Nr. 22V Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)
Freitag. 20. September (035
Soldatenabschied vor der Fahrt nach Aegypten.
MWM
Soldaten des 7. britischen chusaren-Regiments verabschieden sich in Feltham in Middlesex von ihren Bräuten vor dem Abtransport nach Aegypten. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
QJlxfport 3m Hauptquartier des deutschen Sports.
Neueste Eindrücke und Zahlen von der Organisation der Olympischen Spiele.
Die Olympischen Spiele 1936 werden zweifellos das weitaus größte sportliche Ereignis darstellen, welches das deutsche Volk bisher erlebt hat. Es ist der nationalsozialistischen Seroegung vorbehalten geblieben, dieses gewaltige internationale Werk im Rahmen ihrer sportlichen und kulturellen Weltanschauung in Szene zu setzen. Der Außenstehende, der die Vorbereitungen für die Olympischen Spiele des Jahres 1936 nur aus der Zeitungsperspektive verfolgte, kann sich vom Umfang und der Jntensi- tat der Arbeit, die hier in aller Stille geleistet wird, kaum einen Begriff machen. Es handelt sich bei den Vorbereitungen für die Olympischen Spiele um eine der schwierigsten und kompliziertesten organisatorischen Aufgaben. Trotzdem sind diese Vorbereitungen, wie wir erfahren, heute schon so weit gediehen, daß die wichtigsten Dinge bis in die kleinsten Einzelheiten geregelt und geordnet sind.
Wie man im Büro des Organisationsausschusses, im „Hauptquartier des deutschen Sports" in der Hardenbergstrahe, erfährt,
rechnet man allein mit 50 000 ausländischen Zuschauern, die im nächsten Jahr nach Berlin kommen werden, um die größte Sportsensation
der letzten Zelt zu erleben. Für diese 50 000 Zuschauer wird heute schon in der musterhaftesten und vorbildlichsten Weise vorgesorgt.
Im Olympischen Dorf, das noch im Werden begriffen ist, werden rund 4000 Sportler aller Nationen wohnen. Ein glänzender Beweis für die wie ein seines Räderwerk ineinander greifende Organisation ist der Umstand, daß zum Beispiel u. a. für eine individuelle Verpflegung der einzelnen Sport- ler je nach Heimat und Herkunft bereits alle Vorbereitungen getroffen worden sind. Man ist da auf den Gedanken gekommen, eine „Speisekarte der Nationen" zu schaffen, damit nicht etwa die überseeischen Sportler, die an eine andere Kost gewöhnt sind, unter den veränderten Lebensbedingungen zu leiden haben. Sämtliche Körperschaften und Organisationen, die in irgendeiner Beziehung mit den Olympischen Spielen Zusammenhängen, arbeiten schon seit Monaten mit Hochdruck, um lange vor Beginn dieser gigantischen Sportveranstaltung für alle Eventualitäten gerüstet zu sein.
Interessant ist, daß die 100 000 Plätze, die zur Verfügung stehen, nahezu ausverkauft sind.
In weitestem Maße ist ferner dafür gesorgt, daß die internationale Welt auf dem raschesten und bequemsten Wege über die Abwicklung und den Verlauf der Spiele unterrichtet wird. Man will zu diesem Zweck die neuesten und modernsten Erfindungen heranziehen, um eine möglichst reibungslose Arbeit der Presse- und Bildberichterstatter zu gewährleisten. Da man damit rechnen muß, daß aus allen Ländern der Welt in großer Zahl die Journalisten nach Berlin kommen werden, sind 800 Plätze allein für die Presse reserviert worden. Ein eigenes Postamt und 56 Fernsprechstellen werden eingerichtet. Ferner ist ein Fernschreibanschluß an das amtliche Netz vorgesehen und ein Fernbilddienst, der die rascheste Uebermittlung von Bildern gestattet.
Außerdem ist noch eine Neuerung zu erwähnen, die man sicherlich allgemein begrüßen wird: an 12 sogenannten „Auskunftstischen" werden „Olympia-Beamte" sitzen, die den Besuchern ln den verschiedensten Sprachen alle gewünschten Auskünfte geben werden.
Schon diese wenigen Zahlen beweisen, daß vorn deutschen Organisationsausschuß eine beispielhafte Arbeit geleistet wird, wie sie nur unter einer Regierung möglich ist, die alle ihre Kräfte und Energien auf die Schaffung und Formung einer großen nationalen Volkseinheit konzentriert. Der Mann, in dessen Händen die Organisation der Olympischen Spiele 1936 liegt, ist Dr. Carl Diem, General- fetretär des Deutschen Reichsausschusses für Leibesübungen. Er wurde am 24. Juni 1882 in Würzburg geboren und zeichnete sich schon früh, als Sportsmann aus, indem er in einem Alter von 17 Jahren in Berlin den Sportklub „Marcomannia" gründete. Er studierte an der Berliner Universität und wurde im Jahre 1902 in den Vorstand der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik gewählt. Bei den Olympischen Spielen von 1912 in Stockholm war Diem der Führer der deutschen Leichtathletikmannschaft. Später erfolgte seine Ernennung zum Generalsekretär des Deutschen Reichsausschus- ses für Leibesübungen. In dieser Stellung machte er sich um die Pflege des deutschen Sports und seine behördliche Unterstützung besonders verdient und wurde außerdem Begründer der „Deutschen Hochschule für Leibesübungen", an der er als Abteilungsleiter und Dozent wirkte. Er machte den Weltkrieg als Offizier mit und erwarb sich das Eiserne Kreuz 1. Klasse.
Im Jahre 1921 wurde ihm von der Universität Berlin der Titel eines Ehrendoktors der Medizin verliehen. Im Oktober und November 1929 hatte er auch die Führung der deutschen Leichtathletik- Expedition, bte in Japan, Korea und der Mandschurei mit großen Erfolgen Wettkämpfe austrug. Im Jahre 1930 betätigte sich Dr. Diem, der glänzende und energische Organisator und Erzieher, auch als Segelflieger. Er ist, wenn man sein Leben und Wirken auf eine Formel bringen will, die Verkörperung eines Mannes, der die Idee des deut» scheu Sports nicht nur theoretisch gefördert und propagiert, sondern sie auch aktiv und praktisch durch seine persönliche Leistung verwirktlicht hat.
Die Organisation der 11. Olympischen Spiele 1936 in Berlin ist zweifellos die ehrenvollste Aufgabe, mit der Dr. Carl Diem bisher betraut worden ist.
Daß er wie kaum ein anderer imstande ist, dieses gewaltige organisatorische Problem zu lösen, beweist schon ein flüchtiger Blick in die rastlose und angespannte Arbeit, die im „Hauptquartier des deutschen Sports" für die sportlich-ethischen Ziele der deutschen Jugend, des deutschen Volkes und darüber hinaus der gesamten Welt geleistet wird.
Leichtachletik-Mannschastskamvf in Heuchelheim.
Tv. Lollar — Tv. Kinzenbach — Tv. Heuchelheim.
Dieser Kampf erfährt am kommenden Sonntag in Heuchelheim seine dritte Austragung. Die bisher durchgeführten Kämpfe waren durchweg sehr spannend und brachten erstklassige Leistungen die jedem Stadtverein Ehre machen würden. Der erste Kampf in Kinzenbach bei dem noch eine vierte Mannschaft, der Tv. Odenhausen a. d. Lahn, beteiligt war, endete seinerzeit mit einem glatten Sieg, der mit guten Könnern durchsetzten Mannschaft von Lollar. Der im Herbst vorigen Jahres ausgetragene zweite Kampf in Lollar brachte wiederum den Sieger des ersten Kampfes, Lollar, auf den ersten Platz. Um die nächsten Plätze waren stets harte Kämpfe zwischen Kinzenbach und Heuchelheim. Während im ersten Kampf in Kinzenbach, dis Mannschaft der Gastgeber sicher aus den zweiten Platz kam, konnte Heuchelheim im zweiten Kampf seine Position verbessern und seinerseits die zweite Stelle belegen knapp vor Kinzenbach.
Der für Sonntag vorgesehene Kampf sollte wiederum überaus spannend werden,. Es wird diesmal von feiten der Gastgeber alles darangesetzt werden, um dem bisherigen zweimaligen Sieget Lollar den Rang streitig zu machen. Trotzdem sollte Lollar immer noch die beste Mannschaft stellen und vor allem durch einige erstklassige Leistungen in einigen Disziplinen, die die Mannschaft stets über«
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Das Geschenk des Führers für den Kaiser von Japan. Der Kaiser-Saga-Bild wird im Tempel von Kyoto untergebracht, wo es schon in früheren Jahrhunderten aufbewahrt worden war.
(Scherl-Bilderdienst-M.)
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Schopenhauer.
Zum 75 Todestage des Philosophen am 21. September
Wie dieser gewaltige Denker, den Adolf Hitler in „Mein Kampf" als „einen der größten Geister der Menschheit" bezeichnet, die Philosophie und damit auch sein eigenes Schicksal gesehen hat, verrät eine Stelle aus einem seiner Briese aus Göttingen: „Die Philosophie ist eine Alpenstrahe, zu der nur ein steiler Pfad über Steine und Dor, nen führt. Immer einsamer, immer öder wird er, je höher man kommt, und wer ihn geht, Vars rem Grausen kennen, sondern muß alles hinter sich lassen und sich zuletzt den Weg im Schnee selbst bahnen. Oft steht er plötzlich am Abhang und sieht unten das grüne Thal: dahin zieht ihn der Schwindel ge- waltsam hinab; aber er muß sich halten. Dafür sieht er bald die Welt unter sich, ihre Wüsten und Moräste verschwinden, ihre Unebenheiten gleichen sich aus, ihre Mißtöne bringen nicht hmaus, ihre Ründung offenbart sich: er steht in reiner kühler Luft und sieht schon die Sonne, wenn unten noch schwarze Nacht liegt."
Die Jugendjahre Arthur Schopenhauers dessen Vater ein reicher Bankier war, verliefen wechselvoll, voller Zerstreuungen, in Berührung mit einem Kreis von zahlreichen Bekannten, unter denen sich die glanzvollsten Gestalten befanden, unv mit vielen Reisen, so daß ein Franzose spater mtt Recht von ihm sagen konnte: „Er ist kern Philosoph wie die andern, er ist ein Philosoph, der Die Welt gesehen hat." In seiner ersten Jtalienzeit genoß er das Leben in vollen Zügen; in der Art aber, wie er sich mitten aus der weichen Zauberstimmung Venedigs losriß, um seinen Weg allem weiter zu gehen, zeigte sich bereits die Rücksichtslosigkeit des genialen Menschen, der alles einsetzt für fein Werk
Durch feine Jenaer Dissertation „Heber die vierfache Wurzel des Satzes vom zureichenden Grunde" hatte der junge Doktor bereits den Beweis seiner philosophischen Bedeutung erbracht. Sein großes Erlebnis war die Begegnung mit Goethe, der in dem jungen Schopenhauer früh den hervorragenden Geist erkannt hatte, lieber den Weifen von Weimar sagte schon der damalige Student: „Wäre nicht mit Kant zu gleicher Zeit Goethe der Welt gesandt, gleichsam um ihm das Gegengewicht tm Zeitgeiste zu halten, so hätte jener auf dem Gemüthe wie ein Alp gelegen und es unter großer Qual niedergedrückt. Jetzt aber wirken beide aus entgegengesetzten Richtungen unendlich wohltätig und werden den deutschen Geist vielleicht zu einer Höhe heben, die selbst das Al er- thum übersteigt." Als Schopenhauer Goethe sein gewaltiges Hauntwerk Die Welt als Wille
und Vorstellung übersandt hatte, berichtete Adele Schopenhauer dem Bruder nach Neapel: „... wenigstens bist du der einzige Autor, den Goethe auf diese Weise mit diesem Ernst lieft; das, dünkt mich, muß dich freuen." Diese größte Schöpfung des Philosophen, die in der deutschen Geistesgeschichte unauslöschliche Spuren hinterlassen hat, ist bei ihrem Erscheinen nicht — wie manchmal behauptet wird — ganz ohne Anerkennung geblieben, worauf schon Wilhelm ©minner in seiner Schopenhauer-Darstellung hinweist. Unter den de-
(Scherl-Bilderdienst'M.)
geistert zustimmenden Aeuherungen ist vor allem Jean Pauls Stimme hervorzuheben.
Zu einem nachhaltigen Widerhall aber verstärkte sich dieser Beifall nicht; auch als Dozent an einer deutschen Hochschule konnte Schopenhauer nicht festen Fuß fassen. In Berlin verdarb er es schon in der Probevorlesung mit Hegel, dem damals in der preußischen Hauptstadt allmächtigen Philosophen, und sein erstes Kolleg im Jahre 1820 war auch sein letztes. Im März 1828 machte er noch einmal den Versuch, sich in Heidelberg eine Lehrtätigkeit zu schaf- fen, und als auch dieser fehlschlug, siedelte er nach einigen verbitterten Jahren endgültig nach Frankfurt über, wo er einsam noch fast drei Jahrzehnte verbrachte.
Den grauhaarigen kleinen Mann mit dem Philosophenmantel zeigte man den Reisenden aus allen Weltteilen als lebendige Sehenswürdigkeit. Wie Schopenhauer aussah, hat gewiß am besten Gwin- ner beschrieben: „Seine Statur war unter Mittelgröße, sein Knochenbau gedrungen und kräftig, die Figur gleichwohl, in jungen Jahren, schlank: die
Brust hob sich zwischen den breiten Schultern energisch, und seine Stimme blieb bis zu seinem Tode ungemein stark. Die Hände waren klein und ausdrucksvoll. Aschblondes krauses Haar fiel dem Jüngling, wie es damals Mode war, über die Stirn. An der Oberlippe trug er als Student ein kurzes Bärtchen. Der rötlich-blonde Backenbart des Mannes harmonierte mit der goldenen Brille, die er jedoch nie unausgesetzt getragen und nach dem fünfzigsten Jahre ganz ablegte. Der Mund war in der Jugend voll und schön; zog sich aber später, mit dem Verlust der Zähne, in die Breite. Die Nase war besonders regelmäßig und fein geschnitten, an den Flügeln breit, an der Wurzel scharfkantig, vom Stirnbein in sanftem Winkel gerade abfallend. Die Augenhöhlen waren groß und standen auffallend weit voneinander ab, so daß er eine gewöhnliche Brille kaum gebrauchen konnte. Glanzreiche blaue Augen verklärten den imposanten Kopf. Die Größe desselben stand mit der des Skeletts in keinem Verhältnisse. Neben Schopenhauers Schädel steht ein gewöhnlicher fast wie ein Knabenkopf." C. K.
Am herbstlichen Meer.
Von Andreas Zeiiler
Seit fünf Tagen hängt am Signalmast des Leuchtturms der Sturmball. Der Strand ist so schmal geworden, daß man ihn nicht mehr trockenen Fußes entlang gehen kann. Das Meer, das doch noch jüngst oft viele Stunden lang, mit einer platten Fläche die prallen, weihen Sommerwolken spiegelte, wird nicht wieder ruhig. Es ist, als ob es an sich aehalten hätte, bis sich die Karawanen der Heimreisenden nach dem Bahnhof in Bewegung zu setzen begannen. Denn jetzt kehrt von sechs kofferbeladenen Wägelchen, die durch den nach- gieoigen Straßenfand zur Station hinüberquietschen, bestenfalls eines mit dem Gepäck eines Neuangekommenen zurück. Längst find — am Ferienende, das war noch im Sommer, nun ist der Herbst schon da — die fremden städtischen Kinder verschwunden. Es ist still geworden in den Gärten der Villen am Strand, wo ihre ungezwungen lauten Stimmen etwas Naturgegebenes zu sein schienen. Selten wurde bereits nach ihrer Abreise eine über Nacht zerstörte Burg wieder mit neuen Mauern umgeben. Jetzt ebnet die schwere See die restlichen ein und der Sand gewinnt fein schönes natürliches Gesicht, das die Gier der Wellen unaufhörlich verjüngt. Die letzten Gäste, ein paar ältere Damen, einige Herren, ruhige, schauensfrohe Menschen, denen nichts an gewaltsamen Freuden liegt, begnügen sich mit dem freistehenden Stranbforb. Man sieht sie einzeln und in sich gekehrt darin sitzen und nachdenklich das aufgewühlte, sich selbst gehörige Meer betrachten.
Eine gleichmäßige Helligkeit, die allen Farben den Schein eigener Leuchtkraft verleiht und mit warmen Schatten die das Auge verletzenden grellen Gegensätze mindert, welche vom Sommer her noch dauern, ist diesen ersten Tagen des Herbstes eigen. Die aus den glühenden Sonnenwochen noch erhalten gebliebene Buntheit verblaßt nun mit jedem neuen Mittag deutlicher. Es fällt auf, daß die gelben und roten Töne als Die ersten verschwinden. Blau und weiß, zwei Farben, die gut zu dem herben lebhaften Winde passen, der jetzt nimmermüde gegen die Küste stoßt, bewahren einstweilen noch Reinheit und Frische. Wenn sie kommt und den Tag über bleibt, vermag die Sonne an ihnen zu zeigen, wie groß und belebend die zauberstarke Kraft ihrer Strahlen noch ist. Aber schon bringt wie ein Nebel, ber sich allmählich, boch unabroenb» bar verbreitet, ein grauer winterlicher Ton in ihre Spiele. Die Hotels unb Pensionen fangen an mit verschlossenen Läden und verhangenen Fenstern den Buden eines Rummelplatzes zu gleichen, die in ber Morgenfrühe unter ausgewaschenen Planen des lichtlauten Abends harren. Auch das Braun der Fischerhäuser erscheint schon kräftiger hinter dem absterbenden Grün. Man glaubt, es könnte bald die Zeit des Schneefalls fein, die es in hartes Schwarz verwandelt. Der Himmel am Meer, der dies bewirkt, hat eigentlich keinen Herbst, nur Sommer unb Winter.
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In ben warmen Wochen ähnelt das Meer einem See, das Land war größer und stärker. Es umfaßte das Waffer mit kräftigen Dämmen von Gestein und Erde, an denen die Wellen emporliefen und ohnmächtig zerrannen. Nun ist das umgekehrt. Das Meer ist gewachsen, und das Land scheint nur nach eine schwache Insel zu sein. Wenn man auf den Dunen steht und hinausblickt, täuscht die heftigere Bewegung oft das Auge. Man glaubt wahrzunehmen, wie die schwarzgraue Tafel des Meeres sich plötzlich etwas aufrichtet. Dem Körper geschieht Dabei ähnliches wie beim Betreten einer zu hoch bemessenen Stufe. Auch das Ohr empfängt neue überraschende Eindrücke. Es gibt ein Spiel, das man mit Kindern treibt, wenn man ihnen Muscheln zeigt. Freilich müssen es gewundene von der Art der Schneckenhäuser sein. Hält man diese ans Ohr, so kann man das weite Meer noch in ihren Windungen und Gängen geheimnisvoll rauschen hören. Das Dumpfe herrliche Brausen, Das sogleich Die Sinne ergreift, wenn es auf diese Weise erzeugt wird, ist am herbstlichen Strand Wirklichkeit. Man folgt, vom Wind mit feinen Stichen benommen gemacht, der rostgelb-silbernen Spur ber Brandung, unb es ist, als hielten einem unsichtbare Hänbe wie in ber Kinbheit orgclnbe Muschelyäuser an die Ohren.


