Ausgabe 
18.9.1935
 
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Kunst und Wissenschaft.

Der Tiecfchriftsleller Egon von kapherr f.

Der bekannte Natur-, Jagd- und Tierschllderer Egon von Kapherr ist, 56 Jahre alt, in diesen Tagen g e st o r b e n. Kapherr entstammt väter­licherseits einem uralten Hause von Jägern und Grundbesitzern, seine Mutter kam aus einer livlän­dischen Adelsfamilie, seine Witwe ist eine kauka­sische Prinzessin. Kapherr hat als Forstmann und Jäger die weite Welt bereist und Reh und Fuchs, Wolf und Rotkehlchen, Hase und Elch, Elefant und Krähe, Eichhörnchen und Bär in zahlreichen Bü­chern lebendig geschildert.

Die Herbstneuerscheinungen der Deutschen Verlags-Anstalt.

Auf dem Gebiete der schönen Literatur wird die Deutsche Verlags-An st alt, Stuttgart-Ber« lin, demnächst folgende Werke veröffentlichen: Her­vey Allen: Antonio Adverso. Aus dem Englischen übertragen von W. E. Süskind und Rudolf von Scholtz. Waldemar B o n s e l s : Der Reiter in der Wüste. Eine Amerikafahrt. Henry Benrath: Die Kaiserin Konstanze. Kurt Eggers: Herz im Osten. Der Roman Li Taipes, des Dichters. Theo L. Goerlitz: Christian Olegaard. Anfang eines Le­bens. Roman. Hein Kruse: Der Gefallene ruft. Roman. Agathe Lindner: Madonna an der Treppe. Die Geschichte eines leidenschaftlichen Le­bens. Lord M o t t i st o n e : Mein Pferd Warrior. Mit einem Geleitwort von Rudolf G. Binding. Clara Nordström: Roger Björn. Roman. Ru­dolf P r e s b e r : Ich gehe durch mein Haus. Erin­nerungen. Ina Seidel: Meine Kindheit und Ju- aend. Ursprung, Erbteil und Weg. Albert Tal- yoff: Heilige Natur. Dichtungen. Clara Die big: Der Vielgeliebte und die Dielgehaßte. Roman. Jo­sef Winckler: Die goldene Kiepe. Heitere und ernste Erzählungen. Ernst Zahn: Der Weg hin­auf. Roman. Weitere in Vorbereitung befindliche Werke: Marie von Bunsen: Die Nichte Talley- rands, Herzogin von Sagan. M. I. Krück von P o t u r z y n : Antonius und der Grieche. Roman aus der Zeit des römischen Friedens. Michael Prawdin: Das Erbe Tschingis-Chans. Als verbilligte Neuausaaben erschienen: Hermann Ste­ge m a n n : Der Kampf um den Rhein. Waldemar Dönsels: Mario und die Tiere. Der Verlag F. A. Perthes bringt für die Jugend: P. L. Tra­ve r s : Jungfer Putzig. Mit 40 Zeichnungen von Mary Shepard.

Litauische Stimmungsmache in Gens.

Dreiste Lerdrehungskunststücke des litauischen Außenministers.

mtt dem Geist des Faschismus, begegnen sich in der hier gestellten Aufgabe, die natürlichen Rivalitäten allmählich zu beseitigen, den Faschismus piemontesisch zu machen, die piemontesische Tradition in eine faschistische zu entwickeln. Für seine kluge Erkenntnis, daß Äußerlichkeiten von großer Bedeutung sind, ist bezeichnend, daß die Neuuniformierung der Armee im letzten Jahre durch die Einführung einer sportlichen Bluse mit offenem Kragen auf grau-grünem Hemd und mit schwarzer Krawatte nur noch wenig Unterschied zwischen dem Aeußeren des Soldaten und des Milizmannes läßt. Slrniee und Nation", erklärte Mussolini,sind un­zertrennliche Begriffe im Leben und in der Ge­schichte, besonders in unserer Zeit, in der neue Probleme sich stellen, neue Kräfte in die Schranken treten."

Ob die Faschisierung der Armee so gut wie voll­endet, in welchem Maße sie fortgeschritten ist, kann man von außen und wahrscheinlich nicht einmal in Italien selbst genau wissen. Durch verschiedene Maß­nahmen ist neuerdings der Eintritt von Offizieren in die Partei erleichtert worden, was ein gewisses Ver­trauen der Parteileitung vorayssetzt. Der beste Be­weis aber, daß ein reibungsloses Zusammenwirken zwischen Armee und Miliz erwartet wird, ist die Mobilisierung gleich starker Kontin- gente für den afrikanischen Feldzug. Den fünf Armeedivisionen entsprechen fünf Divisionen Schwarzhemden. Piemont und die faschistische Revo­lution ziehen zum erstenmal gemeinsam in den Krieg. Wenn sie siegreich zurückkehren, wird von Unterschieden nicht mehr die Rede sein. Solche Fra­gen werden schlüssig nurdurch Blut und Eisen" gelöst, sagte einst jemand!

Rom vor wichtigen Entschlüssen.

Rom, 18. Sept. (DNB.-Funkspruch.) Der heute erneut zusammentretende italienische Ministerrat wird bereits zu den Vorschlägen des Genfer Fünfer- Ausschusses Stellung nehmen. Ihre Ablehnung durch Italien steht außer allem Zweifel. Der heutige Gen­fer Bericht desMessaggero" ist weit über das ge­wohnte Maß hinaus scharf ablehnend gegen die augenblicklichen Bemühungen des Völkerbundes. Die Arbeiten des Fünfer-Ausfchusfes, der nurb e - reits abgeleynte Vorschläge wieder auf wärmt", werden von vornherein in Grund und Boden verdammt. Im gleichen Bericht wird mit großer Empörung vonneuen englischen Erpressungsversuchen" gegenüber Frank­reich gesprochen. Sie hätten in Genf beträchtliche Verwirrung und Bestürzung hervoraerufen. Eng­land verlange nunmehr sogar verpflichtende Er­klärungen Frankreichs zur Sanktionsfrage, ehe es feine eigene Stellungnahme festlege.

Times" meldet, die heutige Sitzung des f a schi­ft i f ch en Großen Rates werde mit einiger Sorge erwartet, da sie eine entscheidende Wendung im guten oder schlimmen Sinne herbeiführen könne. Niemand würde überrascht sein, wenn diese Sitzung den Bruch Italiens mit dem Völker­bund herbeiführen würde. Mussolini soll auf der letzten Sitzung des italienischen Kabinetts erheb­lichen Wider st and gefunden haben. Diese Ge­rüchte seien in Genf mit Interesse verzeichnet wor­den. Man habe Mutmaßungen über die Möglichkeit geheimer, nachhaltiger Meinungsverschie­denheiten in Rom angestellt. Niemand sei aber optimistisch, davon eine Aenderung der Ent­wicklung des gegenwärtigen Streites zu erwarten. Die italienische Delegation in Genf sei äußerst be­unruhigt über die energische Haltung Großbritan­niens und den beinahe allgemeinen Zusammen­schluß anderer großer und kleiner Nationen unter englischer Führung.

Italienische ll-Boot-Zlottil e m einem spanischen Hafen?

London, 18. Sept. (DNB. Funkspruch.) Reu­ter meldet aus Gibraltar: Es wird erwartet, daß am Mittwoch eine italienische U-Boot- Flottille in Malaga, dem spanischen Hafen, der 100 Kilometer nordöstlich von Gibraltar liegt, eintreffen wird. Zehn spanischeFlugzeuge werden in Algeciras (10 Kilometer westlich von Gibraltar) am Mittwoch aus Gibraltar er­wartet. Die Flugzeuge sollen Manöver zwischen Tarifa und Algeciras ausführen.

Genf, 16. Sept. (DNB.) Der litauische Außen­minister erklärte in der Völkerbundsversammlung: Angesichts gewisser Kundgebungen außerhalb dieser Versammlung habe ich im Bewußtsein der Ver­antwortung meines Landes gegenüber der gesam­ten internationalen Gemeinschaft sowie feiner Stel­lung zu dem Problem Osteuropa von dieser Tri­büne und vor der zivilisierten Welt feierlich zu er­klären: Daß die loyale und r e ft I o f e Beach­tung aller internationalenVerpflich- tungen das Wesen der äußeren und inneren Po­litik der litauischen Regierung bildet, daß meine Regierung stets bereit ist, mit allen Befug­nissen zu einem freundschaftlichen u n d loyalen Gedankenaustausch über die Durchführung ihrer internationalen Verpflichtungen zu schreiten, daß meine Regierung dazu bereit ist, alle Meinungsverschiedenheiten über ihre internationalen Verpflichtungen gegebenenfalls dem durch die Verträge vorgefehenen Versah- r e n zu unterwerfen.

Diese Richtlinie ist schon wiederholt ein­gehalten worden und hat immer positive Ergebnisse gezeitigt. Ich bin fest davon über­zeugt, daß diese Haltung meiner Regierung als eine hinreichende Grundlage für diel o y a l e Zusammenarbeit unter allen Beteiligten aufaefaßt werden muß. Daher kann die Berück­sichtigung gewisser Erklärungen eines Landes, die dazu angetan sind, die Atmosphäre des guten Einvernehmens und der Zusammenarbeit unter den Völkern zu trüben, nicht anerkannt werden. Es erscheint mir angezeigt, zum Schluß hinzuzufügen, daß mein Land feinen Glauben und seine Hoffnung auf die Solidarität der Län­der setzt, die unter der Aegide des Völker­bundes vereinigt sind, dessen Aufgabe nicht nur darin besteht, Streitigkeiten zu schlichten, son­dern auch zu verhüten. Die Geschichte meines Lan­des weiß sehr viel von erlittenem Unrecht zu be­richten, aber sein Glaube an das edle Ideal der Menschheit hat niemals gewankt. Litauen bleibt unbesorgt für die Unversehrtheit seiner Ehre.

Der Führers unmißverständliche Warnung an Litauen in seiner Nürnberger Reichstagsrede hat

Nürnberg, 17. Sept. Der letzte Tag des Par­teitages der Freiheit brachte eine Reihe bedeutsamer Sondertagungen.

Auf der Sondertagung des 21grarpoliti = schen Apparates erklärte Reichsleiter und Reichsminister D arrä u. a., daß der agrarpolitische Apparat mit freudigem Stolz von sich fagen könne, von Anfang an für d i e Blutfragen unse­rer Rasse in vorderster Front gekämpft zu ha­ben. Die jüngsten Ereignisse haben bewiesen, wie richtig diese eindeutige Zielsetzung gewesen sei. Wenn es dem agrarpolitischen Apparat gelungen sei, das deutsche Bauerntum zu einen, so sei dies nicht etwa möglich gewesen, weil wirtschaftliche Vorteile im Vordergrund gestanden hätten, diese Einigung sei vielmehr unter rein weltanschaulichen Gesichts­punkten geführt worden.

In der Sondertagung der Kommission für Wirtschaftspolitik erläuterte Pg.Köhler, daß die Kommission kein Organ zur Vermittlung zwischen Wirtschaftsinteressen und Regierung sei, auch keine Nebenregierung oder Ueberregierung, und ebensowenig sei es ihre Aufgabe, die Wirtschaft zu organisieren. Die Aufgabe der öffentlichen Kontrolle habe die Partei übernommen, die wirtschaftspolitische Gruppe sei daher mit dazu da, Meldeapparat zu fein. Ihre zweite Aufgabe sei es, den politischen Willen und die politische Hal­tung zum Bewußtsein jedes Einzelnen zu bringen

in aller Welt starken Eindruck gemacht und sogar die litauische Regierung selber scheint gemerkt zu haben, daß ihre Sache brenzlich wirb. Sie weih zwar aus allen bisherigen Erfahrungen, daß die Signatarmächte des Memelstalutes nichts Ernsthaf­tes gegen ihre llebertretung des Vertrages unter­nehmen wollen. Sie scheint sich aber nun doch auch die andere Frage zu überlegen, ob diese Signatar­mächte ihr tatkräftig beistehen werden, wenn anders geartete machtpolitische Verwicklungen eintreten soll­ten. Sie bemüht sich jetzt nach Kräften darum, nach allen Seiten hin. gut Wetter zu machen.

Der litauische Außenminister L o z o r a i t i s hat es für zweckmäßig befunden, bas G e n fer Po­dium als Ort einer Erwiderung zu wählen. Wenn er dabei erklärte, daß Litauen sich in feiner Treue zum Völkerbund nicht allein von idealen Auffassun­gen, sondern auch von Gesichtspunkten des eige­nen Interesses leiten lasse, so glauben wir ihnen das gern. Die Haltung des Völkerbundes in der memelländischen Frage war praktisch bisher immer den litauischen Wünschen und Auffassun­gen günstig. Wenn er aber den Spieß umdrehen will und die gegen Litauen gerichtete Nürnberger Erklärung des Führers als geeignet bezeichnet, die Atmosphäre der Verständigung und Zusammen­arbeit der Völker zu stören, so ist das wirklich ein starkes Stück. Plumper kann man Ursache und Wirkung nicht miteinander verwechseln. Einzig und allein die Handlungen Litauens sind es gewesen, die dem Führer zu einer unmißverständlichen War­nung Anlaß gegeben haben. Es liegt ganz an der Regierung in Kowno, die Atmosphäre der Ver­ständigung zu erhalten, aber sie will das nicht.

DasDemeter Dampfboot" erneut beschlagnahmt.

Memel, 17. Sept. (DNB.) DasMemeler Dampfboot" ist am Dienstag wieder nicht erschienen. Die litauischen Zeitungen dürfen nach wie vor un­gehindert gegen die memelländische Einheitsliste hetzen. Die Reichstagsrede des Führers wird in allen litauischen Zeitungen tot geschwie­gen. Dagegen wird die Rede des litauischen Außenministers Lozoraitis in großer Aufmachung gebracht.

und auf diese Weise den Dienst der Wirtschaft für die politische Führung sicherzustellen. Pg. Köhler er­klärte:Erhöhung der Lebenshaltung ist keine Verteilungsaufgabe, sondern eine Lei­stungsaufgabe. Hiermit ist jedoch nicht nur die Steigerung der Einzelleistung, sondern auch eine wohlgeführte Steigerung der Gesamt­leistung zu verstehen. Die Entwicklung der Wirt­schaft zu solcher Höchstleistung ist nur in einem so­zialistischen Volke möglich/'

Die Sondertagung des NS. - Lehrer- dun d e s sand ihren Auftakt in einer Ehrung des toten Kämpfers und Erziehers Hans Schemm. Der Frankenführer Julius Streicher legte sodann die wichtigsten Probleme der rassischen und damit verbundenen schulischen Erneuerung dar. Er sprach dabei über die Kräfte des Blutes als den ewigen göttlichen Grundgesetzen, zeigte die ungeheure Be­deutung des Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre und entwickelte aus seinen reichen Erfahrungen als Kämpfer für die Idee Adolf Hitlers und als Lehrer feine Auf­fassung über den Lehrer und Erzieher der Zukunft. Mit der Ermahnung an die Erzieher, sich leiden­schaftlich und tapfer besonders für die ewigen Ge­setze des Blutes einzusetzen, schloß Gauleiter Strei­cher seine Ausführungen.

Auf der Sondertagung des Hauptamtes für Beamte erstattete Hauptamtsleiter Pg. Neef

Die letzten Sondertagungen auf dem Nürnberger Reichsparteitag.

Bericht über die politische und weltanschauliche Re. Organisation der Beamten im Sinne und Geist des Nationalsozialismus. Er führte u. a. aus: Als Mittler zwischen Regierung und Volk muß die Beamtenschaft imstande fein, das national- sozialistische Ideengut, soweit der Staatsorganismus damit beauftragt ist, in die Tat umzusetzem Die NS.-Beamtenabteilung war deshalb eine Gesin- nungsgemeinschaft, nicht etwa eine Organisation zur Stützung und Erringung berufspolitischer Dor- teile. Der gewerkschaftliche Geist tn den alten Be- amtenverbänden war liberalistisch und marxistisch. Ihn galt -s mit Stumpf und Stiel auszurotten Die Einheit der Bewegung sichert die Einheit des Staa­tes die Einheit des Staates gewährleistet eine em- heiiliche Beamtenschaft, deren die autoritäre Staats- führung als vollziehenden Faktor des Staatswillens bedarf.

Auf der Tagung der Gau - und Kreispro- pagandaleiter im Apollotheater erklärte der Reichspropagandaleiter Dr. Goebbels: Es ge­nügt nicht, das Richtiae auszusprechen, sondern man müsse es so aussprechen, daß damit die breiten Massen des Volkes mobili­siert werden können. Solche Propaganda sei auch heute noch notwendig, um die Macht zu erhalten, denn der Nationalsozialismus habe nicht die Absicht, sich auf die Spitzen der Bajonette zu setzen, sondern m i t d e m Volk und durch das Volk zu realeren. Der Propagandist müsse vor allem die Volksseele kennen. Propaganda habe stets etwas Aggressives. Sie habe auch stets revolu­tionär zu sein. Sie müsse durchschlagend wirken und durchschlagend wirke st e t s nur das Extreme. Es gebe zwei Möglichkeiten: Ent­weder man rede den Massen nach dem Munde, das sei aber immer nur vor kurzer Dauer, bis die Masse die Durchsichttgkeit dieser Methode erkannt habe, oder man habe den Mut, auch unpopuläre, aber notwendige Maßnahmen durchzuführen, sie jedoch durch eine intensive Propaganda dem Volke verständlich zu machen. Da der Nattonalsozialismus nicht die Absicht habe, nach wenigen Jahren wieder abzudanken, müsse er den zweiten Weg gehen. Freilich dürfe die Propaganda nicht immer trom­meln, weil das Volk sich sonst an den Trommelton gewöhne und ihn nicht mehr höre. Daher habe neben die Propaganda die Aufklärung zu treten, die nicht angreife, sondern methodisch be­lehre. Es sei Aufgabe der Propagandisten, kompli- zierte Dinge zu vereinfachen und nicht einfache Dinge zu komplizieren. Die Propaganda dürfe nicht jeden Tag neue Gedanken produzieren wollen, son­dern sie müsse sich auf die wenigen revolutionären Fundamentalsätze der Bewegung beschränken und diese immer wieder predigen. Es gehe auch nicht an, am Schreibtisch einen Kult der Bewegung zu erfinden. Dieser müsse von selbst wachsen. An den einmal gefundenen Formen müsse aber dann fest­gehalten werden. Dr. Goebbels wandte sich dann gegen die Gefahr, allzuviel organisieren zu wollen, was schließlich eine Erstarrung zur Folge haben würde. Die Partei müsse auch nach außen eine geschlossene Einheit fein, ein wahrer Orden, der dem Gegner keine Hoffnung auf Zer­setzung biete. Es sei Aufgabe der Parteigenossen, durch ihr eigenes Leben die besten Propagandisten ihrer Sache zu fein.

Der Führer

übergibt den Siegerstürmen desReichs- wettkampfeS der GA. die Ehrenpreise.

Nürnberg. 16. Sept. (DNB.) Den Sieger- stürmen der SA. überreichte der Führer im An­schluß an den großen Vorbeimarsch nach einer kurzen Ansprache als Ehrenpreis sein Bild mit Unterschrift. Von der Gruppe Hessen waren sieben Mann des Sturms 6/63 Brigade 49, Standort Frankfurt a. M., ange­treten. Der Führer betonte, daß er sich in Nürn­berg davon überzeugt habe, daß die SA. im letzten Jahr wohl an Zahl sich verringert, dafür aber in d e r Qualität sich gesteigert habe. Und das sei wesentlich. Der Kampf, den die SA. geführt habe, sei nicht vergeblich gewesen. Letztes Ziel fei und bleibe die Erfüllung des Par­teiprogramms in allen Punkten. Ein wichtiger Schritt zur Erreichung dieses Zieles seien die Gesetze, die der Reichstag angenommen hat.

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Unvergeßliche Landschaft.

Don Georg von der Bring.

Unvergeßlicher Tag. Ich sitze an einem Waldrand und schaue in den blauen Himmel hinaus, noch zirpt die Grille. Irgendwo vor mir in der Ferne muß die Loire strömen. Auch dort gibt es Bäume und Wälder. Die ganze Landschaft ist voller Wälder, und alle Waldränder sind .^eute erfüllt von einer feierlichen Stille, die sich nirgendhin verbreiten kann, weil sie ja überall herrscht.

Ringsum liegen meine Kameraden im Gras. Unten in der Talmulde aber ranaiert ein Zug. Dorthin richten sich viele Blicke. Sehr winzig neh­men sich die Wagen und die schwarze Maschine aus. Dieser Zug soll uns in die Heimat bringen, nach einer Kriegsgefangenschaft von dreizehn Monaten. Wir schreiben September 1919.

Heute ist das seit sechzehn Jahren vergangen. Vergangen? Werde ich in alle Ewigkeit diese Stunde vergessen können?

Das fremde Land zeigt sich uns in seiner ganzen Schönheit, die Sonne strahlt und sticht, und ich sitze im Schatten eines Waldes, der noch grünt und der einen tiefgrünen Schatten über mich legt.

Es gibt in der Welt unvergeßliche Dinge, denen der Mensch treu bleibt. So denke ich an jenen Waldrand der Loire zurück, und jeder Waldrand eines jeden Septembers meiner Heimat wird seit­her mit den Augen von damals betrachtet.

Als die Kameraden schwiegen und sich schweigend den kleinen rangierenden Zug da unten betrachteten, und die Grillen ihren unendlichen Ton über den Rand des französischen Waldes spannen, den sie ja auch bei uns zu singen pflegen trat zu mir ein Kamerad, den ich nie vorher gesprochen hatte, und dessen Namen ist nicht wußte und auch heute nicht weiß. Der setzte sich zu mir und begann, von sich zu erzählen. Bis zu dieser Minute hatte er wohl schweigsam in sich hineingehorcht und an das ge- dacht, woran wir alle dachten: An das Wiedersehen in der Heimat, deren Unversehrtheit uns, den Solda­ten, zu danken war: an die neue Arbeit im Dater- lande, und vor allem, daß man sich jetzt daran würde gewöhnen müssen, daß man lebte ... daß der Tod uns verschmäht hatte. Dies neue Gefühl verhieß uns eine Kraft, die ohne Grenzen schien. Damals gaben wir uns ein Gelübde.

Von diesem Kameraden aber, der sich an meiner Seite ins gilbende Gras legte, hörte ich etwas, das mich damals über alles erregte: Er hatte ein Kind, das fast zwei Jahre alt war, und dies kleine Kind, 6me# batte noch ms ssjchsm wücki

ihn jetzt, in einigen Tagen, zum ersten Male auf seinen Arm nehmen, droben in den bayerischen Ver­bergen, wo die Frau seit Jahren auf ihn wartete.

Als dann der Kamerad verstummte und wohl zum hundertsten Male den kleinen Transportzug da unten musterte, ob der ihn wohlbehalten an den deutschen Rhein bringen würde, stellte ich mir seine Heimat vor: Ich sah Berge, auf die die September­sonne niederstrahlte, ein Mann kam auf seinem Wege gegangen und am Ende des Weges stand eine junge Frau und hob ihr Kind in das unaussprech­lich süße Licht ...

Jedes Ende ist ein Anfang, dachte ich, wir hören nie auf. Und in diesem Augenblick wurde mir der Waldrand der Loire zu dem, was er mir heute ist.

Der Graf von Monte Christo."

Dies ist ein United-Artists-5ihn der Bavaria, welcher, wie sein Vorläufer im Lichtspiel­haus,Die Heilige und ihr Narr", ebenfalls auf eine berühmte Romanvorlage zurück geht, auf den Grafen von Monte Christo" des älteren Alexander Dumas. Der Unterschied beruht vom Stoff­lichen natürlich abgesehen vor allem darin, daß man nach diesem Film den Roman viel eher re­konstruieren kann, und daß die überquellende Phan­tasie des französischen Autors sein Werk mit einer Fülle von Handlung, Abenteuer und effektvollen, theatergerechten Szenen ausgestattet hat, die schlech­terdings von keiner Bearbeitung übersehen oder gar um ihre Wirkung gebracht werden konnten. Dabei kommt es in erster Linie weder auf die ge­schichtliche Einkleidung noch auf die Möglichkeit oder Wahrscheinlichkeit der Einzelmotive an, son­dern auf den schnellen Ablauf einer Fabel, die eben­so romantisch wie realistisch, die abenteuerlich, spannend und im höchsten Maße publikumswirksam genannt werden muß. Die Fäden überschneiden sich und sind dennoch übersichtlich: der Gang der Ereignisse bleibt trotz erheblicher zeitlicher Zwischen­räume, die zu überbrücken waren, in stetem Fluß vom dramatischen Vorspiel bis zum glücklichen Ende. Der Seesturm bei der Ueberfahrt nach Marseille, der Tod des Kapitäns, der versiegelte Brief, die napoleonische Verschwörung, wie eine Vision die Schlacht bei Waterloo, Gefangennahme, Kerker­haft auf Chateau dIf, die mehr als abenteuerliche Flucht ins Meer, das Schmugglerschiff, der sagen­hafte Schatz auf der einsamen Insel Monte Christo, das rauschende Fest in Paris, das Wiedersehen mit der früheren Verlobten, die Zweikämpfe, endlich der Rachefeldzug des Grafen wider feine drei Tod- teintet der mit eurem dkMchep. jchamiHeo,

endet, am eindringlichsten ganz zuletzt, wenn Monte Christo im Gerichtssaal sich jählings vom Ange­klagten zum Ankläger wandelt und dem Staats­anwalt die Maske vom Gesicht reißt. Das sind die wichtigsten Stationen einer wirklich romanhaften Film-Fabel, mit deren Inszenierung der Spiellei­ter Rowland V. L e e eine dankbare, mit Geschick und Geschmack gelöste Aufgabe fand. Die deutsche Bearbeitung stammt von Curt Wesse: sie wird von englischen Darstellern gespielt, von deutschen gesprochen. In der Titelrolle sieht man Robert D o n a t, der in Spielstil und äußerer Erschei­nung am ehesten mit Wohlbrück zu vergleichen wäre: ein Kavalier von untadeliger Haltung: ele­gant, kühl, beherrscht. Dorn großen Ensemble seien genannt Elissa Landi als Mercedes, Sidney Blackmer als Mondego, Raymond W alb um als Danglars, O. P. H e g g y als Abbä Faria und Lawrence Grant als Villefort.

Der Film läuft (eit gestern im Lichtspiel­haus und dürfte zahlreiche Besucher anziehen, jene vor allem, die sich bei der Gelegenheit einer halb vergessenen, aber aufregenden Lektüre entsin­nen werden. Im Beiprogramm: ein kleiner, zwei­fach aufschlußreicher und interessanter FilmMit Kreuzer Emden zum Indischen Ozean", die recht aktuelle neue Wochenschau und ein Vorspann zu dem Kiepura-FilmIch liebe alle Frauen". -r-

Hochschulnachrichten.

Professor Dr. .Theodor K a l u z a , Ordinarius für Mathematik an der Universität Kiel, erhielt einen Ruf an die Universität Göttingen.

Professor Dr. Karl Bräuer, Ordinarius für Volkswirtschaftslehre an der Universität Würz­burg, erhielt einen Ruf an die Universität Leipzig.

Professor Dr. Ernst M a g n u s - A l s l e d e n , Ordinarius für innere Medizin an der Universität Würzburg, erhielt einen Ruf an die türkische Universität Ankara, dem er Folge leistete.

Professor Dr. Hermann L e u ch s , Extraordina- aus für Chemie an der Universität Berlin, ist 3um ordentlichen Professor in der Berliner Philo- sophischen Fakultät ernannt morden.

Professor Dr. Hermann Reiher, Grtraordina- rius für technische Physik an der Technischen Hoch­schule in Stuttgart, ist zum ordentlichen Pro­fessor in der Abteilung für allgemeine Wissenschaften an der Stuttgarter Technischen Hochschule ernannt