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21.1.1935
 
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Montag. A.Zannar 1955

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Nr. 17 Zweiter vlatt

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Die ersten Saargäste in Berlin.

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Waschbär-lebendig und als Pelzkragen.

Allerlei Merkwürdiges von einem munteren Gesellen. Auf einer deutschen Waschbärenfarm.

Von Paul Eipper.

Wenn man etwas Bärenartiges im Aeußeren des langschwänzigen Waschbären sucht, wird man ent­täuscht sein. Der kleine Geselle gleicht viel eher einem gedrungenen, graubraunen Fuchs; auch Hundeähn- liches ist vorhanden, und von vorn gesehen, erin­nert mich sein Gesicht mit den abgerundeten Ohren und dem Hellen Schnurrbart irgendwie an eine Katze. ,..

Aber zoologisch hat die Familie der Kleinbären, in die der Waschbär gehört, unzweifelhaft Beziehun­gen zu den echten Bären, und ein Raubtier ist der Waschbär auch. Er plündert in der Freiheit gerne Vogelnester, fängt Ratten und Mäuse, verschmäht auch nicht Insekten, Käfer, Frösche, Schnecken; ja, man hat beobachtet, daß er sich Fische und Krebse aus den Flüssen holt und bei Ebbe sogar em gutes Stück ins Meer hinauszieht, um Beute zu machen. Aber er ist auch kein Pflanzenkostverächter; Obst liebt er sogar ganz besonders.

Warum hat dieses Tier wohl den merkwürdigen NamenWaschbär" bekommen? Weil es tatsächlich sein Futter zu waschen pflegt, nicht nur in der Ge- angenschaft, sondern auch in der Freiheit seiner amerikanischen Heimat. Allerdings nur dann, wenn der Waschbär nicht allzu hungrig ist; sonst schlingt er die Bissen hinunter, wie er sie bekommt. Dieses Waschen ist wohl kaum ein angeborenes und ver­erbtes Reinlichkeitsbedürfnis, sondern eine Spielerei eine vergnügliche Unterhaltung. Ich habe Wasch­bären beobachtet, die eine Sodawasserflasche, einen Lederball, eine runde Blechbüchse mit Begeisterung in ihren Wassernapf tauchten, zwischen den Vorder- pfoten hin und her wälzten und sich gut eine Viertel­stunde damit verlustierten, ohne auch nur versuchs­weise die gereinigten Gegenstände zu beknabbern. Aber hergegeben haben sie das Spielzeug nicht; wenn man es ihnen listig oder mit Gewalt weg­nehmen wollte, warfen sie sich auf den Rücken, da­mit sie auch die beiden Hinterfüße zum Festhalten frei hatten, strampelten und wehrten sich, zeterten ganz erbärmlich. In Ruhe gelassen, fingen sie bald wieder zu spielen an, plantschten erneut am Wasser- ^Dieses lustige Temperament, die Neugier, Freude an Bewegung und Beschäftigung sind die hervor­stechendsten Eigenschaften des Waschbaren, der über­dies recht schnell zahm und zutraulich wird. Ich weiß von einer Dame, die einen zahmen Waschbären als Haustier in der Wohnung hielt, mit ihm spazieren qmq, weil er auch als ausgewachsenes Tier aufs Wort gehorchte. Man durste ihn nur nicht allein in Len Garten gehen lassen, denn er pflückte mit un­

beschreiblicher Geschicklichkeit sämtliche reifen Erd­beeren, flitzte auch schnell am Apfelbaum hinauf. Körperabwärts an einem horizontalen Ast hinaus- hangelnd, erntete er selbständig die schönsten Früchte. Jene Dame hat mir oft versichert, ihr Waschbär sei außerordentlich wählerisch; das Gute lasse er unbe­rührt liegen, solange es etwas Besseres gebe. Aller­dings könne man seinen Appetit nur als Gefräßig­keit bezeichnen; einmal komme jeder eßbare Gegen» stand bei ihm an die Reihe.

*

Damals erfuhr ich auch, daß Waschbären zärtlich sein können und dem von ihnen als liebenswert anerkannten Menschen in entzückender Weise schmei­cheln. Ich sah, wie jener Waschbär auf der Terrasse saß und einen langen, präparierten Strohhalm aus der Bastmatte zupfte, immer wieder versuchte, sich das wippende Ding als Halsband umzulegen, um mit ernstestem Gesicht jedesmal verdutzt feststellen zu müssen, daß alle Bemühung umsonst war. Plötz­lich ließ er die Sache fallen, hoppelte zu uns Men­schen heran, die wir in Korbstühlen am andern Ende der Veranda saßen, und nun schmiegte sich der Waschbär wie ein Schoßhund an seine Herrin; ich kann nicht anders sagen: er streichelte fie mit seinen langzehigen Dorderpfötchen. Nach einer Weile genüßlichen Ruhens rutschte er auf den Boden, ver­leitete durch behagliches Knurren die Dame zum Haschespiel. *

Der Waschbär war ursprünglich in großen Men­gen über ganz Amerika verbreitet, kommt auch jetzt noch im Innern des Landes, hauptsächlich in wasser­reichen Wäldern, zahlreich vor. Aber an vielen Stellen ist er leider schon ausgerottet; die Menschen stellen ihm unaufhörlich nach, teils weil diese Jagd ein beliebter Sport der Amerikaner ist (man jagt ihn bei Nacht, mit Fackeln und Hunden), teils aus Nutzbarkeitsgründen. Denn das Fell des Wasch­bären ist bekanntlich ein sehr begehrter Pelz; nach Mitteilung von Braß kommen jährlich zwischen 200 000 und 400 000 Waschbärfelle in den Handel.

Damit nun diese für den Menschen wertvolle Tiergattung nicht ausstirbt, und weil das Züchten nicht so umständlich ist wie das Fangen m der Wildnis, hat man überall Waschbär-Farmen ge­gründet, in Amerika, in Europa und auch 'n Deutschland. Die Versuche sind gut gelungen; der Waschbär gewöhnt sich leicht an jedes gemäßigte Klima, und weil er in seiner Ernährung ohne Scha­den auf pflanzliche Rohkost umgestellt werden kann, sich mit Fallobst und Mohrrüben begnügt (Reisbrei

Amerikas Außenhandel

Von unserem KG. E-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Washington, Anfang Januar 1935.

Auch im Außenhandel soll nach Wunsch Roose­velts und seiner Mitarbeiter eine Planwirt­schaft eingeführt werden. Zu diesem Zweck hat man das ganze verflossene Jahr benutzt, um die Kaufleute und Industriellen in allen Teilen der Union über die Notwendigkeit veränderter Ein­stellung zu Einfuhrzöllen aufzuklären. Die drei zu­ständigen Minister Hüll (Aeußeres), Wallace (Land­wirtschaft), Roper (Handel und Industrie) reifen im ganzen Land umher und halten Reden darüber, daß der Außenhandelkeine Ei n ba h n st r a ß e" sei und man dem Ausland auch Waren a b f a u f e n müsse, wenn man an das Aus­land verkaufen wolle. Sie versuchen der Bin­nenwirtschaft klarzumachen, daß die Fabrikation für Ausfuhrzwecke, die in den letzten Jahren fo sprunghaft abgefallen ist, einen wesentlichen An­teil an der Prosperität habe, sowohl was den Be­darf an Rohstoffen, als auch was die Hebung der inländischen Kaufkraft anlange. Man müsse q e - wisse Schutzzölle abbauen und die Einfuhr solcher Waren in solchen Mengen dulden, die den legitimen Interessen der inländischen Produktion keinen Schaden zufügen.

Schon die Erwähnung dieses Problem zeigt, wie schwierig es ist, die Industriellen, die unter dem Schutz hoher republikanischer Schutzzollmauern aus­gewachsen sind, davon zu überzeugen, daß sie auch nur teilweise auf diesen Schutz verzichten müs­sen. Die Regierung hat daher erst mit einem Land einen der neuen Handelsverträge auf Gegen­seitigkeit abschließen können, und zwar mit Kuba, und auch hier gelang dies nur a u f Kost e n der einheimischen Zuckerindustrie, die man dadurch entschädigte, daß man d i e Zucke rein­fuhr aus Hawai und den Philippinen entsprechend ein schränkte. Mit anderen Staa­ten sind Verhandlungen über den Abschluß solcher Verträge begonnen, aber noch nicht zu Ende ge­führt worden.

Die Argumente der Regierung, mit denen sie von der einheimischen Industrie im Interesse der Belebung des Welthandels Opfer verlangt, bringen aus deswegen nicht sehr durch, weil sich die Aus­fuhr auch ohne diese Verträge im letzten Jahr wesentlich gehoben hat. Die Entwer­tung des Dollars, die in erster Linie zur Linderung der landwirtschaftlichen Not bestimmt war, hat sich auf dem gesamten Ausfuhrgebiet als segensreich erwiesen. Der amerikanische Exporteur ist in die Lage versetzt worden, den Kampf mit England und Japan auf den großen Welt­märkten mit besseren Aussichten aufzunehmen. Die amerikanische Industrie ist bekanntlich in den Kriegs­und Nachkriegsjahren immer leistungsfähiger ge­worden, besonders auf dem Gebiet der Fertigwaren (einschließlich chemischer und elektrischer Produkte) sowie hochwertiger maschineller Erzeugnisse. Nicht nur die amerikanische Automobilindustrie kann heute ihre Waren auf den freien Märkten zU lächerlich billigen Preisen anbieten; auch die Er­zeugnisse der Feinmechanik, in denen Amerika früher gegen Europa zurückstand, haben sich in der Qualität erheblich gebessert. Hierzu kommt ein star­ker Unternehmungsgeist, der sich in der Tages­presse, aber auch in den zahllosen Wochen- und Monatszeitschriften mit ihren vielseitigen und oft sehr wirkungsvollen Anzeigenteilen deutlich ab­zeichnet. . ir

Dem Anwachsen der Ausfuhr steht ein entspre­chendes Anwachsen der Einfuhr vorderhand nicht gegenüber, und Amerika ist noch immer das Land, das seine Außenschulden ein trei­ben und gleichzeitig seine Waren an die Schuldnerstaaten verkaufen will. Ein paradoxer Zustand, den die Regierung bald zu ändern sich sehr abmüht. Der LandwirUchaftsminister ist so­gar angesichts der etwa dreizehn Milliarden Dol­lar amerikanischer Forderungen an das Ausland soweit gegangen, .zu erklären, daß sich Amerika mit einer passiven Handelsbilanz gegenüber dem

Ausland werde- abfinden müssen, wolle es nicht zum eigenen Schaden die ans Ausland geliehenen Kapitalien als uneintreibbar abschreiben.

Anders in der Methode, anders auch in wesent­lichen Einzelheiten, gleichwohl aber ebenfalls mit dem Ziele einer Vermehrung des Außenhandels unter möglichster Balanzierung von Einfuhr und Ausfuhr arbeitet der Leiter der von der Regierung begründeten Außenhandelsbank, George N. Peek. Der Unterschied zwischen seiner Auffassung und der des Außenministers Hüll besteht darin, daß Hüll an dem Grundsatz der unbedingten Meistbegün- st i g u n g unter allen Umständen festhalten will. Und zwar sollen die gegenseitigen Konzessionen, die sich Amerika und ein anderes Land in diesen künftigen neuen Handelsverträgen machen, auch jedem be­liebigen dritten Lande offenstehen, wenn dieses zu gleichen Konzessionen bereit ist. Hüll verurteilt den reinen Tausch von Ware gegen Ware oder von Warenwert gegen Warenwert (harter), weil da­durch der Handel zwischen den beiden betreffenden Ländern naturgemäß auf einen gemeinsamen Nen­ner gebracht, also eingeschränkt werden müsse, denn ein Land, das von einem anderen nur wenig kauft, würde dann auch nur eben so wenig an dieses Land verkaufen können. Ihm erscheint das als primitiv und als den Welthandel hemmend statt ausbauend. Nur durch weitgehende Meistbe­günstigung und Oeffnung aller normalen Handels­möglichkeiten könne die Welt wieder zurProspe­rity" zurückkommen.

Dieser gewiß sehr schönen und theoretisch rich­tigen, aber unter den gegenwärtigen Weltver­hältnissen leider zu idealistischen oberparsifalisti- schen" Weltanschauung gegenüber vertritt Peek die realistischere Auffassung, daß für absehbare Zeit die Weltnotlage den Tauschhandel als den ein­zig praktischen Weg offenlasse und man die Ma­schine nur langsam wieder in Gang bringen könne, indem man nur soviel hineintue, wie sie zur Zeit verarbeiten könne. Dieser Gegensatz zwischen Theo­retiker und Praktik", in den Roosevelt bisher noch nicht direkt eingegriffen hat, wird dadurch erschwert, daß Hüll als Außenminister der offizielle Leiter aller Beziehungen zu fremden Ländern ist. Anzeichen sprechen jedoch dafür, daß Hüll sich mit dem von Peek eingeschlagenen Wege abfinden und ihn als unvermeidlichesNebengeräusch" dulden wird, wäh­rend er selbst die klassischen Töne einer idealen Welthandels-Symphonie zu spielen sich bemüht.

Mordversuch und Vrandstiffung einer Jugendlichen.

LPD. Darmstadt, 20. Jan. Ein aus der Rhön gebürtiges 15jähriges Dienst m ä d - chen, das bei dem Metzgermeiester Otto R o ß in Nieder-Beerbach in Stellung war, versuchte das etwa ein Jahr alte Kind der Familie zu vergiften. Das Mädchen mischte in die Speise des Kindes ein aus der Hausapotheke entnommenes Mittel, das Kampfer enthielt. Durch das Verhalten des Mädchens wurde die Mutter des Kindes recht­zeitig auf die Beimischung aufmerksam, so daß das Kind vor dem sicheren Tode bewahrt werden konnte. Bei der Vernehmung des Mädchens, das alsbald sein Vorhaben eingestand, ergab sich auch der Verdacht, daß das Dienstmädchen den am Dienstag der ver­gangenen Woche in einem Nebengebäude des Hauses ausgebrochenen Brand gelegt haben könnte. Auch hier legte das Mädchen nach anfänglichem Leugnen schließlich ein Geständnis ab. Der Grund des verbrecherischen Tuns des Mädchens ist noch unbekannt.

Auflösung des Hessischen IagdklubS.

Da nach den reichsgesetzlichen Bestimmungen (Reichs-Jagdgesetz) ein Weiterbestehen aller Vereine mit jagdlichen Belangen nicht mehr statthaft ist, hat der Hessische Iagdklub in seiner Hauptversammlung die Auflösung des 1898 gegründeten Klubs mit Wirkung vom 1. Januar 1935 ab beschlossen. zlUe Jagdscheininhaber werden im Reichsbund Deutsche Jägerschaft zusammengeschlossen.

Schießübung deutscher Gebirgsartillerie.

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Als erste Gäste nach der Befreiung des Saargebiets trafen Mitglieder des Landesverbandes Saargebret des K y f f h ä u f e r b u n d e s mit 14 Traditionsfahnen in Berlin ein. Eine große Menschenmenge hatte sich eingefunden, um die Gäste auf dem Anhalter Bahnhof zu begrüßen.

London ehrt die Helden derNenyork,,.

Die Rettungsmannschaft des HapagdampfersN e u y o r k", die im Dezember die Besatzung des nor­wegischen DampfersSifto" nach schwerem Kampf mit den Elementen geborgen hatte, wurde bei dem jetzigen Anlaufen Englands vom Lordmayor der Stadt London Sir Stephen K^llick empfangen der die Mannschaft und ihren Führer, den Ersten Offizier Wiesen (tm Hintergrund), zu der heldenhaften Tat beglückwünschte.