r.16 Erster Blatt
185. Jahrgang
Samstag, ly.Ianuar 1935
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Deutschland will einen Frieden der Ehre und Gleichberechtigung mit allen Nachbarn. Wir können dem Völkerbund nur als Gleichwertige, in ihrer Souveränität unbeschränkte Nation angehören und uns nur an solchen Pakten beteiligen, die in ihren Konsequenzen eindeutig zu übersehen sind.
Die Wort an Laval.
Eine neue Unterredung mit dem Führer und Reichskanzler.
München, 18. Ian. (DNB.) Am Donnerstag gewährte der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler dem bekannten englischen Journalisten und Vertreter der Rothermere -Presse Mister Ward Price ein Interview, in dem er sich zu einer Anzahl außenpolitischer Fragen äußerte.
Ward Price richtete zunächst folgende Frage an den Führer: „Unter welchen Bedingungen kann Deutschland zum Völkerbund zurück k e h re n ?"
Der Führer antwortete: „Ich und niemand in Deutschland denken daran, für einen eventuellen Diedereintritt in den Völkerbund „Bedingungen" zu stellen. Ob wir noch einmal in diese Korporation zurückkehren oder nicht, hängt ausschließlich davon ab. ob wir ihr als v o 1 t st ä n d i g gleichwertige Nation angehören können. Dies ist keine „Bedingung", sondern einfach eine Selbstverständlichkeit. Entweder sind wir ein souveräner Staat oder wir sind es nicht. So lange wir dies nicht sind, haben wir in einer Gemeinschaft souveräner Staaten nichts zu suchen. So lange die nationalsozialistische Bewegung Deutschland führt — und das wird für die nächsten paar Jahrhunderte der Falt fein, auch wenn unsere Emigranten noch so oft das Gegenteil beschwören — wird sich an dieser Einstellung nichts mehr ändern. 3m übrigen habe ich dies bereits in meiner Mairede 1933 ausdrücklich erklärt. 3ch möchte dabei betonen, daß die Unterscheidung in „moralisch" gleichberechtigt und „sachlich" gleichberechtigt vom deutschen Volk als eine Beleidigung empfunden wird. Ob 69 Millionen Menschen auf dieser Delt moralisch gleichberechtigt sind oder nicht, kann letzten Endes niemand entscheiden als höchstens das betroffene Volk selbst. Entweder man ist sachlich gleichberechtigt, dann muh man es von vornherein auch moralisch sein, und wenn man umgekehrt moralisch einmal gleichberechtigt ist. bleibt es unverständlich, wieso man dann die fachliche Gleichberechtigung bestreiten oder einfach verweigern kann.
Frage: Wird dazu nötig sein, die Trennung der allgemeinen Völkerbunds bestimmun- aen vom Versailler Vertrag burchzu-
Der Führer antwortete: Solange der Völkerbund nur ein Garantievertrag von Siegermächten ist, führt er seinen Namen überhaupt zu Unrecht. Daß ouf die Dauer dieser Bund — der doch dem Willen der Gründer nach vermutlich eine Ewigkeitserschei- vung sein soll — nicht verkoppelt werden kann mit einem Vertrag, dessen zeitliche Begrenzung schon In seinen inneren Gebrechen und Unmöglichkeiten liegt, kann vielleicht von den derzeitigen Interessenten bestritten werden, wird aber einst geschichtlich als selbstverständlich gelten.
Frage: Sollte die Anerkennung der Gleichberechtigung im voraus ftattfinben oder könnte die Gewährung der Gleichberechtigung und die Rückkehr gleichzeitig erfolgen?
Der Führer antwortete: Die deutsche Gleichberech- (ianna ist die Voraussetzung für jede Beteiligung Deutschlands an internationalen Abmachungen und Vereinbarungen Mit dieser Forderung stehe ich keinesfalls vereinsamt in der Welt da, sondern ich befinde mich in der an- ständigsten Gesellschaft. Denn: Kein Volk von Ehrgefühl und keine Regierung von Bflichtbewuhtsein könnten hier anders denken oder gar anders handeln. Auf der Welt sind schon sehr viele Kriege verloren gegangen. Wenn man nach jedem verlorenen Kriege in der Vergangenheit den unglücklich Unterlegenen für immer feine Ehre und feine Gleichberechtigung aberkannt hätte, mühte der Völkerbund schon jetzt mit lauter nicht gleichberechtigten und damit letzten Endes ehr- losen und minderwertigen Nationen vorlieb nehmen. Denn es gibt ja kaum einen Staat ober eine Nation» bie nicht einmal das Unglück hatten, selbst wenn sie tausendmal im Recht waren, einem stärkeren Oegner ober einer stärkeren Koalition zu unterliegen. Bisher hat sich bieser gräßliche Unsinn in ber Welt noch nicht elnzubürgern vermocht, unb wir finb entschlossen, bafür zu sorgen, baß Deutsch- fqnb nicht bas erste Exempel für bis Einführung eine» solchen Wahnsinns abgibt.
Frage: Ich fragte neulich eine hochstehende politische Persönlichkeit in Frankreich, warum
denn will Frankreich die vollendete Tatsache der Wiederher st ellung der deutschen Rü st ungen nicht anerkennen? Wir Engländer halten es immer für vernünftiger, solche Tatsachen ins Auge zu fassen. Dieser Politiker hat mir geantwortet: Ja, wir glauben, daß Deutschland eine Politik der Versöhnung nur so lange treiben wird, bis die Reichswehr sich in der Lage fühlt, einen Krieg erfolgreich führen zu können. Man befürchtet in Frankreich, daß die Annäherungsbestrebungen an die französischen Frontkämpferverbände nur eine Tarnung sind, hinter der die zukünftigen aggressiven Absichten verborgen werden sollen. Welches ist Ew. Exzellenz Erwiderung zu diesen Befürchtungen?
Der Führer antwortete: „Dieser Politiker hat noch nie ein Volk geführt. Ober könnte er sonst glauben, bah man ein Jahrzehnt
lang vom Frieden reben kann, um bann plötzlich mit demselben Volk so mir nichts dir nichts einen Krieg z u beginnen ? Wenn ich vom Frieden rede, drücke ich nichts an- deres aus, als was der tiefinner st e Wunsch des deutschen Volkes ist. 3ch kenne die Schrecken des Krieges. Gemessen an seinen Opfern sind alle Gewinne unbefriedigend. Die katastrophalen Folgen einer solchen allgemeinen europäischen Schlächterei würden in Zukunft noch schlimmere fein. 3ch glaube, dah der kommu- n i st i f ch e Wahnsinn der einzige Gewinner wäre. 3ch habe aber nicht 15 Jahre dagegen gekämpft, um ihn dann auf einem Umweg erst recht auf den Thron zu heben. Das ich will, ist das Glück meines Volkes. 3ch habe nicht gesehen, dah der Krieg das höchste Glück ist, sondern im Gegenteil, ich sah nur tiefstes Leid.
Deutschland wünscht ein ehrliches Verhältnis zu allen Nachbarvölkern.
3ch spreche daher zwei Bekenntnisse ganz offen aus:
1. Deutschland wird von sich aus niemals den Frieden brechen;
2. wer uns anpackt, greift in Dornen und Stacheln. Denn ebenso, wie wir den Frieden lieben, lieben wir die Freiheit. Wenn ich auf der einen Seite, ohne dazu gezwungen zu sein, Frankreich namens des ganzen deutschen Volkes die Versicherung abgebe, dah wir keine territorialen Forderungen mehr erheben werden, und damit durch uns selbst jede Revanchevoraussehung beseitigen, so gebe ich auf der anderen Seite aber genau fo die heilige Versicherung ab, dah uns keine Not, kein Druck und keine Gewalt jemals zum Verzicht auf unsere Ehre und unsere Gleichberechtigung bringen wer- den. 3ch Halle eine solche Feststellung für notwendig, denn Verträge haben überhaupt nur einen Sinn zwischen ehrliebenden Völkern und ehrbewuhten
Regierungen. Deutschland aber mochte ein ehrliches Verhältnis zu den Nachbarvölkern Herstellen. Wir haben dies im Osten getan, und ich glaube, daß man nicht nur in Berlin, sondern auch in Warschau über die uns gemeinsam gelungene Entgiftung der Atmosphäre glücklich sein wird. 3d) bin weiter überzeugt, dah, wenn man erst einmal diesen weg des gegenseitigen Verstehens und der Rücksichtnahme beschritten hat, dabei am Ende mehr herauskommt, als durch noch fo umfangreiche, aber innerlich unklare Pakte. 3ch werde es mir jedenfalls tausendmal überlegen, das deutsche Volk in Abmachungen verstricken zu lassen, deren Konsequenzen nicht ganz eindeutig zu übersehen sind. Wenn wir schon aus eigenem willen keinen Krieg zu führen beabsichtigen, dann aber noch viel weniger für fremde, Deutschland nicht bewegende 3nter- essen. 3m übrigen haben wir schon öfter als einmal uns bereiterklärt, mit den um uns fiegenben Staaten verpflichtende Ni ch t a n g ri f f s- pakte abzuschliehen.
Frankreich wird unter Druck gesetzt.
Der Nichteinmischungspakt im Donaubecken. — Frankreichs Verbündete machen Vorbehalte zu den römischen Abmachungen.
London, 19. Ian. (DNB.°Funkspruch.) Bei den Besprechungen Lavals mit den Vertretern der Kleinen Entente, des Balkanbundes und Sowjetrußlands in Genf, sollen sich, wie Pertinax dem „Daily Telegraph" meldet, große Schwierigkeiten in der Frage der römischen Abmachungen über einen Nichteinmischungspakt im Donaubecken ergeben haben. Die'genannten Staaten hätten dem Abkommen zwischen Mussolini und Laval vorläufig ihre Zustimmung versagt. Ihre Ablehnung werde durch den Inhalt eines vorläufigen Protokolls beleuchtet, das die drei Außenminister der Kleinen Entente bei ihrer Zusammenkunft in Laibach unterzeichnet hätten und das folgenden Inhalt habe:
„Weder die kleine Enlenle noch der Balfan- bund werden der geplanten Konvention für das Donaubecken beitreten, wenn Laval ihnen nicht die Versicherung gibt, dah Frankreich einen Vertrag der Zusammenarbeit mit Ruhland unterzeichnen wird, falls Deutschland und polen den Ostpaktplan erneut ab 1 ehnen. Auherdem behalten sich die Kleine Entente und der Valkanbund die (Erörterung über die Art und Weise ihren etwaigen Beitritt zur Donaukonvention vor."
Auch der sowjetrussische Außenminister Litwi- n o w habe eine ähnliche Haltung eingenommen. Die erwähnten Staaten bestünden alle darauf, daß die gewünschte Zusicherung Lavals vor seiner und des Ministerpräsidenten Flandins Reise nach London erfolge. Diese Tatsache sei bezeichnend für die Solidarität, die jetzt zwischen Sowjet- rußland und der Kleinen Entente und dem Balkanbund bestehe. Laval werde, daher in den nächsten Tagen weitgehende Entschlüsse zu fassen haben. Er werde zwar seine Gesprächspartner in Genf nicht entmutigen, ihnen aber erklären, daß das französische Kabinett als ganzes diese Angelegenheit regeln müsse.
England wirbt um Vertrauen.
Genf, 19. Jan. (DNB.) Lordsiegelbewahrer Eden sprach im Rundfunk über das Ergebnis der Saarabstimmung. Es sei keine unvernünftige Hoffnung, wenn man glaube, daß die Lösung dieser heiklen europäischen Frage ein neues Zeitalter der Versöhnlichkeit eröffnen werde. Damit aber dieser Auftakt zu weiteren greifbaren Ergebnissen führe, sei es notwendig, daß die Nationen in gemeinsamer Arbeit mehr zustandebrächten a l s bloße Aeußerungen des guten Willens, wenn diese auch noch so herzlich gemeint seien. Um endlich einmal das bedrückende Gefühl der Unsicherheit, unter dem Europa zu leiden habe, loszuwerden, müssen wir uns ernstlich zusammentun, um das Vertra.uen zwischendenNationenzu festigen, denn dieses ist der ausschlaggebende Faktor für einen dauerhaften Frieden.
In einer Rede in Belfast (Nordirland) wandte sich Schatzkanzler Neville Chamberlain gegen den „skandalösen Versuch politischer Wider- facher, der Regierung Kriegsabsichten zu unterstellen". Niemals sei eine frevelhaftere und dümmere Beschuldigung erhoben worden. England habe bis zum Gefahrenpunkt abgerüstet, aber anstatt diesem Beispiel zu folgen, hätten a n - dere Mächte gerüstet. „Wenn wir zu unserem Teil an der Schaffung eines Gefühles der Sicherheit in Europa beitragen wollen, dann müssen wir ausreichend gerüstet sein. Ich wage zu sagen, daß das was im Saargebiet geschehen ist, uns deutlich die Marschrichtung angibt, damit wir eines Tages den internationalen Frieden auf eine fefte_ unb dauerhafte Grundlage stellen können. Es würde falsche und närrische Sparsamkeit sein, die Ausgaben cinzu- schränken, die notwendig sind, um dis Wiederholung eines Krieges zu verhindern."
Willkommen im Mich!
Das Saarland ist deutsch und will zurück zum Reich. Daran gibt es nach dem überwältigenden Sieg der deutschen Sache am 13. Januar nichts mehr zu deuteln. Nicht einmal in Saarlouis, der Stadt mit dem ftanzösischen Namen, oder in den nach Frankreich zu gelegenen Grenzbezirken haben die Anhänger des Status quo trotz aller skrupellosen Hetze und Verleumdung mehr als acht Prozent der Stimmen erzielen können. Ganz zu schwel* gen von den offenen Parteigängern Frankreichs. Die 150 000 Saarfranzosen, mit denen einst Giemen- ceau den Präsidenten Wilson übertölpelt hatte, sind in den fünfzehn Jahren des Dölkerbundsregirnes unter dem Einfluß der rührigen französischen Kultur* Propaganda auf ganze 2000 zusammengLsthmolzen. Wahrlich eine vernichtende Desavouierung, die noch vor wenigen Tagen in französischen und englischen Blättern der Welt weismachen wollten, daß das Saarland vom Nationalsozialismus nichts wissen wolle und sicher die Hälfte, wenn nicht mehr der Saarbewohner für einen autonomen Saarstaat er* klären würden. Mit einem gewaltigen Ruck haben die Federgewaltigen in Paris und London seit dem denkwürdigen Dienstaa, dem Tage der Bekanntgabe des deutschen Abstimmungssieges, das Steuer herumgeworfen und erklären nun mit einer stau* nenswerten Wendigkeit, wie hochwillkommen die Rückkehr des Saarlandes im Interesse einer end* gültigen Bereinigung des deutsch-französischen Der* hältnisses und einer Sicherung des Friedens sei. Emigranten und Separatisten, die früher als Kron* zeugen für die „wahre Stimmung" im Saargebiet fungieren mußten, die man sich nicht gescheut hatte, als Redner in Pariser Versammlungen auftreten zu lassen, um dem deutschen Nationalsozialismus eins auszuwischen, werden jetzt plötzlich auch in Paris und London mit ähnlichen Namen belegt, die in Deutschland schon immer für Landesverräter üblich waren. An der französischen Grenze wirb kräftig gesiebt, und manchen, der noch vor kurzem in seinen Hetzreden von deutschen Konzentrationslagern fabelte, erwartet nun eine ähnliche Einrich* tung in Frankreich.
Dieser ebenso schnellen wie gründlichen Sinnes- Wandlung kann der diplomatische Apparat, der sich zunächst mit den praktischen Folgerungen aus dem Abstimmungsergebnisse zu befassen hat, kaum folgen. Der Bericht des Dreierausschusses an den Völker* bundsrat, dessen Entscheidung nach den Bestimmungen des Versailler Vertrages das Schicksal des Saarlandes unterliegt, war nach dem klaren Votum des Saarvolkes zwar schnell fertiggestellt. Aber die Franzosen inszenierten noch ein kleines Rückzugsgeplänkel. Ihnen fehlt die Gabe, im psychologisch richtigen Augenblick großzügig zu sein. Sie Hammern sich an Buchstaben und Formeln, und wenn aus ihnen nichts mehr herauszuholen ist, so suchen sie durch irgendeine Hintertür noch nach Vorwänden, um eine klare Sache undurchsichtig, eine einfache Angelegenheit verwickelt zu machen. So verpassen sie die Gelegenheit einer großzügigen Geste unb belasten wider bessere Erkenntnis mit Rudimenten einer verlorenen Schlacht ein sich anbahnendes neues Verhältnis. Um ein diplomatisches Druckmittel in der Hand zu behalten, wollten sie für die Rück- alieberung der Saar fein Datum festgesetzt wissen, bevor nicht die Bedingungen für die Rückgliederung festgesetzt waren. Sie haben sich schließlich bestimmen lassen, mit dem 1. März als Datum der Rückgliede* rung heute schon ihr Einverständnis zu erklären, unter der Bedingung, daß der Dölkerbundsrat auf Vorschlag des Dreierausschusses die Verpflichtungen für die Rückgliederung selbst festlegt, wenn die beiden interessierten Regierungen sich bis zum 15. Fe* bruar nicht darüber geeinigt haben sollten.
Auf der gleichen Linie französischer Hintertürenpolitik liegt die Erörterung der Entmilitarisierung des Saargebiets. Daß über diese im Versailler Vertrag ganz eindeutig geregelte Angelegenheit überhaupt eine Debatte entstehen konnte, muß schon wunder- nehmen. Für das Saargebiet gibt es kein Sonderregime, es fällt felbstverständlich in die entmilitari* fierte Zone, die die Artikel 42 und 43 des Der* failler Vertrages für das linksrheinische Deutschland und 50 Kilometer rechts des Flusses festgelegt haben. Irgendwelche weiteren Bestimmungen sind vertragswidrig, besondere Verpflichtungen überflüssig und beide für Deutschland undiskutabel. Es würde also eine schnelle Verständigung nur fördern, wenn dieser Gegenstand möglichst schnell aus der Debatte verschwände. Irgendwelche Vorbehalte ständen im Widerspruch mit der durch die Entscheidung des Völkerbundsrats geschaffenen Tatsache, daß das Saargebiet nach seiner Rückgliederung aufhört, eine besondere staatsrechtliche Rolle zu spielen, vielmehr mit allen Rechten und Pflichten ein Bestandteil des Deutschen Reiches wird. Die durch die Abmachungen von Rom für einen bestimmten Personenkreis getroffene, aber nur für eine Übergangszeit geltende Sonderregelung wird Deutschland selbstverständlich loyal einhalten, bar- über hinaus kann es aber irgenbwelcher Beschränkung seiner Souveränität in bem bis babin vom Völkerbunb verwalteten Gebiet nicht zustimmen. Unb wenn nun gar ber französische Außenmimster Laval in seiner Antwort an ben Führer seine komplizierte Paktpolitik in Zusammenhang mit bek Lösung bes Saarproblems bringt, so muß dem entgegengebalten werben, baß es hier keinerlei Kompensationen gibt. Je schneller und reibungsloser die Rückgliederung der Saar vonstatten geht, um fa unbefangener wird Deutschland an die erneute Erörterung des Fragenkomplexes um die Begriffs Gleichberechtigung und Sicherheit Herangehen. Franke reich dient also seinem eigenen Interesse am besten, wenn es in den kommenden Tagen alles tut, was 3U einer schnellen unb lückenlosen Bereinigung oe» Saarproblems helfen kann.


