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Nr. 14! Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Donnerstag,.Zuni 1955

3« Talar und Allongeperücke.

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Lord Hailsh am, der frühere englische Kriegsminister, wurde im Londoner Gerichtshof a l s Lord- kanzler vereidigt. Unser Bild zeigt Lord Hailsham, gefolgt von seinem Stabe, beim Verlassen des Gerichtshofes. (Weltbild-M.)

Erdreich In den Seen ab. Seichter wurden die Ge­wässer, die Schiffahrt mußte eingestellt werden, ein Lebenszweig war abgeschnitten Bald wichen die spiegelnden Fluten der Seen weiten Morästen, in denen die Erreger von Malaria, gelbem Fieber und anderen Infektionskrankheiten riesige Brut­stätten fanden. Das einst gesunde herrliche Land

wurde zu einer Seuchenhölls, in der ganze Stämme dahingesiecht sein müssen. Die_ übrigen flohen verarmt, von Krankheiten zermürbt aus ihren Palästen, aus der Heimat; die Maya zer­streuten sich. Und im Laufe von Jahrhunderten hat der Wald die Stätten einst blühenden Lebens wieder überwuchert. 4

Der Rotkreuztag.

Aufruf des Gauleiters Reichsstatthalters Sprenger.

Lpd. Frankfurt a. 21L, 19. Juni. Gauletter Reichsslatthalter Sprenger erläßt zum Rot- k r e u z t a q am 22. und 23. Juni folgenden Auf­ruf:

Das Deutsche Rote kreuz hat an diesen Tagen die einzige Gelegenheit, zu werben und Gel­der für seine einzigartigen Aufgaben zu sammeln, jch bitte alle Volksgenossen, nach können zum Erfolg dieser Sammlung beizutragen. lieber die schweren Aufgaben des Roten Kreuzes bedarf es keiner wetteren Beleh­rung. Während des gewaltigen Ringens im Welt- kriege ist die fürsorgliche pflege und Opferbereitschaft des Roten Kreu­zes, insbesondere seiner schwesterlichen pflege, so veranschaulicht und allen Volksgenossen bekannt ge­worden, daß jeder gerne seine Spende dem Roten Kreuz zuwenden wird. Die Role Kreuz- Sa m m l u n g soll von dem Opferwillen un­seres ganzen Gaues zeugen.

heil Hitler! Sprenger.

Kundgebung des Leiters der 7iSV.

Der Hauptamtsleiter des Hauptamtes für Volks­wohlfahrt der NSDAP., H i l g e n f e l d t, hat der Hauptverwaltung des Deutschen Roten Kreuzes seine Wünsche zum Rotkreuztag in fol­gender Zuschrift übermittelt:

Dem Rotkreuztag wünsche ich herzlich b e st e n Erfolg. In unserem neuen Deutschland kennen

wir nicht mehr ein Gegeneinander der Kräfte, die für volkswichtige Aufgaben eingesetzt sind. Sie dienen alle dem Ganzen. Jeder Erfolg eines so wichtigen Gliedes, wie es das Deutsche Rote Kreuz im Reiche Adolf Hitlers ist, ist ein Erfolg für uns alle. Gez. H t l g e n f e l d t."

Regierungsrat Reiner, Präsident des Hessischen Landes-MännervereinS.

Lpd. D a r m st a d t, 19. Juni. An Stelle des frü­heren Staatsminister Jung wurde auf Vorschlag des Herrn Reichsstatthalters der stellvertretende Gau­leiter, Regierungsrat Reiner, vom Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes mit dem 15. Juni d. I. zum Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes, Hessischen Landesmänner­vereins, ernannt.

Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes sammelt selbst.

D a r m st a d t, 19. Juni. (LPD.) Am Rotkreuztag wird diesmal auch der Präsident des Deut­schen Roten Kreuzes, der Herzog von Sachsen-Coburg und Gotha, persönlich sich an der Sammlung in Hessen beteiligen. Er fährt, von Wiesbaden kommend, über Kastel, Groß- Gerau, Darmstadt, Jugenheim, Bensheim, Heppen­heim in Richtung Heidelberg und wird an den größeren Orten an dieser Strecke eine Zeit lang selbst sammeln. Welche Orte und welche Zeit hier­für in Betracht kommen, kann noch nicht angegeben werden.

Zwei greise Trais-Horloffer feiern Geburisiag.

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Wald vor Ueberschwemmung und hebt Wasier aus "no °or auem ^assermassen der tropischen für die Zeit der Hitze und Trockenherb -Aber er Beryan^ms'^Erprafselten und nicht mehr vom ist auch eine Sch u tz w an d gegen d t) B aufaefanaen wurden, schwemmten sie den

Die Erforscher der amerikanischen Vorgeschichte fanden im heutigen Guatemala die Ruinen großer Städte, in denen einst Menschen non hohem Kul­turstand gewohnt haben müssen Wohin sind sie verschwunden? Dafür, daß kriegerische Ereignisse etwa die Macht der Maya zerstört, ihre Kultur vernichtet, ihre Volkskraft gebrochen hätten, geben die herrlichen Bauten, die man unter dem heutigen Urwald fand, keinen Anhaltspunkt.

Jetzt ist der amerikanische Geologe Dr. C. W. Cook im Auftrage der Geologischen Landesanstalt der USA. in Guatemala gewesen und hat spe- ziell die einstigen Wohnsitze der Maya erforscht. Er kommt nun zu dem aufsehenerregenden Schluß und andere Sachkenner stimmen ihm, wie der Kosmos" berichtet, darin völlig bei, daß der Raubbau am Walde auch den Tod der Maya verschuldet hat. Einst lagen an den Ufern weiter klarer Seen ihre Städte. Von waldigen Höhen flössen Bäche und Flüsse und bewässerten die fruchtbaren Tiefebenen. Ackerbau, Handel und Schiffahrt über die Seen brachten großen Reich­tum, von dem die Ruinen noch heute Zeugnis ab- leqen. Aber die Ebenen mochten allmählich die wachsenden Volksmengen nicht mehr zu ernähren.

Da rodete man den Wald immer weiter an den Hängen hinauf, um auch hier Weizen und Gerste und vor allem Mais zu bauen. Und nun kam das

sltgeschichte des Waldes.

Oer Hüter der Quellen. - Korns Aufstieg und Siziliens llntergang. Holz als Wirtschastsfaktor.

Von Dr. K Schnitter. .

des zu sorgen, da weht der Wind auch die letzte Krume fruchtbaren Erdreichs von dem Felsunter­grund, und kein Baum oder Strauch kann mehr Wurzeln schlagen. Bei dem großen Aufbauwerk in Rhön und Spessart, einst ebenfalls frucht­baren Gebieten, die durch Raubbau am Walde verelendeten, zeigt sich auch eine weitere Wirkung des Waldes: Man hat feststellen können, daß dort das Klima sich nach dem Roden der Wälder so ver­schlechtert hat, daß im Jahresdurchschnitt öie Tem­peratur um einen Wärmegrad gesunken ist. Der Wald schützt nicht nur gegen die kalten Winde, sondern speichert selbst auch Wärme auf, so daß sich z B. im Frühjahr der Boden im Walde schneller erwärmt als draußen

Die Kultur von Helws wuchs im Wald.

So hatten es die dicht besiedelten Täler Griechen­lands nicht zuletzt "dem Walde zu danken, daß sich in ihnen die geschichtlichen Staaten und ihre hphe Kultur entwickeln konnte. Die anbaufähigen Ebenen waren freilich an Aüsdehnung gering, aber die Gebirge waren mit Wald bedeckt, und er sorgte für genügende Bewässerung, schützte vor Ueberschwem- mungen wie vor der Dürre der subtropischen Zonen und hielt die Winde fern. Daher konnten damals bei künstlicher Wasserwirtschaft in dem günstigen Klima die Aecker zweimal im Jahr abgeerntet wer­den. Als die Walder abgeholzt wurden, ohne daß planmäßige Bestände aufgeforstet worden wären, war es auch mit dem Bauernreichtum dieser Täler zu Ende.

Fast in jedem Jahr lesen wir von grauenhaften Ueberschwemmungen in China oder In­dien. Der H o a n g h o z. B. tritt über die Ufer und seine gelben Fluten reißen ganze Dörfer mit sich und bedrohen nicht selten sogar Städte wie Nan­king. Ihren tiefsten Grund haben auch diese Kata­strophen darin, daß einst die riesigen Monsum- wälder abgeholzt worden sind, die als Regulator für die Wassermassen wirken konnten. Wohl am furchtbarsten hat sich aber der Wald einst an den Mayas in Mittelamerika gerächt.

Oas Rätsel von Guatemala.

Der Wald ist die Heimat der Quellen, der Bäche und Flüsse. Das Wasser, das im Regen vorn Himmel fällt, wird vom Wald wie von einem Schwamm aufgesogen und aufgespeichert. Den Platzregen halten die Kronen der Baume er rieselt dann langsam auf den weichen Boden herab und versickert dort in Sand und Kies, in den Rissen der Kalksteine. In den Höhlungen der Berge oder in wasserdurchlässigen Erdschichten staut sich das Was­ser auf, bis es einen Abfluß findet, aus dem es als Quelle ans Tageslicht tritt. So schützt oer

Was wir aus Holz machen.

Was machen wir heute nicht alles aus Holz! Zum Hausbau und zur Wohnungseinrichtung, wozu in früheren Jahrhunderten die Stämme des Wal­des vor allem zersägt wurden, verwenden wir nur noch den weitaus kleineren Teil der jährlich an­fallenden Schläge und gar zum Heizen wird nur noch das Holz verbraucht, das zu anderen Zwecken gar nicht nutzbar ist. Aber wir benötigen unge­heuere Mengen Holzes für die Produktion der verschiedensten Papiere, der Bries, den wir fcbreiben, das Material, mit dem wir unsere Pa­kete verpacken, die Zeitung, die zur gewohnten Stunde auf dem Tisch liegt, sind zum größten Teil aus Holzfasern hergestellt Kunstseide und Kunst- wolle, alle die Textilien, die in leuchtenden Farben und mannigfacher Webart uns von der modernen Chemie geschenkt worden sind, bestehen aus Cel­lulose, die wieder aus Holz gewonnen wird. Und weiter: Wir vergasen Holz in den Automo­bilen, wir verzuckern es, um daraus Viehfutter zu gewinnen oder um den Zucker zu vergären und in Form von Sprit wiederum den Leichtöl-Treib­stoffen beizumengen Man könnte faft von einer Holzzeit-Kultur" sprechen.

Und doch werden wir uns selten bewußt, wie stark die Existenz der Völker von dem Bestand ihrer Wälder abhängt Hätten wir zu wenig Holz auf der Erde, so würde die Chemie sicher einen anderen Werkstoff an dessen Stelle setzen. Aber die Menschheit würde trotzdem untergehen, denn die Wälder sind mehr als Holzproduzenten, sie haben zu allen Zeiten Geschichte gemachtl

Oer Apennin war einst bewaldet.

Als nach der Sage, die sicher einen wahren Kern hat die flüchtigen Trojaner unter Aeneas an der Tibermündung landeten und Rom erbauten, da trafen sie dort auf volkreiche Stämme, die auf dem Boden Italiens ihre Nahrung fanden. In der geschichtlichen Zeit aber wurde die Insel Sizilien dieKornkammer" Italiens. Von dort kamen die Getreideschiffe, wenn das Volk von RomBrot und Spiele" forderte. Denn die Höhen des Apennin waren kahlgeschlagen, die reichen Wälder, die dort einst gegrünt hatten, waren dem Städtebau zum Opfer gefallen oder als Schiffsplanken in den See­kriegen zersplittert und verbrannt worden. Mit dem Wald war ab'er auch die Fruchtbarkeit der Aecker geschwunden. - Erst im verflossenen Jahr kam tue Nachricht, daß das neue Italien die Sunden der Vorzeiten gutmachen und die Bergrücken w i e - b e r a u f f o r ft e n will. Aehnlich gmgs spater in Sizilien. Diese Insel, die einst neben ihren eige­nen Einwohnern die Millionenstädte Italiens er­nähren konnte, ist heute verödet. Immer mehr Holz war abgeholzt worden, bis mit ihm die Ursache der Fruchtbarkeit dahin war.

Der Wald als Wafferspeicher.

Am heutigen Donnerstag, 2 0.1 u n i, wird wie wir gestern bereits berichteten der frühere Schäfer Georg Karl Wilhelm Michel in Trais-Horlo ff 80 Jahre alt, am morgigen Freitag, 21.Juni kann der frühere Gemeinde- und Kirchenrechner von Trais-Horloff, Heinrich Karl H u b l i tz, den 9 2. Geburtstag begehen. Unser Bild (links) zeigt Herrn Miel, das andere Bild (rechts) zeigt Herrn H u b l i tz. Beide Jubilare erfreuen sich noch bester Frische. (Aufn. [2j: Neuner, Gieß. Anz.)

Lilian Harvey filmt wieder in Deutschland.

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Die Filmschauspielerin Lilian Harvey, die längere Zeit in Amerika gefilmt hat, ist jetzt, mit dem Flugzeug von London kommend, wieder in Berlin eingetroffen. Eine große Menschenmenge hatte sich zum Empfang auf dem Tempelhofer Feld eingefunden. Unser Bild zeigt die beliebte Dar­

stellerin mit ihrem Partner Willy Fritsch, der sie zum Ausgang begleitet. Die Harvey wird jetzt wieder bei der Ufa filmen, die einen langfristigen Vertrag mit ihr abgeschlossen hat. Ihr neuester Film unter dem TitelSchwarze Rose" behandelt einen Stoff aus der finnischen Freiheitsbewegung.