M.M Erster Blatt
185. Zahrgang
Mittwoch. ly.Zuni 1935
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Eichener Anzeiger
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Oie deutsch-englische Klottenverständigung.
Erfolgreicher Abschluß der Verhandlungen Ribbentrops in London. — Einigung auf der Grundlage des deutschen Vorschlags eines Verhältniffeö von 35:100 zwischen der deutschen Flotte und der Gesamtflotte des Britischen Reiches. — Sonderregelung für U-Boote. — Kein Raum mehr für eine Flottenrivalität. Oer Weg zu einer großzügigen MstungSverständigung beschritten.
andere Verhältniszahlen gestellt worden wären, als es seit dem 15. März der Fall ist. Die Engländer haben sich gesagt, nachdem sie mit nüchternem Wirklichkeitssinn die Tatsachen und die neuen Kräfteverhältnisse erkannt hatten, daß es ihnen mit dem deutschen Angebot von 35 o. S). nicht so ergehen sollte wie mit den Sibyllinischen Büchern, deren letztes schließlich noch so viel kostete wie ursprünglich alle sieben, weil der Käufer den Preis nicht gleich bewilligen wollte.
Diese Feststellung, daß die Engländer durchaus als praktische Politiker gehandelt haben, soll uns nicht daran hindern, die Haltung der englischen Regierung und ihre vernünftige Einstellung in den Verhandlungen freudig und dankbar anzuerkennen.
müssen es sich . „ . _
sagen lassen, daß sie wahrscheinlich noch vor einem Jahre ein Abkommen mit Deutschland hätten haben können, in dem die Heeresstärten auf
werde es den Franzosen klar machen, daß England das deutsch-englische Flottenabkommen als einen sehr wichtigen Schritt zu einer allgemeinen europäischen Regelung betrachte, die von England nicht weniger als von Frankreich gewünscht werde.
„Daily Telegraph" will berichten können, daß die französische Rote an England eine ..leichte Entrüstung- Frankreichs zum Ausdruck bringe, daß England die alleinige Verantwortung übernommen habe, den Umfang der deutschen Flotte mitzubestimmen. Rach englischer Ansicht sei jedoch das Abkommen mit Deutschland nicht nur für England, sondern auch fürFrank- reich vorteilhaft. England habe deshalb der französischen Regierung ständig nahe gelegt, keine feindselige Haltung gegen das Abkommen einzunehmen. Reuter meldet, der Reise Edens nach Paris werde wahrscheinlich baldigst ein Besuch französischer Flottensachverständi- ger in London folgen, um nicht nur die Frage der deutschen Flotten-Aufrüstung, sondern das ganze Gebiet der Flottenbeg renz ung in Vorbereitung auf die internationale Flottenkonferenz zu erörtern. — „Worning Post- glaubt, daß möglicherweise auch italienische Flottensachver- sländige nach London eingeladen werden würden..
angelegenheiten, Anthony Eden, zu Besprechungen mit der französischen Regierung nach Paris begeben. Die Besprechungen werden die Flottenfrage und die allgemeine europäische Lage zum Gegenstand haben. Der Beschluß, Lden nach Paris zu entsenden, wurde, wie „Daily Telegraph- schreibt, am Dienstagabend gefaßt, nachdem eine französische Rote zur deutschenglischen Flottenverstandigung in London eingetroffen war. Der Besuch Edens in Paris habe hauptsächlich den Zweck, alle etwaigen französischen Zweifel zu zer- streuen, daß England überstürzt gehandelt habe, indem es ohne vorherige Rücksprache mit den anderen in Betracht kommenden Mächten ein unmittelbares Abkommen mit Deutschland abschloß.
Die Sendung Edens sei mit seiner Reise nach Paris am Vorabend der Berliner Besprechungen zwischen englischen und deutschen Regierungsmitgliedern zu vergleichen. Auch damals sei Paris der Ansicht gewesen, daß den unmittelbaren Verhandlungen Sir John Simons mit Deutschland Besprechungen mit Paris und Rom hätten vorangehen sollen. Es seien jedoch bereits Anzeichen vorhanden, daß Frankreich den praktischen Wert des seht von England
Eden fährt nach Paris.
Das deutsch-britische Abkommen „ein sehr wichtiger Schritt zu einer allgemeinen europäischen Regelung".
Die Engländer wissen heute ganz genau, was sie haben. Deutschland betrachtet die jetzt mit England getroffene Vereinbarung als die Schaffung eines Verhältnisses, das ein für allemal gilt. Für eine deutsch-englische Flottenrivalität ist in aller Zukunft kein Raum mehr. Indem die Engländer sich so schnell entschlossen, auf der Grundlage der deutschen Vorschläge zu einem Abkommen zu gelangen, bestätigen sie vor aller Welt, daß sie nun die Friedenskundgebung des Führers ernst nehmen und in ihre politische Rechnung einstellen. Das schafft für ganz Europa eine neue politische Atmo- Wendepunkt in der europäischen Geschichte werden, sphäre. Der 18. Juni kann zu einem entscheidenden
Eine fruchtbare Methode zur Friedenssicherung
Das Echo des Flottenabkommens in der englischen preffe.
London, 18. Juni. (DRB.) Wie amllich ver-1 unternommenen Schrilles auf dem Gebiete der lautet, wird sich der Minister für Völkerbunds-1 Floltenbegrenzung noch einsehen werde. Eden
prattische Friedensarbett.
Zum ersten Male seit 17 Jahren, zum ersten Male, da Marschall Fach im Walde von Comviägne den deutschen Unterhändlern die Waffenstillstandsbedingungen diktierte, ist es zwischen Deutschland und einer der großen Siegermächte zu einem Abkommen gelangt, das der Reihe der Diktate, die auf Versailles folgten, ein Ende setzt. Am 18. Juni 1935 — wir wollen dies historische Datum festhalten — unterzeichneten in London die deutschen und englischen F l o t t e n d e l e g i e r t e n ein Abekommen, von dem wir hoffen wollen, daß es nicht das letzte in einer Reihe weiterer und ähnlicher Abkommen fein wird.
Es ist heute noch zu früh und wohl auch noch nicht angebracht, auf die technischen E i n z e l h e i - t e n dieses deutsch-englischen Flottenabkommens einzugehen. Selbstverständlich ist auch seine technische Bedeutung äußerst groß. Aber nicht weniger bedeutend ist sein politischer Wert. Es ist tatsächlich der erste frei verhandelte Vertrag. Dem praktischen politischen Sinn der englischen Regierung ist es zu danken, daß sie die so oft verkündete Auffassung des Führers endlich einmal in einer so wichtigen Angelegenheit aufgegriffen hat, daß nämlich zweiseitige Verhandlungen und Verträge in viel wirksamerer Weise der Verständigung und dem Frieden zu dienen vermögen als alle kollektiven Pläne und Kombinationen.
In dieser neuen Phase einer neuen europäischen Politik ist es gut, sich noch einmal des Ausgangspunktes und des K e r n p u n k t e s der Verhandlungen zu erinnern, von dem die deutsch-englischen Besprechungen, die sich mit einer kurzen Unterbrechung fast über zwei Wochen ausgedehnt haben und die in einem verständnisvollen und freundschaftlichen Geiste geführt wurden, ausgingen.
Dieser Ausgangs- und Kernpunkt ist und bleibt die große Rede des Führers vor dem Reichstag am 21. Mai, bleibt Punkt 8 dieser Rede, in dem von der Begrenzung der deutschen Marine auf 35 v. H. der englisch e n die Rede ist, bleibt die bindende Erklärung des Führers und Kanzlers, daß die deutsche Forderung nach 35 v. H. eine endgültige und bleibende ist und daß Deutschland weder Die Absicht noch die Notwendigkeit oder dasVermögen hat, in irgendeine n e u e F l o t- tenrivalität einzutreten. Die großzügige und weitschauende Einstellung Adolf Hitlers, der die überragende Lebenswichtigkeit und damit die Berechtigung des dominierenden Schutzes des britischen Weltreiches zur See anerkannt hat, ermöglichte den Abschluß des deutsch-englischen Flottenabkommens ebenso wie die verständnisvolle Haltung der brr-
London, 19. Juni (DNB. Funkspruch). Das deutsch-englische Flottenabkommen, das die englische Regierung einer halbamtlichen Mitteilung zufolge als einen Beitrag von sehr großer Bedeutung für die ganze Zukunft der Flottenbegrenzung betrachtet, steht im Vordergrund der Betrachtungen der gesamten englischen Morgenpresse.
Die „Time s" schreibt, das Abkommen fei endgültiger und umfassender, als man es anfangs hätte vermuten können. Beide Seiten feien of enfichtlich bemüht gewesen, eine Verständigung zu erzielen, und beide Teile hätten Z u - geständnisse gemacht — „der einzige Weg, auf dem internationale Vereinbarungen jemals erzielt werden können. Das tatsächliche Ergebnis schafft zum mindesten einen viel befriedigenderen Zustand, als er vor 1914 vorhanden war . Damals habe der deutsche Flottenbau das Tempo angegeben. Jetzt bestimme England feine eigenen Flottenerfor- derntfse und Deutschland regele die..semigen m einem Verhältnis von 35 zu 100. Die nächste Absicht der britischen Regierung sei es jetzt, ohne Zögern das mit dem deutsch-englischen Flottenabkommen begonnene gute Werk fortzusetzen, Frankreich und Italien sowie S o w j e t r u h l a n o ebenfalls zu Besprechungen einzuladen, um die deutsch-englische Verständigung in em allgemeines Abkommen für die Begrenzung der Flotten einzupassey.
Nach einem Hinweis auf die französischen Befürchtungen sagt das Blatt, Deutschland werde bind) die Annahme von 35 zu 100 ber bnti- scheu Tonnage in eine Stellung versetzt, die eine dauernde Ueberlegenheit der französischen Flotten stärke bedeutet. Wenn Frankreich darauf bestehe, seine Flottenstarke zu e^r h ö h e n , dann mußten die britische und die deutsche Regierung ohne Zweifel ebenfal s Erhöhungen in Erwägung Z^hem Em überstürz tes Vorgehen anderer Lander wurde g e r a b e bas Hebel fördern, das die deutsch-englische Abmachung v e r h i n d e r n wolle. Man brauche wohl kaum zu sagen, daß England mit dem Ab s^luk des Flottenabkommens nicht die geringste Absicht auf eine Minderung seiner guten Beziehungen zu Frankreich und Italien oder etwa aus, eme Minderung der Lerpfüchtungen. durch die es be
reits gebunden ist, verfolgt habe. Locarno stehe fest. England suche keine neuen Verständigungen auf Kosten alter Freundschaften. Im Gegenteil werde jetzt jede Bemühung gemacht werden, andere Länder in ein allgemeines Abkommen über die Begrenzung der Flottenstärke zu bringen. Die neue britische Regierung habe ihre Arbeit für den Frieden und die Festigung der Verhältnisse unter guten Vorzeichen begonnen.
„Daily Telegraph" betont, in britischen Kreisen messe man dem von Deutschland gemachten Zugeständnis, daß es an dem festgesetzten deutschenglischen Flottenverhältnis ohne Rücksicht auf den Flottenbau anderer Länder f e st h a l t e n werde, große Bedeutung bei. Das bedeute, daß Deutschland nicht zu einer Verstärkung seiner eigenen Flotte berechtigt wäre, wenn die englische Regierung ein Aufrüstungsprogramm einer anderen Regierung außer Acht lassen werde. Man könne jedoch annehmen, daß die deutschen Vertreter die Versicherung erhalten hätten, daß England, in der Praxis verpflichtet sein werde, seine eigene Flotte im Falle irgendeiner Flotten-Aufrüstung einer ausländischen Macht, die von Deutschland als Bedrohung seiner Sicherheit betrachtet werde, zu o e r st ä r k e n. Die britische Aufrüstung werde dann Deutschland automatisch dazu berechtigen, eine entsprechende Verstärkung seiner Flotte oorzunehmen. Diese neue Methode könne bei gutem Willen zu greifbaren Ergeb n i s s e n führen. Sie sei eine praktische Grundlage für die späteren Flottenverhandlungen.
Die liberale „News Chronicle" schreibt: Das deutsch-englische Abkommen ist ein Markstem in der Weltgeschichte. Es ist seit dem Kriege das erste Abkommen für Rüstungsbegrenzung, dem Deutschland willig beigetreten ist. Es e n t s p r i n g e Deutschlands eigener Initiative und ist auf einem Gebiete abgeschlossen, auf dem vor dem Kriege die deutsch-englische Rivalität am stärksten und am gefährlichsten gewesen ist. Man darf zumindest hoffen, daß dieses Abkommen der erste praktische Schritt zum endlichen Ausbau des Friedens und der Verständigung sem mag.
Die konservative Zeitung „Corning Post nennt das Abkommen einen unzweifelhaften Fort
tischen Regierung. .
Man muß sich schon in die Zeit vor dem Kriege zurückversetzen, um zu ermessen, welche Vorteile das neue Abkommen bietet. Man muß sich die Ziffern vor Augen halten, mit denen in einer ständigen und ewig wachsendnen Rivalität die deutschenglischen Beziehungen einer Belastungsprobe ausgesetzt wurden, die in den verhängnisvollen Juli- tagen des Jahres 1914 nicht mehr standhielt. Vom 18/Juni 1935 ab wissen Deutschland und England in der Flottenfrage, woran sie sind. Ein in sich aufs Feinste abgewogenes Abkommen wurde geschaffen, das das deutsch-englische Flottenverhaltms ein für alle Male regelt und die deutschenglische Flottenrivalität, die noch von der Zeit vor dem Kriege her wie ein Alpdruck auf uns lastete, für immer beseitigt. Wenn nun diesseits und jenseits der Nordsee Freude, Genugtuung und Anerkennung mit gutem Recht zum Ausdruck kommen werden, so muß zu diesem Zeitpunkt nicht vergessen werden, daß das deutsch-englische Flottenabkommen — das ist jedenfalls der aufrichtige Wunsch Deutschlands — den Auftakt bilden möge zu weiteren verständnisvollen Abkommen mit anderen europäischen Mächten.
Zum erstenmal nach einer endlosen Reche von fruchtlosen Besprechungen und Konferenzen, in denen man das Rüstungsprogramm in Bergen von Papier begrub, wurde auf einem äußerst wichtigen Teilgebiet die R ü st u n g s - frage praktisch geregelt und damit em ebenso praktischer Beitrag zur Befriedung Europas geliefert. Ein Abkommen wurde erzielt, das beiden Seiten gerecht wird, das den Interessen des um seine Weltreichstellung besorgten britischen Reiches ebenso entspricht wie denen Deutschlands, das niemals in ein uferloses Wettrüsten emzutreten wünschte. „ ., . _
Es kann gar nicht ausbleiben, daß dieses Ergebnis der deutsch-englischen Verhandlunasmethoden Folgerungen auf die europäischen Abrüstungsplane nach sich ziehen wird, soweit solche Pläne ul^r- haupt ernsthaft und wahrhaft vorhanden sind. Die Franzosen sollen es wissen, daß Deutschland ihnen gegenüber zu jeder Zeit zu gleichartigen Verhandlungen mit der Zielsetzung bereit sind, Sicherheit, Verständigung und Frieden auf dem Boden der Gleichberechtigung zu gewährleisten. Heute müssen es sich die Franzosen von den Engländern sagen lassen, daß sie wahrscheinlich noch tz:
schritt in der Sache des Friedens, da es die Lage kläre und die Stärke der deutschen Flotte dauernd estsetze. Im übrigen fjabe das Abkommen aber gewisse weniger günstige Seiten. In diplomatischer Hinsicht gäben d i e Umstände, unter denen es abgeschlossen worden sei, zu Befürchtungen Anlaß. England habe zum Beispiel diesen Schritt unternommen, ohne vorher seine Vertragspartner zu befragen. Stückweise Regelungen könnten wohl ganz gut sein, sie brächten jedoch die Gefahr mit sich, die auswärtigen Beziehungen in ein Chaos zu stürzen.
Das pariser Echo.
Paris, 19. Juni. (DNB. Funkspruch). In den großen Pariser Nachrichtenblättern wird das deutschenglische Flottenabkommen nicht nur als Sonderabmachung über ein bestimmtes Gebiet, sondern auch im Hinblick auf die Möglichkeit einer weiteren Annäherung zwischen Berlin und London gewürdigt. Der „Petit Pari- i e n" sagt, die Deutschen hätten den Briten das Abkommen vorgeschlagen, das die offenkundige Unterlegenheit der deutschen Kriegsmarine auf ewig festlege. Die Briten seien auf diesen „unverhofften, ausgezeichneten Handel" schleunigst eingegangen. Die Stellung des Londoner Kabinetts werde dadurch gefestigt. Mit dem bevorstehenden Besuch Edens in Paris wünsche England offenbar den unbestreitbar schlechten Eindruck zu verwischen, den der rasche Abschluß des deutsch-englischen Abschlusses in Frankreich hervorgerufen habe. Allgemein gesehen, enthalte das Flottenabkommen übrigens nichts, was für Frankreich oder für Italien besonders zu fürchten wäre.
Der „Malin- spricht von „einem Ereignis von außerordentlichem Ernst-, das auf die Beziehungen zwischen Frankreich und England beträchtliche Rückwirkungen haben könne. Man habe in Paris diesmal nicht damit gerechnet, daß so schnell eine so umfassende Regelung erfolge. Wie könne man, wenn England so aus der Reihe tanze, sich die enge Zusammenarbeit in Zukunft vorstellen, nachdem die Einheitsfront der ehemaligen alliierten Hauptmächte aus der Kriegszeit eine der besten noch verbliebenen Ariedensbürgschaften gewesen sei?
Das Flottenabkommen sei für Deutschland und besonders für Botschafter von Ribbentrop ein beträchtlicher Erfolg und stärke die Stellung des Reichskanzlers gegenüber den Mächten. — „I o u r- n a l" fyebt hervor, daß das Abkommen Frankreich die volle Entschlußfre-iheit lasse. Wenn England den Standpunkt vertrete, das Ad- kommen könne eine allgemeine Regelung der Flottenfrage nur erleichtern, so müsse man dem entgegenhalten, welchen Vorteil das Reich aus einem „Manöver in aufgelockerter Schützenlinie" ziehen könne.
„Petit Journal- schreibt, man müsse anerkennen, daß das Abkommen zwar ein unbestreitbarer Erfolg der Hitler-Diplomatie sei, aber auch ein ebenso unbestreitbarer Erfolg für den britischen Admiralstab, der, ohne Zeit zu verlieren, die Aussicht verwirklichte, die ihm die Reichstagsrede des Führers geboten habe. Wenn Louis B a r t h o u, anstatt sich in seiner Denkschrift vom 17.April 1934 auf eine rein verneinende und unfruchtbare Haltung zu ver st elfen, sich nicht daraus beschränkt hätte, die Aufrüstung Deutschlands zu verurteilen, sondern versucht haben würde, mit dem Reich über die vorgeschlagene Begrenzung für das Landheer zu v e r h a n d e l n, das Frankreich vor allem angehe, dann würde man sich jetzt wahrscheinlich nicht in dieser Lage befinden.
„Oeuvre", „Le Jour", „Ere Nouvelle", „Popu- laire" und „Echo de Paris" nehmen in scharfer Form gegen das Flottenabkommen Stellung, zum Teil mit gehässigen Angriffen gegen England, dem u. a. „Bruch der englisch-französischen Solidarität oorgeroorfen wird. „Echo de Paris" nennt dabei das deutsch-englische Flottenabkommen dos' Ende der englisch-französischen Politik nach der Londoner Erklärung vom 3. Februar, die am 17. April in Stresa durch den Beitritt Italiens bestätigt und verstärkt worden sei. Die zwischen Deutschland und England ausgetauschten Briefe seien für Adolf Hitler außerordentlich ermutigend. Er habe über den von den englischen und französischen Ministern verkündeten Grundsatz des unteilbaren Friedens triumphiert. Das Blatt umschreibt dann die nunmehrige französische Verhaltungslinie wie folgt: Etwaige französisch-englische Flottendesprechunaen dürfen nicht in London, son- dem müssen in Paris geführt werden. Frankreich darf nicht mehr weiter eine schiedsrichterliche Tätigkeit Englands anerkennen, die sich ohne Be- rücksichtiguna der französischen Belange auswirkt.. lieber den Luftpakt darf nicht gesondert verhandelt werden; der Grundsatz der Unteilbar- feit des Friedens muß wieder heraus- gestellt werden.


