Ausgabe 
20.2.1935
 
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Die Deutsche Arbeitsfront.

NS.-SemeinschastKrast durch Freude".

straße 14, zu richten. Erwünscht ist auch, daß die Kameraden die Adressen anderer ehem. Angehöri­ger der 12. Kompanie 115 an vorstehende Adresse gelangen lassen, denn es soll erreicht werden, alle Kameraden zu erfassen.

Amtsgericht Gießen.

Der 26jährige E. Sch. aus Gießen wurde wegen schweren Diebstahls zu einer Gefängnis st rase von drei Monaten verurteilt. 6 Wochen der Strafe wurden dem Angeklagten bedingt erlassen. Der Verurteilte war als Werber und Kassierer beim Reichsluftschutzbund tätig. Mittels Dietrichs öffnete er sämtliche Türen der Büroräume und ent­wendete aus einer Schublade, nachdem er das Vorhängeschloß erbrach, eine Geldkassette. Der Täter gedachte mit dem Inhalt ins Ausland zu entkommen. Er fand jedoch lediglich den Betrag von 13 Mark vor, den er in Bier umsetzte. In Anbe­tracht der Tatsache, daß der Angeklagte sich selbst der Polizei stellte, noch nicht vorbestraft ist und in vollem Umfang geständig war, erkannte das Ge­richt aus die gesetzliche Mindeststrafe.

Kleine Strafkammer Gießen.

Der W. K. F. aus einem Orte bei Gießen wurde vom Amtsgericht Gießen wegen Sachbeschädigung zu 5 0 Mark Geldstrafe evtl. 10 Tagen Ge­fängnis verurteilt. Gegen dieses Urteil legten der Angeklagte und die Staatsanwaltschaft Berufung ein. In der gestrigen Hauptverhandlung wurde fol­gendes feftgeftellt: Die Nachbarin des Angeklagten, deren Anwesen unmittelbar an das des Angeklag­ten grenzt, beabfichtiate durch bauliche Verände­rungen ihrem Anwesen mehr Licht zuzuführen. Nachdem der Umbau schon teilweise begonnen war es handelte sich um die Anlage eines Fensters zerstörte dies der Angeklagte mittels einer Eisen­stange. Das wiederholte er, als die Arbeiten bereits beendet waren. Die Kammer verwarf gestern beide Berufungen, so daß das vorinstanzliche Urteil auf­rechterhalten bleibt.

Große Strafkammer Gießen.

Vor den Schranken des Gerichts stand gestern eine Ehefrau aus einem Orte bei Gießen, der die Anklage fahrlässige Tötung zum Vorwurf machte. Die Angeklagte, die sich in erschütternden häus­lichen Verhältnissen befindet, brachte im Verlauf des vorigen Jahres ein Kind zur Welt. Schon vor der Niederkunft trug sie sich mit dem Gedanken, zusammen mit dem Neugeborenen in den Tod zu aehen. Während der Entbindung befand sich die Angeklagte allein im Haus, während der Ehemann die Zeit im Wirtshaus verbrachte. Die Angeklagte verfiel in eine Ohnmacht. Als sie wieder aufwachte, war das zur Welt gekommene Kind tot. Unter Würdigung der vorgenannten Umstände erkannte die Kammer auf 4 Monate Gefängnis, von denen 3 Monate durch die erlittene Untersuchungs­haft als verbüßt gelten.

Wegen Verbreitung unwahrer Behauptungen über das Winterhilfswerk wurde der H. L. aus L. vom hiesigen Schöffengericht zu 3 Monaten Gefäng­nis verurteilt. Gegen dieses Urteil legte er Be­rufung ein. Die Kammer erkannte unter Abände­rung des vorinstanzlichen Urteils auf 10 0 Mark Geldstrafe.

Sodann befaßte sich die Kammer mit dem H. M. aus O. Der Angeklagte war für die Landesversiche­rungsanstalt tätig. Als solcher hatte er für die Ver­sicherten die Versicherungsmarken zu kleben. Der Angeklagte nahm jedoch die Versicherungsbeiträge entgegen, ohne die Marken zu kleben. Außerdem unterließ er es, die geklebten Versicherunasmarken an die Anstalt abzuliefern. Auf diese Weise eignete er sich den Betrag von etwa 992 Mark an. Diesen Schaden' hat der Angeklagte vollkommen gedeckt. Das Gericht verurteilte ihn wegen Unterschlagung zu einer Gefängnis st rafe von 10 Mo­naten und 100 Mark Geldstrafe, sowie in die Kosten des Verfahrens.

Wir machen nochmals auf den Beginn der Sportkurse des Sportamtes Frank­furt a. M. der NSG.Kraft durch Freude" auf­merksam.

Am Mittwoch, 2 0. Februar, 20 Uhr, in der Turnhalle des Lyzeums, ein Kursus: Fröhliche Gymnastik und Spiele (nur für Frauen).

Am Freitag, 2 2. Februar, 20 Uhr, in der Turnhalle des Lyzeums, ein Kursus: Allge­meine Körperschule (für Männer und Frauen).

Kosten der Kurse: DAF.-Gebühr: 20 Pf. (für Mitglieder der Deutschen Arbeitsfront); Nor­mal-Gebühr: 40 Pf.; pro Abend etwa VA Stunde.

Anmeldungen werden bei Beginn der Kurse und auf der Geschäftsstelle der NSG.Kraft durch Freude", Schanzenstraße 18, entgegen genommen.

Beteiligt euch alle am 2. Reichsberufs­wettkampf vom 18. bis 23. Rlärz, zu dem die Reichsjugendführung in Verbindung mit der Deutschen Arbeitsfront aufruft.

Dieser Reichsberufswettkampf soll zeugen von dem ernsten Arbeitswillen der Hitler-Jugend und davon, daß wir das bei uns herrschende Lei - stungsprinzip auch übertragen wollen auf die Berufsarbeit, daß wir eine Auslese der besten Fach­arbeiter Herausstellen wollen. Vor allem aber soll

Wir erhalten folgende Zuschrift:

Jede Führerin auch die der kleinsten Einheit muß genau fühlen und wissen, wozu sie erziehen will; (denn daß die Erziehungsaufgabe d i e Auf­gabe unseres Bundes ist, ist ja bekannt). Wer sagt uns nun diese Grundgedanken? Zu allererst müssen wir an das Buch unseres Führers denken, der im zweiten Teil über die Aufgaben der heutigen Erziehung schreibt. Er erklärt dabei alle seine An­schauungen durch praktische Beispiele, während Ernst Krieck in seinen Büchern Ansichten darlegt, die von der Wissenschaft, der Philosophie abgeleitet sind.

Der Nationalsozialismus will uns zu deutschen Volksbürgern erziehen; das ist immer und überall das Ziel: in der Schule, in der Familie und vor allem im Bund.

Unser Führer stellt die körperliche Ertüchtigung in den Vordergrund, und zwar für die Mädchen ebenso wie für die Knaben.In einem gesunden Körper lebt auch ein gesunder Geist." Daß wir diesen Gedanken verstanden haben, beweist der Nachdruck, den wir auf unsere Sportstunden legem

Eng mit der körperlichen Erziehung hängt die Charakterbildung zusammen, da sie ja zum großen Teil durch die sportliche Ausbildung erfolgt. (Denken wir an Spiele, Gruppenturnen usw.) Auch unsere kleineren und größeren Wanderungen und Fahrten sollen uns zur Kameradschaft führen. Außerdem sollen sie jeden einzelnen stählen und abhärten und ihn lehren, Unbilden zu ertragen".

Unsere Heimabende dienen der geistigen Schulung und damit natürlich auch wieder der charakterlichen Bildung. Das ist klar, wenn man an die Auswahl

Am Mittwoch, 2 0. Februar, veranstaltet der Goethe-Bund einen Vortragsabend des oftpreußifchen Dichters August W i n n i g.

August Winnig, dessen BuchDer weite Weg" uns allen in bester Erinnerung ist, ist der Mann, der in den Jahren ärgster Bedrängnis um das na­tionale deutsche Arbeitertum gekämpft hat, wie kein anderer. August Winnig ist der Mann, von dem Rosa Luxemburg einmal sagte:Ich würde Sie, wenn ich Sie in meine Hände bekomme, sofort füsilieren lassen". Unter allen alten Gewerkschaft­lern ist keine Persönlichkeit, die so wie August Winnig verdient, vom ganzen deutschen Volk ge­achtet, ja geliebt zu werden.

In anerkennenswerter Weise hat der Goethe- Bund Karten zum Preise von 5 0 P f. zur Ver­fügung gestellt. Die Karten können auf der Ge­schäftsstelle der NSG.Kraft durch Freude" ab­geholt werden.

er zeigen, daß wir erkannt haben, wie notwendig dieses gemeinsame Schaffen ist, dies Herausstellen der Leistung auf allen Gebieten, die sich wieder auswirken soll

im Di en st an der Gemeinschaft, dem Dien st am Volk, der für uns der h ö ch st e i st.

Die Führerin des Untergaues 116:

m. d. F. b. Elise Da ab.

des Stoffes, her im Heimabend besprochen werden soll, denkt. Hier müssen wir wohl an die Forderung Ernst Kriecks denken, die Forderung nach einer volkstumsverbundenen Erziehung.

So versuchen wir, unseren Mädels die deutsche Kultur (deutsche Dichtungen, z. B. der Arbeiterdichrer Heinrich L e r s ch , Karl B r ö g e r usw.), die deutsche Geschichte, die deutsche Landschaft nahezubringen. Zur Kenntnis der deutschen Geschichte gehört doch vor allem das Wissen um das gegenwärtige Ge­schehen, und dem soll unser wöchentlicher Zeitungs­bericht im Heimabend mit einer gründlichen Aus­sprache dienen.

Im Anschluß an solche Besprechungen werden wir auch oft auf grundlegende nationalsozialistische An­schauungen und Gedanken zu sprechen kommen, über die unsere Mädel vor allen Dingen Bescheid wissen müssen. Hier muß die Führerin ihren Takt beweisen: z. B. soll sie nicht viel über Kameradschaft reden, sondern diese lieber beweisen. Wenn wir über die Gesetze sprechen, die in den letzten zwei Jahren entstanden find, dann müssen wir uns ihre Grund­gedanken vor Augen halten und können dann ihre Durchführung und Verwirklichung erkennen.

Hier ist nur in ganz wenigen und groben Umriß­linien die Hauptaufgabe des Bundes und ihre Durch­führung geschildert. S. B.

Hofguts-Besichtigung.

* Londorf, 18. Febr. Am vergangenen Sonn­tag fand eine Besichtigung des Hofgutes Schutt in Londorf durch die Jungbauern der HI. der Gefolgschaft 7/116 unter Führung des Refe­

renten für Bauernfragen im Bann 116, Mengök, statt. Nach einer kurzen Erklärung des Herrn Schutt fr. über das gesamte Hofgut begann der Rundgang durch die Gebäude. Man konnte überall wesentliche und für den Landwirt vorteilhafte Neu» erungen feststellen, so z. B. die Futteranlage. Ein für unsere Gegend seltener Erwerbszweig, dir Schnapsbrennerei, die hier als Nebenbetrieb gilt, wurde ebenfalls besichtigt. Am Schluffe der Besich­tigung hielt Herr Schutt fr. noch einen lehrreichen Vortrag über die Pferdezucht. Man weiß, daß das Hofgut auf diesem Gebiete sehr große Fortschritte gemacht hat und deshalb auch die beste Pferdezucht in unserer Gegend besitzt. Zu bemerken ist noch die peinliche Sauberkeit, die überall herrschte. Man kann mit Recht sagen, daß dieses Hofgut für jeden Landwirt in jeder Beziehung als Musterbetrieb gelten kann.

Opern- und Operettenabende in Alsfeld.

Alsfeld, 18. Febr. Die Deutsche Mu­sikbühne (R e i ch s w a n d e r o p e r), die schon seit Jahren regelmäßig ihre gediegene Kunst auch in unsere Stadt trägt, gab am Sonntagabend ihr erstes diesjähriges Gastspiel mit der Aufführung von Beethovens OperFidelio". Der vollbesetzte große Saal desDeutschen Hauses" zeugte von starkem Interesse für die musikalische Bühnenkunst. Auch aus der Umgebung Alsfelds waren zahlreiche Besucher erschienen. Die künstlerischen Leistungen der Deutschen Musikbühne ermöglichten es, daß eine Aufführung von bedeutendem Format zustande kam, die volle Zustimmung verdient. Bühnenbild und szenische Gestaltung ließen die Handlung abge­rundet und eindringlich erstehen. Das Solisten­ensemble, dem zum Teil tüchtige Gesangskräfte an­gehören, wurde den teilweise erheblichen Schwierig­keiten des Werkes in hohem Maße gerecht. Ein Ge­samtlob verdient das ausgezeichnete, aus 36 Mu­sikern bestehende Orchester, das unter der straffen Leitung von Kapellmeister Georg P i l o w f k i Beethovens innige und tiefangelegte Musik zu groß­artiger Wirkung gelangen ließ. Der vor der letzten Verwandlung gespielte große Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 wurde zu einem besonderen musikalischen Er­lebnis. Das begeisterte Haus spendete den Künstlern herzlichen Beifall, der zuletzt auch den musikalischen Leiter auf die Bühne rief. Der Stadtverwaltung, die diese einzigartigen Gastspiele in tatkräftiger Förderung ermöglicht, gebührt Dank und Anerken­nung für ihre dadurch geleistete hochstehende Kul­turarbeit.

Am Montagabend folgte das zweite Gastspiel mit Johann Strauß' MeisteroperetteDie Fledermaus". Der Besuch war noch stärker als am Vorabend; der große Saal war bis auf den letzten verfügbaren Platz besetzt. Die prickelnde Rhythmik, die herrlichen Melodien und die gewählte und geschickte Instru­mentation der Fledermaus-Partitur haben auch heute noch nichts von ihrer Kraft und Frische ein­gebüßt und sorgten auch diesmal wieder in der ausgezeichnten Aufführung durch die Reichswander- oper für eine frohe, von den Alltagssorgen losge­löste Stimmung bei den dankbaren Zuhörern, die noch oft und gern an diese Gastspiele zurückdenken werden, die für unsere Stadt zu einem außerge­wöhnlichen künstlerischen Ereignis wurden.

Berüchtigte Fahrraddiebe festgenommen.

LPD. Frankfurt a. 'Hl., 19. Febr. Wegen mehrfacher Fahrraddiebstähle wurden der wegen Fahrraddiebstahls vorbestrafte 24jährige Georg S ch u n k und sein 16jähriger Bruder Karl fest genommen. Den Brüdern konnten bis jetzt 15 Fahrraddieb stähle und ein Einbruchs­versuch nachgewiesen werden. Wie die Ermitt­lungen ergaben, hat Georg Schunk die entwendeten Fahrräder an Fahrradhändler und Privatpersonen weiterverkauft. Die Brüder- Schunk stehen im drin­genden Verdacht, weitere Fahrraddiebstähle aus­geführt zu haben.

Aufruf!

Kameradinnen des !lntergauesil16 des Bundes Deutscher Mädel

Oie Aufbauarbeit in -er HL.

Wie und wozu sollen wir unsere Mädel im BdM. erziehen?

Helma lächelt.

Kriminalroman von Klothilde von Stegmann. Urheberrschtsschutz: Fünf-Türme-Verlag, Halle (S.). 11. Fortsetzung Nachdruck verboten!

Bei Ihnen wohnt im Hotel ein ausländisch aus­sehender Herr, dick, mit gelblichem Gesicht", be- aann Martins. Er wollte gerade eine ganz genaue Beschreibung geben, da unterbrach ihn Herr Stiewe:

Bin schon im Bilde!" sagte er.Na, das wun­dert mich nicht, daß sich die Kriminalpolizei nach dem mal erkundigt. Ich war schon lange der Mei­nung, daß mit dem was nicht stimmt. Da ist etwas mulmig, meine Herren! Was, weiß ich allerdings nicht."

Um das herauszubekommen, Herr Stiewe, sind wir ja gerade gekommen! Erzählen Sie uns, bitte, was Sie wissen über diesen Herrn; es bleibt natür­lich ganz unter uns!"

Ja also, dieser Herr ist ein Südamerikaner namens Callero! Er wohnt seit einigen Wochen bei mir und niemand weiß, was er eigentlich treibt. Er behauptet, er wäre Chemiker und hätte eine An­stellung hier in einer Fabrik. Nun, meine Herren wie kann man eine Anstellung haben und fast den ganzen Tag zu Hause hocken? Das geht doch nicht. Manchmal kommt Herr Callero mit großen Kartons und Paketen zurück. Und dann scheint er in seinem Zimmer irgend etwas zu schmurgeln und zu kochen, denn durch das Schlüsselloch steigen mit­unter so chemische Dämpfe auf, daß ich schon immer Angst hatte, es würde noch einmal ein Unglück geben. Mit so chemischen Sachen soll man nicht in einem Privathause hantieren, dazu gehört ein La­boratorium. Ich hab' das auch dem Herrn energisch gesagt und er erklärte, daß er sowieso in den nächsten Tagen abreifen würde. Und da er gerade in der letzten Woche seine Miete wieder einmal bezahlt hatte, so hab' ich für die paar Tage Fünf gerade fein lassen."

So?! Sonst hat er also auf Stottern bezahlt?"

Ja! Er hing offenbar ganz von einem Manne ab, der ihn ab und zu besuchte und der eine Art Landsmann von ihm zu sein schien. Wenigstens sah er auch ein bißchen gelb und exotisch aus."

War dieser andere Mann vielleicht groß, schlank und elegant mit schwarzen Augen?" fragte Mar- Uns.

Akkurat so!" bekräftigte der Wirt.Dieser an­dere schien Geld zu haben. Denn immer, wenn er kam, wurde mein Mieter wieder flott. Im übrigen aber scheinen sich die beiden nicht sehr zu lieben, denn es gab oft in spanischer.. Sprache solchen Zank, daß man es bis ins Treppenhaus hörte. Sie schei­nen beide etwas nervös zu fein. Der Herr Callero

zum Beispiel fragt alle halben Stunden nach Zei­tungen, Briefen, Telegrammen. Wer das tut, der hat kein gutes Gewissen, das weiß ich aus meiner Erfahrung als Wirt. Der hat irgend etwas aus­gefressen. Aber nun hat es ja bald ein Ende, denn ich hörte vorhin, wie der Schlanke zu dem Kellner sagte:Nun, mein Freund Callero wird bald von hier abreifen."

Die beiden Herren sahen sich bei diesen Worten des Wirts bedeutungsvoll an. Dann schüttelte Mar­tins dem dicken Wirt herzlich die Hand:

Vielen Dank, lieber Herr Stiewe! Sie haben uns einen großen Dienst erwiesen durch Ihre Mit­teilungen, und vielleicht ein großes Unglück ver­hütet!"

Der Wirt wurde bleich:

Um Gottes willen! Es handelt sich doch nicht um ein Verbrechen hier in meinem Hotel?"

Seien Sie ganz ruhig! Ihnen und dem Hotel droht keine Gefahr! Und'daß auch von einem an­deren Menschen hoffentlich die Gefahr abgewendet wird, dazu haben Ihre Mitteilungen wesentlich beigetragen!"

Dann verabschiedeten sie sich von Herrn Stiewe. Im eifrigen Gespräch gingen die beiden Herren dem Polizeipräsidium zu. Dort führte Martins ein Gespräch mit dem Postamt in Gernrode, wo in dem Amtszimmer des Postmeisters ein schlanker Mann im Monteuranzug saß und mit dem Post­meister zusammen eine Zigarre rauchte.

Als das Gespräch gemeldet wurde, sprang er lebhaft auf und hörte mit angespannter Aufmerk­samkeit, was ihm da von der Hauptstadt aus mit­geteilt wurde. Dann ging er mit einem Gruß hin­aus in die dunkle Nacht in Richtung auf das Schloß zu, das er vorsichtig umkreiste.

14. Kapitel.

Im Schloß Gernrode schlief alles, als sich Fanny, die Zofe, von einem Manne trennte, der da in der Dunkelheit auf sie gewartet hatte.

Ich kann nicht mehr!" flüsterte Fanny, und Tränen liefen ihr über das Gesicht.Ich halte es nicht mehr aus!"

Dumme Gans!" gab der Mann scharf zurück. Willst du im letzten Moment die Couraye ver­lieren? Dann ist es aus mit uns, bas weißt du! Wenn du aber vernünftig bist, dann wird alles gut. Wir haben Zeit gewonnen, und die werden wir nutzen. Wenn wir in vierzehn Tagen drüben sind und reich, dann wirst du alles hier schnell vergessen haben!"

Das Mädchen wischte sich die Tränen ab:

"Ach. kann ja doch nicht gegen dich handeln!" fagte sie mutlos.Ich kann mich ja nicht von dir trennen!"

"Na also, bann sei vernünftig unb tue, was wir dir gesagt haben! Unb nun gute Nacht ich hab' noch zu schreiben!"

Der Mann brückte einen flüchtigen Kuß aus den Munb bes Mäbchens, bas ihn in sehnsüchtiger Angst anschaute. Dann ging er schnell ben Weg zu bem Dienerschaftsgebäube bes Schlosses, inbessen bas Mäbchen ben Gang zum Schloß hinaufeilte.

Beibe ahnten nicht, baß ein Mann in Monteur- fleibung hinter ber großen Buche verborgen gestan- ben unb bie Unterrebung mitangehört hatte.

Als bie Schritte ber beiben verhallt waren, kam ber Mann vorsichtig aus feinem Versteck hinter bem alten Baum hervor:

Jetzt wirb es Ernst!, bachte er unb fah hinauf zu ben bunflen Fenstern, hinter benen er Helma von Babenberg schlafenb wußte. Noch vierzehn Tage nun, in benen kann man wirklich allerlei erreichen. Dann schlich er vorsichtig bis an bie bichte Allee, bie vom Schloß aus hinein in ben bunflen Park führte, unb ging, im Schatten ber Nacht unb ber hohen Kastanienbäume, tiefer hinein in ben einsamen Park, bis er zu ber ©übfeite bei ben Treibhäusern unb Versuchspflanzungen angelangt war.

Beim Schein einer Blenblaterne öffnete er mit einem Nachschlüssel bie niebrige Tür zu bem ersten Treibhause unb begann oerschiebene Werkzeuge aus­zupacken, mit benen er irgenbwelche geheimnisvolle Manipulationen ausführte.

Nach einer Stunbe etwa war er mit feiner Ar­beit fertig, packte sorgfältig seine Geräte zusammen unb verschwanb vorsichtig. Er warf, an ber Süb- mauer angekommen, fein Bünbel über bie Umfas­sung, bann kletterte er geschickt nach unb befanb sich nun auf ber Lanbstraße.

In einer Viertslstunbe war er roieber im Dorfe Gernrobe, wo er auf bie Bahnstation zu marschierte.

Martins war äußerst überrascht, als fein Freunb Hopman plötzlich mitten in ber Nacht auf ber Bilbsläche erschien. Gerabe mühte sich Martins, ein briefliche, zusammenhängenbe Darstellung besten an Hopman zu fabrizieren, was er ihm kurz burch das Telephon angebeutet ba ftanb Hopman schon vor ihm.

Deinen Liebesbrief kannst bu bir sparen!" lächelte er, wie er bas vollkommen fassungslose Ge­sicht bes alten Freunbes sah.Ich weiß, mit beiner schriftstellerischen Begabung ist es äußerst schwach unb ba bin ich lieber zur münblichen Derhanb- lung gekommen."

Martins atmete auf unb zerriß ben angefange­nen Brief in viele kleine Stückchen. Er wollte gleich, eifrig wie er war, mit feinem Bericht beginnen. Aber Hopman winkte ab:

Nein, mein Lieber, fo schnell schießen bie Preu­ßen nicht. Du kennst meinen Grunbsatz: Niemals auf nüchternen Magen Geschäfte."

Wieso bist bu benn jetzt, tief in ber Nacht, noch nüchtern?" fragte Martins entsetzt unb wollte schon

in Richtung Speisekammer bavonstürmen.Was soll ich bir machen? Die gute Werner, unsere Wirt­schafterin, schläft ben Schlaf bes Gerechten. Aber ich kann bir ja was machen: Spiegeleier mit Speck."

Hopman lachte:

Nee, mein guter Junge, mit bem nüchternen Magen meinte ich in bezug auf Alkohol! Bebenke, ich bin boch biefe ganze Tage als wohlbestallter Monteur auf Wanberung in ber Umgegenb von Gernrobe herumgestrichen. Na unb was ein roanbernber Monteur ist, bei bem langts boch höch­stens zu einem Schnaps ober einem Grog, wenn er sich nicht verbächtig machen soll."

Aha, ich verstehe!" Martins hatte sich be­reits bem Weinschrank genähert, ber wohl eingebaut in einer Ecke bes Herrenzimmers ftanb.

Sofern bu mir noch nicht ben guten Rhein­wein ausgetrunken haft, mein Junge, bann mal ben unb hinterher vielleicht noch einen guten Schlaftrunk in Gestalt eines Glühweins, unb zwi- schenburch, so schön eingebettet, bann deinen Be­richt! Man muß immer System in eine Sache bringen!"

Bald saßen die beiden Freunde behaglich bei einem Glase alten Niersteiners und einer guten Zigarre und Martins berichtete von den Er­eignissen, die sich während Hopmans Abwesenheit von Berlin zugetragen.

Hopman saß ganz ruhig da und sog mit geschlos­senen Augen an seiner Zigarre

Irgend etwas stimmt mir da nicht, Martins!" sagte er nach einem langen Schweigen nachdenklich. Die ganze Angelegenheit ist so glatt ich glaubte auf der richtigen L^rte zu sein, aber etwas warnt mich, dachte, ich könnte das Netz schon zusam­menziehen, aber ich habe fo ein verdammtes Ge­fühl. Da ist noch eine Lücke, Martins, verlaß dich darauf! Da ist noch eine Lücke, durch bie mir einer entschlüpft!"

Aber es paßt boch alles ganz folgerichtig in- einanber, Hopman, wie bu es mir gefdjilbert hast!"

Ja, es paßt zu schon, mein Junge!" war Hop­mans rätselhafte Antwort.Unb barum eben. Aber nun wollen wir bie Geschichte einmal beschla­fen, vielleicht kommt mir ba bie Erleuchtung!"

Was macht übrigens bie kleine Gernrober Schönheit?" fragte Martins beim Schlafengehen ins Babezimmer hinein, wo sich Hopman einer be­geiferten Reinigung seines äußeren Menschen unter Zuhilfenahme von Unmengen Wasser, Seife unb Babesalz hingab alles Luxusgenüsse, bie er in feinem Monteurbasein ebenso hatte vermissen müs­sen wie bie gute Brasil unb ben Rübesheimer. Aber Hopman plantschte nur noch stärker, ließ die Brause laufen und in dem Geplantsch unb Ge­plätscher gingen feine Worte verloren.

(Fortsetzung folgt 1)