Ausgabe 
20.6.1935
 
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3m Monat Juli absolute Versammlungsruhe.

Eine Anordnung des Reichspropagandaleiters.

Berlin, 20. Juni. (DJIB.) Der Reichspro - pagandaleiter der NSDAP. gibt folgende Anordnung bekannt:Das erste Halbjahr 1935 ist abgeschlossen. Dieder haben in Tausenden von Versammlungen die nationalsozialistischen Redner in unermüdlicher Arbeit und rastloser Pflichterfüllung Abend für Abend Aufklä­rungsarbeit in Stadt und Land ge­leistet. Das zweite halbe Jahr, insbesondere herb st und Winter, werden neue große Anforderungen an ihre Kräfte stellen. Um ihnen die zur Erfüllung der bevorstehenden Auf­gaben notwendige Ausspannung und Zeit zur Erholung zu gewähren, ordne ich deshalb für den Donal Juli eine absolute Ver­sammlungsruhe an.

Gez. Dr. Goebbels, Reichspropagandaleiter der NSDAP.

Der Reichsarbeits­und -wirtschastsrat in der DAI.

Berlin, 19. Juni. (DNB.) In Ausführung der in der Leipziger Vereinbarung vom 21. März 1935 vorgesehenen sozialen Selbstverwal- t u n g aller schaffenden Deutschen wird der Auf­bau und der Aufgabenbereich des Reichs- arbeits- und -Wirtschaftsrates wie folgt festgesetzt:

Der Reichsarbeits- und -Wirtschaftsrat wird durch den Reichsleiter der DAF. im Benehmen mit dem Leiter der RWK. e i n b e r u f e n. Dem Reichsarbeits- und -Wirtschaftsrat gehören an: die Leiter der Reichsbetriebsgemeinschaften, die Leiter der Arbeitskammern, die Leiter der Reichs­gruppen, die Leiter der Hauptgruppen, die Leiter der Wirtschaftskammern, Einzelpersonen im gegen­seitigen Einvernehmen. Für die Zugehörigkeit als Mitglied des Reichsarbeits- und -Wirtschaftsrates ist die Einzelmitgliedschaft zur DAF. Voraussetzung.

Der Reichsarbeits- und -Wirtschaftsrat hat die Bearbeitung der ihm von der Reichsregierung, der DAF. und der RWK. übertragenen Aufgaben vorzunehmen; in gemeinsamen Erörterungen we­sentliche und grundsätzliche sozialpolitische und wirtschaftliche Fragen zu beantworten, zu klären und zur Durchführung für die zuständige Stelle vorzubereiten; Kundgebungen der Regierung, der DAF. und der RWK. entgegenzunehmen.

Der Sitz des Reichsarbeits- und -Wirtschaftsrates ist Berlin. Der Verlauf der Sitzungen des RAWR. wird von einem Protokollführer proto­kolliert.

Günstige Entwicklung derReichssteuer- einnabmen.

Berlin, 19. Juni. (DRB.) Das Aufkommen an Steuern, Zöllen und anderen Abgaben hat sich auch im Monat Mai 19 3 5 weiter gut ent­wickelt. Die Einnahmen betrugen (in Millionen Mark) bei den Besitz- und Verkehrs- st e u e r n 413,5 gegen 355,9 im Mai 1934 (plus 57,6) und bei den Zöllen und Verbrauchs- st e u e r n 249,8 gegen 221,2 (plus 28,6), so daß insgesamt 663,3 gegen 577,1 (plus 86,2) aufgekom­men sind. Damit sind vom 1. April bis 31. Men 1935 1348,2 gegen 1175,1 (plus 173,1) vereinnahmt worden, wovon 807,5 gegen 684,3 (plus 123,2) auf Besitz- und Verkehrssteuern und 540,7 gegen 490,8 (plus 49,9) auf Zölle und Verbrauchssteuern ent­fallen.

Das Aufkommen an Lohnsteuer hat sich von 61,5 im Mai 1933 auf 66,3 im Mai 1934 und 107,8 im Mai 1935 erhöht. Bei der veran­lagten Einkommen st euer und bei der K ö r p e r s ch a f t s st e u e r ist die Entwicklung wie folgt: im Mai 1933 19,6 bzw. 3,5, Mai 1934 20,2 bzw. 7,5, Mai 1935 17 bzw. 5,4. Die Umsatz­steuer ist von 112,8 im Mai 1933 auf 135,9 im Mai 1934 und 145,2 im Mai 1935 gestiegen. Der Anstieg in der Wechselsteuer, die im Mai 1935 8,6 gegen 5,4 im Mai 1934 und 3,1 im Mai 1933 erbrachte, ist aus die Zunahme des Wechsel­verkehrs zurückzuführen und dieser wieder auf die bedeutende Zunahme der Umsätze in der Wirtschaft. Das Aufkommen an Beförde­rn n g s st e u e r hat von Mai 1933 bis Mai 1935 bei der Personenbeförderung 7,6 bzw. 7,1 bzw. 8,2 und bei der Güterbeförderung 7 bzw. 8,8 bzw. 9,3 betragen. An Zöllen sind im Mai 1935 3,7 weniger aufgekommen als im Mai 1934.

Die wichtigsten Verbrauchssteuern haben sich von Mai 1933 bis Mai 1935 wie folgt entwickelt: Zucker st euer 19,8 bzw. 18,3 bzw. 21,4, Bier­st e u e r 20,1 bzw. 22,9 bzw. 21,8, Tabak st euer 59,3 bzw. 62 bzw. 69,6 und aus dem Spiritus- Monopol 10,8 bzw. 11,3 bzw. 13,3.

Beisetzung der unbekannten Soldaten der Arbeit.

Wittenberg, 19. Juni. Nachdem in Witten­berg und 12 Dörfern die zur Trauerfeier aufqebahr- ten erkannten Toten beigesetzt worden waren, fand am Mittwochnachmitlag in Reinsdorf die B e - erdigung von 16 unbekannten Opfern statt, die in der Gesamttotenzahl von 60 einge­schlossen sind. Die Formationen der Bewegung wa­ren wieder in. großer Anzahl aufmarschiert, die SA. und SS., die seit Tagen ihren schwersten Dienst versehen, die Jungen vom Arbeitsdienst, die in den letzten Tagen in so eindrucksvoller Weise Zeugnis ablegten von wahrer Volksverbundenheit, indem sie Tag und Nacht bei Wind und Wetter der Bevölkerung bei der Beseitigung der Schäden hal­fen. Der kleine Dorffriedhof in Reinsdorf wurde zum Wallfahrtsort all derer, die einen Lieben aus der Mitte betrauern. Am Grabe standen neben dem Vertreter der Gauleitung und Geistlichen beider Konfessionen auch SA.-Gruppenführer Prinz 21 u u ft Wilhelm und SA.-Oberführer Ernst. Beim Lied vom guten Kameraden neigten sich noch einmal die Fahnen, klang noch einmal das Horst- Wessel-Lied über das gemeinsame Grab der unbe­kannten Soldaten der Arbeit.

Der in Dresden tagende Reichsoerband der Privatversicherung hat aus Anlaß des Unglücks in Reinsdorf der Reichsregierung einen Betrag von 100 000 Mark zur Verfügung gestellt.

England steueri nun auf den Lustpatt zu.

Edens Aufgabe in Paris.

London, 20. Juni. (DNB. Funkspruch.)Daily Telegraph" berichtet, daß sich die Besprechun­gen Edens in Paris auf der breiten Grund­lage der im englisch-französischen Protokoll vom 3. Februar ins Auge gefaßten europäischen Regelung bewegen würden. Erste Aufgabe Edens werde es sein, die französische Regierung davon zu überzeugen, daß England in dem Ab­kommen mit Deutschland den Grundsatz, daß d i e Probleme der Rüstungsbegrenzung und der Sicherheit untrennbar seien, voll berücksichtigt habe. Die Annahme des deutschen Angebotes durch England sei keine Aenderung in der Politik der in Stresa hergestellten englisch-fran­zösisch-italienischen Einheitsfront. Es seien bereits ermutigende Zeichen vorhanden, daß Frankreich bei längerem Nachdenken die Vorteile des deutsch­englischen Flottenabkommens besser würdigen werde. Wenn Eden in der Lage wäre, die französi­schen Zweifel zu zerstreuen, würden sich die Be­sprechungen anschließend auf den geplanten w e st- europäischen Luftpakt erstrecken. England wünsche die französische Zustimmung, daß auch der Luftpakt unabhängig von den anderen im Londoner Protokoll aufgezählten Angelegen­heiten behandelt werden könne, es werde jedoch nicht mit zu starkem Nachdruck auf diesem Punkte bestehen.

Daily Mail" glaubt, es sei geplant, den Luft­pakt, der die unmittelbare gegenseitige Unterstützung seiner Teilnehmer vorsehe, zu einer Reihe von zweiseitigen Abkommen zu verstärken. Die englische Regierung hoffe, daß Eden die Luft­paktsverhandlungen soweit fördern werde, daß so­bald wie nur möglich eine Konferenz der Lo­carnomächte abgehalten werden könnte. Ver­non Bartlett meint imNews Chronicle", Eden werde voraussichtlich in Paris zum Ausdruck brin­gen, daß England sicher nichts dagegen einzuwenden hätte, wenn Frankreich als die stärkste Militärmacht in Westeuropa eine dem Flottenabkommen ähnliche Vereinbarung mit Deutschland über die Begrenzung der Heere erzielen würde.

Paris bleibt reserviert.

Paris, 20. Juni. (DNB.-Funkspruch.) Die Presse sagt übereinstimmend Eden einen kühlen Emp­fang voraus. Immer wieder kommt zum Ausdruck, daß nach diesem Beispiel Englands Frankreich nicht mehr gehalten sei vor jedem seiner politischen Schritte andere Mächte zu befragen. Man findet sogar eine Anregung, daß Frankreich manche sei­ner Verhandlungen vorteilhafterweise jetzt vor

England geheim halten solle. DerPetit Parisien" meint, angesichts des neuen Abkommens, das ohne Frankreichs Zustimmung abgeschlossen worden sei, werde man in Paris die Absendung von Marinesachverständigen nach Lon­don wohl im Augenblick nicht für angebracht halten, sondern mehr denn je auf Handlungs­freiheit sehen. Eden werde in Paris die höfliche Aufnahme finden, die seine sympathische ^Persönlich­keit verdiene, aber es sei nicht sicher, daß seine Er­läuterungen den schlechten Eindruck würden ver­wischen können, den alle Franzosen bei der Nach­richt von dem plötzlichen deutsch-englischen Abkom­men empfunden hätten. DasEcho de Paris" betont, daß Frankreichs Festlandpolitik sich jetzt nicht mehr von der englischen hindern lassen dürfe. Frank­reich brauche nun England nicht mehr bei jeder Gelegenheit zu fragen. Es könne jetzt freier eine Präventivpolitik betreiben. In gewissen Fragen habe Frankreich im Begriff gestanden, dem englischen Standpunkt Opfer zu bringen. Das sei jetzt nicht mehr angebracht.

Großer Eindruck in Holland.

Amsterdam, 19. Juni. (DNB.) Dem deutsch- englischen Flottenabkommen wird größte Bedeu­tung beigemessen. Man erwartet eine weit­gehende politische Annäherung zwischen England und Deutschland.A l g e m e e n H an­bei s b l a d" betont, daß England offensichtlich die Politik von Stresa preisgegeben und in einer d i- retten Einigung mit Berlin mehr Vor­teile erblickt habe. Die Erklärung für diese über­raschende Wendung in der Haltung Englands dürfte in der Erwägung zu suchen fein, daß das Schwer­gewicht der englischen Flottenpolitik angesichts der Zuspitzung der Lage im Fernen O st e n nicht länger in Europa liege und daß Eng­land darauf bedacht sein müsse, die infolge der Politik Japans in Bedrängnis geratenen Inter­essen des britischen Imperiums zukünftig ener­gischer als bisher zu schützen. Der katholische M a a s b o d e" begrüßt den Abschluß als einen wertvollen Friedensfaktor. Es werde nun Aufgabe des französischen Außenminsters Laval sein müssen, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, daß sich an die englisch-deutscheVerständigung eine franzö­sisch-deutsche Annäherung anschlie - ß e n könne. ImTelegraaf" heißt es, haß Deutschlands außenpolitische Isolierung nunmehr der Vergangenheit angehöre. Das Verdienst für den großen praktischen und auch moralischen Erfolg gebühre Adolf Hitler selbst.

Keine Einsicht in Prag.

Oie tschechoslowakische Regierung zieht keine Folgerungen aus dem Wahlsieg Konrad Henleins.

Als ob nichts geschehen, als ob die Sudeten­deutsche Partei nicht die stärkste des Parlaments sei, hat der tschechoslowakische Ministerpräsident Malypetr seine Regierung aus den alten Be­standteilen neu gebildet und selbstverständlich fehlt darin nicht der Marxist Dr. C z e ch, der bei den Wahlen von seinen deutschen Wählern eine schal­lende Ohrfeige empfing. Als das Prager Parlament eröffnet wurde, hat Malypetr eine Rede gehalten, die an den Problemen des Staates vorbei­geht. In der Fiktion ist der tschechoslowakische Staat eine Demokratie, und Malypetr hat die Grundsätze dieser Demokratie pflichtgemäß ge­priesen. Aber das hindert die Tschechen nicht, gegenüber den Sudetendeutschen alle demokratischen Grundsätze zu verleugnen. Wenn die Tschechen gewissermaßen einen nationalen Block bilden und das Recht dazu aus ihrer Stam- mesgehörigkeit ziehen, dann kann man doch nicht den Sudetendeutschen, die das gleiche für sich beanspruchen und verwirklichen, den Vorwurf machen, die demokratische Einheit dieses Staates dadurch zu verletzen. Es gibt nur ein Recht, das der Zusammenfügung von Blut und Bein einer Nation. Dieses vornehmste demokratische Recht haben nach den Tschechen die Sudetendeutschen aus­geübt, und ihnen einen Vorwurf daraus machen, heißt eine doppelte Moral predigen.

Gewiß, die Machthaber in Prag, die bisher den tschechischen Gelüsten auf Entwurzelungsversuche des deutschen Teiles der Bevölkerung weitgehenden Spielraum gaben, sind in der Tonart etwas mil­der geworden als vor der sudetendeutschen Eini­gung. Selbst Herr B e n e s ch ! Er hat am glei­chen Tage der Eröffnung des Prager Parlaments sich dazu aufgeschwungen, die größte deutsche Min­derheit zu loben, er hat von der Schicksals- g e m e i n s ch a f t der Deutschen und Slawen im Staate gesprochen. Er hat ferner dem kulturellen Niveau und der wirtschaftlichen Potenz der Deut­schen seine Hochachtung dargebracht. Das ist aber derselbe Dr. Benesch, dessen Partei unter seiner Füh­rung seit der Errichtung der tschechoslowakischen Republik und schon vorher alles getan hat, um ein Zusammenleben der Sudetendeutschen und der Tschechen unmöglich zu machen. Immer wie­der sind gerade die Sozialisten mit nationaltschechi­schem Einschlag diejenigen gewesen, die in ihrer Wirtschaftspolitk und durch politische Methoden die Sudetendeutschen und deren wirtschaftliche Be­lange bewußt dem Elend preisgaben. Sie sind verantwortlich dafür, daß die sudetendeutschen Be­zirke mit ihrer gewaltigen Industrie heute zu Elendsgebieten geworden sind, und die sudeten- deutschen Kinder die Spuren dieses Elends tief einaegraben tragen. Der Mann, der sich mit dem Bolschewismus gegen alles Deutsche verband, ist am wenigsten berechtigt, jetzt die Friedenspalme zu schwingen. Es ist verständlich, daß die sudeten­deutschen Wahlerfolge zu einer etwas sanfteren Tonart zwangen, aber die Politik seines Kabinetts Malypetr bleibt tatsächlich den Sudetendeutschen feindlich. Und damit wird diese Sudetendeutsche Partei zu rechnen haben.

Konrad Henlein, der Sieger der Wahlschlacht, läßt verkünden, daß im Parlament diese große Gruppe eine konstruktive Opposition treiben werde. Das Wort ist unmißverständlich. Der tschechische Ministerpräsident hat von vornherein keinen Ver­such gemacht, sich mit der sudetendeutschen Partei zu besprechen. Die Zusammensetzung seines Kabinetts ist eine Kriegserklärung gegen die Sudetendeutschen und daher wird Malypetr und wird Benesch in

allen Dingen, die die Sudetendeutschen betreffen, zwar den Mantel nach dem Winde hängen, in Wirklichkeit aber versuchen, d i e alte Taktik der Zertrümmerung der sudetendeut­schen Einheit zu versuchen und Spaltungen in die nationale Einheit zu bringen. Dagegen wendet sich die Partei. Sie wird jeden Schritt dieses Ka­binetts darauf prüfen, ob er nicht den sudetendeut­schen Interessen abträglich ist und dann wird sie aus ihrer Opposition heraus Vorschläge machen, die eigentlich den Worten des Herrn Benesch ent­sprechen, während seine Taten ebenso wie die der übrigen Mitglieder des Kabinetts Malypetr dage­gen dem tschechischen Ehauvinismus dienten.

Die Forderungen der Sudetendeutschen.

Prag, 19. Juni. (DNB.) Im Abgeordnetenhaus begann die Aussprache über die Regierungserklä­rung. Der ungarische Christlich-Soziale Dr. Szüllö lehnte das RegierunHsprogramm als unbefriedigend ab, da d i e Rechterer Minderheiten nur a'u f dem Papier stünden. Für die Sudeten­deutsche Partei erklärte Klubobmann Karl Hermann Frank, die Partei Konrad Henleins, von mehr als zwei Dritteln des 3Ve Millionen-Vol- kes der Deutschen in der Tschechoslowakei gewählt, nähme alle Pflichten gegenüber Staat, Staats­form und Gesetz, sowie gegenüber der politischen Moral auf sich. Gleichzeitig werde sie aber f ü r alle Rechte kämpfen, die nach der Verfassung den Sudetendeutschen zukämen, aber oft von Gesetz­gebung, Verwaltung und Rechtsprechung entweder verwehrt oder geschmälert worden seien. Ihre par­lamentarische Arbeit stelle sie in den Dienst an der staatlichen Gesamtheit, der das Sudetendeutschtum nach den geschichtlichen Tatsachen der Jahre 1918/19 gegen seinen Willen und gegen seinen klaren An­spruch auf Selbstbestimmungsrecht einverleibt wor­den sei. Die tschechische Politik habe aber aus den Wahlen keine staatspolitischen Folge­rungen gezogen, sondern das System der deutschen Bedeutungslosigkeit durch Heranzie­hung kleiner Gruppen zur Regierung fortgeführt. Obgleich die Sudentendeutsche Partei zu verantwortlicher und ehrlicher Mitarbeit bereit sei, werde sie niemals eine Vertretung des Sudeten­deutschtums durch geschenkte Mnisterposten in der Regierung als eine Verständigung zwischen den Völkern ansehen. Der wirtschaftliche Enteignungs­prozeß dauere schon 17 Jahre. Er müsse endlich zum Stillstand kommen. Die Sudetendeutsche Partei for­dere auch jene Sicherung des deutschen Schul-, Bil- dungs-, Kunst- und Erziehungswesens, die dem Su­detendeutschtum als Volksgruppe des großen deut­schen Kulturvolkes zukomme. Wenn die tschechoslo­wakische Staatsidee die politische, soziale oder na­tionale Vernichtung der deutschen Volks­gruppe in der Tschechoslowakei zum Ziele hätte, bann glaube die Sudetendeutsche Partei an keinen Frieden. Die Entscheidung also, wohin sich die sude- tendeutsche Politik wenden werde, liege bei dem tschechischen Volke. Es könne entweder eine feiner selbst unwürdige brutale Entrechtung fort­führ e n, oder es werde lernen müßen, mit dem völkischen Bestand der Sudetendeutschen zu rechnen und ihnen alle Rechte zu geben, auf die sie verfassungsmäßig Anspruch herben. Kein vernünftiger Tscheche kann von uns verlan­gen, daß wir unser Volkstum verleugnen. Wir waren Deutsche, wir sind Deutsche und wir werden in alle Zukunft Deutsche bleiben!"

Außenhandelspolitik Ser Schweiz.

Bern, 20. Juni. (DNB.) Bei der Behandlung des Geschäftsberichtes des Volkswirtschaftsdeparte- ments für das Jahr 1934 gab der neue Vorsteher dieses Departements, Bundesrat O b r e ch t, im Na« tionalrat die Einstellung des Bundesrats zur Wirt- schaftslage bekannt. Die Kriseninitiatioe hätte nur eine neue Krise gebracht: Die Krise der Währung und des Staatskredits. Damit die wirt­schaftliche Verfassung der Schweiz nicht noch kränker werde, müsse und werde die Schweiz ihre Wäh­rung halten. Die Ausfuhrindustrie be­dürfe der verständnisvollen Pflege der Regierung. Den verhältnismäßig großen Bedarf an Auslands­bezügen werde er dazu verwenden, um Gegen­geschäfte einzuhandeln. Er werde auf einen Ausgleich der Handelsbilanzen von Land zu Land bringen. Wer an die Schweiz verkaufen wolle, müsse ebensoviel aus der Schweiz beziehen. Der Staat habe es in der Hand, der Ausfuhr Raum zu schaffen, wenn nötig auch mit unerschrockener Rücksichtslosigkeit. Da, wo der Zahlungsverkehr nicht freigegeben sei, werde der Staat dafür sorgen, daß die schweizerischen Zahlung^ n für d i e Einfuhrwaren nicht ins Ausland gehen, sondern i m L a n d e b l e i d e n, um als Zahlungsmittel für die Ausfuhr dienen zu können. Würden diese und andere Maßnahmen zweckmäßig organisiert und mit fester Hand durch­gesetzt, dann werde die schweizerische Ausfuhrindu­strie, freilich auf verminderter Grundlage, unbedingt erhalten werden können. Die wirksamste Hilfe, die der Ausfuhrindustrie gebracht werden könne, sei wohl die Wiederher st ellung des freien Handels. Die Schweiz habe gar fein Interesse an der Abdichtung der Grenzen, und sie werde jederzeit bereit sein, die Schranken wieder zu lockern, sobald der Geist der Zeit sich von den Autarkietendenzen abzuwenden beginne.

Keine Verhandlung im Prozeß gegen die Heimattreuen Ma^medyer.

Lüttich, 19. Juni. (DNB.) Vor dem Appellations- gericht in Lüttich begann der Ausbürgerungs­prozeß gegen die vier Mitglieder der Heimat­treuen Bewegung in Malmedy. Die Verteidigung ließ mitteilen, daß ihr das Prozeßmaterial z u spät zugegangen fei, und daß sie deshalb nicht in der Lage fei, zu dem heutigen Termin zu erscheinen. Das zu erwartende Versäumnis- urteil wird am 24. Juni erfolgen. Die Verteidi­gung wird Einspruch erheben, so daß es zu einem späteren Termin zu einer Verhandlung kommen kann.

Kleine politische Nachrichten.

Reichsminister Dr. Frick hat an Geheimrat Hugenbera zu seinem 70. Geburtstag folgendes Telegramm gesandt: In Erinnerung an die I a h r e gemeinsamen Kampfes gegen die System- Herrschaft und für Deutschlands Erneuerung sendet Ihnen zum 70. Geburtstag herzliche Glückwünsche Dr. Frick.

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In der nächsten Woche werden in Berlin deutsch- polnische Wirtschaftsverhandlungen beginnen mit dem Ziel, den Warenverkehr zwischen Deutschland und Polen auf eine vertragliche Grund­lage zu stellen. Darüber hinaus soll erstrebt werden, die deutsch-polnischen Beziehungen auch nach der wirtschaftlichen Seite hin zu erweitern.

Die Kammer von Paraguay nahm das am 12. Juni in Buenos Aires mit Bolivien abge­schlossene Waffen still st andsabkommen an.

Kunst uni> Wissenschaft

Der Führer in der Finnischen Kunstausstellung.

Mittwochnachmittag besuchte der Führer und Reichskanzler, wie die NSK. meldet, die von der Nordischen Gesellschaft und NS.-Kulturgemeinde veranstaltet 1. Nationale Finnische jtunft» ausstellung. In feiner Begleitung befanden sich Brigadeführer Schaub und Hauptmann Wiede­mann. Reichsleiter Alfred Rosenberg mit sei­nen engeren Mitarbeitern empfing den Führer und geleitete ihn durch die Ausstellung und zeigte ihm die einzelnen Kunstwerke. Der Führer besichtigte die Ausstellung eingehend.

Line vorbildlicheFreischütz"- Aufführung auf der Reichstheaterfestwoche.

Die zweite Reichstheaterfe st woche in Hamburg wurde am Dienstag mit einer bedeut­samenFreischütz"- Aufführung fortgesetzt. Dieser HamburgerFreischütz" ist ein neues Beispiel für den verantworungsvollen Ernst, der die Arbeit der neuen hamburgischen Staatsoper auszeichnet. Gene­ralintendant S t r o h m , der auch an diesem Abend wieder Regie führte, hat es ausgezeichnet ver­standen, die schweren Mängel des Tertbuches, gegen die schon Beethoven Widerspruch erhob, nicht füh­len zu lassen. Eugen I o ch u m aber, als Dirigent am Pult, hob gerade das aus Webers Musik her­vor, was denFreischütz" zu einem Vorläufer des Wagnerschen Musikdramas machte.

Die Besetzung war vorzüglich. Unter den aus­wärtigen Gästen ragte besonders Maria Reining als Agathe, neben ihr Ludwig Weber als Kas­par (beide von der Staatsoper München) hervor. Den Max fang Marcell Wittrifch, den Eremiten Wilhelm Hiller (beide von der Staatsoper Ber­lin). Von den einheimifchen Solisten vollbrachte Martina Wulf als Aennchen mit der wunder­baren Frische ihres Soprans und ihrem bezau­bernden Spiel eine überragende Leistung.

Aufruf der Reichsmusikkammer zum Tag des deutschen Liedes.

Zum lag"b e s deutschen Liedes am Sonntag, den 23. Juni, hat die Reichsmusikkammer folgenden Aufruf erlassen: In allen deutschen Gauen werden am Sonntag Sänger und Sänge­rinnen in großen und kleinen Veranstaltungen auf Straßen und Plätzen ihre Lieder erklingen lassen. Dieser Tag soll jedoch nicht nur ein Festtaa aller deutschen Sängerbünde fein, sondern vielmehr ein Tag, an dem sich jeder deutsche Volksgenosse auf die einende Kraft des deutschen Liedes besinnt. Ueberall in Städten und Dörfern des Reiches werden am kommenden Sonntag Volks- liedsingen und offene Singstunden durchgeführt. Sie sollen zeigen, daß bas Volkslied nicht die An­gelegenheit einer Berufsschicht, sondern Sache des ganzen Volkes ist. Darum fordern wir alle deutschen Volksgenossen auf, diesen Tag, der sich zum edel­sten und ältesten deutschen Volksgut bekennt, fest­lich zu begehen und sich einzureihen in die singende Volksgemeinschaft. Der Tag des deutschen Liedes muß ein Gemeinschaftserlebnis aller Volksgenossen sein.