Ausgabe 
19.1.1935
 
Einzelbild herunterladen

krank'

u r -

Der Danziger Senatsprä'sident vor dem Völkerbundsrat..

Die nationalsozialistische Regierung Danzigs hält sich streng im Rahmen der Verfassung.

Deutsche Naggen über den Amtsgebäuden des Saarlandes Heimburger befiehlt ihre Einholung.

Instanzen des Rates in Anspruch zu nehmen. Dies wird jedoch gestört durch das Vorgehen von Per­sonen, welche sich dem in der Verfassung verankerten Mehrheitsprinzip nicht beugen wollen.

Der Vertreter der polnischen Regierung stimmte der Vertagung der von Danziger Staats­bürgern vorgebrachten Beschwerde zu. Er glaube, daß direkte Besprechungen zwischen der Danziger Regierung und der Zentrumspartei die beste Methode sei. Die polnische Regierung habe bei dem Danziger Senat den aufrichtigen Wunsch noch Zusammenarbeit und den Geist guter Verständi- gungsbereitschaft angetroffen. Polen bezweifle nicht, daß der Danziger Senat diesen selben Geist bei den obengenannten Besprechungen zeigen werde.

Die Vertagung der Beschwerde der beiden katho­lischen Priester im Sinne des Berichterstatters wurde beschlossen. Senatspräsident Greiser ging dann um den Ratstisch herum zu dem Berichterstatter Eden und schüttelte ihm dankend die Hand. Er verab­schiedete sich darauf mit dem zum ersten Male im Ratssaale gesehenen Hitlergruß.

Die Beschwerde des Prinzen pleß zurückgewiesen.

Die Beschwerde des Prinzen Pleß ge­gen die über ihn verhängten polnischen Zwangs­maßnahmen wurde durch Beschluß des Völker- bundsrates zurückgewiesen. Der Berichterstat- ter hatte erklärt, daß keine Schlechterstellung des Prinzen gegenüber anderen Staatsbürgern erfolgt fei und damit kein Verstoß gegen die Bestimmungen des deutsch-polnischen Abkommens über Oberschle­sien. Er habe sich nicht darum gehandelt, zu entscheiden, ob die Steuermaßnahmen an sich hart seien, sondern baruni, ob der Prinz von Pleß einer besonderen Diskriminie- r u n g durch die polnischen Gerichte ausgesetzt ge- wesen sei. Es sei n i ch t b e w i e s e n , daß man un­ter gleichen Verhältnissen einen zur Mehrheit der Bevölkerung gehörenden Staatsbürger anders be­handelt haben würde, ebensowenig die Behauptung, daß die gegen den Prinzen von Pleß ergriffenen Maßnahmen die Polonisierung seiner Be­sitz u n g e n . bezweckt hätten. Der Bericht richtet ober die vorsichtige Mahnung an Polen, dar­über zu wachen, daß die Maßnahmen der polni­schen Behörden nicht zu politischen Zwecken mißbraucht werden, zu Zwecken, die mit den Verpflichtungen der polnischen Regie­rung nicht vereinbar sein würden. Daß die deutsche Regierung die Pleß-Frage selbst der Kompe­tenz des Haager Gerichtshofes ent- zogen habe, fei für die Beurteilung an sich nicht entscheidend, müsse aber einen Einfluß auf den etwaigen Versuch ausüben, den Haager Gerichts- Hof noch einmal mit dieser Frage zu befassen.

In dieser umständlichen und nicht widerspruchs­freie» Lölterbuadsjprachs soll nun die Beschwerde

flaue zugeteilt werden wird. So sind die drängend­sten Probleme wirtschaftlicher Art. Das wirtschaftliche Fundament des Saarlandes ist die Kohle. Don 750 000 Erwerbstätigen samt Ange­hörigen entfallen 212 000 auf den Bergbau. Die Absatzfrage für den saarländischen Kohlenbergbau ist für die nächste Zeit dadurch gelöst, daß nach den römischen Abmachungen der Preis für den Rückkauf der Saargruben zum großen Teil in Gestalt von Kohlenlieferungen an Frankreich zu er­legen ist. Frankreich hat an diesen Lieferungen alles Interesse, da es die Saarkohle für die Aufbereitung der lothringischen Minette benötigt. Zudem wird alles getan werden, um der Saarkohle in steigendem Maße wieder die süddeutschen Absatzmärkte zu er­schließen, die sie vor dem Kriege vorwiegend ver­sorgt hat. Weiteren Absatz würde der Ausbau der saarländischen Energiewirtschaft bieten und ihr An- schluß an die großen Stromverteilungsnetze und Ferngaspläne des Reichs. Ein Abkommen zwischen der Ruhrgas-AG. und der Saar-Ferngas-Gesell­schaft sichert letzterer bereits einen hohen Anteil an der Ferngasversorgung des südwestdeutschen Wirt­schaftsgebiets. Die Saareisenindustrie bezog 84 Prozent ihres Bedarfs an Erzen aus dem loth­ringischen Minettegebiet. Es ist nicht anzunehmen, daß Frankreich zu einer Sperrung des Erzbezugs schreiten wird, die Zusammenarbeit zwischen Saar­kohle und lothringischer Minette sind naturgegeben, Frankreich würde seiner eigenen Wirtschaft am schwersten schaden durch irgendwelche Repressalien, denen die Saarindustrie durch Bezug schwedischer Erze leicht ausweichen könnte. Um der ausgedehnten und leistungsfähigen weiterverarbeiten­den Industrie ausreichende Beschäftigung und Ab­satz ihrer Erzeugnisse zu sichern, wird die deutsche Wirtschaft bei der Verteilung ihrer Aufträge das zurückgekehrte Saargebiet bevorzugt berücksichtigen. Erste Ansätze dazu sind ja bereits geschehen. Auch die landwirtschaftliche Produktion, die trotz der Kleinheit der Einzelbetriebe, für die saarlän­dische Gesamtwirtschaft eine bedeutende Rolle spielt, hat in Süddeutschland ihren natürlichen Markt, während sie in Frankreich die Konkurrenz des aus dem begünstigten Klima Südfrankreichs und Algiers stammenden Obstes und Gemüses nicht aufzuholen vermochte. So kann das Volk an der Saar, das sich am 13. Januar in einer so überwältigenden Demonstration zu seinem deutschen Volkstum be­kannte, überzeugt fein, baß im nationalsozialistischen Reich alles getan wird, um den zurückgekehrten Brüdern das deutsche Vaterhaus fo wohnlich wie nur denkbar zu machen.

Jn höchstem Grade versöhnlich und friedlich."

Daily Mail" zum Interview des Führers.

L o n d o n, 19. Jan. (DNB.-Funkspruch.)Daily Mall" schreibt zu der Unterredung des Führers mit Ward Price:Die Erklärung Hitlers war i m h ö ch sten Grade versöhnlich und fried- l i ch- Diejenigen, die sich in engster Fühlung mit oem Führer befinden, sind von seiner Ern st- Hastigkeit und seiner Ehrlichkeit über­zeugt, und wenn Hiller das Recht Deutschlands auf materielle und moralische Gleichberechtigung mit den anderen Mächten betont, dann ist er einer weitgehenden Unter st ützung außer­halb Deutschlands sicher. Hitlers Ansehen in Deutschland und in Europa, heißt es weiter, sei noch niemals höher gewesen als heute. Diejenigen englischen Zeitungsberichterstaller, die aus mißver­ständlichen Ansichten über die politische Lage eine große Mehrheit für den Status quo im Saargebiet v o r a u s s a g t e n, würden jetzt die nationalsozialistische Propaganda wegen der un­geheuren Mehrheit zu Hitlers Gunsten anklaqen. Aber sie haben dem englischen Publikum nicht'er­zählt, welche dunklen Kräfte dieser Propa­ganda gegenüber ft anben. Große Gelb- summen seien in das Saargebiet geflossen, um biß Opposition gegen Hitler zu finan­zieren. Es wäre von ungeheurem Interesse, zu erfahren, woher die Gegner Hitlers ihre Gelder bekamen, das Blatte spricht von denroten Quellen", die den kommunistischen Aufruhr i n Spanien finanziert hätten.

News Chronicle" schreibt, daß die französischen Generalstabsstellen in der Angelegenheit der Ent­militarisierung der Saar ihre ganze gewohnte Kleinlichkeit zeigen. Der französische Generalstab habe die Deutschen in dieser Beziehung bereits stark ver­ärgert. Laval habe aber bisher anscheinend Mut gehabt, seinen allzu militärischen Beratern kein Ge­hör zu schenken. Es sei nützlich für den Frieden, baß er diese versöhnliche Stellungnahme beibehalle.

Dazu gehört auch der richttge Takt in der Ein­stellung zum Saarvolk selber. Es hat daran leider auch rn den letzten Tagen noch manchesmal ge­hapert, und wenn dies auch nicht allein auf das französische Konto geht, so würde ein Wink aus Paris wie ja bisher oft erfolgreich erprobt gewiß nun auch einmal in anderem Sinne Wun­der tun. Da ist z. B. Herr Heimburger, Di­rektor des Innern unter der Regierungskommiffion des Saargebiets. Er besitzt die Unverfrorenheit, am Tage nach dem deutschen Abstimmungssieg drei von ihrem direkten Vorgesetzten, dem britischen Major Hennessy wegen Verdachts der Meuterei verhaftete, als separatistische Lumpen vom ganzen Saar­volk verachtete Polizeikommissare freizulassen und wieder in ihre Aemter einzusetzen. Das ist eine Provokation, und Herrn Heimburger, der als El­sässer ftanzösischer Staatsangehöriger ist, sollte man wenn Mr. Knox sich nicht dazu aufzuschwingen vermag, aus Paris sehr ernstlich bedeuten, baß feine Personalpolitik höchst unzeitgemäß ist und er selber am besten tue, was seine separatistischen Schützlinge schon früher für zweckmäßig gehalten haben, nämlich die Koffer packen und sein bis­heriges Tätigkeitsgebiet auf dem schnellsten Wege in Richtung Fordach verlassen. Der französische Außenminister Laval glaubte an die Mahnung des Führers zur Disziplin erinnern zu müssen, um alle Bitterkeit zu vermeiden, die aus etwaigen Repressalien gegen Gegner der Rückgliederuna Zu­rückbleiben könnte. Die Mahnung des Führers illustriert am besten den deutschen Willen dazu. Aber man muß auch auf der anderen Seite soviel Takt zeigen, die in fünfzehn langen Jahren drang­salierte und gepeinigte Bevölkerung des Saarlan­des nicht auch heute noch durch die Frechheiten eines Heimburger und Konsorten bis aufs Blut zu reizen.

Die Rückgliederung der Saar wirft auch als rein innerpolitisches Problem, das es ja nach der Ent­scheidung des Dölkerbundsrats zu unser aller Freude wieder geworden ist, eine Reihe von Fragen auf, die heute schon in Angriff genommen sind. So ist bestimmt worden, daß das ehemalige Saargebiet vorerst ungeteilt beisammen bleibt, also nicht wieder in seine preußischen und bayerischen Verwaltungs- bezirke zerfällt, sondern unter dem Gauleiter der Pfalz eine Einheit bleibt, bis es im Zuge der Reichsreform einem der neuzubildenden Reichs-

Genf, 19. Jan. (DNB.-Funkspruch.) Der fran- zösische Außenminister Laval hat am Freitag­abend die von ihm in feiner Rede am Donnerstag bereits angekündigte Denkschrift über die Saarflüchtlinge dem Völkerbundssekretariat zu Händen des Dreierausschusses zugehen lassen. Laval beabsichllgt, in der heutigen Dölkerbundsrots- sitzung selbst zu dieser Angelegenheit zu sprechen. Die Denkschrift soll erst später veröffentlicht werden. Die Agentur Havas glaubt bereits eine Inhalts­angabe veröffentlichen zu können. Die französische Regierung erkläre, daß nach ihrer Ansicht der Völkerbund, der 15 Jahre hindurch tatsächlich und rechtlich das Saargebiet verwaltet habe, gewisse Verpflichtungen übernommen habe. Insbesondere müsse er für bie durch d i e Emigranten ent stehenden Ko st en auf­kommen und sich mit der Frage des Schutzes der Emigranten beschäftigen. Obgleich Frank- reich vor allem für die französischen Bür­

ger, die an der Saar ansässig waren und jetzt nach Frankreich zurückkehren würden, sorgen müsse, habe die französische Regierung auch den Saar- e Migranten gegenüber die Grenzen nicht schließen wollen. Eine Polittk der offenen Tür könne die französische Regierung jedoch nur dann betreiben, wenn ihr bie Mitarbeit des Völ­kerbundes zugesichert werde. Sie bitte deshalb, die Frage der saarländischen Flüchtlinge auf die Tagesordnung der gegenwärtigen Völkerbundsrats­sitzung zu setzen.

Werden die internationalen Truppen am 1. Februar zurückgezogen?

&enf, 19. Jan. (DNB.-Funkspruch.) In fran­zösischen Kreisen verlautet, daß man im Völker- bundsrat bereits übereingekommen fei, mit der Zurückziehung der internationalen Truppen aus dem Saargebiet am 1. Februar z u be- ginnen. Die italienischen Truppenabteilun­gen sollen zuerst das Saargebiet verlassen.

Oer Führers Dank an die Gaar- Abstimmungsberechtigten von Heffen.

Der Landesgruppenleiter des Bundes der Saarvereine, Postamtmann A n s ch ü tz , hatte bei der Abfahrt der Abstimmungsberechtigten von Hessen und Hessen-Nassau zur Saarabstimmung dem Führer die Grüße der Abstimmungsberechtig- ten telegraphisch übermittelt. Daraufhin ist folgende Antwort eingegangen:Der Führer und Reichs­kanzler hat mich beauftragt, Ihnen für das Begrü- ßungstelearamm vom heutigen Tage feinen, herzlichen Dank auszusprechen. Er bittet, diesen den Abstimmungsberechtigten von Heften und Heften-Nassau zu übermitteln."

Matz Braun darf in Paris nicht sprechen.

Paris, 18. Jan. (DNB.) In Abwesenheit des Außenministers Laval hat Ministerpräsident F l a n- bin dem Ministerrat über den Stand der Ver­handlungen, die nach der Saarabstimmung einge« leitet wurden, sowie über die Maßnahmen berich- tet, die bereits getroffen wurden. Der Innenminister teilte dem Mimsterrat mit, daß er Matz Braun untersagt habe, in einer heute in Paris stattfindenden Versammlung das Wort zu er­greifen.

DieGroße Kundgebung", die die m a r x i st i s ch - kommunistische Einheitsfront am Frei- tagabend unter der Schirmherrschaft der Liga für Menschenrechte und unter dem MottoKampf gegen die faschistischen Vereinigungen" einfarufen hatte, fand vor einigen Tausend Anwesenden statt. Mehrere Hundert Kundgeber, die keinen Einlaß mehr in den Saal fanden, mußten von der Polizei zerstreut werden. Die Kundgebung verlies ohne Zwi- schensälle. Von den Führern der saarländischen Se parati st en war niemand erschienen, nachdem der Innenminister den Saaremigranten jede Einmischung in die französische Innenpolitik oer- boten hatte.

Genf, 18. Jan. (DNB.) In der Freitagsitzung des Völkerbundsrats stand die Danziger Frage zur Verhandlung. Der Senatspräsident der Freien Stadt Danzig Greiser stellte mit Genugtuung fest, daß der Berichterstatter Eden dem Rat den Vorschlag gemacht hat, die Behandlung der zwei E i n g a oen der katholischen Priester und der Zentrumspartei auf Mai zu verschieben. Der Berichterstatter hält es für richtig, so sagte der Senatspräsident weiter, den Völkerbundsrat darauf aufmerksam zu machen, daß sowohl in Aufrufen des Senats, wie auch in Verwaltungsmaßnahmen bie Möglichkeit einer Entwicklung angedeutet scheine, welche mit der vom Völkerbund garantierten 23 er- fassung der Freien Stadt Danzig vielleicht nicht mehr in Einklang gebracht werden könnte.

In der Verfassung der Freien Stabt Danzig ist ausdrücklich der Grundsatz der De­mokratie verankert, nach welchem d i e Mehrheit der Bevölkerung die Dil- lensrichlung der von ihr beeinflußten Regie- rungstätigkeit bestimmt. Diese Willensbildung der Danziger Bevölkerung ist in den Volkstagswahlen von 1933 zu mehr als 50 v. H. und in Kreistagswahlen in zwei Danziger Kreisen vom November 1934 3 u 80 v. h. eindeutig zugunsten der Rationalsozialistlschen Deutschen Arbeiterpartei in Danzig zum Ausdruck gekommen. Es ist danach für die Regierung der Freien Stabt Danzig einefelbstverständ- liche Pflicht, in ben von der Verfassung gezogenen Grenzen ihre nationalsozia­listischen Ziele zu verwirklichen.

Ich darf besonders betonen, daß für die national­sozialistische Regierung der Freien Stadt Danzig während ihrer ganzen Amtszeit Wortlaut und Sinn der Verfassung maßgebend sind, obwohl es manchmal schwer mar, die von der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung gewünschten Ziele im Rahmen dieser Verfassung zu erreichen.

Trotz dieser innerpolitischen Hemmungen darf die nationalsozialistische Regierung für sich das Verdienst in*Anspruch nehmen, die Verstän­digung mit Polen geschaffen zu haben. Der gerade für den Völkerbund seit einem Jahrzehnt unangenehme Konfliktstoff ist durch diese von Versöhnungs- und Versländi- gungswillen zeugende Tat des Nationalsozialis­mus aus der Welt geschafft worden, hierdurch hat die Idee des Nationalsozialismus einen vollgültigen Beweis ihrer unantastbaren Friedensbereilfchaft geliefert.

Die Freie Stadt Danzig wünscht auch in Zukunft Streitigkeiten zwischen Danzig und Polen i n dlrekter Aussprache zu klären, ohne die

des Prinzen Pleß endgültig begraben wer« ben. Der Zufall will es, daß derselbe Rat wenige Minuten später in der Frage der griechische'» Minderheiten in Albanien beschlossen hat, die Frage dem Haager Gerichtshof zu überweisen. Es ist kein Geheimnis, daß die Sachverständigen ursprünglich durchaus geneigt wa­ren, dem Prinzen Pleß Recht zu geben, daß aber politische Gründe für den negativen Entscheid mafei gebend waren.

Oesterreichs Kurs.

Wien, 18. Jan. (DNB.) Bei einem Empfang der ausländischen Presse stellte der Leiter der Vaterlän­dischen Front Oberst Adam als Erfolg des letzten halben Jahres einen erheblichen Fortschritt der in­neren Beruhigung fest. Der Gedanke, innere Gegen­sätze durch Ekrasit und Handgranaten auszutragen, sei überwunden. Wirtschaftlich sei eine Ausfuhrstei­gerung und eine allgemeine Belebung festzustellen. Besondere Schwierigkeiten mache allerdings noch die Lage der Gebirgsbauern und die Viehzucht. Die österreichische Währung stehe unerschüttert da. Der Staatshaushalt sei ausgeglichen. Die Konversion der Dölkerbundsanleihe fei glatt durchgeführt. Ge­rüchte über eine bevorstehende neue Jnnenanleihe dementierte Adam.

In Europa sei die Aussicht auf Bildung von gegeneinanderstehenden Blocks einigermaßen besei­tigt, die römischen Vertrage wären zum mindesten ein Ansatz zu einer Belebung in der ge­samteuropäischen Lage. Auch das Ergebnis der Saarabstimmung bedeute die Beseiti­gung eines Unruheherdes. Die österrei­chische Regierung halte fest an ihrer bis­herigen Linie. Sie wolle ein unabhängi­ges Oe st erreich nicht etwa aus Gefühlserwä» gangen oder aus Tradition, sondern aus der lieber- Zeugung, daß das deutsche Oesterreich eine eigene zlufgabe habe. Hundertprozentiger Oesterreicher sein, hindere nicht, durchaus deutsch zu empfin­den, deshalb könne und werde der hundertprozentige Oesterreicher auch in allen Volksdeutschen Fragen sein deutsches Herz sprechen lassen.

Oer ungansch-süvslawische Konfliki.

Gens, 18. Jan. (DNB.) Nach unzähligen Der- Handlungen hinter den Kulissen ist die ungarisch- südslawische Streitfrage wegen des Marseiller Mord­anschlages im Völkerbundsrat behandelt worden. Jede Aussprache wurde vermieden. Der Berichterstatter Eden erinnerte nur daran, daß Ungarn eine Denkschrift eingereicht habe. Einige Ratsmitglieder seien aber noch nicht in der Lage, ihm für feinen Bericht diejenigen Bemerkungen zu liefern, die sie berücksichtigt haben wollen. Die Frage wurde darauf von der Tagesordnung abgesetzt. Die ungarische Absicht, die Streitfrage schon jetzt in klarer Weise zu beenden und jede spätere Wieder­aufnahme auszuschließen, ist damit noch nicht er­reicht worden.

Die ungarische Denkschrift erklärt:

1. Nach peinlich genauer Untersuchung muß fest- gestellt werden, daß es unmöglich ist, irgend- eine Verbindung zwischen Der ungarischen Regierung oder den ihr unterstellten Behörden und dem Attentat von Marseille festzustellen. Ungarn ist in keiner Weise für dies Verbrechen verantwortlich.

2. Einige Vertreter unterer Behörden haben die kroatische Emigration nicht mit der wünschenswerten Schärfe im Auge behalten. Wo Nachlässigkeit festgestellt werden konnte, sind entsprechende Bestrafungen vorgenommen wor­den.

3. Die Bestimmungen über die Kontrolle von Ausländern und die Aushändigung von Pässen sind verschärft worden. Die Regierung habe die Forderungen des Rates mit aller Ge­nauigkeit durchgeführt, wie es die Ent­schließung vom 10. Dezember v. H. verlange. Sie habe dadurch gezeigt, daß sie sich ihrer internatio­nalen Verantwortung bewußt sei.

Saarbrücken, 18. Jan. (DNB.) Freitag ist es nochmals zu erhebenden vaterländischen Kund­gebungen gekommen, wurden doch- auf allen Gebäuden der Behörden zum erstenmal die siegreich en Fahnen Deutschlands gehißt. Riesige Menschenmengen hatten sich vor den Postämtern Saarbrückens, vor den Amts- und Landgerichten versammelt. Spontan sangen die Versammelten das Horst-Wessel- und das Deutsch­land-Lied. Die Gefolgschaften waren überall voll­zählig vertreten, um das große Ereignis mitzuer- leben. Auch die Saarbahnen sind diesem Bei­spiel gefolgt, nachdem der unrühmliche Saarbrücker Eisenbahnpräsident Nicklaus sich empfohlen hatte. UeberaU grüßen die Beamten mit dem Deutschen Gruß. Selbst die Landjäger der Re- gierungskommission wenden ihn an. Aber gewisse Stellen der Regierungskommission, die noch immer nicht begriffen zu haben scheinen, daß der Wille des Saarvolkes und der feierliche Beschluß des Völkerbundsrates das Saargebiet zu deutschem Gebiet erklärt hat, mißbrauchen ihre Machtbefugnisse zu einem letzten Schikane­versuch und haben angeordnet, daß die Fahnen noch in der Nachtzurn Samstag einge­holt werden müssen. Herr Heimburger scheint große Gelüste zu zeigen, feine Unpopularität noch weiter zu steigern. Gehißte Fahnen werden ein­geholt, verhaftete Aufwiegler freigelassen, wenn es dem Emigrantenprotektor paßt. Wir hoffen, daß es eine der ersten Maßnahmen des aus Genf zurück­gekehrten Präsidenten der Saarregierung, Knox, fein wird, seinen in der Zwischenzeit völlig über die Stränge geschlagenen Direktor des Innern augen­blicklich seines Postens zu entheben. Auch in der kurzen, bis zur Rückgliederung noch verbleibenden Zeit legt das deutsche Saarvolk keinen Wert darauf, sich dauernd -an den grotesken Maß» nahmen des Herrn Heimburger reiben zu müssen.

Die Saarflüchtlinge.

Eine französische Denkschrift in Genf überreicht.

Großes Interesse für das Programm Lloyd Georges.

London, 18. Jan. (DNB.) Das neue politische Programm Lloyd Georges, mit dem der greife Staatsmann seine Rückkehr zur Politik ein­leitete, wird in den politischen Kreisen Englands lebhaft besprochen. Unerwarteterweise zeigt fid) bei den Konservativen das größte Inter­esse für die Ausführungen Lloyd Georges, wäh- rend der Arbeiterpartei das Programm nicht radikal genug ist. Maßgebende Kon- ervative erklärten, daß Lloyd George zwar die Leistungen der Nationalregierung übermäßig ver­kleinert habe, daß aber manche seiner Pläne ehr bemerkenswert und von wirklicher Bedeutung feien. Die liberale Partei begrüßt die Ausführungen Lloyd Georges alsMutiges Programm praktischer Maßnahmen". Der Faschisten- fübrer Sir Oswald Mosley erklärte, daß der Plan Lloyd Georges für eine weitgehende Arbeits­beschaffung feinen eigenen Zielen ent- spreche. Der Schatzkanzler der nationalen Regie­rung, Neville Chamberlain, erklärte, daß die Vorschläge Lloyd Georges, obwohl sie der Ge­nauigkeit entbehrten, nichtsdestoweniger von der Regierung geprüft werden würden, sobald sie vollständig seien.

Kunst und Wissenschaft.

Festsitzung der kaiserlich Leopoldinisch-Larolinischen Deutschen Akademie der Naturforscher in Halle. Zum Gedenken an den Gründungstag veranstal­tete die Kaiserlich Leopoldinisch-Carb- linische Deutsche Akademie der Natur­forscher in der Universität Halle-Wittenberg eine Festsitzung. Der Präsident der Akademie Geh. Med.-Rat Prof. Dr. Emil Abderhalden gab einen Ueberblick über die Geschichte und Bedeutung der Akademie und schilderte ihre Geaenwarts- unö Zukunftsaufgaben. Im Mittelpunkt Der Festveran- staltung stand der Dortrag des bekannten Neu- rologcn Pros. Dr. Otfried Fo er st er (Breslau) über den Schmerz und seine operative Bekämpfung. Der Präsident der Akademie verkündete anschließend die Verleihung von zwei Cothenius-Me- daillen. Diese vom Leibarzt Friedrichs des Großen gestiftete Medaille wird nur selten ver- liehen. Die Medaille wurde Geheimrat Professor Dr. Hans Spemann, Direktor des Zoologischen Instltuts der Universität Freiburg, für seine her­vorragenden Arbeiten auf dem Gebiete der Ent- wicklungsmechanik verliehen und Professor Dr. Otfried Fo erster, Direktor des Neurologischen Forschungsinstituts Breslau, für seine für die Phy­siologie, Pathologie und Therapie grundlegenden Forschungen auf dem Gebiete des Zentralnerven­systems. Endlich verlieh der Präsident den Preis der August-Forel-Stiftung dem Privatüozeut Dr.

Otto Gras (Dortmund)»