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Samstag, 19. ®ttoberl935
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Hr.245 Drittes Blatt
Abfüllung des Patenweins für die Werbewoche in Gießen.
uns
man
hat
Eine Küche, die den Neid jeder Hausfrau wecken muß.
Blitzblank präsentiert sich der Pferdestall.
Vorbildliche tzaberinrichrung m jedem Gebäude. (Aufn. [4]: Photo-Pfasf.)
Erne freundliche Mannschafrsstuve.
Freude heißt die starke Feder in der ewigen Natur;
Freude, Freude, treibt die Räder in der großen Weltenuhr!
mein in Probegläschen darbieten und der Gießener Bummelbesucher wird seinen Dämmerschoppen etappenweise auf der Straße blasen können.
Wenn in der kommenden Woche auch in Gießen mehr als sonst der gute, feurige Duft des deutschen Weins zur Geltung kommt, dann wissen wir, daß es ein Zeichen der Volksverbundenheit ist, notleidenden Brüdern durch gemeinsames Eintreten auch beim Weintrinken zu helfen.
(Aufnahme: Neuner, Gießener Anzeiger.)
zuholen.
Die Polizeistunde ist, wie bereits veröffentlicht,
getränt.
Gießen hat als P a t e n w e i n edle Gewächse nus der Weinstadt Oppenheim und aus G a u - Obernheim empfangen. Einige Weinkenner haben die beiden Patenweine probiert und dabei die Erfahrung gemacht, daß es gute Tröpfchen sind. Von heute ab werden auch die öffentlichen Ausschank stellen im Hofe des Alten Schlosses, am alten Rathaus und am Selterstor den Pctten-
Friedrich Muhl.
bens in Gießen verbracht. Seine Gattin, ebenfalls eine gebürtige Alten-Buseckerin, starb vor acht Jahren, nachdem er mit ihr nicht nur die silberne, sondern auch die goldene und die diamantene Hochzeit hatte feiern können. Herr Muhl ist Vater von 7 Kindern, (4 Töchtern und 3 Söhnen). Aus seiner Nachkommenschaft leben 2 Töchter und 1 Sohn, 10 Enkel und 12 Urenkel.
Herr Muhl war 30 Jahre lang in der früheren Zigarrenfabrik Bock tätig. Der hochbetagte Mann erinnert sich noch sehr gut des ersten Gießener Bahnhofes auf Oswaldsgarten und der großen Ueberschwemmungen durch die Lahn in früheren Jahrzehnten vor der Jahrhundertwende. Er ist noch über alles Erwarten rüstig und macht fast täglich bei einigermaßen gutem Wetter seinen Nachmittagsspaziergang in die Anlagen. Auch in der Hausarbeit weiß er sich noch nützlich zu machen. Mit
zu können. Auch die einschlägigen Geschäfte haben sich in den Dienst dieser Werbung gestellt und machen ebenso wie die wirksamen Plakate uns klar, daß der Wein kein Luxusgetränk ist, sondern ein Volks-
Es ist ein eigenes Ding um den Wein, und sollte die Stimme des Weines, die unverstellt den
Lebensbejahend ist dieses gedankentiefe und ge- kühlsbefchwingte Gedicht, denn es verkündet Unmutigen und doch so Freudegläubigen:
Herzen entquillt, nicht überhören; denn im Weine ist Wahrheit. Darum ist der Vers:
Im Spiegel kannst du dein Antlitz sehen;
im Weine des andern Herz erspähen" ein weiser Dolksspruch. Aber man sollte eben auch zu verstehen versuchen, weshalb der Rebensaft mehr ist als Zeitvertreib. Gewiß ist seine Kraft der Be-- feuerung Veranlassung gewesen, daß der Wein eine hohe kultische Bedeutung gewann. Die Bibel bedient sich des Weines und des Weinftockes in ungezählten Gleichnissen; die dionysischen Mysterien waren ein Mittelpunkt hellenischer Religiosität. Ohne Nektar kein olympisches Götterleben. Dem Bacchus und den anderen Göttern gossen auch die Römer Wein als Opferspende aus. Wotan trinkt Wein in Walhall, und das Symbol der Christenheit, das Abendmahl, enthält den Kelch mit dem Weine als einen Bestandteil, in dem des Heilandes Blut er-
Oie neueInfanterie-Kaserne in Gießen
Ein Bildbericht von den Einrichtungen der Gebäude.
Achtung! — Achtung!
Vom Gaupresseamt wird mitgeteilt: Die am Sonntag, 20. Oktober, in Frankfurt a. M., großer Saal des Saalbaues, Junghofstraße 20, stattstn- dende Schulungstagung des Gaues Hessen-Nassau beginnt schon um 10 Uhr. Es spricht um 10 Uhc Gauleiter Sprenger.
Ahnennachweis der Studierenden.
Voraussetzung für die Zugehörigkeit zur Deutschen Studentenschaft ist der Nachweis der arischen Ahnen. Zur Immatrikulation ist zur Zeit der Nachweis der arischen Abstammung bis zu den Großeltern einschließlich durch Vorlage standes- bzw. kirchenamtlicher Urkunden erforderlich. Abiturienten und Studenten, die sich für das Wintersemester 1935/36 immatrikulieren lassen wollen, werden deshalb aufgefordert, sich sofort die erforderlichen Urkunden zu beschaffen, damit sie bei der Meldung zur Immatrikulation vorgelegt werden können.
95 Jahre alt.
Am kommenden Montag, 21. Oktober, kann einer der ältesten Einwohner unserer Stadt seinen 9 5. Geburtstag feiern. Herr Friedrich Muhl, Licher Straße 7/II, der diesen Geburtstag feiert, ist der älteste Tabakarbeiter Deutschlands. Bis zu feinem 85. Lebensjahre vermochte er noch feinem Berufe nachzugehen. Nun lebt er im wohlverdienten Ruhestand bei feiner Tochter. Der Jubilar, ein gebürtiger Alten-Busecker, hat 40 Jahre seines Le-
Treue und des Glückes. „Das Glück von Edenhall" heißt der Pokal von „leuchtendem Kristall"; ihn „gab dem Ahn am Quell die Fei". Er zerbricht und mit ihm das edle Geschlecht, als es durch Leicht- inn entartete. Der Taucher springt zwischen Scylla und Charybdis unerschrocken dem Ehrenpreise nach, dem goldenen Becher, den die Königstochter ihm zum letzten Trünke vor dem Tauchersprunge kredenzt.
In der Geschichte treffen wir den Humpen an, der, in einem Zuge geleert, den stärkeren Zecher zum Sieger macht. Der Meistertrunk von Rothenburg ist ein Beispiel für ein solches Weinturney. Im Scherz weiß Viktor von Scheffel von gewaltigen Gemäßen zu berichten, die selbst der „gut ge- aichte" Herr von Rodenstein nur mit genauer Not bezwingt:
Ihr Mannen, macht das Armbein krumm: der Willekumm gaht um, gaht um; Holliro, des Kaisers Hörnlein gaht um, gaht um!
Da hieß es bann:
Gott segne deine Nase!
Die meine bog sich beinahe schief von solchem Strom im Glase!
Heute Beginn der Wein-Werbewoche
Drei öffentliche Ausschankstellen für Patenwein.
Bei einemRundgangdurch unsere Stadt konnte man schon gestern feststellen, daßdie W e i n-W e r b e - Woche in Gießen bereits ihren Einzug gehalten hat. Viele Gaststätten haben durch Heraushängen eines Kranzes und durch besondere Ausschmückung ihrer Lokale die Bevölkerung daraus hingewiesen, daß in der kommenden Woche, wie in ganz Deutschland, auch in Gießen mitgeholfen werden soll, den Wein- konsum im Interesse unserer notleidenden Winzer zu heben. Die neue Weinernte ist nämlich schon im Gange, und viele Fässer sind noch zu leeren, um das köstliche Naß bergen
schaut wird.
Diese Stellung des Weins macht es erklärlich, daß der Becher, der Pokal, zu den vornehmsten Geräten, zu den künstlerisch bestgeschmückten Gebrauchsdingen und zu den erlesensten Geschenken zu rechnen ist. Zwischen dem Ringe als Liebeszeichen und der Waffe als Gabe der Kameradschaft steht der Trinkbecher als bevorzugtes Geschenk an Menschen, die man um Erhaltung ihrer Ge-
Aus der Provinzialhauptstadt.
Geheimerat Güngerich -f.
Im 86. Lebensjahre ist am gestrigen Freitag der frühere Landgerichtspräsident des oberhefsifchen Landgerichts in Gießen, Geheirnerat Dr. Günge- rich verstorben. Der Heimgegangene stammte von dem Hof Albach bei Lich, wo fein Vater Gutspächter war.
Gustav G ü n g e r i ch wollte sich nach dem Besuch der Gymnasien in Gießen und Darmstadt zunächst dem kaufmännischen Beruf widmen und arbeitete zu diesem Zwecke bei der Firma Merck in Darmstadt. Am Feldzug 1870/71 nahm er als Kriegsfreiwilliger im Grohh. heff. 1. Reiter-Regiment teil. Nach dem Kriege widmete er sich dem Studium der Rechtswissenschaft an der Universität Gießen, wo er dem Korps Teutonia angehörte, das ihn in späteren Jahren zum Ehrenmitglied ernannte. Im April 1875 bestand er das Fakultätsexamen, bald darauf erwarb er sich die juristische Doktorwürde. Sodann war er an den Gerichten in Gießen und Lich, am Kreisamt Büdingen und später auf einem Rechtsanwaltsbüro in Gießen tätig. Ende 1884 wurde er definitiver Staatsanwalt in Daryiftadt, im Sommer 1890 Amtsrichter am dortigen Amtsgericht, im Jahre 1894 Landgerichtsrat am Landgericht der Provinz Ober- heffen in Gießen und im gleichen Jahre bei diesem Gericht Erster Staatsanwalt. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Oberftaatsanwalfund dann als Landgerichtsdirektor in Gießen, seit 1905 in Darmstadt, wurde er im Jahre 1908 zum Landgerichtspräsidenten beim Landgericht der Provinz Oberhessen in Gießen ernannt. Im Jahre 1923 trat er auf Grund des Altersgrenzegesetzes in den Ruhestand, den er in Gießen verlebte.
Geheirnerat G ü n g s r i ch , der in unermüdlicher Arbeitskraft feinen Amtspflichten nachging, konnte sich als Richter und als Mensch in den weitesten Bevölkerungskreisen der größten Wertschätzung erfreuen. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem amtlichen Dienst blieb ihm allenthalben bis an sein Lebensende die hohe Werschätzung weit über den Kreis der Juftizbeamtenschaft hinaus erhalten. Das Andenken an diesen vortrefflichen deutschen Mann iinb hervorragenben Richter wirb bei allen, bie ihn ckennenlernten, in hohen Ehren fortleben.
„Sreube sprudelt in Pokalen .. .!"
Kürzlich jährte sich ber Geburtstaa eines Liebes. 1785 schrieb Schiller feinen Sang „An bie Freube". Beethoven verflocht Lieb und Weise in eine seiner schönsten Schöpfungen.
sinnung bittet:
„Es war ein König in Thule gar treu bis an das Grab, dem sterbend seine Buhle einen goldnen Becher gab. Es ging ihm nichts darüber ..." Goethe hatte ein tiefes Verständnis für die „Kultur rechten Weintrinkens". Eckermann schildert, wie auf der Wanderfahrt der biegsame goldene Becher mit quellaekühltem Weine von Mund zu Munde ging im Kreise der Erwählten.
Der Reifebecher war der beschaulich reisenden Zeit besonders wertvoll. Conrad Ferdinand Meyer schildert diese Kameradschaft mit dem Reifeglase: „Gestern fand ich, räumend eines langvergesfenen Schrankes Fächer, den vom Vater mir vererbten, meinen ersten Reifebecher.
Währenddes ich, leise singend, reinigt ihn vom Staub der Jahre, war's, als höbe mir ein Bergwind aus der Stirn die grauen Haare, war's, als dufteten die Matten, drein ich schlummernd lag versunken, war's, als rauschten alle Quellen, draus ich wandernd einst getrunken." Das Trinkglas des Freundes:
Du herrlich Glas, nun stehst du leer, Glas, das er oft mit Luft gehoben; Die Spinne hat rings um dich her indes den büftern Flor gezogen ..."
Doch ber Freund des verstorbenen Zechers — der Dichter und Amtsarzt Justinus Kerner — füllt es „mondhell mit Gold der deutschen Reben". Se
in den tönernen Weihegeschenken, die in heidnischer Zeit bei Germanen und Slaven dem Verstorbenen ins Grab gelegt wurden. Ehrenpokale, Zunfthumpen und Gildenkrüge zeugen vom den fröhlichen Ernst, mit dem unsere Ahnen Umtrunk hielten.
Ehrung bes Geheimrats Gommer.
Der langjährige frühere Direktor der Universitäts- Nervenklinik in Gießen. Geheimrat Professor Dr. Sommer, wurde von der Gesellschaft der Deutschen Neurologen und Psychiater gelegentlich ihrer Hauptversammlung in Dresden zum Ehrenmitglied ernannt. Schon vorher war Geheimrat Sommer von der Deutschen Gesellschaft für Psychotherapie zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden.
Oie Polizei Hilst ber Weinwerbewoche.
Die Polizeidirektion Gießen teilt mit: Die polizeiliche Erlaubnis wird für Konzertveranstaltungen, die in der Zeit vom 19. bis 26. Oktober aus Anlaß der Weinwerbewoche obgehalten werden und bei denen überwiegend Wein zum Ausschank kommt, gebührenfrei erteilt. T a n z ver - a n st a l t u n g e n, die am Samstag, 19., Sonntag, 20. und Samstag, 26. Oktober, aus dem gleichen Anlaß stattfinden, werden ebenfalls gebührenfrei genehmigt. Erlaubnis ist in jedem Falle zuvor ein
wohnt, dem Gang der Geister nachzufvähen, ersteht dem Poeten in feierlichem Gesicht Die Unvergänglichkeit der Gemeinschaft:
Auf diesen Glauben, Glas so hold, trink' ich dich aus mit hohem Mute.
Klar spiegelt sich der Sterne Gold, Pokal, in deinem teuren Blute.
__Still geht der Mond das Tal entlang, ernst tönt bie mitternächt'ge Stunbe.
Leer steht bas Glas, ber heil'ge Klang tönt nach in bem kristallnen Grunbe.
Der Wein löst bie Zungen, aber er binbet auch die Gebauten unb reiht sie aneinanber über Zett unb Raum. So wirb ber Becher Sinnbilb der
Dieses „Hornkreisen" oder „Stiefeltrinken' sich erhalten. In altgermanischer Zeit wurde es zu kultischen Zwecken geübt. Fanden wir doch in Js- v ..
land geschnitzte Hörner, die unter der Leitung des am Samstag, 19., Sonntag, 20. und Samstag, Königs oder des Priesters im Thing herumgereicht 26. Oktober, allgemein gebührenfrei bis 4 Uhr ver- wurden. Der gläserne Stiefel hat seine Gegenstücke | länger!.


