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Aus der provinztalhaupistadi.

Wenn die Kinder groß werden...

Es ist das Recht der Jugend, sich Rat und Hilfe von den Erwachsenen zu holen. Die Eltern arbei­ten darauf hin, daß die Kinder zu ihnen kommen und sie vertrauensvoll fragen, wenn sie nicht weiter wissen. Dieses schöne Eltern - Kinder - Verhältnis dauert so lange, bis die Kinder heranwachsen und anfangen, selbständig zu werden. Dann gefällt es ihnen nicht mehr, immer die Nehmenden zu sein, im Gegenteil, sie fühlen jetzt den Willen und die Kraft in sich, den Eltern zu geben, ihnen zu helfen.

Auf diesen Zeitpunkt müssen die Erwachsenen achten. Wenn die Kinder anfanoen zu fragen: Warum habt ihr so ernste Gesichter? Macht chr euch Sorgen?" dann sollen die Erwachsenen nicht schonend sagen:Das versteht ihr noch nicht. Dazu seid ihr noch zu jung." Diese Einstellung ist falsch Denn gerade durch diese Frage beweisen die Kin­der, daß sie reif genug geworden sind, um an den Sorgen iyrer Eltern teilzunehmen.

Natürlich dürfen die Erwachsenen nun nicht jede Rücksicht auf das jugendliche Alter der Kinder fallen lassen. Mit einem Schlage können die Kinder die Kümmernisse der Eltern nicht tragen. Aber ihnen nach und nach einen Einblick in die wirt­schaftlichen Verhältnisse der Eltern zu gewähren, sie zur Mitarbeit heranzuziehen und die Kinder an den gemeinsamen Beratungen reifen zu lassen das schafft ein ganz neues Vertrauen zwischen den Generationen, das hebt den Mut der Kinder und macht sie gleichzeitig erfahrener und weitblickender. Sie sehen ein neues Wirkungsfeld vor sich, wo sie ihre jungen Kräfte erproben können. Und dann er­scheinen ihnen die Erwachsenen jetzt in ganz neuem Lichte: nicht mehr als überragende Persönlichkeiten, die selber keine Hilfe brauchen, sondern als rin­gende Menschen, und auf einmal bekommen die Kinder eine yohe Meinung von ihren Eltern, eine Achtung, die wertvoller und dauernder ist als die instinktive kindliche Zuneigung.

Erste Anschaffungen für den werdenden Soldaten

Major Foertsch vom Reichskriegsministerium teilt in seinerWehrpflicht-Fibel" (Verlag Offene Worte, Berlin W 35) mit:

Der Soldat findet sich am Gestellungstage in Zi­vil in der Kaserne ein. Als erstes erfolgt seine Ein­kleidung. Alles, was er an Wäsche und Bekleidung benötigt, wird ihm geliefert. Während der Dienst­zeit ist Ziviltragen verboten. Da das Spind mit seinem beschränkten Raum für den Zivilanzug keinen Platz bietet, erfolgt in der Regel nach der Einkleidung die Absendung an Eltern oder Ver­wandte. Ein passender Karton ist zweckmäßig mit­zubringen.

Folgende Bedarfsgegenstände soll sich der Soldat au1 eigene Kosten beschaffen:

Zur Reinigung der Bekleidung: Kleiderbürste, Waschbürste, Klopfpeitsche.

Für Reinigung von Stiefeln und Lederzeug: Schmutzbürste, Auftragbürste, Schuhbürste, Leder­fett, Schuhcreme, Putzlappen.

Für die körperliche Reinigung: Gesichtsseife, Waschseife, Handwaschbürste, ein Wasserglas, eine Zahnbürste, Zahncreme, Kamm und Bürste. Rasier­zeug, Nähzeug mit Schere, Nähnadeln und grauen, schwarzen und weihen Zwirn, eine blaue Schürze, eine Kaffeetasse, ein Eßbesteck, Teller oder Auf­schnittbrett, ein Vorhängeschloß (Sicherheitsschloß für Spind). Zur Unterbringung von Putzzeug sind entsprechende Kasten (notfalls Zigarrenkisten) not­wendig.

Wer die vorstehend ausgeführten Gegenstände in gutem Zustande bereits ganz oder teilweise in seinem Besitz hat, bringt sie zweckmäßig mit, da so unnötige Ausgaben gespart werden können. Die Anschaffung aller Gegenstände im Garnisonort kostet etwa 9 bis 9,50 Mark.

Vornotizen.

Tageskalender für Donnerstag: NS.-G.Kraft durch Freude": 20 bis 21.30 Uhr Experimental-Vortrag von Prof. G e r t h f e n:Die Erforschung des Durchganges der Elektrizität durch Gase" im Physikalischen Institut, Stephanstraße 24. NS.-G.Kraft durch Freude": 20 bis 21 Uhr für

Oer Führer ehrt Professor Kuhn, Gießen.

Don der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt:

Der wegen Erkrankung aus dem Amte scheidende Ordinarius für Hygiene in Gießen, Professor Dr. Philaletbes Kuhn, erhielt zusammen mit der vom Füyrer unterzeichneten Entlassungsurkunde den folgenden persönlichen Brief des Führers:

Der Führer und Reichskanzler.

München, den 6. Juni 1935.

Sehr geehrter Herr Professor!

Ihrem Anträge, Sie aus Gesundheitsrücksichten von den amtlichen Verpflichtungen vorzeitig zu ent­binden, habe ich durch beiliegende Urkunde ent­sprochen.

Ich benutze diesen Anlaß, Ihnen für Ihre erfolg­reiche akademische Wirksamkeit, die leider viel zu früh das Ende erreicht, meine Anerkennung aus­zusprechen. Ich verbinde damit meinen besonderen Dank für die Verdienste, die Sie sich in Ihrem Wirken um das Lebendigwerden des National­sozialismus insbesondere an Ihrer Lehrstätte und damit auch für unser Völk erworben haben.

Mit deutschem Gruß! Adolf Hitler."

Professor Dr. Kuhn war seit 1926 Inhaber des Lehrstuhls für Hygiene an der Universität Gießen. In Anerkennung seiner Verdienste um

Hochschule, Volk und Vaterland wurde ihm Anfang April d. I. durch den Rektor und den Dekan der Juristischen Fakultät unserer Universität das Diplom des Ehrendoktors der Juristischen Fakultät überreicht. In dem Bericht über diese Ehrung (Gießener Anzeiger" Nr. 78 vom 2. April 1935) anläßlich seines Uebertritts in den Ruhestand schrieb die Pressestelle der Universität Gießen u. a.: Kuhn ist einer der wenigen Hochschullehrer, die schon seit vielen Jahren zu den Anhängern unseres Führers gehören. Mit unermüdlicher Tatkraft und zähem Willen hat er sich stets für die geistige Er­neuerung von Volk und Hochschule eingesetzt, dem Dienst für die Allgemeinheit hat er seine Gesundheit geopfert. Seiner jugendfrischen Kampfnatur fällt es auch jetzt noch schwer, sich der wohlverdienten Ruhe hinzugeben, aber er kann stolz sein auf das, was er geleistet hat. Kameraden und Freunde werden ihm auch weiterhin dankbare Treue halten."

Professor Dr. Kuhn steht, wie wir heute er­gänzend mitteilen können, schon seit 1923 in der nationalsozialistischen Bewegung. Er war damals, während er die Professur für Hygiene an der Technischen Hochschule in Dresden innehatte und Kurator des Hygiene-Museums sowie Direktor der Landesstelle für öffentliche Gesundheitspflege in Dresden war, gemeinsam mit dem jetzigen Gauleiter und Reichsstatthalter in Sachsen, M u t s ch m a n n , in der Führung der nationalsozialistischen Bewe­gung in Sachsen tätig. In Würdigung und dank­barer Anerkennung jener Arbeit in der Gefolgschaft Adolf Hitlers wurde Professor Kuhn von dem Gauleiter M u t s ch m a n n das Ehrenzeichen von 1923 verliehen.

jüngere, 21 bis 22 Uhr für ältere Frauen fröhliche Gymnastik und Spiele im Lyzeum, Dammstraße. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der bunte Schleier". Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heil­kunde: 3 Uhr c. t. Gang durch das Versuchsfeld des Landwirtschaftlichen Instituts unter Leitung von Prof. S e s s o u s.

DerHilfsbundder Deutsch-Oester- reicher, Ortsgruppe Gießen, lädt in un­serem heutigen Anzeigenteil zu einer Kundgebung am kommenden Samstag ein. Näheres in der An­zeige.

Aufnahme von Arbeit in der Landwirtschaff.

Zur Aufklärung!

Dom Arbeitsamt Gießen wird uns ge­schrieben:

Die Bereitstellung jüngerer Arbeitskräfte für die heimische Landwirtschaft macht zur Zeit Schwierig­keiten. Zur Ueberwindung dieser Krise ist die ander­weitige Arbeitsaufnahme solcher Kräfte, die vor dem 1. April 1935, sowie am 18. Mai 1934 und zu­vor eine gewisse Zeitspanne in der Landwirtschaft arbeiteten, vorläufig eingeschränkt. Dies gilt sowohl für männliche, wie für weibliche Arbeitskräfte. Die Bestimmung sagt aber keineswegs, daß nun alle jungen Leute, die jetzt Landarbeit verrichten, sie zeit ihres Lebens ausüben müßten. Es kann der Jugend nur empfohlen werden, sich auch einmal zur Arbeit beim Bauern zu melden. Irgendwelche Verpflich­tung aus dieser Zurverfügungstellung entsteht nach de« geltenden Bestimmungen nicht.

Entae'tbuch für Heimarbeit

Das Arbeitsamt Gießen teilt mit, daß sämtliche im Arbeitsamtsbezirk Gießen befindlichen Arbeit­geber, die Heimarbeiter beschäftigen, die Entgelt- bücher umgehend dem Arbeitsamt vorzulegen haben. Der letzte Termin zur Eintragung des Sichtver­merkes ist der 1. Juli 1935.

Vorsicht beim Mähen!

Die Heuzeit ist herangekommen. Alljährlich wird, sobald das Mähen beginnt, berichtet, daß da und dort Gelege von Fasanen und Rebhühnern aus­gemäht worden find, ober daß ein Rehkitz der Mäh­maschine zum Opfer gefallen ist. Solange mit der Hand gemäht wurde, kam das seltener vor. Jetzt aber, wo fast überall die Maschine in Tätigkeit tritt.

sind derartige Fälle nicht selten, sie gelangen aber viel weniger zur Kenntnis der Öffentlichkeit, als sie sich ereignen. Vielfach wird in Jägerkreisen der Rückgang gewisser Wildarten zu einem nicht unbe­trächtlichen Teil der Mähmaschine zugeschrieben, und unberechtigt ist dieser Vorwurf jedenfalls nicht. Alljährlich fallen ihr unzählige Gelege zum Opfer, und auch Rehkitze werden häufig von Messern er­faßt. Die jungen Tiere drücken sich im Gras fest an den Boden, so daß der Mäher sie meist erst be­merkt, wenn das Unglück bereits geschehen ist. Ein sehr einfaches Mittel, dies zu verhindern, besteht darin, vor Beginn des Mähens die Wiese von einem guten Jagdhund absuchen zu lassen. In jedem Orte wird sich bestimmt ein Jäger finden, der einen zuverlässigen Hund besitzt, und ebenso gern wird er bereit sein, dem Wunsche des betreffenden Land­besitzers zu folgen, handelt es sich doch um fein Wild, das er unter allen Umständen schonen will. Auf diese Weise aufgefundene Gelege lassen sich leicht umgehen, und das stehengebliebene Gras kann später, wenn das Gelege ausgefallen ist, nach- gcmäht werden.

Hände weg vom Kitz!

Sehr häufig kommt es vor, daß man auf Spazier­gängen Jungwild trifft, das anscheinend von der Mutter verlassen ist. Mitleidige Seelen glauben dann, sich des Kitzes annehmen zu müssen. Der Betreffende handelt aber nicht nur falsch, sondern er verstößt auch noch gegen die gesetzlichen Bestim­mungen und macht sich strafbar. In fast allen Fällen ist es so, daß sich das Muttertier von dem Kitz bei der Annäherung des Menschen entfernt hat, weil es keine Möglichkeit sah, das Kitz in Sicherheit zu bringen. Es kehrt sofort zurück, wenn der Spa­ziergänger sich entfernt hat. Hat er aber das Kitz berührt, so kann es. verkommen, da die Ricke, von dem Geruch des Menschen abgestoßen, das Kitz nicht wieder annimmt, und das Kitz geht dann unweigerlich ein. Unter keinen Umständen sollte man deshalb Kitze anfassen.

Kerckhoff-Vorlesung in Aad-Nauheim.

Der stellvertretende Vorsitzende des Kuratoriums der William G. Kerckhoff-Stiftung (Kerckhoff-Jn- ftitut) zu Bad-Nauheim, Professor Dr. Eger von der Universität Gießen, hat zu der ersten öffent­lichen Kerckhoff-Vorlesung im Kerckhoff-Institut in Bad-Nauheim am Mittwoch, .26. Juni, eingeladen. Die Festfolge sieht vor: Begrüßungsansprache von

Professor Eger, Berichte über die Arbeiten der Stipendiaten, Festvortrag von Professor R e g e n e r, Stuttgart, überNeuere Ergebnisse der Ultrastrah­lungs-Forschung", Filmvorführung von Privatdozent Dr. Schopp er, Gießen, Schlußwort von Pro­fessor Eger.

Oer Film »Oie Sünden der Väter-' in Gießen.

Von der Abteilung Erbgesundheits- und Rassen­pflege bei -der Hessischen Aerztekammer (Leiter Dr. med. Kranz in Gießen, Beauftragter für Rassen- und Bevölkerungspolitik bei der Gauleitung Hessen-Nassau) wird uns mitgeteilt, daß am näch­sten Mittwoch, 26. Juni, um 20.30 Uhr im Hörsaal des Pathologischen Instituts vor Vertretern von Partei und Staat eine Vorführung des von der Reichsleitung des Rassenpolitischen Amtes hergestell­ten FilmsDie Sünden der Väter" stattfindet. Der Film behandelt in besonders eindrucksvoller Weiss den rassen- und bevölkerungspolitischen Stand von der qualitativen Seite aus.

Die öeutfdie flrbcitdfront n.9.=6cmeinf(haftKraft durch freute"

Tanzgastspiel Hannah Spohr und Tanzgruppe Lalle Müller, Sonnlag, 23. Juni, abends 8 Uhr, nicht 7 Uhr. Der Beginn des Tanzfestspieles ist von 7 auf 8 Uhr verlegt worden. Alle Freunde dieser be­schwingten, überall Freude bringenden Kunst soll­ten sich diesen Tanzabend ansehen. Hannah Spohr, längst in Gießen keine Unbekannte mehr, und die Tanzgruppe Lotte Müller, Frankfurt a. M., bil­deten den Kern der Tanzfestspiele, die im Januar d. I. von der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude" vor fast 4000 Zuschauern im Hippodrom zu Frank­furt aufgeführt wurden. Preise der Plätze: 60 Pf. bis 1,50 Mark. Karten im Vorverkauf: Geschäfts­stelle der NS.-GemeinschaftKraft durch Freude", Schanzenstraße, bei sämtlichen KdF.-Warten, bet Ernst Challier und im Schokoladenhaus Hunte­mann, Seltersweg.

Dissenschaft im Dienste des Volkes.

Am heutigen Donnerstag, 20. Juni, findet im Physikalischen Institut, Stephanstraße 24, ein Ex­perimental-Vortrag des Herrn Professors Gerth - s e n statt überDie Erforschung des Durchgangs der Elektrizität durch Gase", eines der interessante­sten wissenschaftlichen Themen, die auch dem Laien zweifellos viel Freude bringen werden. Die Erfor­schung des Durchganges der Elektrizität durch Gase, die bis auf den heutigen Tag noch nicht zum Ab­schluß gekommen ist, vermittelte zunächst eine Fülle von wundervollen Aufschlüssen über das Wesen des Stoffes und die Natur der Strahlung. Daß sie auch die Grundlagen einer gewaltigen Industrie geschaf­fen hat, daß die ärztliche Wissenschaft ihr gewaltige Hilfsmittel entlehnen konnte, ist die Auswirkung des Forschers und kennzeichnet seinen Dienst am Volke.

Rheinfahrl auf den 14. Juli verschoben.

Wegen des in Koblenz stattfindenden Gaupartei­tages des Gaues Koblenz hat uns die Reichsbahn in letzter Stunde den beabsichtigten Zug nach dem Rhein nicht genehmigt. Unsere Rheinfahrt wird des­halb verschoben auf Sonntag, 14. Juli.

Urlauberzug vom 19. Juli bis 2. August nach ZchlesieN'Glatzer Bergland. Fahrtkosien 57 Mark.

Diese zweiwöchige Urlaubsfahrt führt in Deutsch­lands Südosten, in das Schlesierland. Das Ur­laubsgebiet im Glatzer Bergland bietet in seiner Ar» neue Reize, die so vielen Bewohnern des west­lichen Deutschlands verschlossen blieben, denen jetzt

CREME: 15 Pf.-RM 1.00 / 01: 35 Pf.-RM 1.20

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NIVEA

Der bunte Gchle'er "

Lichtspielhaus.

In einer angesehenen deutschen Zeitschrift hat vor einiger Zeit allen Ernstes eine Aussprache dar­über stattgefunden, ob die Garbo wirklich eine große Schauspielerin sei oder ob ihre stürmischen Erfolge in aller Welt nicht etwa nur eine Ange­legenheit internationaler, unberechenbarer Mode- laune, geschickter Reklame und rätselhafter Massen­suggestion seien. Wir glauben zwar, daß eine tüch­tige und unermüdliche Reklame an dem gewiß er­staunlichen und in unserer Zeit auch wohl einzig­artigen Aufstieg der Garbo zu einem guten Teil mitgeholfen hat; aber wir sind ebenso davon über­zeugt, daß die Garbo, die einmal ein völlig unbe­kanntes junges Mädchen namens Greta Gustavsfon war, auch ohne den für sie eingesetzten und für sie arbeitenden Werbeapparat die große und in ihren besten Leistungen nahezu unvergleichliche Darstelle­rin geworden wäre, die sie ist.

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Auch in ihrer jüngsten Rolle, in dem FilmDer bunte Schleier", der eben durch Deutschland läuft, erweist sie sich als eine Schauspielerin von ungewöhn­lichem Rang und ausgeprägter Eigenart. Man wird freilich sogleich hinzufügen dürfen, daß diese Rolle keine ihrer stärksten Leistungen ist, vielmehr in der Wirkung und Ausstrahlung von manchen ihrer früheren Rollen weit übertroffen wird; man muß zum Vergleich etwa an dieKönigin Chri- firne" denken, anAnna Karenina" und auch noch an denGeheimdienst". Man wird dann aber bald erkennen, daß der fühlbare Unterschied zum Teil schon in der Rolle selbst oder in dem ganzen Film begründet liegt, der hier und dort zu spielen war.

DerBunte Schleier" wurde von der amerika­nischen Gesellschaft Metro Goldwyn Mayer nach dem gleichnamigen Roman von Somerset Maug­ham gedreht, der bei uns durch eine Reihe ziem­lich effektvoller Bühnenstücke, um nicht zu sagen handfester Theaterreißer, bekannt geworden ist. Auch dieser Film ist von solchen Effekten nicht ganz frei; aber es soll dabei nicht bestritten werden, daß es sich an sich um ernsthafte und ernstzunehmende Konflikte handelt; da ist das (gewiß nicht neue) Problem der in ihrer Ehe unbefriedigten Fran, der Gefühlszwiespalt der Frau zwischen zwei män­nern und des Mannes zwischen der geliebten Frau und dem geliebten Beruf. Es soll hier nicht im einzelnen untersucht werden, wie solche Konflikte

sich aus der Handlung ergeben; es ist fein Zweifel, daß es dergleichenin Wirklichkeit" gibt, und nicht einmal selten, und daß es sich lohnt, sich mit einem solchen Fall zu befassen und auseinanderzusetzen. Nur die Art, wie das hier geschieht, erinnert ein wenig an die Geflissentlichkeit und die auf starke Wirkungen bedachte Aufmachung, die die Bühnen­stücke Maughams freilich in viel stärkerem und manchmal unerträglichem Maße belastet.

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Wir haben schon angebeutet, was das für eine Rolle ist, welche die Garbo hier zu spielen hat: eine schwierige, psychologisch nicht eben einfach zu nehmende Gestalt; man muß stellenweise daran denken, wie gut sie vermutlich gewisse, berühmte problematische Frauenfiguren von Ibsen würde spie­len können, und es ist auch kein Zweifel daran, daß sie diese Katharina Koerber hier imBunten Schleier" untadelig spielt, interessant, fesselnd in jeder Szene, bestechend auch hier wie früher sowohl durch die Sparsamkeit ihrer darstellerischen Mittel wie durch die metallische Fülle ihres Organs. Wer sie, ohne je zuvor etwas von ihr gesehen und gehört zu haben, in dieser Rolle zum erstenmal erlebte, würde vielleicht sogar begeistert und hin­gerissen sein. Wir aber, die wir sie keineswegs zum erstenmal sehen und hören, vergleichen natürlich und messen diese Leistung an den früheren; und da muß man zugeben, daß der tiefe, nachklingende Eindruck sich nicht wiederholt, der etwa von den obengenann­ten Rollen ausging. Der große Gefühlsschwung der Christine, die große Leidenschaft der Karenina das war es, was den Beschauer dort erwärmend und innerlich bezwingend umfing; aber dergleichen konnte von einer Rolle wie hier imSchleier" kaum ausgehen, weil hier ein spröder Charakter und eine innere Wandlung gezeigt werden sollten, nicht der Ueberschwang eines glühenden Herzens. Daß übrigens diese Wandlung im Film nur ange­deutet und dennoch vom Beschauer begriffen und innerlich bestätigt wird, ist freilich auch eine schau­spielerische Leistung, die anerkannt und gewürdigt werden sollte, selbst wenn sie sich nicht so blendend und so unmittelbar auf uns überträgt.

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Die Inszenierung leitet Richard Boleslawski: er gibt eine saubere, klare Photographie und ein buntes und bewegtes Bild des fernöstlichen Schau­platzes. Die übrigen Darsteller sind alle bei uns so gut wie unbekannt. Ein entschiedener Gewinn ist der neue Partner der Garbo: Herbert Marsh al, in der Rolle des Dr. Fane, ein sympathisch und männ­lich ohne Starmanieren auftretender Schauspieler.

Zu nennen wären allenfalls noch George B r/ n t als Townsend und Forrester Harvey in einer beweglichen kleinen Charge.

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Der Film dürfte um der Garbo willen auch bei uns seine Anziehungskraft nicht verfehlen. Es gibt ein abwechslungsreiches Vorprogramm dazu.

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Und kochen können wir...

Unser Kochkursus beginnt am Montag ..."

Kochkursus? Da bin ich dabei, das muß Spaß machen. Zweimal wöchentlich wird unter der Leitung einer geprüften Lehrerin in der Lehrküche unten gekocht. Wir find zehn bis zwölf Mädel. Nach Fa­milien geordnet (vier gehören zu einer Familie) sitzen wir um den großen Tisch in unserem einfachen Eßraum, um alles, was wir am Abend kochen und braten wollen, zu besprechen und die Rezepte auf­zuschreiben. Dann erst geht's an die Arbeit. Schürzen werden umgebunden, weiße Kopftücher bändigen das Haar, und an einer langen Schnur, die sich jede um den Hals hängt, hängen zwei Topflappen. Heute gibt's war Feines: Tomatensuppe, Spargel und Ko­telett, als Nachtisch Zitronenkrem. Das erste Paar einer jeden Familie bereitet die Suppe und das Fleisch, das zweite Gemüse und Speise. Das nächste Mal wird gewechselt. Zwischendurch müssen Kar- toffeln geschält und, wenn möglich, Geschirr abge» waschen werden. Das Servieramt hat den Tisch zu decken. Da heißt es stets:Nur flink!", sonst reichen unsere vier Stunden nicht aus, denn die Küche muß um 10 Uhr blitzblank und ordentlich verlassen wer­den. Den Mädels glühen die Köpfe. Und Spaß gibt's immer, wenn ein Mädel statt mit dem Wiegemesser mit dem Messerschärfer angelaufen kommt, um da­mit die Petersilie zu hacken. Oder wenn wir nach dem Abschmecken des Gurkensalates, das doch von einer jeden geübt sein will, mit verwunderten Augen in die Schüssel sehen, die mit einemmal leer ge­worden ist, obwohl doch zwei Riesengurken daran Glauben mußten. Oder wenn jemand den großen Kochtopf, der nur zur Hälfte mit Kartoffeln gefüllt ist, bis an den Rand mit Wasser füllt, um darin die Kartoffeln zu kochen. Ein Ende haben unsere kleinen Schandtaten" hiermit noch lange nicht.

Um halb neun Uhr muß das Essen fertig sein. Das Servieramt hat inzwischen den Tisch gedeckt und hübsch mit Blumen geschmückt. Jedes Mädel tauscht die Schürze mit einer weißen, die Kopftücher werden abgenommen, und es geht zu Tisch. Nach einem gemeinsamen Liede werden die hübsch mit

Petersilie, Tomaten, Zitronenscheiben ober auch ge­botenen Kartoffelstäben verzierten Speisen von zwei Mädeln, dem Servieramt, herumgereicht. Ob wohl alles schmeckt? Aber sicher! Sogar die Grießschaum- speise vom letztenmal, bei der man Angst hatte, daß sich der übrige Zucker auskristallisieren könnte, schmeckt prima.

Nach Tisch geht es wieder an die Arbeit. Zwei Mädel haben Abwaschamt, zwei müssen abtrocknen. Eine hat Herdamt, eine Vorratsamt, Borstenamt, Fußbodenamt, Ausguß usw.Schnell! Los! Um zehn Uhr ist Schluß." Tellergeklapper und lustiges Lachen schlägt Takt zu frohen Liedern. Um zehn Uhr ist alles fertig. Endlich! Na, was denn nun noch?! Abwaschamt! Bitte! Die Schüsseln müssen trockener ausgerieben werden! Und Fußbodenamt, vor dem Herd ist nicht gut genug aufgewischt!" Schnell stür­zen die gerufenen Aemter noch einmal in die Küche, und bald macht sich alles, noch immer luftiger Stim­mung, auf den Heimweg. Lotte Schmidt.

Kampf mit einem Hai.

Zwei junge Neuseeländer, die Brüder B. W. und D. G. Smith aus Matakohe, das am Hafen von Kaipara gelegen ist, haben kürzlich ein Jagd- abenteuer erlebt, bei dem sie ihren Mut und ihre Geschicklichkeit als Haifischfänger beweisen konnten. Seit Tagen schon hatten sie beobachtet, daß Hai­fische in Den Hafen hereinkamen, und sie beschlossen, einen dieser gefährlichen Räuber des Meere» zu erjagen. Sie fertigten sich zu Hause eine Harpune an und wagten sich in einem kleinen Boot aufs Meer hinaus. Als ihnen ein Hai von etwa drei Meter Länge ins Schußfeld kam, warfen sie ihre primitive Harpune nach ihm und trafen ihn auch so, daß er sich nicht wieder freimachen konnte. Aber das verletzte Tier strebte nun mit aller Kraft dem offe­nen Meere zu und zog das kleine Boot mit den beiden Brüdern wie einen Spielball auf den Wellen hinter sich her. Ueber zwei Kilometer waren sie schon vom Land entfernt, und noch floh der Hai mit unverminderter Kraft. Doch gelang es den Brü­dern, ihn mit den Seinen der Harpune, die sie unter Aufbietung aller Kräfte festhielten, näher ans Boot heranzuziehen und ihn in seiner Bewe­gungsfreiheit zu behindern. Aber erst als sie fünf Kilometer vom Hafen entfernt waren, erlahmten die Kräfte des Tieres, und unter vielen Bemühungen gelang es den beiden, ihre Beute ans Boot heran­zubringen und sie nach vielen Stunden ans Ufer abzuschleppen.