mindestens Z Jahre Im Deutschen Reich Inhaber eines Jahresjagdscheines gewesen ist und den Nachweis führt, daß er Mitglied der Deutschen Jägerschaft tft, oder daß seiner Aufnahme in die Deutsche Jägerschaft nichts im Wege steht." Die Anweisung über das Verpachtungsverfahren bestimmt, daß der Jagdvorsteher, der die Verpachtung leitet, sich überzeugen muß, „daß die Bietlustigen die Voraussetzungen des § 12 Abs. 4 des Gesetzes erfüllen".
Daraus geht also hervor, daß der Pachtlustige zunächst nachweisen muß, daß er 3 Jahresjagdscheine besessen hat. In welcher Weise er diesen Nachweis erbringt, ist seine Sache. Er kann, wenn er etwa die abgelaufenen Scheine aufzuheben pflegte, diese direkt oorlegen. Ist dies nicht der Fall, so ist unter Umständen eine Bescheinigung der Behörde nötig, die jene früheren Jagdscheine ausgestellt hat. Handelt es sich natürlich um eine Persönlichkeit, die bekanntermaßen schon lange Jahre Jäger, vielleicht sogar Jagdpächter ist, so wird der Kreisjägermeister auch in der Lage sein, seinerseits zu bescheinigen, daß diese Bedingung erfüllt ist.
Es ist ferner nachzuweisen, daß der Bietlustige der Deutschen Jägerschaft angehört oder gegen seine Aufnahme keine Bedenken bestehen. Das Letztere kann nur durch einen Ausweis des Kreisjägermeisters geschehen, während sonst der Jahresjagdschein 1935 genügt, um den Nachweis der Mitgliedschaft zu erbringen. Denn wer nicht ausgenommen wird, bekommt auch keinen Jagdschein.
Es ist dem einzelnen Pachtlustigen überlassen, wie er den Nachweis erbringen will, daß er den Gesetzesvorschriften gerecht wird. Es wäre der einfachste Weg, er erbrächte ihn vor dem Kreisjägermeister, der dann einen Ausweis ausstellt, daß der Betreffende „bietungsberechtigt" ist. Bei der derzeitigen starken dienstlichen Ueberlastung des Kreis- lägermeisters müßten die Ausweise schnellstens beantragt werden, wenn sie rechtzeitig zur Hand sein sollen.
Der Jagdvorsteher muß jedenfalls jeden Bieter zurückweisen und jedes Gebot ablehnen, wenn die Nachprüfung nicht einwandfrei ergeben hat, daß jeder erschienene Bietelustige zum Bieten auch tatsächlich berechtigt ist. Weist er Gebote Nichtbereck- tigter nicht zurück und schließt die Betreffenden nicht vom Bieten aus, wird die Verpachtung unter Umständen vollkommen nichtig.
Um alle Schwierigkeiten zu vermeiden, werden Iagdvorsteher rote Jäger in gleicher Weise gebeten, sich peinlich genau an die Vorschriften zu halten, pflichtschießen derDeutschen Iägerschafi
Die Presiestelle des Kreisjägermeisters für den Kreis Gießen teilt uns mit:
In der kommenden Woche beginnen im ganzen Kreis die Pflichtschießen der Deutschen Jägerschaft auf jagdliche Scheiben. Jeder Inhaber eines entgeltlichen oder unentgeltlichen Jagdscheines muß daran teilnehmen und die vorgeschriebenen Uebungen schießen. Es findet zunächst nur Kugelschießen statt, und zwar sind fünf verschiedene Ziele mit je 4 Schuß zu beschießen.
Es schießen am Mittwoch, 22. Mai, in der den, die zum jagdlichen Gebrauch geeignet und gestattet sind. Der Jahresjagdschein 1935 ist zum Schießen mitzubringen.
Der Leiter des Hegeringes Gießen hat für seinen Hegerinq folgende Anordnung getroffen: Es schießen am Mittwoch, 22. Mai, in der Zeit von 14 bis 19 Uhr alle im Hegeringbezirk wohnenden Jagdscheininhaber, deren Namen mit A—K einschl. beginnt, am Sonntag, 2 6. Mai, zur gleichen Stunde alle von L—S einschließlich und am Dienstag, 2 8. Mai, alle übrigen. Die angesetzten Schießtage sind, wenn irgend möglich, einzuhalten. Bei dringender Verhinderung ist Mitteilung des Tages, an dem der betreffende Schütze schießen wird, notwendig.
Das Schießen findet auf den Ständen des Schützenvereins und des Hubertus-Gießen bei dem Schützenhaus statt.
Kundgebung
der Deutschen Slaubensbewegung.
Am Donnerstagabend veranstaltete die Ortsgemeinde Gießen der Deutschen Glaubensbewegung am stark überfüllten Saale des Caf6 Leib eine öffentliche Kundgebung. 2m Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag des Herrn Werner S ch u m i tz aus Berlin über das Thema „Durchbruch deutschen Glaubens". Der etwa zweistündige Vortrag, der mit den Grundgedanken der deutschen Glaubensbewegung bekanntmachte, wurde von der großen Versammlung mit starkem Interesse, teilweise von Gegnern mit einigen Zwischenrufen ausgenommen, am Schlüsse aber von der stark überwiegenden Mehrheit der Versammlung mit langanhaltendem lebhaften Beifall unterstrichen. Im Verlaufe einer Pause wurden dem Versammlungsleiter Baur eine Reihe von Fragen aus der Versammlung heraus zugeleitet. Die der Hauptredner Sch umitz beantwortete. Die Versammlung schloß mit dreima- ligem Sieg-Heil auf das deutsche Vaterland und seinen Führer Adolf H i t l e r und mit dem gemeinsamen Gesang des ersten Verses des Horst-Wessel- Liedes.
Gießener Dochenmarktprelse.
* G i e ß e n, 18. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,40 bis 1,42 Mark, Matte 25 Pf., Käse, das Stück 5 bis 10, Eier (inländische) 8 bis 9, Wirsing (gelb), das Pfund 18 bis 20, (grün, neuer) 25, Weißkraut 12 bis 15, Gelbe Rüben (alte) 15, (neue), das Bündel 25, Rote Rüben, das Pfund 10 bis 15, Spinat 18 bis 25, Römischkohl 15 bis 20, Spargel, 40, 50, 60, Erbsen 35, Mischgemüse 15 bis 20, Tomaten 90 Pf. bis 1,20 Mk., Zwiebeln 25, Meerrettich 40 bis 60, Schwarzwurzeln 20 bis 45, Rhabarber 10 bis 12, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,50 bis 4 Mark, Aepfel, das Pfund 35 bis 60, Honig 45 Pf. bis 1,10 Mark, Suppenhühner 70 bis 90 Pf., Tauben, das Stück 60 bis 70, Blumenkohl 45 bis 70, Salat 15 bis 30, Salatgurken 45 bis 55, Oberkohlrabi 20, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 50, Radieschen, das Bündel 7 bis 15 Pf.
Vornotizen.
— Tage s kale nde r für Samstag: NSG. „Kraft durch Freude": 17 bis 19 Uhr Leichtathletik auf dem Universitätssportplatz. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Polenblut". — Astoria-Lichtspiele, Seltersweg: „Wer kennt diese Frau?". — Gesellschaft von Freunden und Fördern der Universität Gießen (Gießener Hochschulgesellschaft): 17.30 Uhr Festsitzung im Großen Hörsaal der Universität. — Dünsbergverein: 20.30 Uhr Hauptversammlung im Hotel Köhler.
— Tageskalender für Sonntag. Lichtsvielhaus, Bahnhofstraße: „Polenblut". — Astorta- Lichtspiele, Seltersweg: „Wer kennt diese Frau?".— Oberhessicher Kunstverein, Turmhaus am Brandplatz: 11 bis 1 Uhr Ausstellung „Rohlfs-Hagen".
— Oberhessischer Kun st verein. Der für morgen Sonntag angekündigte Einführungsvortrag für die Ausstellung R o h l f s tft auf Sonntag, den 26. Mai, verschoben worden. Dte Ausstellung selbst beginnt morgen. (Siehe heutige Anzeige.)
— Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Die ursprünglich für Samstag, 18. Mai, angesetzte Vorstellung „Die armseligen Besenbinder" fällt aus. — Sonntag, 19. Mai, bleibt das Theater geschlossen. — Dienstag, 21. Mai, das Schauspiel: „Vertrag um Karakat" von Fritz Peter Buch; Spielleitung Kurt L ü p k e. Da die Rede des Führer und Reichskanzlers vor der Vorstellung durch Lautsprecher übertragen wird, in der Zeit von 20 bis etwa 21.15 Uhr, beginnt die Vorstellung anschließend an die Regierungserklärung um 21.15 Uhr und endet um 23.30 Uhr. — Mittwoch, 22. Mai, von 19.30 bis 22.15 Uhr „Vertrag um Karakat" von Buch; Spielleitung Lupke. — Donnerstag, 23. Mai, und Samstag, 25. Mai, als geschlossene Vorstellung für die NS.-Kulturgemeinde, Ring Deutsche Bühne; Freitag, 24. Mai, jeweils von 20 bis 22.15 Uhr das Lustspiel: „So
ein Mädel! (Extemporale)" von Sturm und Färber; Spielleitung Karl Volck. — Sonntag, 26. Mai, um 19 Uhr Veranstaltung des VDA. „Volksdeutsches Fest".
— Vom VDA. Gießen wird uns geschrieben: Am Sonntag, 26. Mai, veranstaltet die Frauengruppe des VDA. Gießen im Stadttheater ein „Dolksdeutsches Fest für alle" zum Besten un- erer auslandsdeutschen Volksgenossen. (S. Am zeige.) Auf der Bühne wird man in künstlerisch gestalteten Bildern Frauen aus der Geschichte unsres Volkes erblicken, allen wohlbekannt, jede in besonderer Art deutsches Wesen verkörpernd und ebe in ihrer besonderen Umwelt. In den Wandelgängen und im Erfrischungsraum werden Frauen der Ortsgruppe im Verein mit freundlich Mitwtr- kende-n aus allen Kreisen unserer Stadt Erfrischungen anbieten und Tanz und Tombola (mit vielen verlockenden Gewinnen) werden hoffentlich alle Teilnehmer lange in froher Stimmung vereinigen.
*
**VonderLandesuniversität. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Der Privatdozent an der Universität Gießen, Dr. Wilhelm C l a ß , wurde zum ao. Professor für Strafrecht an der Universität Frankfurt a. M. ernannt. — Der Privatdozent Dr. Walter R a u h ist vom Reichs- und preußischen Minister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung mit Wirkung ab 1. April 1935 an die Universität Leipzig versetzt worden.
** Das Stadttheater heute und morgen geschlossen! Aus dem Stadttheaterbüro wird mitgeteilt: Um Irrtümer zu vermeiden, wird erneut bekanntgemacht, daß das Theater am Samstag, 18. Mai, und Sonntag, 19. Mai, geschlossen ist.
** Die Termine der öffentlichen Impfung in Gießen werden von der Bürgermeisterei in unserem heutiaen Anzeigenteil bekanntgegeben. Interessenten seien auf die Bekanntmachung besonders hingewiesen.
Die Mitglieder sämtlicher Gießener Ortsgruppen der Hausgehilfinnen hielten gestern im Cafs Ebel einen gemeinsamen Ortsgruppenabend ab. Nach kurzen Begrüßungsworten durch Ortsgruppenfach- wart Z o tz wurde der Abend durch musikalische Darbietungen der Hauskapelle und mit einem gemeinsam gesungenen Volkslied eröffnet.
Zunächst sprach Verwaltungsstellenleiter Pg. Schmidt über die Richtlinien für die Mitgliedschaft zur DAF. (Deutsche Arbeitsfront), den notwendigen verwaltungstechnischen Gang, um dann an praktischen Beispielen (Krankengeld, Arbeitslosenunterstützung, Geburts- und Heiratsbeihilfe, Sterbegeld (auch für das Kind) den Wert dieses großen sozialen Werkes verständlich zu machen.
Stellv. Kreiswalter der DAF. pg. Hahn fand für seine Ausführungen über die Grundgedanken der nationalsozialistischen Weltanschauung aufmerksame Zuhörer. Der Redner wies zunächst darauf hin, daß das entstehende Werk des Führers ehrliches und tiefghendes Beschäftigen jedes einzelnen Gliedes der Volksgemeinschaft mit diesem Werk erfordert, damit aus dem Erkennen der riesengroßen Aufgaben liebevolles Verstehen und entschlossene, leidenschaftliche Hingabe jedes einzelnen an den Aufbau erwachsen möge. Unter solchen Voraus- setzungen wird es leicht sein, den Grundsatz von Blut und Rasse in seiner ganzen Tragweite zu verstehen und dem deutschen Volke Wertbeständigkeit und ewige Dauer zu erringen.
Unserem Wissen der Vergangenheit, das sich in Aeuherllchkeilen verloren Halle, so daß der einzelne von anderen Völkern mehr wühle, als von seinem eigenen, Hal der Führer den Weg zur Innerlichkeit gewiesen und es für alle Au-
*» Das Glelbergfest. Das bereite zur Tradition geworden^ Gleibergfest, das sich immer steigender Beliebtheit erfreut, ist für dieses Jahr tn Öte schöne Maienzeit verlegt worden. Alle Gletberg- freunbe, jung unb alt, treffen sich zu frohem Bet- sammensein auf ber Burg am Sonntag, 26. Mai. (Siehe heutige Anzeige.)
** Sterbefälle in Gteßen. Es verstürben in ber Zeit vom 1. bis 15. Mai: 1. Georg Leitner, Schneiber, 66 Jahre alt, Roonstraße 2; 2. Auguste Kleinmann, geb. Frey, Witwe, 70 Jahre alt, Neustabt 32; 3. Katharine Ott, geb. Thomas, 62 Jahre alt, Schiffenberger Weg 5; 4. Emma Hunermunb, geb. Georgi, 64 Jahre alt, Wolkengasse 17; 4. Margarete Führer, geb. Bellos, 76 Jahre alt, Neuenweg 34; 4. Katharina Lubwig, geb. Leclerc, 65 Jahre alt, Löberstraße 18; 5. Lubwig Bernharbt, Schuhmachermeister, 70 Jahre alt, Schulstraße 10; 6. Friebrich Valentin, Steinbrecher, 75 Jahre alt, Robheimer Straße 38; 6. Anna Thielmann, ohne Beruf, 34 Jahre alt, Liebigstraße 21; 6. Robert Schich, Schneibermeister, 79 Jahre alt, Mäusburg 3; 7. Johanna Rosenbecker, 7 Monate alt, Schottstr. 33; 7. Lubwig Pfeiffer, Arbeiter, 57 Jahre alt, Schloßgasse 1; 8. Ilse Wolf, 6 Jahre alt, Wetzsteingasse 32; 8. Lubwig Wahl, Heizer, 66 Jahre alt, Ebelstr. 24; 9. Katharina Schmibt, geb. Hopfinger, 46 Jahre alt, Dammstraße 47; 9. August Kretzschmar, Rentner, 79 Jahre alt, Marktplatz 22; 9. Hermann Natt, Kaufmann, 56 Jahre alt, Eichweg 7; 10. Julie Jung, geb. Wiganbt, 52 Jahre alt, Löberstraße 5; 12. Peter Margolf, Arbeiter, 59 Jahre alt, Dammstraße 26; 12. Margarete Best, geb. Zeiß, 59 Jahre alt, Bleichstraße 11; 12. Johannes Eckirch, Hoteldiener, 52 Jahre alt, Löwengasse 20; 13. Heinrich Hedderich, Arbeiter, 57 Jahre alt, Lindengasse 14; 14. Elisabeth Schmitz, geb. Böcher, 42 Jahre alt, Krofdorser Straße 48.
** Eine Gasherd-Ausstellung veranstaltet die Gas-Gemeinschaft Gießen in ihrem neuen Geschästslokal, Bahnhofstraße 29. (Siehe heutige Anzeige.)
fünft fest begründet in dem Grundgedanken von Blut und Rasse.
Das Erkennen unserer eigenen Herkunft, die hohe Bedeutung der Erbmasse, die sowohl dem einzelnen Menschen, als dem ihm zugehörigen Volk die eigene Prägung und Wesensbestimmung gibt, bedeutet eine bewußte Ablehnung ber internationalen Weltmeinung. Aus bem Erkennen unserer.eigenen Art erwächst uns bas Erkennen unseres eigenen Volkes. Je überzeugter unser Hanbeln, unsere Gestaltung bes uns eigenen Lebens nach solcher Erkenntnis unserer eigenen Art ist, besto reifer wirb unser Volk werben. Auf solchem Wege kommen wir zu bem ewigen Sein unseres Volkes.
Aus den Werten unserer Herkunft erwachsen uns die Kräfte zur Gestaltung unserer Gegenwart, und darauf bauen wir auf eine unvergängliche Ankunft unseres Volkes.
Die Geschichte zeigt uns ein fortwährendes Auf und Ab, unb sie beweist uns bie Größe einer Zeitepoche, bie bestimmt ist von ber Wucht unb der Schwungkraft ber Gesinnung, bie in ber jeweiligen Generation vorherrscht. Aus solcher Einsicht ermessen wir bie Wertmaßstäbe, bie wir anzuwenben haben an bie Gestaltung unseres Daseins.
Wenn darum unser Volk ewig fein soll, dann müssen wir zur Bejahung der elementaren Grundsätze der nationalsozialistischen Weltanschauung kommen.
In diesem bisher nie gekannten Umbruch erleben wir unsere neue Lebensgrundlage, die ein neues Ethos geschaffen hat. Die logische Folge ist, daß mit den neuen Formen unserer Lebenshaltung sich auch neue Werte anzubahnen beginnen. Im revolutio-
OrtsgruppenabendderGießenerHausgehilfinnen
UiMOil....
Roman von Charlotte prenzel.
Urheberrechtsschutz: Funf-Türme-Verlag, Halle (6.).
25 Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Kam da schon Emst? Schnelle Schritte näherten sich der Tür. Nein, es war nicht sein Schritt. Der Freund konnte auch unmöglich schon hier fein. Was war das? Sah er einen Spuk, ein Gespenst vor sich? Eine Frauengestalt stand auf der Schwelle, wandte ihm langsam das Antlitz zu, ließ den Pelz fallen, der das Gesicht halb verhüllt hatte — Kitty stand vor ihm.
„Fred", klang ihre zwitschernde Stimme, „sei mir nicht böse, daß ich gekommen bin. Ich konnte nicht anders^ ich mußte dich sprechen."
Er fuhr jäh auf. „Was willst du von mir?" entfuhr es ihm rauh. „Habe ich dir nicht mein Haus verboten? Wagst du es, zum zweiten Male zu kommen?"
Sie kam langsam näher, ein bittendes Lächeln lag um ihren Mund. Beschämt und flehend zugleich traf ihn ihr Blick. „Dein Haus hast du mir verboten, nicht das Geschäft", erwiderte sie sanft. „Ich habe den Mut, mich noch einmal in die Höhle des Löwen zu begeben. Schilt mich darum nicht! Ick habe in den letzten Wochen eingesehen, daß es besser ist, von diesem Löwen vernichtet zu werden, als ihn zu meiden."
,.Wir beide haben uns nichts mehr zu sagen. Geh, dort ist die Tür! Oder willst du, daß ich den Hausdiener rufe?"
„Das wirst bu nicht tun. Auch ist kein Mensch mehr im ganzen Hause, sogar ber Pförtner ist nicht ba. Ich war vorsichtig genüg, mich von niemanbem sehen zu lassen — auch in beinern Interesse." Sie machte noch ein paar Schritte vorwärts, ihre Stimme flehte: „Freb, ich bitte bich nur, höre mich an! Jage mich nicht fort. Du weißt nicht, wie sehr ich gelitten habe um bich."
„Davon habe ich bis zur Stunbe nichts gemerkt", antwortete er hart.
„Ich bin eine gute Komöbiantin geworben. Was blieb mir übrig? Ich habe nun einmal in einer mir selbst unfaßbaren Stunbe meine Hanb Mar-
„Was kann bir beine Ehe fein? Wie kannst bu bie kleine Frau lieben?" unterbrach sie ihn mit leiser Heftigkeit.
„Ich habe sie lieb, sie steht mir hoch über allen Menschen. Du bist nicht wert, baß auch nur ihr Blick dich trifft!"
Kitty zuckte zusammen, sie senkte ben Kopf; aber unter ihren halb geschlossenen Augenlibern bekam ihr Blick ein seltsames Funkeln. „Wo hast bu das Kinb?" fragte sie leise, kaum hörbar.
Sein strenger Blick maß sie verächtlich. „Ach, besinnst bu bich auf beine Mutterpflichten? Weißt du noch, daß bu einmal einem Kinbe bas Leben gabst?"
Sie schien sich unter ben Worten zu roinben. „Freb, ich will nichts weiter als bieses Kinb. Du hast beine Frau — gut, ich will zurückstehen, aber bas Kinb mußt bu mir lassen."
„Gerba weiß nichts von ber Mutter, für sie ist die Mutter tot. Ich wollte nicht bas ganze Leben des Kindes vergiften durch das treulose Verhalten ber Mutter."
Kitty sprang jäh auf. „Du mußt wir sagen, wo Gerba ist. Sehen will ich sie wenigstens, sie einmal küssen. Was weißt bu von mir? Was weißt bu von bem Leib einer Mutter?"
„Du hast bir jebes Recht auf bas Kinb verscherzt."
Ihr Atem ging keuchend. „Das wagst bu mir zu sagen, bu — bu...", schrie sie außer sich auf.
„Wenn bu einen Funken Mutterliebe in bir hast, so störe nicht ihren Frieben. Laß sie bas Andenken ber toten Mutter hochhalten."
Wie eine Katze ftanb Kitty, bie sich auf ihr Opfer stürzen wollte, ben Oberkörper vorgebeugt, mit sprühenben Augen. „Weiß sie auch, wer ihr Vater ist? entfuhr es ihr schrill. „Weiß sie, baß biefer treubesorgte Vater gerabe noch bem Gefängnis entgangen ist? Ha, auf bie Straße will ich es schreien, daß Fred Morland ein Dieb ist — seine Frau soll es wissen, sein . . ."
Fred packte den Stuhl, ber vor ihm ftanb. Rote Kreise tanzten vor seinen Augen; mit einer roUben Gebärbe warf er ben Stuhl nach ber schönen, wil- ben Katze vor ihm. Er hörte einen Schrei, ein Gepolter, fiel kraftlos nach vorn in bie Arme Ernst Schröbers.
ckart gereicht, aber ich habe ihn nie geliebt. Für Er fanb sich auf feinem Schreibtischstuhl roteber. mich war fein Tob eine Erlösung. Ich habe immer Das Gesicht bes Freunbes beugte sich über ihn, nur an bich gebucht." besorgte Augen sahen ihn an.
„Verlangst du von mir, daß ich deinen Worten „Fred, Fred, komm zu bir!" ertönte di- Stimme glaube? , bes Freunbes wie aus weiter Ferne. Er suhlte
Sie sank wie gebrochen auf emen Stuhl, in ihren rxd) am Arm gerüttelt, wankte kraftlos hin unb
2Iugen schimmerten Tranen. -Zertritt mich - ^r. Ernsts Stimme schien näher zu kommen: tu, was bu willst, aber laß mich an betner Seite! „Me kannst bu bich so erregen, bich so weit ver- „Wenn bu gutmachen willst, was bu an mir ver- geffen? Hat biefe Frau nicht genug Elenb in bein
schulbest, bann kreuze meinen Weg nicht mehr. Ich Leben gebracht? Willst bu weitere Schulb auf bin kein freier Mann mehr, bin..." dich laden um ihretwillen?"
Fred erwachte jäh. „Ist sie fort?" war seine erste Frage.
„Ich traf an ber Tür mit ihr zusammen, fing ben Stuhl auf — er war gut gezielt. Sie flüchtete eilenbs."
Freb atmete schwer. Er strich sich mit ber Hanb über bas Gesicht, stützte mübe ben Kopf auf.
„Was ist benn nur geschehen? Ich hörte ihre erregte Stimme schon im Vorzimmer. Wie kannst bu beine Ruhe ihr gegenüber verlieren! Wie kannst bu dich zu Taten hinreißen lassen, die bu nie verantworten könntest!"
„Laß, laß!" entfuhr es ihm gequält. „Vielleicht wäre es bie beste Tat meines Lebens gewesen, wenn ich sie getroffen hätte."
„Freb, hat benn biefe Frau immer noch Macht über bich? Willst bu zum zweiten Male an ihr zugrunbe gehen?"
„Mein Leben wirb trotzbem verspielt sein. Wie kann ich meinem Kinbe unter bie Augen treten, wenn es wissen wirb, baß fein Vater zum Dieb würbe? Wie barf ich mich jemals Liane nähern, wenn sie weiß, was einst war? Sie werden es erfahren. Ich hab' es gewußt, daß Kitty zum zweiten Male mein Verderben wird."
„Niemand wird deine Ehre antasten. Du hast gezeigt, was bu kannst."
„Sie werben alle über mich herfallen, unb wenn ich ben Konkurs eröffnen muß, werbe ich für immer ein Gezeichneter fein."
„Wie kannst bu von Konkurs sprechen?! Besinne bich, Freb, raffe bich auf! So schlimm steht es noch nicht. Rette, was zu retten ist! Sorge bafür, baß bie Firma Scholz nicht angetastet werden kann! Tu deine Pflicht, dann laß Kitty ruhig sprechen. Nur einen Pflichtvergessenen kann man richten."
Fred ftanb auf. Die ©lieber waren ihm schwer, aber fein Kopf war roieber klar, ruhig unb überlegend. „Ich will es versuchen. Sorge bu mir für Gerba. Ich werbe fahren."
Ernst gab ihm bie Hanb. ,Lch bleibe hier unb werbe bir Gerba hüten — wenn bu bich nur wie- bergefunben hast."
Am Tage seiner Abreise ftanb er vor Liane. Er fühlte Llanes Hanb mit festem Druck in ber seinen ruhen, sah, wie schwer ihr ber Abschieb fiel, trotzbem sie tapfer lächelte.
„Glück auf!" klang ihre helle Stimme warm. „Komm gefunb roieber!"
Er nahm ihre feinen Finger in beide Hände, sah sie lange unb fest an. Ein abenteuerlicher Plan burchkreuzte für wenige Augenblicke feine ©ebanfeji: Sie mitnehmen, brüben noch einmal ein neues Leben aufbauen, noch einmal mit bem allen brechen. Würbe aber jemals Glück auf ihrer
Verbinbung ruhen, wenn ber Schatten eines Geheimnisses ihn umgab? Unb was sollte aus Gerba werben?
Er führte ihre Hanb an bie Lippen. Noch einmal stieg heiß unb brennenb ber Wunsch in ihm jiuf, sich ihr anzuvertrauen, sie zu umfangen, sie zu küssen, ihr. zu gestehen, wie lieb er sie hatte. Er wagte es nicht.
Er trat von ihr zurück unb, schon an ber Tür, fragte er: ,Komrnst bu mit zur Bahn? Möchtest bu mich begleiten?"
Ein helles Rot flog über ihr Antlitz. „Gern komme ich mit, wenn es bir recht ist."
Sie fuhren stumm zum Bahnhof. Liane fühlte feinen ernsten, leibvollen Blick auf sich ruhen. Warum sagte fein Blick soviel, was fein Munb verschwieg? Das Herz begann ihr rascher zu klopfen.
Freb war es, als ob er ihr Bilb unauslöschlich in seinem Herzen festhalten mußte. Wer konnte wissen, was war, wenn er wieberkam? Vielleicht fanb er ihr Haus dann verschlossen vor seinem Eintritt, vielleicht floh sie voller Entsetzen vor ihm.
Auf bem Bahnsteig trafen sie Ernst Schröber. Mit bebeutungsooHem Druck lagen bie Hänbe ber beiben Freunbe ineinanber.
,^)üte mir auch biefe ba!" sagte Freb leise, mit einem Blick auf Liane.
Die Augen bes Freunbes bekamen freudigen Glanz. „Sie bleibt bir erhalten", flüsterte er, unb zurücktretenb fügte er laut hinzu: „Die Reise wirb beine Erwartungen übertreffen, Freb. Noch nie hast bu besseres Geleit zur Bahn gehabt als diesmal."
Zum letzten Male lagen ihre Hänbe (ineinander, zum letzten Male trafen sich ihre Blicke, ernst und weh war ber seine, bittend unb fragenb zugleich der ihre. Sprich, sprich ein Wort!, klopfte bang ihr Herz. Doch ber Zug entführte ihn, bevor sich fein Munb geöffnet. Noch lange sah Liane eine roinfenbe Hanb, bann war auch biefe verschwunben.
Mit Tränen in ben Augen, roanbte sie sich bem Ausgang zu. Ernst schloß sich ihr an. Sie gingen zusammen zu Fuß nach ihrem Hause.
Vor ber Haustür sagte Ernst: „Darf ich mit Ihnen eintreten? Darf ich ben Schleier lüften, ber über Frebs Leben schwebt? Werben Sie stark genug fein, alles zu hören?"
Sie nickt stumm, bann traten sie ein.
Im Wohnzimmer wollte Liane bas Licht einschalten, aber ihre Hanb sank nieber, bevor sie ben Knopf berührt hatte. In ber Dämmerung, bie über bem Raum lag, bebeutete sie ihm stumm, Platz zu nehmen. Sie setzte sich in ben Kessel am Fenster unb sah ihn aus großen, ängstlichen Augen an. Das Herz schlug ihr schwer. Was sollte sie Horen?
(Fortsetzung folgt!)


