Ausgabe 
18.10.1935
 
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185. Jahrgang

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Nr. W Erst« Blatt 185. Jahrgang Freitag, 18. GNober 1955

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Aufruf der evangelischen Kirchenausschüsse.

Der Weg zur Einigung in der Deutschen Evangelischen Kirche.

lich", das sagt der Aufruf selbst, und man kann so­gar einen Schritt weitergehen und sagen, daß das g u t s o ist. Denn ohne Spannungen und ohne welt­anschauliche Kämpfe sind noch nie Weltanschauungen erwachsen, hat sich nie das pulsierende innere Leben einer Weltanschauung erhalten. Diese Spannungen müssen nur auf den Sektor beschränkt bleiben, in dem sie ausgetragen werden. Und das zu über­wachen, dafür ist die Kirchenregierung und sind die Kirchenausschüsse da. Nach den bisherigen Erfah- runaen wird das deutsche Kirchenvolk zu den neuen Männern das Vertrauen haben können, daß sie ihrer Aufgabe gerecht werden.

Will man das, was sich auf kirchlichem Gebiet in der letzten Zeit in Deutschland abgespielt hat, richtig werten, so sollte man seinen Bück nicht nur auf Deutschland richten. Denn die ganze Welt befindet sich in einer Gärung, in einem Umbruch weltanschau­licher Art. Mag der Liberalismus auch in einzelnen Staaten noch die regierende Herrschaftsform fein, so steht doch außer Frage, daß dieses Zeitalter seinem Ende zugeht, seine Aufgabe innerhalb der Geschichte der Völker erfüllt hat und nunmehr durch etwas Neues ersetzt werden muß. Die Unruhe auf sozialem, wirtschaftlichem, politischem und nicht zuletzt weltan­schaulichem Gebiet resultiert daher, daß die Mensch- i heil sich in eine neue Zukunft hineintastet, zum gro­ßen Teil den Weg noch nicht sieht, den sie zu gehen i hat und aus alledem entstehen Unruhe und Unsicher- : heit, auch in weltanschaulichen Dingen.

Wenn das überall in der Welt so ist und auf allen Gebieten menschlichen Lebens, dann ist es selbstver­ständlich, daß die Kirche davon nicht aus-

und aller Rassen. Ebenso wie Gott das Bestehen verschiedener Völker und" verschiedener Rassen ge­wollt hat, ebenso regieren diese Völker und diese Rassen sich nach eigenen Gesetzen. Darin braucht keine Kollision mit dem Ethos des Christentums zu liegen, wenn diese Dolksgesetze auf moralischer Grundlage entstanden sind. Und das kann das deut­sche Volk für seine völkischen Gesetze in besonders hohem Maße in Anspruch nehmen.

Mit dem Aufruf und mit der bisherigen Arbeit der neuen Kirchenregierung sind, trotz aller Fort­schritte, die Schwierigkeiten natürlich noch nicht gänzlich beseitigt.Spannungen sind unausbleib-

ren. Im Aufruf sei das gemeinsame Ziel für alle gegeben: In der durch Gott gegebenen Wirklichkeit des deutschen Volkes und des deutschen Lebens werde die nationalsozialistische Erziehung aufgebaut, auf der Grundlage von Rasse, Blut und Boden, auf dem Willen zur Freiheit und auf der nationalsozialistischen Würde und Opferbereitschaft bis zur Lebenshingabe für die Volksgemeinschaft.

Wenn auf der Grundlage dieses Aufrufes nun­mehr die Deutsche Evangelische Kirche in ihren ein­zelnen Vertretern, den Pfarrern, ans Werk gehe, so werde es nicht mehr möglich sein, daß über den Glauben irgendwo Streit ober Zwietracht im deut­schen Volke entstehen könne. Hier sei die Grund­lage gegeben, die ein Arbeiten innerhalb her Kirche ermögliche, was wahrscheinlich für sie selbst von größtem Vorteil sei.

Die Pfarrer müßten erkennen, daß sie vor eine Schichsalsfrage, nicht vor eine Frage der Partei gestellt worden seien. So, wie der Glaube an die Partei die große Um­wälzung in Deutschland hervorgerufen habe, so wie der Glaube an die Partei das deutsche Volk zum Gleichschritt geführt habe, so müsse nun der Pfarrer mit dem Volk mar­schieren, wenn er nicht Gefahr laufen wolle, daß es sich von ihm trenne. Wenn der Pfarrer die Stimme des Volkes höre, dann werde dies zum heil der Kirche und zum heil des deut-

Betliti, 17. Oft. (DRV.) Der Reichs­ki r ch e n a u s s ch u h und der Landeskirchenaus­schuß für die Evangelische Kirche der Altpreu- ßischen Union erläßt folgenden Aufruf:

Auf Grund des Gesetzes zur Sicherung der Deut­schen Evangelischen Kirche vom 24. September 1935 und der ersten Durchführungsverordnung vom 3. Oktober 1935 hat der Herr Reichs- und preußische Minister für die kirchlichen Angelegenheiten uns in den Reichskirchenausschutz bzw. in den Landes­kirchenausschutz für die Evangelische Kirche der Att- preutzischen Union berufen. Wir haben damit durch staatlichen Auftrag als Männer der Kirche die Leitung und Vertre­tung der Deutschen Evangelischen Kirche nnd der Evangelischen Kirche der Att- preuhischen Union übernommen. Wir wissen uns als Ireufjänber für eine Uebergangs- zeit, an deren Ende eine in fich geord­nete selbständige deutsche Evange­lische Kirche stehen soll.

Die unantastbare Grundlage der Deutschen Evan­gelischen Kirche ist das Evangelium von Jesus Christus, wie es uns in der heiligen Schrift bezeugt und in den Bekenntnissen der Refor­mation neu ans Licht getreten ist (Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche, Artikel 1). Alle Ar­beit der Kirche, auch ihre Theologie und ihre Ver­waltung müssen der Verkündigung dieses Evangeliums dienen.

Aus dieser Glaubensgebundenheit ermahnen und bitten wir die evangelischen Gemeinden, in Fürbitte, Treue und Gehorsam zu Volk, Reich und Führer zu stehen. Wir bejahen die nationalsozia-

listlscheVolkswerdung auf derGrund- age von Rasse, Blut und Boden. Wir bejahen den Willen zu Freiheit, nationaler Würde und sozialistischer O p s e r b e r e i t s ch a s t bis zur Lebenshingabe für die Volksgemeinschaft. Wir erkennen darin die uns von Gott gegebene Wirklichkeit unseres deutschen Volkes.

Diesem deutschen Volk hat die Kirche die Bot­schaft von Jesus Christus zu verkündigen, dem Gekreuzigten und Auferstandenen, unserem Herrn, dem Heiland und Erlöser aller Völker und Rassen. So rufen wir alle lebendigen Kräfte im evangelischen Deutschland zum Gehorsam des Glaubens und zur Tal der Liebe. Vor allem liegt uns in der gegenwärtigen Stunde daran, die im Kampf der letzten Jahre deutlich gewordenen unaufgebbaren Anliegen zu verstehen und d i e auf gebrochenen Kräfte z u positivem Einsatz zu führen. Rur auf diese Weise können die zerstörenden Folgen des Kirchenstreils über­wunden werden. Rur so kann ein neues Ver­trauen im evangelischen Deutschland und darüber hinaus in der ganzen Christenheit wachsen und wird die Kirche der Reformation dem deutschen Volk auch in den religiösen Auseinandersetzungen unserer Tage den schuldigen Dienst leisten können. Spannungen sind unausbleiblich. Sie müssen in Würde, Ehr­lichkeit und Wahrhaftigkeit ausgetragen werden. Das gilt für uns und unsere Gegner.

So gehen wir ans Werk. Wir stehen unter dem Ernst einer schweren Verantwortung, sind aber ge­trost in der Gewißheit, daß Gott seine Kirche er­neuern kann."

Reichsminister Kerrl spricht überNationalsozia­lismus und Glauoe". (Weltbild-M.)

genommen bleiben kann. Die Kirche wird sich den Erschütterungen, denen die Menschheit ausgesetzt ist, nicht entziehen können und wenn in Deutschland die Auseinandersetzungen auf kirchlichem Gebiet und in der Sphäre Kirche und Staat besonders präg­nante Formen angenommen haben, so kann das nicht wundernehmen, weil ja Deutschland den Schritt aus der versunkenen Epoche, in die neue Zeit hinein

Berlin, 17. Okt. (DNB.) Der Reichs- und preußische Minister für kirchliche Angelegenheiten, Kerrl, sprach vor der Presse über den Aufruf des Reichskirchenausschusses. Minister Kerrl betonte, daß dieser Aufruf eine völlige Wendung innerhalb des Lebens in der Evangelischen Kirche darstelle. Als er vom Führer berufen worden fei, die Streitig­keiten möglichst schnell zu Ende zu bringen, habe er sich gesagt, es könne gar nicht in Frage kommen, daß der Staat in Glaubens - und Bekennt­nis f r a g e n eingreife. Der nationalsozialistische Staat habe von jeher die Auffassung vertreten, daß Partei und Staat auf dem Boden des positiven Christentums ständen, ohne sich an eine Konfession zu binden. Aller­dings habe positives Christentum nichts mit eng­stirnigem Dogmatismus zu tun, sondern nur mit d e r T a t. Die Konsequenz des Nationalsozialis­mus, der aus dem Glauben und aus der Liebe zum deutschen Volk gekommen sei, habe von selbst die Grundlage für ein solches Programm gegeben.

Der Rationalsozialismus greife niemals in die Glaubens- und Gewissensfreiheit des Einzel­nen ein, sondern überlasse einem jeden, sich seinen Golt so vorzustellen, wie er es für richtig halte. Diese Auffassung sei von Partei und Staat immer vertreten worden. Wenn in den vergangenen beiden Jahren hierin schein­bar eine Verwirrung aufgetreten sei, so seien Partei oder Staat als solche niemals betroffen gewesen. Sie sei höchstens auf Einzelne zurückzuführen gewesen.

Die Verwirrung sei notwendig gewesen. Denn in der Zeit eines so gewaltigen Umbruches, wie er durch die nationalsozialistische Revolution her­beigeführt worden sei, sei es selbstverständlich, daß auch über Wesen und Form des Glau­bens an sich Meinungsverschiedenheiten auftreten. Deswegen sei es Unsinn, wenn man Bewegungen, wie zum Beispiel die deutsche Glaubens­bewegung, die innerhalb der nationalsozialisti-

An das evangelische Kirchenvolk.

Bejahung der nationalsozialistischen Bolkwerdung aus der Grundlage von Hasse, Blut und Boden. - Verkündigung der Botschaft von Jesus Christus aus der unantastbaren Grundlage des Evangeliums.

schen Volkes werden.

Die übergroße Mehrheit der deutschen Pfarrer werde sich fraglos diesem Aufruf froh anschließen. Der Minister drückte die Uederzeugung aus, daß auch das gesamte Kirchenvolk sich freudig zu diesem Ausruf bekennen und ihm gemäß handeln werden. Durch ihn werde dem Kirchenvolk die Möglichkeit gegeben, zu unterscheiden, wer die Zeit richtig ver­standen habe. Er zeige, daß die Kirchenregierung aus dem richtigen Wege sei und die Ordnung, die hier begonnen habe, weiter fortführen werde. Minister Kerrl schloß mit der Versicherung, daß er sich streng an den Grundsatz halten werde, niemals in die innerkirchliche Ordnung einzugreifen, sondern daß er die Regelung der innerkirchlichen Dinge nur durch Männer der Kirche selbst vornehmen lassen werde

NGOAp. und studentische Verbindungen.

München, 17. Okt. (DNB.) Der Leiter des Na­tionalsozialistischen Deutschen Studentenbundes, Derichsweiler, sprach vor der Presse über die Stellung der NSDAP, zu der Frage der studenti­schen Verbindungen. Er führte aus:Die Partei steht den studentischen Verbindungen und Korps voll«, kommen gleichgültig gegenüber. Sie denkt nicht dar­an, eine solche Verbindung aufzulösen oder auch nur sie unter Druck zu setzen. Für die NSDAP, ist die Lage einfach so, daß sie ausschließlich den NationalsozialistischenDeutschenStu- b entenbunt) als ihre Vereinigung der studentischen Jugend im national­sozialistischen Sinne ansieht. Auf Grund des Totalitätsanspruchs kann neben diesem Studenten­bunde eine andersgeartete politische Gemeinschaft nicht besteh en. Der Student von heute muß sich also entweder für diese politische Gemeinschaft entscheiden oder, wenn er nicht in ihr stehen will, kann er auch als Student ein geruhsames unpolitisches Leben führen. Wer aber später einmal im Staat, in der Bewegung oder in der Wirtschaft auf verantwortungsvollem Posten stehen will, der hat die Pflicht, sich schon auf der Hoch­schule als politischer Aktivist zu er­weisen! Mit dieser Darlegung ist klar das Ziel der studentischen Verbindungen und Korporationen gegeben. So kam es, daß' die studentischen Der- bände und Korporationen sich auflösen und am 18. Oktober, zur Feier des Wartburgfestes, auch die Deutsche Burschenschaft sich feierlich auflösen wird. Das ist ein entscheidender Wendepunkt nicht nur für die Studenten allein, sondern für die gesamten Hoch­schulen und darüber hinaus. Der Begriff Student bekommt ein anderes Gesicht. Wir werden nicht nur einen Teil der Studenten weltanschaulich erfassen, sondern alleStudenten! Damit setzen wir den Grundstein zu einem neuen studentischen Leben, das für Jahrhunderte seine Prägung behalten wird. Un­ser Vorgehen wird bedachtsam sein, wir werden zu­nächst am 18. Oktober d i e ersten vier Seme- st er übernehmen, aber der Weg der studentischen Lebensformung wird einwandfrei der Weg der na­tionalsozialistischen Bewegung sein."

Spanisch-portugiesischer Zreundschasts« vertrag

Madrid, 17. Oft. (DNB.) Aue Anlaß do- Besuches des portugiesischen Außenministers in Madrid bringt die Presse eine Mitteilung, wonach in Kürze mit dem Abschluß eines spanisch« portugiesischen F r e u n d s ch a f t s - und Nichtangriffspakts gerechnet werden könne. Nach einem Artikel imDiario das Noticias von Lissabon habe England die portugiesisch-spanische Freundschaft, die von großer internationaler Be­deutung sei,sanktionier t". Ein Dreibund England-Spanien-Portugal werde die gemeinsamen Interessen im Atlantischen Ozean und im Mittelmeer vertreten.

schen Weltanschauung entstanden sei, als Gottlosen­bewegung bezeichne. Es sei ja bekannt, daß der nationalsozialistische Staat nicht nur den Kommu­nismus ausgerottet habe, sondern auch die Gott­losenbewegung. l^e deutsche Glaubensbewegung sei keine Gottlosigkeit, sondern hier ringe ein Glaube zum Durchbruch durch. Unsere Zeit sei so religiös wie vielleicht keine Zeit vor uns, wenn auch das Bewußtsein über die Form dieser Religio­sität nicht immer bei jedem vorhanden sei. Staat und Partei nähmen auf diese einzelnen Glaubens­richtungen keinerlei Einfluß. Sie würden sich um kirchliche und konfessionelle Fragen auch in Zukunft nicht kümmern. Von dieser Richtung sei von selbst das Verhalten diktiert gewesen, das er als beauf­tragter Minister für die kirchlichen Angelegenheiten in dem Streit der Kirchen untereinander habe ein­nehmen müssen.

Die einzige Möglichkeit, diesen Streit zu been­den, habe er darin gesehen, aus den ver­schiedenen gegeneinander kämp­fenden Gruppen Männer zusam- menzusühren, denen er die Führung und Leitung der innerkirchlichen Ange­legenheiten habe anvertrauen können. Da­bei habe er sich bemüht, die Auswahl der in Frage kommenden Persönlichkeiten so sorgfältig wie nur möglich zu treffen. Er habe auch in langem Bemühen bicIUännergefunöen, die gewillt seien, das Beste für die Deutsche Evangelische Kirche zu leisten. Run hätten diese Männer in voller Einmütigkeit den Aufruf erlassen, der durch seine Veröffentlichung auch dem evangelischen Kirchenvolk selbst zur Kennt- nis komme.

Dieser Aufruf scheide die Ebene des Glaubens von der Ebene des Lebens. Glauben und Leben kämen gleicherweise zu ihrem Recht. Kirche und Staat hätten es mit den gleichen Volksge­nossen zu tun. Ihre Pflicht sei, sie miteinan­der und nie gegeneinander zu füh-

Staat, Partei und Kirche.

Heichsnnnister Kerrl über den neuen Anfang zur Ordnung der kirchlichen Dinge.

bereits getan hat.

Die Kirche mußte diesen Schritt in irgendeiner - Form mit tun. Und wenn man heute zurückblickt, 1 so wird man manchen kirchlichen Führern nachsagen müssen, daß sie diesen Schritt nur halb oder zö­gernd mitgetan haben. Das ist kein Vorwurf, denn gerade die kirchlichen Führer haben heiligstes Gut zu hüten und zu bewahren und man kann es verstehen, daß sie zögerten, weil sie noch nicht wußten, wie diese Zukunft in der Praxis, in der äußeren und zum Teil auch in der inneren Form aussehen würde. Ebenso verständlich, daß auf der anderen Seite der Staat dieses Zaudern mit Argwohn be­trachtete, weil es Stellen gab, die hier im Ueber- eifer vielleicht die Grenzen überschritten haben, Die für ein gedeihliches Zusammenarbeiten zwischen Kirche und Staat errichtet sind und auch immer werden erhalten bleiben müssen. Die Grenze für den Staat liegt da, wo das rein Weltanschauliche anfängt. In diesem großen weltanschaulichen Rin­gen, das nun zwangsläufig einsetzen mußte, will der Umstand gewertet werden, daß schließlich auf reli­giösem Gebiet Gruppen in Erscheinung traten, die etwas Neues predigten, was sich in den Rahmen der christlichen Kirche nicht einfügen läßt.

Als man auf Seiten des Staates glaubte, die Dinge nicht mehr sich selbst überlassen zu können, wurde ein besonderes Ministerium für kirchliche Angelegenheiten geschaffen und in der Person des Ministers Kerrl mit einem Leiter besetzt, der für sich selbst in Anspruch nehmen darf, Vertreter eines posttiven Christentums zu sein. Er hat seine Auf­gabe in einer Beseitigung der Differenzen und in einem Ausgleich gesehen. Auf Grund des Gesetzes zur Sichrung der Deutschen Evangelischen Kirche wurde dann ein Reichskirchenausschuß ge­bildet, in den der Minister führende Geistliche der evangelischen Kirche und ihrer verschiedenen Rich­tungen berief. Und das Ergebnis dieser sorgsamen Zusammenarbeit zwischen dem Minister als Ver­treter des Staates und dem Kirchenausschuß als dem Vertreter der Kirche liegt nun in dem Auf­ruf an das evangelische Kirchenvolk vor Der Aufruf bestätigt, daßdie unantastbare Grundlage das Evangelium von Jesus Christus ist, wie es uns in der Heiligen Schrift bezeugt und in den Bekenntnissen der Reformation neu ans Licht ^treten ist". Damit ist abermals unterstrichen, daß der Staat nicht daran denkt, sich irgendwie in die rein religiösen Belange der Kirche emnnschen zu wollen Aber der Ausschuß befahl die national­sozialistische Volkwekdung auf der Grundlage von Nolle Blut und Boden. Und dennoch spricht er von Jesus Christus als dem Erlöser aller Nolker