Ausgabe 
18.9.1935
 
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Giftpilze

handele (!).

Krankenhaus in Mannheim starb

kürzlich

In einem Vorort Berlins ereignete sich

warda;

Heinz

snr'Din, sich eben erst von einer langjährigen Zweigoereme der einzelnen -lleroanoe amayriicy Mißwirtschaft zu erholen begann, dürften die Lei- Millionen von Dolksgenchsenhinaus m die heimi che stungsfähftikeit des armen Gebietes übersteigen. Der Landschaft. Emgegbedeift öte

ein^ae Trost in diesem Elend ist das bisherige Wandervereme m das Fachamt Bergsteigen und Ausbleiben irgendwelcher Epidemien und die be-1 Dandern' des Reichsbundes für Leibesuvungen.

Heinz Emil

In einem dieser Tage

Sieben Berliner flehen Kops.

Sie haben nämlich alle sieben das Große Los gewonnen, das auf die bemerkenswerte Nummer 25L620 fiel. Ich weiß nicht, wer diese sieben Berliner sind, aber wenn sie zu Hause ein Telephon haben sollten, dann werden sie es wohl sofort ab­stellen lassen: es ist eine Binsenwahrheit, daß nach einem solchen Glücksfall die Freunde und Freun­dinnen wie die Pilze nach einem Landregen aus dem Asphalt schießen. Und 10Ö 000 Mark haben oder nicht haben, sind, wie der Berliner gern sagt, nach Adam Riese 200000 Mark. Man stelle sich vor: von viereinhalb Millionen Berlinern haben sieben das Glück, je 100000 Mark bar auf den Tisch des Hauses aufgezählt zu bekom­men. Sieben Mal 100 000 Mark, das macht, wenn man multiplizieren kann, 700 000 Mark! Die Göt­tin Fortuna, die im Grunde ihres Wesens eine sehr zurückhaltende und schwer zugängliche Dame ist, hat dem Ansturm der sieben Berliner doch nicht widerstehen können.

Die sieben Glückspilze werden sich zweifellos wie Maulwürfe vor den Jupiterlampen der Neugier und Sensationslüsternheit verkriechen und sich in irgendeinem versteckten Winkel ins Fäustchen lachen. Um aber diese Sieben endlich in Frieden zu lassen, wollen wir lieber ganz allgemein berichten, daß es auch in Berlin, der klassischen Stadt des Tempos und der Betriebsamkeit, immer noch zahlreiche Menschen gibt, die darauf warten, daß ihnen die gebratenen Tauben, mit Respekt zu sagen, ins Maul fliegen und die unentwegt in der Lotterie spielen, wobei der Aberglaube keine geringe Rolle pielt. Besonders das Spiel mit Zahlen. Die einen trainierten darauf, sich die Glückszahlen träu­men zu lassen, andere wieder stellen die umständ­lichsten und verworrensten Berechnungen an und multiplizieren z. B. ihre Telephonnummer mit der Zahl ihrer Schlüssel, wozu dann vielleicht noch das Sterbedatum einer Großtante addiert wird. Auch

sogenannte Drachenfelser Ländchen fegte eine Wind­hose. Zahlreiche schwere Bäume, namentlich in den Gemeinden Mehlen, Niederbarem und Königs­winter, wurden umgeschlagen oder entwurzelt.

Ernste Lage Im Ueberschwemmungsgeblet des hoangho.

ein 54 Jahre alter Tagelöhner aus an einer Pilzvergiftung. Der

SiebenmalHans im Glück".

Und andere Sensationen in der Reichshauptstadt.

Auflösung -erkatholischen Arbeitervereine im Regierungsbezirk Münster.

Feudenheim c...... ------ v ,

Mann, der als ein guter Pilzkenner galt, hatte sich die Reste eines Pilzgerichtes am folgenden Tage

ein Architekt, der dem Maharadscha vielleicht ein neues Feenschloßmit allen Schikanen" offerieren wollte, ein Spezialist in Luxusschlössern, viele an­dere warteten außerdem, um den volkstümlichen Bart des Königs aus der Nähe zu bewundern. Die Köche des Hotels Adlon hatten sehrheiße" Tage, denn sie mußten ein original-indisches Menü zu­sammenstellen, ein Menü mit scharfen Gewürzen. Nun sind sie allerdings dieser Sorge enthoben, denn der Maharadscha hat vor kurzem mit seinem Ge­folge Berlin verlassen, um in Friedrichshafen den neuen Zeppelin au besichtigen. Da werden die sechs indischen Prinzessinnen Augen machen!

Der Bär ifl los.

Müller;---------- -

trüb: Margarete Klose. Die musikalische Leitung haben Wilhelm Furtwängler und Tietjen; Inszenierung des Werkes: Tietjen; Bühnenbilder und Kostüme:

'Preetorius.

Aus aller Wett.

Schwerer Sturm über England und der deutschen Nordseeküste.

wundernswerte Geduld, mit der sich die Flücht­linge in ihr bitteres Geschick fügen. Die Behörden von Kiangsu stehen übrigens auf dem Standpunkt, daß Maßnahmen möglich seien, die Flut in ihren jetzigen Grenzen zu halten und einen allmählichen Abfluß durch den Kaiser-Kanal und die Ver­bindungen zum Gelben Meer zu erreichen.

44. Deutscher Wandertag zu Freiburg i. B.

Der Reichsverbanü der deutschen Gebirgs- und Wandervereine, der heute alle 53 deutschen Ge­birgs- und Wandervereine mit über 250 000 Mit­gliedern umfaßt, veranstaltet vom 19. bis 24. Sep­tember seinen diesjährigen (44.) Deutschen Wandertag zu Freiburg i. B. Aus allen Teilen des deutschen Vaterlandes werden die Der-

vorgefunden. In einem der Briefe, der mit einem VermerkZur Vorsicht" versehen ist, wird Jakobs von Dr. Konermann angewiesen, Vertrauenswür- dige von Haus zu Haus zu schicken, um die Tätigkeit der Arbeitsfront zu sabo­tieren, da der Deutschen Arbeitsfront kein Ein­bruch glücken dürfe.

Aus diesem Schreiben geht nicht nur hervor, daß der Führer der katholischen Arbeitervereine Deutsch­lands Msg. Dr. Müller, Köln, jede Verhand­lung mit der Regierung ablehnt, sondern daß er sich vielmehr zum offenen Kampf gegen den Staat und dessen Maßnahmen aus­spricht. Aus dem Schreiben geht weiter hervor, daß man seitens der Leitung der katholischen Ar­beitervereine beabsichtigt, ganze Betriebe zum Aus­tritt aus der Deutschen Arbeitsfront zu bewegen und Massen au stritte zu organisieren. Da von feiten des Staates derartiges an Hochverrat grenzendes Verhalten nicht geduldet werden konnte, mußten die katholischen Arbeitervereine im hiesigen Bezirk a u f g e l ö st werden.

Kunst und Wissenschaft.

Die Landbauwissenschaft lagt in Würzburg.

Zum zweitenmal seit seinem Bestehen hat sich ter Forschungsdienst (Reichsarbeitsgemein- sschaften der Landwirtschaftswissenschaft) zu einer Tagung versammelt. In Würzbura tagen gleich­zeitig in gemeinsamen Sitzungen deutsche boden- ckundliche Gesellschaften, und der Verband für land- Mirtschaftliche Versuchungsanstalten. Die Tagung iist dazu bestimmt, Rüstzeug zur Forschungs- und «Erzeugungsschlacht des kommenden Winters zu schmieden. Es soll versucht werden, die Wissenschaft noch stärker als bisher in den Kampf um die «Erringung der Nahrungs- und Bekleidungsfreiheit mit einzustellen. Jrn Anschluß an die Bearüßung »ergriff der Obmann des Reichsforschungsdienstes, 'Prof. Meyer, zu grundsätzlichen, die Allgemein- lheit stark berührenden Problemen das Wort. Er »erörterte die gegenwärtige Problemlage und die naturwissenschaftliche Grundlegung der Landwirt­schaftswissenschaft. Im Zusammenhang damit be­rührte er verschiedene Fragen der Neuordnung des llandwirtschaftlichen Studiums, die als Ausfluß der :neuen ganzheitlichen Denk- und Lehrweise zu wer­den sind. Der Altmeister der Deutschen Fütterungs- :lei)re, Geheimrat Lehmann (Göttingen) sprach über Ziel und Weg der Fütterungslehre von heute und behandelte dabei eins der schwierigsten Pro­bleme der deutschen Landwirtschaft.

Lohengrin" in Bayreuth 1936.

Die Leitung der Bayreuther Fe st spiele

aufgewärmt.

Fünf Familienmitglieder an einer Vergiftung gestorben.

In Oberhausen (Rheinprovinz) zeigten sich dieser Tage in der Familie des Steinsetzers Eichas bei mehreren Familienmitgliedern schwere Berg t f tungserscheinungen. Ein 13jähriges Mäd­chen, ein 15jähriaer Junge und ein 5jähriges Mäd­chen starben fchon nach mehreren Stunden. Die Mutter erlag in der folgenden Nacht der Ver­giftung, wenig später starb ein 8jähriaes Mäd­chen. Auch bei dem jüngsten Kinde im Alter von drei Jahren besteht keine Hoffnung, es dem Leben zu erhalten. Die Art der Vergiftung konnte noch nicht genau festgestellt werden.

Malaischer Amokläufer richtet ein Blutbad an.

In der Ortschaft Kwala Bangko in der Land- schäft Kwaloen auf Sumatra fielen sieben Perso­nen, darunter drei Frauen, einem Amokläufer zum Opfer. Ferner wurden zwei Frauen schwer und sieben Männer leicht oerle tz t. Das Drama ereignete sich während einer religiösen Zusammen­kunft eines sogenannten Gebetskurses, währenddessen sich die Dorfbewohner zehn Tage lange in einem engen Raum einschließen ließen, um nicht durch die Ereignisse der Außenwelt in ihrer Andacht ge­hört zu werden. Mitten in dieser religiösen Ze- remonie erklärte plötzlich ein an ihr teilnehmender Malaie, er habe Allahs Stimme gehört, der ihm befohlen habe, ihm Menschenopfer darzubringen. Er ergriff darauf ein scharf geschliffenes Messer und richtete damit in dem engen, von außen oer- schlossenen Raume ein furchtbares Blutbad an. Als er endlich überwältigt und in Polizeige­wahrsam gebracht worden war, zeigte er keinerlei Reue über die Bluttat, erklärte vielmehr, er habe ja nur einen Auftrag Allahs ausgeführt.

Aufregender Kampf mit einem Betrunkenen lm Flugzeug.

Der in den Vereinigten Staaten sehr bekannte Baseballspieler K o e n e ck e hatte in einer der letz­ten Nächte in Detroit ein Sonderflugzeug nach To­ronto gemietet. Koenecke war einscheinend st a r k betrunken, denn kurz vor der Landung fing er in dem Flugzeug wie ein Irrsinniger an zu toben, und griff den Flugzeugführer sowie einen von ihm eingeladenen Fallschirmspringer an. Beide versuchten in der kleinen Kabine, den Rasenden zu überwältigen, bis der Flugzeugführer ihn iff der Notwehr mit einem Feuerlöscher niederstreckte. Dem ; Flugzeugführer gelang es noch rechtzeitig, die Ma- : schine abzufangen und eine Notlandung vor- : zunehmen, wobei das Flugzeug allerdings stark be- : schädigt wurde. Bei der Landung stellte sich her­aus, daß Koenecke t o t war. Der Fallschirmspringer hatte zahlreiche Biß- und Kratzwunden davonge- . tragen. Gegen den Flugzeugführer und den Fall- schirmfpringer wurde formell ein Verfahren wegen Totschlags eingeleitet.

Sechs Bergsteiger vermißt.

Seit mehreren Tagen wird eine Karawane von zwei jungen Mädchen und vier Männern aus Lau­sanne v e r mi ß t, die von der Dufour-Hütte aus den 3833 Meter hohen Mont Dolent an der schwei­zerisch-italienisch-französischen Grenze besteigen 1 wollten. Der Hüttenwart, der einem Aufstieg wi- 1 derriet, beobachtete die Karawane zuletzt in 3500 Meter Höhe. Da abends ein großes Gewitter los- . brach, ist man in großer Sorge um die Bergsteiger. 1 Mehrere Rettungskolonnen sind unterwegs.

Ein Kind von einem Pferd erschlagen.

Das fünfjährige Söhnchen der Familie S e g r e f 1 in Altenhundem (Siegerland), das bei feiner Groß­mutter in Gleidorf zu Besuch weilte, wurde auf dem 1 Felde von einem Pferd mit dem Huf gegen ben 1 Kopf getreten. Dabei erlitt bas Kinb einen Schädel- 1 druck) unb war auf ber Stelle t o t.

Die Wiederherstellung bes burch bie Ueberfchwem- mungs-Kataftrophe auf weite Strecke burchbro­ch e n e n Hoangho-Deiches scheint sehr zwei­felhaft. Eine Rettung für bie von ber Ueberschwem- mung betroffenen Gebiete ber Provinz Schantung scheint nur baburch möglich zu sein, baß man ben Hoangho auf seiner Suche nach einem neuen Flußbett ungehindert gewähren läßt. Die Wasser­massen beginnen bereits, sich einen Abfluß nach Osten hin zu suchen, offenbar in berfelben Rich­tung, in ber bis 1852 bas alte Flußbett bes Hoangho verlief. Die Provinz Schantung sieht ber Tatsache entgegen, baß ber burch bie Überschwemmung ge- bilbete Riesenfee noch mehrere Jahre weiter bestehen kann. Gegenwärtig allerbings steht eine andere Frage im Vordergrund: die Linderung der Not der von der Katastrophe Heimgesuchten. Damit verbunden die Notwendigkeit, wenigstens eine halbe Million Menschen bis zum Frühjahr aus öffentlichen Mitteln erhalten zu müssen. Diese Anforderungen an die öffentlichen Mittel einer

treter der Verbände nach Freiburg kommen, um Zeugnis abzulegen für den deutschen Wandergeban- ken und in ernster Beratung die weitere gemein­same Tätigkeit zu besprechen. Die stille Arbeit der Gebirgs- und Wandervereine für die Allgemeinheit verdient es, daß diese Tagung besondere Beachtung findet. Sind es doch gerade die Gebirgs- und Wandervereine, die die heimatlichen Gebirge für frie Wanderer erschließen durch ihre Bauten und Anlagen. Ueberaü arbeiten die Gebirasvereine mit in Fragen des Verkehrs und der Werbung für ihre Arbeitsgebiete. Auf Taufenden und aber Tausenden von Wanderungen führen die Ortsgruppen unb Zweigvereine ber einzelnen Verbände alljährlich

bie Anhänger bes Horoskops finb noch lange nicht ausgestorben, wie überhaupt ber Wahrsager- schwindel, ber seit geraumer Zeit von ber Straße vertrieben würbe, in gewissen Berliner Volkskreisen noch immer eine große Rolle spielt. Da gibt es zum Beispiel ganz vernünftige unb moberne junge Mäbchen, bie von Zeki zu Zeit ihre Spezialwahrsagerin aufsuchen, um sich von ihr aus bem Lauf ber Hanblinie ober aus bem Kaffeesatz ben Zukünftigen prophezeien zu lassen. Aber bas nur so nebenbei.

Der geheimnisvolleMharadscha

Der König von Patiala im Ablon. Der König von Patiala auf ber Straße. Der König von Pa­tiala im Schönholzer Volkspark. Der König von Patiala in einer Fabrik. Patiala, Patiala, Patiala. Nicht jeben Tag kommt ein Maharabscha nach Berlin. Es ist, als wäre er aus einem wunber- schönen Märchen aus Tausenb unb einer Nacht mitten auf ben Asphalt gesprungen. Sein Turban gehört zu den meistphotographierten Turbanen der Welt. Sechs indische Prinzessinnen gehören zu sei­ner Begleitung. Diese Prinzessinnen sind kürzlich im Zoo gewesen. (Da werden sich die großen Tiere aus Indien nicht schlecht gefreut haben!) Die sechs Prinzessinnen gingen auch artig in ein Berliner Kino. Patiala ist in Berlin Mode. In der Vorhalle des Hotels Adlon drehte sich eine Zeitlang alles um den Maharadscha. »Da wartete ein Berliner Maler, der vor einigen Jahren das Vergnügen hatte, den König von Patiala in Indien zu malen,

Wetterbericht

des Reichswetlerbienstes. Ausgabeork Frankfurt.

Der Sturmwirbel verlagert sich unter Ver­flachung von der Nordsee über Skandinavien lang­sam südostwärts. Dabei hat die Luftbewegung schon erheblich nachgelassen. Doch herrschte im Nordsee­gebiet auch am Mittwochmorgen noch Sturm, lieber bem Atlantik ist ein neuer Wirbel in Entwicklung, so baß mit ber Fortsetzung ber Zufuhr von Meeres­luft gerechnet werben kann. Der Witterungscharak­ter bleibt damit auch weiterhin unbeständig und wechselhaft, doch wird die Niederschlagstätigkeit stärkere Ausmaße annehmen.

Aussichten für Donnerstag: Veränder­lich, doch überwiegend bewölkt, zeitweise auch Nie­derschläge, bei noch lebhaften westlichen Winden Temperaturen wenig verändert.

Aussichten für Freitag: Bei Luftzufuhr aus Westen Fortdauer der wechselhaften und zu Niederschläge neigenden Witterung.

Lufttemperaturen am 17. September: mittags 18,4 Grad Celsius, abends 11,9 Grad; am 18. September: morgens 12,4 Grad. Maximum 19,2 Grad, Minimum 10,7 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 17. September: abends 14,6 Grad; am 18. Septem­ber: morgens 13,2 Grad. Sonnenscheindauer 3,8 Stunden. Niederschläge 1 mm.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwortlich für den Inhalt der An­zeigen: Theodor Kümmel. D. A. VIII. 35: 9838. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und ©teäW druckerei R. Lange, K.-G., sämtlich in Gießen.

Monatsbezugspreis RM. 2,05 einschließlich 25 Pf. Zustellgebühr, mit der Illustrierten 15 Pf. mehr. Einzelverkaufspreis 10 Pf. und Samstags 15 Pf* mit der Illustrierten 5 Pf. mehr.

Zur Zeit ist Preisliste Nr. 3 vom 1. Juni 1935 gültig.

eine nette Wildwest-Episode, die unter den zahl­reichen Zaungästen schallende Heiterkeit erweckte: zwei Waschbären, die ein bärenfreundlicher Tisch­ler in einem Zwinger hielt, verspürten plötzlich das dringende Bedürfnis, aus ihrem Käfig auszubre­chen, um sich mal die Gegend anzusehen. Sie stemmten sich mit vereinten Kräften gegen die Git­terstäbe und gelangten auch glücklich und prächtig gelaunt ins Freie, wo sie hörbar aufatmeten und sich auf eine recht burschikose Art ihrer Freiheit zu erfreuen begannen. Sie tobten wie die Wilden auf dem Grundstück des Tischlermeisters herum, liefen und balgten sich um die Wette unb alarmierten so bie ganze Umgebung. Alle Versuche, bie beiben Waschbären zur freiwilligen Rückkehr in ihren Kä­fig zu bewegen, waren vergeblich. Das wüste Um- herzotteln gefiel ihnen offensichtlich viel zu gut, als baß sie auch nur bie geringste Lust verspürt hätten, ihre Freiheit aufzugeben. Schließlich mußte sogar bie Feuerwehr eingreifen. Man spritzte ben nüber» [penftigen Waschbären einen bicken Wasserstrahl auf ihre Pelze, aber selbst das imponierte ihnen nicht im geringsten. Der Tischler, der schon in hellster Verzweiflung war, kam zuguterletzt auf den genia­len Einfall, den beiden Haderlumpen Säcke und Tücher über ben Kopf zu werfen. Diese Methobe hatte bann auch bie gewünschte Wirkung: bie bei­ben Bären mußten wohl ober übel bie Waffen strecken unb ließen sich verärgert unb brummenb mitsamt ben Säcken unb Tüchern in ben Käfig zurückbeförbern. Eine Bärengeschichte, bie sich roir£ liehgewaschen" hat.

Laßt Drachen steigen!

Drachen über Berlin! Wer Berlin nicht kennt, wirb sicher glauben, baß nur bie Lanbkinber und die Kinder aus der Provinz diesem Vergnügen hul­digen. Aber keineswegs: dieHellen Köppe" der Ber­liner Jungs veranstalten in diesen Tagen allerorten, mitten auf den freien Plätzen der Stadt, ein großes Drachenwettsteigen" und wenn ihnen auch die weite Wiese ober ein Stoppelacker fehlt mit bem enblofen Laufradius und dem unbegrenzten Aus­blick in den herbstlichen Himmel, so sind sie des­halb doch nicht weniger glücklich. In ben Papier- geschästen herrscht große Nachfrage nachDrachen­material". Manchmal ist so ein kleiner Laben ge­rammelt voll von kinblichen Käufern, benen der sehnsüchtige Wunsch in den Augen glüht: sich einen eigenen, bunten Drachen zu zimmern und zu leimen, um ihn hoch über ben Miethäusern Berlins in ben Himmel ihrer fliegerischen Träume schweben zu lassen. Keine Sensation zwar, aber ein hübsches Großstabtmärchen, um bas nur biejenigen wissen, bie biefem nach außen so nüchternen Berlin ganz tief ins Auge geblickt haben.

Theodor Riegler.

Mtt der Ermahnung, weiterhin wie bisher vor- bilblich ihre Pflicht zu tun, schloß der Führer seine Ansprache. Ein begeistertesHell mein Führer" schloß biese schöne Feierstunbe, ber außer bem Stabschef auch bie Amtschefs ber obersten SA.-Führung unb einige Gruppenführer beiwohnten.

Erledigung des Falles Zacob

Berlin, 18. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die deutsche unb die schweizer fsche Regie­rung hatten, wie bekannt, zur Erledigung des Falles Jacob auf Grund des deutsch-schweizerischen Schiedsgericht- und Vergleichsverfahrens von 1921 den schiedsgerichtlichen Weg betreten und Ende Juli eine Schiedsordnung vereinbart. Gemäß dieser Schiedsordnung haben sie dann Schriftsätze unter­einander ausgetauscht, wobei sich herausgestellt hat, daß bedauerlicherweise ein Nachgeordneter deutscher Beamter in ber Angelegenheit in unzulässiger Weise vorgegangen ist. Der Beamte ist besmegen schon vor einiger Zeit auf bem Disziplinarwege bestraft wor­den. Auf Grunb biefes Sachverhaltes finb bie bei­den Regierungen jetzt übereingetommen, baß Schiebsgerichtsverfahren burch biefen Vergleich zu e r l e b i g e n. Jacob ist gestern bens ch w eize- rischen Behörben übergeben worben. Die Bunbes-Anwclltschaft hat Jacob sofort in Haft genommen. Der Bunbesrat hat bie alsbalbige Ausweisung von Jacob beschlossen.

Münster, 16. Sept. (DNB.) Die Staatspolizei ür ben Regierungsbezirk Münster teilt mit:

Auf Grund der Verordnung des Reichspräsiden­ten zum Schutze von Volk und Staat vom 28. Fe­bruar 1933 in Verbindung mit § 14 des Polizei­verwaltungsgesetzes find die k a t h o l i f ch e n Ar­beitervereine im Berich des Regierungsbe­zirks Münster mit sofortiger Wirkung wegen staats­feindlicher Betätigung a u f g e l ö ft worden. Das Vermögen ber genannten Vereine würbe beschlag­nahmt.

Kürzlich würbe an ber hollänbischen Grenze ber Bezirkssekretär ber katholischen Arbeitervereine für ben Bezirk Mcholt, Josef Jakobs aus Bocholt, fest­genommen. In seinem Bezirk würben Aufzeich­nungen staatsfeinblichen Inhalts unb Schriften vorgefunben, bie bie d e r n ei­ne n b e Einstellung ber katholischen Arbeiter­vereine gegenüber bem heutigen Staat beutlich zum Ausbruck bringen. Im Besitze bes Jakobs würben ferner verfchiebene Briefe bes Diözesan- präfes Dr. Koner mann, ber ber Leiter ber katholischen Arbeitervereine ber hiesigen Diözese ist.

teilt mit: NachbemLohengrin" vor 26 Jahren zum letztenmal aufgeführt worben ist, kommt das Werk im Festspieljahr 1936 zur Wiederaufführung. Be­setzung: König Heinrich: Josef von Mano- Lohengrin: Max Lorenz; Elsa: Maria ; Telramund: Jaro Prohaska; Or-

Der schwere Sturm auf den britischen Inseln »am Dienstag hat sieben Todesopfer gefor- ibert. Außerbem finb zahlreiche Verletzte unb »ein ungeheurer Materialschaben zu verzeichnen. «Beinahe 20 000 Fernsprech-Anschlüsse waren außer «Betrieb gesetzt. Eine Anzahl von Stäbten unb chunberte von Dörfern waren ftunbenlang vom «Verkehr abgeschnitten. Besonders schwer haben die Ortschaften an der Küste Gelitten. Der Sturm hat tauet) den Flugverkehr zwischen Frankreich unb Eng- lanb in Mitleibenschaft gezogen. Die fahrplanmäßi­gen Flugzeuge aus London kamen mit großer 93er- (fpätung auf dem Flugplatz Le Bourget an. Der englische Flugverkehr von Großbritannien nach der -Schweiz fiel aus. Ebenso blieben die holländischen sFlugzeuge in Paris aus. Das Unwetter über- rraschte vier beim Bau der Verlängerung der Mole nn Boulogne-sur-Mer beschäftigte Arbeiter. Sie imußten daher über 20 Stunden in einem Senk­kasten bleiben. Erst beim vierten Versuch konnte tein Rettungsboot sie befreien.

Die an der englischen Küste herrschenden schwe­llen Stürme suchten mit unverminderter Heftig­keit auch die deutsche Nordsee küste heim. Meder die friesischen Inseln fegte der Sturm in «Stärke 11 hinweg und steigerte sich in einzelnen Wöen sogar bis zum Orkan. Um die Mittagszeit »tobte der Sturm am heftigsten und brad)te in lang andauernden Böen, wie sie feit Jahren im ganzen »Gebiet nicht beobachtet wurden, große Regenmassen mit sich. Schiffsunfälle sind bisher nicht bekannt -geworden.

Fünf italienische Bergsteiger im Schneesturm erfroren.

In Dal Masino (Ober-Italien) ist bei der Rück- lkehr von einer Besteigung der 3328 Meter hohen ?Punta Rasica eine Gruppe von Mailänder Berg- Üfteigern von einem Schnee st urrn überrascht wor- üden. Ein Teil der Gruppe, bem es unmöglich war, ^vorwärts zu kommen, muhte unter freiem Himmel Magern unb Zurückbleiben, während die anderen, Denen es gelang, ein Obdach zu erreichen, Rettungs- llmannschaften alarmierten und die Hilfeleistung or­ganisierten. Fünf zurückgebliebene Bergsteiger fan- üben in biefer Zeit ben Erfrierungstob.

Eine Windhose über Bielefeld.

Dieser Tage würbe bie Stabt Bielefeld von einem ^gewaltigen Sturm überrascht, der an Häusern runb Baumbeständen beträchtlichen Schaben anrich- ttete. Besonbers umfangreich waren bie Verheerun­gen burch bie Winbhose auf bem Grunbsttick seiner Wäschefirma. Hier würbe ein Satteldach aus 'Pappelin im Ausmaß von etwa 400 Quadrat- unetern Fläche aufgerollt und ein beträchtliches fötücf weit getragen. Die schweren Balken der Dach- ttonstruktion zerbrachen. Auch Reserve-Nähmaschi- men die in bem Raum aufbewahrt waren, trug Der'Sturmwinb bavon. Sie gruben sich beim Auf- ipraH förmlich in bie Erbe ein Der Wirbelsturm, Ker in ber Sielefelber Gegend große Verheerungen «rngerichtet hat, raste auch über das Bergische Land runb richtete in verschiedenen Stabten und fernem» Den nicht unerheblichen Schaden an. Auch über bas

In Freiburg finden unter der Leitung bes Deut- scheu Wanberführers, Ministerpräsibent a. D. Dr. Werner (Darmstadt), die geschäftlichen Sitzungen statt. Die öffentliche Hauptversammlung in der Festhalle wird mit einer Wanderkundgebung auf dem Münsterplatz verbunden.

Fünf Menschen an Pilzvergiftung gestorben.

In Treuenbrietzen (Kreis Zauche-Belzig) sinv drei Erwachsene unb ein Kind nach dem Genuß von giftigen Pilaen a e ft o r b e n. Die Frau, dis die Pilze zubereitet hatte, war beim Pilzesuchen daraus aufmerksam gemacht worden, daß es sich um