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tztrva 6 Mark, gegenwärtig werben für den Zent- ner rund 9 Mark bezahlt. Aepfel, wie sie der Baum bringt kosten pro Zentner 9 bis 10 Mark. In der'Grünfutterversorgung ist im Verlaufe der letzten Wochen eine erfreuliche Wen- düng zum Besseren eingetreten. Die Grünfutter-Ge- mengesaaten weisen durchweg einen befriedigenden Stand auf, auch die Kleenachschur hat sich gebessert. Auf den Wiesen sind die Möglichkeiten des Weide­auftriebs gegenwärtig günstig. Die Stoppelrüben­saaten bringen gleichfalls noch einen beachtenswer­ten Ertrag.

Kirche und Schule.

Kirchen-Tieuherrichtung in Groß-Felda.

£ Groß-Felda, 18. Sept. Am vergangenen Sonntag konnte die Gemeinde zum Gottesdienst wieder in die Kirche einziehen, nachdem unser Gotteshaus in wochenlanger Arbeit ein neues Aussehen bekommen hatte. Gegen 13 Uhr ver­sammelte sich die Gemeinde in großer Zahl vor der Kirche und hielt mit den Schulkindern an der Spitze ihren Einzug. Es gab gar erstaunte Gesichter, denn unser Gotteshaus war kaum wiederzuerkennen.

Bauliche Aenderungen wurden zwar nicht vor- aenommen, jedoch hat die glückliche Auswahl der Farben dem Ganzen einen anderen Anblick ge­geben. Eine besondere Zierde ist das Kruzifix auf dem Altar, eine Arbeit aus einer Oberammergauer Holzschnitzer-Werkstätte das ein Freund der Ge- meinde gestiftet hat. Der Chorraum hat eine be­sondere Note noch durch ein Deckengemälde vier Engel mit Symbolen in der Hand umschweben einen Strahlenkranz und biblische Wandsprüche erhalten, auch wurde ein unzweckmäßiges Geländer entfernt. Besondere Schmuckstücke sind die Kanzel

und der Taufstein, beide wohl aus der Zeit um 1450 stammend. Die Kanzel dürfte eine der wenigen noch erhaltenen gotischen Holzkanzeln sein. Der Taufstein war vor etwa 50 Jahren aus der Kirche in den Vorraum im Turm gebracht worden und hat nun wieder einen Ehrenplatz erhalten. Die Füllungen der unteren Emporen sind mit Fruchte- und Blumenornamenten ausgefüllt, die der oberen mit biblischen Sprüchen und ornamentaler Ver­zierung. lieber die Baugeschichte wird inHeimat im Bild" noch näher zu berieten fein.

In der Predigt, der der Text 1. Thron. 16, 11: Fraget nach dem Herrn und seiner Macht, suchet sein Antlitz allezeit" zugrunde lag, wies der Or^- Pfarrer auf die reiche Ueberheferuna der Kirche hin, die dem jetzigen Geschleckt und den kommen­den Geschlechtern besonders Anlaß fern muß, diese Stätte in Ehren zu halten. In den 500 Jahren ihrer Geschichte habe dies Gotteshaus gar mel er­lebt. In guten und bösen Tagen sei die Kirche Zu­fluchtsort gewesen, oft im wahrsten Sinn des Wor- tes, wenn in Kriegsläuften sich Frauen und Kinder dorthin flüchteten. Hier habe man nach Gott ge- sucht und auch Gott gefunden. So soll auch in Zukunft dieser Ort eine Zufluchtsstätte für be­drängte Herzen bleiben, die getröstet und gestärkt wieder in den Alltag gehen dürfen. Fräulein Kellner (Gießen) sang zwei Lieder, außer­dem brachten die Schulkinder ein Lied zu Gehör.

Die künstlerische Ausgestaltung war Kirchenmaler K i e n z l e übertragen worden. Die Anstreicher­arbeiten hatte Weißbindermeister Werner (Burg- Gemünden) übernommen, der in solchen Arbeiten eine reiche Erfahrung hat. Die übrigen kleineren Arbeiten wurden von hiesigen Handwerkern aus- geführt. Die Mittel wurden durch freiwillige Spen­den der Gemeindeglieder aufgebracht.

Der Osenplattenfund in Lang-Göns.

in. Lang-Göns, 19. Sept. Auf die vom Gießener Anzeiger" in seiner Montagsnummer gebrachte Veröffentlichung über den O fe n pl al­te nlund in unserem Gemeindebackhaus, sowie die sehr gelungene Wiedergabe eines Bildes im Gießener Anzeiger" vom Dienstag sind zahlreiche Anfragen eingelaufen. Wir haben uns deshalb an den besten Kenner der Geschichte vom Hüttenberg gewandt und ihn gebeten, uns seine Ansicht über die­sen Fund mitzuteilen. Wir geben hier in kurzen Sätzen die Hauptpunkte seiner Aeußerung:

Ich halte die Platte für ursprünglich nicht zum Backofen der Gemeinde gehörig. Für eine solche scheint mir in demselben fein Platz zu sein, und ich glaube, daß sie nur aus Verlegenheit in den Backofen gekommen ist. Die bildliche Darstellung und die Schrift standen nach unten, waren also vollständig verdeckt. Es ist deshalb sehr wahrschein- lich, daß oie Platte von einem Ofen in einem Pri­vathaushalt stammt, und zwar ist es eine Seiten­wand eines solchen, da sie keinen Scheller hat und auch der Länge nach zu klein ist. Die damalige Zeit (1707) liebte Ofenplatten mit Bildern aus der biblischen Geschichte, die die Gießerei in Braun­fels lieferte und die ein Käufer wohl ausgesucht hat, weil sie ihm passend schien. Man wählte immer gern Darstellungen aus der Bibel, auch wenn sie nur in losem Zusammenhang mit der Bestimmung eines Gegenstandes standen. Es ist also keineswegs so, daß man diese Platte in das Backhaus ein­mauerte, um mit der Geschichte der Witwe von Sarepta kundzutun, daß in dem Jahre 1707 ober vorher eine Hungersnot in unserer Gegend herrschte. Wahrscheinlich ist die Platte einige Jahre nach 1707 (dem Jahre der Herstellung), als der betref­fende Ofen, dessen Seitenwand sie darstellte, nicht mehr gebraucht wurde, für passend gefunden wor­den, im Backhaus noch als Auffchußbrett zu dienen. So kam es, daß die Darstellung nach unten gelegt wurde. Diesem Umstande verdanken wir es allch,

daß die Platte auf dieser Seite noch so gut erhal­ten ist. Don einer Hungersnot in den Jahren um 1707 ist nichts bekannt.

Bemerkenswert ist noch, daß der lateinische Spruch: NON EST INOPIA TIMENTIBUS DEUM (zu deutsch:Die Gott fürchten, haben keinen Mangel"), gar nicht wie auf der Platte ange­geben tm Psalm 55 steht, sondern im Psalm 34," 10. Die Darstellung selber scheint aus einer Bilderbibel der damaligen Zeit zu stammen. Die Buchstaben vor dem Worte Braunfels sind wohl Abkürzungen für den Namen des Herstellers.

Allerlei Bemerkenswertes.

Von einem sachkundigen Leser in Gießen wird uns geschrieben:

Bei der Prüfung der I n s ch r i f t der von Ihnen in Nr. 217 desGießener Anzeigers" abgebildeten Lang-Gönser Ofen platte fand ich allerlei Bemerkenswertes. Der lateinische SpruchNon est inopia timentibus deum ist richtig aus der Vul­gata zitiert, stammt aber nicht aus dem 55., sondern aus dem 34. Psalm und lautet in der lutherischen Uebersetzung im Vers 10:Fürchtet den Herrn, ihr seine Heiligen, denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel". Auch die deutschen Verse, die auf das 4. Kapitel des zweiten Buchs der Könige (2 Regem statt Regum 4) Hinweisen, ent­halten allerlei Unstimmigkeiten. Die bildliche Dar­stellung bezieht sich ohne Frage auf die in diesem Kapitel Vers 1 bis 7 erzählte Geschichte von der Witwe, die den Propheten Elisa um Hilfe in ihrer Not anruft, weil sie nicht weiß, wie sie die Schuld ihres verstorbenen Mannes bezahlen soll, wo ihr der Schuldherr ihre beiden Söhne als Schuld­sklaven wegnehmen will. Sie hat im Hause doch nichts als einen Oelkrug. Da heißt sie der Prophet Oelkrüge aus der ganzen Nachbarschaft sammeln und diese Krüge mit ihrem Oelkrua füllen. Das Wunder geschieht, sie füllt alle Gefäße, verkauft

das Del und bezahlt mit dem Erlös die Schuld ihres Mannes. Die darunterstehenden Verse be­ziehen sich aber gar nicht auf diese Geschichte, andern eine andere, die am Schluß des Kapitels, Vers 38 bis 47, erzählt wird. Elisa kommt in das Land Gilgal (nicht Sarepta), wo große Teuerung herrscht. Da vollzieht er ein Speifungsmunber (wie es ja auch von Jesus berichtet wirb). Mit einem Topf Gemüse unb einer Anzahl Brote sättigt er bas hungernbe Volk. Von O e l ist freilich nicht die Rebe. Der Verfertiger ber Platte war also ein

f ehr geschickter Handwerksmeister, denn die Platte scheint wirklich ein Meisterstück zu sein aber seine Kenntnisse in der biblischen Ge- chichte und den Psalmen waren nicht ganz ein. wandftei. Die Einzelbuchstaben am Schluß der Inschrift (W. M. G. Z. S. Braunfels) sind zu lesen: Wilhelm Moritz Graf zu Solms-Braunfels Dieser Graf regierte von 1676 bis 1724, bis 1693 als Graf zu Solms-Greifenstein, von da ab als Graf zu Solms-Braunfels.

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In den letzten Tagen wurde die Küste von F l o r i d a von einer furchtbaren Unwetterkatastrophe heim- gesucht, bei ber zahlreiche Menschen ben Tob fanben. EinHilfszug, ber entsandt worden war, um die in einem Lager untergebrachten und mit dem Tode ringenden ehemaligen Kr i eg s t e rl ne h m er m Sicherheit zu bringen, wurde vom Orkan von benSchrenen geschleud ert. Unser Lustbuo zeigt ben entgleisten Zug neben ben Schienen. (Scherl-Bilberbienst.)

Deutscher Wein als Volksgetränk!

Fwb. Das ist ber alte Wunfchtraum aller deut­schen Winzer. Er soll in Erfüllung gehen, das ist bas Ziel aller Kräfte, bie an dem Winzerhilfswerk Fest ber beutschen Traube unb bes Weines", bas in ber Zeit vom 19. bis 26. Oktober im ganzen Reich sich vollziehen wirb, beteiligt sinb. Dieses Ziel wirb erreicht werben, wenn:

1. Das beutfche Volk bie schwere Arbeit bes Winzers erkennen unb mürbigen lernt, wenn es sich ber volkswirtschaftlichen unb auch politischen Bebeutung bes Weinbaues ber westlichen Grenz- lanbe voll bewußt wirb unb sich bereit finbet, aus Grünben wahrer Volksgemeinschaft beut- schen Rebenerzeugnisfen ben Vorzug zu geben unb beutfche Traubenerzeugnisse Gemeingut bes ganzen Volkes werben zu lassen;

2. ber beutfche Winzer und alle Stellen, die für die Verarbeitung ber Nebenerzeugnisse in Be­tracht kommen, sich ber Verantwortung stets bewußt bleiben, nur gute, einroanbfreie unb preiswerte Ware auf ben Markt zu bringen, Erzeugnisse, bie ber Freube unb Erholung, ber Entspannung unb ber Gesunbheit auch wirklich bienlich sinb;

3. ber Hanbel unb das Gaststättengewerbe bei ihrer Preisgestaltung sich stets vor Augen hal­ten, baß nur gute Ware Vertrauen unb bamit bauernbe Abnehmer bringt unb daß der Grund­

satz, kleiner Verdienst unb großer Absatz, schnel­ler zum Erfolg führt als umgekehrt. DasFest ber beutschen Traube unb bes Weines" bietet allen Beteiligten Gelegenheit, auf Grunb biefer Verlegungen auf feine Rechnung zu kommen.

Die vom Weinbau zu liefernben Weine werben auf ihre Qualität überprüft, so daß nur einwand­freie Weine zugelassen werden. Auch bie Ausschank­preise werben auf ihre Angemessenheit überwacht. Allen aber muß klar fein, baß ihnen bie Veranstal­tung ein zusätzliches Geschäft bringen soll. Unter solchen Voraussetzungen werben auch alle Volks­genossen gerne bereit fein, mitzuhelfen. Es gilt nicht, ben Alkoholverbrauch zu vermehren, sonbern neue Käuferkreise zu gewinnen.

Aber nicht nur bem Wein gilt bie Werbeveran­staltung, sonbern gleichzeitig auch allen Erzeug­nissen, bie aus ber Traube gewonnen unb in Küchr ober Keller Verwenbung finben können. Str Traube als vitaminhaltigste Frucht beutschen Bo. bens, bem alkoholfreien Traubensaft gilt ber gleiche Werberuf. Der Reichsnährstanb hat Maßnahmen ergriffen, bie ber neuen Traubenernte auch in der Süßmostbereitung neue Absatzmöglichkeiten schas­sen sollen. Die Auswirkung dieser Pläne wird sich aber erst einige Monate nach der Ernte zeigen können

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