Einzelbild herunterladen

Nr. 139 Erstes Blatt

185. Zahrgang

Dienstag, 18. Zuni 1935

Erscheint täglich, nutzer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gietzener Familienblätter Heimat tm Bild - Die Scholle Monats-Bezugspreis:

Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte . 180 Zustellgebühr.. -25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewalt zernsprechanschlüsie unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Stehen

Postscheckkonto:

Zrankfurt am Main 11686

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vruL und Verlag: vrühl'sche UniverfitStLvllch- und Steindruckerei R. Lange in Stehen. Schristleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7

Annahme von Anzeigen für die Millagsnummer bis 8*/,Uhr des Vormittags

Grundpreise für l mm höhe für Anzeigen von 22 mm

Breite 7 Rpf., für Text- anzeigen von70mm Breite 60Rpf.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/0 mehr

Ermäßigte Grundpreise:

Stellen-, Vereins-, gemein­nützige Anzeigen sowie ein­spaltige Gelegenheitsanzei­gen 5 Rpf.,Familienanzei- gen, Bäder-, Unterrichts- u. behördliche AnzeigenSRpf. Mengenabschlüsse Staffel B

machung, sailler V<

nach den

eine diplomatische Mission

Mitarbeiter derDaily Mail" davon, daß Macdonald vielleicht

Sonberbot- reisen werde. Außenminister großen Bedeu- Verständigung

zwischen einem Roosevelt, Staatsmännern fein könne.

Der politische spricht ebenfalls

London, 18. Juni. (DRV. - Funkspruch.) Der diplomatische Mitarbeiter desDaily h e r a l d" meldet in großer Aufmachung, daß der Prä­sident des Staatsrates Ramfay Macdonald

Macdonald fährt nach Amerika?

Englische Bemühungen um eine gemeinsame Fron! mit Washington

keinem Kommando.

Es ist deshalb besser, zeitweilig das gute und an­erkannte Alte zu pflegen, als sich dem schlechten Neuen zu widmen, nur weil das Neue neu ist, was jedoch andererseits nicht von der Pflicht entbindet, mutig jederzeit nach dem g u t e n N e u e n Ausschau zu halten und es zu fördern. Darüber hinaus aber haben wir alle Kräfte, die auf den deutschen Bühnen tätig waren, in einer großen Organisation zusammengefaßt. Das war deshalb notwendig, weil die Organisationen des Bühnenschaffens zu

machung, die ein neuer Schlag aegen den Ver­sailler Vertrag sei. Dieser Einwand zähle indessen nicht sehr, da derjenige Teil des Vertrages, der den Zweck verfolgte, Deutschland an der Wiederauf­rüstung zu hindern, heute ein toter Buchstabe sei. Die Weigerung, den Grundsatz der Gleich­berechtigung Deutschlands anzuerkennen, habe bereits genügend Schaden angerichtet.

Shakespeare wurde deshalb ein Weltkünst­ler, weil er der beste Engländer, Corneille deshalb, weil er der beste Franzose und Goethe deshalb, weil er der beste Deutsche gewesen war. Es gibt keine Kunst, die an sich international wäre; die Kunst ist international gültig, die in ihrer nationalen Wirksamkeit so vollendet ist, daß sie die Grenzen ihres eigenen Landes sprengt und den ganzen Weltkulturkreis auszufüllen in der Lage ist.

Wir müssen protestieren gegen eine Bühnen- und Filmkunst, die versucht, uns Menschen vor­zustellen, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt, die entweder schwarz in schwarz, oder weiß in weiß gezeichnet find.

Wir fordern dagegen Menschen, die aus dem Leben herausgenommen find, Menschen von

Das Blatt weist in diesem Zusammenhang auf kürzliche Reden Baldwins und Edens hin, in denen von der Notwendigkeit einer englisch- amerikani-fchen Zusammenarbeit die Rede war. Die Minister seien der Ansicht, daß eine offene, umfassende und zwanglose Besprechung

wir in

Selbständigkeit des Danziger Staates eng zusam­menhängt, hat sie eine viel weitergehende, geradezu elementare Bedeutung, und der Versuch gewisser po­litischer Kreise, auf dieser Plattform innenpolitische Kämpfe auszutragen, wäre ein Verbrechen am Deutschtum. Nirgends kann die Verpflichtung, über dem Trennenden das Gemeinsame nicht zu ver­gessen, um im Notfälle diesen stärksten Selbstbe­hauptungsfaktor in seinem ganzen Ausmaß em- setzen zu können, größer sein als auf einem von Natur aus gefährdeten Auhenposten. Und dieses Gemeinsame ist das ewige Deutschtum dieser Stadt, ist ihr Glück und ihre Verpflichtung zugleich. _________

Oer Führer in München.

München, 18. Juni (DNB.) Der Führer und Reichskanzler besichtigte Montagmtttag in Begleitung des Kreistagspräsidenten Christian Weber den alten Rathaussaal und sprach sich dabei anerkennend über die künstlerisch geschmack­volle Neugestaltung des Saales und der Neben­räume aus. Besonderes Lob zollte der Führer und Reichskanzler auch der Lösung der Verkehrsfrage durch den Bau eines dritten Durchfahrtbogens, dessen Plan von Stadtrat Weber stammt, der sich bekanntlich um die Regelung des Verkehrs in der Innenstadt große Verdienste erworben hat.

Wie ungemein praktisch und allen Anforderungen eines starken Verkehrs Rechnung tragend dieser dritte Durchfahrtsboqen beim alten Rathaus ist, erwies sich bei der Abfahrt des Führers. Obwohl sich tau ende von Zuschauern angesammelt hatten und dem Führer begeisterte Huldigungen dar­

brachten, konnte die Abfahrt reibungslos und ohne die geringste Verkehrsstockung erfolgen.

Die Uebergabe des Schlüssels für den alten Rat­haussaal an den Oberbürgermeister der Hauptstadt der Bewegung, Reichsleiter Karl F i e h l e r , wird am kommenden Donnerstagnachmittag im Rahmen einer schlichten, der Kunststadt München würdigen Feier, vor sich gehen.

Kurzer Besuch in Nürnberg.

Fahrt nach Neinsdorf.

Nürnberg, 18. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Führer und Reichskanzler Adolf Hitler traf am Montagabend in Begleitung sei­ner beiden Adjutanten, SA.-Obergruppenfuhrer Brückner und SS.-Oberführer Schaub, sowie des Reichspressechefs Dr. Dietrich in Nürn­berg ein. Am Dienstagvormittag verließ der Führer wieder Nürnberg, um sich zu den Trauer­feierlichkeiten nach Reinsdorf zu begeben.

Der Führer an Korpsführer Hühnlein.

Der Führer und Reichskanzler hat dem Korps­führer Hühnlein auf dessen telegraphische Mel- düng vom Ausgang des Nürburgrennens wie folgt geantwortet:

Haben Sie besten Dank für Ihre Meldung vom Siege deutscher Fahrer und deutscher Maschinen im Internationalen Eifelrennen auf dem Nürburg­ring. Ich habe mich über diesen neuen Erfolg des deutschen Kraftfahrsports aufrichtig gefreut und spreche den Siegern wie den Konstrukteuren de« erfolgreichen Maschinen meine herzlichsten Glück­wünsche aus. (Gez.) Adolf H i t l e r."

In einem sehr ausführlichen Leitartikel nimmt auch derManchester Guardian" zu dem bisherigen Derhandlungsergebnis Stellung, wobei der Verfasser die Dringlichkeit einer Flot­tenregelung zwischen England und Deutsch­land unterstreicht. Heute könne man sehen, wie viel besser es gewesen wäre, wenn bereits im ver­gangenen Frühjahr eine Begrenzung der Land- armeen zustandegekommen märe, als Deutsch­land halb so viel gefordert habe, wie es sich seit­dem ohne die Erlaubnis anderer Staaten selbst ge­nommen habe. Einige französische Blätter seien mißvergnügt, daß England selbständig verhandle. Aber sie müßten sich daran er­innern, daß die See für England so viel bedeute, wie die Landgrenze für Frankreich. Irgend jemand müsse die Vorarbeiten leisten, wenn überhaupt jemals ein Abkommen Zustandekommen solle. Für England sei das Abkommen, das jetzt feste Gestalt annehme, eine Mischung von gut und schlecht. Man könne die Deutschen heute ebenso wenig hindern, eine moderne Flotte z u bau- e n, wie man sie daran habe hindern können, Land- und Luftstreitkräfte aller Art zu schaffen, was Europa bereits zu feinem eigenen Leidwesen wisse.

möglicherweise als englischer schafter nach Washington Rlinisterpräsident Baldwin, Hoare und Eden seien sich der tung einer englisch-amerikanischen bewußt.

englischen Kabinettsmitglied und sowie anderen amerikanischen gegenwärtig von großem Ruhen

Fleisch und Blut, die die Sorgen, Qualen und Freuden unserer Zeit auch in der eigenen Brust beherbergen. Die eben geschilderten Mängel fanden wir auf der Bühne vor, als: Deutschland die Macht übernahmen Sie konnten aber nur mit Behutsamkeit beseitigt werden, nicht von heute auf morgen, denn die Kunst gehorcht

Vereinigten Staaten unternehmen wird. Ulan halte Macdonald für eine solche Aufgabe sehr geeignet,, da er bereits in der Vergangenheit diplo­matische Erfolge in Washington erzielt habe.

3n englischen Regierungskreisen bestehe der Wunsch, auf einer Zusammenkunft englischer und amerikanischer Vertreter die dringlichen Pro­bleme erörtert zu sehen, damit eine gemein­same politische Linie festgelegt werden könne.

Roch vor Ablauf dieser Woche beendet?

London, 17. Juni. (DNB.) Preß Association hält es für möglich, daß die deutfch-engli- fchen Flottenbesprechungen noch vor Ab­lauf dieser Woche beendet werden könnten.

In einem Leitartikel schreibt dieLiverpool Daily Po st", eine der führenden englischen Pro­vinzzeitungen, die geplante Lösung sei so ver­nünftig, daß es störend sei, die französischen Kritiken hieran feststellen zu müssen. In Paris wende man sich beispielsweise gegen eine Ab-

Das deutsche Kunst- und Kulturleben.

Grundsätzliche Rede des Reichsministers Dr. Goebbels in der Reichsiheaierkammer

auf der Hand.

Am eindruckoollsten für alle Wett «ar sicherlich die Achsendrehung der Danziger Außenpolitik hin­sichtlich des Verhältnisses zu Polen, wie sie nach der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus erfolgt. Es war in der Tat ein Akt von epochaler Bedeutung und weitreichendsten Wirkungen. Man wird diese Wirkungen nicht nur darin sehen kön­nen, daß das sog. Pulverfaß im Osten feinen be­drohlichen Charakter für Europa verlor, oder datz die Neuordnung der Danzig-polnischen Beziehungen auf dem Wege der direkten Verständigung den Völkerbund der Notwendigkeit enthob, sich auf saft jeder Ratstagung mit komplizierten Danzig-polni­schen Streitfragen zu beschäftigen. So wichtig das alles sein mag wesentlicher und noch mehr zu würdigen war der nicht leicht fallende Wille Dan­zigs, den Nachbar Polen, mit dem ein beiden Staaten gemeinsamer Wirtschaftsraum produktiv gestaltet werden soll, nicht mehr unter der Per­spektive eines fremden, feindlich und bedrohlich wir­kenden Willens zu sehen, sondern als Part ne r in eisern Verhältnis, dem im Interesse beider Staaten positive Seiten abgerungen werden

müssen. Indem die Danziger Staatsführung diesen Weg beschritt, dessen Ungewohntheit an dem jahre­langen Kampfoerhältnis zu Polen ermessen werden kann, machte sie sich unter schwierigsten Umstanden zum Pionier einer modernen Verstän- digungspolitik, die offen und männlich den Ausgleich im Schnittpunkt der Interessen sucht. Dieser geradezu heroische Wille, einen nicht einmal selbst geschaffenen Tatbestand, der in Versailles mit Bedacht negativ gehalten worden war, ins Positive zu wenden, markiert eine Leistung Dan­zigs von europäischer Bedeutung. '

In innerpolitischer Hinsicht war es nur natürlich, daß das Erlebnis der nationalen R e v o l u - tion und der Volkwerdung im Reich trotz der staatlichen Grenzen in der tieferen Schicht des Volkstums auch nach Danzig hineinwirkte. Die Eristenz einer Art von Weimarer Verfassung, die den alten Parteien politische und organisatorische Wirkungsmöglichkeiten gibt, macht den geistigen Kampf 'in Danzig besonders schwer. Der deutsche Block Danzigs wird im wohlverstandenen Elgen- interesse, wie auch im Hinblick auf seine Verpflich­tung gegenüber dem Gesamtdeutschtum bei diesem aeittiaen Ringen nicht seine besondere Situation übersehen dürftn. Die besondere Situation dieses Außenpostens stellt sich als die dem gesamten Deutschtum Danzigs auferlegte Pflicht dar ge- fcklofsen für die ungeschmälerte Aufrechterhaltung des vornehmsten Mittels feiner völkischen Selbstbe­hauptung einzutreten: für die staatliche Selbstandig- keit und jene Hoheitsrechte, die Danzig ferner ro ­tier sichern und verteidigen muß. So ist auch die

Noten nach London.

Paris, 17.Juni (DNB.) Die französische Note zu den deutsch-englischen Flotten- besprechungen ist am Montagabend an den französischen Botschafter in London übermittelt worden, der sie dem Foreian Office zustellen soll. Gleichzeitig hat Ministerpräsioent und Außenminister Laval eine Abschrift der Note dem britischen Geschäftsträger in Paris überreicht.

London, 18. Juni (DNB. Funkspruch). Die Stellungnahme der i t a l i e n i sch e n Regierung zu dem geplanten deutsch-englischen Flottenabkom­men ist, wie die zuständigen Stellen in London jetzt bestätigen, der englischen Regierung während des Wochenendes übermittelt worden.

Danzigs Ausgabe.

Von Dr.Hans von Malottki.

Die MM blickt auf Danzig. Eigentlich ein er­staunlicher Vorgang, denn die heutige Welt hat yundert andere, sie unmittelbar berührende Dinge zu verfolgen, und dock Danzig steht im Schein­werferlicht einer gespannt zuschauenden internatio- , nalen Öffentlichkeit. Man wird schwerlich und in jedem Falle Mitgefühl mit dem harten Schicksal, ; das dieser Stadt widerfuhr, als ausreichende Er­klärung ansehen können. Eher scheint es so, daß eine vom Kampf um eine bessere zwischenstaatliche Ordnung geschüttelte Wett mit magnetischer Kraft von einem Problem wie Danzig angezogen wird, dessen in den letzten Wochen besonders auffällig in Erscheinung getretene Auswirkungen auch die sonst lautesten Verteidiger des Versailler Systems merklich stiller werden lassen.

Wir sehen Danzig anders. Nicht als interessantes Versuchsobjekt einer mehr als zweifelhaften Frie- denspraktizierung, sondern als wichtigen deutschen Außenposten, dessen Erhaltung Gegenstand aufrich­tiger und natürlicher Anteilnahme des gesamten Deutschtums ist. Die augenblicklich besonders schwie­rige Wirtschaftslage Danzigs, die der verantwort­lichen Staatsführung so einschneidende Maßnahmen, wie Währungsabwertung, Bankfeiertage, Devisenbe­wirtschaftung und ein Sparprogramm in ausge­dehntestem Umfang geboten erscheinen ließ, zeigte zur Genüge, wie hart dieser Selbstbehauptungs­kampf für ein so kompliziertes Gebilde wie Danzig mit seinen vielfachen Bindungen und Abhängigkei­ten infolge der verschiedensten Abkommen und Ver­träge ist. Dabei ist es die besondere Tragik Danzigs, sich ständig um die Abstellung von Gefahren und Unzuträglichkeiten bemühen zu müssen, die in der wahrlich nicht auf Wunsch der Bevölkerung voll­zogenen Errichtung der Eigenstaatlichkeit begründet sind, in der Lösung aus sinnvollen wirtschaftlichen Zusammenhängen, die seit Jahrhunderten die siche­ren Existenzgrundlagen der alten Hansestadt abge­geben hatten. So gesehen wird erst das ganze Aus­maß des herben Danziger Schicksals klar, die Fol­gen der gewalsamen Ausgliederung aus dem deut­schen Staat und der Hineinzwängung in eine Exi­stenz, deren vielfache Hemmungen und Fesseln alles andere denn eine Rechtfertigung des Prädikats Freie Stadt" darstellen.

In ihrer letzten Auswirkung bedeutete die Ver­sailler Umwälzung für Danzig die ständige Gefahr eines Zustandes eingeengten und minderen Rech­tes und damit auch die Gefahr der Aufreibung deutschen Volkstumes, das vom Mutterland und seinen Kraftströmen abgenabelt werden sollte. Teilt Danzig insofern das Schicksal mit anderen deutschen Volksgruppen, die sich ebenfalls die ge­waltsame Ausgliederung gefallen lassen mußten, in einem Punkt nimmt Danzig eine besondere Stellung ein: Danzig ist die einzige vom Reich getrennte Volksgruppe, die einen eigenen Staat besitzt. Hier zeigt sich ganz deutlich die besonders komplizierte und deshalb leicht zu Fehlurteilen führende Struktur Danzigs; denn die Eigenstaat­lichkeit, so wenig sie gewollt war und so handgreif­lich die Schädigung, gemessen an dem früheren Zu­stand der Reichszugehörigkeit, ist, unter dem Ge­sichtspunkt des notwendigen Selbstbehauptungs­kampfes des Auslandsdeutfchtums stellt diese selbe Eigenstaatlichkeit zugleich doch einen Vorzug und eine Waffe dar, die andere in Fremdstaaten lebende Volksgruppen entbehren und deren sorgsamste Hü­tung daher wichtiges Gebot für Danzig ist. Ein ähnlicher Doppelsinn waltet auch im Verhältnis Danzigs zu Genf. Danzig steht unter unmittel­barer Garantie des Völkerbundes, der auch über die Einhaltung der Bestimmungen der Verfassung zu wachen befugt ist. Daß die Ausübung dieses Rechtes angesichts einer Verfassung, deren demokra­tisch-parlamentarische Grundlagen von der Mehr­heit der Danziger Bevölkerung als überholt ange­sehen werden, als wenig angenehm und vom na­tionalsozialistischen Gestaltungswillen nur als hem­mend empfunden werden kann, bedarf keiner be­sonderen Erwähnung. Gleichwohl wird eiJie 9e naue Beurteilung nicht übersehen können, daß Genf für Danzig auch eine sehr wichtige positive Funktion auszuüben bestimmt ist, sofern es näm­lich als Garant Danzigs auch die Mitverantwor­tung für die Danziger Existenz tragt, d. h. in diesem Sinne auch bei etwa emtretenden Kon­flikten mit fremdstaatlichen Stellen oder sonstigen, die Existenz Danzigs gefährdenden Entwicklungen zur Verfügung stehen muß. Daß unter diesen Um­ständen die Gestaltung der Danzig-Genfer Beziehun­gen außerordentlich verantwortungsvoll ist, liegt

Hamburg, 17. Juni. (DNB.) Die große Kundgebung der Reichstheaterkammer anläßlich der zweiten Reichstheaterfestwoche in Hamburg am Montagnachmittag erhielt ihre beson­dere Bedeutung durch eine grundlegende Rede von Reichsminister Dr. Goebbels über das b e u t = ch e Kunst- und Kulturleben.

Der festlich geschmückte Saal der Musikhalle war bis auf den letzten Platz gefüllt, als Dr. Goeb­bels, stürmisch begrüßt, erschien. Unter den An­wesenden bemerkte man Reichsstatthalter Gauleiter Kaufmann, Staatssekretär Funk, den Regie­renden Bürgermeister Krogmann und den kom­mandierenden General des 10. Armeekorps General­leutnant Knochenhauer. Ferner waren alle lei­tenden Persönlichkeiten des Staates, der Wehrmacht und der Bewegung aus Hamburg, zahlreiche Be­hördenvertreter und Theaterleiter aus dem ganzen Reich, sowie viele führende Männer des deutschen kulturellen und künstlerischen Lebens erschienen.

Als Auftakt der bedeutsamen Kundgebung spielte das Philharmonische Staatsorchester unter Leitung von Generalmusikdirektor Eugen I o ch u m die Eg- mont-Ouverture von Beethoven. Mit stürmischen Kundgebungen begrüßt, hielt AeichsinimsterSk. Goebbels )ie nachstehende Rede: Die Kunst ist eine Leiden­schaft, die den ganzen Menschen erfordert und ausfüllt. Wer einmal von ihr ergriffen ist, kommt nicht mehr los davon. Es gibt kein größeres Glück, unter den Menschen, als ihr dienen zu dürfen, und ein Staatsmann kann sich nichts Höheres zur Ehre anrechnen, als ihr die Wege bereiten zu hel­fen. Die großen Würfe, mit denen die Künstler der Geschichte nach der Unsterblichkeit zielten, sind auch in die Unsterblichkeit eingegangen, und sie haben Millionen und Millionen Menschen Trost und in­nere Stärke im schweren Kampf des Lebens ge­geben. Wir dürfen das den Künstlern auch niemals vergessen. Wenn sie ihre persönliche Eigenart besit­zen, so haben sie ein Recht dazu.

Dieses Ausleben der eigenen Jndividualiläl aber findet da eine Grenze, wo es sich mit den In­teressen der Oeffenttichkeit stößt, denn niemand hat das Recht, sich nur als Individualität zu fühlen. Er hat darüber hinaus die Pflicht, dem Volke zu dienen und fein Leben und feine Ar­beit in den Lchaffenskreis des Volkes einzu- fpannen.

Diese Pflichten hatte das deutsche Künstlertum zu einem großen Teil in den furchtbaren Jahren feit dem November 1918 versäumt und vergessen. Es war jene Epoche des lart pour Kart, wo der Künstler glaubte, nur dem Künstler und am Ende nur s i ch se l b st Rechenschaft schuldig zu sein. Eine Entwicklung, die den Künstler immer mehr von der Zeit und vom Volke trennte, und am Ende die Kunst zu einer bloßen artistischen Spielerei herabwürdigte. Es konnte nicht Wunder nehmen, daß diese Art von Kunst das Beiwort deutsch" nicht mehr verdiente und mit dem deut, schen Volke gar nichts mehr zu tun hatte. In Wirklichkeit aber ist die Kunst nichts als der plastische Ausdruck eines Volkstumes, denn der Künstler ist das lebendigste Kind feines Volkes. Je tiefer er feine Wurzeln in das Schollen­reich feines Volkstumes hineinverfenkt, um so höher wird er sich entfalten können. Das ist auch die ein­zige Möglichkeit, über die Grenzen eines Landes hinaus in die Wett zu wirken.

Es gibt keine internationale Kunst, die nicht ihren internationalen Wert aus nationalen Ursprüngen geschöpft hätte.