llr. 218 Erstes Blatt
185. Jahrgang
Mittwoch, 18. September 1935
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Eichener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Wird England Ernst machen?
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datzerSkreitkräftenachLlbyen entsendet. Ls verlautet, daß Italien nach Ankunft der neuen Division in dieser Kolonie 70 000 Mann weiher Truppen haben wird. Libyen grenzt an Aegypten und den Sudan, hierzu kommen noch 3 7 5 in Tripolis statio- niette Flugzeuge. Der zweite Faktor ist die Aenderung in der Haltung Lavals. Mussolini habe fest geglaubt, dah Laval niemals zulassen werde, dah Frankreich die im Januar zustande gekommene enge Verbindung mit Italien aufgebe. Ls besteht aber guter Grund zu
der Annahme, datz die Zusammenarbeit Frankreichs mit Grohbritannien zur Erhaltung des Friedens in Europa sich in der nahen Zukunft möglicherweise viel enger und vertrauensvoller ge st alten wird. Dies würde das natürliche Ergebnis gewisser Zusicherungen sein, die Grohbritan- nien vielleicht bald in der Lage sein wird, Frankreich zu machen, falls Frankreich seiner- feite zeigt, dah es nach wie vor der Völker- bundssahung volle Wirksamkeit zu geben wünscht.
Keine Aussicht auf Annahme der Vorschläge des Fünferausschuffes durch Italien.
Italiens Angriff 1 wird sürAnsang Oktober erwartet
Enge Zusammenarbeit zwischen England und Frankreich.
London. 18. Sept. (DRV. Funkspruch.) Rach tzen letzten Rachrichten aus Genf unterscheiden sich vie am Dienstag vom Fünfer-Ausschuh lertiggestellten Vorschläge nicht wesentlich von den Parier Vorschlägen Englands und Frankreichs. Infolgedessen wird, ganz abgesehen von den zahl- , eichen eindeutigen Aeuherungen Mussolinis und »er italienischen Presse, mit einer Verwerfung Des Schiedsplanes durch Italien ge- rechnet, und es wird befürchtet, dah in absehbarer Zeit der Angriff auf Abessinien beginnen werde. Rach Meldungen aus Addis Abeba dürfte die Regenzeit am 27. September ihr Ende linden. Da der Boden dann noch mehrere Tage oufgeweicht und morastifch bleibt, werden keine militärischen Operationen der Italiener vor den I et ff en Oktobertagen erwartet. Auch ..Daily Telegraph" sagt in einem Bericht aus Genf, kein einziger Delegierter zweifele daran, dah Mussolini »einen Fetdzug beginnen müsse. Rach sehr zuver- i affigen Mitteilungen werde er damit dem Ratso !?rfahrener leitender Männer wie Marschall Balbo und angeblich sogar des italienischen Oberkommandos in Ostafrika zuwiderhandeln.
Das Blatt sagt weiter, es müsse angenommen werden, daß Abessinien die Vorschläge des Funser- Ausschusses als Derhandlungsgrundlage annehmen, Italien sie aber ablehnen werde. In diesem Falle würde es der Völkerbund nicht nötig Haben, mit gefalteten Händen auf den italienischen Angriff iiu warten. Der Dölkerbundsrat würde in der Lage sein, auf Grund der Artikel 10 und 11 der Völker- sundssatzung geeignete Abwehrmahnah- rn e n zu beschließen. Falls die Dinge sich in der erwarteten Richtung entwickele, bestehe Grund zu der Annahme, daß der Völkerbund dies auch tun werde. Der Bericht wiederholt dann „auf Grund zuverläs- iiger Informationen" die schon öfter in der Presse geäußerte Vermutung, daß Mussolini seine Truppen nur soweit in Abessinien einrücken lassen wolle, »aß er einen vorteilhaften Frieden abschließen Vönne, doch scheine Rom die Tatsache unbeachtet zu I rassen daß der Völkerbund nicht in der Lage sein werde, eine BelohnungfüreinenAngriff sju gewähren.
Der Berichterstatter schließt:
Zwei neue Faktoren sind in Mussolinis Berechnung eingetreten. Der erste ist der kraftvolle und entschlossene widerstand des Völkerbundes unter Führung Grohbritan- niens. Der Duce sucht etwaigen aktiven Mahnahmen Großbritanniens dadurch zu begegnen.
Genfer Vefprechungen über Sühnemaßnchmen gegen Italien.
Er sei in arabischer und französischer Sprache abgefaßt und würde durch geeignete Lichtbilder ergänzt. Don italienischer Seite beeinflußte Aussätze in den arabischen Blättern wenden sich an die ägyptische Empfindlichkeit und behaupten, die Verteidigung der abessinischen Souveränität durch Großbritannien verttage sich nicht mit seiner Weigerung, Aegypten wahre Unabhängigkeit zu geben. Schließlich richte derRundfunksender Bari täglich in arabischer Sprache bösartige Angriffe gegen die brittsche Polittk im nahen Osten.
Die Sicherung Aegyptens.
London, 17. Sept. (DNB.) „Star" steht der Begründung für die Entsendung von italienischen Verstärkungen nach Lydien skeptisch gegenüber, weil diese Maßnahme in Wirklichkeit den Versuch darstelle, die Aegypter ein- zu schüchtern. Tatsächlich sei man in Aegypten sehr beunruhigt, weil man über keine nennenswerten eigenen Streitkräfte verfüge. Aus diesem Grunde wende man sich auch an England um Schutz. „Star" hält den Augenblick für gekommen, um eine aufrichtige englisch-ägyptische Zusammenarbeit unter Verzicht auf kleinliche Em- mischungsversuche in die inneren Angelegenheiten Aegyptens zu sichern. Zn der geheimnisvollen Zusammenziehung italienischer Streitkräfte auf Rhodos und den benachbarten Inseln habe England eine mögliche Bedrohung P a l ä st i n a s zu sehen. Die verdächtige Ansammlung italienischer U-Boote und Zerstörer in den griechischen Gewässern hat offenbar den Zweck, für den Fall von Sühnemaßnahmen Vorkehrungen für eine Beschlagnahme der Handelsschiffe anderer Mächte zu treffen.
London, 18. Sept. (DNB. Funkspr.) Nach Pressemeldungen aus Genf sind dort st r e n g vertrauliche Besprechungen über die Frage der Anwendung von etwaigen Sühnemaßnahmen gegen Italien geführt worden. Die Anregungen hätten sich aber nur auf wirtschaftliche Sühnemaßnahmen bezogen. Dabei soll, wie Reuter berichtet, eine internationale Autorität erklärt haben, Oe st erreich habe die Schlüssel st ellung. Angenommen, es fei möglich zu verhindern, «daß Italien auf dem Seewege bestimmtes Material erhalte, dann liege die Frage der Belieferung vom Lande her über Frankreich, die Schweiz, Oesterreich und Jugoslawien nahe. Wenn Frankreich und Jugoslawien Sühnemaßnahmen zustimmen würden, die Haltung Oesterreichs aber ungern i ß bleibe, dann würde die Schweiz keinen Schritt tun können. Die Stellung der Schweiz sei
Um eine technische und militärische Verbindung zwischen Armee und Miliz herzustellen, hat Mussolini eine besondere Behörde unter seiner direkten Kontrolle eingerichtet, der ein General, gewissermaßen als Minister der Miliz, vorsteht. In allen Offiziers- und Unteroffiziersschulen sind der Faschismus, feine Lehren, Einrichtungen, staatlichen Auffassungen und Ziele Lehrfach. Um in der Armes Verständnis zu wecken für die Art und Bedeutung wirtschaftlicher und sozialer Fragen und Organi- fation, das heißt für jene Dinge, die dem Soldaten am fernsten zu liegen pflegen und ihn einem Staat mit sozial-revolutionärem Gehalt gegenüber zu einer kastenmäßigen Abschließung oder geheimen Gegnerschaft verleiten könnten, werden auf Anordnung Mussolinis die technischen Führer der Armee mit Vertretern der Unternehmer- und Arbeiterschaft zu» Bespechung und Beratung der gemeinsamen Aufgaben der Landesverteidigung und Kriegsführung in Verbindung gebracht. Seine Ziele, die Militarisierung der Nation und die Erfüllung der Armes!
Piemont und der Faschismus.
Die einzige militärifche und foldattfche Tradition in Italien ist die Piemonts, des kleinen Stammlandes des favoyischen Hauses, des Kern- landes des Königreiches Sardinien, von dem die nationale Einigung Italiens ausgegangen ist. Sie ist spärlich mit kriegerischem Lorbeer geschmückt, denn sie hatte viele Enttäuschungen und Mißerfolge auf blutigen Schlachtfeldern zu über- winden; aber sie ist ehrenvoll durch das zähe Verfolgen eines nationalen Zieles, durch Manneszucht, Ritterlichkeit und durch treuen Dienst an der Dynatt e und ihrer historifchen Aufgabe. Die pienwnte- ische Tradition war auch die der italieni- ch e n Armee; sie bildete im demokratischen Parteienstaate das schützende Bollwerk gegen republikanische Bestrebungen und legte sich wie em Mantel über die Neigung, regionale Unterschiede in dem spät zusammen geschweißten Lande zu betonen, die nicht geringer ist, als in Deutschland. Der Vergleich Piemonts mit Preußen ist bekannt; er bezieht sich auf den nüchternen, arbeitsamen, männlichen Charakter des einzelnen, rote auf die historische Leistung der Politik und der Armee. Gemeinsam ist auch das hohe Maß von Achtung und Bewunderung, wie das minder hohe von Liebe und Fügsamkeit, das ihm von den anders aearteten Gliedern der Nation entgegengebracht wird.
Bei Uebernahme der Regierungsgewalt durch den Faschismus folgte die Armee nicht nur äußerlich, sondern auch in ihrer Gesinnung der Tradition des Hauses Savoyen, national-revolutiona- ren Bewegungen keinen Widerstand entgegenzusetzen, sondern sich mit ihnen zu verbünden Die Armee bejahte den nationalen Gehalt des neuen Regimes; wie sie sich zu seinen übrigen politischer Lehren und Programmen stellt, mag zweifelhaft bleiben. Wer die Entwicklung des faschistischen Italiens verfolgte — und die ganze Welt tat es, weil es werbend und beispielhaft wirkte — erinnert sich, daß besonders in den ersten Jahren viel von Gegensätzen zwischen Armee unö Faschismus die Rede war und daß dessen innere und äußere Gegner darauf ihre politischen Kombinationen und Weissagungen zu knüpfen pflegten. Die sie begleitende Kolportage liebte es, dem Thronfolger eine besondere Rolle dabei zuzuschreiben. Wenn man als Kern dieser unernsten und unkontrollierbaren Gerüchte nach einem staatspolitischen Problem sucht, so ist es folgendes:
Der Faschismus war kein Regierungswechsel, sondern eine Umwälzung, die den ganzen Staat, also auch die Armee ergriff und beansprucht. Er brachte, was hier vor allem wichtig ist, eine bewaffnete Macht mit, die faschistische Miliz der Schwarzhemden, mit der er den Staat erobert hatte. Die Stärke dieser Parteitruppe, die sich nur aus Freiwilligen und Mitgliedern der Partei zusammensetzt, beträgt gegenwärtig an die 400 000 Mann, die auf den Duce zu unbedingtem Gehör- sam vereidigt sind. Die Aufgabe der Miliz war zuerst die Niederhaltung des politischen Wider- stands, die politische .Kontrolle des Landes und feiner öffentlichen Einrichtungen, Verwendung im Luft-, Grenz- und Küstenschutz usw. Sie steht bis auf einige Formationen mit besonderer Aufgabe nicht unter den Waffen, ist aber militärisch ausgebildet, genau nach dem Vorbild der Armee gegliedert und wird von Offizieren des Beurlaubtenstandes befehligt, bildet also politisch wie militärisch eine Reserve zu sofortiger Verwendung.
Der Faschismus verfügt so über eine eigene Armee mit zunächst politischer Aufgabe, die aber jeden Augenblick militärisch werden kann. Daß das Nebeneinander-Bestehen zweier Armeen, von denen die eine auf den Staat, nicht auf die Partei, dis andere auf den Staat und die Partei verpflichtet ist, liegt in der Natur der Sache und der Menschen, die ihr dienen. Die großen Gesichtspunkte pflegen in solchen Verhältnissen weniger Schwierigkeiten zu machen, als die kleinen, die bedeutenden Menschen weniger, als die zu Jntrigue, Eifersucht oder Eitelkeit neigenden. So mag auch die Arbeit an diesem staatspolitischen Problem, die von piemontesischer Tradition erfüllte königliche Armee geistig und poh- tisch mit dem bewaffneten Faschismus auf eine Liste zu bringen, häufigen Störungen und Schwierigkeiten begegnet fein, die in jenen Gerüchten und Spekulationen ihren sensationellen Niederschlag gefunden haben. Tatsache ist nur, daß man aus verschiedenen Anzeichen und Vorgängen die Erfassung und Auflösung des Problems und die ordnende Hand Mussolinis erkennen kann, dem die Miliz als ihrem Schöpfer und Führer, die Armee als dem lauten Herold soldatischer Tugenden, als dem militärischen Erzieher der Jugend und als dem nationalen Erwecker in gleicher Weise verpflichtet
In Aegypten bemühen sich die britischen Militärbehörden um genaue Angaben über die Straßen nach der westlich gelegenen Wüste und um die Schaffung von telephonischen und telegraphischen Verbindungen dorthin. Die ägyptischen Behörden sollen bereits eine Aufteilung und Verstärkung der dort vorhandenen Streitkräfte oorgenommen haben. Während die ägyptischen Grenzbehörden die Bewegungen italienischer Truppen jenseits der Grenze genau überwachen, stellten die Italiener bereits an mehreren Stellen eine Sperre aus Drahtverhauen her. Ein Teil der vor Alexandrien liegenden britischen Flotte ist inzwischen nach Port Said und dem Roten Meer verlegt worden. Einige Schiffe bleiben vor Suez und Jsmailia, andere liegen vor Port Sudan. Die Suezkanal- Zone wird stark überwacht. Der Bevölkerung ist bac Betreten bestimmter Bezirke streng verboten worden. Die britischen Behörden sind bei dem König Ibn Saud wegen der Ueberwachung der Küste des Hedschas vorstellig geworden.
Dailn Erpreß" meldet, aus Rom fei die überraschende Nachricht eingetroffen, daß 30 000 italienische Soldaten, die am Sonntag von Neapel anscheinend nach Ostafrika abgefahren waren, nach L y b i e n g e s o n d t worden seien. Aus Kairo werde berichtet, Italien habe bereits 80000 Mann in Lybien.
besonderer Art, da dieses Land in erheblichem Maß auf den Handel mit Italien angewiesen fei. Gemäß ihren Neutralitätsrechten nehme die Schweiz nicht an militärischen Maßnahmen teil und gestatte keine Truppenbewegung durch ihr Gebiet. Nach englischer Auffassung sei aber nicht einzusehen, was die Schweiz gegen roirt- chaftliche Sühnemaßnahmen vorzubringen habe. Auch die „Times" schreibt, bisher seien nur einige wirtschaftliche Sühnemaßnahmen erörtert worden, außerdem aber sei es zu einer unformellen Besprechung zwischen Sachverständigen über Derteidigungs maßnah men gekommen, die im äußersten Falle in bestimmten Gegenden notwendig werden könnten. Laval sei wahrscheinlich nicht gewillt, über rein wirtschaftliche Maßnahmen hinauszugehen. Man glaube sogar, daß er Italien ein Versprechen in diesem Sinne gegeben habe.
Der Genfer Berichterstatter des „Echo de Paris" ist stark beeindruckt, durch die Vorbereitungen, die die e n g l i f ch e Regierung getroffen habe. Sie mache ihre Flotte und ihre Luftflotte in steigendem Maße mobil, vor allem im Roten Meer. Mithin erwarte sie von den weiteren Verhandlungen mit Baron Aloisi nichts und fasse das schlimmste ins Auge. Es scheine, daß sich England gegenwärtig seiner Macht bewußt werde und plötzlich aus der äußersten Apathie in den Zustand der Energie verfalle. Es nähere sich wieder Frankreich, was chm um so eher möglich sei, als auch Laval sich für die Anwendung finanzieller und wirtschaftlicher Sühnemaßnahmen ausgesprochen habe. Man frage sich sogar, ob eine ausdrücklich betonte französisch-englische Solidarität nicht das sicher st e Mittel wäre, den abessinischen Schaden auf das Mindestmaß zu beschränken und den Frieden zu erhalten. Auch „Oeuvre" legt die Betonung auf die englischen Flottenvorbereitungen und auf die Aussichtslosigkeit der Annahme des Rahmenentwurfes des Fünfer-Ausschusses durch Rom. In den Wandelgängen Genfs kritisiere man sehr die französische Unterstützungspolitik für Italien. Man sei der Ansicht, daß Frankreich sicher mit Nutzen für feine internationale Stellung b i e neuesten Erklärungen Mussolinis hätte zum Vorwand neh- men können, um seinerseits bekanntzugeben, daß es diese italienische Politik wegen der Opposition nicht nur Großbritanniens, sondern noch anderer Länder nicht länger unterstützen könne.
Der „Matin" veröffentlicht, die Erklärungen Mussolinis, die Frankreich zu einer eindeutigen Stellungnahme aufforderten. Das Blatt erklärt, was dem einen recht fei, fei dem an« b e m billig. Selbst nach den Dölkerbundsfatzun- gen gebe es P o 1 i z e i o p e r a t i o n e n mit Maschinengewehren, Tanks und Flugzeugen, die nicht Krieg seien. Weshalb solle Italien nicht dasselbe Recht in Abessinien haben wie England im Irak oder in Indien? Weshalb könne Abessinien, selbst wenn es eines Tages einem römischen Reiche einverleibt werden sollte, nicht weiter Dölkerbunds- rni t glie d bleiben ro i e Indien, Irak und S ü b a fr i f a ? Es läge boch kein Grunb vor, über Europa einen Krieg zu entfesseln, weil sich Italien vorbehalte, Schwarze genau so zu behanbeln rote England Weiße behandelt habe.
Die italienische Propaganda in Aegypten.
London, 18. Sept. (DNB. Funkspr.) „Times" : berichtet über italienische Propaganda in Aegypten, die im letzten Monat besonders reae gewesen sei. Ihr Ziel sei offenbar, Italiens Haltung in möglichst günsttges Licht zu stellen, Großbritannien herabzusetzen, bte Gegensätze zwischen Großbritannien und Aegypten hervorzuheben und Großbritannien in Aegypten Schwierigkeiten zu bereiten. Hauptträger der Propaganda sei d e r italienische Nachrichtendienst der den ägypttschen Blättern unentgeltlich zugestellt werde.
Die Vorschläge.
Keine Erweiterung des Pariser Planes.
Paris, 18. Sept. (DNB.»Funkspruch.) Eine Agentur-Meldung aus Rom deutet bereits darauf «in, daß die Vorschläge, die der Fünfer-Aus- ch u ß Italien zur friedlichen Beilegung des (Streitfalles mit Abessinien machen konnte, von Musso- ini als unannehmbar abgelehnt werden. Heber die noch geheim gehaltenen Vorschläge i'es Fünfer-Ausschusses will der Berichterstatter des .Echo de Paris" sagen können, daß sie kaum über )«ie französisch-britischen vom 15. August in Paris ■itnausgtngen, d. h. ein hundertprozentiges nternationales Regime in Abessi- i i e n, wobei die abessinische Oberhohett auf eine Fiktion beschränkt würde. Dem Negus würde ein Hauptbeirat zur Seite gegeben, der weder Italiener, noch Franzose, noch Engländer fein Jiürfe (also keinem der Länder angehören solle, lieren Kolonien an Abessinien grenzen).
Der Genfer Sondervertteter der „Time s" beichtet interessante Einzelheiten über ben Staub der Fünfer-Verhandlungen. Baron Aloisi habe in einer Besprechung mit Laval erklärt, baß bie Vorschläge lies Fünfer-Ausschusses nichts zu enthalten scheinen, was für bie italienische Delegation ein Verbleiben in Genf ber Mühe w e r t machte. Laval habe barauf geantwortet, baß biefe Dor- rfjläge lebiglich als Erörterungsgrund- a g e und nicht als endgültige Lösung betrachtet »erben müßten. Die britische Delegation habe biefer Auffassung zugestimmt. Die Einzelheiten bes Berichtes sollten möglich geheim bleiben bis b i e A n t- »orten ber Abessinier unb Italiener ringegangen seien. Soviel könne aber gesagt werden, daß ber ausbrückliche Wunsch ber Abessinier nach wirtschaftlichem Beistand voll berücksichtigt »erbe, ebenso wie man bie italienischen Forberun- :,en berücksichtige, soweit ber Ausschuß sie für vernünftig halte. Die Behanblung von territorial en Zugestänbnissen im einzelnen sei n ich t Sache des Ausschusses. Solche Zugeständnisse müßten aus diplomatischem Wege Gehandelt werden. Es sei vorgesehen, daß die Ernennung von Beamten in Abessinien nicht -ohne Zustimmung des Negus erfolgen liürfe.


