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Ur. 139 Zweiter Blatt

(Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)

Dienstag, l8. Zum 1935

Kundgebung des Landesbischofs zur Deutschen Glaubensbewegung.

Das Landeskirchenamt der Evangelischen Landeskirche Nassau-Hessen bittet uns um die Veröffentlichung des nachstehenden Be­richtes:

Auf Anordnung des Landesbischofs der Evange. lifchen Landeskirche Nassau, Lic. Dr. Dietrich, ist an den Pfingstfeiertagen in allen Gottesdiensten der Landeskirche Nassau-Hessen die nachstehende Kund­gebung des Landesbischofs, Lic. Dr. Dietrich, verlesen worden:

In letzter Zeit macht sich eine verstärkte Tätigkeit bewußt nichtchristlicher Kreise gegen Kirche und Christentum auch in unserer Landeskirche bemerk­bar. Diese Gegnerschaft ist an und für sich nichts Neues. Seit alters ist das Kreuz ein Zeichen, dem widersprochen wird. Ein Teil derjenigen, die heute gegen das Christentum zum Kampf rufen oder zum Abfall von ihm auffordern, sind uns als frühere Freidenker bekannt. Wenn aber der christliche Glaube angegriffen wird, wenn gar Professor Hauer, der Führer der Deutschgläubigen, kürzlich in Hamburg einen öffentlichen Vortrag über die Frage hielt: kann ein Deutscher ein Christ sein? und uns Evangelischen damit die Zugehörigkeit zur Volks­gemeinschaft um unseres Glaubens willen absprach, wenn schließlich die Deutschs Glaubensbewegung in ihren Kundgebungen den Eindruck zu erwecken ver­sucht hat, als ob ihre Einstellung die allein dem Dritten Reich angemessene wäre, so müssen wir da­gegen unsere Stimme erheben.

In den drei Artikeln des christlichen Glaubens und in ihrer Auslegung durch Martin Luther ist aufs einfachste zusammengefaßt, woran wir uns halten. Uns trennt zunächst von den Deutschgläubi­gen ein für alle Mal die reformatische Erfahrung, daß der Mensch nicht von sich aus zu Gott gelangen kann, sondern daß er der Offenbarung von oben her bedarf. Es ist ein Selbsttäuschung, wenn der Mensch vermeint, aus eigener Vernunft oder Kraft, aus seinen Gefühlen heraus oder auf Grund irgend einer Moral zu Gott aufsteigen zu können. Dieser Wahn von der Selbstherrlichkeit des Men­schen hat immer wieder die Auflösung aller Bin­dungen, die Mechanisierung und Materialisierung alles gottgeschenkten Lebens verschuldet und seine letzten Folgerungen in Rußland gezogen. Wir in der evangelischen Kirche sind im Gegensatz dazu tief innerlich überzeugt, daß nur der Glaube, in dem sich der persönliche, allmächtige Gott durch Christus ge- offenbart hat, Glaube zu heißen verdient. Die Deut­sche Glaubensbewegung hat keinen Gott, der regiert, keinen Vater, der hilft, keinen Heiland, der erlöst. Wir können daher auch die Schöpfung nur unter der Hand des allmächtigen Gottes sehen Auch die natürlichen und geschichtlichen Bedingun­gen, die jetzt in ihrer großen Bedeutung für unser Volksleben neu entdeckt sind: Rasse, Blut, Boden, das natürliche und geistige Erbe unserer Ahnen, stellen wir unter das Licht und die Maje- tät des persönlichen, allmächtigen Gottes.

Die Gegner des Christentums behaupten, sie müßten Deutschland von Christus und seinem Kreuz erlösen. Das kann nur fordern, wer die furchtbaren Mächte dieser Welt, Sünde, Tod und Teufel, nicht in ihrer ganzen Furchtbarkeit versteht. Uns ist im Gegensatz dazu das Leben, Sterben und Auferstehen Christi das einzigartige Zeugnis der Bemühung Gottes um eine verlorene Welt und der Erweis der göttlichen Barmherzigkeit, die auf uns gerichtet ist.' Die Gegner des Christentums jagen, das Christentum habe die Menschen entnervt. Sie kehren die Tiefpunkte der christlichen Kirchen­geschichte hervor, anstatt den christlichen Glauben nach seinen Höhepunkten zu beurteilen. Aber gerade dss Christentum kennt auch echtes Heldentum; es weiß jedoch auch, daß der größte Held der ist, der sich vor dem noch größeren, nämlich vor Gott selbst beugt. Es kennt auch das Heldentum der Entsagung, auch das stille Heldentum des täglichen Lebens und den aufreibenden Kampf in der Enge des Werk­tages. Man kann Christentum und Kirche dem deut-

fchen Volke, vor allem der Jugend, nicht aus dem Herzen reißen, ohne eine unheilvolle Zerstörung anzurichten. Der Führer selbst hat auf die Tatsache, daß das Christentum und das Schicksal des deut­schen Volkes zusammengehören, hingewiesen, als er den Punkt 24 in sein Programm aufnahm und als er im März 1933 den christlichen Kirchen Schutz zusagte und sie zur Mitarbeit am Werk der natio­nalen Erneuerung aufforderte.

Leider hat gerade der häßliche Kirchenstreit den

Gegnern des Christentums einen unverkennbaren Auftrieb gegeben. Das sollte für uns alle eine Mah­nung fein, dem unfruchtbaren Zwist, den die Ge­meinden nicht wollen, den Abschied zu geben und uns zusammenzuschließen. So allein dürfen wir gewiß fein, daß Gott uns und unseren Kindern das Evangelium erhalten wird.

Darmstadt, den 31. Mai 1935.

Der Landesbischof: Lic. Dr. Dietrich

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KreuzerKarlsruhe" kehrt aus dem Auslande zurück.

Nach halbjähriger Abwesenheit kehrte der deutsche KreuzerKarlsruhe" von seiner Auslandreise zurück und machte an der Blücherbrücke in Kiel fest. Die Angehörigen der Besatzung und viele Zuschauer, die zur Marine-Volkswoche gekommen waren, erwarteten den Kreuzer. (Scherl-M.)

Vierzig Jahre Kaiser-Wilhelm-Kanal.

Kanal dem Weltverkehr übergeben Die bisherige Kanalsohle von 22 Meter war aus 44 Meter ver­breitert und um 2 Meter tiefer gelegt, die Breite des Wasserspiegels von 67 Meter auf 103 Meter gebracht. Besondere Kosten machten die riesigen Schleusenanlagen bei Brunsbüttel und Holtenau, die, auch heute noch wohl die größten der Welt, eine nutzbare Kammerlänge von 330 Meter haben, während die Schleusen des Panama-Kanals nur 305 Meter aufweisen. Wir können es uns heute überhaupt nicht vorstellen, wie Deutschland den See­krieg hätte führen sollen, wenn nicht der Kanal es gestattet hätte, jederzeit und vom Feinde unbe­obachtet Flottenabteilungen aus der Ostsee in die Nordsee zu werfen und umgekehrt, wie es die jeweilige Kriegslage verlangte

Waren es also hauptsächlich militärische Gründe gewesen, die zum Bau des Kanals geführt hatten, und stand er, entsprechend der Kanalordnung, bevor­zugt der Kriegsflotte in der Vorkriegszeit zur Ver­fügung, fo änderte fich dies nach Ausgang des Krieges; auch hier griff Versailles ein. Es wurde feftgetegt, daß der Kanal insofern eineinternatio­nale Handelsstraße" fein solle, als er allen Handels­schiffen zur Verfügung stehen, und die Gebühren lediglich zur Aufrechterhaltung des Betriebes dienen dürften, also nur niedrig fein sollten. Dies hat begreiflicherweise zu einer starken Hebung des Schiff­fahrtsverkehrs im Kanal geführt. Im Jahre 1933 passierten den Kanal 40 471 Fahrzeuge (1913 waren es 53 282) mit über 14 Millionen (10 348 000) Netto- Register-Tons. Aus diesen Zahlen geht eindeutig hervor, wie die Schiffsgröße feit 1913 erheblich zugenommen hat. Allerdings find die Zahlen des bisher besten Jahres, 1928, noch nicht erreicht, da- mals kamen 54 000 Schiffe mit über 20 Millionen Netto-Register-Tons durch den Kanal. Anderseits weijt aber die deutsche Beteiligung eine erfreuliche Steigerung auf, sie erreichte 1933 einen Prozentsatz von 76,75 v. H. hinsichtlich der Schiffszahl und 55,50 v. H. bei der Tonnage.

So hat der Kanal das, was man sich wirtschaftlich bei seinem Bau versprochen hat, durchaus gehalten. Die Abkürzung des Seeweges bei Benutzung des Kanals ist sehr erheblich; fährt der Frachtdampfer um Kap ©tagen etwa 22 Stunden, so benötigt er für die Kanalfahrt nur 12; das Segelschiff, das durch den Kanal geschleppt wird, macht sogar eine Ersparnis von mehreren Tagen und manchmal Wochen. So liegt auf der Benutzung des Kanals ein erheblicher wirtschaftlicher Nutzen. Dazu kommt die Verringerung des Risikos, das auf dem gefürch­teten Wasserwege durch Skagerrak und Kattegat, am Kap ©tagen, demSchiffsfriedhof" vorbei, ruht.

Am I8.3uni1895 erfolgte die Eröffnung.

Der Gedante, die langgestreckte, Nord- und Ostsee voneinander trennende Halbinsel durch einen Kanal zu durchqueren und so die beiden Meere durch eine gefahrenlose Wasserstraße zu verbinden, ist alt. Schon zur Zeit der Hanse war er aufgetaucht. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts gingen die Lübecker daran, von der Trave eine Wafferverbindung zur Del- venau, einem Nebenfluß der Elbe, herzustellen. Die­ser Wasserweg, einer der ältesten in ganz Europa, ist der Stecknitz-Kanal, der noch heute besteht. Dann haben sich die Könige von Dänemart darum bemüht, durch den Bau eines Kanals die gefürchtete Umfeg- iung um Kap Stagen zu vermeiden. Auch Wallen­stein trug sich mit dem gleichen Gedanken, doch kam er infolge Abberufung durch den Kaiser nicht mehr dazu, diesen Plan durchzuführen, wenngleich er bereits eine große Zahl Arbeiter angeworben hatte. Erst der Eider-Kanal (fertiggefteüt in den Jahren 1777 bis 1784) bedeutete eine wirklich brauch­bare Wasserstraße, die aber seit Einführung der Dampfschiffahrt den Ansprüchen nicht mehr genügen konnte.

Erst im Jahre 1878 kam Leben in alle Pläne und Projekte. Ein Hamburger Reeder, Dahlström, trat mit einer Denkschrift vor die Öffentlichkeit, in der er genaue Angaben und Berechnungen über einen zu bauenden Nordostfeekanal zwischen der Elbemündung und der Eider oder der Kieler Bucht

einreichte. So entstand das Reichsprojekt Bruns­büttel Rendsburg Kiel, für das das Reichsgesetz vom 16. Mai 1886 (Herstellung eines jür die Benutzung durch die deutsche Kriegsflotte geeigneten Schiffahrtskanals") die gesetzliche Grund­lage bedeutete.

Am 3. Juni 1887 legte der greife Kaiser Wilhelm I. es war sein letzter Besuch in Kiel den Grundstein zum Bau des später nach ihm benannten Kaiser-Wilhelm-Kanals. Entblößten Hauptes tat der fast 90jährige die drei Hammer­schläge mit den Worten:Zu Ehren des geeinigten Deutschlands, zu seinem fortschreitenden Wohle, zum Zeichen seiner Macht und Stärke!" Acht Jahre wurde gebaut, 1895, am 18. Juni, konnte in Holtenau in feierlicher Weise die Eröffnung erfolgen.

Vierzig Jahre Kaiser-Wilhelm-Kanal lassen die Frage berechtigt erscheinen: was hat diese Wasser­straße g e I e i ft e t, hat sie die an ihren Bau ge­knüpften Erwartungen erfüllt? Bei einer Länge von fast 100 Kilometer (Panama-Kanal 73, Suez- Kanal 160 Kilometer) hat der Kanal etwa 157 Mil­lionen Mark gekostet, 65 Millionen Kubikmeter Erd­reich hatten ausgeschachtet werden müssen. Die Er­weiterung wurde in den Jahren 1907 bis 1914 mit einem Kostenaufwand von 248 Millionen aus­geführt, am 2 4. Juni 1914, also kurz vor Ausbruch des Weltkrieges, wurde der erweiterte

Ernste Bibelforscher vor dem Hessischen Gondergerichi.

LPD. D a r m ft a b t, 17. Juni. Vor dem H e s -- fischen Sondergericht hatten fich heute 13 AngehörigederErnstenBibelforfcher zu verantworten, da sie entgegen dem bestehenden Verbot Zusammenkünfte abgehalten hatten, wobei aus dem Ausland mitgebrachte Zeitschriften mit dem unglaublichsten hetzerischen Inhalt zur Ver­lesung kamen. Die Angeklagten Frau Amalie B o - t e n s, die in Holland wohnt, aber augenblicklich in Deutschland weilt und verbotene Schriften aus der Schweiz mitbrachte, sowie der 57jährige Franz Egle aus Frankfurt a. M., der Bezirksoberer war, und der 41iähriae Christian Kalt wasser, die die verbotenen Schriften weiterverbreiteten, wurden zu je oier^Monaten Gefängnis verurteilt. Die übrigen Angeklagten erhielten je einen Monat Gefängnis, während zwei Angeklagte mangels Be­weises freigesprochen wurden.

Lautsprecher

zur Verständigung der weisenden.

Eine Neuerung der Reichsbahn.

LPD. Frankfurt a. M., 17. Juni. Die Reichs­bahn hat anläßlich des Reichshandwerkertages zum erstenmal in Frankfurt a. M. auf den Haupt- ankunftsbahnhöfen Frankfurt a. M.-Süd und

Die Tankstelle.

Von 3o Hanns Rösler.

Ich habe die ideale Tankstelle entdeckt. Gar nicht allzuweit einer Stadt, märchenhaft am Waldesrand gelegen, ein See lag daneben, Blumen wuchsen um das Haus, ein unbeschreiblicher Ausblick ins Gebirge, alles in allem, die Tankstelle sah so aus, wie sie m den bunten Prospekten unserer großen Benzinfirmen abgebildet ist.

Mein Wagen hielt, um fünf Liter Benzin zu tanken. Bevor noch der Wagen stand, eilten zwei bildhübsche blonde Mädchen, sichtbar Zwillmgs- schwestern und in gleichen Kleidern, heraus und begannen, ehe sie noch nach meinem Begehr fragten, die Scheiben zu putzen. Sie fangen dazu zwei­stimmige Volkslieder des Landes, erröteten, wenn sie mich ansahen, und lächelten, als sie meine Ver­legenheit bemerkten. Inzwischen war auch der Vater der beiden Mädchen erschienen, bot mir sofort eine Zigarette an und lud mich ein, inzwischen auf einer Bank Platz zu nehmen, die zwischen Jasmin- sträuchern versteckk unmittelbar zwischen der Tank- stelle und dem Waldsee lag. Kaum saß ich dmst erschien die jüngste Tachi-r der Tankstelle nach schöner, noch blonder als die beiden Zw.llmgs- schmestern, sie brachte mir eine Tasse Kaffee: unb zwei Stück hausgebackenen Kuchen und setzte sich zu mir, ganz dicht neben mich. (Sogar eine Lerche begann zu fingen, es war, als ob auch fie daraus gewartet hätte, bis ich Platz genommen, und ihr Lied nur so lange zu singen beabsichtige, rote ich hier verweilte. Dom Walbesrand gegenüber näherten sich drei Rehe, ein Fuchs schnürte vorüber und über den See strichen drei Reiher. * .

Inzwischen wusch man meinen Wagen, schmier e die Federn, kontrollierte die Reifen, prüfte die Bremsen und den Batteriestand, füllte Wasser nach aus der Blumenvase nahm man den schon muöen Flieder und steckte einen Strauß fnfchgepfluckter Wiesenblumen hinein. Ja nicht genug damit, Der rechte Scheibenwischer war ein wenig morjcy g - worden und man ersetzte umsonst beide Gummi- jtreijen durch neue. , . - f

Ein zweiter Wagen hielt und verlangte D wechjel und dreißig Liter Benzin. Aber er mußt weiterfahren. Man wies ihn an die nächste -tanr^ stelle, zwei Kilometer weiter, und bedauerte, letzl oe- schäftigt zu sein und dem Gast gegenüber nicht Den schäftigte zu jein und dem Gast gegenüber nicht Den Eindruck erwecken zu wollen, das Notroendiaite in Uebereile auszuführen

Das Mädchen neben mir war von einer bezau­

bernden Schönheit, sie küßte mich zum Abschied mitten auf den Mund.

Liebst du mich denn?", fragte ich beinahe er­schrocken.

Sie lächelte freundlich: Kundendienst, mein Herr."

Als ich weiterfuhr^ brachte mir noch der Tank­wart die neueste Tageszeitung und sämtliche Stra­ßenkarten von ganz Deutschland. In der Schlüssel­kette hing ein kleines silbernes Amulett, neben dem Führersitz eine wenn auch nicht sehr große, doch vorbildlich eingerichtete Reiseapotheke. Der Tank­wart grüßte, die Mädchen winkten, die Rehe wech­selten in den Wald zurück und ich vergaß ganz, daß ich eigentlich hier gehalten hatte, um fünf Liter Benzin zu tanken. So fuhr ich mit halbleerem Tank weiter, zwei Kilometer, bis zur nächsten Tankstelle. Und hier war eine mürrische dicke Frau, die den Schlüssel im Hause vergessen hatte, kein Wechselgeld besaß und sich nur ungern davon ab-- halten ließ, das Benzin in den Kühler und Wasser in den Tank zu füttern

Die Liebe und die erste Eisenbahn."

Ein Biedermeier-Scherz der Ufa, der im Jubi­läumsjahr der deutschen Eisenbahn nicht ohne kul­turhistorisches Interesse ist. Die Handlung nach dem BühnenstückAlt-Potsdam" - ist allerdings nicht sehr aufregend und das beschauliche Tempo, in dem der erste Zug der Strecke Berlin-Pots­dam nach vielen Kämpfen, Intrigen und Schwie­rigkeiten über die Geleise wackelt, hat sich auch sonst auf diesen Film übertragen. Dabei hat sich die Spielleitung von Hasso Preis sichtlich viel Mühe gegeben, die Sache im Technischen, in Ko­stüm und Zeitkolorit so stilgerecht wie möglich her­auszubringen. Gegen Ende wird es sogar emma richtig spannend, wenn die erste .Eisenbahn mit der vierspännigen Postkutsche um die Wet^ fahrt. Ein humorvoll-kleinbürgerliches Posthalter-Ehepaar geben Ida Wüst und Jakob Tiedtke; Kann Hardt ist die verliebte junge Dame, der es we­niger auf die Eisenbahn als auf den Dampfwagen- Jnaenieur Miller ankommt, der in Znlmber und ©choßrock das abenteuerliche Vehikel selber steuert: Hans Schlenk; von den übrigen nennen roir die Nikolajewa, Gülstorff, a m per 5 und Westermeier, der recht lustig den berühm­ten Eckensteher Nante macht. Harald Bohmel schrieb eine hübsche Musik dazu. - Der Film lauft eit qestern im L i ch t s p i e l h a u s ; im Vorma- nromm ein Lust,Niel und em Kulturfilm mit Bil- . denn aus dem Lande der Pyramiden. r

Eröffnung der Marburger Festspiele.

Die schöne alte Universitätsstadt Marburg steht wiederum im Zeichen der Festspiele, die für ihre neunte Spielzeit ihre Pforten geöffnet haben. In den geschmückten Straßen wehen die Fahnen des Reiches und der Verbindungen, welche in diesem Jahre früher als sonst ihre Stiftungsfeste feiern. Dem ersten diesjährigen Festspiel, Shake- jpearesSommernachtstraum", welches zugleich die Festvorstellung anläßlich des zehnjähri­gen Bestehens der Marburger NSDAP.-Ortsgruppe bildete, wohnte neben anderen hohen Parteiver­tretern Gauleiter Staatsrat W e i n r i ch bei. Vor Beginn des Spieles überbrachte ein Vertreter des Reichs-Propagandaministeriums und der Reichs- theaterkammer deren Grüße und Glückwünsche. Ein ausgezeichnetes, ausgelassenes Ensemble schuf bann wieder einenSommernachtstraum", wie er wohl nur auf der wuchtig breiten Marburger Schloßpark­bühne ausgebeutet werben kann. Der Geist ber Gejamtaufführung ist ber gleiche geblieben wie in ben vorhergehenben Jahren; es mürbe eine kaum zu übertreffenbe Glanzleistung geboten. L.

Hessischer Dichtertag in Babenhausen.

Im vergangenen Jahr hatte ber Hessische Dichtertag in Butzbach großen Anklang ge- funben. Der Dichtertag 1935, bas Treffen ber hes­sischen Dichter unb Schriftsteller im RDS. in Babenhausen fanb einen noch größeren Zuspruch. Unter bem LeitsatzDie Heimat ruft" waren bie Dichter unb Schriftsteller mit vielen Gästen unb offiziellen Vertretern ber Einlabung ber Stabt Babenhausen gefolgt; bie Veranstaltung stanb im Zeichen ber Arbeit unb ber Verbunbenheit von Volkstum unb Heimat. In seiner Begrüßungs­ansprache hieß Bürgermeister Klein bie An- wesenben herzlich willkommen unb gab einen Ab­riß der Geschichte Babenhausens, der durch einen Gang durch die alten Straßen des schönen Städt­chens vertieft wurde. Namentlich die Besichtigung der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Stadt­kirche war ein seltenes Erlebnis, denn der Baben­häuser Altarschrein ist ein ebenso kostbares wie un­bekanntes Kunstwerk im Mittelrheingebiet. Bei der offiziellen Feier gab Bürgermeister Klein u. a. die Stiftung eines Dichterpreifes für ben besten Aufsatz über Volkstum im national­sozialistischen Sinne bekannt. Gaugeschäftsführer bes RDS. Pg. Schreiber bankte für bie herz­liche Aufnahme, Kreisvresseamtsleitcr Kratz (Die­burg) schilderte ,bie Aufgaben der Künstler und

Dichter im Leben der Nation. In einer Feierstunde wurden im Schloßhof Vorträge, Volkstänze und Musikvorträge geboten, denen die Einwohnerschaft starken Beifall zollte. Groß war auch die Anteil­nahme der Bevölkerung am Bunten Abend im Hotel Deutscher Hof. Die Dortragsfolge brachte nach einem stillen Gedenken für die Opfer der Arbeit in Reinsdorf einen bunten Strauß von Darbietungen. Richtungweisende Worte sprach im Namen der (Bauleitung des RDS. Dr. Hans G e i s 0 w (Frank­furt a. M.). Umrahmt von Musikstücken der Kapelle der Babenhäuser Flieger, wurden Ausschnitte aus ernsten und heiteren Werken der Heimatdichter und Schriftsteller zu Gehör gebracht, so u. a. von Do­rothea H 0 llatz, Paul Appel, Ernst Heber- mehl, Georg Löffler, Robert Schneider usw. Der Organisator des Dichtertages 1935, der Hanauer Dichter Heinrich Philipp Tempel, darf mit dem inneren und äußeren Erfolg des Tages zufrieden fein.

Mittelrheinische Aerztetagung.

Am Sonntag fand in Bad - Nauheim bie 7 3. Versammlung ber mittelrheini scheu Aerzteschaft statt. Professor R e i n ro e i n (Gießen) sprach über bie Erkennung unb Behanb- lung bes Ioma Diabeticum, jener tiefen Bewußt­losigkeit, bie bei Zuckerkranken auftreten kann Pro­fessor Martini (Bonn) machte interessante Aus­führungen über bie Kreislauf-Therapie bei akuten fieberhaften Erkrankungen unb erwähnte habet Tierversuche, bei benen er ben Einfluß von Digita­lisstoffen bei künstlich erzeugtem Fieber prüfte. Der Heibelberger Professor S ch e l l 0 n g sprach über bie Dehanblung bes akuten farbiaten Lungen-Oebems, einer Lungenerkrankung, bie mitunter bei Herzkrank­heiten auftritt unb bie burch Nitrite besonders gut bekämpft werden kann. Professor Kirschner (Heidelberg) berichtete über neuere Bestrebungen in der ©chmerzbekämpfung in seiner Heidelberger Kli­nik. Dort erhalten nunmehr 20 v. H. aller Operierten eine allgemeine Narkose. Bei den anderen 80 v. H. gelingt es, durch besonders verfeinerte Methoden ber Lokalanästhesie, bie ©chäbigungen, bie burch all- aemeine Narkose entstehen können, zu uermeiben. Professor Fischer (Gießen) behanbelte bie Nieren- unb Blasentuberkulose, bei bereu frühzeitiger'Er­kennung auf operativem Wege eine Heilung mög­lich ist. Professor von I a s ch k e (Gießen) berich­tete zum Schluß über Stillschwierigkeiten unb ihre Bekämpfung in ber Praxis. Am Vormittag wür­ben bie beiben wissenschaftlichen Institute, die B"de« nnla^e un* das Kanitzkystift besichtigt. Den Ab­schluß bildete eirr -gemeinschaftliches Mittagessen.