Ausgabe 
20.3.1935
 
Einzelbild herunterladen

K

WW

.MW

f« -

s

W W Ä

' < y"' -/ V E.M M .

>W#'J

1

'::-YZA;it::5^.,SBK,<>y'

Mittwoch, 20. März M5

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Hr.67 Drittes Blatt

stand von Compiegne geschlossen wurde, der

nische Union, Belgier und Portugiesen stehen ge-

land, bilden zusammen eine erdrückende Ueber-

OOO

Nachdruck verboten!

9 ^ortletuirig

Ver- dem und

Die Zfflandstöchter und ihre Kreier.

Roman von 3 Echnewer-Hoerstl

Copyright by Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.

Sie rechnen wohl, daß das Wetter abzieht?" fragte Jffland und zögerte, den Fuß auf die eiserne Leiter zu setzen, die zur Kabine führte.

Kaum! Aber es hat nichts zu sagen, Herr Kom­merzienrat."

,,yd) habe meine Frau mit", erinnerte Jffland und sah nach der schlanken Gestalt, der Pilot Kolbe eben auf den Sitz half.Sie spielen doch nicht mit unserem Leben, wie?" sagte er, merkwürdig erregt.

Nein, Herr Kommerzienrat. Ich habe alles in Betracht gezogen. Ich nütze den Wind, solange es geht und nehme die schnurgerade Richtung ostwärts. Dann erst biege ich nach Süden ab. In zweieinhalb Stunden denke ich es zu schaffen."

Also gut!"

Cs saß sich bequem in der großen Kabine. Eng aneinandergedrückt hielten Jffland und seine Frau sich an den Händen. Man hatte so wenig Zeit für­einander: Das Werk, die Gesellschaften, die Reifem Jffland fand, daß einem dieses ewige Jagen nach dem Mammon die schönsten Stunden wegnahm. Eigentlich genügte das, was er besaß, ja schon lange, hätte bereits genügt, als er Maria heim­führte. Aber da waren tausend Rücksichten zu neh­men und seine eigene, persönliche Tüchtigkeit zu be­weisen.

Er warf einen Blick durch das Kabinenfenster und sah, daß man den Rhein längst hinter sich hatte. Unten qualmte jetzt Schlot an Schlot. Plötzlich machte die Maschine einen Sprung in die Tiefe.Hans!!" Frau Marias Kopf schlug schwer gegen die Schul­ter ihres Gatten.

Kölbe hatte den Schrei gehört und zeigte, sich umdrehend, ein beruhigendes Lächeln.

Er schafft es schon", sagte jetzt Jffland trösUnd.

Eine Stunde noch."

Sie flogen jetzt längs der Eisenbahnlinie, auf der ein Zug im Schneckentempo ostwärts schlich. Aus dem Gestänge der elektrischen Leitung zuckte ab und zu ein Blitz auf: Grell und kupfern. Schon nach Minuten war die schwarze Schlange unten über­holt. Fast gleichzeitig wandte Kölbe sich nach der Kabine zurück und schrie:Wenn mich Herr Kom­merzienrat nun etwas orientieren wollten!"

Orientieren? Das war schwer. Unten dehnten sich die Vorberge. Seen glitzerten, die Wälder standen als grüne Oasen in dem Gelb der Landschaft. Dann kamen die Frauentürme in Sicht. Jetzt wußte Jff- land Bescheid.Rechts ab!"

Ein kleines Häuflein, das ursprünglich nur dazu bestimmt war, die Ordnung und Sicherheit im Lande aufrechtzuerhalten und etwaige Eingebore­nenunruhen zu unterdrücken. Unklugerweise war diese Kolonie vom Mutterland stiefmütterlich behan­delt worden: es fehlten Gewehre, es fehlten brauch­bare Kanonen, es fehlten mit einem Wort fast alle Mittel der modernen Kriegstechnik. Die Schutztruppe bestand aus 216 Deutschen und 2540 eingeborenen Unteroffizieren und Mannschaften. Dazu kam die Polizei mit 45 Deutschen und 2140 Eingeborenen, zusammen 261 Deutsche und 4680 Askaris, von denen allerdings die meisten für Lettow-Vor-

td)t ist Weizen, ichts ge. len noch es frei­stellt. In ch in der meisten rbei um im Tage da die ers be» jchön be«

Das Flugzeug wendete sich augenblicklich. Das schwarze Gewölk war nach Süden weggezogen. Eine reine, azurblaue Glocke hing jetzt über ihnen. Kölbe ging auf hundert Meter herab Jfflands Blick wurde wie der eines Falken: Ein langgestrecktes Rechteck, von einem dunklen Streifen Wald umrahmt, der einen Bergrücken hinauflief.Das ist Haslbach!" rief er laut nach vorn.

Drei Augenpaare suchten nach der Tiefe und blie­ben an dem Mittelturm haften. Jffland wandte un­willkürlich das Gesicht zur Seite:

Die Fahne unten weht auf Halbmast ..

Man war zu spät gekommen'

ergießt sich eine zehn- bis fünfzehnfache Uebermacht über die deutsche Kolonie: von der Küste her attackieren die Gegner unter van Deventer, von Norden die belgischen Truppen, von Westen und Südwesten südafrikanische sowie rhodesische, von Süden portugiesische Streitkräfte.

Trotz dieser zermalmenden Uebermacht siegen die Deutschen und ihre farbigen, treu ergebenen Askaritruppen in einem erbitterten Kampf bei M a h i w a ... Aber auf die Dauer ist der feind­liche Druck zu stark. Ob er will oder nicht: Lettow- Vorbeck muß, wenn er der Gefangenschaft entrin­nen will, das deutsche Schutzgebiet notgedrungen preisgeben. Er durchbricht am 25. November 1917 die portugiesische Linien und tritt nach Por- t u g i e s i s ch- Mozambique über. Am 28. September 1918 kehrt er wieder auf das deutsch-ostafrikanische Kolonialgebiet zurück, ein ge­schlagener und dennoch ungeschlagener Mann, ge­fürchtet van seinen Feinden, ungebrochen in seiner Kraft ... Lettow-Vorbeck, der Verteidiger seiner Heimat, der Mann der durchgreifenden, energischen

Haupt so lange behalten. Hier kann ich doch viel nützlicher sein."

Wie denn?" lächelte Klaudine müde.

Oh, meinte Luzie, von scheuem Hoffen erfüllt, ich bringe der Stiefmutter Hasen und Rebhühner für die Küche, den ersten Bock und alles Fischzeug, das wir brauchen. Du weißt auch, wie oft ich zur Stadt geritten bin, wenn gerade etwas benötigt wurde. Ihr würdet erst sehen, wie ich euch abgehe, wenn ich einmal fort chin. Ihr könnt einfach gar nicht auskommen ohne mich."

Im Stift hättest du es viel schöner", wagte Klaudine noch einmal einen Vorstoß.Unter jungen Damen deines Alters."

Brrr!" machte Luzie.Aus jungen Damen habe ich mir nie viel gemacht! Junge Hunde sind mir entschieden lieber."

Schlaf jetzt", bat die Schwester.Es muß ja nicht schon morgen sein. Nur das eine", sie holte erst Atem, ehe sie weitersprach:Ich fühle mich so bedrückt, wenn wir alle drei Henriette zur Last fal­len. Aber es wird sich schon ein Ausweg finden. Gute Nacht, Kleines!" Sie küßte Luzie und verließ mit leisen Schritten den Raum.

*

lieber dem Treppenhaus lag ein breiter Strei­fen helles Mondlicht. Er lief über die Stufen hinab und bildete unten eine silberne Lache, über den ge­spenstige Schatten hintanzten. Sie stammten von dem Blätterwerk draußen, das der Wind bewegte.

Jetzt, wo alles so voll Ruhe und lautlostr Stille war, fielen die Gedanken über Klaudine her wie Wölfe. Der Vater hatte gar nichts mehr zu regeln vermocht. Dem ersten Schlaganfall war gegen Abend noch ein zweiter gefolgt, der ihn vollkommen lähmte und Zunge und Gehirn nicht mehr zur Tätigkeit kommen ließ.

Henriettes Hypothekengelder lasteten auf Haslbach wie ein Berg, den sie niemals würden abtragen können. Woher nahm man hundertfünfzigtausend Mark, wenn die Stiefmutter über Jahr und Tag ihr Kapital zurückverlangen sollte? Und wer ver­zinste ihr das viele Geld? Solange der Vater ge­lebt hatte, war das sein und ihr gemeinsames Eigen­tum gewesen Aber ieht?

Das Mondlicht rieselte der Einsamen über Schul­ter und Rücken und warf einen fahlen Schimmer über ihr schwarzes Kleid. Man mußte verdienen gehen ... Sie schauerte zusammen, nicht aus Furcht, sondern aus dem Bewußtsein des Unvermögens her­aus. Verdienen! Womit? toie sah auf ihre Hände und ließ sie betrachtend auf dem braunen Knauf des Geländers ruhen.

Was konnten sie denn leisten, diese schmalen, schlanken Finger, die noch nie eigentliche Arbeit ver­richtet statten? Daß sie singen konnte, daran dachte- Klaudine jetzt kaum. Singen! Wo sie noch nicht ein­mal ganz mit der Ausbildung fertig mar. In Tingel­tangel oder Kabaretts auftreten? Sie schüttelte sich.

<Fortsetzung folgt!)

Tat ... *

Es war, alles in allem, ein Kampf mit den pri­mitivsten Mitteln. Ein Kampf, der nie solche Früchte gezeitigt hätte, so herrliche Siege, wenn nicht Lettow-Vorbeck den Seinen stets m i t persönlichem Beispiel vorangegangen wäre. Er selbst verlangte nicht nur von seinen Untergebenen das Letzte, das Allerletzte, sondern in erster Linie von sich selbst: nur so gelang ihm der große Wurf, die starke Armee der verbünde­ten Feinde zu verwirren, zu überlisten.

Ein charakteristischer Zug: als keine Stiefel mehr aufzutreiben waren, versuchte Lettow-Vorbeck kurz entschlossen gleich den Eingeborenen barfuß zu gehen. Er wollte die Wirkung erst an sich selbst er­proben, um dann das Barfußgehen eventuell bei der Truppe einzuführen. Aber er gab es bald auf: in einem Tage waren die Füße entstellt und zer­schunden. An allen Ecken und Enden fehlten brachbare Waffen: die wackeren Kämpfer besaßen nur eine beschränkte Anzahl alter, unmoderner Ge­wehre, die Planzer schossen mit ihren Jagdflinten und es gab beispielsweise in der Truppe eine Ein­geborenenkompagnie, die lediglich mit Neger- speeren bewaffnet war. Und erst die Artil­lerie: einige 3,7- und 4,5-Zentimeter-Kanonen, ein paar uralte Salutgeschütze, wenige Revolverkano­nen ... Das war alles Deutsch-Ostafrika bis zum letzten Atemzug zu verteidigen ...

Darum wollen wir heute feiner gedenken, da er noch, ein prachtvoller Kämpfertyp, in unserer Mitte weilt: einer der besten Patrioten, der tüchtigsten Generale und der tapfersten Soldaten des Krieges.

Trachtenforscher Emil Wessel t

LPD. Marburg, 19. März. Der bekannte Hessentrachten-Forscher Justizinspektor a. D. Emil Wessel ist im 68. Lebensjahre plötzlich einem Herzschlag erlegen. Wessel, aus Rotenburg (Fulda) gebürtig, war von 1909 bis 1924 am hie­sigen Amtsgericht tätig und widmete feine freie Zeit eifrig der Erforschung der mannigfachen Hessentrachten. Die hessische Heimatforschung hat dem Verblichenen auf diesem Gebiet viel zu danken. In den letzten Jahren setzte er sich sehr für die Verkehrsrverbung durch Rundreisen hessischer Trachtengruppen in anderen Gebieten Deutschlands ein. Auch in Jägerkreisen ist Wessel sehr bekannt geworden.

Kamps um Deulsch-Ostasnka.-zehn gegen einen!

Zum 65. Geburtstage des Generals Paul von Lettow-Vorbeck am 20. März.

Äon Or. Werner Hillbrina

zweimal so groß wie Deutschland. Und nun sollten plötzlich 15 000 Menschen dieses Gebiet erfolgreich gegen den Ansturm der Gegner ver­teidigen, Menschen, von denen die meisten nur flüch­tige Ausbildung genossen, und die, im Grunde ge­nommen, abgesehen von der kärglichen Bewaffnung und der kärglichen Munition nicht anderes besaßen als einen unerschütterlichen Kampfgeist ...

W dennoch: ran an den Feind!

Wer hätte es Lettow-Vorbeck ernstlich ver­übeln können, wenn er, um ein unnützes Blutver-

Askaris gebracht: doch reichte auch diese stärkung lange nicht aus, um normalerweise Gegner länger als höchstens einige Wochen Monate die Stirne zu bieten. Man denke nur: die Kolonie war ein unermeßlich weites Gebiet, f a st

General von Lettow-Vorbeck an der Spitze der mit ihm im März 1919 heimkehrenden Schutz­truppe beim Einzug durch das Brandenburger Tor in Berlin. Rechts hinter General v. Lettow-Vorbeck liebt man den Gouverneur von Deutsch-Ostafrika Dr. Schnee, rechts mit dem Tropenhelm General W a e h l e. ____________________

beck durchs Feuer gingen. Aber was vermochte diese geringe Zahl im Ernstfälle gegen die gewaltige Uebermacht des Feindes! Zwar wurde die Truppe verstärkt und zu Anfang des Krieges auf eine Stärke von 3000 Europäern und 12 009

r&anb 'eskirche Spuren )q6 für mtereffe

Krie. uny des leraloer, er Rech, in Orb. de (Ent. I wurde > dieses 5 V-e r«

t Tchü»

W1V.

che in 50 M i Ein. i sorge- 10 RM. vor kur« Arbeiters - Junge

prachtvoller Soldat und gefürchteter Gegner

Lettow-Vorbeck ... Ein Name, der längst allen Deutschen geläufig ist, der die glorreiche Zeit lebendig werden läßt, da es einer Handvoll deut­scher Männer gelang, einer zehn- bis zwan­zigfachen Uebermacht heroischen Widerstand zu leisten. Es war ein Kampf bis aufs Messer, voll här­tester Strapazen, romantisch und abenteuerhaft in feiner Wildheit und feiner Verlorenheit, die Odyssee einer kleinen Kriegstruppe, die überall auftauchte, kühn und verwegen, wo gerade der überraschte Feind war: Lettow-Vorbeck, der Verteidiger Deutsch-Oftafrikas ...

Unvergeßlich werden die Kämpfe um Deutsch-Ost- afrifa bleiben. Unvergeßlich die Verdienste, die sich der deutsche Oberst im fernen Land, vom Vaterland abgeschnitten, um seine Heimat erwarb. Fünf lange Jahre, als die Welt in Flammen aufzugehen drohte, trotzte er den Feinden, den Engländern, Belgiern und Portugiesen, den Soldaten der Südafrikanischen Union, die seine kleine Schutztruppe von allen Sei­ten e i n f r e i ft e n. Er wehrte sich mit einem Lö­wenmut sondergleichen, mit einer stählernen Ver­bissenheit, mit einem beispiellosen soldatischen Elan.

Vor dieser prachtvollen Soldatengestalt, die den einfachen Soldaten in allen Gefahren mit persön­lichem Beispiel voranging, hatten auch die Englän­der Respekt. Vor allen andern der englische General Smuts, der die Aktion gegen Deutsch-Ostafrika geleitet hatte und immer wieder auf Granit beißen mußte. Als in London im Jahre 1929 ein Treffen der englischen Ost-Afrika-Kämpfer ftattfand, war auch der tapfere deutsche General zu Gast. Die Eng­länder hatten es sich nicht nehmen lassen, ihn einzu­laden. Ohne Zweifel war diese Einladung an den ehemaligen Gegner mehr als eine noble Geste: sie war der sichtbare Ausdruck einer ka­meradschaftlichen Bestätigung eines soldatischen Mu­tes, seiner männlichen und eisern-konsequenten Hal­tung, seiner überwältigenden Vaterlandsliebe. "Nun hörte damals, im Jahre 1929, Lettow-Vorbeck aus dem Munde des Generals Smuts, was für ein Kerl er war-, wie man ihn fürchtete und wie sehr er dem Gegner imponierte ...

Vor wenigen Tagen noch hielt dieser Mann ich glaube, es ist in Hamburg gewesen, einen Vor­trag über seine Erlebnisse und seine originelle Krieg­führung in Deutsch-Ostafrika: frisch, geladen mit Energien, innerlich jung, vom Scheitel bis zur Sohle ein Kämpfertyp ...

Ein Land, zweimal so groß wie Deutschland...

Wer dachte, als der Weltkrieg ausbrach, im Ernst daran, daß auch die überseeischen Kolonien in diesen Kampf hineingerissen würden? Und dennoch: die Engländer setzten sich über die Kongoakte hin­weg, in der die gegenseitige Neutralität der Kolo­nien vereinbart worden war, und beschossen die deutsche Küste .. Die ersten Schüsse waren der Auftakt zu einem langjährigen, furchtbaren Ringen. Auf der einen Seite die ungeheure feind­liche Uebermacht, überreichlich versehen mit Meiischenmaterial, mit Munition, mit modernsten Waffen, gut verpflegt und ausgerüstet auf der anderen: die kleine Schutztruppe, eine Hand­voll Männer, ohne ausreichende Munition, Waffen, Verpflegung und Bekleidung.

M»; Ne«

M A5' °n (Be.

.Sfi

? heuig pelfeit 'L ®it Volks« >ng des l ihren

Lauter fremde Gesichter, dachte Hans Jffland wehmütig, als er, von feinem Zylinder auffchau- enb, einen Blick über die Trauerverfammlung warf, die 'sich vor dem offenen Grabe versammelt hatte.

Es regnete leise auf Kaspar Jfflands Sarg und die vielen Kränze mit den mächtigen Schleifen. Die Rosen ließen die Köpfe hängen und hatten glitzernde Tropfen an ihren Blättern. Hans' Blicke streiften ein paarmal das Gesicht der Schwägerin, das unter einem hauchdünnen Schleier verborgen lag. Sie ist schön, urteilte er. Dann glitten seine Augen über die schlanken Gestalten der Nichten. Wurde ihnen Kaspar noch eine Stiefmutter gegeben haben, wenn er gewußt hätte, wie bald er abgerufen werden sollte? .

Haslbach war soviel wie ihr Eigentum. Drei Toch­ter und einen Sohn angeheiratet zu bekommen, war immerhin keine Kleinigkeit.

Er schämte sich, daß er feine Andacht finden konnte. Immer wieder schweiften seine Gedanken zu den irdischen Dingen, die ihn bewegten.. Seiner Frau schien es ebenso zu gehen. Deren Blick lag grübelnd auf Luzies Antlitz, das weiß und starr unter dem Trauerschleier schimmerte.

Ich kann nicht mehr meinen, dachte Luzie und fühlte zugleich Hände und Füße taub roerben. Sie taumelte und wurde unversehens von einem Arm gestützt.

Da sprach der Geistliche dasAmen .

Noch immer lag die Hand fest unter ihrem Ellen­bogen.Es ist gleich vorüber", hörte Luzie sagen. Soll ich dich wegbringen?" Und als sie verneinte und dabei den Kopf ein wenig wandte, erkannte sie in halber Bewußtlosigkeit Bob.

Du!" murmelte sie aufschluchzend.Du!"

Er hatte die Reise von Paris her nicht gescheut. Die große, weite Reise! Sie weinte nun aus Trauer und Rührung zugleich. Er mußte erst im letzten Augenblick gekommen sein, denn heute morgen war rr noch nicht baopmefen. Er war doch ein guter Bruder. Ja, ein Bruder!

Außerdem war es so tröstlich, daß die Stiefmutter ihnen zur Seite stand. Sie hatte für alles gesorgt: Für die Beerdigung, das ganze Drum und Dran her Leichenfeier, das große Essen, das man der Sitte gemäß den Gästen geben mußte, die Trauer-

Tanga unter dem Schutze ihrer Schiffsgeschutze. 8000 Mann europäische und indische Truppen. Die 1000 Mann der unter Führung Lettow-Vor­beck s stehenden Schutztruppe nehmen den Kampf auf gegen die Uebermacht: die Schlacht von Tanga wird geschlagen, drei Tage dauert das ungleiche Ringen, nach drei Tagen erst hat der Kriegsgott sein Urteil gesprochen: Lettow-Vorbeck hat einen seiner glänzend st en Siege errungen.

Erfolg reiht sich an Erfolg. Immer wieder ge­lingt es Lettow-Vorbeck, den Feind überraschend anzugreifen, heimlich zu überrumpeln, aus der Fassung zu bringen, zu verblüffen und zu beschäf­tigen. Eine Zeitlang ist er der große Unsichtbare, der blitzschnell auftaucht, mit eiserner Pranke zu­schlägt und wieder verschwindet. Bis zum Anfang des Jahres 1916 leuchtet ein Glücksstern über dem waghalsigen Unterfangen des deutschen Offiziers. Die Feinde erleiden blutige Verluste, Lettow-Vor­beck erobert immer wieder die nötige Munition, Ausrüstungsgegenstände, Waffen, Bekleidung, Ver­pflegung. Einer der härtesten, aber auch originell­sten Kriege, die jemals geführt wurden: die feh­lende Munition liefert der geschla­gene Feind. Schließlich kämpft man mit eng­lischen Gewehren, mit Kanonen und Maschinenge­wehren, die dem Gegner gehören, in fremden Uni­formen ...

Heroischer Ausklana.

Im März 1916 beginnt die große englische Offen­sive. Aber Lettow-Vorbeck denkt nicht im Traum daran, die Waffen zu strecken. Er kämpft solange, bis er hört, daß jener Waffenstill­

kleider und was es sonst noch alles zu erledigen gab. Nichts hatte sie den Schwestern aufgebürdet. Wohl hatte Klaudine öfter gefragt:Kann ich dich nicht ein wenig entlasten, Henriette?"

Aber die Stiefmutte hatte nur den Kopf geschüt­telt:Ihr sollt an nichts denken, als an euren toten Vater, mein Kind."

Und auch diesem schweren Tag folgte ein Abend und eine Nacht, die sich mit milchigem Licht über Haslbach herabsenkte. Luzie lag in ihrem Bett und sah mit verschwollenen Augen nach der Zimmer­decke, die einen fahlen Schein zurückwarf. Als die Tür ging, gab sie sich den Anschein, als schlafe sie. Sie wollte nichts, aber auch gar nichts mehr ge­fragt werden, auch keinen Trost mehr hören. Wer es auch fein mochte, niemand sollte mehr eine Ant­wort von ihr erhalten.

Eine Hand strich behutsam über ihre Schultern, und ein mühsam unterdrücktes Weinen klang durch das Zimmer. Da schlug Luzie doch die Augen auf und hob die Arme nach Klaudine, die sich über sie herabneigte.Ach, Klaudia, wein' doch nicht so! Ich bitte dich, Klaudi! Das drückt einem ja das Herz ab. Du wirst sehen, ich versprech' dir's, Klaudia. Beim Andenken an unseren armen Vater versprech ich's dir, ich werd' jetzt anders, ganz bestimmt."

Klaudine saß auf dem Bettrand und hielt den Kopf auf die Brust gesenkt.Ich mochte so gern noch etwas mit dir sprechen. Aber du mußt recht ver­nünftig sein."

Ganz vernünftig", versprach Luzie.Leg' dich doch ein bißchen zu mir herein, Klaudine. Du frierst ja."

Die Weitere rührte sich nicht. Dann begann sie stockend zu sprechen, und als sie geendet hatte, sah Luzie starr und ungläubig in das tränenüberriefelte Gesicht der Schwester.Ausgeschlossen! Lieber geh ich ins Wasser!"

Kleines!" beschwichtigte Klaudine erschrocken. Sie meint es doch so gut mit dir. Alle meinen es gut mit dir."

Das merke ich! Weil ihr über mich hinweg alles gleich fest abgemacht habt", weinte Luzie auf. Und als Klaudine wieder den Kopf senkte, richtete sie sich heftig empor.Kaum ist Vater tot, sucht ihr mich schon loszuwerden! Das hält' ich nicht von dir gedacht, Klaudine!"

Wir können doch nicht alle drei hier sitzen blei­ben, Luzie!" Und als sich die Jüngste verzweifelt gegen ihre Brust warst streichelte sie unaufhörlich deren blondes Haar.Ich muß dann eben Hen­riette sagen, daß du nicht willst."

Nein! Nein! Nein! Ich will nicht! Nicht wahr, Klaudia, du machst es ihr klar? Ich will ganz ein­fach nicht. Ich bleibe hier."

Sie hörte das Seufzen der Schwester und ver­legte sich aufs Schmeicheln:Was soll ich denn in einem Stift? Sag doch selber, Klaudia. Da paß ich doch gar nicht hinein! Die werfen mich ja schon nach drei'Tagen wieder heraus, wenn sie mich über­

gießen zu verhindern, die Waffen gestreckt und sich stand von Compiegne geschlossen muröe, oer ergeben hätte? Aber gerade das ist es, weshalb allem Kämpfen ein Ende macht ... Suoafrifa- fein Name in der Geschichte der deutschen Kolonien nische Union, Belgier und Portugiesen stehen ge- für immer mit goldenen Lettern geschrieben steht: schlossen auf englischer Seite, kämpfen wit Eng­er war sofort entschlossen, den Kampf, der heller land, bilden zusammen eine erdrückende lieber« Wahnsinn schien, zum Ruhme und zur Ehre des macht. Ein konzentrischer Angriff von deutschen Volkes und seiner Armee vom Anfang allen Seiten wird vorgetragen: Mitte Mai 191/ bic zum Ende durchzuführen. eraiefct lieh eine xelm- bis fünfzehnfache Uebermacht

Am 3. November 1914 landen die Engländer bei