Ausgabe 
21.1.1935
 
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Auswärts im Gießener Vevölkerungssland

Kameradschastsabend -er Motor-SS

Männer

unter

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und

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Auf die Stadt Gießen entfallen 503 Geburten (261 Knaben, 242 Mädchen) gegenüber 383 in 1933 und 369 in 1932, also 120 Geburten mehr als tm Vorjahr und ein Mehr von 134 Geburten gegenüber 1932. Trotz dieses an sich erfreulichen Ergebnisses ist die Gefahr des Beoölkerungsschwundes nicht auf- gehalten. Die Verantwortung gegenüber Volk und Staat verlangt es, darauf hinzuweisen, daß wir auch heute noch ein sterbendes Volk sind, und es wird noch vielen guten Willens beburfen, btefe große Gefahr aufzuhalten. In den Jahren 1880 bis 191U entfielen in Gießen auf rund 1000 Einwohner tm Mittel 23 Geburten, heute dagegen noch nicht bie Hälfte, ganz zu schweigen von dem Niedergang der Jahre vor der Machtübernahme.

gerückten Stunde konnten die Turnerinnen nur noch eine Hebung am Barren zeigen, die aber durch exakte Durchführung besonders gefiel. Turnbruder Freiensehner erfreute durch zwet oberhesstsche Mundartvorträge vomPhotobild" und von der Speckschwarte", für die er reichen Beifall erntete. Den Schluß bildeten zwei von vier Turnschwestern vorgeführte Tänze.

An den von Vereinsleiter Müller mit Dankes- worten an alle Mitwirkenden und guten Wünschen für die Besucher beschlossenen Familienabend schloß sich eine Tanzunterhaltung für jung und alt an.

Matthias Claudius, 1740 zu Reinfeld im Holstei­nischen geboren, stammte aus einem alten Pfarrer­geschlecht und sollte von Haus aus ebenfalls Theo­logie studieren. Aber der Neunzehnjährige sattelte in Jena um. Es gibt eine spätere Fabel von ihm, worin er, der wie kein anderer für das Christentum eintrat, dieses mit einem Schlüssel vergleicht, der den Gefangenen In den Kerker gereicht wurde; aber an­statt mit ihm das Schloß aufzusperren und in die Freiheit hinaus zu treten, fangen sie an, über den Schlüssel nachzugrübeln und dies und das an ihm zu kritisieren, ja sie ändern und meistern an ihm herum. Und als bann der Schlüssel nicht mehr ins Schloß paßt, sind sie verlegen unb-rounbern sich, unb einige spotten gar über ihn... Tian könnte dieser Fabel vielleicht bie Begründung entnehmen, weshalb Claudius bas Studium der Theologie aufgegeben habe; er wollte praktisch zu Werke gehen, er war ein Mann des Glaubens unb wußte bamit den Schlüssel in feiner Hand. Dieses Wissen aber ver- mochte ihm seine Bescheidenheit unb seine Demut nicht zu nehmen.Stolz, Selbstsucht unb Eigen­dünkel sind dem Glauben zuwider; er kann nicht hinein, weil das »Faß schon voll ist." Claudius hatte den Standpunkt jener Sokratischen Unwissenheit, bie sagt: Ich weiß, baß ich nichts weiß.

Aufforderung unb Verpflichtung, in Treue zusam- menzustehen. In biefem Sinne wünschte ber Ver­einsleiter bem Abenb einen guten Verlauf unb brachte ein breisaches Sieg-Heil aus auf bie deut­schen Turner an ber Saar unb bas Saarlanb, auf die DT., bas Vaterlanb unb feinen Führer Adolf Hitler. Des Saarlanbs Schwur, bas Deutschlanb- unb bas Horst-Wessel-Lieb schlossen sich an.

Ein vom Vereinsführer vorgetragenes Gedicht Der Sonberling", bas eine Rettungstat eines eblen, aber verkannten Menschen behanbelte, schuf bie Ueberleitung zum geselligen Teil. Zunächst zeig- ten bie Schüler ihre fleißige Arbeit am Barren­turnen, bei ber sie mit großer Freube habet waren. Die sinnvolle Vereinigung bes Spielerischen mit praktischer Körperschulung verrieten bie Keulen­übungen ber Turnerinnen. Nach einem gemein­samen Lieb würben burch bie Aufführung einer LokalposseAm Stammtisch" von Turndruber Heini B e rf e r bie Lachmuskeln ber Besucher in Bewegung gebracht. Dieses anspruchslose Eigenfabrikat aus der Praxis, für bie Praxis am Lügentisch fanb durch bas flotte Auftischen unb bie Freube ber Be­teiligten am Spiel stürmischen Heiterkeitserfolg, unb Heini Becker bekam einen Sonberbeifoll. Ein Bilb ungetrübter Jungenfieube bot bas forsche, geschickte Springen ber Schüler am Pferbe. Wegen ber vor-

1. Handwerksgesellen und -gehilfen

2. Kaufmännische Büro- und sonstige Angestellte

3. Arbeiter

4. Akademische Berufe unb Offiziere

5. Soldaten

6. Fabrikanten, selbständige Kaufleute und Diplom-Kaufleute

7. Gewerbetreibende

8. Technische und sonstige freie Berufe

9. Mittel- und Unterbeamte

10. Sonstige

Musikzug sich zu einer Zugabe genötigt sahen. SS.- Rottenftchrer Menges sprach in ^packender Wetse ein MelodramaDte Fahne hoch '.das bem un­vergänglichen Wirken unb bem heldischen Opfertob Horst Wessels gewibmet ist. SS.-Mann Wag­ner trug burch Gesangsvorträge tn schöner Weise zur Unterhaltung ber Besucher bei, ferner erfreute eine humoristische Darbietung Zweier Sturmkame- raben ebenfalls in reichern Maße. Das FM.-Mit­glied Kreuter dankte im Namen der fordernden

Mitglieder den Kameraden der aktwen SS. für den gehaltvollen und schönen Abend, versicherte sie der weiteren guten Kameradschaft und opferbereiten Mitarbit ber FM. unb veranlaßte schließlich eine Sammlung unter ben FM -Kameraben, bie gerne ein besonberes Scherflein zur Deckung der Unkosten bes Abenbs besteuerten.

Den Abschluß bes schönen Kamerabschastsabends bilbete beutscher Tanz, ber bie Besucher noch längere Zeit in bester Stimmung beisammenhlelt.

367

Die Geburtenzahl 1030 (524 Knaben und 506 Mädchen) in 1934 gegenüber 801 in 1933 und 769 in 1932 läßt den Wandel der Zeit und das Wieder er wachen des Familiensinns ein­deutig erkennen.

Die abwechslungsreiche Vortragsfolge brachte im weiteren Verlaufe des Abends ausge­zeichnete instrumentale Darbietungen des Frank­furter SS.-Mufikzuges, der durch die gute Wieder­gabe klassischer Kompositionen, wie auch durch schneidige Marschmusik sich um den Abend ein gro­ßes Verdienst erwarb; besonders sei das Pistonsolo des Musikzugführers Braum hervorgehoben, das so starken Beifall fand, daß der Solist und sein

Aus ber Statistik des Standesamtes Gießen für das Jahr 1934 geht uns vom Standesamt folgender Bericht zu:

Die in der nachstehenden Statistik erfaßten bevölke­rungspolitischen Vorgänge geben ein erfreuliches Bild von dem wiedererwachten Lebenswillen und erstarkten Glauben an die deutsche 3uhjnft, wie es eindrucksvoller nicht erscheinen kann. Die von der Staatsführung ergriffenen Maßnahmen zur Ar­beitsbeschaffung, Förderung ber Ehestanbsgrunbung unb zum Schutze ber Familien beginnen sich segens­reich für Volk unb Staat auszuwirken. Em Ver­gleich ber statistischen Zahlen mit benen der ver- gangenen Jahre beweist, baß es wieder aufwärts geht unb die an bie staatlichen Maßnahmen geknüpf­ten Hoffnungen sich erfüllen.

367 Ehen sind im Jahre 1934 in Gießen geschloßen worden, gegenüber 348 im Jahre 1933.

Beide Zahlen stehen über allen bisherigen Nor­malzahlen. Im Vergleich mit der Bevölkerungsziffer ergibt sich ein selten hoher Prozentsatz. Die folgende Ausstellung gibt einen Ueberblick über das Alter ber Ehepaare. Auch in dieser Beziehung ist die Ent­wicklung als gesund zu bezeichnen.

unter 21 Jahren 2

einschließlich 131

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** Verbilligte Marmelade. Vom Landes- verband des hessischen Einzelhandels, Fachgruppe Rekofei, wird uns geschrieben: Die aus Grund ber Derbilligungsaktion bes Reichsernährungsministeri- ums hergestellte verbilligte Marmelabe ist nunmehr in allen Geschäften bes Nahrungs- unb Genuß- mittel-Einzelhanbels erhältlich. Der Preis hierfür beträgt einheitlich 32 Pfennig für bas Pfunb. Nach ben Vorschriften des Reichsernährungsministeriums barf biefe Marmelabe nur zum Verbrauch in den Haushaltungen, nicht aber an gewerbliche Betriebe, wie Bäckereien, Gaststäten ufw. zur Ver­teilung abgegeben werben.

Rundfunkprogramm

Dienstag, 22. Januar:

6 Uhr: Bauernfunk. 6.15 unb 6.30: Gymnastik. 6.45: Frühmelbungen. 6.55: Morgenspruch, Choral. 7: Fruhkonzert. 8.15 bis 8.35: Gymnastik. 10: Nach- richten. 10.10: Schulfunk. 10.45: Praktische Rat­schläge für Küche unb Haus. 11.45: Sozi alb l enst. 12: Mittagskonzert I. 13: Saarbienst, Nachrichten. 13.15: Mittagskonzert II. 14.15: Nachrichten. 14.30: Wirtschaftsbericht. 15: Nachrichten. 15.15: Für bie Frau. 16: Nachmittagskonzert. Bunter Opern-Nach- mittag. Kunstbericht ber Woche. 18: Italienischer Sprachunterricht. 18.15: Aus Wirtschaft unb Arbeit. 18.30: Rheinische Bauern als Kulturpioniere unterm Danebrog. Ein volkskunblicher Bericht aus Däne­mark. 18.45: Erzeugungsschlacht. 18.55; Unter­haltungskonzert. 19.45: Tagesspiegel. 20: Nachrich­ten. 20.10: Orchesterkonzert. Ihre Glanzrollen. Constanze Nettesheim vom Deutschen Opernhaus singt. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Senbebezirk. 22.30: In ber kleinsten Stabt Deutsch- lanbs: Hauenstein am Oberrhein. Funkbericht. 23: Unterhaltungsmusik. 24 bis 2: Nachtkonzert.

Dneflasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

T. G. in Gießen. Die gegen Ihre Tochter unter Einhaltung der gesetzlichen Kündigungsfiist ausge­sprochene Kündigung geht in Ordnung unb ist rechtswirksam, auch wenn ein wichtiger Grunb zur Lösung bes Vertragsverhältnisses nicht vorlag. Der Arbeitgeber ist selbstverstänblich in ber Lage, eine neue Kraft einzustellen. Ein Anspruch Ihrer Tochter aus Schabensersatz ober Wiebereinstellung besteht nicht.

Nein, laut war bieses Leben nicht. Es trat in einer Weise, bie selten ist, immer mehr hinter die Aufgabe, bie Claubius zu erfüllen hatte, zurück. Es vollzog sich mit Selbstoerstänblichkeit, er heiratete, gründete sich einen Hausstand, Kinder kamen und damit Sorgen, die ihn manches versuchen ließen, sogar eine vorübergehende Heberfieblung nach Darmstadt, wo sein Name mit der Gründung einer Zeitung verbunden ist. Aber er zog wieder in seinem geliebten Wandsbeck ein, wo er schon früher als Redakteur desW a n d s b e ck e r B o t e n" ge­lebt hatte. Der Name dieser wöchentlich viermal erscheinenden Zeitung ist auf Claudius übergegan­gen, seine Werke erschienen später als ,/Sämtliche Werke des Wandsbecker Boten", und seit 1840 steht in ber Nähe von Wanbsbeck ein seinem Anbeuten gewidmeter Gebenkstein aus Granit, ber als bie Zeichen bes Boten: Stab, Hut unb Tasche trägt. Im Jahre 1787 nahm ber bäniskhe Kronprinz unb Mit­regent bem Wandsbecker Boten seine letzten Soraen, indem er ihm eine in keiner Weise belastende An­stellung unb ein ausreichendes Jahrgehalt vermit- teile. Noch ein Jahr vor seinem Tode mußte Clau­dius aus feiner Heimat flüchten, weil die Franzosen nach Hamburg kamen; ber breiundsiebzigjährige flüchtete nach Kiel, von ba nach Lübeck, unb kehrte erst im Mai bes Jahres 1814 nach Wanbsbeck zu­rück, wo er wenige Monate später starb.

Zwischen ben russischen Dichtern Turgenew Tolstoi bestaub Zeit ihres Lebens eine herzliche Freunbschaft, aber auch in biefem Dünbnis gab es einen kritische Augenblick. Ja, es hätte gar nicht viel gefehlt, und die beiden Meister hätten sich als Duellgegner gegenübergestanden. Es war im Früh­ling 1862. Turgenjew hatte Tolstoi, der als Gast bei' ihm weilte, das Manuskript vonVäter und Söhne" zu lesen gegeben. War es nun die Wir-

Zu allen vorzüglichen Eigenschaften des Wands- becker Boten kommt auch ein liebenswürdiger Hu­mor, mit dem er alles zu tragen wußte und der selbst seine mannigfachen literarischen Aeußerungen zu einem guten Teil trug. Matthias Claudius hat in sich selbst das Wort verwirklicht, das er seinem Sohn Johannes als Vermächtnis hinterließ:Em Mensch, ber wahre Gottesfurcht im Herzen hat, ift wie bie Sonne, die ba scheint unb wärmt, wenn sie auch nicht «bet." Mehr unb mehr aber nahmen sein Werk unb sein Leben an Ernst unb innerer Bedeu- hing zu, Lebenserfahrungen, Tobeserfahrungen mö­gen ihren Anteil daran gehabt haben. Er sah sich veranlaßt, eine bemerkenswerte Abhandlung über die Unsterblichkeit ber Seele zu schreiben, Aren letz­tes Ergebnis ber Satz ist: Wir finb unsterblich. Noch im hohen Alter hat er in einerPr e b i g t e i n e s ßaienbrubers" feine Erkenntnisse Zusammen- gefaßt, baraus schon ein einziger Satz von der Hohe fünbet, zu ber bieses Leben sich

durfte:Wir Menschen wollen bas Unsichtbare und Unvergängliche zum Freund haben, weil wir m un- ferm Inwendigsten fühlen, daß wir des nicht ent­behren können ..." _ *

Hiermit schließt sich Matthias Claudius an eine neue Zeit an: der seine Jugendfreunde unter den Stürmern und Drängern gehabt frntte, gewann im Alter die hervorragendsten Vertreter bes deut­schen metaphysischen Idealismus Verehrern und Freunden: Schelling, Gotth. Hemr. Schubert, Franz Baader, Friedrich Schlegel. Und besonders be­glückend ist ber Umstand, daß er nichts von seiner Volkstümlichkeit verlor oder preisgab, er nur tiefer ins Volk hineinzulauschen schien, als wollte er bie Wahrheit bes Satzes erweisen, daß des Volkes Stimme immer auch Gottes Stimme . Eehe nicht aus ber Welt, ohne deine Liebe unb Ehrfurcht für ben Stifter bes Christentums durch irgend etwas öffentlich bezeugt zu haben." Er hat auch diese Worte, bie er seinem Sohn hinterließ, selber ver­wirklicht.

Oie zerriffenen Kleider des Fräulein Turgenjew.

läge ber SS. unb ihrer förbernben Mitglieber hin, bie bas Ziel verfolge, durch die Opfersreudigkeit ber FM. bie SS. wirtschaftlich unabhängig zu machen. Diese Organisationsform bekunde das starke Vertrauen, das ber Führer in bie Opferfreubigkeit ber beutschen Volksgenossen setze. 85 v. H. ber ge­samten Betriebsmittel ber SS. würben lebiglich burch bie monatlichen Beiträge ber FM. aufge­bracht. Diese Beiträge seien auch in Zukunft bie einzigen Einkünfte ber SS. Die Organisation der förbernben Mitglieber bestehe, entgegen manchen irrigen Annahmen, nach wie vor zu Recht, die Zahlung ber FM.-Beiträge sei nach ben Verfügun­gen bes Reichsschatzmeisters ber NSDAP, durchaus gestattet. Wenn auch für die Dauer bes Winter­hilfswerkes jede Sammlung von Geld- ober Sach­spenden für anbere Zwecke als bas Winterhilfs­werk verboten fei, so werbe von biefem Verbot aber nicht berührt, wenn jemanb ber SS. freiwillig Spenben zuweife. Die Unterstützung ber SS. sei also nicht nur erlaubt, fonbern auch unbebingt not- roenbig, um bas bis jetzt Erworbene zu erhalten unb auch für bie Zukunft bas wirtschaftliche Gleich­gewicht ber Organisation ber SS. zu gewährleisten. Der Rebner rühmte in biefem Zusammenhang bie bisherige gute Kamerabschast zwischen ber SS. unb ihren förbernben Mitgliebern unb bie große Opfer- freubigfeit ber FM. Durch ihre völlige Hingabe an die gestellten Ausgaben seien die SS. unb FM. be­strebt, einen Teil des großen Dankes abzustatten, ben das ganze deutsche Volk dem Führer für fein bisheriges Wirken unb feinen unermüblichen Kampf um ben Wieberaufstieg Deutfchlanbs fchulbig fei. Diese schöne Kamerabschast unb stete Opferbereit- schäft ber SS. unb FM. werbe auch weiterhin lebenbig wirkende Kraft bleiben unb bas Wort bes Reichsfuhrers der SS. wahrmachen:Es ist eine Ehre, SS.-Mann zu fein, es ift eine Ehre, FM. zu fein, tue jober weiter feine Pflicht, ber SS.- Mann unb bas FM. jeher an feiner Stelle, bamit Deutschland wieher groß wirb". Die embrucksvolle Ansprache beschloß der Redner mit dreimaligen, freudig aufgenommenen Sieg-Heil-Rusen auf bas beutsche Vaterlanb unb ben Führer unb Dolks- kcmzler Adolf Hitler. Gemeinsam wurden an­schließend die ersten Verse des Deutschland- unb bes Horst-Wessel-Liebes gesungen.

Oer stolze Gesandte.

Ein Gesanbter Kaiser Karls V. bei dem türkischen Sultan Soliman war zur Audienz gerufen worden Da er als er in den Aubienzsaal trat, bemerkte, daß für ihn kein Sitz ba sei, unb daß es nicht aus Vergeßlichkeit, fonbern aus Stolz geschehe, unb man ibn stehen lassen wolle, nahm er seinen Mantel ab, unb setzte sich ohne alle Umftänbe barauf, als ob es ein seit langer Zeit eingeführter Brauch wäre. Er trug nun, was ihm aufgetragen war, mit einer Freiheit unb Gegenwart des Geistes vor, bie ben Sultan selbst in Verwunberung setzte. Als die Audienz vorbei war, ging der Gesandte weg, ohne den Mantel mitzunehmen. Man glaubte, daß er ihn vergessen habe, und gab ihm davon Nachricht. Er antwortete aber mit ebensoviel Ernsthaftigkeit als Bescheidenheit:Die Gesandten bes Kaisers sind nicht gewohnt, ihre Sitze mitzunehmen!"

Oer Wanvsbecker Bote.

3um 120. Todestage von Matthias Claudius am 21. Januar.

Von Wilhelm Kume.

Wenn man nach unseren deutschen Volksschrift­stellern Umschau halten will, barf des freundlichen Matthias Claudius nicht vergessen werden. Er ist vor einhundertunbzwanzig Jahren zu Hamburg gestorben, unb was er der Nachwelt hinterließ, ist zwar an Umfang nur schmal, an Inhalt um so gewichtiger. Er ist mit einigen seiner Lieber in bas unsterbliche Besitztum des deutschen Volkes einge- gangen, ohne daß dabei sein Name besonders be­tont zu werden pflegt. Man kennt fein wundervolles AbendliebDer Monb ist aufgegangen, / Die golb- nen Sternlein prangen / Am Himmel hell und klar..man zitiert oft genug die erste Zeile eines anderen LiedesWenn jemand eine Reise tut", und soweit die deutsche Sprache klingt, wird auch immer wieder sein Lied von Vaterlandes Hochgesang gesungen:Stimmt an mit hellem hohem Klana, / Stimmt an das Lied der Lieder!" Würden schon diese Lieder unb noch einige weitere bie Volkstüm­lichkeit bes Matthias Claubius außer Zweifel lassen, so kommt noch seine übrige schriftstellerische Tätig­keit hinzu, bie sein Bild aufs Glücklchste abrundet. Ein Zeitgenosse hat dieses Bild zu zeichnen verstan­den:Aus feinen Schriften schaut uns wie aus reinem Kindesauge ein kleiner Himmel von Unschuld und Liebe, von Gottessrieben unb lauterem Wahr- heitssinn an. Wie ein Christbaum steht er in unserer Literatur ba, dessen tausend Lichter überallhin schei­nen, wo für kindliche Freude, für herzliche Erwär­mung noch eine Stätte ift".

Matthias Claudius war ein Zeitgenosse Lessings. Und ich habe Lessing auch gekannt", schreibt er be­weiben:Ich will nicht' sagen, baß er mein Freund gewesen fei, aber ich war der seine." Neben Lessing sind Klopstock, Johann Heinrich Voß, Johann Gott- frieb Herber als bie Zeitgenossen zu nennen, zu denen Claudius in freundschaftlicher Beziehung stand. Persönliche Beziehungen verbanden ihn auch mit einzelnen Mitgliedern des GöttingerHainbundes", der alljährlich eine Gedichtsammlung alsMusen­almanach" herausgab, in dem auch Gedichte von Claudius erschienen. Seine Gleichzeitigkeit im Les- fing, feine Freundschaft für ßeffing ist darum f-> charakteristisch, weil er in seinem Wesen doch eine gewisse Gegensätzlichkeit zu der Art Lessings vor­stellte. War Lessing überwiegend klarer Verstand, so war Claudius immer herzliches Gemüt; brachte Lessing Licht, so brachte Claudius die Wärme.

kung ber heißen Jahreszeit ober auch bes großen Kanapees, bas Turgenjew selbst benSchöpfer bes Schlafs" genannt hatte, jebenfalls nickte Tolstoi, nachbem er einige Seiten bes neuen Romans ge­lesen, sanft ein, unb Turgenjew, ber sich auf Fuß­spitzen herangeschlichen hatte, um ben tiefen Ein­druck feines Werkes auf ben Freunb zu beobachten, war in höchstem Maße über biefen unerwarteten Anblick gekränkt. Als Tolstoi erwachte, merkte er sehr balb, baß ein Schatten über ihre Freunbfchaft geglitten war. Noch am selben Abenb kam es, währenb sie bei Tisch saßen, zum Streit. Turgen- jew erzählte, baß seine Tochter öfters bte Armen besuche unb ihnen bie zerrissenen Kleiber zur Aus» besserung bringe. ,Zch finbe", bemerkte Tolstoi ernst, baß ein junges Mäbchen, bas~ schöne Kleiber, dar­unter aber Fetzen trägt, Komöbie spielt ..Tur­genjew verwahrte sich bagegen, aber Tolstoi be­harrte auf feiner Meinung.Wenn Du nicht schweigst," schrie Turgenjew, "breche ich Dir bas Genick." Und damit stürzte er tn höchster Aufregung in ein anderes Zimmer. Tolstoi verlangte, baß er sich entschulbige. Turgenjew schrieb ihm auch einen Entschulbigungsbrief, ber aber burch einen unglück­lichen Zufall nicht zur rechten Zeit an seine Abresse kam Darauf forberte Tolstoi Turgeniew, unb bieser begab sich in ber Meinung, daß bie Herausforbe- rung bie Antwort auf seinen Brief fein sollte, an den vorgeschlagenen Ort. Da aber war niemanb zu sehen, Tolstoi hatte inzwischen Turgenjews Brief erhalten unb hielt bamit bie Sache für erlehigt. So hätte burch ein törichtes Mlßverstänbnis Rußlanb nach Puschkin unb Lermontow noch einen feiner großen Dichter im Duell verlieren können ...

Frauen

Im vollbesetzten Saale bes Case Leib vereinigten sich am Gamstagabenb bie Mitglieber bes SS.- Motorsturms 7/30 Gießen nut ihren förbernben Mitgliebern zu einem Kamerabschafts- abenb, ber allen Teilnehmern einige Stunben der schönsten Unterhaltung in guter Kamerabschast brachte. Neben ber Gemeinschaft ber aktiven SS.- Männer bes Sturms unb seiner förbernben Mit- glieber waren auch Vertreter ber PO., für bie SA.- Gtanbarte 116 bereu Abjutant Obersturmbannführer M ü n k e r, als Vertreter ber Stabt Gießen Ober­bürgermeister Ritter, unb von ber Reichswehr­garnison ein Vertreter bes Offizierkorps als Gäste erschienen.

Der Musikzug ber 2. SS.-Stanbarte Frankfurt a. M., unter Leitung bes Mufikzugführers Braum (Frankfurt a. TI.) leitete ben abwechslungsreichen Abenb mit einigen schneidigen Militärmärschen unb mit guter klassischer Musik ein. Hierauf entbot

der Führer des SS-Motorsturmes 1130 Oberscharführer Ruhl

den Besuchern herzliche Willkommengrüße des Sturms, wobei er bie bantbar anerkannte Opfer­willigkeit unb treue Einsatzbereitschaft ber förbernben Mitglieber rühmte, bie burch ihre finanzielle Hilfe­leistung bie SS. unabhängig von jeher anberen Organisation machen unb es ihr ermöglichen, auch ohne Belastung bes Staatssäckels ihren von bem Führer gestellten großen Aufgaben gerecht zu wer­den. Weiter gab er feiner Genugtuung über bas enge kamerabschaftliche Vanb zwischen ben SS.- Männern unb ben förbernben Mitgliebern Aus­druck, bie in untrennbarer Einheit zusammenstehen im Kampfe für bas Dritte Reich, in ber unermüh- lichen Pflichterfüllung, bie geleitet ist von bem Grunbsatz: nichts für uns, alles nur für Deutschland

Eine weitere Ansprache hielt im Verlaufe bes Abenbs ber Leiter ber FM.-Gelbverwaltung beim SS.-Oberabschnitt Rhein,

SS-Lintersturmführer Bröcking.

Er begrüßte bie Veranstaltung als beruhten Aus­druck her engsten Verbundenheit zwischen ber SS. unb ben förbernben Mitgliebern, bie beibe alle Kraft einsetzen für bas hohe Ziel, Deutschlanb wieher groß zu machen; der SS.-Mann setze sich für dieses Ziel mit seiner ganzen Person und wenn es fein müsse auch mit seinem Leben ein, bas för- bernbe THtglieb schaffe bem SS.-Mann bie mate­rielle Grundlage für sein Wirken, beide vereint in dem starken Willen, unserem Führer unb Volks- kanzler Abolf Hitler bei seinem großen Werk zu helfen, bamit es in vollem Ausmaß gelinge. Der Reimer wies weiter auf bie organisatorische Grunb-

Die Männer genießen ben Vorzug, daß man hm- ichtlich ihrer sozialen Stellung unb Heiratslust in nachfolgenber Aufstellung sich noch einmal kurz mit ihnen beschäftigt. Oertliche Vergleichszable» hierzu fehlen noch, so baß enbgültige Schlüsse nicht gezogen werben können. Doch ist es interessant, zu sehen, wie bie einzelnen Schichten an ber Heiratsziffer be­zeichnet finb. Man barf die Hoffnung nicht auf­geben, baß mancher Volksgenosse, dessen Existenz gesichert ist, aber noch nichts Passendes gefunden hat, demnächst noch in die folgenden Kolonnen einmar- schieren wird. Es entfallen auf: Ehe­

schließungen 108

86 46 43 23

18 16 14 11

2

Gestorben

sind in Gießen 864 Personen, gegenüber 797 in 1933.

Davon waren im Alter bis zu 1 Jahr: Hiesige 13 männlich, 10 weiblich, zusammen 23, Ortsfremde 27 männlich, 17 weiblich, zusammen 44; über 1 Jahr alt: Hiesige 152 männlich, 151 weiblich, zusammen 303, Ortsfremde 251 männlich, 243 weiblich, zu, sammen 494.

Gesamtergebnis:

Geborene Gestorbene

1030

864

Gewinn

166

rgebnis für

Gießen

Geborene

503

Gestorbene

326

Gewinn

177