Ur. 220 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesien)
Zreitag. 20. September 1935
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Das alte Werk der Stadtkirchenuhr wird ausgezogen. — (Ausn. [3]: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Die Seilwinde in der Türmerwohnung.
ser Seilwinde alles, was sie zu Leibes Nahrung und Notdurft brauchten, emporgewunden, da es zu be» schwerlich gewesen wäre, die halbbrecherische Wendeltreppe im Turm wegen jedes Weges zum Kaufmann x-mal am Tage hinab- und hinaufzusteigen. Diese Seilwinde besteht aus einem drehbar gelagerten starken Balken, in den ein Knüppel eingefügt ist. In der drehenden Bewegung, ähnlich der des altbäuerlichen Göpels wand sich das über Rollen geführte Seil auf, an dessen Ende das Ziehgut an einem großen Haken befestigt war. Das Gerät hat ausgedient. Es ist zur Reminiszenz einer vergangenen Zeit geworden. Der Türmer haust längst nicht mehr oben, und nur der Kirchendiener kommt hin und wieder einmal durch die leerstehende Türmerwohnung, wenn er bei festlichen Anlässen die Fahnen über die Brüstung zu hängen hat.
Die Turmuhr der Giadikirche
Aus der Alltagsarbeit im Dienste der Gesamtheit.
Durchblick aus der Kaplaneigasse zur Stadtkirche.
Es kann für die Volksgenossen, die täglich mehrmals am Stadtkirchturm vorübergehen und dabei ' ur Uhr emporblicken, nicht Aufgabe sein, sich immer Gedanken darüber zu machen, ob und wieso diese Uhr da oben in der Höhe immer und stets : ichtig geht. Jeder hat eben seine Sorgen und jedermann andere; obgleich es vielen sicher nicht -echt wäre, wenn die Uhr da oben falsch, ober, Das noch schlimmer wäre, überhaupt nicht ginge. Daß die Uhr am Stadtkirchturm richtig geht, ) arüber hat der Uhrmacher Trebbe in der Markt- Lraße zu wachen. Dafür aber, daß sie immer ,eht, hat der Kirchendiener Sier zu sorgen. Die Uufgabe des Kirchendieners Sier ist, so einfach sie auf den ersten Blick erscheinen mag, nicht leicht, d>enn das Werk ist alt (es stammt aus dem Jahre 883) und muß jeden Tag, den Gott gibt, auf» rczogen werden. Die Uhr ist also 3 6 5 m a l im jÜa f) r e aufzuziehen. Dreihundertfünfundsechzigmal!
Dabei befindet sich das Uhrwerk — ein großer Kasten mit starken Zahnrädern, mit einem riesigen Perpendikel — nicht etwa zu ebener Erde, sondern 1 16Stufen hoch über demKirchenplatz, m etwa 40 Meter Höhe. Täglich muß der Kirchendiener Sier diese 116 Treppen hinauf- und hinab- tteigen. Er tut es nun schon seit 12 Jahren Tag •ür Tag, auch an jedem Sonn- und Feiertag. Der Volksgenosse, der immer wieder diese Turmuhr iad) der Zeit befragt, mag schon allein darin eine außerordentliche, ständige körperliche Leistung er» Zlicken.
Es ist interessant, hier einmal eine kleine Rechnung aufzumachen: rechnet man für jede Treppenstufe eine Schrittlänge von einem halben Meter, |d ergeben sich (für Hinauf- und Heruntersteigen)
Der von der Straße bis zum oberen Umgang 32Vz Meter und bis zur Turmspitze 55 Meter hohe Stadtkirchturm, das Wahrzeichen der Stadt, ist eng mit der Geschichte unseres Gemeinwesens verbunden. Ehemals hauste der Turmer dort oben, der, wie überall in deutschen Städten, die Aufgabe hatte, ausbrechende Brände sofort zu melden. Mit der Anschaffung der Feuer- alarmanlaae wurde der Türmer überflüssig. In diesem Zusammenhang sei nach ein originelles Gerät erwähnt, das noch heute auf dem Stadtkirchturm zu sehen ist: die alte Seilwinde. Die Türmer der vergangenen Zeit haben sich mit Hilfe die-
täglich 116 Meter, also im Jahr 42,340 Kilometer, die Herr Sier im Stadtkirchturm zurücklegt. Für feine 12jährige Dienstzeit an der Uhr macht das bisher 508,080 Kilometer aus.
Nun ist es aber mit dem Hinauf- und Hinab- fteigen allein nicht getan. Die Uhr muß ja auch aufgezogen werden, und zwar: an drei Stellen, für die Zeigerstellung, für den Viertel- und Halbstunden- und für den vollen Stundenschlag. Jedes der drei einzelnen Werke wird dadurch betrieben, daß schwere Gewichte (geschätzt und schlecht gerechnet mindestens je 50 Pfund) an 38 Meter langen Drahtseilen in die Tiefe sinken und durch ihre Schwerkraft die Uhrwerke in Bewegung halten. Diese drei G e w i ch t s m e n g e n müssen täglich 38 Meter hoch immer wieder emporgewunden werden. Das bedeutet nicht nur in der Summierung, sondern allein schon täglich eine starke körperliche Leistung. Auch hier ist die Rechnung einfach: täglich 75 Kilogramm empor- winden macht im Jahre 27375Kilogramm aus und in 12 Jahren ergibt sich ein Gewicht von 3 2 8 5 0 0 Kilogramm. Die Seillänge, an der Herr Sier die Gewichte emporwand, beträgt 38 mal3 = täglich also 114 Meter, im Jahre 41610 Meter und in 12 Jahren 499320 Meter.
Die mit dem Uhraufziehen verbundene Leistung wäre vielleicht nicht täglich zu vollbringen, wenn nicht ein stark empfundenes Pflichtgefühl dazu immer neue Kräfte gäbe. Dieser Dienst, so einfach er erscheinen mag, ist aller Anerkennung wert!
Aus der Proviuzialhaupistadi.
Der Herbst kommt.
Alles in der Natur deutet auf den Herbst hin. Noch wird die Erde an manchen Tagen zwar mit Sonnenglanz überschüttet, jedoch die Sonne ist milder geworden, sie brennt nicht mehr, sie will uns vorkommen wie ein alt und müde gewordener Mensch, der sich bald auf sein Altenteil zurückzuziehen gedenkt. Hunde, Katzen, Hühner und andere Tiere, die sich noch vor wenigen Wochen vor der gleißenden, stechenden Sonne in den Schatten verkrochen, suchen nun wieder besonnte Stellen auf. Auch in der Farbentönung ist es, als habe sich die Sonne verändert. An Stelle des Grellweißen und Blendenden zeigen sich in ihren Strahlen yoldige Schimmer. In den Spätnachmittagsstunden liegt es oft wie ein goldenes Leuchten in der Luft.
In der Zeit, da der Herbst beginnt, ist die Lust oft noch so still wie an den Sommertagen, aber sie ist dann reiner, klarer, durchsichtiger. Von Bergen und Anhöhen aus hat man um diese Zeit die weiteste Sicht, und auch der Schall bringt weiter durch die Lüfte. Am Tage ist es oft noch, als habe sich in ihr ein Teil der Juli- und Augusthitze aufgespeichert. Die Wärme hat jedoch nichts Bedrückendes und Schwüles mehr, sie macht leicht, fröhlich, ladet noch einmal zum Wandern ein und ist durchzogen vom Duft reifenden Obstes, vom Geruch der Kartoffelfeuer, vom Geruch frisch gepflügten Bodens und auch bereits von dem verwesender Stoffe. Das Laub an Baum und Straust ist dünner geworden, unter manchen Bäumen haben sich abgefallene Blätter bereits wie ein Polster angesammelt, und soweit das Laub noch an den Zweigen sitzt, ist es brüchig geworden wie altes Papier. An Stelle der Vögel, die uns verlassen, kommen andere aus dem hohen Norden zu uns und machen sich hier für Herbst und Winter heimisch. Selbst wenn es am Tage noch warm ist, werden die Nächte schon kühler. Die Kühle liegt in der Luft, sie steigt vom Boden auf, kommt aus den Gewässern und Wäldern, zieht auch bereits in die Wohnungen ein.
Beinahe 4% Stunden haben wir seit dem Sonnenhochstand im Juni an Tageshelle bereits verloren, wenn nun der Herbst beginnt. Nebel steigen auf. Sie brauen über Talgründen und über Wäldern und Wiesen, Weiden und Feldern, manchmal noch ganz dünn, als sei nur ein Schleier über die Landschaft ausgebreitet. Oester bringt jedoch auch der Frühherbst schon dichte Nebel, hinter denen Bäume und Häuser wie hinter einer dichten Wand verschwinden. Es kommen Tage, da der Himmel mit schweren Wolken verhangen ist, der Regen klatscht in großen Tropfen nieder, es wehen rauhe Winde aus Norden. Dann kommt, oft ganz plötzlich, der erste Frost. Die ersten Herbstfröste bringen gewöhnlich noch keinen festgefrorenen Boden, noch keine Eisschicht; kommt die Sonne hervor, so ist der Reif bald wie weggewischt, als hätte es ihn gar nicht gegeben und als sei er an allem spurlos vorübergegangen. Das ist jedoch eine Täuschung. In den Gärten hat der Frost die letzten Blumen schwärzlich anlaufen lassen, die Blätter haben den letzten Anstoß zum Abfallen erhalten.
Noch stehen Früchte draußen, denen der Herbst erst die richtige Reife geben soll. An den Bäumen hängt das Spätobst, die Weinbeeren ziehn noch Süße aus den Sonnenstrahlen, das Wintergemüse in den Gärten erhält erst in den Nebelnächten des Herbstes die richtige Reife. Wie die Zugvögel fortzogen oder in der nächsten Zeit abwandern, so macht sich im Tierleben auch sonst der Herbst bemerkbar. Manche Tierarten, so der Hamster, haben in den letzten Monaten Vorräte eingetragen und bereiten sich auf den Winterschlaf vor, andere legen sich einen wärmeren Pelz zu. Geringer geworden ist vor allem das Leben in der Jnsektenwelt. Die Bienen gehen zur Winterruhe über, der Staat der Wespen löst sich in Unordnung auf. An schönen, sonnigen Tagen gaukeln wohl noch einige bunte Falter aus der zweiten und dritten Generation des Jahres dahi», doch werden sie immer seltener. Bald kommt die Zeit, da sie abgelöst werden von ' den In den Obstgärten so schädlichen Frostfaltern.
Zwei alte deutsche Schwänke.
Neu erzählt von Johan Luzian.
Eins ist mehr als sieben.
In alten Zeiten gab es jene absonderliche Zunft ron windigen Kerlen und Faulenzern, die, statt tu den Hochschulen ober im Leben etwas orbent- li:d)es zu lernen und zu schaffen, lieber anderen Leuten auf der Tasche lagen, denen sie mit ein oenig Aberglauben und Scharlatanerie weismachen konnten, daß sie geheimnisvolle und magische Künste verstünden, von denen die Schulweisheit s ch nichts träumen ließe.
Es gibt sie aber auch wohl noch heutigen Tages irnter uns, und weil wir aus dem Beispiele eines brauen Handwerkers, eines Wagners seines Zeichens, immer noch etwas lernen können, so soll es (inem alten Schwankbuch nacherzählt werden, welche Antwort dieser Mann einem solchen Schnor- icer einmal zu geben wußte.
Der Wind der Landstraßen, der so manches seltsame daherbringt, wehte ihm eines Tages diesen aufgeputzten Vogel vor die Tür, der sich iühmte, geradewegs aus dem Berg der Frau Ve- us zu kommen und sich herbeizulassen bereit» anbe, dem Erdenwurm von Handwerker für ein cutes Essen und Trinken und eine gewärmte Stube nniges über die Alchymie und Astronomica aus hem Buch mit sieben Siegeln zu offenbaren. Er Preizte sich da mit seinen Gaben wie ein Pfau nd begehrte nicht etwa schlicht und demütig ein 5tü(f Brot; wie es ein Christ dem anderen wohl । icht vorenthalten wird, nein, er stellte schon hier nor der Haustür die landläufigen Begriffe von 3aft und Wirt, von Geben und Nehmen so gewandt i uf den Kopf, daß der gute Wagner, als er aus hem Staunen herauskam, gar keine weitere Lust ach Mehr aus solcherart Weisheitsschule verspürte.
„Freund", antwortete er dem redeflinken Ma- Mer und Magier deshalb ruhigen Tones. „Bei nir daheim geht es arm und eng genug zu. Deine tnb Deinesgleichen Kunst aber glaube ich schon zu Isnnen: sie macht die Suppenschüssel leerer, den Brotlaib schmächtiger und die Ofenbank zu eng. Rein, troll dich nur weiter!"
Wie, du sperrst dein armselig Haus vor mir brauste der andere auf, „und du duzest mich wie deinesgleichen, mich, einen Magister der sieben Treten Künste?!" „ . ,r±
„Ne nun," lachte darauf der Wagner, „das ist nein gutes Recht, denn das Haus ist meines. Und wenn ich auch nur eine einzige Kunst verstehe.
mein ehrbares Handwerk, fo ernähre ich doch damit mich, mein Weib und meine sieben Kinder, du aber haft's mit deinen sieben freien Künsten bloß bis zum Bettler gebracht!"
Damit schlug er ihm die Tür vor der Nase zu und ließ ihn draußen stehen.
Dem hat der Leibhaftige das Maul gesalbt! dachte der Magier und zog kopfschüttelnd seiner Wege.
Bauernlatein.
Die Weisheit des Vaters ist oft besser als des Sohnes Latein, wird man wohl denken, wenn man die nachfolgende kleine Geschichte lieft, die der alte Martinas Montanas uns überliefert hat.
Da hatte ein fleißiger und sparsamer Bauer seinen Sohn auf die Hohe Schule nach Straßburg geschickt, damit er dort die vielerlei Wissenschaften lerne, die nicht daheim auf Hof and Acker wachsen, and es za etwas Großem und womöglich gar Berühmtem im Leben brächte.
Aber der Sohn liebte die fröhlichen Mädchen in den Weinschenken mehr als die düsteren Professoren auf den Kathedern und fand am Bier mehr Gefallen als an der lateinischen Jurisprudenz, die ihm die Kehle trocken und das Hirn ganz dumpf machte. Nein, dachte er, diese bitteren Pillen hebe ich mir für die späteren Semester auf, und nahm das Studium fortan nur noch von der heiteren Seite.
Dem Alten daheim aber rissen diese fröhlichen Künste nicht nur ein immer größeres Loch in den Beutel, sie rissen ihm schließlich auch den Geduldsfaden ab. Und als der Sohn eines Tages wieder einmal nach Haufe kam, um sich von neuem auszustaffieren, nahm ihn sich der Vater auf feine Weife in die Schule und sprach, da er gerade beim Mistaufladen war und feinen Lateiner müßig an der Haustür lehnen und die Daumen vor Langeweile drehen sah:
„He, Bub, was heißt im Lateinischen Gabel?"
Ein'Student muß sich zu helfen wissen, dachte der Sohn und antwortete frech und gottesfürchtig:
„Gabelinum!"
„Und was heißt Mist?" fragte der Alte weiter.
„Miftelinum!"
„Und der Wagen?"
„Wagelinum!
„Nicht übel!" rief der Alte und wischte sich den Schweiß von der Stirn, „so nimm denn das Gabelinum und wirs das Miftelinum auf das Wagelinum!"
Damit drückte er dem Sohne die Mistgabel in die Hand und sprach:
„Da hast du deine Schreibfeder und fortan laß in Dreiteufelsnamen Studieren Studieren fein, du bist mir gescheit genug!"
Die letzten Windmühlen.
Die Ernte, die jetzt in den Scheunen geborgen ist, befindet sich bald schon auf dem Weg zur Mühle, um zu Mehl gemahlen zu werden. Aber nur ein kleiner Teil der Feldfrucht wird noch durch die Windkraft in Mehl verwandelt. Zumeist sind es große Mühlenwerke, die ihnen die Arbeit abnehmen, und bald wird man von den letzten Windmühlen sprechen können, die noch in Tätigkeit sind. Damit verschwindet zugleich ein wertvoller Schmuck der Landschaft, und es ist zu hoffen, daß viele dieser Mühlen auch dann noch erhalten bleiben und ihre Flügel nach im Wind bewegen dürfen, wenn ihre Steine kein Werk mehr verrichten können. Die Geschichte der Windmühlen läßt sich nicht allzuweit zurückverfolgen, obwohl es sich bei dieser Art des Mahlens sicherlich um eine alte Erfindung gehandelt hat, die wohl in verschiedenen Gegenden auf ursprüngliche Weise gemacht worden ist. Wenn man sich auch zunächst der Handmühlen und dann der Wassermühlen bediente, so kann man sich doch nicht vorstellen, daß man die Kraft des Windes nicht für das Mahlen des Getreides benutzte. Zu dey Römerzeiten scheinen die Windmühlen indes unbekannt gewesen zu fein, da weder Ditruvius noch Plinius davon berichten. Ein arabischer Reisender namens Ibn Hankal berichtet uns aus dem 9. Jahrhundert, daß er in Sedschestan, am Ostrande des Iranischen Hochlandes, Windmühlen in häufigem Gebrauch gesehen habe. Vielfach wird behauptet, daß die Kreuzfahrer die Windmühle im Jahre 1040 nach Europa gebracht hätten; dach lassen sich diese Vermutungen nicht beweisen. Erwähnt wird eine Windmühle zum erstenmal in einem Diplom aus dem Jahre 1105, und es darf angenommen werden, daß sie schon vor dieser Zeit, zunächst in Frankreich, bekannt gewesen ist. Von dort aus kam sie nach England, wo sich die ältesten Spuren bis zum Jahre 1143 zurückverfolgen lassen. Bartholomeo Verde schlug im Jahre 1332 den Venezianern die Errichtung einer Windmühle vor, und in Spanien, dem Lande des Don Qrrichote, der jenen denkwürdigen Kampf gegen die Windmühlenflügel führte, soll die erste Mühle im Jahre 1393 erbaut worden sein. Dis holländischen Windmühlen, die bewegliche Achsen haben, wurden etwa um die Mitte des 17. Jahrhunderts erfunden. Man ging dabei von dem Grundsatz aus, daß es genüge, nur den oberen Teil der Mühle, der sich dem Wind entgegenstellen soll, beweglich zu machen. So er» langte man den Vorteil, einen dauerhaften und zweckmäßigen Mantel aus Mauerwerk um den inneren Apparat ausfiihren zu können. Die Zahl
der Flügel der Mühle, die sich gemächlich im Winde drehen und die schweren Mühlsteine bewegen, ist verschieden. Gewöhnlich hat die Windmühle vier Flügel, doch finden sich auch Mühlen mit fünf, sechs oder sogar acht Flügeln, ohne daß die größere Flügelzahl etwa besondere Vorteile verbürgen könnte. Aus der niederdeutschen und niederländischen Landschaft sind die Windmühlen kaum hinweg zu denken; sie sind für ihren Charakter so bezeichnend, daß die Maler ihnen in ihren Bildern viele dauernde Denkmale geschaffen haben. Wie die Gesellschaft zur Erhaltung der Windmühlen in Holland vor einiger Zeit mitgeteilt hat, soll fast die Hälfte der Mühlen, die vor einem Jahrzehnt noch in Gebrauch gewesen sind, aus wirtschaftlichen Gründen nieöergeriffen worden fein.
Hochschulnachrichten.
Geh. Rat Professor Dr. Richard von Hertwig, der bedeutende Münchner Zoologe, dem die Entwicklung der neuen biologischen Wissenschaft wesentliche Anregungen verdankt, vollendet am 23. September das 8 5. Lebensjahr. Geh. Rat v. Hert- wig stammt aus Friedberg in Hessen und lehrte vor feiner Münchner Tätigkeit an den Universitäten Bonn, Königsberg und Jena; von seinen zahlreichen Arbeiten sind vor allem die Untersuchungen zur Morphologie und Physiologie der Zelle zu nennen; sein „Lehrbuch der Zoologie" hat zahlreiche Auflagen erlebt. Geh. Rat Hertwig ist Mitglied der Gelehrten- Akademien von München, Berlin, Wien, Kopenhagen, Upsala, Helsingfors, Rom und Washington.
Professor Dr. Heinrich Lehmann, Ordinarius für römisches und deutsches Recht, Handels- und Zivilprozeßrecht an der Universität Köln, hat einen Ruf an die Universität Leipzig abgelehnt.
Dr. Kurt v. Raumer, außerordentlicher Pro» fesior an der Universität Heidelberg, der im Sommersemester das Ordinariat für mittlere und neuere Geschichte an der Universität Gießen vertretungsweise wahrgenommen hat, hat einen Ruf an den Lehrstuhl der Geschichte am Deutschen Herder- institut in Riga als Nachfolger von Professor S ch ü ß l e r erhalten und angenommen.
Dozent Dr. von Muralt an der Universität Heidelberg hat einen Ruf als Professor für Physiologie an der Universität Bern mit Amtsantritt am 1. April 1936 erhalten und angenommen.
Professor Dr. Alfred Stange, Ordinarius füf Kunstgeschichte an der Universität Erlangen, wurde als Nachfolger von Geheimrat Professor Dr. Paul Clemen an die Universität Bonn berufen.


