diesen Treueanspruch verletzt, vergeht sich gegen den Geist der Volksgemeinschaft. Es ist der feste Wille der Reichsfachgruppe Hausgehilfen der Deutschen Arbeitsfront, in ganz Deutschland gleiche Richtlinien und damit gleiche Arbeitsbedingungen für Hausgehilfen zu schaffen, um einig in Wille und Tat, Reibungen und Gegensätze einer vergangenen Zeit au beseitigen. Klare, eindeutige Arbeitsbedingungen sind Voraussetzung für die Minderung und Beseitigung sozialer Spannungen. Das Gericht fordert sie als Beweismittel bei Auseinandersetzungen.
Das Arbeitsordnungsgesetz will zweifellos weniger ein „Herrschen und Dienen", als vielmehr eine auf Treue, Kameradschaft und Disziplin aufgebaute Hausgemeinschaft herstellen. Die deutsche Hausfrau wird stets über diese Mindestbestimmungen hinausgehen, um zu beweisen, daß sie von der Forderung unseres Führers Adolf Hitler nach Gerechtigkeit (Sozialismus) tief durchdrungen ist.
lieber der Arbeit der Reichsfachgruppe Hausgehilfen steht zum Besten für Hausfrau und Hausgehilfen im Zeichen der Deutschen Arbeitsfront:
Volksgemeinschaft — Hausgemeinschaft.
7ISOAP. Ortsgruppe Gietzen-Süd.
Einzug der hilfskassenbeiträge
von den im Bereiche der Ortsgruppe Gießen-Süd wohnenden SA.-Männern.
Alle Angehörigen der SA., RSKK., Reiter-SA., Marine-SA. und SS., soweit sie nicht Parteigenossen sind und im Bereiche der Ortsgruppe Gie- ßen-Süd wohnen, entrichten ihren Hilfskassenbeitrag für das 3. Vierteljahr noch am heutigen Dienstag, 18. Juni, zwischen 20.30 und 23 Uhr, in der Gastwirtschaft „Zum Tannhäuser", Frankfurter Straße Rr. 81. Nichtbezahlen des Hilfskassenbeitrags an diesem Abend hat Abmeldung bei der Hilfskasse in München zur Folge.
AS.-Gemeinschast,,Krast durch ftreu&e*
Noch 100 Plätze frei für die Rheinfahrt am 23. Juni.
Anmeldungen werden noch auf der Geschäftsstelle „Kraft durch Freude", Gießen, Schanzenstraße 18, entgegengenommen.
Tanzgastspiel Hannah Spohr und Tanzgruppe Lotte Müller am 23. Juni.
Das schon seit Monaten beabsichtigte Tanzgastspiel findet am 23. Juni, abends 7 Uhr, im Stadttheater statt. Alle Freunde dieser beschwingten, überall Freude bringenden Kunst sollten sich diesen Tanzabend ansehen. Hannah Spohr, längst in Gießen keine Unbekannte mehr, und die Tanzgruppe Lotte Müller, Frankfurt, bildeten den Kern der Tanzfestspiele, die im Januar d. I. von der NS. Gemeinschaft „Kraft durch Freude" vor fast 4000 Zuschauern im Hippodrom zu Frankfurt aufgeführt wurden.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 18. Juni. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,40 bis 1,42, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, dos Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 9, Wirsing (grün), das Pfund 10 bis 12, Gelbe Rüben, das Bündel 10 bis 15, Rote Rüben, das Pfund 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 12 bis 15, Bohnen (grün) 30 bis 40, Suppenspargel 25 bis 30, Spargel I 40 bis 48, Erbsen 30 bis 40, Mischgemüse 12 bis 15, Tomaten 60 bis 70, Zwiebeln 20, Schwarzwurzeln 45, Rhabarber 8 bis 10, Kartoffeln (alte) 4xk Pf., der Zentner 3,50 bis 4 Mark, neue, das Pfund 15 bis 20 Pf., Aepfel 60 bis 70, Kirschen 40 bis 60, Erdbeeren 45 bis 70, Nüsse 50, Tauben, das Stück 50 bis 60, Blumenkohl 10 bis 70, Salat 5 bis 10, 3 Stück 20, Salatgurken, das Stück 30 bis 45, Oberkohlrabi 8 bis 12, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Suppengrün 5, Radieschen, das Bünoel 8 bis 10 Pf.
Vornotizen.
— Tageskalender für Dienstag: NSDAP. Ortsgruppe Gießen-Süd: 20.30 Uhr Zellenversammlung der Zellen 4 und 5 im Hotel Hopfeld, Vortrag Pg. Dr. Dombrowsky: „In-
Gleiberglager
-er kulturwissenschastlichen Fachschast.
Von der kulturwissenschaftlichen Fachschaft wird uns bericytet:
Von Freitag, 14., bis Sonntag, 16. Juni, fand auf dem Gleiberg ein Arbeitslager der kulturwissenschaftlichen Fachschaft statt, auf der zum ersten Male Dozenten der gesamten philosophischen Fakultät mit Studenten unserer Fachschaft im Rahmen einer Lagergemeinschaft zu- sommenarbeiteten. Absichtlich war die Teilnahme auf unbedingte Freiwilligkeit gestellt, so daß mit etwa 25 Teilnehmern eine günstige Grundlage für verantwortungsvolle Arbeit gegeben war. Don der Philosophie, Kunst, Dichtung, weiter von der Ge- schichte, kamen wir zu den politischen Tagesfragen unserer Zeit. Ueberall sollte nach dem Lebenswert der einzelnen Wissensgebiete gefragt werden, es sollte von uns aus eine eigene Haltung und Entscheidung zu den an uns herangetragenen Wissensgütern gefunden werden.
Rur um diese geistige Auseinandersetzung wirksam zu fördern und vorzutreiben, haben wir die neue Form lagermäßigen Zusammenseins gewählt.
Am heißen Morgen des 14. Juni schleppten wir unsere Räder auf den Gleiberg. Um 9.30 Uhr wurde angetreten. Um 10 Uhr sprach als erster Professor Glöckner in umfassendem Sinn über die
„Aufgabe der Philosophie in unserer Zeit".
Schon hier wurde die Ebene grundsätzlicher Auseinandersetzung mit dem überlieferten Bildungsgut erreicht. Der Sprecher bezeichnete hauptsächlich die umspannende, sinngebende Rolle der Philosophie innerhalb des Wissenschaftsganzen. Unter Mitarbeit der Studenten wurden die einzelnen Gebiete der Philosophie in ihrer Dringlichkeit für die Gegenwart herausgehoben.
Nach dem Mittagessen sprach Dr. Schuchhardt über
„Die deutsche Baukunst im Verhältnis zur griechischen Architektur".
Er analysierte die höchste Verdichtung antiker Baugesinnung, das Parthenon, und zeigte, wie jeder Bauteil beseelt und seiner besonderen Aufgabe im Ganzen gemäß gestaltet wird. Dann berührte er an Hand von ausgewählten Lichtbildern die vier
großen deutschen Versuche einer Erneuerung der antiken Kunst: die karolingische Renaissance, die deutsche „Renaissance" um 1500, den Klassizismus der Goethezeit und die neuen monumentalen Bauten Adolf Hitlers. In der Aussprache klärte sich durch Initiative von Professor Rauch die andere, zuvor absichtlich im Schatten gelassene, gotische Seite des deutschen Wesens und ihre Ausprägung in der deutschen Kunstentwicklung. Den letzten Vortrag des Tages hielt Professor D i e t o r über
„Die Aufgaben des Germanisten im neuen Deulfchland".
Durch Dorttag und Aussprache wurde klar, daß Dichtung nicht nach einseitig „politischen" Gesichtspunkten ausgewählt werden darf, sondern daß aus einer Einwirkung auf den ganzen Menschen allein auch die Kraft zur politischen Tat erwächst. Es gibt aber nichts, was diese Aufgabe eher erfüllen könnte als die deutsche Dichtung in Ihrer Gesamtheit.
Nach dem Abendessen wanderten wir nach dem Vetzberg, kleterten da auf den Burgtrümmern und fangen noch ein paar Lieder des Volkes und der Bewegung. Der erste Tag hatte uns eine geistige Einführung, zugleich aber ein kameradschaftliches Zusammenfinden aufwachsen lassen, auf denen wir in den nächsten beiden Tagen weiter bauten.
Der nächste Tag gehörte der Geschichte. Nach Wecken, Geländelauf und Frühstück sprach Professor von Raumer über den politischen Sinn der neueren Geschichte. Das hauptsächliche Ergebnis war, daß uns die Begriffe Volk, Staat, Reich in ihrer ganzen Wirklichkeit und Schwere klar wurden. Unsere gegenwärtige volksdeutsche Aufgabe wurde abgehoben von der sakralen Reichsidee des Mittelalters und dem leeren, unbezogenen Staatsbegriff der Aufklärung. Dann fangen wir auf der Burg noch ein paar Lieder und Kanons.
Am Nachmittag sprach zuerst Professor T a e g e r über
„Antike und deutsche Gegenwart".
Er zeigte uns das Bild der Antike unter den Deutschen, von den ersten Germanenstürmen bis zu der Forderung unseres Tages. Die Aussprache wies darauf, daß die straffe Bindung des antiken Lebens, feine leibliche und seelische Zucht, seine unbedingte Eingeordnetheit in Staat und Mythos von unserer Jugend wieder begriffen werden kann, die
nach Einheit in der Lebensgestaltung sucht. Dann sprach Dr. Wellenbad) über
„Die Volkwerdung der Deutschen lm Mittelalter".
Alle entscheidenden und heute brennenden Fragen der deutschen Frühentwicklung, Germanentum und Christentum, die Bedeutung Karls des Großen, die Beweggründe zur Jtalienpolitik der deutschen Kai- ser wurden angerührt und klar und sicher entschieden.
Am Abend waren wir mit unseren Dozenten beim Kameradschaftsabend zusammen. Einfach und zwanglos wurden Lieder, Vorträge, Gedichte gebracht, auch das Lagerleben wurde in luftigen Versen besungen. Nach einer Polonaise durch die ganze Burg wurde getanzt, bis nach 12 Uhr Schluß gemacht werden muhte.
Der dritte Tag brachte uns politische Tagesfragen von entscheidendem Gewicht:
Unser Verhältnis zu den großen Deststaaten Frankreich und England:
Professor Glaser sprach über Frankreich. Er berührte sachlich die Verschiedenheiten in Gesinnung und Lebensweise der beiden Völker und versuchte Stellen zu zeigen, wo eine Verständigung und eine Aneignung des Fremden ohne Preisgabe des eigenen Volkstums möglich feien. Die Aussprache brachte die Gewißheit, daß aus der menschlichen Verbundenheit der Gelehrten, der Frontsoldaten und vor allem der Jugend beider Nationen die Kräfte zu einem gegenseitigen Verstehen fließen müssen. Ganz besonders gedankt wurde dem Franzosen M. B e r t r a n Ö für eine Erklärung, die jede Notwendigkeit einer Gegnerschaft zwischen den beiden führenden Völkern verneinte.
Professor Fischer, der über
„Englands Verhältnis zu uns"
sprach, betonte das germanische Bluterbe in den angelsächsischen Nationen. Er zeigte diese germanische Geisteshaltung im angelsächsischen Charakter an großen Gestaltungen und Dichtungen dieser Völker. Die Aussprache ergab, daß politische und kulturelle Annäherung sich gegenseitig stützen müssen: bei jedem Auseinanderfallen muß das gegenseitige Verständnis oberflächlich bleiben.
Da die Sonne, die sich seit Samstag früh verkrochen hatte, Sonntags um die Mittagszeit wieder durchbrach, machten wir gemeinsam mit unseren Lehrern eine Wanderung, die uns die aufgerührten Fragen noch einmal gemeinsam durchsprechen ließ. Um 17 Uhr schlossen wir unser Lager. Wir hatten versucht, ehrlich um eine Lösung wesentlicher Fragen unserer Wissenschaftsarbeit zu ringen, und wir glauben, auf diesem Lager eine Strecke weit vorgestoßen zu sein.
fektionskrankheiten". — NSG. „Kraft durch Freude". 19—21 Uhr: Fröhlicher Sport- und Spielbetrieb auf dem Universitätsfportplatz am Kugelberg: 21—22 Uhr: Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Liebe und die erste Eisenbahn". — Be- zirk Oberhessen der Deutschen Lebensrettungs-Ge- sellschaft: 19—20 Uhr: Lehrgang zur Vorbereitung zur Prüfung für den Grund-, Leistungsund Lehrschein in der Müllerschen Badeanstalt.
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** Eine Siebzigjährige. Am heuttgen Dienstag, 18. Juni, kann Fräulein Laura Ilgen im Haufe Sinder, Ludwiastraße 16, ihren 70. Geburtstag feiern. Lange Zeit stand Fräulein Ilgen dem Haushalt des vor einigen Jahren verstorbenen Schlachthofdirektors Dr. M o d d e vor. Die Jubilarin ist eine eifrige Leserin des „Gießener Anzeigers".
** Keine Anrechnung der Wahlrechtausübung für Danzig auf dem Erho - fungsurlaub. Die Zentralabteilung der Hef- fiischen Landesregierung teilt mit, daß auf Grund eines Erlasses des Herrn Reichs- und Preußischen Ministers des Innern vom 4. Juni 1935 von einer Anrechnung auf den Erholungsurlaub bei Beamten, Behöroenangestellten und -arbeitern, denen zur
Ausübung ihres Wahlrechts zum Danziger Volkstag am 7. April 1935 kurzer Urlaub erteilt worden ist, abgesehen werden kann. Die Gehalts- und Lohnbezüge find ungekürzt weiterzuzahlen.
** Jahresausflug des Eifenbahnver- eins Gießen. Am Sonntag unternahm der Eisenbahnverein Gießen, dem die Eisenbahner unserer Stadt und der Nachbarorte angeschlossen sind, eine Fahrt an den Rhein. Der Sonderzug am frühen Sonntagvormittag brachte die vielen Teilnehmer durch das Lahntal nach Nieder-Lahnstein. Eine fleißige Musikkapelle spielte frohe Weisen, und mit Gesang wurde in das Städtchen einmarschiert. Die meisten Reiseteilnehmer hatten Schloß Stolzenfels auf der linken Rheinseite als Ziel ausersehen. Das Schloß mit feinen vielen Sehenswürdigkeiten, schönen Fresken, Gemälden und Waffen wurde eingehend besichtigt. Die im 13. Jahrhundert entstandene Burg war im Jahr 1689 von den Franzosen zerstört worden, wurde aber fnäter nach den Plänen Schinkels von Friedrich Wilhelm IV. wieder aufgebaut. Der Turm im Innern des Schloßhofes bietet eine prachtvolle Sicht über den Rhein und seine Ufer. Am Nachmittag entwickelte sich in den Wirtschaften des Städtchens Kapellen und am Rheinufer ein frohes Leben. Andere Reiseteilnehmer fuhren zu Schiff rheinauf- oder -abwärts
zur Besichtigung anderer Sehenswürdigkeiten, an denen unser deutscher Rhein so reich ist. Auch Koblenz, der Ehrenbreitstein, Braubach und der Rote Hahn bei Arenberg wurden ausgesucht. Viel zu früh mußte nach der Meinung aller Mitfahrer die Heimfahrt angetreten werden. In später Abendstunde langten die Reiseteilnehmer, befriedigt von den vielen schönen Eindrücken des Tages, wieder in unserer Stadt an. Am kommenden Sonntag wird ein zweiter Sonderzuq die übrigen Vereinsmitglieder mit ihren Familienangehörigen an die gleichen Stätten bringen.
Spreamunven der Redaktion.
11.30 bis 12.30 Uhr. 16 bis 17 Uhr. Samskagnach- mittag geschloffen.
NIVEA
mild, leicht schäumend, ganz wundervoll im Geschmack.
Warum verkennst du mich, Varbara?
Roman von Liane Sanden.
llrheberrechtschutz: FünsiTürme-Derlag, Halle (S.)
12. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
14. Kapitel.
Die Tür hatte sich hinter Eckehard geschlossen. Barbara saß regungslos am Schreibtisch.
Fast ohne es zu wissen, hob sie den Briefumschlag auf, der in einer festen steilen Handschrift beschrieben war. Es ging wie ein Fluidum aus von diesen Buchstaben, wie eine heiße, süße Welle, die über ihr Herz hinwegging, sie kraftlos zu machen drohte.
Sie schluchzte auf. Wo war ihr Stolz? Wo blieb ihre Härte? Sie wußte ja ganz genau, daß Mackenroth an eine andere dachte. Magdalena und ir — wieder sah sie dies Bild vor sich: den Park heute früh, in Sonnenlicht getaucht Magdalenas hellblonden Kopf neben Mackenroths festgefügten, schönen Zügen. Warum wollte er so plötzlich fort? Sicherlich hing das auch mit Magdalena zusammen. Magdalena hatte ja erst vor einigen Tagen einen Brief von zu Hause bekommen. Man hatte bei ihr angefragt, wann sie zurückzukehren gedächte. In dem väterlichen Pfarrhause wurden alle Hände gebraucht. Die Frau Pfarrer schrieb, daß sie mit dem Einmachen der Erdbeeren beginnen müßte und den reichen Segen nicht allein bewältigen könnte.
Sicherlich, so hing alles zusammen. Eckehard von Mackenroth wollte nicht einen Tag ohne Magdalena hier sein. Da schob er denn einen anderen Grund vor, um seinen Vertrag mit Barbara möglichst schnell zu lösen. Wie pflichtvergessen von ihm! Seit wann war es Mode, daß ein Inspektor mitten im Sommer kurz vor der Ernte fein Abschiedsgesuch einreichte? Alles hätte sie von Eckehard erwartet. Nur nicht das. Wie muhte er Magdalena lieben, wenn er über dem Wunsche, mit ihr zusammen zu sein, seine Pflicht vergessen konnte!
Aber er sollte sich getäuscht haben. Sie bestand auf den Kontrakt. Sie hatte nicht Lust, jetzt mitten in der drängenden Arbeit sich nach einer neuen Kraft umzusehen. Dor der Erntezeit waren alle tüchtigen Gutsbeamten in festen Händen. Er mochte sich nur gedulden und feine Liebe zu Magdalena bezwingen. Pflicht war Pflicht. Und Vertrag war Vertrag.
Barbara überlas flüchtig das kurze Abschiedsgesuch Eckehards. Dann steckte sie es in den Umschlag zurück. Sie würde ihm die Antwort münd- Uch geben. Energisch schlug jjö das Wirtschaftsbuch
auf, das die Mamsell ihr allmorgendlich auf den Schreibtisch legte. Für die nächste Stunde durfte sie an nichts denken als an diese Obliegenheiten. Arbeit war das einzige, das über die Verwirrung' des Herzens hinweghalf.
Zuerst mußte sie an Herrn von Geczy telephonieren, um die dort frei werdenden Arbeiter anzufordern.
Geczy meldete sich nach kurzer Zeit selbst. Seine Stimme klang erfreut, als er sich nach ihrem Befinden erkundigte und ihr versicherte, wie reizend das Fest bei ihr gewesen wäre.
„Leider hat es sehr traurig geendet", erwiderte Barbara und erzählte ihm von dem Perlust der Zuchtstute. „Und denken Sie, Herr von Geczy", sagte sie, „hier ist jemand, der mir einreden möchte, daß dieser Tod des kostbaren Tieres kein Zufall ist. sondern daß irgendeine Art Sabotage dahin- tersteckt."
Herr von Geczy lachte auf:
„Aber ich bitte Sie, gnädige Frau! Das ist ja lächerlich! Ich weiß nicht, was die Menschen jetzt immer haben. An natürliche Zusammenhänge glauben sie schon gar nicht mehr. Es muß immer irgendein Verbrechen dahinterstecken. Lassen Sie sich von solchen Schauergeschickten nicht erschrecken. Die Arbeiter stehen Ihnen zur Verfügung. Sie werden froh sein, so schnell wieder Verdienst zu finden. Ich werde Anordnung geben, daß sie sich schon zu Mittag bei Ihnen melden."
Nachdem Barbara diese geschäftlichen Dinge erledigt hatte, begab sie sich auf ihren gewöhnlichen Rundgang durch das Haus und die Stallungen. Sonst geleitete Magdalena sie immer auf diesen Wegen. Als Landkind hatte Magdalena ja das größte Interesse an den wirtschaftlichen Dingen hier und bewunderte den großen Rahmen, in dem sich hier alles abspielte. Heute aber brachte es Barbara nicht über sich, Magdalena zu rufen. Sie mußte mit sich allein fein — sie konnte Magdalena jetzt nicht sehen.
Magdalena war vom Frühstück aus in ihr Zimmer geflohen. Der schöne helle Tag war ihr ganz vergällt. Sie konnte über Barbaras unbegreifliches Wesen nicht hinwegkommen. Womit hatte sie die Freundin nur gekränkt? Sie fand und fand keinen Grund. Am besten war es, sie schrieb den Eltern, daß sie bald zurückkehren würde. Denn wenn die Perstimmung zwischen ihr und Barbara weiterging, war ihr Aufenthalt hier für sie beide nur qualvoll.
♦
Die Mittagsglocken lauteten, als Barbara von ihrem Rundgang heimkam. Sie ging in ihr Zimmer, um sich zu erfrischen. Der Porsornrnertag hatte eine fast julimäßige Hitze mit sich gebracht. Umgekleidet erschien sie bald darauf bei Tisch. Don den Fremdenzimmern her kam nun auch Mgd-Iens. , ,
„Guten Tag, Barbara!" sagte sie und spähte ängstlich in den Mienen der Freundin.
„Guten Tag, Magdalena!" Barbara bemühte sich, die gewöhnliche Freundlichkeit in ihre Stimme zu legen.
Doch Magdalena mit ihrer Feinfühligkeit spürte, es war etwas Gezwungenes darin. Während der Diener lautlos servierte, sagte Barbara:
„Ich habe dich heute nicht heruntergerufen. Ich glaubte, es wäre dir für den Rundgang durch die Wirtschaft vielleicht zu heiß."
Ihr blasses, schönes Gesicht wurde unwillkürlich rot. Sie schämte sich selbst ob dieser Lüge. Aber sie konnte Magdalena ja nicht sagen, was der Grund ihrer plötzlichen Abwehr gegen die Freundin war. Gezwungen fügte sie hinzu:
„Du bist mir doch nicht böse?"
Magdalena erwiderte hastig:
„Nein, nein. Ich hatte auch zu tun. Ich habe einen Brief nach Hause geschrieben. Ich glaube, es ist besser, wenn ich möglichst bald Heimreise, Barbara."
Barbara sah Magdalena scharf an. Die erschrak vor dem mißtrauischen Blick aus Barbaras Augen.
„Warum willst du abreisen?" fragte Barbara kurz.
„Weil weil..."
Magdalena stotterte. Sie fand im Aagenblick nicht die richtigen Worte. Sie konnte doch Barbara unmöglich sagen, daß die Veränderung in ihrem Wesen der Grund für ihren eigenen Abreisewunsch war.
„Es ist nur, die Mutter schrieb, sie wird allein nicht mehr gut fertig. Und ich bin ja nun schon viele Wochen bei dir gewesen. Es wird dir schließlich auch zuviel, Barbara."
Ein Schweigen folgte, das Magdalena mit tiefem Weh erfüllte. Als Barbara sie hierher aufforderte, hatte sie geschrieben, daß sie Magdalena bis zum Herbst nicht wieder hergeben wollte. Ja, sie plante noch im Anschluß an die erledigten Erntearbeiten im September ober Oktober eine Reise nach dem Süden, zu der sie Magdalena einladen wollte.
Auf den Einwurf der Frau Pfarrer, daß sie so lange ohne ihr Töchterchen nicht bleiben könnte, hatte Barbara geantwortet:
„Denken Sie daran, meine liebe Frau Pfarrer, wie einsam ich bin. Ich habe keinen Menschen, an den ich mich hier recht anschliehen kann. Ich empfinbe es boch sehr stark, daß kaum noch befreundete Familien hier sind. Mit den anderen komme ich in keine rechte Fühlung. Magdalena ist meine einzige Freundin von der Kind- heit her. Gönnen Sie mir doch das Zusammensein mit ihr, solange Magdalena selbst will.. Auf diesen Brief hin war Magdalena gekommen. Kein Mißton hatte die Monate des Zusammen- lebens mit der Freundin hier getrübt, bis zu dem heuttgen Morgen. Der hatte die unbegreifliche Veränderung gebracht. Barbara fand ja nicht ein
mal ein Wort gegenüber Magdalenas Absicht der Abreise. Nicht einmal zu der einfachsten Höflichkeitsfloskel konnte sie sich aufschwingen.
Magdalena fühlte, wie ihr der Schmerz würgend in die Kehle stieg. Sie stand auf:
„Verzeih, bitte!" sagte sie mit erstickter Stimme. „Mir ist nicht gut! Ich möchte in mein Zimmer gehen!"
Fluchtartig eilte sie davon. Franz, der gerade mit der Speise von der Anrichte her kam, sah ihr erstaunt nach.
Auf Barbaras Stirn stand eine tiefe Falte.
„So servieren Sie doch weiter!" herrschte sie den Diener an, der immer noch Magdalenas lichter Gestalt nachschaute. Sie zwang sich, ein paar Bissen zu essen, obwohl auch ihr der Appetit vergangen war. Nun hatte sie ja die lückenlosen Beweise! Heute morgen Mackenroths Abschiedsgesuch — nun Magdalenas Mitteilung, daß sie daheim erwartet würde. Alles fügte sich zusammen.
15. Kapitel.
Mitten in ihr finsteres Grübeln klang das Telephon vom Herrenzimmer. Schon kam auch Franz und meldete:
„Herr Oberinspektor Rockesch ruft aus der Kreisstadt an, gnädige Frau."
Barbara ging hinein. Franz say ihr mit er- ftauntem und traurigem Gesicht nach. Was hatte nur die vergötterte Herrin heute? Sie war sonst immer so freundlich zu jedermann. Heute hatte sie ihn ein paarmal grundlos heftig angefahren. Fräulein Magdalena hatte auch so verstört ausgesehen. Er hatte es wohl bemerkt, wie sie mit den Tränen gekämpft hatte, als sie plötzlich den Tisch verließ.
Nachdenklich räumte er den Tisch ab und bemühte sich, vollkommen lautlos zu sein. Er mußte doch unten einmal den Fall mit der Mamsell Friederike besprechen. Sie beide waren ja der Herrin aus Hamburg hierher gefolgt, kannten sie von Kind an. Und wenn sie beide über Barbara sprachen, dann sagten sie immer noch: „Uns lütt Fräulein!"
Sie hatten sich beide nicht so recht an das fremde Land gewöhnen können und an die Tatsache, daß Barbara Frau von Stechow geworden. Wenn es nach Franz und Friederike gegangen wäre, bann hätte das lüft Fräulein einen ganz anderen Mann geheiratet — einen von den jungen Handelsherren aus Hamburg ober einen Mann wie — nun zum Beispiel wie ben Herrn Inspektor von Mackenroth.
Das war ein Mensch, wie man ihn von baheim kannte. Der Herr von Stechow, bas war schon etwas Frembes. Franz unb Mamsell Frieberike hatten bas gleich gesehen, wie ber Herr von Stechow bas erste Mal als Bräutigam auf bas Gut bei Blankenese gekommen war. Aber bas lütt Fräulein war ja ganz blinb unb toll verliebt in ihren Bräutigam gewesen.
(Fortsetzung folgt!)


