Aufmarsch der SA. Gruppe Hessen in Limburg.
Stabschef Lutze und Gauleiter Sprenger werden sprechen.
Vergnügen geht er noch 311m Einkauf auf den Wochenmarkt. Herr Muhl ist seit über 40 Jahren treuer Leser des Gießener Anzeigers. (Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
Vornotizen.
Tageskalender für Samstag.
NSG. „Kraft durch Freude": 17 bis 19 Uhr Leichtathletik auf dem Universitätssportplatz, Am Kugelberg. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Kä- nigswalzer". — Volkshalle: 20 Uhr Singabend Erna S a ck und Herbert Groh. — Deutsche Stenografenschaft, Ortsgruppe Gießen: 20.30 Uhr im Hotel „Hindenburg" Bunter Abend. — Freiwillige Gailsche Feuerwehr: 20.30 Uhr im Cafs Leib Feier des 80. Stiftungsfestes.
Tageskalender für Sonntag.
Stadttheater: 19.30 bis 22.30 Uhr „Paganini". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Königswalzer". — Oberhessischer Kunstverein, Turmhaus am Brand- platz: 11 bis 13 Uhr Ausstellung friesischer Maler der Gegenwart, Kleintierplastik von Lily König. — Katholisches Dereinshaus: 3.30 Uhr Gastspiel der Ruhrland-Puppenbühne.
Der Theater-Spielplan vom 20. bis 27. Oktober.
Aus dem Büro des Gießener Stadttheaters wird uns geschrieben:
Sonntag, 20. Oktober, Wiederholung der entzückenden „Paganini"-Operette von Franz Lehär. Außer Abonnement. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer; Spielleitung: Heinrich Hub; Tänze: Li I h l e n f e l d t. Dauer von 19.30 bis 22.30 Uhr.
Am morgigen Sonntag, 20. Oktober, findet ein Aufmarsch der SA. der Gruppe Hessen in Stärke von etwa 25 000 Mann in Limburg statt. Stabschef Luhe und Gauleiter Sprenger werden bei den SA.-Männern der Gruppe Hessen erscheinen und im Rahmen eines Appells, der um 14 Uhr auf dem Marktplatz in Limburg beginnt, zu ihnen sprechen. Im Anschluß an den Appell wird ein Vorbeimarsch auf dem Adolf-hitler-Plah stattfinden. Am Abend folgt ein Appell der SA.- Führer vor dem Stabschef, dem sich ein Kamerad- schaftsabend anschließen wird.
Verfügung des Landrats.
Anläßlich des SA.-Aufmarsches am 20. Oktober in Limburg werden folgende Straßenstrecken von 10 bis 19 Uhr auf Anordnung des Regierungspräsidenten für den Durchgangsverkehr gesperrt:
1. Die Fernverkehrsstraße Nr. 8 Frankfurt a. M.
—Limburg—Köln zwischen Lindenholzhausen und Limburg (Brückenoorstadt). Die Umleitung erfolgt über Lindenholzhausen—Eschhofen— Mühlen—Dehrn—Dietkirchen—Limburg (Brük- kenvorstadt) und umgekehrt.
2. Die Fernverkehrsstraße Nr. 54 zwischen Freiendiez und Limburg. Die Umleitung des Verkehrs erfolgt in Freiendiez am Kriegerdenkmal über Diez—Aull—Staffel—Limburg (Brückenoor
stadt) und umgekehrt.
3. Die Straße von Holzheim nach Limburg. Die Umleitung erfolgt von Holzheim über Freiendiez—Diez—Aull—Staffel.
4. Die Straße Kirberg—Limburg. Die Umleitung erfolgt über Zollhaus bei Mensfelden— Lindenholzhausen—Eschhofen usw. wie zu 1.
5. Die Straße zwischen Eschhofen—Limburg. Die Umleitung erfolgt wie zu 1 über Mühlen oder Lindenholzhausen.
Der Landrat.
Oie Eonderzüge der Gießener SA.
Für den Transport der Gießener SA. nach Limburg verkehren von Gießen aus zwei Sonder- Züge. Der erste Sonderzug verläßt Gießen um 5.09 Uhr und fährt ab Limburg um 20.47 Uhr zurück. Der zweite Sonderzug verläßt den hiesigen Bahnhof um 6.33 Uhr und fährt um 20.07 Uhr von Limburg wieder nach Gießen.
Montag, 21. Oktober, geschlossene Vorstellung für NS.-Kulturgemeinde Ring Deutsche Bühne: „Der Prinz von Homburg", von H. von Kleist. Spielleitung: Intendant Schultze-Griesheim. Dauer von 20 bis 22.30 Uhr.
Dienstag, 22. Oktober, Wiederholung des erfolgreichen Lustspiels: „Hau — ruck!" von Dulpius und Roberts. Spielleitung: Kurt L ü p k e. Dauer 20 bis 22.15 Uhr. Diese Vorstellung gilt zugleich als 4. Vorstellung im Dienstag-Abonnement.
Mittwoch, 23. Oktober, Wiederholung des lustigen Dolksstückes: „Holzappel" von H. A. Weber. Spielleitung: Intendant Sch ultze -Griesheim. Diese Vorstellung gilt zugleich als 4. Vorstellung im Mitt- woch-Abonnement. Dauer von 19.30 bis 21.45 Uhr.
Freitag, 25. Oktober, Erstaufführung (in der Münchner Neufassung): „Der Vogelhänoler", Operette von Äart Zeller. Ihre wundervollen Melodien werden sich in die Herzen der Gießener Theaterbesucher einschmeicheln. Die musikalische Leitung liegt in den Händen von Paul Walter. Die Spielleitung hat Paul W r e d e. Diese Vorstellung gilt zugleich als 4. Vorstellung im Freitag-Abonnement. Dauer von 20 bis 23 Uhr.
Samstag, 26. Oktober, Wiederholung der graziösen Rokoko-Oper: „Cosi fan tutte“ von W. A. Mozart. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spiel- lcittmg: Paul W r e d e. Geschlossene Vorstellung für NS.-Kulturgemeinde Ring Deutsche Bühne. Dauer von 20 bis 23 Uhr.
Sonntag, 27. Oktober, vormittags von 11 bis 13.30 Uhr, als 1. geschloffene Vorstellung für HI. und BDM. ... Von 20 bis 23 Uhr Wiederholung der bezaubernden Oper: „Cosi fan tutte“, komische Oper von W. A. Mozart. Außer Ab'-'nne- ment. Musikalische Leitung Paul Walter. Spielleitung: Paul Wrede.
Deutsche Bau- und Siedlungs-Gemeinschaft.
Am kommenden Montag findet im Hotel Viktoria ein Aufklärungsvortrag statt. Näheres in der heuti- gen Anzeige.
Sportamt «.Kraft durch Freude".
heute folgender Kursus:
Waldlauf, für Frauen und Männer: Von 16.30 bis 18 Uhr, Universitätssportplatz.
Reue KdF.-Sportkurse:
In der nächsten Woche beginnen verschiedene neue Sportkurse. In Gießen sind folgende Kurse vorgesehen: Reiten, Hallentennis, Sktgymnastik, Skitrockenkursus. Zu diesen Kursen ist baldige schriftliche oder persönliche Anmeldng auf dem Sportamt, Schanzenstraße 18, erforderlich. Außerdem werden folgende „offene Kurse" (keine vorherige Anmeldung erforderlich) eingerichtet:
Allgemeine Kö rperschule, für Frau-
Das Ergebnis des letzten Eintopfsonnlages
größer als im Vorjahr.
Don der Kreisamtsleitung der NSD. wird uns mitgeteilt:
Nachdem nunmehr von den einzelnen Ortsgruppen die Sammelergebnisse vom letzten Eintopf- s 0 n n t a g restlos eingetroffen sind, liegt das Ergebnis mit 8139,20 Mark fest. Dieser Betrag läßt erkennen, daß
das Ergebnis wesentlich höher ist, als das vom ersten Eintopfsonntag 1934/35.
Es ist das ein Zeichen dafür, daß das deutsche Volk die Pflichten, die das Winterhilfswerk auf jeden legt, immer mehr anerkennt und danach handelt, weiterhin ist festzustellen, daß die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr auch in unserem Kreisgebiet bis auf einen kleinen Rest erledigt ist. Das Mehrergebnis ist am größten in Großen- Linden. Dort ergab die diesjährige Sammlung statt 153,35 Mark 249,95, während eine große Verringerung des Ergebnisses um 36,65 Mark in Al- lendorf a. d. Lda. zu verzeichnen ist. Die Sammelergebnisse sind in den . einzelnen Ortsgruppenbereichen folgende:
Allendorf/Lda. 167,45 Mk.
Alten-Buseck 72,10 „
Annerod 46,85 „
Bellersheim 66,30 „
Beltershain 63,60 „
Bersrod 150,30 „
Bettenhausen 128,35 „
Ettingshausen 95,55 „
Geilshausen 85,25 „
Gießen-Mitte 1084,60 „
Gießen-Nörd 842,65 „
Gießen-Ost 749,90 „
Gießen-Süd 881,90 „
Gr.-Buseck 155,45 „
Gr.-Linden 279,95 „
Grünberg 319,50 „
Grüningen 77,90 „
Gaststätten
Harbach Heuchelheim Hungen Klein-Linden Lang-Göns Lich Lollar Londorf Mainzlar O.-Bessingen Rodbeim Saasen Steinbach Trais-Horloff W.-Steinberg Weitershain Wiefeck 220,80 Mk.
36,80 Mk.
252,95 „
271,55 „
220,45 „
203,50 „
267,80 „
281,45 „
123,65 „
154,60 „
47,80 „
129,15 „
98,05 „
144,75 „
74,45 „
282,05 „
Zu berücksichtigen ist bei dieser Aufstellung noch, daß einzelne Ortsgruppen mehrere Ortschaften umfassen. Deren Sammelergebnis steht in dieser Aufstellung also ^usammengefaßt nur unter dem Namen der zuständigen Ortsgruppe.
en und Männer: Mittwoch, von 20.30 bis 21.30 Uhr, Gießen, Lyzeum, Dammstraße 26; Mittwoch, von 19.45 bis 20.45, Großen-Buseck, Gasthaus Wagner.
Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen: Dienstag, von 20.30 bis 21.30 Uhr, Alte Pestalozzischule, Wernerwall; Mittwoch, von 20.30 bis 21.30 Uhr, Wieseck, Gasthaus Braun.
Skigymnastik, für Frauen und Män- ner: Dienstag, von 20.30 bis 21.30 Uhr, Schil- lerschule, Schillerstraße.
Die Kosten für die Kurse betragen pro Uebungs- abend für DAF.-Mitglieder 0,20 Mark, für Nicht- Mitglieder 0,40 Mark.
Für den Ski-Trockenkursus werden Skier und Stocke vom Sportamt gestellt.
Achtung Wanderwarle!
Am Sonntag, 20. Oktober, veranstalten wir eine Fußwanderung nach Krofdorf—Forsthaus Waldhaus — Schmelz — Saldbödetal — Odenhausen — Ruttershausen—Lollar. Abmarsch 8 Uhr an der Lahn- brücfe. — Rucksackverpflegung. Wir erwarten recht viele Arbeitskameraden, die die Wanderung durch den herrlichen Herbstwald mitmachen. Führung: Wanderwart K. N e b e.
80 Jahre Freiwillige Gailsche Feuerwehr in Gießen.
Am heutigen Samstag wird die Freiwillige Gailsche Feuerwehr in Gießen die Feier ihres 80jahrigen Bestehens begehen. Die Gailsche Wehr wurde am 5. Oktober 1855 unter der Führung des Fabrikanten Georg Philipp Gail gegründet, der auch zugleich erster Kommandant war. Turner und Bürger waren mit die Gründer. Das Haus Gail hat seit dieser langen Zeit die Wehr unterhalten. Der derzeitige Inhaber der Firma, Dr. Georg Gail, ist heute noch Chef der Wehr. Die nachfolgenden Kommandanten waren Köhler, Reiber, Hoch, Spenglermeister Marx, Martin Loos (der erste Kreisfeuerwehrinspektor), Heinrich Lindenstruth, Heinrich Wacker und Prokurist Carl Wenzel. Der derzeitige Kommandant Münch führt die Wehr seit 1931, nachdem er vorher zwei Jahre 2. Kommandant und 20 Jahre Schriftführer der Wehr gewesen war. Die ältesten affinen Mitglieder der Wehr sind 3ean. Arnold, seit 1880, Willi Wacker, seit 1883, Schuhmachermeister Volz, seit 1891, Friseurmeister Wahl, seit 1891, Schuh- machermeister Anton Lehr, seit 1892, und Feld- >
Geldspenden für das Winter- Hilfswerk 1935/36.
Die Kreisamtsleitung Gießen der NSV. nimmt auf das Konto 2938 der Deutschen Bank und Diskontogesellschaft, Zweigstelle Gießen, und auf bas Postscheckkonto Frankurt a. M. 16114 Geldspenden für das WHW. an. Bisher gingen an Spenden ein von der:
Brauerei A. und W. Denninghoff KG. 3000 Mk.
Brauerei Jhring Melchior 3000 „
Bänninger G. m. b. H. 5000 „
schütz Schön, seit 1892. Ferner hat die Wehr noch eine größere Anzahl Mitglieder, die über 25 bis 35 Jahre aktiv Dienst tun. In den acht Jahrzehnten hat die Wehr stets dem Wohl der Stadt gedient. Der Wehr gehören heute noch 120 Mitglieder an, von denen 70 aktiv Dienst tun. Das Gerätehaus der Wehr befindet sich zur Zeit in der früheren Oberhessischen Werkstatt, nachdem im vergangenen Jahre das Grundstück in der Neustadt, auf dem das Gerätehaus stand, an einen anderen Besitzer verkauft wurde.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 19. Oft. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (holländische Kühlhaus) 11, (inländische, frische) Handelsklasse B 12, C 11, Wirsing, das Pfund 6 bis 10 Pf., der Zentner 5 bis 7 Mark, Weißkraut, das Pfund 4 bis 8 Pf., der Zentner 4 Mark, Rotkraut, das Pfund 8 bis 12 Pf., der Zentner 6 bis 10 Mark, Gelbe Rüben, das Pfund 8 bis 10 Pf., Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 6 bis 10, Bohnen (grün) 20, Unterkohlrabi 5 bis 8, Rosenkohl 20 bis 35, Feldsalat 90 Pf. bis 1 Mark, Tomaten 10 bis 20 Pf., Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 30. Kürbis 5 bis 6, Pilze 30 bis 45, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mark, Falläpfel, das Pfund 5 bis 8 Pf., Aepfel 12 bis 30 Pf., der Zentner 12 bis 30 Mark, Birnen, das Pfund 10 bis 20 Vf., Zwetschen 18 bis 20, Nüsse 35 bis 40, junge Hähne 80 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 70 bis 80 Pf., Gänse 80 bis 85, Enten 90 Pf. bis 1 Mark, Tauben, das Stück 50 bis 55 Pf., Blumenkohl 10 bis 60, Salat 8 bis 12, Salatgurken 5 bis 20, Einmachgurken 1 bis 3, Endivien 8 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 12, Sellerie 10 bis 40, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bund 8 bis 12.
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** Jugendliche Ausreißer festgenom- men. Vor einigen Tagen berichteten wir in einer Meldung aus Marburg, daß dort die 15 Jahre alte Ida Nüsser und die 19 Jahre alte Katharina Otterbein verschwunden seien und vermißt würden. Nunmehr ist es der Gendarmerie gelungen, die Ida N ü s s e r in einer Schaubude auf dem Gallusmarkt in Grünberg ausfindig zu machen und dem Elternhause wieder zuzuführen. Ferner entdeckte man ebenfalls in einer Jahrmarktsschau zwei 15 Jahre alte Mädchen aus Gießen, die ebenfalls ihrem Elternhause entlaufen waren und sich in einer Schaubude auf dem Jahrmarkt als Schaustellerinnen betätigten. Auch diese beiden wurden in Gewahrsam genommen und dem Elternhause zur Verfügung gestellt.
Amtsgericht Gießen.
Der H. B. in Gießen wurde wegen Vergehens gegen die Reichsversicherungordnung durch Strafbefehl mit sechs Monaten Gefängnis belegt. Gegen diesen Sttafbefehl verfolgte der Angeklagte Einspruch. In der gestrigen Hauptverhandlung wurde folgendes festgestellt. In den Jahren 1934/35 unterließ es der Angeklagte vorsätzlich, als Arbeitgeber die für die Ortskrankenkasse an den Löhnen seiner Arbeiter abgezogenen Beträge für die Krankenkasse zu verwenden. Das Gericht wird die Entscheidung in einer Woche verkünden.
WWMMkl.
Römern von Anny von panhuys
Urheberrechtsschutz Aufwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68.
22 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
23. Kapitel.
Arme kleine Gretel!
Am nächsten Morgen saßen Mutter und Sohn beim Frühstück. Die Uhr zeigte auf halb acht. Frau Diendorf schenkte dem Sohn ein und legte ihm Butterbrötchen vor, da schrillte das Telephon.
„Heute fängt es früh an", meinte Frau Diendorf, hoffentlich läßt man dich erst in Ruhe frühstücken."
Der Sohn hatte schon den Hörer zur Hand genommen und rief dann hastig: „Jawohl, Frau Gräfin, ich werde sofort kommen. In einer Viertel- stunde kann ich dort sein." Er hängte ab und erklärte: „Die Gräfin Syden hat angerufen, Mutter, ihre Enkelin ist erkrankt. Anscheinend handelt es sich um eine starke Erkältung und die Komtesse besteht darauf, ich syll sie behandeln."
Er trank seinen Kaffee im Stehen, antwortete auf eine Frage seiner Mutter: „Nein, danke, essen mag ich nichts, Mutter, ich muh mich eilen, die Gräfin scheint in Sorge um die Enkelin."
Ab acht Uhr stand immer sein Auto vor der Tür. Heute war es noch nicht da. Er hinterließ Weisung, es sollte ihn in der Hardenbergstraße, Pension von Voßhardt, abholen, er aber nahm sich eine Taxe, ©ar nicht schnell genug ging ihm die Fahrt, denn die kleine Komtesse tat ihm sehr leid.
Dr. Diendorf bezahlte die Tore und stieg, nachdem ihm der Portier geöffnet, öie mit dicken roten Läufern belegte Treppe zum ersten Stockwerk der Pension hinauf, ein Mädchen, das aussah wie eine aus einem Film herausgetretene hübsche Zofe, führte ihn zur Gräfin Syden, die ihn in ihrem Wohnzimmer empfing. Sie trug ein einfaches blaues Hauskleid und war. sichtlich erregt. Sie drückte ihm die Hand, sagte halblaut: „Das ist nun eine ganz abscheuliche Geschichte. Gretel hat in der Nacht viel gehustet und wenig geschlafen, gegen Morgen klagte sie dann über Schüttelfrost und jetzt bat sie ganz glühende Wangen. Sie hörte, wie ich das Mädchen ersuchte, den Hausarzt oder sonst irgenbeinen nahewohnenden Arzt zu holen und bat saft heftig, ich solle Sie her bitten. So, Herr Doktor, das zur Erklärung, und nun wollen mir zu meiner Enkelin gehen.
Sie öffnete die Tür zum Nebenzimmer, das ihr und der Enkelin als Schlafzimmer diente.
Die Komtesse lag im Bett und hob bei seinem Eintritt den Kopf. Ihre Augen glänzten und ihre schmalen Hände fingerten in unruhigem Spiel über die (Steppbede von dunkelroter Seide.
Sie erkannte den Eintretenden sofort, nickte ihm mit schwachem Lächeln zu.
„Ich bin krank geworden, Herr Doktor, bitte, helfen Sie mir rasch, ich habe Kopfweh und mir ist so konfus zumute. Heute kommen doch Bettina und Herr Wilderling zu Tisch zu uns und da muß ich natürlich aufstehen."
Gerhard Diendorf trat ganz nahe an das Bett heran und faßte nach der einen Hand Gretel Sydens.
„Guten Morgen, Komtesse, nun will ich erst einmal sehen, was Ihnen fehlt und wie ich Sie am schnellsten wieder gesund machen kann."
Er fühlte den Puls, behorchte den Herzschlag und hatte doch schon auf den ersten Blick gesehen, was dem zierlichen Mädchen fehlte. Eigentlich hatte es ihm die Gräfin schon gesagt. Die Komtesse hatte sich sehr erkältet und fieberte. Bis jetzt war das noch nicht besonders schlimm, aber es konnte schlimm werden. Jedenfalls war Vorsicht geboten. Keine Aufregung durfte sie haben, Ruhe und Stille mußten um sie herum sein. Dr. Diendorf sagte ein paar beruhigende Worte zu der Gräfin und wandte sich dann wieder an Gretel Syden.
„Dom Aufitehen kann weder heute noch morgen die Rede fein, Komtesse, so schnell geht cs leider nicht mit dem Gesundwerden. Sie haben sich eine zu tüchtige Erkältung zugezogen und es ist einfach unmöglich, daß Sie heute mit Fräulein Hochwald und meinem Onkel Wilderling zusammen speisen können."
Es zuckte weinerlich um ihren Mund.
„Ich hab' mich aber doch so darauf gefreut!"
Er tröstete: „Ihre Freundin und auch meinen Dnkel, Konrad Wilderling, können Sie daheim am Rhein ja so oft sehen, wie Sie nur wollen, und es ist nicht schlimm, wenn aus dem Zusammensein heute nichts wird."
Sie sah ihn groß an, sagte langsam: „Wenn Sie meinen."
Die Gräfin freute sich, wie schnell es Dr. Dten- borf gelang, Gretel zu überzeugen, daß sie nicht auf- stehen durste, ihr war bas nicht gelungen, Gretel hatte sich vorhin durchaus ankleiden wollen, weil sie noch allerlei für die zwei Gäste vorbereiten wollte.
Es klopfte an die Tür des Nebenzimmers und die Gräfin entfernte sich mit einer Entschuldigung,
zog die Tür, die Wohn- und Schlafzimmer verband, hinter sich ins Schloß.
Gerhard Diendor horte gleich darauf die Gräfin nebenan mit jemand leise sprechen.
Gretels Hände pielten schon wieder über die seidene Steppdecke hin und sie sagte: „Ich hab' mich so sehr auf Bettinas Besuch gefreut, allerlei Ueberraschungen hatte ich vor und hatte mir ausgedacht, nach Tisch müßte fie etwas fingen. Drüben im Unterhaltungszimmer. Alle, die in der Pension wohnen, sollten es hören und mich glühend um die Freundin beneiden."
Er mußte lachen. Eine recht kindliche Idee war das! Er schrieb ein Rezept und als er es getan, beobachtete er, wie Gretel Syden plötzlich müde die Augen schloß, er horte, wie sie etwas murmelte, was er nicht verstand.
Er spürte Ungeduld, die Gräfin blieb so lange fort.
Er ging zur Tür, die zum Wohnzimmer führte, und öffnete sie, ohne anzuklopfen. Er sah die Gräfin und eine andere Dame, sie schienen in Mei- nunasverschiedenheiten geraten zu sein. Vor der Gräfin stand eine Vierzigerin, deren Haar perücken- hast steif onduliert das scharfe Gesicht umrahmte.
Sie sagte eben, wenn auch leise, so doch betont: ,,2ch habe mich heute früh selbst überzeugt, die Krankheit der Komtesse verspricht eine wenig harmlose Entwicklung. Ich kenne mich darin aus. Bei der Baronin Steen fing es auch so an, nachher wurde ein schweres Fieber daraus und daran starb sie. Meine Pension stand wochenlang leer, alle Gäste zogen aus."
Die Gräfin erwiderte erregt: „Sie dürfen doch nicht im Ernst von mir verlangen, ich soll meine Enkelin hier fortbringe? Es wäre doch Heller Wahnsinn, das kranke Kind wegzuschaffen. Und wohin auch?"
„In ein Krankenhaus!" war die prompte Antwort.
Beide Frauen hatten den Eintritt Dr. Diendorfs überhört. Sie standen am Fenster des großen Zimmers und wandten ihm den Rücken.
Dr. Diendorf trat näher. Zwar dämpfte der Tep- pich feinen Schritt, aber mcht vollkommen, beide wandten sich im gleichen Moment um.
Dr. Diendorf nahm das Wort.
„Es handelt sich um eine starke Erkältung mit vorläufig leichtem Fieber und es ist durchaus nicht notig, Komtesse Syden deshalb in ein Krankenhaus ZU bringen, meine Damen."
Er sah dabei die Pensionsinhaberin an.
Die hob den Kopf hoher: „Ich heiße Frau von Voßhardt."
Sie sagte nach kurzer Pause: „Genau wie bei der Komtesse fing die Krankheit der Baronin Steen an, die Krankheit, an der fie starb. Ihr Tod wurde sehr teuer für mich. Alle Gäste zogen aus. Ein Sterbefall in einer Pension beschwort eine Panik herauf. Das darf ich nicht noch einmal riskieren."
Sie hob die Hände gen Himmel, als erbitte sie von droben Hilfe in ihrer Not. Dr. Diendorf maß die aufgeregte Pensionsinhaberin mit verächtlichem Blick.
„Also darf sich keiner Ihrer Gäste erlauben, Husten oder Schnupfen zu bekommen, ohne daß Sie ihm empfehlen, gleich ins Krankenhaus zu übersiedeln." Er wandte sich an die Gräfin: „Ich lause schnell selbst in die nächste Apotheke, um ein Rezept unfertigen zu lassen, und wenn ich wieder- komme, werde ich Ihnen einen Vorschlag machen." Er wandte sich an Frau von Voßhardt, sagte sehr unliebenswürdig: „Ich glaube, die Frau Gräfin wird Ihrem Wunsch, mit ihrer Enkelin die Pension zu verlassen, wahrscheinlich schnellstens nachkommen." Er sah die Gräfin an. „Ich werde gleich wieder zurück sein, inzwischen bitte ich Sie zu Ihrer Enkelin zu gehen. Wir erörtern das wichtige Thema nachher weiter."
Gräfin Jutta begriff gar nichts. Wie konnte Dr. Diendorf der Voßhardt versprechen, fie würde deren Wunsch, die Pension zu verlassen, wahrscheinlich schnellstens nachkommen? Es siel ihr ja gar nicht ein, Gretel in ein Krankenhaus bringen zu lassen. Ganz ausgeschlossen war das. Aber es ging von öem jungen Arzt eine so wohltuende Ruhe aus, daß sie sich vorläufig nicht weiter den Kops zerbrach, sondern, ohne noch ein Wort an Frau von Voßhardt zu richten, auf die Tür zum Nebenzimmer zuschritt.
Gretel sah ihr entgegen.
„Wo ist denn Dr. Diendorf? Warum ist er fort? Ich war so müde und schloß die Augen. Nur für Sekunden, glaube ich. Inzwischen ging er weg." Sie strich sich über die Stirn. „Alles strudelt in meinem Kops durcheinander, Großchen", klagte sie.
Die @räfin setzte sich auf den Bettrand.
"Dr. Diendorf besorgt selbst die Medizin für dich und er meint, du würdest bald gesund, die Er- kältung wäre nicht schlimm."
Sie sagte es in beruhigendem Ton, Gretel tat ihr sehr leid, ihre Wangen brannten jetzt in flammender Rote.
Gretel warf den Kopf hin und her.
„Die Kissen machen warm und zugleich ist's, als ob sie immer wieder eiskalt würden?
(Fortsetzung folgt!)


