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Samstag, 20. HpriH935

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Nr. 03 viertes Blatt

Der Blinker bei der Durchgabe

5 as Abschicken einer Meldung durch den Meldehund

Auferstehungsglauben

den

lon vielen, die

Aus der provinzialhauptstadt

seine

ihnen gesellt sich ein Wanderer, der durch

Kompanie-Gefechtsstand mit Entfernungsmesser, Beobachter, Fernsprechanschluß und Melder.

Worte ihre Herzen zum Brennen bringt, bei ihnen Einkehr Hält, mit ihnen ißt und betet, bis sie er­kennen: Es ist der Herr! Er lebt und führt uns zu neuem Leben! Don diesem Osterglauben ist jede Zeile des Neuen Testaments erfüllt. Und der größte unter diesen Osterzeugen des Auferstandenen, der Apostel Paulus, hat solchem Osterglauben wohl den herrlichsten Ausdruck verliehen in den Worten: Gott sei Dank, der uns den Sieg gegeben hat durch unseren Herrn Christus." (1. Kor. 15, 57.)

Christus ist immer wieder als Sieger durch die Völker gegangen. Wir brauchen nur an unser Volk zu denken. Ihm nahte der Auferstandene in der unserm deutschen Volk eigenen Art als der Hei­land in Kraft und Ritterlichkeit, so daß unsere Ahnen ihm als ihrem gnadenreichen Herzog gerne als getreue Mannen Gefolgschaft leisteten. Denn sie sahen in ihm all das auferstandene, was sie geahnt und ersehnt hatten: Wahrheit, Gerechtigkeit, Rein­heit, Bruderliebe und Gottvertrauen.

Fragen wir nach dem Grund des Sieges, der dem Auferstandenen immer wieder in der Welt zuteil wird, so müssen wir zwei Tatsachen angeben: Der Auferstandene gibt den Menschen Todestrost und Lebenskraft. Durch Christi Auferstehung haben wir Todestrost. Denn durch ihn ist die Macht des Todes gebrochen. Der Tod ist durch Jesus verschlungen in den Sieg. Wir brauchen ihn nicht mehr zu fürchten, diesen Fürst der Schrecken, als brächte er uns das Ende. Er bringt uns nur jene herrliche Verwand­lung, die nach oben führt, die uns mit dem Gott vereinigt, der unseren Heiland nicht im Tode ließ und darum auch die Nachfolger dieses Jesus mit Vaterhänden zu sich führt. Gewiß, auch Menschen ahne diesen Glauben sind tapfer gestorben, wenn-

in ihrem Leben verspotteten, in der Todesstunde ähnlich ging wie jenem englischen Schriftsteller, der vor Angst zitternd, seinen Geist aushauchte mit den Worten:Ich bin dabei, einen Sprung ins Finstere zu tun". Aber ob sie auch tapfer starben, keiner von ihnen, die den Osterglauben ablehnten, ist als Sieger über den Tod gestorben. Das bringen nur die Chri­sten fertig, weil sie, wenn ihnen am allerbängsten um das Herz ist, ihres Heilands Stimme hören: Fürchte dich nicht! Ich bin mit dir und helfe dir!" Das gibt Ewigkeitsgewißheit und Siegeskraft über den Tod. Zum andern beschert uns der Sieger über den Tod Lebenskraft. Wir brauchen diesem harten und erbarmungslosen Leben nicht mehr schwächlich ober verzweifelt gegenüberzustehen. Wir kennen ja jenen Sinn des Lebens, den der Apostel Paulus mit den Worten beschreibt:Leben wir, so leben wir dem Herrn". Unsere Auferstehung beginnt nun nicht erst im Jenseits, sie fängt schon auf Erden an. Als Nachfolger unseres Heilandes sind wir Sieger über des Lebens Leid und Sorge, über des Lebens Schuld. Darum können wir unsere Lebensarbeit getrost und freudig tun, weil wir den Punkt außer­halb der Welt kennen, von dem aus wir diese Welt meistern. Für uns ist Ostern seligste Wirklichkeit und Gegenwart.

Ist es das für uns wirklich? Ist nicht unser Öfter» glaube so matt, daß er die Osterbotschast wohl hört, aber sich an ihr nicht erheben kann? Ist nicht unsere Osterhoffnung so schwach, daß wir von ihr weder Todestrost, noch Lebenskraft erhalten? Gleichen wir nicht den verzagten Enzmausjüngern viel mehr als den Helden, die' die erste Christenheit als Boten in die Welt sandte? Wenn dem so ift, dann wollen wir des Siegesfürsten Osierbotschaft vernehmen: Meine Zeit ist nahe, ich will Ostern bei d i r halten! Wie einst von ihm, so geht noch heute von seinem Bild im Evangelium Sonnenlicht aus. Laß dich davon erleuchten, du glaubensarme Seele! Und blicke auf

einer Meldung.

(Aufnahmen: Photo-Pfaff)

Oie Osterbotschast

Es war im bolschewistischen Rußland zur Zeit d:r stärksten Gottlosenpropaganda. Lunatscharsky h»elt in Moskau eine große Versammlung gegen bee christliche Religion. Mit Fanatismus eiferte er g- gen den Christenglauben. In der folgenden Aus- flache meldete sich auch ein Geistlicher zum Man wollte es ihm nicht geben. Aber er Derfprpd), rur zwei Sätze zu sprechen. Die wurden ihm fchlietz- lch zugestanden. Der Geistliche begann mit Dem ur- c:ten russischen Ostergruß:Christ ist erstanden, lanb die Volksmenge, wie ein Mann sich erhebend, gabelte ihm trotz allen Terrors entgegen:Er ist wahrhaftig auferstanden!"Ich habe dem nichts hmzuzufügen!" lautete der zweite Satz. Nicht er erließ als Sieger die Rednertribüne. Man spurte, Ctyriftus war hier der Sieger.

Christus ist Sieger! das ist die Botschaft von Citern. Er ist Sieger über Grab und Tod, Sünde und Schuld und damit über das Menschenherz. Ims beweisen uns die Menschen, die den Auserstan- b nen zuerst als Sieger erlebten, seine Jünger und Nngerinnen, die durch das Ostererlebnis neue Men- iqjen werden. Da gehen am Morgen des Ostertages 0 rängstete Frauen zum Grabe, um den Leichnam , ihres Meisters zu salben, und sie verlassen das offene Grab als Boten des Auferstandenen: Wir b auchen den Lebendigen nicht mehr unter den loten zu suchen. Da steht Maria Magdalena an b m Grab Jesu und weint, aber ihr begegnet der fcrr, um den sie weint, und aller Zweifel, alle lirauer, alle Hoffnungslosigkeit versinkt in dem etrom der Freude: Jesus ist Sieger! Da gehen Lunger über Feld nach Emmaus,ihre Augen sind v'll Tränen, ihre Herzen voll Verdruß", und zu

die Menschen, die wirklich Ostern erlebt haben und nun als Sieger das Leben und den Tod bezwingen. Ihnen schließe dich an, schau auf ihr Lebenswerk! Es wird auch dich zur Ostergewißheit führen, denn es ist das Osterlied des Lebens, das Siegerlied: Nun schmückt das Kreuz mit Palmen und trauert ferner nicht! Singt dem Erlöser Psalmen, denn Jejus hat gesiegt!"

Dozentenjubiläum.

Der weit über die Grenzen unserer Landesuni­versität hinaus bekannte Rechtsgelehrte Professor Dr. jur. Otto Eger beging in diesem Monat sein 25jähriges Dozentenjubiläum. Einige Studenten sind durch das Vorlesungsverzeichnis darauf aufmerksam geworden, und so hatten sich vergangene Woche junge Juristen, der Führer und einige Amtsleiter und Mitarbeiter der Gießener Stuoentenschast und des Studentenwerks im Gieße­ner Studentenhaus eingefunben, um im kamerad­schaftlichen Kreise mit Professor Eger diesen Ehrentag zu begehen. Nach einer kurzen Begrüßung sprach der Geschäftsführer des Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbundes, Hochschulgruppe Gie­ßen, cand. jur. Fritz Friedrich die Glückwünsche und den Dank der Gießener Studentenschaft aus. Er würdigte die jahrelange Tätigkeit des Jubilars als Hochschullehrer an unserer Landesuniversität und betonte stark die kameradschaftliche Verbunden­heit zur Studentenschaft, welche die Wirksamkeit Professor Egers vor allem auszeichnete. Sein Ein­satz bei der Aufstellung und Führung der im Jahre 1923 gegen die in Mittel- und Westdeutschland aus­gebrochenen kommunistischen Unruhen hier aufge­stellten Studentenkompanien, seine nun 14jährige uneigennützige Arbeit als Vorsitzender des Stuben- tenwerks Gießen E. V. am Ausbau ber ftubenh- schen Fürsorgeeinrichtungen und bei der Schaffung des Gießener Studentenhauses, seine Sorge um die Aufrechterhaltung und Weckung des Wehr-

Der MchrichieMenst

im Reichsheer.

Bilder von der Nachrichtentruppe unserer Gießener Garnison.

Der Bewegungskrieg 1914 zeigte deutlich, von meld) ausschlaggebender Bedeutung für das Ge- lingen einer Schlacht eine schnelle und sichere Nach- ichtenübermittluna ist. (Meldung von der kämpfen­den Truppe zur Führung und umgekehrt. Befehle

!Festlegen des Fernsprechkabels an einem Baum.

von der Führung an die vorderste Front.) Es ist deshalb verständlich, daß man dem Ausbau der technischen Nachrichtenmittel auf Grund dieser er­sten Beobachtungen schon während des Krieges er­höhte Aufmerksamkeit schenkte. Doch die gewalti­gen Materialschlachten, durch die die schon lichten Reihen der kämpfenden Truppen fast auseinander» gerissen wurden, in denen die Verbindung nach hinten durch eine Sperrfeuerwand fast vollständig abriß, also Drahtleitungen fast restlos zerstört wurden, Meldeläufer kaum durchkamen, zeigten, daß noch andere Nachrichtenmittel, wie Melde­hunde, Brieftauben, Flieger usw., in bas Nachrick- tensystem eingegliebert werben mußten, um so eine ständige Verbindung zwischen Führung und Truppe zu gewährleisten. Ein weiterer Ausbau des Nachrichtenwesens war auch schon deshalb notwendig, weil man bis zum Kompanieverband herab gezwungen war, die Truppe nach Breite und Tiefe weiter auseinanderzuziehen, um dadurch grö­ßere Verluste zu vermeiden An den Nachrichten­mann wurden bei diesen mörderischen Kämpfen überaus hohe Anforderungen an Mut, Ausdauer, Kaltblütigkeit und Unerschrockenheit gestellt.

Die im Weltkrieg gesammelten Erfahrungen wur­den richtunggebend für die Arbeit in der Nach­kriegszeit. Heute nimmt das Nachrichtenwesen bei allen Heeren einen bevorzugten Platz ein. Kleine Einheiten, wie Bataillon, M.-G.-Kompanien usw., hat man mit Nachrichtenzügen bzw. -staffeln ausgerüstet, um jederzeit über eine gut ausgebil­dete Nachrichtentruppe schnell verfügen zu können. Für die weitere Vervollkommnung des Nachrichten-

Die Ankunft eines Meldehundes.

Beobachter am Scherenfernrohr mit Fernsprechstelle.

Der Störungssucher beim Beseitigen einer Leitungsstörung.

wesens, für die Ausbildung und bewußte Erzie­hung des erforderlick;en Personals, werden die beste'n Kräfte eingesetzt. Nicht jeder körperlich gut veranlagte Soldat gibt einen guten Nachrichten­mann ab Der Nachrichtenmann muß daneben technisches Verständnis haben und muß einen ge­wissen Grad von Intelligenz besitzen; denn der Dienst stellt nicht nur hohe Anforderungen an den Körper, sondern vorwiegend an den Geist.

Der Nachrichtenmann wird zuerst in der Wasfen- und Kampftechnik seiner Truppengattung ausge­bildet, damit er mit dem gesamten Geländedienst und der Waffenwirkung vertraut wird und die taktischen Grundsätze für das Gefecht kennen lernt. Der Nachrichtendienst muß sich der eingesetzten For­

mation eingliedern bzw. anschmiegen. Anschlie­ßend daran beginnt die Einführung in den tech­nischen Dienst, wie -Gerätekunde, Legen von Lei­tungen, Beseitigung von Störungen usw. Die Grundlage für den praktischen Dienst bildet neben der Gerätekunde die Kenntnis und völlige Beherr­schung des Morsealphabetes, das für Funk- und Blinkdienst die Voraussetzung ist.

Die Ausbildung des Mannes, die auch weiterhin im Geländedienst, Exerzieren usw. eine Förderung erfahren muß, ist, wie auch die beigefügten Bil­der zeigen, eine recht vielseitige und interessante, so daß, wie schon an anderer Stelle hervorgehoben wurhe, nur gut veranlagte und passionierte Sol­daten für diesen technischen Dienst geeignet find.