten Revolution" weiter­zuarbeiten. Otto Strasser flüchtete ins Ausland und leitete von Wien und später von Prag aus den Kampf gegen das neue Deutschland mit den gemeinsten Mitteln. Der Vorsitzende betonte in der Urteilsbegründung, die Beweisaufnahme lasse mit aller Deutlichkeit erkennen, daß Otto Strasser und die von ihm geleitete Schwarze Front hochver­räterische Ziele verfolgen.

Unzutreffende Behauptungen.

Berlin, 20. Febr. (DNB.) In einem Teil der Auslandpresse ist die Behauptung aufgestellt wor­den, daß eine der beiden Hingerichteten Lan­desverräterinnen eine Verwandte des bekannten Generals und früheren Kriegsministers von Falkenhayn gewesen sei. Wie Berliner Blätter hierzu feststellen, ist das nicht der Fall. Die Verurteilte war, wie in der amtlichen Bekannt­machung mitgeteilt wurde, eine geschiedene Frau von Falkenhayn. Die Ehe von Falkenhayns ist schon vor einer Reihe von Jahren g e l ö st worden. Inzwischen hatte sich die Ver­urteilte wieder verheiratet. Lediglich des­

halb, weil die später von ihr geschlossene Ehe für nichtig erklärt wurde, mußte sie unter dem Namen von Falkenhayn verurteilt werden. Ihr früherer Ehemann von Falkenhayn ist übrigens nur einentfernter Verwandter des Generals.

Oer 24. Februar im ORunhfunf

Horst-Weffel-Gedenkfeier

und nationalsozialistische Weihestunde.

Berlin, 20. Febr. (DNB.) Die Reichssende­leitung teilt mit: Am Samstag, 23. Februar, ver­anstaltet der deutsche Rundfunk von 19 Uhr bis 19.30 Uhr eine H o r st - W e s s e l - G e d e n k f e i e r. Zu Beginn der Sendung spricht der Chef des Stabes der SA., Lutze. Am 24. Februar von 11 bis 12 Uhr übernehmen alle deutschen Sender aus der Tonhalle in München die Nationalsozialifti- sche Weihe st unde15 Jahre deutscher Freiheits kam pf". Es spricht der Gauleiter des Traditionsgaues München - Oberbayern, Pg. Adolf Wagner. Das Reichssinfonieorchester spielt unter Leitung von Pg. Adam. In der Zeit von 20 Uhr bis 21.45 übernehmen alle deutschen Sender die Gründungsfeier anläßlich des lojähri- gen Bestehens der NSDAP, aus dem histo - rischen Hofbräuhaus-Festsaal in Mün­chen. In dieser Feierstunde werden durch den Stellvertreter des Führers, Reichs­minister Rudolf Heß, vereidigt: Sämtliche Politischen Leiter, Führer der HI., des Jungvolks, des BdM. und des Arbeitsdienstes, soweit sie nach dem 2 4. Februar 19 3 4 ernannt wurden. Die Veranstaltung wird umrahmt mit musikalischen Darbietungen.

Großer wirtschaftlicher Erfolg der Auiomobilausstellung.

Die Internationale Automobilausstellung ist zu einem großen Erfolg für die deutsche Automobil­industrie geworden. Es ist damit zu rechnen, daß die diesjährige Schau es auf die doppelte B e - f u ch e r z a h l bringen wird wie die vorjährige. Der Auftrieb, den die Automobilausftellung im vorigen Jahr zu verzeichnen hatte, wird nach den Verkäufen, die bisher abgeschlossen wurden, somit weiter anhalten zum Nutzen der ge­samten Volkswirtschaft. Fast auf der aanzen Linie ist die Zahl der bis heute abgeschlossenen Käufe, sowohl an die Händler als auch an Privatkund­schaft, größer als zur gleichen Zeit des Vor­jahres. Es gibt Firmen, die einzelne Serien von Wagen ausverkauft haben. Der jetzt vorliegende Auftragsbestand sichert für die augen­blickliche Belegschaft BeschäftigungaufMo- n a t e hinaus. Mehrere Werke glauben auch ohne Neueinstellungen nicht auskommen zu können. Beachtlich ist der starke A u s l a n d s b e s u ch. Trotz der durch Währungsentwertung begünstigten aus­ländischen Konkurrenz sind Wagen, Traktoren usw. ins Ausland abgesetzt worden, ein schöner Beweis für die Wertschätzung deutscher Präzisionsarbeit. Bei den Lastkraftwagen finden die Typen, die nicht mehr Benzin, sondern Trieb gas ver­wenden, großes Interesse. Zwei Vorteile bieten diese Neukonstruktionen: Der Kraftstoffverbrauch ist bil­liger; außerdem werden, da diese Treibstoffe in Deutschland hergestellt werden, Devisen für die Ein­fuhr von Benzin gespart

Neichsstatthalter Gauleiter Sprenger besich­tigte die Berliner Automobil-Ausstellung. Mit ihm waren Frau Sprenger, Adjutant S t ö h r und Mi­nisterialrat von Zengen zugegen. Eingehend be­sichtigte der Gauleiter vor allem die Stände der Adlerwerke und der O p e l w e r k e und ließ sich deren bemerkenswerte Neukonstruktionen zei­gen. Er konnte sich von dem großen Fortschritt der rhein-mainischen Automobilindu­strie überzeugen und sprach sich sehr anerkennend darüber aus, daß die Initiative der rhein-maini­schen Wirtschaft den großen Erfolg der Automobil­industrie mit gefördert hat.

Rsntenkürzung in Oesterreich.

Wien, 20. Febr. (DNB.) Rascher als man ge­dacht, ist eine Entscheidung über die Reform der Sozialversicherung gefallen. Angesichts der k a t a strophalen finanziellen Lage der An­ge st e l l t e n v e r si ch e r u n g hat die Regierung eine Zwischenlösung, die in einer scharfen Kür­zung der Renten besteht, gewählt. Die in den Monaten März, April und Mai 1935 fällig ^s^r° denden Beträge der Jnvaliditäts-, Alters- und Hin-

Chopin und George Gand. Romantische Liebe und Abschied.

Am 22. Februar jährt sich der Geburts­tag des genialen polnischen Komponisten und Pianisten Fröderic Chopin zUm 125. Male. Die Besucher des FilmsAbschieds­walzer", über den wir ausführlich berichteten, werden gerne noch etwas über Chopins Le­ben und insbesondere über die berühmt ge­wordene Begegnung mit der französischen Romanschriftstellerin George Sand lesen. Frödöric Chopin gehört allein schon durch seine Musik in das Reich der Meister, die sich mit ihrem Werk zeitlose Geltung errungen haben, aber wie bei nur Wenigen ist der Ruhm seines Namens auf das engste mit seinem Lebensschicksal verknüpft. Wunderbar fein Ausstieg, voll melancholisch-leiden­schaftlicher Stimmung alles, was seine Gestalt um­gibt, und tragisch der Tod des Frühvollendeten. Das Leben dieses Kunstbegnadeten ist wie ein Traum voll rauschender Erfolge und traurigster Einsamkeit, voll zartester Abenteuer des Herzens und tiefster Wehmut, und dahinter erheben sich die Ereignisse des polnischen Aufstandes, die Zerstörung der lange im Geheimen genährten Freiheitshoffnungen und die schwämerische Polenbegeisterung, die damals fast ganz Europa ergriffen hatte und die besonders in Frankreich die Gemüter entflammte.

Zu diesem Zeitpunkt kam der junge Chopin, in dessen Adern sich polnisches Blut mit französischem mischte, nach Paris, nachdem er bereits in Wien als Neunzehnjähriger unerhörte Triumphe gefeiert hatte. In den Pariser Salons wurde er mit offenen Armen ausgenommen, und sehr bald stand er mit den hervorragendsten Männern des stanzösischen Geisteslebens, wie Balzac, Berlioz, Liszt und Müsset, in freundschaftlichstem Verkehr. Der junge Pole in seiner empfindsamen und träume­rischen Art entsprach ganz den Vorstellungen, die sich die Pariser vom Genius der Musik gemacht hatten. Die entscheidende Begegnung aber, die Chopins Schicksal wurde und die auch auf fein Schaffen von großem Einfluß werden sollte, war die Freundschaft zu George S a n d, der eigen­artigen französischen Romanschriftstellerin, die auch bald auf ihn tiefen Eindruck machte, wenn er ihrem

Einfluß zuerst auch widerstrebte.Ihr Gesicht ist mir nicht sympathisch und hat mir gar nicht ge­fallen, es ist sogar etwas darin, was mich abstöht", schrieb er damals an die Seinen.

George Sand war nicht mehr jung, aber sie verband die Schärfe eines wachen Geistes mit der hinreißenden Macht eines großen Herzens. Sie hatte ein feines Empinden für die edle Phantasie und den reinen Schwung in Chopins Musik. Von mancher Seite ist sie als ein von zügelloser Sinn­lichkeit getriebenes Mannweib hingestellt und als der zerstörerische Dämon im Leben des jungen Po­len bezeichnet worden. Inzwischen hat sie eine ge­rechtere Würdigung erfahren.

Am 10. Oktober 1837 lernte Chopin George Sand kennen, und später bekannte er:Dunkle Augen, seltsame Augen. Was sagten sie? Sie lehnte sich über den Flügel und ihre umarmenden Blicke um­wogten mich. Meine Seele hatte den Hafen gefun­den. Ihre feltfamen Augen lächelten. Die Gestalt ist männlich, die Züge sind breit, fast grob, aber diese traurigen und seltsamen Augen! Ich schmach­tete nach ihnen und zog mich dennoch schüchtern zurück. Sie ging fort. Später unterhielten wir uns über allerlei Dinge. Liszt, der mich allein hatte sitzen sehen, führte sie mir zu. Blumen rings um uns. Mein Herz war gefangen. Sie lobte mein Spiel. Sie verstand mich. Aber dieses grobe Ge­sicht, streng und traurig. Ich habe sie seitdem zwei­mal wiedergesehen in ihrem Salon, umgeben von der hohen französischen Aristokratie, dann einmal allein. Sie liebt mich. Aurora*, welch reizender Name! Die Nacht geyt zu Ende."

So begann eine der schönsten und tiefsten Liebes­geschichten, voller Unruhe und Schmerz, und doch von einem Glücksgefühl erhoben, das immer wieder in Chopins Werken durchdringt. George Sand war eine der Wenigen, zu denen Chopin sich ausgespro­chen hat. Beide reisen nach der Insel Mallorca. Chopins Gesundheitszustand gibt viel Anlaß zur

* George Sand hieß eigentlich Amandine Lucile Aurore D u p i n ; sie war geboren am 2. Juli 1804 in Paris als Urenkelin des Marschalls von Sachsen, heiratete 1822 den Baron Dudevant, von dem sie sich 1831 trennte und fünf Jahre später geschieden wurde; sie starb 1876 auf Schloß Nohant (Departe­ment 3 obre)»

Sorge. Mit wahrhaft fraulicher Hingebung pflegt ihn George Sand, und mit bewundernswerter An­passungsfähigkeit weiß sie sich in alle Schwierigkeiten zu finden. Chopin schreibt:Sie sorgt für mich Tag und Nacht. Ihr Atem erfrischt mich. Das trau­rige Antlitz meiner Mutter erscheint mir in meinen Träumen... Unsere beiden Seelen sind allein auf dieser Insel im Meer. Des Nachts höre ich das Rauschen der Wogen..

Auf Mallorca ist eine Reihe der schönsten Schöp­fungen Chopins entstanden. Was kann mehr für die Größe dieses Herzensbundes sprechen? Jahre ver­gehen, Spannungen treten auf, beide fühlen, daß ihre Zeit zu Ende geht. Bei George Sand tritt diese Wandlung schneller ins Bewußtsein, bei Chopin ist es mehr ein dumpfes Gefühl unendlicher Traurigkeit, und zitternd spricht er es aus:Nur für dich, Aurora, schleiche ich noch auf der Erde hin. Nichts würde mir zu viel fein, ich würde dir alles geben. Ein Blick, eine Liebkosung von dir, ein Lächeln, wenn du müde bist. Ich will nur leben für dich, für dich will ich spielen süße Melodien. Wirst du nicht zu grausam fein, Geliebte, mit deinen ver­schleierten Augen?"

Immer wieder überfällt Chopin das Heimweh nach feinem geliebten Polen, sein gebrechlicher Kör­per leidet schwer unter der Krankheit, sein Herz wird müde. Dann folgt der Bruch mit George Sand.Alles ist aus! Das Leben ist zu Ende!" heißt es am 1. Juni 1847.Noch einige Jahre mehr oder weniger. Aber niemals mehr das wahre Leben. Ich schreibe diese Worte nicht, sie zerhämmern mein Gehirn. Sie sprach so hart zu mir und meine Seele ist krank. Ich glaubte nicht, daß sie so hart fein konnte." Chopin sucht Vergessen, er reift nach Schottland, schon den Tod im Herzen.

Die Frau ist nicht am Leben zugrunde gegangen; sie war eine kräftigere Natur. Die Erinnerung an Chopin hat sich in ihr zu einem leuchtenden Bild ver­klärt, von dem sie später sagt:Ich spreche jetzt von Fräderic als einer Seele, schön und rein in ihrem innersten Wesen, aber krank und beunruhigt vom Leben, sie erscheint mir mit so viel Klarheit in meinen Gesprächen mit dem Toten, wie ich sie in einer besseren Welt wiederzusehen hoffe, wo wir uns alle erkennen werden im Glanze eines helleren und göttlicheren Lichts als dem der Erde."

Kunst und Wistenschast.

Chopin-Feier in Warschau.

Der 125. Jahrestag der Geburt Chopins am 22. Februar wird durch ein Chopin-Konzert des Warschauer Senders eingeleitet. Vor Beginn des Konzerts sprechen der polnische Kultusminister Ien- d r z e j w i c z und der Vorsitzende des Warschauer Chopin-Instituts Z a 1 e s k i zu den Radiohörern. Das Konzert wird auf die vier deutschen Sender Frankfurt, Hamburg, Köln und München über­tragen. Am 21. gibt der Warschauer Sender ein HörspielAus dem Leben Chopins". Am 22. findet in der Warschauer Philharmonie ein Chopin-Fest­konzert statt, das auch vom Warschauer Sender übertragen wird. Außerdem werden am 22. die Dresdner Chopin-Feiern auf alle polnischen Sender übertragen.

Frühjahrshochschule der Deutschen Studentenschaft.

Vom 25. Februar bis zum 8. März findet in Bad Blankenburg in Thüringen die Frühjahrs- Hochschule der Deutschen Studenten­schaft statt, die etwa 130 Dozenten und Studen­ten aus den Hochschulen des Reiches zur Behand­lung dringender wissenschaftlicher Themen zusam- menfaffen wird. Damit wird eine Entwicklung weitergeführt, welche die nationalsozialistische Stu­dentenschaft vor einem Jahr begonnen hatte, indem sie im sog. Sylter-Treffen die Rektoren und Stu­denten maßgebender Hochschulen des Reiches zu­sammenfaßte zur Behandlung bestimmter hoch­schulpolitischer Fragen. Die Frühjahrshochschule hat in bescheidenem Rahmen die Aufgabe, in harter Arbeit die wissenschaftliche Lage einzelner Fachge­biete, insbesondere auf den Gebieten der Geschichts- und Erziehungswissenschaft, der Medizin, zu um- reißen und Arbeitsaufgaben für das nächste Jahr herauszuftellen. Die Leitung der Frühjahrshochfchule liegt in den Händen des Führers der Deutschen Studentenschaft, Pg. Feickert - Berlin, die wis­senschaftliche Leitung übernimmt Pg. Professor Ernst K r i e ck - Heidelberg. Anläßlich der Eröff­nung der Frühjahrshochfchule hat der Führer der Deutschen Studentenschaft, Pg. Feickert, die Füh­rer der örtlichen Studentenschaften des Reiches zu einem Semester-Abfchlußtreffen nach Potsdam zu- lammenberufen.