w
MW
Auch die ftimmungsmäßige Abneigung gegen den Isch en Lage am Roten Meer. Um so mehr be- italienischen Faschismus macht die Linke zum Be- ■ greift man den Wunsch Italiens nach Möglichkeiten
eine
kerbundsfatzung stehen wird. Aber im praktischen Fall scheint Laval doch erhebliche Vorbehalte ge°
Ein Bild, das die Schwierigkeiten des italienischen Vormarsches in Abessinien besonders deutlich illustriert. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
Wie Legenden entstehen
Don Waldemar Keller
eint Set Qllfl
IE klär Sol Mi! sich Ium leine
Htüi fani’ ncn Mai bun pel, fani Kno st i «Zach schast Ä'ckz« müde Tage
Ein am 2 sang: hen lienisz emgel hochro
will. Otto war als ein Herrscher bekannt, der strengste Gerechtigkeit übte.
Uniformen-«Wehrmacht
Hin feinster Maßarbeit
Erste Spezialkräfte, Garantie f. tadellosen Sitz — Reparaturen — Effekten.
Herren-Bekleidungshaus
Gießen G.m.b.H. Marktplatz
Vertragslieferant der Heereskieiderkasse
Von Massaua zum Kriegsschauplatz
Don unserem Or Ho.-Kriegöberichterstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Asmara, 9. Oktober 1935.
In Massaua mit seiner brütenden Hitze trafen wir in der Frühe des 5. Dfober ein. Der Hafen lag voller Transportschiffe, auf den Quais stapelten sich die Kisten mit Heeresbedarf aller Art. Die Ausbootung der Truppen ging verhältnismäßig langsam oonstatten. Die verschiedenen Abteilungen wurden sofort auf Lastautos verfrachtet, um an die Front zu gehen, während die Vertreter der Presse den elektrischen Wagen bestiegen, der sie in etwa drei Stunden nach der rund 70 Kilometer von der Küste und 2400 Meter hoch gelegenen Hauptstadt von Eritrea brachte: nach Asmara. Der gewöhnliche Zug benötigt für Die gleiche Strecke etwa 7 Stunden.
Nach dem fürchterlichen Schwitzbad, das wir in Massaua über uns ergehen lassen mußten, waren wir froh, in die reine und gesunde Höhenluft zu kommen. Die gesamte Küste von Eritrea ist sozu-
Seelenmesse für die bei Sedemünde Gefallenen gelesen worden, deren Sinn allerdings schon längst keiner mehr kannte. Die Beschwörung schädlicher Tiere durch herumziehende Zauberkünstler war im Mittelalter nichts Ungewöhnliches; die Entstehung der Sage ist damit sehr einleuchtend erklärt. Zu alledem liegt der Koppenberg, in den der Rattenfänger die Kinder geführt haben soll, am Weg von Hameln nach Sedemünde...
macht zu haben in dem Sinne, daß nur bei einer ausdrücklichen Ermächtigung des Völkerbundes und bei gemeinsam beschlossenen Sanktionen die französische Hilfe gewährt werden soll. Man wird abwarten müssen, ob die Zusicherungen Lavals den Engländern genügen werden. Er wird jedenfalls alles daransetzen, um mit England ins Reine zu kommen, denn es scheint so, als ob auch im eigenen Hause seiner Außenpolitik beachtenswerte Gegner erwachsen. In erster Linie sind es natürlich die Militärs, die mit starrem Blick auf den Rhein sich fragen, ob nicht der italienische Freund an militärischer Schlagkraft durch den Abessinienfeldzug soviel eingebüßt habe, daß es sich nicht lohne, nun seinetwillen die britische Freundschaft aufs Spiel zu setzen. Aehnlich denken die Radikalsozialisten Herriots, die Lavals Besuch in Rom ohnehin skeptisch betrachtet hatten und der Meinung sind, daß Frankreich nicht ungestraft den Völkerbund im Stich lasset könne, der nach wie vor der Eckpfeiler der auf Erhaltung des Versailler Status quo gerichteten französischen Politik sei.
fürworter der Teilnahme Frankreichs an Sanktionen gegen Italien.
Aehnlich ist es in England, wo die doktrinärsten Pazifisten, Liberale und Arbeiterpartei, mit wenig Ausnahmen am eifrigsten nach Sanktionen gegen Italien rufen, während in der konservativen Partei ein allerdings nur kleiner Kreis von entschiedenen Gegnern der britischen Völkerbunds- politik, nur der ehemalige Marineminister Amery, mit der Regierung nicht einig gehen. Sv ist auch innerpvlitisch Baldwins Stellung sehr viel vorteilhafter als die Lavals. Während dieser selbst im Kabinett auf Widerspruch stößt und im Lande kaum auf Verständnis für seine Politik rechnen kann, sieht Baldwin das britische Volk geschlossen hinter sich stehen und kann im Vertrauen auf die einzigartige außenpolitische Parole sogar einen Wahlgang wagen, weil er weiß, daß weder die kleine Fronde in der eigenen Partei, noch die Opposition ihm in diesem Augenblick die neuen Vollmachten verweigern werden, die er für die Leitung des britischen Staatsschiffs durch stürmische Gewässer fordert.
Eine ausgezeichnete Erklärung für den sagenhaften Rattenfänger von Hameln gibt 5ran3 „3 o ft e s. Mit größter Wahrscheinlichkeit ist die Mär entstanden durch Mißdeutung eines Glasgemäldes in der Marktkirche zu Hameln, das die Erinnerung an die Schlacht bei Sedemünde — 28. Juli 1259 — wachhalten sollte. In diesem blutigen Treffen gegen die Mannen des Bischofs von Minden wurden fast alle waffenfähigen jungen Leute aus Hameln niedergemacht. Das Glasgemälde zeigt im Vordergrund den Anführer in buntem Gewand, dahinter stark verkleinert den Truppenhaufen: nachfolgende Geschlechter konnten mit der geschichtlichen Darstellung nichts mehr anfangen, hatten aber noch ein dunkles Wissen um die plötzliche Vernichtung der Hamelner Iungmannschaft, und so wurden aus dem Kriegertroß die Kinder und aus dem bunt gekleideten Hauptmann der vor ihnen her tanzende Rattenfänger. Vermutlich hat sich diese Deutung in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entwickelt, denn bis 1540 — d. h. bis zum Siege der Reformation in Hameln — war noch regelmäßig eine Seelenmesse für die bei Sedemünde Gefallenen ge-
Nachweislicb ein Irrtum ist der Beiname „d e r Springer, der dem Landgrafen Ludwig von Thüringen (Mitte bis Ende des 11. Iahrhunderts- in der Geschichte anhaftet. Ludwig soll, nachdem er in Liebesraserei den Gatten der Pfalzgräfin Adelheid von Sachsen getötet hatte und im Schloß Giebichenstein bei Halle eingekerkert worden war, durch einen tollkühnen Sprung aus einem Fenster des Schlosses in die Saale seine Freiheit wieder- erlanat haben. Eine romantische Legende. Ludwig war kein „Springer", und jenen Salto aus schwindelnder Höhe, den ihm fein noch so trainierter moderner Darietskünstler nachmachen würde, hat er schon gar nicht getan. Er hatte den Beinamen „der Salier" (lateinisch: salicus). Dieses Wort verlas ein unwissender abschreibender Mönch: aus dem Salier wurde ein Springer (lateinisch: saliens). Der falsche Beiname erbte sich von Handschrift zu Handschrift fort, aber erst 350 Jahre später erzählt ein anonymer Chronist die Fabel von dem Sprung in den Fluß. Sie hatte sich im Laufe der Zeit um'den Irrtum des Abschreibers gebildet.
Angeblich soll auch das Prinzip des Fernrohrs in Holland entdeckt worden sein, und zwar durch den kleinen Sohn des Brillenhändlers Lippe r s h e y. Der spielende Junge, so wird berichtet, stellte zwei geschliffene Linsen in gewisser Entfernung voneinander auf und betrachtete dadurch die Kirchturmspitze. Als er den Hahn auf dem Kirchturm plötzlich in vielfacher Vergrößerung sah, rief er seinem Vater zu: „Der Hahn kommt vom Turm herab!" — und dem hinzuspringenden Brillen- Händler war das Prinzip des Fernrohrs sozusagen in den Schoß gefallen. Sehr amüsant, aber bedauerlicherweise nicht wahr. Das Fernrohr wurde mit Bestimmtheit ums Jahr 1570 von dem Engländer Leonard D i g g e s erfunden, also rund vierzig Jahre vor Lippershey.
Bis in die Gegenwart gefvukt hat die Erzählung von der „W e i ß e n Frau, die in den Schlössern der Hohenzvllern den bevorstehenden Tod eines Mitglieds der Familie anzeigen soll. Dreimal hat man Personen, die im schleppenden Gewand des angeblichen Hausgespenstes auftraten, gefaßt: der Kurfürst Albrecht Alcibiades riß der Weißen Frau die Laken herunter und sah sich seinem Kanzler gegenüber, den er dann die Treppe hinabwarf; später, unter Friedrich Wilhelm I., wurden ein Küchenjunge und ein Soldat als Schwindelgeister entlarvt. Trotzdem hat sich die Sage hartnäckig gehalten. Die Weiße Frau soll die Gräfin Kunigunde von Orlamünde sein, und es ist eine gar schauerliche Geschichte, die sich an ihr Ableben knüpft. Kunigunde, so heißt es, plante als Witwe eine Heirat mit dem Burggrafen Albrecht dem Schönen von Nürnberg. Der aber habe ihr gesagt, einer Vermählung ständen vier Augen im Wege. Die Gräfin soll diese Aeußerung auf ihre beiden Kinder aus erster Ehe bezogen und sie umgebracht haben, worauf Albrecht, der gar nicht die Kinder, sondern seine mißgestimmten Eltern meinte, die unnatürliche Mutter angeblich hat hinrichten lassen. Diese Jahr- marftsmoritat ist von Anfang bis Ende erfunden, denn die Gräfin Kunigunde von Orlamünde hat nie gemordet und starb (1351) eines ehrlichen Todes als Aebtissin. Entstanden ist die Legende durch Mißdeutung eines Grabsteins im Kloster Himmelkron: ein junger Ritter, der sich auf sein Schwert stützt und dessen Wappen zwei Putten halten, wurde zur Mörderin mit den beiden Kindern!
Zum Schluß eine niedliche Mystifikation, die sich an den Besuch Goethes in Frankfurt 1814 fnupft. In vielen Biographien wird erzählt, mit welchem Enthusiasmus Goethe abends im Theater gelegentlich einer Aufführung des „Tafso" begrüßt worden sei. Als er in der mit Blumen geschmückten ßoge erschien, habe sich das ganze Haus erhoben und jubelnd applaudiert. Nach der Vorstellung sei Goethe mit Lorbeer bekränzt worden, kurzum: die Bevölkerung seiner Vaterstadt habe ihm rechtschaffen und so, wie er es verdiente, gefeiert. Leider tat fie in Wirklichkeit das Gegenteil Es wurde nicht „Tassv" gespielt, sondern die Oper „Titus" von Mozart, und um den Herrn Geheimrat kümmerte sich kein Mensch. Dies ärgerte Goethes Freund SB t Hemer so sehr, daß er sich zu einem Possen- streich entschloß: er sandte einen erdichteten Bericht über die großartige Aufnahme des Altmeisters in Frankfurt an das dortige „Morgenblatt". Tatsäch- ' lich erschien dieser Bericht in der Nummer vom 28. September 1814, und er ist es, auf den sich heute die Biographen beziehen.
für die Aufnahme seiner überschüssigen Bevölkerung.
Bei einer Fahrt an die Front stellen wir fest, daß Abessinien und vor allem das an Eritreer grenzende Tigregebiet für eine Ansiedlung vorzüglich geeignet ist. Ganz Nordabessinien ist v o it paradiesischer Schönheit und Fruchtbarkeit. Die Strecke Koattt—Adigrat, die wir am 7. Oktober abfahren, bringt eine Ueberraschung nach der anderen: weite, in saftiges Grün gebettete Täler, von hochragenden Tafelbergen umgeben; hin und wieder wie einsame Riesen gewaltige Bergblöcke, über denen Raubvögel kreisen; vor allem aber ein ungeheurer Wasserreichtum. Im Tal von Adigrat treffen wir nicht weniger als drei köstliches Wasser spendende Quellen an. Für die anderen Täler gilt das gleiche. Ein großer Teil der in Abessinien eingesetzten Schwarzhemden.und Wegarbeiter will gern hier bleiben. Sie sprechen davon, sobald die militrärische Lage es erlaube, ihre Familien nachkommen zu lassen.
Dieser Sicherung diente die englische Anfrage in Paris, wie man es dort mit dem Absatz 3 des Artikels 16 der Dölkerbundssatzung zu halten gebende, der die Bundesmitglieder zu gegenseitiger Unterstützung bei Ausführung der wirtschaftlichen und finanziellen Sanktionen und in dem „Widerstand gegen jede Sondermaßnahme" verpflichtet, „die der bundesbrüchige Staat gegen einen von ihnen richtet". Frankreich hat darauf seinerseits mit einer Anfrage geantwortet, die das Bestreben zeigte, England stärker als bisher auf das franzosisch-fowjetrufsifche Paktsystem feftzulegen. Allerdings ohne Erfolg, denn England erwiderte lediglich, es werde auch künftig zu seinen im Völkerbund, im Locarnoabkommen und dem Kellogg-Pakt übernommenen Verpflichtungen stehen, aber es wünsche nun ganz konkret zu wissen, ob es im Sinne des Artikels 16 der Völkerbundssatzung auf französische Unterstützung rechnen könne, falls britische Schiffe im Mittelmeer bei Ausführung ihrer Sanktionspflicht von italienischen Streitkräften angegriffen würden. Laval hat nun gemeint, sich durch einen besonders geschickten Coup aus der Affäre ziehen zu können. Er gab vor, das britische Mittelmeergeschwader sei ja bereits vor dem Sanktionsbeschluß des Völkerbundes durch beträchtliche Teile der Heimatflotte verstärkt worden, England könne also nicht den Schutz des Artikels 16 für feine Mittelmeerflotte in Anspruch nehmen, da ein Auftrag des Völkerbundes zu militärischen Sanktionen ohnehin nicht vorläge. Laval erklärte sich aber bereit, in Rom auf die Zurückziehung der italienischen Truppenoerstärkun- gen aus Libyen hinzuwirken, womit dann der tatsächliche Grund für die Zusammenziehung der britischen Flottenstreitkräfte im Mittelmeer wegfalle und England diese wieder auf das normale Maß zurückführen könne. Laval hatte dabei natürlich den Hintergedanken, daß ihm bei einer Entspannung im Mittelmeer auch die Antwort erspart bleibe, ob er zu einer Unterstützung der britischen Flotte bereit sei.
England hat Herrn Laval diesen Gefallen nicht getan, es hat vielmehr das Ansinnen, in dem Augen- lick, wo bereits Sankttonen gegen den Friedensbrecher Italien verhängt sind und dieses sortfährt, seine Streitkräfte in Libyen zu verstärken, entschieden abgelehnt und anscheinend die Franzosen darüber nicht im Zweifel gelassen, daß es eine Verweigerung der Unterstützung als Bruch der Völkerbundssatzung auffassen würde, aus dem es alle Folgerungen ziehen werde. Die entrüstete Sprache der brittschen Presse zeigt den Franzosen, daß es England bitter ernst ist, wenn es damit droht, sich aus dem Völkerbund und damit auch aus seinen in Locarno übernommenen Verpflichtungen zurück- ziehen werde, wenn Frankreichs oft gerühmte Döl- ferbunbstreue dieser Probe nicht standhält. Selbst ein Mann wie Austen Chamberlain, der einst als britischer Außenminister in den Honigmonden der britisch-französischen Freundschaft beteuert hatte, er liebe Frankreich, wie man nur eine Frau lieben könne, wendet sich mit der „letzten und eindringlichen Warnung^ an die Franzosen, England werde sich als von allen Verpflichtungen befreit betrachten, wenn jetzt andere Unterzeichnermächte des Völkerbundspakts sich von ihren Verpflichtungen zu drücken versuchten. Die britische Regierung hat ihre Unbeugsamkeit noch unterstrichen durch die Verstärkung der britischen Streitkräfte in Aegypten als Antwort auf die italienischen Truppenkonzentrattonen an der libyschen Grenze.
Laval hat sich durch die entschiedene Sprache Englands doch veranlaßt gefühlt, so weit nachzugeben, wie es ihm mit Rücksicht auf die Empfindlichkeit des italienischen Freundes irgendwie möglich war. Vor allem scheint Frankreichs Antwort — der Wortlaut der Note ist bis zur Stunde noch nicht bekannt — die von England geforderte grundsätzliche Bestätigung zu enthalten, daß Frankreich
Eine sogenannte Wanderankedote ist die bekannte Geschichte von dem Grafen von Gleichen. Der Ueberlieferung nach ist er im Jahre 1227 als Kreuzritter ausgezogen; in Gefangenschaft geraten, habe ihn eine sarazenische Drinzessin namens Malechsala befreit, und mit ihr sei er nach Deutschland zurückgekehrt. Der Papst Gregor IX., so wird weiter berichtet, stellte einen Dispens aus, der es dem Grafen erlaubte, Malechsala als zweite Gattin zu nehmen; mit feinen beiden Frauen soll er noch lange gelebt haben. Die Erzählung findet sich zum erstenmal in einer Chronik vom Jahre 1562 und kennzeichnet sich schon dadurch als ein nachträglich zurechtgemachtes Histörchen. Im übrigen aber wird von nicht weniger als acht anderen Kreuzrittern dasselbe berichtet. Das Breve des Papstes Gregor, womit der Dispens erteilt worden sein soll, hat man nie entdecken können, auch wird in keiner Urkunde die Teilnahme eines Grafen von Gleichen an dem in Frage kommenden Kreuzzug erwähnt. Veranlassung zu der Legende hat ein Grabstein im Dom ZU Erfurt gegeben, der einen Ritter mit zwei Frauen zeigt. Die Forschung jedoch ist der Ansicht, daß dieser Ritter die beiden Frauen nicht gleichzeitig, sondern brav nacheinander zum Ehgemahl gehabt hat
eine Reihe von Uhren zu absolutem Gleichgang zu bringen. Was daran wahr ist? Vermutlich nichts. Die Legende dürfte ins Leben gerufen fein von dem Schotten William Robertson, der rund zweihundert Jahre nach des Kaisers Tod behauptete, Karl habe angesichts der vielen differierenden Klosteruhren bereut, daß er alle feine Untertanen 3U einer einzigen Religion habe zwingen wollen. Im übrigen wird Kaiser Karl in der „Geschichte der Deutschen" von Ed. D u l l e r mit Pendeluhren abgebildet, was nötigerweise den Hinweis herausfordert, daß die Pendeluhr erst 1656 von dem Holländer Christtan H u y g e n s erfunden wurde, während Karl V. bereits 1558 gestorben ist.
lieber Asmara, die 5000 Europäer und 15 000 Farbige zählende Hauptstadt der Kolonie, ist wenig zu sagen. Wie in allen Kolonialstädten liegt neben dem Europäerzentrum das Eingeborenendorf, dessen Insassen zum größten Teil der Tigrebevölkerung angehören. Doch trifft man auch echte Negertypen und arabisches Mischblut. Meist gesprochene Sprache ist das Tigrina. Die Europäerstadt mutet wie irgendeine süditalienische Provinzstadt an. Das Höhenklima in Eritrea istt sehr gesund, nur muß man sich an die d ü n n e L u f t zunächst gewöhnen.
In Asmara haben wir bereits am Tage der Ankunft Gelegenheit, mit Graf C i a n o, dem Schwiegersohn des Duce, zu sprechen, der von seinem ersten Erkundungsflug nach Adua und bent Bombenabwurf, mit dem die Feindseligkeiten gewissermaßen begonnen haben, erzählt. Sein Flug- zeug war unter Maschinengewehrfeuer genommen und durch einige Kugeln leicht beschädigt worden.
Am Sonntag, dem 6., begeben wir uns i n s Hauptquartier des Generals de Bono, das neben einem kleinen südöstlich von Asmara gelegenen Eingeborenendorf aufgeschlagen ist. Drei bis vier Stunden Kraftwagenfahrt sind notwendig. Der Weg von Asmara zum Hauptquartier führt fast durchweg an tiefen Schluchten vorbei. An einer Stelle ist ein ausgetrocknetes Flußbett zu durchfahren. Wir kampieren in Zelten ober Holzbaracken. Hier laufen alle Nachrichten von ber Front ein, boch erschwert ihr militärischer Charakter bie Berichterstattung. Man ist unaufhörlich auf ber Suche nach Einzelheiten, bie man mühsam zusammertträgt und erst nach Asmara beförbern muß, wo sie d i e Z e n- s u r passieren.
Am Dienstag, ben 7. finbet bie bereits erwähnte Fahrt zum Frontabschnitt Abigrat statt, ber bem Befehl bes Generals Santini unterstellt ist. Die Erinnerung an biefe Fahrt wird uns lange lebendig bleiben: nicht nur wegen der vielen Eindrücke, die wir sammeln konnten, sondern auch wegen der zerschundenen Knochen, die wir heimbrachten. Rund 350 Kilometer in einem Lastkraftwagen, mit dem wir von morgens 7 Uhr bis 4 Uhr morgens am folgenden Tage unterwegs sind, sind keine Kleinigkeit bei einem Zustand der „Straßen", die zum Teil überhaupt erst einmal welche werden sollen. Deshalb — und das ist mit die wichtigste Aufgabe der Heeresleitung — folgen den vorrückenden Truppen unmittelbar Kolonnen, die die Straßen ziehen und sie für den Nachschub inftanb setzen. Bis zur Oren;e arbeiten in der Hauptsache italienische Strecken- arbeiter, von ber Grenze ab Schwarzhemben, be-
Fm Kloster von Puste, so genannt nach einem gleichnamigen Flüßchen, soll sich K a r I V. währenb feiner letzten Erdentage viel bannt beschäfttgt haben,
Wenn hier über ben Ursprung von Legenden einiges gesagt werden soll, so ist Die Beschränkung auf wenige Beispiele selbstverständlich. Beginnen wir mit den Rolandssäulen, jenen steinernen Bildnissen, die man noch heute in vielen deutschen Städten sehen kann. Ihr Ursprung wird allgemein auf den von Ariost verherrlichten Roland zurückgeführt, den Helden der Schlacht bei Ronceval (15. August 778). Aber dieser Roland wird in der Geschichte nur ein einziges Mal, und da sehr beiläufig, erwähnt. Der Bericht von seinen wunderbaren Heldentaten fußt auf der gefälschten Chronik des Erzbischofs Turpin, und es Darf als sicher bezeichnet werden, daß die angebliche Bedeutung der Rolandssäulen eine Erfindung späterer Jahrhunderte ist. Wen diese Bildnisse darstellen sollen, darüber herrscht tiefes Dunkel. Etliche Forscher knüpfen an die graue Vorzeit an und wollen in den steinernen Rittergestalten den germanischen Sonnengott oder auch Donar erkennen; eine andere Theorie besagt, es handele sich um eine symbolische Wiedergabe des deutschen Königsgedankens, wieder eine andere will die Rolande von einer hölzernen Spielfigur ableiten, die zum Rechtssymbol geworden sei. Wie es in Wirklichkeit gewesen ist, wissen wir nicht. Da jedoch die Rolandsbilder fast stets in einem Zusammenhang mit der Gerichtsbarkeit stehen, scheint die Annahme Zoepfls nicht ganz so abwegig, der in ihnen den König Otto II. (973 bis 983) erblicken
Sehr bekannt ist die rührende Geschichte, daß die Hussiten, als sie im Jahre 1432 unter Prokop dem Großen Naumburg belagerten, durch die Fürbitte der in Leichenhemden gekleideten Kinder zum Abzug veranlaßt worden seien. Alljährlich im Juli feiert die Naumburger Jugend zur Erinnerung an diesen Vorgang das Kirschfest. Leider, leider sind aber die Hussiten nie vor Naumburg gezogen, wie es in dem Liede von S e y f e r t h heißt, und konnten daher auch nicht durch die Kinder zur Umkehr bewogen werden. Wahrscheinlich liegt hier eine Verwirrung der geschichtlichen Ereignisse vor. Das Kirschfest dürfte auf die große Friedensfeier zurück- gehen, die den Dreißigjährigen Krieg abschloß. Und vermutlich ist bei Dieser Feier angespielt worden auf die Behauptung Naumburgs gegenüber dem die Stadt belagernden schwedischen General Hans Christoph von Königsmark (1642). Sentimentale Ausdeutung unter entsprechender Zurückdatierung hat dann allmählich die Hussitenlegende geschaffen.
■weit Imer ein j D 'M tr bli Ml linier
bet ’ beim fand
sagen eine Wüste, in der — von einigen Palmen abgesehen — nichts gedeiht, rnäljrenb das steil bis zu 2500 Meter ansteigende Hinterland von wildromantischer Schönheit mit aufragenden Bergkuppen und dicht daneben tief einschneidenden Schluchten ist. Die Vegetation ist gekennzeichnet durch die bisweilen eine riesige Höhe erreichenden kaktusartigen Euphorbienbäume. Ueberall auch steppenartiger Busch. Der Vergleich mit den Abruzzen taucht beim Anblick dieser Höhen und Tiefen unwillkürlich auf: schön, aber u n - fruchtbar. Erst hinter der Hauptstadt beginnt der anbaufähige Boden, der hauptsächlich mit Gerste bestellt wird. Gegen den Süden trifft man Versuchsfelder mit Baumwolle, Apfelsinen und Zitronen. Sehr stark fühlbar macht sich der Wasser m a n g el. Als Siedlungsgebiet kommt die Kolonie deshalb nicht in Frage. Sie kostet Geld und bringt nichts ein, ihr einziger Wert besteht in der hervorragenden st r a t e g i -
Sanktionen gegen Italien zu beschleunigen und I zu seinen Verpflichtungen aus Artikel 16 ber Vol- trifft darüber hinaus Vorbereitungen zu feiner ferbunbsfahuna stehen wird Aber im nraftifchen Sicherung, falls es in feiner Eigenschaft als Gerichtsvollzieher des Völkerbundes in einen kriegerischen Konflikt mit Italien geraten sollte.


