Ngenz rechnen, die z. B dem Geheimnis des Genies gegenüber vollkommen machtlos ist.
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In einigen pommerschen Landkreisen sind Wettbewerbe zur Ermittlung der schönsten und am besten gehaltenen Dorf st raßen veranstaltet worden — ein erfreuliches Zeichen dafür, daß die staatliche Werbetätigkeit für Denkmalspflege und Heimatschutz immer weitere Gebiete ergreift. In demselben lobenswerten Bestreben, die ihm anvertraute Stadt vor weiterer Verhaßlichung durch den Geschäftsgeist zu schützen, ist dem Bürgermeister der braunschweigischen Stadt Schöningen eine originelle Idee gekommen. Er beauftragte drei Bürger aus verschiedenen Berufsschichten damit, e i n „Sündenregister d ir s Stadtbildes" aufzustellen, das alles enthalten sollte, was ihnen bei dem täglichen Gang durch die Straßen des Städtchens als anstoßerregend und verbesserungsbedürftig auffiel. Ein auf Grund dieser Beobachtungen einberufener Ausschuß hatte dann in engster Fühlung mit den beteiligten Hausbesitzern über die Mittel zu beraten, die zur Beseitigung der gemeldeten Miß- stände geeignet wären.
Das ist praktischer Heimatschutz, der konsequent durchgeführt, sehr wohl dazu führen könnte, die gesamte Bürgerschaft für die Erhaltung und Wiederherstellung ihrer Stadt zu interessieren und das Gefühl dafür zu wecken, daß in einem wohlgeordneten Gemeinwesen jeder einzelne für die gedankenlose Minderung des überkommenen Erbes mitverantwortlich zu machen ist. So war es Jahrhunderte hinöllkch, und so kann es auch in Zukunft werden, wenn das sittliche Gebot „Gemeinnutz geht vor Eigennutz", dessen Nichtbefolgung die deutsche Stadt zu einem beziehungslosen Durcheinander gemacht hat, erst wieder zum ordnenden Prinzip auch des städtischen Bauwesens geworden ist.
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Welche Bücher bevorzugt der heutige Amerikaner? Eine Statistik, die unlängst im Börsenblatt für den deutschen Buchhandel erschienen ist, berichtet über die Absatzziffern von 65 Büchern, die an der Spitze stehen. Da gibt es denn einige lieber- raschungen. Zunächst die, daß dem fortschrittlichen Bürger im freien Amerika die alten Autoren entschieden mehr zusagen als die neueren: Feins von den meistgelesenen Büchern ist nach dem Weltkriege erschienen! Ueberraschend ist weiter, daß der sonst so freisinnige Yankee eine besondere Vorliebe für religioje Bücher bekundet, wobei von den vierzehn Millionen Bibeln und 22 Millionen Neuen Testamenten (in den letzten 60 Jahren) gar nicht einmal die Rede sein soll. Dann folgen in der Gunst des lesenden Publikums die Bücher sentimentalen Inhalts, die dem rücksichtslosen Geschäftsgeist des modernen Amerikanertums offenbar als seelischer Ausgleich dienen. Daß schließlich Mark Twain, Jack London, Zane Grey, Sinclair Lewis und des Obersten Lindbergh „Wir" nicht zu kurz kommen, versteht sich von selbst. Auch nach den Gründen für diese Sympathien brauchen wir nicht lange äu fragen. Ein amerikanisches Fachblatt gibt diese Antwort: „Die Amerikaner wollen nichts, was sie zu anstrengender geistiger Tätigkeit zwingt, denn Be haben mehr Neigung für Glauben und leichte nterhaltung als für das, was die moderne Welt wissenschaftliches Verständnis nennt". Daß hier Glauben und leichte Unterhaltung in denselben Topf geworfen werden, läßt ja tief blicken, aber es ist „amerikanisch".
Mussolinis Taktik.
Don unserem römischen E..Korrespondenten.
Rom, Mitte Oktober.
Die große Sensation: Der Krieg ist noch nicht ausgebrochen!
Warum weigerte sich der italienische Ge- sandte in Addis Abeba, das Land zu verlassen, trotzdem ihm die Pässe zugestellt wurden? Warum setzte er seiner gewaltsamen Entfernung Widerstand entgegen, wie die abessinische Polizei wissen will, und begann sich in seinem Hause zu verschanzen?
Weil sich Italien mit Abessinien nicht in Kriegszustand befindet.
Wer hat jemals etwas von einem Ultimatum gehört? Von einer Kriegserklärung? Das müßte doch alles erst einmal vorausgehen.
Warum kämpfen die Abessinier nicht, sondern gehen mit Roß und Wagen ins italienische Lager über? Warum entbietet der Schwager des Negus und Kronprätendent Hailö Selassiö Gugsa dem Abgesandten des Königs Viktor Emanuel Gruß und Freundschaft? Warum steht der äthiopische General in vollem Waffenschmuck vor dem italieni- schen Generalissimus De Bono und nimmt mit ihm die Parade ab? Warum werden in Adua italienische Schulen eingerichtet, Brot verteilt, Sklaven befreit? Warum überbringt der Bischof von Aksum feier- lich die Schlüssel der heiligen Stadt, singt und jubelt das Volk?
Weil Italien nicht als Eroberer kommt, sondern als Befreier.
Das ist die neueste Wendung in dem italienisch- abessinischen „Konflikt". Mit einem Schlage hat sich das Bild gedreht, der Schlüssel für das ganze unselige Mißverständnis, das Genf so viel Kopfzer- brechen machte, ist gefunden, in allen Leitartikeln der römischen Presse wird die zum Wohle der Menschheit erfolgende zivilisatorische Befreiungs- und Befriedungsaktion ins Licht gerückt.
Für den nüchternen Beobachter klafft ein unüberbrückbarer Abgrund zwischen Genf und Rom, zwischen der italienischen und nicht- italienischen Presse, zwischen Schein und Wirklich- leit. Würden sich bloß die Heeresberichte und Kriegsartikel widersprechen, United Press und Ste- fant! Aber es ist so, daß man sich an den Kopf greift und der Mann auf der Straße „non capisce piü niente", überhaupt nichts mehr ver- st e h t. Haben nun die Kanonen wirklich gebrüllt ober geschah das bloß im Tonfilm? Wenn die Abessinier überglücklich über den italienischen Einmarsch sind, warum freut man sich nicht auch in Genf, beim Völkerbund, der jetzt hier nicht mehr Societä delle Nazioni heißt, sondern Societä delle Sanzioni? Hat er nicht das Völkerglück auf feine Fahnen geschrieben? Warum will er nun, jede menschliche Solidarität vergessend, die Unterdrücker bewaffnen gegen die Unterdrückten, die Barbarei gegen die Kultur verteidigen, ohne die Spur von Mitleid für dieses Land von Sklaven, Gequälten, zu Seuchen und Hungertod Verurteilten? (So steht das in der Zeitung.) Und weiter, wörtlich: „Wenn man bedenkt, daß sich das Befreiungswerk in ganz kurzer Zeit unter geringer Mühe vollbringen ließe..Das heißt, wenn man Italien machen ließe, statt es mit Gewalt daran zu hindern, Der
Wissenschaft und der Geschichte zu bienen, indem es das hoye Ideal der G"rechtigkeit und Humanität verwirklicht!
Wer kommt da noch mit?
Nun, des Rätsels Lösung ist, daß Italien sich als gelehriger Schüler Englands zeigen und das ersehnte Land „von innen her- aus" erobern möchte. Wie war es doch in Indien, in Aegypten und so weiter? Wie machen es die Franzosen in Marokko, Algier und Tunis? Scheinkönige und Scheinsultane, Maharadschahs und Emirs und Beis können -viel wirksamer sein, vor allem auf die Dauer, als Maschinengewehre. Schon vor Monaten haben die Franzosen Mussolini den guten Rat gegeben, sich doch Marokko als Beispiel zu nehmen, er könne dann ohne Schwertstreich zu seinem Ziele kommen. Damals fand der Vorschlag wenig Verständnis in Rom, denn England hatte sich noch nicht in Harnisch geworfen, man glaubte mit Abessinien allein fertig zu werden, nur gestützt auf das Militär. Inzwischen ist manches vorgefallen, was ein Realpolitiker wie Mussolini nicht übersehen kann. Es märe eine Leichtfertigkeit,
große Möglichkeiten, wie sie durch die freiwillige oder nahezu freiwillige Unterwerfung wichtiger Stämme und einflußreicher Häuptlinge gegeben scheinen, außer Acht zu lassen.
War Macchiavelli nicht ein Italiener? Wie lautete die weiseste Formel der altrömischen Staatskunst? Divide et impera!
Manche werden darin nun freilich ein letztes 23er- zweiflungsmanöver erblicken, das unter dem Druck der britischen Flotte und der Genfer Sanktionen eingeleitet werden soll; sicherlich fehlt es nicht an Zivilstrategen, die eine Verschleierungstaktik wittern, um die Abessinier in Sicherheit zu wiegen, während sich die Divisionen zangenartig vorschieben; gleichviel, nur der Erfolg ist ausschlaggebend. Mit jedem gefügigen Stamm sichert sich Mussolini jedenfalls für die Friedensverhandlungen einen Stein im Brett. Und zunächst eine nicht zu unterschätzende Waffe im Kampf gegen den Völkerbund, denn es kann nicht ausbleiben, daß das unter italienischer Schutzherrschaft stehende abessinische Gebiet eines Tages nach Genf schreiben wird, es sei mit seinem Schicksal recht zufrieden.
Oie Japaner in Brasilien.
Von sachverständiger Seite wird uns der folgende interessante Beitrag zur Verfügung gestellt:
Seit die Vereinigten Staaten durch strenge Einwanderungsgesetze den Zuzug in dieses frühere Reservoire für alle Länder mit überschüssiger Bevölkerung gesperrt haben, ist vorzüglich Brasilien mit seinen weiten, wenig dicht bevölkerten und wirtschaftlich fast noch unerschlossenen Gebieten bas Haupteinwanderungsland geworden. Aus der brasilianischen Einwanderungsstatistik kann man die auch weltpolitisch interessante und bedeutsame Tatsache ablesen, welche großen Länder nach dem Kriege nicht mehr in der Lage sind, ihren Bevölkerungüberschuß selbst zu ernähren, und die ihn deshalb an fremdes Volkstum abgeben müssen. Die an der Spitze stehende portugiesische Einwande- rung fällt natürlich nicht unter diesen Gesichtspunkt, da sie durch den alten politischen Zusammenhang zwischen Brasilien und die Gemeinsamkeit der Sprache bedingt wird. Nach Portugal stehen jedoch Japan, Italien und Deutschland in vorderster Reihe der brasilianischen Einwanderung, also die drei Großmächte, denen der Rahmen der politischen und wirtschaftlichen Weltgestaltung nach dem Kriege zu eng geworden ist und die deshalb zu der friedlichen Ausdehnung der Auswanderung genötigt sind, solange dieser Rahmen nicht, sei es durch Krieg, wie es Japan in China und Italien jetzt in Abessinien unternimmt, ober durch eine Neuordnung des Anteils an Kolonisation und Rohstoffgebieten, wie es Deutschland anstrebt, gesprengt wird und eine gerechtere Befriedigung aller Bedürfnisse verbürgt.
Für den brasilianischen Staat bildet die portugiesische, deutsche und italienische Einwanderung kein besonderes Problem, da sie auch bei Beibehaltung ihrer Gewohnheiten, Sitten und Sprache, besonders bei geschlossener Siedlung, im allgemeinen in der zweiten Generation Mit dem Lande staatsbürgerlich verwächst und einen nach jeder Richtung befriedigenden Zuwachs an Volkskraft darstellt. Anders verhält es sich mit der japanischen Einwanderung, die besonders nach dem großen Erdbeben vom, Jahre 1923, das weite Landstrecken in Japan verwüstete, einen so großen Umfang angenommen hat, daß die „gelbe Gefahr" heute in Brasilien, wie einst in Nordamerika vor den Ein» Wanderungsgesetzen, eine der großen politischen Diskussionsfragen geworden ist. Allein im Jahre 1933 sind 3573 japanische Familien, wohlgemerkt F a - mitten, nicht Personen, und 1934 3275 Familien in Brasilien angesiedelt worden; allein im Staate Sao Paulo leben heute 150 000 Japaner und von den 86 000 Kaffeepflanzungen sind 4,79 Prozent in japanischen Händen, was zeigt, daß es sich nicht nur um Einwanderung japanischer Arbeitskräfte, sondern auch japanischen Kapitals handelt.
In der Tat ist gerade die Einwanderung nach Brasilien von der japanischen Regierung planmäßig gefördert und organisiert worden, vor allem durch Gründung des „Amazonischen Instituts" im Jahre 1930, das sich in der Nähe von Tokio befindet und in dem die Schüler besonders für die brasilianischen Verhältnisse v o r g e f ch u l t werden. Gerade in den letzten Monaten hat eine Kommission von japanischen Wirtschaftlern ganz Brasilien bereift, um im Zusammenhang mit der Einwanderungsfrage auch die wirtschaftlichen und finanziellen Beziehungen zwischenJapan und Brasilien
auf eine breitere Basis zu stellen. Es handelt sich dabei neben der Förderung der brasilianischen Baumwollausfuhr nach Japan, die schon so stark geworden ist, daß z. B. im Staat Sao-Paulo die Baumwollkultur die althergebrachte Kaffeepflanzung zu verdrängen beginnt, in der Hauptsache um die Erschließung der großen Manganerzvorkom- men, die man im Staat Bahia gefunden hat. Das japanische Syndikat der Banken, Werften und der Metallindustrie ist an Brasilien mit dem Angebot einer Anleihe von 100 Millionen Pfund Sterling herangetreten, das die Grundlage für eine sehr enge wirtschaftliche und bei Ausdehnung auf den Schiffsbau und die Rüstungsindustrie auch politische Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern finden würde.
Die Annahme oder Ablehnung dieses großzügigen Plans, dem man sicherlich auch in London und Washington mit größter Aufmerksamkeit verfolgt, steht nun stimmungsmäßig stark unter dem Einfluß der sehr widerspruchsvollen Beurteilung der japanischen Einwanderung in Brasilien selbst. Die brasilianische Regierung hat unter dem Druck des Schlagworts von der „gelben Gefahr" im letzten Jahre ein Einwanderungsgesetz erlassen, das dem der Vereinigten Staaten nachgebildet ist, aber nicht streng durchgeführt wurde. Begünstiger der japanischen Einwanderung sind im allgemeinen die Landbesitzer, die erklären, ohne die arbeits» same, sparsame und nüchterne japanische Arbeiter- jchaft nicht auskommen zu können. In der Tat sind die Anforderungen der brasilianischen Landwirtschaft nach japanischen Arbeitskräften größer als das Angebot; so wurden im Jahre 1933 8200 Familien angefordert, während nur 3800 zur Verfügung standen. Diejem rein wirtschaftlichen Gesichtspunkt setzt sich das auch in Brasilien erwachende R a s s e g e- j ü h l entgegen, das insbesondere gegenüber der asiatischen Einwanderung feststellt, daß sie im neuen Volkstum nicht aufgeht, sondern, wie sich der bekannte brasilianische Soziologe und Historiker d'Oliveira Vianna ausdrückt „unlöslich wie Schwefel" ist und in den verschiedensten Landesgegenden richtige „Sackgeschwülste" bildet. Der an dieser Frage entbrannte Rassestreit hat indessen auch andere Meinungen auf den Plan gerufen, die die für Brasilien nicht sehr schmeichelhafte und zukunfts- jrohe Theorie vertreten, daß es wie einst das mongolische und türkische Asien von seinem Schicksal und seiner Natur dazu bestimmt sei, ein „Schmelz- lieget aller Rassen" zu werden.
Die Verbindung der Einwandererfrage, besonders der japanischen, der in ihr liegenden rassemäßigen, soziologischen und staatlichen Probleme, mit den wirtschaftlichen Nützlichkeitserwägungen und Vorteilen, die sich aus dem japanischen Angebot einer engen Zusammenarbeit ergeben, wird in der nächsten Zeit der Hauptgegenstand der brasilianischen Politik sein. Er ist auch für die Weltpolitik von größter Bedeutung; einmal, weil sich damit entscheidet, ob das japanische Expansionsbedürfnis hier ein Ventil finden wird und sich damit die internationale Spannung im Fernen Osten und b*em pazifistischen Raum verringert; des weiteren wird die Diskussison der brasilianischen Rassenfrage kennzeichnend dafür sein, wie weit die neuen Erkenntnisse und Anschauungen in Völkern lebendig geworden sind, die von Kolonien zu einem eigenen Volkstum erwachsen sind und aus weiteren Rassenvermischungen eine Gefährdung ihres nationalen Lebens befürchten müssen.
Schwierigkeiten der Kriegsberichterstattung.
Von Dr. Friedrich Bubendey, ehem. Offizier-Kriegsberichterstatter der Obersten Heeresleitung.
In Abessinien ist Krieg. Millionen und aber Millionen von Händen in aller Herren Länder greifen täglich zur Zeitung, um d i e neue st en Nachrichten vom Kriegsschauplatz zu lesen und sich über den Fortgang des blutigen Ringens an beiden Fronten unterrichten zu lassen. Aber die Erwartungen der Leser werden meistens enttäuscht. Aus den amtlichen und nichtamtlichen Quellen tröpfelt es nur, gleichsam als wolle dieser Mangel an Nachrichten das spärliche Fließen abessinischer Wasserstellen versinnbildlichen. Irgendetwas, so denkt der verwohnte Zeitungsleser von heute, ist da nicht in Ordnung. Womöglich schiebt er die Schuld gar den Berichter st attern zu, die auf den Kriegsschauplatz geeilt sind. Er tut ihnen bitter Unrecht! Denn wenn jemand daraus erpicht ist, von sich hören zu lassen, dann der Kriegsberichterstatter! Die Frage aber ist: hört und sieht er selbst etwas? Und wie kann er das Gehörte und Gesehene auf dem schnellsten Wege der Welt vermitteln? Eine Antwort auf diese Fragen wie überhaupt einen Einblick in den Zusammenhang von Kriegsschauplatz und Berichterstattung gewinnen wir am besten, wenn wir uns über das Wesen, über die Träger und über die Möglichkeiten der Kriegsberichterstattung klar werden.
Das Wesen der Kriegsberichterstattung besteht erstens in der Uebermittlung von Nachrichten, zweitens von Schilderungen über die Vorgänge an und hinter der Front, und drittens in rückblickenden Zusammenfassungen größerer Zeit- und Kampfabschnitte. Das erste, was wir erwarten und erhalten, ist die Nachricht vom Kriegsschauplatz, der Tatsachenbericht, der uns meldet, ob ein Vormarsch angetreten ist, ob eine Kampfhandlung ftattgefunben hat, wer Sieger wurde, ob
Städte ober Plätze erobert, Gefangene und Kriegsbeute gemacht wurden. Diese Nachrichten sagen uns also, was geschehen ist. Den Nachrichten folgen die Schilderungen von den Kampfhandlungen und den Begebenheiten im Hintergrund. Sie sind unmittelbare ober mittelbare Einbrücke ber Geschehnisse. Sie ergänzen bie Nachricht, vervollständigen sie, runben sie ab unb geben uns überhaupt erst einen Einblick in bie kriegerischen Ereignisse, in bie Haltung unb Stimmung ber Truppen, über bie Größe bes Sieges ober ber Nieberlage, und erlauben uns eine gewisse Beurteilung über den möglichen Fortgang des Kampfes, was uns die Nachricht noch nicht gestattet. Diese Schilderungen, die aufzeigen, wie alles geschehen ist, besitzen vor den Nachrichten also einen großen Vorzug unb werben vom Leser „verschlungen", weil erst sie ihn ben Krieg, wenn auch aus ber Ferne, miterleben lassen.
DieRückblicke über größere Zeit- unb Kampfabschnitte finb zusammenfassenbe Berichte von mehreren, wichtigen Kampfhandlungen, bie bereits von einer höheren Warte aus ein Bilb ber strategischen Kriegslage vermitteln. Diese Berichte erklären uns das warum der Vorgänge. Oft sind sie schon Vorläufer der späteren Kriegsgeschichte.
Die T r ä g e r der Kriegsverichterstattuntz sind einmal die Heeresleitungen, dann die auf den Kriegsschauplatz entsandten Zeitungs- b e r i cf) t e r ft a 11 e r unb enblich bie Kriegsteilnehmer selbst. Welche Fülle bester Kriegsberichte uns in ben Felbpostbriefen unserer Kämpfer im Weltkrieg beschert würbe, ist bekannt. Auf ber Gegenseite hat es biefe Träger der Berichterstattung ebenfalls gegeben. Diese Berichte ber Kriegsteilnehmer jinb beshalb bie besten, weil
sie unmittelbar, lebendig und wahr« heitsgetreu finb. Allerbings finb sie aus bem Blickfelb bes Einzelkämpfers heraus geschrieben und ermangeln baher des Ueberblicks, dessen wir zum Verständnis der Kriegslage bedürfen. Gleichwohl sind sie begehrte Mosaiksteine, aus denen sich das Gesamtbild zusammensetzen läßt.
Den zum Kriegsschauplatz entsandten Vertretern der großen Nachrichtenbüros und Zeitungsoerlage fällt Die berufliche Aufgabe zu, vom Krieg zu berichten. Diese Aufgabe ist ungemein schwer! Könnten sich diese beruflichen Kriegsberichterstatter wirklich auf bem Kriegsschauplatz ungehindert unb frei bewegen, sie würben uns Berichte liefern, an benen wir unseren Wissensburst vollauf stillen könnten. Aber biefen beruflichen Kriegsberichterstattern jinb zwei große Schranken gesetzt. Einmal burch bie Tatsache, baß es eben i h r Beruf ist, zu be- richten. So sehr es nämlich einer Zeitung willkommen fein muß, baß ihr Berichterstatter so weit wie möglich „nach vorn" kommt, so wenig barf sich ber Berichterstatter ber Gefahr aussetzen, verwunbet ober gar getötet zu werben. Denn bamit fänbe bie Berichterstattung ihr ungewolltes Enbe. Der Zeitungsberichterstatter muß sich seinen Lesern e r - halten! Diese Pflicht engt bie Berichterstattung stark ein.
Zum anberen finb biefe Berichterstatter oft bie „Gefangenen" ber Heeresleitung, in beren Hauptquartier sie weilen. Es braucht nicht umständlich beschrieben, sondern nur daran erinnert zu werden, warum manche Heeresleitung ein so wachsames Auge auf die Kriegsberichterstatter haben muß, und warum es der Heeresleitung am liebsten ist, wenn bie Zeitungsvertreter nur bas schreiben, was ihnen in bie Feber biftiert wirb. Der Kriegsberichterstatter leibet selbst unter biesem „Diktat" unb mit ihm ber — Leser! Auch bie Zensur, ber ein Kriegsberichterstatter alle Berichte vorlegen muß, macht oft aus einem umfangreichen spalten- langen Aufsatz eine — Kurzgeschichte.
Der britte Träger ber Berichterstattung ist bie Heeresleitung. Sie gibt entroeber den Nachrichtenbüros Einzelberichte, deren Wortlaut amtlich festgelegt ist. Selten überschreiten diese Berichte den Umfang einer Nachricht. Anders bei den Rückblicken über größere Zeit- unb Kampfabschnitte, beren Verfasser entroeber schriftstellerisch befähigte Generalstabsoffiziere ober besonbere nichtmilitärische 23er- trauensperjonen sind, denen dann die notwendigen amtlichen Unterlagen zur Verfügung gestellt werden.
Der Weltkrieg hat auf der deutschen Seite zu diesen eben geschilderten drei Trägern der Berichterstattung noch eine vierte, völlig neue Gattung von Kriegsberichterstattern gestellt: Es waren die „Offizier - Kriegsberichter st atter", amtlich OKB. abgekürzt. Ihre Tätigkeit kann hier nur kurz gestreift werden. Es war der als Roman- dichter und Kriegsschriftsteller bekannte Major der Reserve Walter Bloem, dem als Leiter der „Feldpressestelle im Generalstab des Feldheeres" in Charleville die Einrichtung dieser Offizier- Kriegsberichterstattung zu danken ist. Diese Offizier- Kriegsberichterstatter waren Frontofsiziere, also Soldaten, und, da beruflich in der Presse vorgebildet, zugleich Zeitungsfachmänner und somit besonders für die Kriegsberichterstattung geeignet, da bei ihnen die zwei oben geschilderten Einschränkungen, denen die zivilen Kriegsberichterstatter unterliegen, fortfielen. Selbstverständlich aber unterstanden auch die Offizier - Kriegsberichterstatter der Zensur, und zwar der der Nachrichtenoffiziere der Armee, deren Stabe sie zugeteilt waren.
lieber die Möglichkeit der Kriegsbericht- erftattung können wir uns kurz fassen. Sie geschieht brieflich (Feldpostbrief, Zeitungsbericht) ober . über ben Draht als Ferngespräch ober Fern- f melbung. Heute, wie wir gelesen haben, auch durch Funkmeldung. Die Möglichkeit aber, Berichte über den Draht oder Funk weiterzugeben, ist sehr beschränkt, da meist alle Fernleitungen von ber Heeresleitung und ihren Dienststellen beschlagnahmt sind. So sind die beruflichen Kriegsberichterstatter auch auf diesem Gebiet auf das Wohlwollen der Kommandostellen angewiesen. Die deutschen Offizier- Kriegsberichterstatter waren auch hier im Vorteil, da ihnen der Weg über bie Dienstleitungen bis zum Großen Hauptquartier (Fernschreiber) unb bamit zum Vertreter bes beutschen telegraphischen Nachrichtenbüros jeberzeit offenftanb.
Wie weit unb schwer ber Weg einer Nachricht | ober eines Berichtes vom Kriegsschauplatz bis zum I Tisch bes ßefer^ift geht aus biefen Ausführungen hervor. Wenn wir nun noch die fast unvorstellbaren Schwierigkeiten, bie der afrikanische Erdteil und das Wüstengebiet Abessiniens bilben, hinzurechnen, so kann es uns nicht wundern, warum bisher nur so unvollständige unb wiberspruchsvolle Berichte über ben italienisch-abessinischen Krieg zu uns gelangten. Wir können nur hoffen, daß es sich in Zukunft bessert.
Italienischer Passagierdampfer durch Feuersbrunst vernichtet.
Der 13 000 Tonnen große italienische Passagier- bampfer „Ausonia" fiel am Freitagvormittag vor ber Einfahrt in den Hafen von Alexandria einer Feuersbrunst zum Opfer. Der Brand wurde durch zwei heftige Explosionen an Bord des Schiffes verursacht, die so laut waren, daß man sie in der Stadt anfänglich für Kanonenschüsse hielt. Das Feuer verbreitete sich mit Windeseile über das ganze Schiff, das bald in hellen Flammen stand. Durch das entschlossene Eingreifen der Besatzungen der im Hafen liegenden britischen Kriegsschiffe konnten die von panischem Schrecken befallenen Passagiere gerettet werden; lediglich ein Todesopfer ist zu beklagen. Zwei Mitglieder der Schiffsbesatzung wurden schwer verletzt. Während des Brandes drängten sich Zehntausende von Neugierigen am Ufer unb verfolgten mit gespannter Aufmerksamkeit bas unheimliche Schauspiel. Zur Zeit ist bas Schicksal ber „Ausonia" noch ungewiß. Das Schiff ist vollstänbig ausgebrannt unb gleicht einem qualmenben Haufen von verrostetem unb glühenbem Eisengestänge. Vor der Alexandriner Hafenbehörde finden gegenwärtig Besprechungen der zuständigen Stellen statt, in denen entschieden wird, ob das nicht mehr ver- wendungssähige Wrack versenkt werden soll. An der Unglücksstelle vor der Hafeneinfahrt beträgt die Meerestiefe 13 Meter, so daß man bas Wrack unter Umständen abschleppen müßte. Bei bem vernichteten Dampfer hanbelt es sich um ein den regelmäßigen italienischen Liniendienst zwischen Trieft— Haifa unb Alexandria versehendes Schiff. Das Unglück wurde durch eine Keffelerplosion verursacht. Die verletzten Mitglieder der Besatzung sind auf einem im Hafen liegenden englischen Hospitalschiff untergebracht worden. Sämtliche Passagiere finb unversehrt geblieben.
B*' MagenbeschwerdenuSodbrennen Bullrich-Salz


