Gießen am Geburtstag des Führers.
willens in der studentischen Jugend, die durch bereits in den Jahren 1929 und 1930 eingerichtete Kurse ihren Ausdruck fand, haben ihn schon zur 3eit seines ersten Rektoramtes an der hiesigen Universität im Jahre 1923 den Ehrennamen eines Führers und väterlichen Freundes der Studentenschaft gebracht und bis zum heutigen Tage erhalten. Dank und Wunsch der Studentenschaft klang in der Hoffnung aus, Professor Eger als Führer, Freund und Kameraden der studentenschaftlichen Arbeit weiterhin verbunden zu wissen.
Großbetrieb beim Standesamt.
Am heutigen Samstag, 20. April, finden beim Standesamt in Gießen 21 Eheschließungen statt, am dritten Ostertag eine, am Mittwoch, 24. April, drei, im ganzen also fünfundzwanzig Dftertrauungen.
Nie Gießener Spende für die Innere Mission.
Die Sammlung für die Innere Mission, die in der Zeit vom 8. bis 14. April in Gießen erhoben wurde, hatte ein Ergebnis von 3882,99 Mark. Hiervon entfielen auf die Haussammlung 2207,46 Mark, auf die Strahensammlung 1675,53 Mark. Erwachsene Gemeindeglieder hatten bereitwillig die Haussammlung übernommen, die Straßensammlung wurde von jugendlichen Gemeindegliedern durchgeführt. Eine Anzahl von Studenten der Theologie hatte sich gleichfalls in den Dienst dieses Liebeswerkes gestellt.
Warnung vor unberechtigter Lehrlingseinstellung im Handwerk. Der Kreishandwerksmeister in Gießen teilt uns mit:
Wiederholt in letzter Zeit festgestellte Fälle, in denen von nicht zur Anleitung von Lehrlingen befugten Handwerkern Lehrlinge unter der Bezeichnung „Volontär" usw. eingestellt worden sind, geben Veranlassung, vor der Umgehung der gesetzlichen Bestimmungen über das Lehrlingswesen zu warnen. Zur Anleitung von Lehrlingen ist nur derjenige oefugt, der die Meisterprüfung abgelegt hat oder dem die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen durch die untere oder höhere Verwaltungsbehörde verliehen worden ist. Wer entgegen diesen Bestimmungen Lehrlinge einstellt, kann mit einer Geldstrafe bis zu 150 Mark belegt werden, an deren Stelle im Unvermögensfalle Haftstrafe tritt. Die Verschleierung des Lehrverhältnisses durch die Bezeichnung „Volontär" kann ihn vor dieser Strafe nicht schützen.
Aber auch an die Eltern und Vormünder der zu Ostern zur Entlassung kommenden Schüler, die ein Handwerk erlernen wollen, ergeht der dringende Rat, die jungen Menschen nur bei solchen Handwerkern in die Lehre zu geben, welche die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen besitzen, damit sie vor Schäden und Unannehmlichkeiten bewahrt bleiben. Ebenso wird davor gewarnt, sich durch Versprechungen anderer, welche keine Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen besitzen und angeben, sich die erforderliche Berechtigung noch zu erwerben, nicht verleiten zu lassen, ihr Kind, bezw. Mündel dort in die Lehre zu geben. Diesen Lehrlingen wird späterhin die Lehrzeit nicht angerechnet und sie daher auch zur Gesellenprüfung nicht zugelassen. Die Unterbringung bei zur Anleitung von Lehrlingen nicht befugten Handwerkern bedeutet somit eine große Gefahr für das Weiterkommen des Lehrlings. Auskünfte über die Personen, welche die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen besitzen, erteilt die Kreishandwerkerschaft Gießen, Goethe- straße 7, 1. Stock, oder die für das Handwerk zuständige Innung.
Eignungsprüfung und Lehrlingseinstellung im Handwerk
Es wird wiederholt auf die Anordnung der Kreis- Handwerkerschaft Gießen sowie des Arbeitsamtes, Abteilung Berufsberatung, hingewiesen, nach der nur solche Lehrlinge in Handwerksbetrieben ein«
In unserer Stadt wehen am heutigen Geburtstag unseres Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler in allen Straßen die Fahnen. Obwohl eine Beflaggung nur für die behördlichen Gebäude angeordnet worden war, kamen heute früh ganz spontan auch an den Privathäusern in allen Stadtgegenden die Fahnen des Dritten Reiches heraus, um als äußeres Zeichen der dankbaren Verbundenheit und treuen Gefolgschaft der Gießener Volksgenossen den Mann, dem wir allen mit Vertrauen folgen, zu seinem 46. Geburtstage herzlich zu grüßen.
Geburtstagsappell der Wehrmacht.
Unsere Garnison beging den Geburtstag des Führers und Reichskanzlers, ihres Oberbefehlshabers Adolf Hitler heute vormittag mit Appell in der Kaserne. In soldatisch eindrucksvollen Worten wurde dieses Geburtstagsfest gebührend gewürdigt, der unlöslichen festen Verbundenheit zwischen der Wehrmacht und ihrem Oberbefehlshaber Ausdruck gegeben und das innige Band der gegenseitigen Treue im Dienste des deutschen Vaterlandes mit dreimaligem kräftigem Hurra auf den Oberbefehlshaber Adolf Hitler bekräftigt.
Die Geburtstagsfeier der SA.
Die SA. des Standortes Gießen wird die Feier einem
Platzkonzert des Musikzuges der Standarte 116 am heutigen Nachmittag von 16 bis 17 Uhr an der Ecke Plockstraße-Johannesstraße
gestellt werden dürfen, die sich vor dem zuständigen Arbeitsamt, Abteilung Berufsberatung und Lehrstellenvermittlung, einer Eignungsprüfung bzw. Eignungsuntersuchung unterzogen haben und für das betreffende Handwerk als geeignet vermittelt worden sind. Die von dem Arbeitsamt, Abteilung Berufsberatung, ausgestellte Bescheinigung hat sich der Lehrherr von dem eingestellten Lehrling aus- händigen zu lassen. Diese muß den Lehrverträgen bei Anmeldung des Lehrlings zur Lehrlingsrolle beigefügt werden. Die Innungen haben in den Fällen, in denen die Bescheinigung nicht beigebracht werden kann, die Eintragung des Lehrlings in die Lehrlingsrolle abzulehnen und die Entlassung des Lehrlings zu fordern. Lehrmeister, welche die Einstellung von Lehrlingen zu Ostern d. I. noch beabsichtigen und nach den gegebenen Bestimmungen hierzu berechtigt sind, werden aufgefordert, die Meldung der freien Lehrstellen umgehend bei dem Arbeitsamt, Abteilung Berufsberatung, Bahnhofstraße, vorzunehmen.
Kein Verbrechen.
Angst vor dem verspäteten Heimgehen.
Zu dem Verschwinden und Wiederauffinden der 15 Jahre alten Marie Hengst aus Kinzenbach, worüber wir im Gießener Anzeiger vom 15. April berichteten, übermittelt nunmehr die Kriminal- polizeistelle Gießen der Oeffentlichkeit folgenden Polizeibericht:
Aufklärung
in der Vermihlenauffindung bei der Vieberlalbahn.
Die 15jährige M. H. aus Kinzenbach wurde am 4. April 1935 von Angehörigen bei der Kriminal- polizeiftelle Gießen als vermißt gemeldet. Die sofort angestellten Nachforschungen blieben erfolglos. Am 13. April 1935 wurde sie dann, wie bereits in der Presse berichtet, in einer außer Betrieb gesetzten Lokomotive der Biebertalbahn aufgefunden. Die in den Presseberichten ausgesprochenen Vermutungen über das Vorliegen eines etwaigen Verbrechens (Der Gießener Anzeiger hatte solche Vermutungen nicht geäußert. D. Reo.) haben sich, nach den um
einleiten. Für das Platzkonzert ist die nachstehende Vortragsfolge vorgesehen:
1. Alt-Niederländisches Dankgebet.
2. Marsch „Graf Zeppelin" von Teike.
3. „Dem deutschen Volke", Vaterländische Ouvertüre von Karl Zimmer.
4. „Die kleine Truppe" von Löhr.
5. „Houns Zauberboon" aus „Oberon" von C. M. v. Weber.
6. „Deutschlands Ruhm", Marsch von Schröder. ♦
Als Hauptfeier der Gießener SA. folgt am heutigen Samstagabend um 2 0 Uhr der
SA.-Appell mit Großem Zapfenstreich auf Oswaldsgarten. Hierzu werden alle Stürme des Standorts Gießen aufmarfchieren. Die Ansprache wird Standartenführer Lutter halten. Nie 7lGV. speist 400 Hilfsbedürftige.
Aus Anlaß des Geburtstages des Führers Adolf Hitler speist die NSV., Kreisamtsleitung Gießen, am heutigen Samstagmittag 400 hilfsbedürftige Volksgenossen im Caf6 Leib. Die Gäste werden mit einem Mittagessen, ferner mit Kaffee und Kuchen, bzw. Bier und Zigarren bewirtet. Verschiedene hiesige Firmen haben diese Sonderaktion der NSV. mit namhaften Warenspenden unterstützt. Es sind dies die Firmen Denninghoff, Rinn & Cloß, Schirmer, I. B. Noll, Gailsche Zigarrenfabrik, Gustav Geiße, Kaffee-Schlüter und die Molkerei Grieb. Die Sondermaßnahme der NSV. wird sicherlich bei allen Beteiligten große Freude auslösen.
fangreichen Ermittlungen nicht bestätigt. Es liegt keineswegs ein Sittlichkeitsverbrechen, noch sonst eine andere strafbare Handlung vor. Das Mädchen ist ohne jegliche Beeinflussung allein in die Lokomotive eingeftiegen, da es sich verspätet und Angst zum Nachhausegehen hatte. Eine eingetretene Bewußtlosigkeit hielt die H. in dem Führerstand der Lokomotive zurück. Nach dem Erwachen hatte sie aber nicht mehr die Kraft, die Lokomotive durch das hochgelegene Fensterchen, durch das sie eingeftiegen war, zu verlassen.
Der Gpielplan des Stadttheaters.
Aus dem Stadttheater-Büro wird uns geschrieben: Sonntag, 21 April, 19 Uhr auf vielfachen Wunsch die romantische Operette: „Der Zigeunerbaron" von Joh. Strauß. Leitung haben Wrede — Cuj 6 — von Rabenau. — Montag, 22. April, außer Abonnement um 19.30 Uhr die Schlager-Operette: „Der Vetter aus Dingsda" von Künneke; Leitung Hub—- C u j 6 — von Rabenau. — Dienstag, 23. April, das Lustspiel: „So ein Mädel! (Extemporale)" von Sturm und Färber; Spielleitung hat Karl Volck. Dauer von 20 bis 22 Uhr. — Mittwoch, 24. April, Erstaufführung der Operette: „Graf von Luxemburg" von Lehar; Leitung Wrede — Cujs — von Rabenau. Dauer von 19.30 bis 22.15 Uhr. — Donnerstag, 25. April, geschlossene Vorstellung für die NS.-Kulturgemeinde, Ring Deutsche Bühne: „Die armseligen Besenbinder", altes Märchen von Carl Hauptmann; Spielleitung Anton Neuhaus. Dauer von 20 bis 22.30 Uhr. — Freitag, 26. April, 20 Uhr Wiederholung: „Der Graf von Luxemburg", Operette von Franz Lehär; Leitung Wrede — Cuj 6 — von Rabenau. Dauer bis 20.45 Uhr. — Samstag, 27. April, geschloffene Vorstellung für die NS.'-Kulturgemeinde, Ring Deutsche Bühne, die Operette: „Der Vetter aus Dingsda" von Künneke; Leitung Hub — Cuj6 — von Rabenau. Dauer von 20 bis 22.30 Uhr.
Spielplan und Dienslag-Abonnemenl.
Aus technischen Gründen sollten ursprünglich die Dienstag-Abonnenten das Schauspiel: „Vertrag um
Karakat" nicht im Abonnement haben und als Aus« gleich dafür das Lustspiel: „So ein Mädel! (Ertem- porale)". Es ist der Intendanz nun gelungen, durch Spielplan-Dispositionen doch zu erreichen, daß die Dienstag-Abonnenten neben dem Lustspiel: „So ein Mädel" am 23. April, auch das Schauspiel „Vertrag um Karakat" als 28. Dienstagsoorstellung am 30. April erhalten. Das Lustspiel „So ein Mädel!" kommt jedoch nur einmal, und zwar am 23. April, zur Aufführung.
Daten für den 20. April.
1839: Karl I., König von Rumänien, in Sigmaringen geboren (geft. 1914); — 1889: der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler in Braunau am Inn (Oberösterreich) geboren.
Daten für den 21. April.
1488: Ulrich von Hutten auf Burg Steckelberg bei Fulda geboren (gestorben 1523); — 1736: der österreichische Feldmarschall und Staatsmann Prinz Eugen von Savoyen in Wien gestorben (geboren 1663); — 1782: der Pädagoge Friedrich Fröbel in Oberweißbach in Thüringen geboren (gestorben 1852); — 1918: der Flieger Manfred von Richthofen fällt bei Sailly-le-Sey (geboren 1892); — 1920: Gründung der ersten Ortsgruppe der NSDAP, außerhalb Münchens in Rosenheim. — 1924: die Schauspielerin Eleonore Düse in Pittsburg (Pa.) gestorben (geboren 1859).
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 20. April. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42, Matte 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 9, Wirsing (gelb), das Pfund 15 bis 20, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 28 bis 30, Gelbe Rüben 10 bis 12, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 25, Unterkohl, rabi 8 bis 10, Grünkohl 10 bis 15, Feldsalat 90 Pf., bis 1 Mark, Tomaten 40 bis 50, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 50 bis 60, Schwarzwurzeln 25, Rhabarber 25, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,40 bis 3,50 Mark, Aepfel, das Pfund 35 bis 40 Pf., Honig 40 Pf. bis 1,10 Mark, junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Enten 90 Pf. bis 1 Mark, Tauben, das Stück 60 bis 70 Pf., Blumenkohl 40 bis 60, Salat 28 bis 30, Salatgurken 60 bis 70, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 45, Rettich, Bündel 20 bis 45, Radieschen 15 Pf.
Vornotizen.
— Tageskalender für Samstag: SA.« Appell mit Großem Zapfenstreich um 20 Uhr am Oswaldsgarten. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Oberwachtmeister Schwenke". — Astoria-Licht- spiele, Seltersweg: „Schatten der Unterwelt". — „Zum Feldschlößchen", Rodheimer Straße: Preis- schießen. — Bavaria: Hotel Köhler.
— Tageskalender für 1. Öfter feier- tag: Stadttheater: 19 bis 22.15 Uhr: „Der Zi- geunerbaron". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Oberwachtmeister Schwenke". — Astoria-Licht- spiele, Seltersweg: „Schatten der Unterwelt". — -Zum Feldschlößchen", Rodheimer Straße: Preis- schießen. — Bavaria: 11 Uhr Hotel Kobel. — Wal- deslust: Saison-Eröffnung.
— Tageskalender für 2. Ofterfeier- tag: Stadttheater: 19.30 bis 22 Uhr: „Der Setter aus Dingsda". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Barcarole". — Astoria-Lichtfpiele, Selters- weg: „Schatten der Unterwelt". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 11 bis 13 Uhr II. Ausstellung aus Gießener Privatbesitz. — „Zum Feldschlößchen", Rodheimer Straße: Preis- schießen. — Bavaria: 11 Uhr Caf6 Amend.
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** D i e Museen bleiben am ersten Ostertag geschlossen. Am zweiten Ostertag sind sie zwischen 11 und 13 Uhr geöffnet.
** Straßensperrung. Die Polizeidirektion Gießen teilt uns mit: Wegen Vornahme von Kanal- bauarbeiten wird die Straße Am Nahrungs-
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Vornan von Charlotte prenzel.
Urheberrechtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.).
3 Fortsetzung Nachdruck oerboten!
Fhr Blick schweifte ab. Seine Frau! Oh, wie hatte sie monatelang, jahrelang auf eine Frage von ihm gewartet, denn der Sohn des reichen Leder- Händlers konnte feiner Frau alles gestatten, was das Leben lebenswert machte. Wie oft war sie Hohe daran gewesen, ihm die Worte in den Mund Zu legen, und hatte immer wieder gezögert, aus Furcht, denn sie wußte nicht, was sie hätte beginnen sollen, wenn diese einzige große Chance, die ihr das Leben bis jetzt geboten, plötzlich wie eine Seifenblase zerplatzte. Nun fragte er! Wie Hütte sie noch gestern, noch vor wenigen Stunden mit erleichtertem Seufzer ihm ihre Hand gegeben. Fetzt aber war alles anders, jetzt war ein Mann in ihr Leben getreten, der einer Frau keine glänzende Wohnung zu bieten brauchte, der ihr fein Auto, keine Dienstboten zu stellen nötig hatte, und dem sie schon heute bedingungslos gefolgt wäre.
„Deine Frage trifft mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel! begann sie endlich, und in ihre schwankende Stimme kam langsam Festigkeit. „Lieber Kurt, wir kennen uns seit Jahren, wir sind sozusagen Jugendfreunde, und du haft nie auch nur die leiseste Andeutung gemacht, daß du mich zur Frau begehrst!"
Auf fein breites, nicht sehr intelligentes, aber gutmütiges Gesicht trat ein Lächeln. „Ich habe in dir eigentlich immer meine zukünftige Frau gesehen, und meine Mutter hat mich in dieser Meinung unterstützt. Du weißt, du hast bei ihr einen Stein im Brett. Nun heiratet doch meine Schwester näch- jles Frühjahr nach Hamburg, da möchte meine Mutter Ersatz für die verlorene Tochter."
„Aber dein Vater? Er weiß doch, daß ich kein Vermögen besitze!"
„Gewiß! Und ich muß dir offen sagen, daß Vater gegen unsere Verbindung war! Er wollte natürlich eine Schwiegertochter, die ihm das wieder ins Geschäft brachte, was die Tochter nehmen würde. Nun ist mir aber vor zwei Monaten die Erbschaft einer Tante zugefallen. Mir ganz allein — und nun hat der alte Herr auch nichts mehr gegen dich einzuwenden. Gefallen hast du ihm übrigens immer."
Irenes Brust entrang sich ein zitternder Seufzer. Warum griff sie nicht zu? Hinhalten!, raunte ihr eine Stimme in ihrem Innern zu — Hinhalten, es auf keinen Fall mit ihm verderben.
„Ich kann nichts anderes sagen, als daß ich maßlos überrascht bin. Du hast niemals eine Bemerkung fallen lassen, daß etwa aus unserer Freundschaft jemals Liebe werden könnte. Ich
muß mich erst daran gewöhnen, in dir meinen zukünftigen Mann zu sehen."
„Es eilt ja noch nicht, es ist ganz gut, wenn meine Schwester erst aus dem Hause ist, bevor wieder ein Brautpaar auf der Bildfläche erscheint."
♦
An ihrem Geburtstage war Liane sehr enttäuscht, daß der Vater diesmal — wohl zum ersten Male — ihren Wünschen nicht nachgegeben hatte und sie als Gaben nichts weiter fand als Bücher, Parfüm und ein Schmuckstück, aber kein Auto.
So lanae Liane denken konnte, wurde ihr Geburtstag festlich begangen. Frau Widemann, eine Schwester von Lianes ftüh verstorbener Mutter, kam schon zum Mittagessen und fühlte sich, wie immer, wenn irgend etwas Außergewöhnliches im Haufe Scholz geschah, als Mittelpunkt alles Geschehens, sehr zum Aerger von Frau Keppler, der Hausdame, die, zwar nie sonderlich gut aufgelegt, an solchen Tagen ihr mürrischstes Gesicht zur Schau trug.
Bald nach Disch kamen schon die ersten Freundinnen.
„Kleinchen wird neunzehn Jahre alt?" wunderte sich Irene. „Du siehst immer noch wie ein Backfisch aus!"
Die jungen Damen lachten und schwatzten durch- einander, halfen Frau Widemann die letzten Lampions im Garten befestigen, denn es war, wenn das Wetter gut war, Brauch, Lianes Geburtstag durch eine italienische Nacht zu feiern.
Abends stellten sich die männlichen Besucher ein: Brüder von Freundinnen Lianes, Freunde von Herrn Scholz — auch Kurt Lechner durfte nicht fehlen. Es waren feit Jahren immer fo ziemlich dieselben Gesichter, daß ein fremdes auffallen mußte; außerdem hatte Liane dafür gesorgt, die Neugierde ihrer Freundinnen auf ihren Lebensretter zu schüren.
„ Eigentlich aber enttäuschte Fred Morland. Er überging alle Bemerkungen, die sich auf Lianes Unfall bezogen, begann mit keiner der jungen Damen ein Gespräch und hielt sich überhaupt mehr zu den älteren Herrschaften. Bei Tisch hatte Liane einen sehr schweigsamen Tischherrn, und Irene hätte wer weiß was darum gegeben, an seiner Seite zu sitzen.
Nach Tisch verteilte sich die Gesellschaft: im Festsaal der Villa wurde getanzt, im Garten wurde gespielt,, und die älteren Herrschaften blieben auf der Veranda sitzen, einige mischten die Karten, andere disputierten. Da die meisten derselben Branche entstammten, waren sie bald bei dem Gespräch angelangt, womit fast alle Gespräche beschlossen wurden: das Geschäft.
Lianes Onkel, der vielbeschäftigte Rechtsanwalt Widemann, hatte seine Nichte zum ersten Tanz lhrem Tischherrn entführt, was sich dieser ohne Widerrede hatte gefallen lassen. So saß Fred bei den Heiteren.
, „Was halten Sie eigentlich von der neuen Mode, die Paris dieses Frühjahr gebracht hat?" sagte ein Fabrikant. „Verrückt, völlig verrückt diese Taschen!"
„Wer weiß, ob sich die Mode nicht Bahn brechen wird!" meinte Scholz. „Wir ha^en es schon oft erlebt, daß sich etwas durchgesetzt hat, woran man am Anfang stark zweifelte. Ich erinnere nur an die Kästchen, die einmal aufkamen und dann wieder verschwanden; aber jede Dame hat doch solch ein Ding getragen. Wer die Sache damals sofort brachte, hat viel Geld verdient."
„Nun, die Partycases, wie sie genannt wurden, erfüllten im Vergleich zu den Dingern, die jetzt Mode werden sollen, immer noch den Zweck der Tasche."'
„Ich persönlich halte auch nichts davon, aber... Was ist Ihre Meinung, Herr Morland? Sie sind der Jüngste in unserem Kreise, Sie müssen den heutigen Geschmack am besten kennen!"
Fred lachte. „Ich fabriziere sehr viel gegen meinen Geschmack und gegen meine Meinung."
„Also — halten Sie etwas von der neuen Mode?"
„Nein! Es gibt viele Modetorheiten, die man nicht mitmachen muß. Die Partycases damals waren zwar auch eine Modetorheit, aber immerhin eine angenehme Abwechslung in den Auaen der Dame."
„Ja — das meine ich auch!"
„Lassen wir Geschäft - Geschäft fein!" schnitt Franz Scholz das Gespräch ab. „Genießen wir lieber die herrliche Nacht. Haben Sie eigentlich unseren Garten schon näher in Augenschein genommen, Herr Morland? Wie mär's, wenn wir alle erst mal einen Rundgang machen würden?"
Allein die übrigen Herren zogen vor, nach den Karten zu greifen. So ging Scholz allein mit Fred.
„Tanzen Sie nicht?" fragte Scholz den Gast.
„Gerade so viel wie ich muß!"
„Also nicht mit sehr großer Freude?"
„Offen gestanden, ich habe noch nicht darüber nachgedacht. Wenn man wie ich aus kleineren 93er- hältnissen kommt und es zu etwas bringen will, dann drehen sich die Gedanken immer nur um das eine — das Vorwärtskommen."
„Aber Sie sollten doch nicht vergessen, daß die Jugend schneller entschwindet, als man off denkt. Ehrgeiz ist ja sehr schön, aber man sollte doch nicht alle Freude des Lebens darüber vergessen."
„Sie mögen wohl recht haben, und wenn ich mit eigenem Kapital an ein Wagnis gegangen wäre, hätte es mich wohl kaum so vorwärtsgetrieben. So aber lag das mir anvertraute Geld eines Freundes in meiner Hand. Das war Ansporn."
„Schade, daß unsere Bekanntschaft nicht schon etliche Jahre zurückliegt. Meine Tochter hat mich so dringend beauftragt, meine Dankbarkeit Ihnen gegenüber durch eine Tat zum Ausdruck zu brin
gen, und ich selbst habe den Wunsch, Ihnen meinen Dank zu beweisen. Ich fürchte nur, ich komme zu spat. Ich werde Ihnen auch geschäftlich nicht mehr von Nutzen sein können."
,^Jch danke Ihnen, Herr Scholz! Ich werde mich auch gewiß Ihrer Worte erinnern, wenn ich einmal eines Rats bedarf!"
„Inzwischen hoffe ich Sie recht oft bei uns zu sehen; auch ohne formelle Einladung sollten Sie kommen!"
„Ich will es versuchen, aber es wird mir nicht ieicht fein. Ich habe sehr einsam gelebt und bin auch viel auf oer Reise."
„Herr Morland — ein Mann wie Sie in den besten Jahren, unverheiratet, mit einem aufblühen- den Geschäft, der sollte sich nun auch gesellschaftlich die Stelle sichern, auf die er gehört. Sehen Sie nur, wie die Jugend da in den Garten stürmt. Da müssen Sie mitmachen. Ich wette, die Damen warten nur darauf, die Bekanntschaft mit Ihnen zu befestigen!"
Vom Hause her, die Verandatreppe hinunter eilten die Freunde und Freundinnen Lianes. Helles Lachen wurde laut, vielstimmiges Geplauder ertönte.
Irenes scharfe Augen erblickten die beiden Herren; sie kam näher.
„Herr Scholz, Sie werden Herrn Morland doch nicht wieder auf die Veranda mitnehmen? Uns fehlen sowieso Herren. Die Hälfte unserer Tischherren sitzt nun schon beim Skat; auch Herr Wide- mann kann nicht mehr tanzen", beklagte sie sich in drollig weinerlichem Ton.
„Ich denke gar nicht daran, ihn mitzunehmen! Ich habe im Gegenteil diesem Herrn die Leviten gelesen und verschwinde sogleich allein. Viel Vergnügen, Herr Morland — und meine Worte vergessen Sie nicht!"
Während Scholz seinen Weg fortsetzte, gingen Irene und Fred quer über den Rasen zu den anderen.
„Irene, Irene!" tönte es ihnen entgegen. „Dein Pfand, du mußt Kirschen pflücken."
„Wer muß Kirschen pflücken?" kam es von den Stufen der Veranda her, und Herrn Widemanns untersetzte Gestalt tauchte zwischen dem jungen Volk auf. „Fräulein Irene? Da mache ich mit!
Irene lachte, löste sich von Freds Seite und trat auf Widemann zu. „Onkel Widemann, bei Ihnen mache ich den Anfang — lassen Sie mich nicht im Stich!"
„Nein, nein, Jrenchenk" Er bot ihr die Lippen, sie drückte die ihren schnell auf die seinen.
„Sauer!" lachte er und schüttelte sich.
Alle lachten hellauf, Irene aber stampfte wütend mit dem Fuß auf. „Erbärmlich, nie wieder dürfen Sie mitspielenk"
„Weiter, weiter!" lachten die anderen.
(Fortsetzung folgt!)


