KU39 Drittes Blatt
(Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen)
Dienstag, (8. Juni (935
Aus der Provinzialhauptstadt.
Mehr Festlichkeit in der Familie!
„Man muß die Feste feiern, wie sie fallen", so heißt es. Aber warum soll man sich unbedingt daran halten? Natürlich — Weihnachten ist nur einmal im Jahr, und Geburtstage gibt es auch nicht allzuoft zu feiern. Aber muß man immer erst den Kalender befragen, ob wieder ein Fest an der Reihe ist? Man kann fo viele Anlässe schaffen, um einmal in der Familie besonders vergnügt zu sein
Man kann einigen Sonntagen im Jahr eine be- ondere Note geben, und schon bekommen sie einen estlichen Charakter. Ein Sonntag steht zum Bei- piel im Zeichen der Nelke. Ein paar Gäste werden eingeladen, man steckt ihnen beim Empfang eine Nelke an den Anzug und ans Kleid, man verteilt einige Vasen voll dieser duftenden Blumen im Zimmer, und diese Anordnung verleiht dem Raum und den Menschen ein einheitliches Aussehen, das sie festlich verbindet.
Ein Musikabend, ein Gartenfest mit Lampions — es gibt ja so viele Gelegenheiten zum Feiern.
Und man braucht sich gar nicht auf den Sonntag 3u beschränken. Wenn die Kinder einmal früh mit den Schularbeiten fertig sind, dann sagt die. Mutter plötzlich: „Los, zieht euch an, jetzt fahren wir hinaus!" Ich glaube, es gibt kein Kind, das sich über diese unerwartete Ankündigung nicht gefreut hätte
Eine Ueberraschung ist der anderen wert, und die Kinder können auch einmal von sich aus ein Familienfest veranstalten. Wir haben zu Hause oft und heimlich kleine Theaterstücke einstudiert, uns den Text selbst geschrieben und in verschlossenen Zimmern geübt. Und am Tage der Aufführung zeigten sich die Eltern samt den Verwandten, die wir vor der „Bühne" hübsch ordentlich auf Stuhlreihen gefetzt hatten, über die Maßen erfreut und erstaunt, wenn es ihnen auch schwer gefallen sein mag, aus unserem eifrigen und lauten Heben nicht schon vorher Schlüsse zu ziehen.
Es kommt also bei solchen Festen nicht auf große Geldausaaben an, sondern man braucht dazu, eine hübsche Idee, Phantasie und vor allem Bereitschaft zur Freude. Darum: Feiern wir Feste, wann immer wir Lust dazu haben!
Totenehrung durch Blumen.
Es ist eine uralte schöne Sitte, die Verehrung, von der wir für einen Heimgegangenen erfüllt sind, durch Blumenspenden zum Ausdruck zu bringen. Diese Sitte ist so tief mit dem Brauchtum des deutschen Volkes in Stadt und Land verbunden, daß ein Verzicht darauf nicht ohne Verletzung des völkischen Gefühlslebens erfolgen kann.
Es ist daher ganz abwegig, die Fülle der Blumen, die anläßlich des Heimganges verdienstvoller oder hochgeschätzter Personen gespendet werden, als Luxus oder Prunkentfaltung zu bezeichnen. Ist es nicht ein vielleicht unbewußt begangenes, aber dadurch nicht weniger großes Unrecht, die Blumenspenden lediglich vom Standpunkt des Kostenaufwandes zu betrachten? Sind sich die Menschen, die gleichzeitig mit der Anzeige von dem Heimgang eines Angehörigen den Wunsch zu erkennen geben: „Blumenspenden verbeten" bewußt, daß sie damit einen schönen Brauch zerstören helfen? Es darf doch nicht denen, die dem Heimgegangenen über das Grab hinaus Dankbarkeit, Verehrung und Liebe bezeugen wollen, verwehrt werden, dies zu tun.
Es ist bekannt, daß viele, die auf die Blumen verzichten möchten, es nicht tun, weil ihnen Blumen an sich unsympatisch sind, sondern, weil sie glauben, daß dieses Geld zum Besten armer Volksgenossen Verwendung finden könne. Diese Begründung ist aber vollkommen falsch, denn es ist sinnlos. Bedürftigen mit Mitteln helfen zu wollen, die man denen entzieht, die sie zu ihrer Existenzerhaltung nötig gebrauchen. Weder der deutsche Gartenbau noch die Blumenbinderei, die zusammen Hunderttausenden Brot und Arbeit geben, sind mit irdischen Glücks- gütern gesegnet. Ihnen die Einnahme nehmen, heißt Unterstützungsbedürftige schaffen.
Zur Musterung angeireten...
Der erste Musterungstag in Gießen.
Die Musterungspflichtigen melden sich, die Papiere
Wie überall im Deutschen Reich, so hatten sich gestern auch in Gießen die ersten Mannschaften der Jahrgänge 1914 und 1915 zur Musterung für das Heer bzw. zu dem Arbeitsdienst einzufinden. Die Wehrpflichtigen hatten sich im Wehrbezirkskommando, Liebigstraße 16, zu melden. Pünktlich waren alle zur Stelle. (Man tut gut daran, von vornherein keinen schlechten Eindruck zu machen!) Jeder hatte sich über seine Person auszuweisen. Die im Jahre 1914 Geborenen wurden für den Wehrdienst gemustert, die übrigen wurden für den Arbeitsdienst untersucht.
werden geprüft und die Personalien eingetragen.
Das äußere Bild, das sich in dieser Musterung bot, unterschied sich für den, der das Leben bei der Musterung in der Zeit vor dem Kriege kennt, kaum von dem der Vorkriegszeit. Mann für Mann standen sie hintereinander, um sich unter die kritischen Augen der Stabsärzte zu begeben. Da wurde denn, wie es üblich und notwendig ist, die Größe gemessen, das Gewicht geprüft, die Augen, das Gehör untersucht, es waren die obligaten zehn Kniebeugen zu machen, und dann legte der Arzt das Hörrohr an Herz und Lunge. Der Befund wurde in die Listen eingetragen. Schließlich konnte der
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Der Musterungsausweis, wie er bei der gestrigen Untersuchung ausgestellt wurde. (Aufnahmen |4|: Photo-Pfaff, Gießen.)
Musterungs- bzw. Wehrdienstpflichtige auch enun Wunsch äußern, zu welcher Truppe er gerne möchte, und wenn seine Körperkonstitution mit diesem Wunsch in Uebereinstimmung zu bringen war, dann kam der entsprechende Vermerk in den Musterungsausweis.
Nach dem Abschluß der Untersuchung gab der Wehrbezirkskommandeur noch einige grundsätzliche Aufklärungen über die Rechte und Pflichten der Gemusterten, die sich dann, sofern sie für tauglich befunden wurden, freudig auf den Heimweg begaben.
Die Musterungen werden heute und in den kommenden Tagen fortgesetzt.
Unsere Bilder vermitteln einen Eindruck von dem hochbedeutsamen Tag der ersten Musterung im neuen Deutschland.
Die Prüfung auf Farbensicht. Der Jahrgang 1915 hat sich beim Arbeitsdienst zu melden.
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Deutsche Arbeitsfront.
Am 2. Juli erster DAF. Kursus in der neuen Gauschule.
LPD. Der zuerst für Mitte Juni vorgesehene Beginn des ersten DAF.-Kursus in der neu eingerich-.
teten Gauschule ist nunmehr endgültig auf den 2. Juli festgesetzt worden. Die DAF.-Schule erfaßt in ihrem ersten Lehrgang die Kreisschulungswalter und einige Kreiswalter, um sie weltanschaulich und fachlich für ihre Aufgaben durchzubilden
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Neuordnung und Neuwertung der Arbeit in der Hausgemeinschaft.
Die Gauverwaltung der Deutschen Arbeitsfront teilt mit:
„Treue um Treue" ist der tragende Grundsatz aller Zusammenarbeit im Haushalt. Wer grundlos
»itmnrtor einaeaanaen. Man nennt 3. B. die wich' dannn yal er ganz \ )
Zeitwörter eingegangen. Man nennt z. B. die wich-
Fliegerdeutsch.
Von Kurt Aldag.
Wie jeder Beruf und jede Sportart eine eigene Sprache haben, so gibt es auch eine Sprache der Flieger, die von einem Außenstehenden zuerst nicht immer richtig verstanden wird.
Die Ausdrücke, die darin Vorkommen, sind keine Fachausdrücke im Sinne von technischen Bezeichnungen, sondern bilderreiche Wendungen und Wortschöpfungen. Hrsprünglich wurden sie nur von den Mitgliedern der Fliegertruppe des alten Heeres verstanden, doch heute haben sie dank der nicht aufzuhaltenden Entwicklung der Luftfahrt im ganzen deutschen Sprachgebiet Aufnahme gefunden.
Jedes Flugzeug, sei es das kleinste Ein-Mann- Segelflugzeug oder der Riese Do X, wird „K i ft e genannt, weil bei einigen der ersten Flugzeugtypen, 3. B. Euler, Farman, Wright, der Führersitz einer Kiste glich, hinter der Motor und Druck- vropsller angebracht waren. Ein schlechtes Flugzeug wird geringschätzig „Eierklste" oder "Klamotte" genannt. Wer mit einem Flugzeug Bruch macht, der „zerwichst" die „Kiste". 3et>er i)er davon spricht, daß er mit einem Flugzeug „fahren will oder der in ein türloses Flugzeug von rechts einfteigt bzw. nach rechts aussteigt, muß eine Strafe zahlen, die meistens aus einer „Runde beim Kantinenwirt besteht. (Hebngens befinden sich Türen bei Flugzeugen immer an der linken
Andere Steuerungsorgane des Flugzeugs sind Seitensteuer (Seitenruder) und Verwindung (Querruder). Beide ergänzen sich, um die Fall-, Steig- und Seitenböen zu parieren und den gewünschten seitlichen Kurs zu erreichen Reagiert ein Flugzeug nicht gut auf alle Steuerhilfen, so ist es „trage . Ausdrücke im übertragenen Sinn werden auch von der Verwindung gebraucht: Macht z. B. jemanb beim Billard- oder Kegelspiel Körperbewegungen nach der Richtung, in der di- Kug-W lausen sollen
tigste Tätigkeit des Beobachters: das Orientieren (heute amtlich „Orten" genannt), das „Fran- z e n". Der Beobachter „franzt Strich", wenn das Flugzeug in gerader Linie gesteuert werden soll. Bei einem Verfliegen hat er sich „verfranzt". Man spricht von einer „Fliegerehe" zwischen „Franz" und „Emil", weil sie sich gut vertragen und verstehen müssen. Ein Flugzeugführer — die amtliche Bezeichnung ist heute „Flugführer" — ist eine „Kanon e", wenn er außerordentliche Flugfähigkeit besitzt.
Vor der Landung nimmt der Führer Gas weg und geht in den Gleitflug über. Will er seine Flugfertigkeit zeigen, ober ist er gezwungen, auf kleiner Fläche zu lanben, so „b r e h t er Korkzie- h er", d. h. er macht einen Spiralgleitflug. Wenn das Flugzeug nahe über bem Boben ist, „fängt er es ab" unb läßt es „ausschwebe n". Dann zieht er bas Höhensteuer, woburch der Schwanzsporn zuerst auf dem Boden aufsetzt, das Flugzeug „rollt aus". Dieser Vorgang wird eine „Schwanzlandung" genannt.
Die Zahl der Umdrehungen des Propellers ober die „Tourenzahl" beim Motor ist immer geringer, wenn bas Flugzeug auf bem Boben steht ( auf Stanb"), unb nimmt zu („ber Motor holt auf") in der Luft. Einige sinnfällige Bilder sind der Arbeit des Motors entlehnt: Spricht jemand sehr schnell, so redet er „mit 14 0 0 Touren" (Die normale Drehzahl der Flugzeugmotoren in der Minute während des Fluges). Verliert jemanb beim Kartenspiel unb gewinnt bann, „holt er auf ober „kommt auf Touren";, gewinnt er bauernb, fo ist er „auf vollen Touren"
Die Umbrehungszahl eines Motors richtet sich ba- nach, ob der Führer Höhen- oder Tiefensteuer gibt ob er „zieh t" oder „druck t". „Ziehen heißt öen Knüppe l", den Steuerhebel zum Körper herziehen; das Höhenruder wird gehoben, baburch senkt sich der Schwanz, das Flugzeug steigt. Wenn der Führer „drückt", kehrt sich der Vorgang um. Beim Steigen läßt die Tourenzahl nach, weil der zu überwindende Widerstand größer ist.
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Nachdem nun die „Kiste" aus dem "Stall' (Schuppen, Halle) geholt ist, werden Betriebsstoff und Kühlwasser aufgefüllt, der Motor wird "durchgedreht" und „angel affen . Sie Start- mannfchast ruft dem Piloten zu: „H als - und Beinbruch!" oder „Gluck a b! Die „Kiste rollt an", um kurz darauf vom Boden abge^ hoben zu werden. Statt Starten sagen Flieger auch „abhauen", „lossaufen", „losbrummen oder „loszwitschern". Wer das erstemal m einem Flugzeug aufsteigt, wird meistens tüchtig „g e ] a) a u - feit" (natürlich nicht in Verkehrsmaschtnen).
Der Führer eines Flugzeuges wird jmmer „C m i l" genannt, der Beobachter „FrayS De-, Urheber letzterer Bezeichnung soll der Flieger eut- nant Blüthgen, ein Sohn des Dichters Victor Blüthgen, sein. Bei einem Manöver wurde er von dem kommandierenden General gefragt, wie |ein - --------)gen geantwortet
cht: ich rufe ihn
Beobachter heiße. Darauf soll Blüthl haben: „Exzellenz, das weiß ich nir Immer ,Franz<".
geben, d. h. er hat Seitensteuer und Verwindungs- klappey gegenteiliger Wirkung eingestellt.
Das höchste Lob für eine „Kiste" ist, daß sie schnell ist. Damit ist nicht nur gesagt, daß sie schnell fliegt. „Schnell" sind in der Fliegersprache die guten Eigenschaften überhaupt. Ein „schnelles" Mädchen ist ein schönes Mädchen. Das Gegenteil von „schnell" ist „l a u r i g". Schlechtes Wetter ist „lauriges Wetter". Bei verdorbenem Magen ist einem „laurig".
In den Anfängen der Fliegerei konnte man nicht bei jedem Wetter fliegen, sondern nur bei „Flugwetter". War es dagegen unsichtig ober regnete es Binbsaden, bann war „Fliegerwetter" ober auch „F l a s ch e n w e 11 e r", weil man sich bann unbedenklich zur Flasche setzen konnte. Die Wetterberichte erhält der Flieger von den „L a u b f r ö - s ch e n", das sind die Beamten der Wetterwarten, die Meteorologen.
Mit der Ausbreitung des Flugwesens dringen die Bezeichnungen und Wendungen aus dem Fliegerdeutsch immer weiter ins Volk. Ein Teil der Ausdrücke ist schon Allgemeingut geworden. Damit ist ihre Treffsicherheit am besten bewiesen.
Geheimnisse alter Automaten.
Vom Roboter, der bestimmte technische Aufgaben übernehmen soll, bis zum kleinen Kinderspielzeug herrscht der Grundgedanke, eine Beweaung und Tätigkeit, zu der bisher nur der Mensch fähig war, einem Automaten anzuvertrauen. Ein alter Mensch- heitslraum sucht in diesen Erstndungen seine Erfüllung. Schon im Altertum scheint es nicht an Bemühungen gefehlt zu haben, solche Automaten herzustellen. Sv erzählte man von den wandelnden Statuen, die Dädalus in Athen konstruiert habe, von einer fliegenden hölzernen Taube des Archytas aus Tarent und der sich fvrtbewegenden Schnecke des Demetrius Phalareus. Die seltsamen Maschinerien, von denen uns aus dem frühen Mittelalter berichtet wird, die Wasseruhr des Gerbert, die merkwürdigen Holzskulpturen im Dom zu Straßburg, die eiserne kriechende Fliege, die Regiomvntanus konstruierte, sie alle lasten erkennen, daß schon damals gelehrte Mechaniker sich mit der Herstellung von Automaten beschäftigten. Aber eine Industrie für solch selbsttätige Spielwerke entwickelte sich erst im Nürnberg des 17. Jahrhunderts, dessen Handwerker auch zu dieser mühsamen Arbeit die meiste Geschicklichkeit mitbrachten. Ludwig XIII. besaß schon als Kind 1608 eine Art Puppenhaus, in dem viele Gestalten verschiedene Bewegungen ausführten, die alle durch das Herabrinnen einer bestimmten Menge Sand veranlaßt wurden. Auch Ludwig XIV. erhielt in seiner Jugend ein höchst kompliziertes Spielwerk zum Geschenk: einen Galawagen mit acht Pferden
und einem Kutscher auf dem Bock. Wenn das Werk aufgezogen wurde, dann knallte der Kutscher mit der Peitsche und die Pferde bewegten ihre Beine, während das Gefährt dahinrollte. Aber die Vervollkommnung all dieser Versuche automatischer Kunstwerke hat erst der berühmte Mechaniker Vaucanson erreicht. Vaucanson verfertigte im Jahre 1738 eine Flötenspielerfigur, die ungeheures Aufsehen erregte. Der Einfall, ein solches Werk zu schaffen, soll ihm bei einem Spaziergang durch die Tuilerien vor dem flötenspielenden Faun des Bildhauers Coysevox gekommen sein. Seitdem ließ ihm der Gedanke keine Ruhe mehr, er erzählte seinem Onkel von diesem Plan, doch der hielt die Absicht, ein musizierendes Menschenwefen zu fabrizieren, für ein Zeichen von Wahnsinn und wollte den jungen Mann ins Irrenhaus sperren lasten. Vaucanson lieh scheinbar von seinem Vorhaben ab, aber heimlich lieh er sich unzählige kleine Teilchen anfertigen und grübelte rastlos darüber, wie sie zusammengefügt werden sollten. Endlich war das grohe Werk gelungen. Der Diener, der ihn bei seinen Versuchen unterstützt hatte, war vor Erstaunen außer sich, als er plötzlich die Figur sich bewegen sah und vernahm, wie sie harmonische Töne hervorbrachte. In seiner Verwirrung fiel er vor seinem Meister auf die Knie, um ihn als Halbgott zu verehren. Vaucanson hob ihn auf, und in der Freude über den Erfolg fielen sich beide in die Arme. Der berühmte Flötenspieler Vaucansons war 51/. Meter hoch und stand auf einem Piedestal. in dein sich ein Teil des Mechanismus befand. Die phantastisch gekleidete Figur spielte auf der Flöte elf verschiedene Stücke, bewegte die Lippe« und hatte ein lebhaftes Mienenspiel. Auch einen Trommler hatte Vaucanson konstruiert. Seine unübertroffene Hauptleistung aber war eine Ente, die die Fähigkeit hatte, zu trinken, zu schnattern und einen durchdringenden Schrei auszustohen. Sie konnte mit den Flügeln schlagen, sich aufstellen und den Hals nach links und rechts drehen, alles auf die natürlichste Weise. Vaucanson soll seine Erfindungsgabe auch praktischen Dingen zugewandt und eine Maschine für Spihenfabrikation erbaut haben. Man lieh fie aber nicht aufkommen, weil sonst die Spitzenarbeiter ihr Brot verloren hätten. Ein wenig später, im Jahre 1776 verfertigten zwei berühmte Instrumentenmacher, die beiden Droz aus dem Uhrmacherort la Chaux-de-Fonds einen Knaben, der an einem Tischchen sitzt und schreibt, und ein kleines Mädchen, das Klavier spielt. Die beiden Droz konstruierten sogar ein ganzes Panorama, in dessen Vordergrund zwei Rokokodamen ein Menuett aufführten, während im Hintergrund ein Dauer seinen Esel trieb, etn Schäfer auf der Flöte spielte und eine Schäferin die Mandoline schlug.


