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feinen Kollegen vor die Wölfe werfe. Er müsse s e l b st die Folgen des Regierungsbeschlusses in der Frage der Friedensvorschläge auf sich nehmen. Der arbeiterparteiliche Vertreter Sir Stafford Cripps erklärte, der Ruf seiner offenen und ge­raden Ehrlichkeit, den Baldwin genossen habe, sei durch die Pariser Vorschläge endgültig erschüttert worden.

Oer konservative Lord Winterton

brachte einen Abänderungsantrag ein, in dem er­klärt wird, daß die Pariser Friedensvorschläge unannehmbar seien, und daß die Regierung zu der vom Außenminister im September in Genf dargelegten Politik zurückkehren solle. Die Tat­

sache, daß die öffentliche Meinung bereits zwei eng­lische Außenminister aus Amt und Würden getrieben habe, sei ein Beweis für die Stärke, aber nicht notwendigerweise für die Weisheit der Demokratie. Seiner Meinung nach habe England gegenwärtig allen Sinn für das Erreichbare verloren. Das englische Par­lament lebe in einer völlig falschen Atmo­sphäre und beurteile die eigentliche Lage, die in Wirklichkeit sehr gefährlich sei, von einer falschen Warte.

Der Führer des linken Flügels der Arbeiterpartei, Maxton, erklärte anschließend, der ganze Völker­bund sei ein Schwindel und eine kapitalistische Organisation.

Kollektive Sicherheit durch kollektives Handeln

Schahkanzler

Aeville Chamberlain

erklärte, die Behauptung der Opposition, daß die Regierung Hoare zum Sündenbock für ihren Fehler gemacht habe, sei unfair. Baldwin habe offen zugestanden, daß er einen Fehler begangen habe, er habe nicht versucht, die Ge­samtverantwortung des Kabinetts zu verneinen. Es fei unwahr, daß Baldwin versucht habe, das Unterhaus oder das englische Volk zu täuschen. Tat­sache sei, daß die Regierung die einzelnen Punkte der Friedensoorschläge nicht vor Montagnachmittag gekannt habe. Im Unterhaus sei gefragt worden, ob England Versicherungen der soforti­gen und unmittelbaren Unterstützung im Falle eines italienischen Angriffs erhalten habe. Die Antwort laute: England hat Versicherungen von Frankreich erhalten, daß es uns zu Hilfe eilen wird. Wenn der Völkerbund die Anwendung von Oelsanktionen beschlösse, die wirksam wären, und wenn wir ferner überzeugt wären, daß alle Völkerbundsmitglieder, die in Frage kommen, nicht nur Versicherungen abgeben, sondern tatsächlich bereit sind, ihre Rolle bei der Begegnung eines Angriffes zu spielen, der vielleicht plötzlich und unerwartet sein könnte, so sind auch wir bereit, unsere Rolle zu spielen und der Anwendung von Oelsanktionen zuzu­stimmen.

Chamberlain dementierte energisch das Ge­rücht, daß Verhandlungen zwischen Rom, Paris, Berlin und London über eine Völkerbunds­reform und die Schaffung eines Viermächte­direktoriums im Gange seien. Diese Gerüchte seien völlig unbegründet. Nichts hat sich in der Stel­lungnahme der Regierung gegenüber dem Völker­bund geändert. Wir haben bei der Anwendung der bisher verfolgten Politik einen Fehler gemacht, aber wir werden auch in der Zukunft recht haben, wenn wir jede Gelegenheit zur Verhandlung über einen für den Völkerbund annehmbaren und von den beiden Streitparteien angenommenen Frieden ergreifen. Andernfalls stehen wir wie bisher f ü r kollektive Sicherheit durch kollekti­ves Handeln.

Der Völkerbund muß schrittweise vor­gehen, wie ein kleines Kind, das gehen lernt, bis er das Vertrauen der Welt gewonnen hat. Seif Beginn des Streites hat er riesige Fortschritte in der Gewinnung dieses Vertrauens gemacht. Wan muh ein­sehen, daß die letzten hinter dem Völkerbund stehenden Sühnemahnahmen stets Gewalt be­deuten. Solange die Völkerbundsmitglieder nicht bereit sind, sich auszurüsten, damit sie jeder Drohung eines Angreifers be­gegnen können, und solange sie nicht bereit sind, diese Ausrüstung im Notfälle zu gebrau­chen, solange können sie nicht mit der Er­zielung eines vollständigen Erfolges rechnen.

Die Abstimmungen.

Das Unterhaus lehnte am Schluh der Aussprache den Wißkrauensankrag der Arbeiter­partei mit 3 9 7 gegen 165 Stimmen ab. Der Antrag der Arbeiterpartei war als eine Ver­urteilung der Frledensvorfchläge abgefaht worden. Die Regierung hatte jedoch erklärt, dah sie ihn als Mhtrauensantrag behandeln werde. Das Unter­haus nahm in einer zweiten Abstimmung den A b - änderungsantrag des konservativen Lord Winterton mit 390 gegen 165 Stimmen a n. Der Antrag lautete: Dieses Haus ist der Ansicht, dah alle Bedingungen für eine Regelung des italienisch- abessinischen Konfliktes dergestalt sein müssen, dah sie der Völkerbund annehmen kann, und versichert gleichzeitig die britische Regierung seiner v o l l st e n Unterstützung in der Verfolgung der Auhenpolitik, die im Regierungsmani- f e ff dargelegf und vom englischen Volk bei den kürzlichen Neuwahlen angenommen wurde. 3n beiden Fällen stimmten sämtliche anwesenden Wit- glieder der Regierungsparteien für die Regierung und die gesamten Oppositionsvertreter gegen die Re­gierung.

Die britische presse wenig befriedigt.

Konservative Blätter fordern Vückkehr zuralten" diplomatischen Methode.

London, 20. Dez. (DNB. Funkspruch.) In der Morgenpresse kommt noch einmal die tiefe Er- regung zum Ausdruck, die ein Kennzeichen der gestrigen parlamentarischen Aussprache über den englisch-französiscben ,-Friedensplan" war. Das Ur­teil geht dahin, baß von den für die Pariser Vor­schläge verantwortlichen Staatsmännern S i r Samuel Hoare noch am besten abge­schnitten habe, während Baldwins Rede auch von der Rechten weniger freundlich b.e u r t e i l t wird. Indessen wird anerkannt, daß die Regierung sich aus einer ungemein schwierigen Lage so gut herausgezogen hat, wie die Umstände es erlaubten. Dies wird durch die Ab­stimmungszahlen bestätigt. Von 431 Mitgliedern der Regierungsparteien waren 397 anwesend, die ohne Ausnahme gegen die Mißtrauenser­klärung der Arbeiterpartei gestimmt haben.

Der liberaleNews C h r o n i c l e" wendet sich scharf gegen die Arbeiterpartei und sagt, die Regie­rung sei aus ihrer bedenklichen Lage nicht von Baldwin, sondern von dem Arbeiterpartei­führer Attlee gerettet worden, der die Regierung vom reinen Parteistandpunkt aus ange­griffen habe. Attlees Aeußerungen gegen die per­sönliche Ehrenhaftigkeit Baldwins hätten Sir Austen Chamberlain eine wirksame Losung gegeben und viele Dutzende von Unterhausmitgliedern, die sich sonst zum mindesten der Stimmabgabe enthalten hätten, um die Negierung geschart.

Die rechtskonservativeM o r n i n g p o st" übt bittere Kritik an der Haltung Baldwins und der Mehrheit des Kabinetts. Das Blatt macht es Bald­win besonders zum Vorwurf, daß er es unterlassen habe, auf die Fragen zu antworten, die er selbst in seiner früheren Rede aufgerollt habe.Was waren z. B. die furchtbaren Geheimnisse, be­züglich deren seine Lippen versiegelt wa­ren? Wir werden es niemals erfahren?"

Auch der der Regierung nahestehendeDaily Telegraph" kritisiert die Regierung streng. Es sei klar, daß an dem bewußten Sonntag keiner­lei Verbindung zwischen dem Außenminister und dem Ministerpräsidenten bestanden habe. In­dessen gebe es private Telephonlinien zwischen Lon­don und Paris, wenn die notwendigen Vorkehrun­gen getroffen würden. Daß hierfür nicht vorgesorgt war, zeige, daß Hoare mit uneingeschränk­ter Vollmacht zum Abschluß einer Vereinba­rung nach Paris gegangen sei. Dies sei eine Me­thode der neuen Diplomatie. Es sei begrüßenswert, daß Baldwin nachdrücklich erklärt habe, daß man zu den zuverlässigeren Gewohnhei­ten der alten Diplomatie zurückkeh- r e n werde.

Time s" erklärt sich ebenfalls mit der Ankün­digung Baldwins einverstanden, daß die Methode persönlicher Verhandlungen von Ministern in frem­den Hauptstädten von Nachteil sei und daß, abge­sehen von den regelmäßigen Zusammenkünften der Außenminister in Genf von jetzt ab wieder der diplomatische Weg benutzt werden sollte. Ebenso wie andere Blätter unterstreichtTimes" die Notwendigkeit, daß ein kollektives Vor­gehen auch kollektiv unter ft ützt werden müsse, und daß es ein unmöglicher Zustand sei, wenn England der einzige Wächter einer Sache bleibe, die alle angehe. Es wäre besser gewesen, in Genf offen zu erklären, die Oelsperre müsse auf- geschoben werden, solange irgendein führender jölkerbundsstaat nicht bereit sei. an Vorsichtsmaß­

nahmen gegenitalienische Rücksichtslosigkeit" teil­zunehmen, anstatt eine Verhandlungsgrundlage vor­zuschlagen, die das Opfer eines Angriffes preisgebe.

Daily Mail" sagt, die Regierung hätte selbst zurücktreten sollen, anstatt Hoare zu ihrem Sündenbock zu machen. Die Verteidigungs­rede des bibsherigen Außenministers sei großartig gewesen, und es sei erfreulich, daß die gefährliche Oelsperre jetzt für unbegrenzte Zeit aufgeschoben sei.Daily Expreß" sagt voraus, daß die Freunde Abessiniens, ihren Beschluß, den Pariser Plan zu verwerfen, noch bereuen würden.

Am die Nachfolge Sir Samuel Hoares.

London, 20. Dez. (DNB. Funkspruch.) In poli­tischen Kreisen werden als mögliche Nachfolger Hoares immer noch Lord Halifax,SirAu st en Chamberlain und Eden genannt. Eine Kan­didatur von Lord Halifax gilt nach demDaily Telegraph" aber nicht als wahrscheinlich, da die Be­setzung des Postens des Außenministers durch ein Mitglied des Oberhauses Schwierigkeiten machen würde. Zugunsten der Ernennung Edens werde angeführt, daß sie die Versicherungen der Regierung über Fortsetzung der Völkerbundspolitik bekräftigen. Wie dieTimes" berichtet, wird Sir Austen Chamberlain nach wie vor an e r ft e r Stelle genannt. Man fei der Auffassung, daß er das allgemeine Vertrauen wieder herstellen könnte. Allgemein werde erwartet, daß der Marineminister Lord- Mo n s e l l nach Beendigung der Flottenkon­ferenz zurücktreten, und daß es im Frühjahr 1936 möglicherweise eine ausgiebigere Umbil­dung des Ministeriums geben werde, als nach den Parlamentswahlen.

Abessiniens Antwort.

Der Friedensvorschlag wird abgelehnt.

Addis Abeba, 19. Dez. (DNB.) Die abes­sinische Regierung überreichte dem britischen und dem französischen Gesandten ihre Antwort auf die von Laval und Hoare ausgearbeiteten Friedensvorschläge. Abessinien lehnt die Pariser Vorschläge restlos ab. Es weist darauf hin, daß Italien die Verträge von 1908 und 1928 nicht eingehalten habe und nunals Belohnung für einen unberechtigten Angriff" auch noch Gebietsforderungen stelle. Italien, das die Zi­vilisation nach Abessinien zu bringen verspreche, bombardiere Hospitäler und Ambulanzen und töte Frauen und Kinder. Es breche jegliche internationa­len Vereinbarungen. Die abessinische Regierung sei entschlossen, auch ohne die nötigen Kriegsmittel im Vertrauen auf Gott und die Gerechtigkeit das Land bis zum äußersten zu verteidigen. In der Note wird weiter die Erteilung von wirt­schaftlichen Sonderkonzessionen an Italien abge- lehnt. Die Regierung begründet dies mit den Be­stimmungen des Vertrages von 1908, der allen 21 u 5 l ä nbern volle Gleichberechtigung eingeräumt habe. Die Note schließt mit den Worten: Wir haben Vertrauen zur englischen und franzö­sischen Regierung und allen Mitgliedern des Völker­bundes, die den Streitfall geprüft haben und die 3talien als Angreifer erklärten.

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die Frage, ob sie dazu Bemerkungen zu machen hätten. Da keine Wortmeldung erfolgte, erklärte er die Entschließung für angenommen. Damit war die Sitzung und Tagung beendet.

Auch die Sitzung des 16er-Ausschusses, die sich an die Ratssitzung anschloß, war von über­raschend kurzer Dauer. Der Ausschuß nahm ledig­lich die Mitteilung seines Vorsitzenden Vasconcellos entgegen, daß sich die Lage seit der letzten Sitzung nicht geändert habe, daß d i e Sanktionen infolgedessen ihren Fortgang nehmen und daß der Ausschuß mit dem 13er- Komitee in Fühlung bleiben werde. Von einer Ver­schärfung der Sanktionen ist also heute nicht die Rede gewesen.

peinlicher Eindruck in Paris.

Sonderbare Rolle des sowjetrussischen Botschafters.

Paris, 20. Dez. (DNB. Funkspruch.) Unzu­friedenheit herrscht in französischen Kreisen, daß der Völkerbund Frankreich und England nicht größere Dankbarkeit für ihren mißlungenen Vermittlungsversuch bezeugt habe, als er die Sache wieder in die eigene Hand genommen habe. Der Matin" erklärt, der Völkerbundsrat hat in neun Minuten, der Achtzehner-Ausschuß in drei Minuten den Regelungsentwurf begraben.Pe­tit Parisien" führt eine Bemerkung an, die in Genf gefallen sei: Mussolini habe durch seine Rede in Pontinia nicht nur alle Brücken abge­brochen, sondern außerdem noch auf die

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Krisenstimmung auch in Paris

Laval will seinen Posten behaupten.

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Genf, 19. Dez. Im Völkerbundsrat teilte der Ratspräsident mit, daß die 13 nicht am Streit be­teiligten Ratsmitglieder am Vormittag einen Mei­nungsaustausch hatten, dessen Ergebnis ein Ent­schließungsentwurf über die englisch-französischen Vorschläge sei, der folgendermaßen laute:

Der Raf dankt den Delegierten Frankreichs und Englands für die ihm gemachte Mitteilung über die Anregungen, die sie den beiden Parteien zum Zwecke einer Schlichtung unterbreitet haben. Angesichts des vorbereitenden Charakters die­ser Anregungen, den die beiden Mächte selbst hervorgehoben haben, glaubt der Rat, daß kein Anlaß besteht, sich schon jetzt über fie auszusprechen. Der Rat be- auf fragt das 13er-komifee, d i e g e- f a tn f e Lage, fo wie fie sich aus den von ihm

Paris, 20. Dez. (DNB.) Die durch den Rück­tritt Herriots und Sir Samuel Hoares und die Rede Mussolinis in Pontinia in der franzö­sischen Hauptstadt ausgelöste Krisenstimmuna gibt zu den verschiedenartigsten Vermutungen Anlaß. In gewissen Kreisen wird erklärt, Herriot sei nur deswegen vom Parteivorsitz der Radikalsozialisti­schen Partei zurückgetreten, weil er bei einem Rücktritt des Kabinetts Laval nicht Mi­nisterpräsident, sondern Außenminister wer­den wolle. An sich habe Herriot die Absicht gehabt, auch als Minister zurückzutreten. Dann würde aber auf ihn die Verantwortung gefallen sein, die Regierungskrise ausgelöst zu haben. Darum ziehe Herriot es vor, die Regierung Laval durch die Kammer stürzen zu lassen Laval wiederum habe keine Neigung, sich durch die Kammer stürzen zu lassen, sondern wolle lieber vor einer Kammer­abstimmung freiwillig zurücktreten.

Laval trifft am Freitag früh wieder in Paris ein. Schon von Genf aus wurden die Gerüchte, die von seinem bevorstehenden Rücktritt sprachen, in Abrede gestellt. Laval soll dazu erklärt haben: Vielleicht herrscbt in der Welt eine Rücktritts­epidemie; icy fühle mich aber davon nicht a n-

g e ft e cf t." Außerdem soll der Ministerpräsident noch darauf hingewiesen haben, daß er, wenn ei amtsmüde märe, sich vor seiner Abreise nach Genf in der Kammer doch nicht so viel Mühe gegeben hätte, seinen Sturz zu verhindern. In Paris glaubt man außerdem, daß der Präsident der Republik, falls Laval doch zurückzutreten wünschte, sein Ge! such zunächst nicht annehmen, sondern ver. langen würde, daß die Regierung Laval zunächst einmal fürdie VerabschiedungdesHaus- haltsplanes im Parlament sorge.

Herriot hat in einem Schreiben an den Vor. stand der radikalsozialistischen Kammergruppe erneut eine Zurücknahme seiner Rücktritt 5. e r f l ä r u n g als Parteivorsitzender abgelehn( Schon seit langem so sagt er habe er dq ständigen Widerspruch gefühlt, der zwischen Pflichten eines Parteivorsitzenden und be? Pflichten eines M i n i st e r s bestehe, der die Partei im Kabinett vertreten soll. Dieser Gegensatz bet Pflichten habe ihn in Gefahr gebracht, nach der einen oder nach der anderen Seite illoyal zu er. scheinen. Daher habe er sich für den Rücktritt ent. schieden, den er bereits im Juli angekündigt habe.

[Berti ikichskrie reichst

Brückenbau-Pioniere geschossen. In Genf sei man überzeugt, daß Italien eine prachtvolle Gelegenheit verpaßt hal^ bei der es zum billigsten Preise sein« Ko lonialpläne hätte verwirkliche, können, eine Gelegenheit, die kaum noch ein« mal wiederkehren würde. Die Entschließung des Völkerbundsrates enthalte eine mißbil, ligende Spitze gegen England und Frankreich, die undankbar klinge gegenüber Laval und Sir Samuel Hoare, die ihre persönliche Stellung für den Sieg des Friedens auf das Spiel setzten, wäh- rend sich ihre Kollegen auf die bequeme Kritik be- schränkt hätten. Die Stelle soll auf den sowjetrussj. schen Botschafter in Paris, P 0 temkin , zurück- gehen, also den Vertreter eines Landes, das durch Frankreichs Vermittlung erst vor einem Jahre zuni Völkerbund zugelassen worden sei.Le Jour" be­dauert, daß Mussolini denen, die ihn verteidigen, ihre Aufgabe nicht erleichtert habe. Je mch sich Italien gegenüber dem aufgewühlten Europa absondere, um so mehr sei das in feinem Wider­stand verzweifelte Italien eine nahezu sichere Kriegsgefahr.

Oer abessinische Ourchbruchsversuch am Takazze gescheitert?

Asmara. 20. Dez. (Funkspruch des krlegsbe- richferffaffers des DNB.) Der abessinische Durch- bruchsversuch am Takazze kann als gefcheifer! bezeichnet werden. Besonderen Anteil an den Kämp­fen hatten neben den Askaris die Abteilungen der' Schwarzhemden. Der Hochgebirgscharaktei des Kampfplatzes gestaltete die Kämpfe be- sonders schwierig. Wan schätzt hier die Verlage, die die Abessinier bei diesen Kämpfen haften auf über 1000 Wann. Die italienischen Flieger haben häufig eingegriffen. So haben allein im Laufe des Wittwochs nicht weniger als sechs Bombenangriffe ffaftgefunden. Die Bomben fallen unter den Abessiniern große Ver­luste gebracht haben.

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Rach abessinischen Meldungen von der Nordfront hat die lebhafte Gefechtstätigkeit in der Provinz Schire noch nicht nachgelassen. Dir abessinischen Truppen machen unter erbitterten Kämpfen langsam weitere Fortschritte. Das Hauptziel ihrer Anstrengungen richtet sich aus die heilige Stadt A k s u m und auf A d u a. Die Verluste sind auf beiden Seiten groß. Die Italiener verwenden zu ihrer Verteidigung vor allem Tanks und Flugzeuge.

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Verpflichtung desBeirats derWirtschasts. f ommer Hessen. j

Präsident Liier und Staatssekretär poste sprechen über die Aufgaben der mirt schastlichenOrganisationen im Aufbau der nationalsozialistischen Volkswirtschast

Frankfurt a. M., 19. Dez. (Fwd.) Im gro­ßen Sitzungssaale der Industrie- und Handelskam­mer fand die Verpflichtung des Beirates der Wirtschaftskammer Hessen durch deren Leiter Präsident Dr. Karl L ü e r statt. Dr. Lüer begrüßte u. a. den Gauleiter und Reichsstatt­halter Sprenger, Staatssekretär P 0 s s e und führte dann u. a. aus: Die Organisation der ge­werblichen Wirtschaft baut sich auf die zwei Säulen der regionalen und der fachlichen Gliederung auf, wobei jede ihre eigene Daseinsberechtigung hat. Ihre Zusammenfassung bedeutet nicht, daß eine Ver­mischung der Aufgabengebiete eintritt. Die Indu­strie- und Handelskammern werden als öffentlich-rechtliche Berufsvertretungen für die Zu­sammenfassung aller Kräfte von Industrie, Handel und Gewerbe sorgen, die fachlichen Vertre­tungen werden die ihnen angeschlossenen Unter­nehmungen zu beraten haben. Im Rhein-Main-Ge- biet war ein kämpferischer Gegensatz zwischen der regionalen und der fachlichen Arbeit auch bisher nicht eingetreten.

Die Arbeit der Bezirks-Wirtschaftskammer wird über die Zusammenfassung der Tätigkeit der In­dustrie- und Handelskammern und der durch sie vertretenen Wirtschaftszweige hinausgehen, als das Handwerk, die Landwirtschaft und die kommunale Selb st Verwaltung ihre Füh­rer in die Bezirks-Wirtschaftskammer entsenden. Aus der gemeinsamen Arbeit darf das Handwerk erwarten, daß es über die ihm ohnehin zufallende Befriedigung des örtlichen Bedarfes hinaus pr Mitarbeit an regionalen Aufgaben ftärter herangezogen wird. Das gleiche gilt für die Landwirtschaft. Wir im Gebiete müssen die verschiedensten landwirtschaftlichen Produkte aus «ruderen deutschen Gegenden beziehe», verfügen

aber ebenso über eine reiche Fülle wertvoller 6pe* zialkulturen, die über den eigenen und reichsdeut- sehen Bedarf hinaus auch im Auslande geschätzt sind. Die Wirtschaftskammer werde ihre besten Kräfte zur Verfügung stellen, um auch der zwei- ten Erzeugungsschlacht zum Erfolge zu verhelfen. Eine enge Zusammenarbeit soll mit den Gemeinden noch stärker verknüpfen. Es wer« den keine Veränderungen innerhalb eines größeren Unternehmens mehr vorkommen, die dessen wirt­schaftliches Schwergewicht so weit verlagern, daß daraus verhängnisvolle Nachteile für das Gemein« wesen entstehen können. Für Worms, Wiesbaden, Hanau und Offenbach, das Westerwald- und Lahn- gebiet, sowie gewisse Wirtschaftszweige in Frank« furt sind Verhandlungen im (Bang, die mit der tätigen Mitarbeit der Gemeinden erfolgreich wer« den können.

Die Wirtschaftskammer ist dazu berufen, bns Wirtschaf tsamt der DAF. zu fein. B« ber Arbeitsfront liege der Schwerpunkt auf dein (Bebiet der Sozialpolitik, bei der Organisation der gewerblichen Wirtschaft auf dem Gebiete der Wirt­schaftspolitik. Durch das Wirtschaftsamt der Be­zirks-Wirtschaftskammer soll der notwendige Aus­gleich erfolgen, eben für jeden Nationalsozialisten selbstverständlich. Die Wirtschaftskammer wolle der Wirtschaft nicht befehlen, sondern ihr raten uni helfen. Die Wirtschaft soll geführt werden, nicht mit Befehlsgewalt, sondern aus jener Auffassung des Führergedankens, daß der Führer der erste urw beste Kamerad fein muß.

Staatssekretär Posse

entwickelte Richtlinien, wie sie zwischen dem Staate und der Wirtschaft und der Gesamtheit der wirt- schaftlicheu Orgarüjatiou zu gelten haben. 6s»