Trauung der Luiseubräute in der GarmsmkirKe in Potsdam.
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Alljährlich werden in der Potsdamer Garnisonkirche am 19. Juli, in der Sterbestunde der Königin Luise, die Luisenbrautpaare getraut. Dieser alte schöne Brauch wird getragen von der „Stiftung Luisen-Denkmal", die den Brautpaaren eine Ausstattungsbeihilfe überreicht. Der Trauung kam diesmal, am 12 5. Todestage der Königin Luise, eine besondere Bedeutung zu. Zehn Paare, darunter ein Luisen-Silberpaar, standen vor dem mit Blumen geschmückten Altar, an dem auch der mit Kornblumen geschmückte Kirchensessel der Königin Luise stand. (Scherl-M.)
Gegen Aberglauben und Okkultismus.
Hellseh-Experimente an der Universität Bonn.—Aufklärungsarbeit der 7lSV.
Die „Kölnische Zeitung" berichtete dieser Tage über Hellseh-Experimente, die Dr. Bender von der Universität Bonn mit einer Studentin seines Institutes vorgenommen hat, und bei denen bemerkenswerte positive Ergebnisse erzielt worden seien. Die Abteilung Schadenverhütung Der NSV. des Gaues Kurmark, die auch auf den Gebieten des Okkultismus und der Hellseherei Aufklärungsarbeit leistet, hat diesen Fall aufgegriffen und in Zusammenarbeit mit der Landesstelle Brandenburg-Grenzmark des Reichsministeriums für Volksaufklärung und Propaganda zahlreiche Vertreter der Berliner Presse zusammen- aerufen, dg sie auf dem Standpunkt steht, daß es sich bei den vorgenannten Experimenten in Bonn um wissenschaftlich zumindest umstrittene Voraänge handelt. Der bekannte Experimentator Alfred Kistenmacher gab die Stellungnahme bedeutender Wissenschaftler, wie Professor Max D e s - soir, Universitätsprofessor Dr. Kollmann (Leipzig), Landgerichtsdirektor Dr. Hellwig (Potsdam) u. a., bekannt und betonte, daß die reale Wissenschaft den Okkultismus als bisher nicht erwiesen ablehnen müsse. Wenn immer wieder Verlautbarungen über wissenschaftlich fest- gestellte Hellseherei erscheinen, so handele es sich ausnahmslos um Aufbauschung von Einzelgängern. Die Abteilung Schadenoerhütung der NSV. bemühe sich seit langem, hier aufklärend zu wirken, um die Oeffentlichkeit davon zu überzeugen, daß es mit dem Wirken geheimnisvoller Kräfte bisher immer feine besondere Bewandtnis gehabt habe. Wahrsager, sogenannte Telepathen und Jahr- marktastrologen haben hier zum Schaden ihrer Mitmenschen sich die Tasche gefüllt. Es mag zugegeben werden, daß in einigen Fällen auch Gelehrte unbewußt das Opfer von Täuschungen geworden sind.
Eine interessante Ergänzung der Ausführungen von Kistenmacher waren eine Reihe von Experimenten, die er selbst veranstaltete. Bei dem Unbefangenen mußte trotz gespanntester Aufmerk
samkeit der Eindruck entstehen, daß man es hier mit einem Phänomen zu tun habe. Der Experimentator wies jedoch anschließend nach, daß es sich bei den hochinteressanten Experimenten um reine Täuschungsmanöver, um Taschenspielerkunststückchen gehandelt hat. Seine Erläuterungen bewiesen eindeutig, wie notwendig es ist, in der Oeffentlichkeit immer wieder darauf hinzuweisen, daß es Hellseherei und ähnliche Dinge wissenschaftlich nachweisbar nicht gibt.
In der Auseinandersetzung über Hellseherei meldet sich jetzt auch Dr. Hans Bender (Bonn) zum Wort. Es stellt sich heraus, daß auch der wissenschaftliche Erforscher übersinnlicher Erscheinungen, Dr. Bender, durchaus in der Front „gegen Aberglauben und Okkultismus^ steht. Er gibt folgende Erklärung ab:
„Meine Laboratoriumsversuche sind lediglich für die Fachwissenschaft bestimmt und benötigen, wie ich ausdrücklich in meiner Arbeit gesagt habe, zahlreiche Bestätigungen und immer erneute Nachprüfungen. Sie sind ohne mein Zutun in die Presse gekommen. Was die Oeffentlichkeit von einem.Hellseher erwartet, ist etwas ganz anderes, als daß eine Versuchsperson nach der Auffassung des Experimentators in einer Anzahl von Fällen einen Buchstaben annähernd richtig bestimmt, während der Buchstabe der Sinneswahrnehmung unzugänglich war. Insbesondere würde auch von einem einwandfreien Nachweis einer solchen Fähigkeit, die, wenn sie überhaupt existiert, jedenfalls äußerst selten ist, nicht die volle Berechtigung schärfster Maßnahmen gegen den volksschädlichen Unfug gewisser Wahrsagereien in Frage gestellt. Wenn 'ich mich als Wissenschaftler den Problemen der Parapsychologie im Laboratorium zuwende, so tue ich es in der Absicht, neben den rein wissenschaftlichen Forschungsergebnissen noch stärker aufklärend und warnend vor Mißbrauch und Unfug zu wirken. Ich erkläre mich mit den Bestrebungen der NS.-Volkswohlfahrt, Abteilung Schadenverhü- tung, durchaus einverstanden und möchte be
tonen, daß meine Arbeit nicht dazu verwendet werden darf, in der Oeffentlichkeit als Nachweis des Hellsehens im Siyne einer volkstümlichen Auffassung betrachtet zu werden.
Sparmaßnahmen in Danzig.
Pensionäre sollen ins Reich übersiedeln.
Danzig, 19. Juli. (DNB.) Die schwierige finanzielle Lage der Freien Stadt Danzig macht es erforderlich, Ausgaben soweit wie möglich einzusparen. Schwierigkeiten bereiten die Pensions- und Rentenzahlungen der Alt- und Neupensionäre, die in ihrer Gesamtheit etwa 16 Millionen Gulden ausmachen, so daß der Staat auch auf diesem Gebiete danach trachten muß, seine Ausgaben erheblich einzuschränken. Allen Pensionären deutscher Staatsangehörigkeit wird die Genehmigung, ihre Pensionen in Danzig zu verbrauchen, vom Reich schon in nächster Zeit entzogen, so daß sich daraus eine zwangsläufige Rückwanderung ins Reich ergibt. Pensionäre Danziger Staatsangehörigkeit, bei denen das deutsch-danziger Beamtenabkommen zur Anwendung kommt, werden Aufforderungen erhalten, aus staatsfinanziellen Gründen ebenfalls nach Deutschland überzusiedeln. Ein Zwang zur Uebersiedlung von Danzigern ins Reich besteht jedoch nicht. Danzigs Pensionäre und Rentenempfänger, die von der freiwilligen Uebersiedlung ins Reich bis zum 30.9. 1935 Gebrauch machen, erhalten Umzugsbeihilfen und notwendigenfalls auch Mietsbei- Hilfen, die bei Kündigungsfrist ihrer Danziger Wohnung notwendig werden sollten. Nicht betroffen werden von der Uebersiedlung Altpensionäre und Kriegshinterbliebene über 80 Jahre und Rentenempfänger und Kriegsbeschädigte, deren monatliche Bezüge nicht mehr als 50 Gulden betragen
Büchertisch.
— Eberhard Wolfgang Möller: Berufung der Zeit. 76 Seiten. Theaterverlag Albert Langen/Georg Müller, Berlin. Geb. 1,80 Mark, Leinen 2,80 Mark. — (182) *— Eberhard Wolfgang Möller gehört, durch den Stefan-Gorge- Preis sichtbar hervorgehoben, zu den großen dichterischen Hoffnungen des Reiches. Seine Name tauchte übrigens schon vor Jahren auf, als sein Krieasdrama „Douaumont" in Berlin die Gemüter bewegte. Inzwischen hat Möller durch eine größere Zahl festlich chorischer Dichtungen und tief empfundener lyrischer Schöpfungen Den Beweis einer bleibenden künstlerischen Kraft erbracht. Die besten und schönsten seiner lyrischen Dichtungen sind vereinigt in dem Band „Berufung der Zeit", dem der Ruf des höchsten öffentlichen Buchpreises vorausgeht; er bringt ergreifende Dichtungen von echt deutscher Empsindungsart. Von den zarten Klängen der „Zwiesprache an der Wiege eines Kindes" über die erschütternden Mahnworte der Totenverkündung und der „Briefe der Gefallenen" führt uns diese Sammlung zu den hymnischen Strophen einer „Bauernkantate" und der „Kantate auf einen großen Mann". In Möllers „Berufung der Zeit" verbindet sich in einer bisher kaum gehörten Weise der starke Wille einer im Erleben hart gewordenen Jugend mit dem.zarten Gefühl eines Dichters, der um die geheimnisvollen Gründe unserer Sehnsucht und Liebe weiß.
— Professor Dr. K. A. Eck ar dt: Das Studium der Wirtschaftswissenschaf t". (Heft 15 der Sammlung „Der deutsche Staat der Gegenwart", herausgegeben von Staatsrat Professor Dr. Carl Schmitt.) Kart. 1,20 Mark, Hanseatische Verlagsanstalt, Hamburg. — (242) —- Professor Eckardt, Referent im Reichswissenschaftsministerium entwickelt den Studienplan und im Anschluß daran die drei Semesterpläne für Diplom- Volkswirte, Diplom-Kaufleute und Diplom-Handelslehrer. Die grundlegenden Referate, die Professor Dr. v. Gottl-Ottilienfeld und Professor Dr. Wis- kemann auf der Tagung der Unterfachgruppe Wirtschaftswissenschaftliche Hochschullehrer gehalten haben, stellen die eingehende Begründung des neuen Studienplanes dar. Die Wirtschaftswissenschaft wird ihrem innersten Wesen nach wieder als eine politische Wissenschaft erkannt. An die Stelle des
Wirrwars der Theorien und Begriffe tritt eine Wirtschaftslehre, die auf reinen Tatsachen-Forfchun- gen beruht. Als Ziel hat sie sich die Heranbildung von Wirtschaftsführern gesetzt, die die Wirtschaft bis in die betriebliche Einzelzelle hinein kennen, dabei aber wissen, daß auj die Dauer eine gesunde Einzelwirtschaft nur in einem gesunden und starken Volk möglich ist.
— „Das I n n t a l". Ein Sonderheft des „Sera- fteigers". 1,80 Mark. Verlag F. Bruckmann AG. München. — (230) — Ein neuer Gedanke liegt dem letzten Sonderheft des „Bergsteigers" zu Grunde. Nicht eine Gebirgsgruppe oder ein Land, sondern der Lauf eines Flusses wurde zum Thema einer umfangreichen Sonderfolge genommen. Auf rund 200 Seiten und mit 102 Bildern (darunter fünf farbige) hat die Schriftleitung der Alpenvereinszeitschrift all das festgehalten, was den Bergsteiger, den Naturfreund, den Alpenwanderer bewegt, wenn er das Jnntal besucht. Artikel und Bilder geben eine Gesamtdarstellung des Tales in landschaftlicher, kultureller und naturwissenschaftlicher Hinsicht vom Malojapaß bis zum Austritt des Inns aus den Alpen.
— Neue Ullstein-Bücher. Preis je Band 1,— Mark. — (178—181) — In einer neuen Roman-Serie des Ullstein-Verlages, deren Bücher sich in einem handlichen Format, haltbar kartoniert präsentieren und als Ferien- und Reiselektüre vorzugsweise geeignet erscheinen, liegen vor: R o - bert Arden, Episode in Texas. Ein Wild-West-Roman, der in starkem Maße fesselt, weil er sich nicht in Uebertreibungen und Sensationen ergeht, sondern die Züge der Wirklichkeit trägt; ferner Hans Medin, Der grüne Kaiser. Ein im besten Sinne guter und sehr spannender Kriminalroman: Klar und sauber im Sprachlichen, farbig und abwechselungsreich in der Schilderung. — Drittens: Karl Unselt, Der Art aus Leidenschaft. Das ungewöhnliche Leben eines Arztes und Forschers als helfender und doch selbst in schweren seelischen Kämpfen leidender Mensch. — Und schließlich: Fred Andreas, Liebe kann lügen. Ein sehr schöner kleiner Roman, der, zart und leidenschaftlich zugleich, das erste Liebeserlebnis eines jungen Mädchens schildert.
Das Flüssige.
Einst fragte der von Rheumatismus geplagte Dichter Gottfried Keller seinen Arzt: „Sagen Sie, Doktor, kommt das vielleicht vom Essen?" Der Arzt, der die Vorliebe des Dichters für einen guten Tropfen kannte, antwortete ebenso schonend wie anzüglich: „Nein, vom Flüssigen." — „Da siehst du es wieder einmal", bemerkte Keller vorwurfsvoll zu seiner Schwester, die seinen Haushalt führte, „das kommt von deinen ewigen Suppen."
Ein Pionier der Kurzschrift.
Ferdinand Schrey beging soeben seinen 85. Geburtstag. Er erfand im Jahre 1887 ein eigenes Kurzfchriftsystem, das später mit dem der Stolze» Schule zum Stenographiesystem Stolze- Schrey verschmolzen wurde. Ferdinand Schrey war auch an der Einführung der Sch reib- maschine in Deutschland beteiligt, von ihm stammt die Berufsbezeichnung „S t e n o t y p i st". (Scherl-M.)
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