Nr. 67 Zweiter Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Mittwoch, 20. Marz M5
Der Reichsberufswettkampf in Gießen.
Der stellvertretende Kreiswalter der OAK. pg. Hahn über den Sinn des Reichsberufswettkampfes.
Der Reichsberufswettkampf begann am Montag auch in unserer Stadt mit der. praktischen Durchführung. Die Kaufmännischen Angestellten, die D e n t i st e n und die Friseure konnten den ' Wettbewerb bereits am Montag hinter sich bringen. In außerordentlich starker Zahl, etwa 409 Teilnehmer, waren die männlichen und weiblichen kaufmännischen Angestellten im Wettkampf.
Der gestrige Dienstag brachte in verschiedenen Werkstätten und Schulen die weitere Durchführung des Reichsberufswettkampfes. In der Gewerbeschule
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Ein Schreinerlehrling im Reichsberufsweltkampf.
wurden die Alleinmädchen und H a u sänge st e l l t e n einer Prüfung ihrer Leistungen unterzogen. Neben den theoretischen Aufgaben hatten sich die Mädchen mit praktischen Arbeiten zu beschäftigen und ihr Können zu zeigen. In den verschiedenen Leistungsklassen wurden mehr oder weniger schwierige Handarbeiten verlangt, ferner muhte jedes Mädchen seine Fertigkeit im Kochen zeigen.
Im Cafe Leib hatten sich Köche und Kellnerlehrlinge zur Prüfung eingefunden. An der Prüfung beteiligten sich sieben Kochlehrlinge und elf Kellnerlehrlinge, die im Laufe des Vormittags zunächst die theoretische Aufgabe lösten und dann die praktische Arbeit leisteten. Die Köche hatten, je nach ihrer Leistungsklasse, aus den von Geschäftsleuten und Gastwirten zur Verfügung gestellten Lebensrnitteln verschiedene Gerichte, Salate, Suppen, Gemüse, Braten usw. herzustellen und appetitlich auf Platten zu bringen. Die Kommission, die die Arbeiten prüfte, konnte sich, von einigen Ausnahmen abgesehen, sehr lobend über die Leistungen der Köche aussprechen. Die Kellner hatten Tische und eine Festtafel zu decken und dann sachgemäß aufzutragen. Auch hier wurde ansprechend gearbeitet.
Im Rahmen dieses Wettbewerbes hielt der Kreis-
fachgruppenwalter des Gaststättengewerbes in der Deutschen Arbeitsfront, Herr Mühl, eine kurze Ansprache, in der er die Leistungen heroorhob, die hier vom Nachwuchs des Gaststätten-Gewerdes gezeigt wurden. Gerade im Gastsiättengewerbe, so führte er u. a. aus, müsse man dahin kommen, als Repräsentant des Berufes dem Gast zu zeigen, was dem Beruf zur Ehre gereichen könne. Nachdem Herr Mühl allen, die zur Durchführung des Wett- bewerbs tatkräftig beitrugen, gedankt hatte, hielt der stellvertretende Kreiswalter der Deutschen Arbeitsfront in Gießen,
Pg. Hahn
eine Ansprache von grundsätzlicher Bedeutung über den Sinn d e s Reichsberufswettkamp- f e s. Das Wesen einer Weltanschauung sei es, so führte er u. a. aus, daß sie nicht nur einige Gebiete des Lebens erfasse, sondern zu allen Erscheinungen des Lebens Stellung nehme, vor allem ein neues Verhältnis schaffe zwischen Staat, Wirtschaft und jedem einzelnen Volksgenossen. Jede Tat solle unter dem Grundsatz der Ehre erfolgen. Insbesondere unser Volk müsse darüber im klaren fein, welche große Bedeutung die Ehre für seinen Bestand habe. Ein Volk ohne Ehre werde im Kreis der Völker nicht bestehen können. Der einzelne Volksgenosse werde nach seiner Leistung bewertet, die Leistung aber nach dem Ausmaß des Dienstes an Volk und Vaterland, der durch sie erfüllt werde. Der Reichsberufswettkampf solle der Welt zeigen, daß wir jetzt mit ganz anderen Waffen die Neugestaltung unseres Volkes vornehmen, als es früher der Fall war. Die Jugend solle im Reichsberufswettkampf zeigen, was fie zu leisten vermöge, sie solle zeigen, daß sie zu ihrem Beruf in einem lebendigen Verhältnis stehe und ihn nicht gewählt habe lediglich um materialistischer Interessen willen, wie es in früheren Jahren der Fall gewesen sein mag. Wenn wir das Volk der Dichter und Denker und
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Bei den Friseuren: Der Dienst am Kunden.
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Reichsberufswettkampf der Schreiner: Schreinermeister Beil, Gießen (Zweiter von rechts), gibt dem Lehrling die Aufgabe bekannt. In Uniform der Leiter der zusätzlichen Berufsichulung für die Schreiner Schreinermeister Becker, Treis. Links: Schreinermeister Fey, Klein-Linden. —
das Volk der Qualitätsarbeiter fein wollten, dürfe der wirtschaftliche Gesichtspunkt nicht der allein ausschlaggebende sein. Jede Arbeit solle Dienst am Werk für unsere Nation sein. Von unserem Schaffen solle die Zukunft kommender Geschlechter getragen werden. Neben der praktischen und politischen Erziehung solle die Leistungserziehung Platz greifen. Der Tüchtigste solle an der Stelle stehen, an die er seiner Leistung entsprechend gehöre. Der Reichsberufswettkampf solle der Welt zeigen, daß wir gerüstet sind mit inneren Werten, die wir in jedes Menschen Herz und in jede Seele hineinlegen wollen. Die Ausführungen des Redners wurden mit lebhaftem Beifall ausgenommen.
Im Verlaufe des Tages wurden in verschiedenen
Werkstätten 30 Lehrlinge der Fahrrad-, Näh- maschinen-undKraftfahrzeugbranche geprüft, die sich neben der Erledigung der theoretischen Aufgaben der Herstellung eines Werkstückes zu befleißigen hatten, das Präzisionsarbeit verlangte und von jedem einzelnen alle Aufmerksam» feit und Sorgfalt forderte. Die Schreinerlehr» l i n g e fanden sich in der Turnhalle am Oswalds- garten ein und stellten dort ihr Können unter Beweis.
Der Reichsberufswettkampf wird im Verlaufs dieser Woche in vielen anderen Berufsgruppen fortgesetzt. lieber jede Fachgruppe im einzelnen zu berichten, ist aus technischen Gründen leider nicht möglich.
Aus der provinzialhaupistadi.
Das Erinnerungsbuch.
Von E £. Stoltenberg.
In dieser Zeit, wo der Sinn für die Familie wieder so lebendig geworden ist, sollte man vor allem seinen Kindern möglichst viel aus ihrer Kindheit und Jugendzeit übermitteln, was sie sonst vergessen, obwohl es in ihrem Dasein so wichtig war.
Die liebende Mutter wird manches in ihrem Gedächtnis aufbewahren oder vielmehr, sie „behält es in ihrem Herzen". Aber weiß denn jede Mutter, ob es ihr vergönnt ist, all das Schöne der ersten Kindheitsjahre ihrem Kind selbst zu erzählen? Als ich verlobt war — mein Mann war früh mutterlos geworden —, wie entbehrte ich es da, daß mir seine Mutter nicht von ihm erzählen konnte!
Viel übermittelt heute das Buch mit den Lichtbildern, das jetzt die meisten Menschen besitzen. Es ist ja nicht mehr wie früher, wo man sich' nur alle paar Jahre, feist zurechtgemacht, photographieren ließ! Aber trotzdem fehlt noch manches.
Nicht jedem ist es gegeben, ein Tagebuch zu führen, teils aus Mangel an Zeit, teils weil die Fähigkeit fehlt, sich auszudrücken, teils aus Bequemlichkeit, gerade wie sich viele auch gern norm Briefschreiben drücken.
Wie wertvoll ist da ein Erinnerungsbuch, sozusagen ein Tagebuch in Bildern, von der Mutter angelegt, das für das Kind all das aufbewahren soll, was sonst vielleicht verloren ginge. Jedes Kind wird es mit besonderer Freude betrachten.
Wie soll nun so ein Erinnerungsbuch aussehen? Ich nahm ein hübsch eingebundenes Buch (ein dickes Heft) mit weißen Blättern und klebte als erstes unsere Vermählungsanzeige hinein, mit einem Bild der Kirche, in der wir getraut wurden. Ms zweites kommt das Bild des Hauses, in dem unsere erste Wohnung sich befand. Da wir inzwischen nach einer anderen Stadt gezogen sind, ist es besonders wichtig für das Kind. Dann kommt in meinem Büchlein die Geburtsanzeige unseres Mädels mit einem Bild des Hauses, in dem sie geboren ist, einer Klinik. Dann eine Photographie der Kirche, in der sie getauft wurde. Es folgt ein Bild ihres Kinderwagens, in dem sie, wie sie jetzt
den Geister- und Feenmärchen des Leopoldstädter Theaters ergötzt habe", so denkt wohl jeder zu allererst an das Traumspiel.
Eigenart und den poetischen Reiz des Schauspiels ausmacht, ist von Grillparzer mit außerordentlicher dichterischer Feinheit gestaltet: es ist nicht nur eine theatralisch ungemein wirkungsvolle Einkleidung, dazu die Voraussetzung für die so überraschende wie befreiende Lösung, welche schon bei der ersten Aufführung den stürmischen Erfolg entschied-, man muß verfolgen, mit welcher Sicherheit, welcher hellsichtigen Erkenntnis der psychologischen Wesenheiten des Traumes Grillparzer die Doppelhand
einander verwoben hat: der Traum ist hier die vollkommene Spiegelung der realen Welt und des wachen Lebens; er wird in feinen Motiven und Erscheinungsformen durchaus von der Wirklichkeit her genährt und gestaltet. Er ist in dem abenteuerlichen, verwirrenden und am Ende den Träumer hoffnungslos und tödlich verstrickenden Ablauf seiner Geschehnisse ebenso charakteristisch wie in der instinkthaften Getriedenheit des Träumenden und im Traume bald willenlos, bald impulsiv Han-
sich geradezu sinnfällig aufdrängen, jedermann deutlich geworden sein, welche mephistophelische Rolle dem schwarzen Sklaven Zanga als dem Verführer und Begleiter Rustans auf seiner abenteuerlichen Wettfahrt zugeteilt ist
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Das Traum-Motiv, das in erster Linie die
Gießener Gtadttheater.
Franz Grillparzer: „Der Traum, ein Leben?'
Wir haben hier schon lange keinen Klassiker — und noch länger keinen Grillparzer — mehr auf der Bühne gesehen. Nun haben wir einen, und
delnden.
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Der Traum ist ferner vollkommene Wunscherfüllung, denn der Gang der Ereignisse entspricht genau der Richtung von Rustans Willen, geheimer Sehnsucht und für den kommenden Morgen geplantem Abenteuerzug. Auch jene Gestalten, die aus der Sphäre der Lebenden das Traumbild bevölkern, entsprechen in Wesen und Tun durchaus ihren wirklichen Vorbildern; es ist sehr fein beobachtet, wie etwa Zangas Rolle im Traume sich zuspitzt, übersteigert und am Ende verhängnisvoll demaskiert; und ebenso bezeichnend ist es, wie einzelne Figuren der Handlung im Traum ineinander übergehen, wie die Erscheinungen der Mirza und der Gülnare sich überschneiden, wie Kaleb und der Derwisch, Massud und der König von Samarkand, Osmin und der Mann vom Felsen gemeinsame Züge aufweisen
Endlich gibt die Einkleidung, der schnelle, vortreibende, trochäische Rhythmus der knappen Verse und die stürmisch, verwirrend und überraschend abrollende Handlung dem Stück einen hinreißend theatralischen Schwung. Dieses Spiel ist nicht nur märchenhaft, sondern auch in hohem Grade dramatisch, abenteuerlich, innerlich bewegt und wahrhaft spannend. Die Ereignisse überstürzen sich wie in der schnellen Silberfolge eines Films ... ober eben wie im Traum: ber König auf ber Flucht vor ber Schlange; Rustans Fehlschuß; bie unverhoffte Rettung; der Mann vom Felsen; ber dem vermeintlichen
Schon 1817 war der erste Akt des „Spektakelstückes" vollendet, aber Schreyvogel, der zunächst von dem Projekt begeistert war, fand später keinen Gefallen mehr daran, und Grillparzer ließ die Arbeit an dem „Mondkalb" dann lange liegen, zumal ein Wiener Schauspieler, dem die wichtige Rolle des Zanga zugedacht war, sich weigerte, als Mohr aufzutreten. Erst zwölf Jahre spater nahm Grillparzer bie Arbeit roieber auf.
Das Hauptmotiv stammt aus einer französischen Quelle, aus ber Traumerzählung „Le blanc et le noir“ von Voltaire; auch Lope be Vega ist nicht ohne Einfluß geblieben, unb schon burch bie Ähnlichkeit bes Namens wirb man an Calberons Schauspiel „Das Leben ein Traum" erinnert, mit besten Uebersetzung Grillparzer sich früher befaßt hatte, währenb sein eigenes Werk bie Umkehrung unb bas Gegenstück zum Drama bes Spaniers barstellt.
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Man hat ben „Traum, ein Leben" auch bet) österreichischen „Peer Gynt" genannt, unb es ist in ber Tat naheliegenb unb nicht schwierig, Parallelen zu Ibsens Träumer- unb Weltfahrer-Geschichte wie auch Zu unserm „Faust" zu finben unb zu verfolgen. Das Abenteurer-Motiv weist in ber österreichischen unb in ber norwegischen Fassung manche verwanbten Züge auf; auch bestehen gewisse Aehnlichkeiten zwischen Solveig unb Mirza, deren Gestalt durch das strahlendere Bild ber Gülnare stellenweise Derberft ober verschleiert wirb; freilich hat die beglückende, entspannende und be- ireiende Lösung bei Grillparzer nichts mit dem hoffnungslosen Zu spät! des alt und müde heimkehrenden Peer Gynt gemein. Hinwiederum wird es schon vor dem vierten Akt, wo die Anklänge
zwar jenes zarteste, romantischste und dichterischste Schauspiel des Wieners, „dramatisches Märchen in vier Aufzügen", wie Grillparzer selber es nannte: fast genau vor hundert Jahren, am 4. Oktober 1834, ist es im Burgtheater mit stürmischem Erfolg zum ersten Male aufgeführt worden. Drei Jahre zuvor war die Niederschrift beendet; aber die Entstehung des Werkes geht in die früheste Cll ut_, _____rr_.v____
Zeit Grillparzers zurück. Wenn er selber einmal. [unq geführt unb Wirklichkeit unb Vorstellung mit- im Tagebuch schreibt: „Meinen eigenen Arbeiten^ • ” * *
merkt man an, baß ich in ber Kinbheit mich an
Retter roinfenbe Lohn von ber Hanb Gülnares; ber Kampf auf ber Brücke; bas verhängnisvolle Jn- bizium bes Dolches; ber jähe Umschwung bann: von Sieg unb Ruhm, von wachsenber Macht unb nahem Liebesglück in bie zweibeutig-gefährliche Lage eines Verbächtigen unb bes Morbes Angeklagten; bie Erscheinung ber Hexe mit bem Giftbecher; bie Erscheinung Kalebs; bas verschleierte Hereinbringen ber Wirklichkeit in bas Traumbilb; Flucht unb Verfolgung; bie bämonische Rolle Zangas — bies alles löst sich mit ber für ben Träumer wie für ben Zuschauer befreienben Erkenntnis, mit einem tiefen Aufatmen gleichsam:
„Eine Nacht! Unb war ein Leben ... Eine Nacht. Es war ein Traum ..
So ist bem träumenben Rustan nicht nur bie Erfüllung seiner Wünsche, seiner Sehnsucht nach Erlebnis, Abenteuer, Ruhm unb Macht unb lockenbem Trugbilb ber Ferne beschieben, sonbern auch Heilung unb Verwanblung, Befreiung vom bösen Dämon feines Daseins unb innere Bereitschaft für ein nahes unb bestänbiges Glück — in ber über Nacht gewonnenen Gewißheit:
„... Eines nur ist Glück hinieden, Eins: bes Innern stiller Frieben Unb bie schulbbefreite Brust! Unb bie Größe ist gefährlich, Unb ber Ruhm ein leeres Spiel; Was er gibt, finb nicht'ge Schatten, Was er nimmt, es ist so viel! ..."
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Die Aufführung bes Schauspiels erforbert eine leichte unb sichere Hanb, bie ben technischen Apparat unb bie räumlichen Gesetzmäßigkeiten ber Bühne mühelos beherrscht unb übersichtlich verwaltet; auch ein empfinbliches Gefühl für bie bichterifche Eigenart unb die szenische Besonderheit ber vier Akte. Transparenz ber Vorgänge im Spielfeld —: das ist wohl, mit einem Stichwort, der Darstellungsstil, der hier gefordert wirb. Es finb eine Anzahl von Schwierigkeiten zu überroinben, bie in ber Mechanik bes Theaterapparats begrünbet finb: mit ihrer Uebermmbung werben aber zugleich alle Elemente bes Traumspieles frei unb fühlbar, welche bie Aufgabe einer solchen Inszenierung bankbar unb loh- nenb machen.
Herr Löser führte Regie; es gelang ihm vor allem, bie Uebergänge zwischen ber Rahmenhanb- lung unb ben Mittelakten so herauszubringen, baß bie Verbinbungslinien in einem angemessenen Verhältnis gleicherweise sichtbar unb badei boch verschleiert würben. Zwischen einem lyrischen Auftakt unb einem ebenso melobramatisch-gebämpft verklin- genben Abgesang steigerten sich bie Vorgänge in einer farbigen, märchenhaft-bewegten unb stellenweise phantastischen Wiebergabe zu einem entschie- benen Höhepunkt im brüten Auszüge. Ob es emp
fehlenswert ist, bie Rollen ber Mirza unb ber Gülnare, bes Massud unb bes Königs, wie es gelegentlich geschieht unb auch hier geschah, jeweils in einer Hanb zu vereinigen, scheint uns zweifelhaft; trotz ben oben angebeuteten Uebereinftimmun» gen würben wir eine Verteilung biefer Rollen auf vier Darsteller vorgezogen haben.
Die szenische Ausstattung besorgte Herr Löfs» l e r: ihm gelang besonbers bie Gestaltung bes zweiten unb bes brüten Bilbes — in ber bunten, exotischen Phantastik einer Szenerie aus „Tausend- unbeiner Nacht" — mit überzeugenber Stimmungskraft. Im ersten Silbe würbe u. E. bie Entfaltung bes Spieles gewinnen, wenn Massubs Hütte ein wenig mehr zur Mitte gerückt würbe. (Was bie Schlange, im nächsten Akt, angeht, so bleibt sie, auch bühnenmäßig gesehen, immer ein gefährliches Abenteuer unb beschwört Erinnerungen an bas Weihnachtsmärchen herauf.) Herr Keim unterstützte, besonbers wirkungsvoll im brüten 'Silbe, ben sinnlichen Einbruck bes Spiels burch wechselnbe Lichteffekte.
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Herr Quabfliea gab ben Rustan. Er hat hier enblich einmal eine seinem Fach unb seinem Darstellungsstil entsprechenbe, große unb bankbare Rolls gesunben; er gab den Rustan zwar mit allen Zügen bes jungen Helben, aber boch auch mit bem lyrischen Beiklang, ben bie Figur erforbert, unb war überbies, nicht ohne Glück, um eine psychologische Akzentuierung ber zwischen Traum unb Wachen schwebenben Hanblung bemüht.
Eine ber glänzenbsten unb lorfenbften Aufgaben für ben reifen Darsteller, ber nicht in äußeren Effekten stecken bleibt, ist bie Rolle bes Zanga: ihn spielte Herr Neuhaus aus bem Vollen, mit ber körperlichen Beweglichkeit, bie er braucht, mit bem bombastisch beschwörenden und verführenden Pathos (Vorsicht vor organischer Ueberfteigerung!), mit der intellektuellen Wendigkeit, die an Schillers Mohren von Tunis erinnert, und auch mit ben bämonischen Zügen, welche diesen Dunkelmann gegen Enbe so unheimlich aus seiner realen Sphäre herausheben.
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Herr Kühne gab ben Massub unb ben König mit einer milben unb maßvollen Abgeklärtheit unb jener über ben Dingen stehenben Würbe, bie bem Atter unb bem Staube beiber Gestalten zukommt. Fräulein W i e l a n b e r war eine zärtlich liebende, sich sorgende unb anschmiegsame Mirza; ihre Gülnare hätte fid) für unser Empfinben nicht nur in ber äußeren Erscheinung ein wenig mehr abheben unb bilanzieren bürfen.
Von ben übrigen seien von Frau S t i r l, bie bi« Hexenszene sehr sicher unb angenehm bewältigte, unb Herr Di et en als Karkhan genannt. —
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Das Publikum folgte mit angespannter Aufmerksamkeit unb fpcnbctc lebhaften Beifall. hth.


