Nr. 167 vierter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
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Bei kleinem Uschzug im Busecker Tal.
Bon Rehfischern, Störchen und Fischreihern an der Wieseck.
An der Struppmühle im Busecker Tal. (Aufnahmen |6] Neuner ..Gießener Anzeiger".)
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In dichtem Schwall stürzt das gestaute Wasser über Mauer und Steine.
Ungezwungenen und natürlichen Laufes schlängelt sch die Wieseck durch das Busecker Tal. Büsche und Zaume säumen m willkürlichen Gruppen die Ufer. Leit dehnen sich die frischgrünen und blumen- iibersäten Wiesen zu beiden Seiten des Bachlaufes, uuf der einen Seite bis an den Fuß des Hangelseins hin, auf der anderen bis an die Höhen über Lödgen. Gelbe Getreidefelder leuchten von den (hängen in das Tal. Dunkler Wald krönt die Hähen- i-ige. Am Bache liegen einige Mühlen: Sinnbilder kindlichen Friedens und der Beschaulichkeit. Dicht bi Wieseck heben sich die weißen Mauern der lntetmühle aus dem Wiesengrün, weiter bach- ufroärts liegt, fernab von betriebsamen Wegen und Straßen die Strupp- oder Mittelsmühle. Noch weiter bachaufwärts liegt das Dorf Trohe lieblich i ngebettet in das Tal.
Vom Fuß des Hangelsteins herüber leuchtet das i"lle rote Dach der „Jttmannsburg". Von Wieseck ttsr grüßt der ehrwürdige Kirchturm, der sich har- ronisch aus dem Gewirr der Dächer erhebt.
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Am vergangenen Samstagnachmittag lag, wie sets in den letzten Wochen, Heller Sonnenschein Hier Berg und Tal. lieber den Getreidefeldern fl mmerte die Lust. Der Himmel wölbte sich in boüuem Glast über der Landschaft. Da und dort soewammen leuchtend weiße Wölkchen im weiten
Raum. Kühe weideten auf den fetten Wiesen und die Wiesecker Jugend badete mit viel Geräusch und Geplätscher im Bach. Die Wieseck, die sich in den letzten Tagen innerhalb der Stadt Gießen sehr wenig eindrucksvoll darbot und kaum Wasser führte, war in ihrem Oberlauf dreimal aufgehalten. Unmittelbar am Dorfe Wieseck hatte man den Bach gestaut, bei der Struppmühle waren die Schütze herabgelassen und kurz vor Trohe ebenfalls. Der Jugend wollte man die Badegelegenheit für diese heißen Tage verschaffen den Wiesen sollte auch etwas Feuchtigkeit zugute kommen und die Stauung hinter der Struppmühle geschieht dann, wenn der Müller seinen Wassergraben einmal reinigen will.
Zwei stattliche Schütze hemmten dort den Lauf des Wassers und nur das, was für den Betrieb der Mühle an Wasser nötig war, floß zwischen schmalen Ufern gemächlich dahin. Unmittelbar hinter den Schützen aber war das Wasser auf zwei Meter über den normalen Stand in den hohen Ufern gestiegen.
Am Samstagnachmittag, so gegen drei Uhr, die Sonne brannte heiß vom fast wolkenlosen Himmel, kamen die Fischer auf Fahrrädern, ihre Stangen und Netze über dem Rücken, über die Wiesen angefahren. Sie warteten schon lange auf diesen Tag. Einige Jungens waren auch dabei, die sich das an
sich so sehr seltene Ereignis des Fischzuges in der Wieseck nicht entgehen lassen wollten. Meist nur alle zwei Jahre, höchstens aber nur einmal im Jahre läßt sich in der Wieseck fischen. Die Inhaber der Gerechtsame sind sehr darauf bedacht, den Fischbestand, so wie er gegenwärtig ist, zu erhalten. Und das ist eben nur möglich, wenn in großen Abständen gefischt wird.
Als die Fischer kamen, wurden, da die Wiesen genug Wasser hatten, mit einer mächtigen Kurbel gerade die Schütze aufgezogen. In wildem Schwall stürzten dann die Wasser der Wieseck, die wir sonst als so harmlos kennen, etwa drei Meter in die Tiefe.
Dem Auge bot sich ein romantisches Bild. Das Wasser sprühte und glänzte im Lichte der Sonne, ihre Strahlen schossen wie Pfeile durch das Grün der Bäume und Büsche und ließen das Wasser aufblitzen, die Jungens hatten sich auf den Schützesteg gesetzt und beobachteten das wilde Spiel des Wassers, das in tollen Wirbeln in die Tiefe und über schwere Steinblöcke schoß. Fein zerstäubte Feuchtigkeit erfüllte die Luft und schuf eine kühle Atmosphäre. Wasserjungfern, Libellen, glänzend dunkelblau und seidig schimmernd, andere von metallischem feinem Grün huschten über dem Wasser hin und her. Schmetterlinge, wie trun
ken von Sonnenwärme und Blumenduft, gaukelten über den breiten weißen Blütentellern des Schierlings.
Und während das Wasser über Mauer und Steine sprang, banden die Fischer bereits ihre an langen Stangen befindlichen Netze zusammen und zwar'so, daß die Oeffnung der Netze einen großen Halbkreis bildete. Dann zogen sie sich um. In Rucksack und Taschen hatten sie sich alte Kleidungsstücke mitgebracht, vor allem aber auch alte Stiesel. Einer der
Fischer hatte gar ein Paar Schaftstiefel bei sich, die den Weltkrieg und nachher noch manchen Fischzug überstanden hatten. Zwar waren sie knochenhart, aber der Mann wußte sich zu helfen: Er hing sie für einige Minuten in das Wasser und konnte dann mühelos in das Leder schlüpfen. Im Grunde wurden die Stiefel nur mitgenommen und angezogen, um die Füße vor Verletzungen zu schützen, die ja beim Waten im Wasser nicht ausgeschlossen sind und auch kaum ausbleiben würden. Wasserdicht brauchten die Stiefel ja gar nicht zu sein!
Nachdem nun der Wasserstand fiel, hatten sich die Fische, das wußten die Fischer aus Erfahrung, bereits in die tieferen Kuhlen und außerdem bachaufwärts zurückgezogen. Schließlich schulterten die Männer ihre großen, an langen Stangen befestigten Netze und stiegen an einer leicht zugänglichen Stelle die tiefen Ufer hinab in den Bach.
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Der Fischzug, so wie ihn die Wiesecker Fischer pflegen, ist keine leichte Arbeit. Aber sie tun diese Arbeit in einer ganz bestimmten Art. Immer führt der Fischzug bachaufwärts. Immer müssen etliche Mann zusammen helfen. Steil wird zunächst das Netz in den Bachgrund gestellt, so daß die Netzöffnung dem Lauf des Wassers entgegengestellt ist. Das Netz bleibt in dieser Haltung, wird nicht bewegt. Etwa zwanzig Meter weiter oben steigen Zwei Mann in das Wasser, die mit langen Stangen ausgerüstet sind. Sie beide treiben nun, indem sie die Stangen immer wieder in das Wasser stoßen, damit im Wasser hin und her fahren, die Fische den Netzen entgegen. Wenn dann die beiden Helfer beim Fischer angelangt sind, bann hebt dieser fein Netz empor und es wäre ein großer Zufall, wenn sich nicht mindestens ein Fisch gefangen hätte. Mit raschem Griff werden die Fische getötet.
Jungens, die mit umgehängten Taschen am Ufer mitlaufen und mit großer Aufmerksamkeit dem Fischzug folgen, übernehmen die Beute. Frisches Gras wird abgerupft und auf die Fische gestreut. Das hält frisch! Und je mehr bachaufwärts die Fischer streben, je mehr sich der Wasserspiegel senkt, je sicherer wird die Beute gefangen. Kurz oor dem Abschluß des Fischzuges kann mancher Fisch, wenn er in einer der Kuhlen zurückgeblieben ist, mit der Hand gegriffen werden.
Die Arbeit des Fischens auf diese Weise ist schwer. Der Grund des Baches ist weich und zum Teil sehr schlammig. Manchmal gleitet einer der Beteiligten aus und fällt in die weiche Umgebung. Mühsam drängen die Fischer mit ihren schweren Netzen bachaufwärts, immer wieder steigen die Hilfer in und aus dem Wasser, um weiter oben wieder einzusteigen. Aber der Jagdeifer ist groß und so werden die Strapazen kaum gefühlt. Auch die Jungens bekommen dabei heiße Köpfe.
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Den großen Abschluß des Fischzuges bildet die Verteilung der Beute, die zu genau gleichen Teilen erfolgt. (Schon um der Gerechtigkeit für schwere Arbeit willen.) Der gefangene Segen wird auf der Wiese ausgebreitet, die Gewichte und Qualitäten rasch geschätzt und dann verteilt. Diese ab- schließende Handlung vollzieht sich immer sehr friedlich.
Das Ergebnis des Fischzuges in der Wieseck ist nicht sehr erheblich. 40 Pfund Fische als Ergebnis sind der normale Fang. Mänen und Rotaugen werden gefangen, hin und wieder ein schwerer Karpfen, der während eines Hochwassers aus seinem Teiche ausbrach, manchmal befindet sich ein Hecht oder ein Aal unter der Beute und Krebse fehlen auch nicht. Junge Fische bleiben immer unberührt und werden, wenn sie sich im Netzs
Vorbereitung zum Fischfang. Die Netze werden zusammengebunden.
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Mit langen Stangen scheuchen bte Treiber Die Fische tn oas vceg.
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Das ausgespannte Netz wird auf den Bachgrund gesenkt.
Kleine Beute: Der erste Fisch wird aus dem Netz geholt.


