HrJ!5 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Samstag, l8. MaiMS
GA.-E>on-erzüge
zur Eröffnung der Zieichsautobahn am 19. Mai.
Ab Bahnhof Gießen.
1. Zug Nr. 401, Transporlführer: Sturmführer Schuppe, 11/116; Abfahrt: 1.00 Uhr, Rückkunft: 23.18 Uhr.
2. Zug Nr. 402, Transportführer: Obersturmführer Bender, 11/116; Abfahrt: 2.00 Uhr, Rück- hinff: 0.35 Uhr (am 20.5.).
3. Zug Nr. 403, Transportführer: Sturmführer Lenz, 45/116; Abfahrt: 2.23 Uhr, Rückkunft: 1.43 Uhr (am 20.5.).
4. Zug Nr. 404, Transportführer: Obertruppführer Heß, II/R 116; Abfahrt: 2.43 Uhr, Rückkunft: 2.00 Uhr (am 20.5.).
Ab Bahnhof Grünberg.
Zug Nr. 405, Transportführer: Sturmführer Da p per, 3/116; Abfahrt: 1.10 Uhr, Rückkunft. 23.53 Uhr.
Ab Bahnhof Hungen.
Zug Nr. 406, Transportführer: Obersturmbannführer Bender, 111/116; Abfahrt: 2.52 Uhr, Rückkunft: 0.52 Uhr (am 20.5.).
Achtung! Volksgenossen!
Waldbrandqefahr! Schont Wald und Wild!
Am 19. 2Nai wird das erste Teilstück der Reichs- autobahn zwischen Frankfurt und Darmstadt durch feierlichen Staatsakt eingeweiht.
Gin ungeheurer INenschenstrom wird sich an diesem Tage nach dieser Autobahnstrecke bewegen, um Zeuge des Ereignisses zu sein. Die Autobahn führt weite Straßen durch den Wald, hier wird mit einem nie zuvor gesehenen Verkehr und einer Menschenansammlung von ungeheurem Ausmaß zu rechnen sein. Daraus erwachsen dem Wald große Gefahren. Es muh daher jeder einzelne Besucher von sich aus darauf bedacht sein, alle Handlungen zu unterlassen, die eine Gefährdung des Waldes und des Wildes
zur Folge haben können. Insbesondere müssen die hierauf abzielenden Bestimmungen streng eingehalten werden:
1. Es darf im Wald oder dessen Rahe fein Feuer angezündet werden.
2. Es ist verboten, im Wald zu rauchen.
3. Alle Wege müssen streng eingehalten werden.
4. hegen und eingezäunte Flächen dürfen nicht betreten werden.
5. Einzäunungen und alle sonstigen Anlagen im Wald sind zu schonen.
6. Pflanzen dürfen nicht ausgerissen, Bäume durch Abbrechen von Aesten usw. nicht beschädigt werden.
7. Hunde müssen an der Leine geführt werden.
Volksgenossen! Bewahrt während des Aufenthaltes im Walde Disziplin! Beweist, dah ihr Rationalsozialisten der Tat seid!
OieBenuhungsvorschnsten für dieKrast- fahrbahn Sranffurf a. M -Darmstadt.
Ab Sonntag nachmittag frei für den allgemeinen Verkehr.
LPD. Frankfurt a. M., 17. Mai. Die Oberste Bauleitung für den Bau der Kraftfahrbahn Frankfurt—Mannheim—Heidelberg teilt folgendes mit:
Die Kraftfahrbahn Frankfurt a. M—Darmstadt wird am Nachmittag des 19. Mai dem allgemeinen Verkehr übergeben. Für sie gelten folgende Verkehrsvorschriften: Die Kraftfahrbahn darf nur von Kraftfahrzeugen benutzt werden; Fußgänger, Radfahrer, Reiter, Fuhrwerke sind also ausgeschlossen. Als Zufahrtswege von und zum bestehenden Straßennetz dürfen nur die dafür vorgesehenen Anschlußstellen benutzt werden. An Anschlußstellen ist der fließende Verkehr bevorrechtigt. Die Kraftfahrzeuge haben die rechte Hälfte der in ihrer Fahrtrichtung rechts liegenden Fahrbahn zu benutzen; die andere Hälfte der Fahrbahn dient zur Ueberholung. Wenden auf der Fahrbahn ist verboten. Zur Erteilung von Fahrunterricht und zur Abhaltung von Führerprüfungen dürfen die Kraftfahrbahnen nicht benutzt werden. Im übrigen finden die Reichsstraßenverkehrsordnung vom 28. Mai 1934 und ihre Ausführungsbestimmungen sinngemäß Anwendung.
Aus Der Provinzialhauptstadt.
Waldmeister.
Deutscher Waldmeister, Du Kraut des Mai, Zum Maitrank gieße ich Wein auf, Daß dein Duft befreie Des Weines Geister!
Kein anderes Kraut des deutschen Waldes umweht ein solcher hauch, wie den Waldmeister — asperula odorata. Schon der Name atmet Waldgeruch und Rebenduft: „Wo nähme der Maimond den Maitrank her, wenn nicht im Walde der Waldmeister wär'!" Ehe nod) die Buche, der heilige Runenbaum der Germanen und der Charakterbaum des deutschen Waldes, ihr Blattgrün voll entfaltet und die Maiblume die Wälder durchduftet, sprießt zwischen Moospolstern und braunem Altlaub das zarto Pflänzchen, das „Duftkraut des Duchendomes" auf, das im Mittelalter den schönen Namen „Herzfreude" trug. Ja, der schattige Buchenforst, den spärliche goldige Sonnenlichter durchweben, ist Wakdmeisters eigentliche Heimat:
„Im Buchwald grünt ein Edelkraut, Ich nenn' es nicht mit Namen, Das mußt du pflücken frischbetaut, Eh's Blüten trägt und Samen, Wie Quirle stehn in gerader Zahl v. Um eck'gen Stil die Blätter schmal. Das mußt du streu'n und stürzen Ins Kämmerlein, den kühlen Wein Dir wohl damit zu würzen."
In alter Zeit kannte man die würzenden Kräfte des Waldmeisters, die dem Maiwein seinen blumigen Duft und Geschmack verleihen, die aber nur der eben ersprossenen Pflanze eigen sind, noch nicht; man liebte ihn als Sinnbild der Fruchtbarkeit, und sein starker Duft galt als Wahrzeichen des Auferstehungsglaubens, auch wurde er in den Kräuterstuben der Klöster gern als äußerliches Arzneimittel verwandt. Als solches erwähnt ihn Albertus Ma g n u s , und der Mönch Burchard von Gießen berichtet aus dem 16. Jahrhundert: „Das Kraut, zerdrückt und auf hitzige Geschwülste und Beulen gelegt, nimmt diesen die Hitze und zeitigt alles, was aufbrechen soll; es hat auch die Natur, die Leber zu öffnen; um die Stirn gelegt, stillt es das Kopfweh." Ein anderer Kräutermann, Jakob Brauner, rühmt es in seinem „Deutschen Kräuterbuch" von 1713 als wirksame Heilpflanze gegen mancherlei Leiden: „Sternleberkraut, von etlichen ,Waldmeister^ genannt, pflegen die Leute im Maien, wenn das Kräutlein noch frisch ist, zu sammeln und als Extrakt heiß zu trinken in der Meinung, daß es Leber und Lunge stärke, auch soll es das Herz erquicken." Zu der Erkenntnis, daß es „auch sonst innerlich gar wohl zu brauchen sei", ist man erst zur Zeit der Befreiungskriege, und zwar zuerst in der rebengrünen, weinfrohen Pfalz gelangt; dann freilich hat sich der süffige Maitrunk binnen weniger Jahre ganz Deutschland erobert.
Als Wetterprophet galt das Kraut feit alters; irockner Waldmeister ist, solange schöne, sonnige Tage bevorstehen, fast geruchlos, er strömt aber einen starken Duft aus, wenn Regen droht. Viele Hausfrauen — Goethes Mutter ging ihnen mit gutem Beifviel voran — legen Waldmeistersträußchen als Riechkissen zwischen das frischaewaschsne Leinen, um diesen das zarte Aroma mitzuteilen, und in den Randdörfern des Spessarts, dessen weite Buchenwälder im Frühling ein Waldmeister- Paradies sind, besteht der hübsche Brauch, in der Maienzeit die farbenbunten Kirchenfenster an der Innenseite mit üppigen Kränzen des frischen Krautes zu schmücken.
Die Märker und Mecklenburger nennen den Waldmeister Mösch, die Altmärker Möske, in Ostpreußen beißt er Merske, in der Lausitz und in Schlesien Meserich oder Meiserich. Auf dem Thüringer Wald und in den Harzstädten, zumal in der alten Kaiserstadt Goslar und in Harzburg, bieten die Einheimi-
pr.nz Schmetterling.
Von Josef Friedrich perfomg.
In einer einsamen Gegend lebte ein armer Bauer mit seiner Tochter. Sie hatten nur ein kleines Feld, auf dem sie Gemüse bauten. Das Fleisch zu dem Salat, Kohl und Kraut schenkte ihnen der nahe Wald, eine Ziege versorgte sie mit Milch.
Einstens sagte der Bauer wieder zu seiner Tochter: „Nimm die Flinte und gehe in den Wald, vielleicht bekommst du ein Wildbret"
Das Mädchen hängte sich das Gewehr um und ging in den nahen Bergwald. Bald traf sie die Fährte eines Rehes; sie spurte ihm nach und erlegte es glücklich. Aber von der Pirsch war sie müde geworden, und sie suchte nun einen Ort zum Ruhen. Eine riesige Eiche breitete ihre Schatten aus wie ein kleines , dunkles Reich, und die Bauerntochter legte den Kopf an den uralten Stamm zurück. Eben als ihr die Augen zufallen wollten, Überlief sie ein sonderbares Gefühl Sie drehte sich um, und da war auf einmal in dem Baume eine Tür, in der ein Schlüssel stak. Voll Verwunderung sprang die Ueberraschte auf, ließ das Reh liegen und drehte den Schlüssel um. Die Türe öffnete sich, und sie konnte in die Eiche treten. Eine breite Treppe aus blankem Metall führte in die Tiefe, und auf jeder Stufe stand ein silberner Leuchter; so war es taghell in die dunkle Erde herab.
Das Herz klopfte dem Mädchen bis hoch in den hals hinauf. In feinen Ohren klang es wie das Murmeln von tausend Stimmen. Es war nur der leise Wind, der oben in der Krone das Laub rascheln ließ, hier, tief im Stamme, verstärkte sich aber der Laut vielfach.
Das Bauernkind kam in ein so schönes Zimmer, daß es vor Schreck und Erstaunen den Atem anhalten mußte. Die Wände waren aus Kristall und die Möbel aus Gold. In der Ecke stand ein silbernes Bett mit einem rotseidenen Vorhang. Das Mädchen schlug ihn zurück, da lag ein wunderschöner Jüngling in tiefem Schlaf. Sie wollte ihn wecken, doch alle Mühe war vergeblich. Traurig schob sie den Vorhang wieder zurück und setzte sich in einen der Lehnstühle, in dem sie beinahe versank.
Da kam aus einem Winkel eine Otter daher und schlich sich gerade unter ihre Füße. Schon wollte sie das Tier zertreten, doch Mitleid regte sich m ihr und sie ließ die Schlange am Leben. Diese hob den Kopf und sagte: „Ich danke dir, daß du mtd) nicht zertreten hast. Du könntest mir leicht einen Gefallen erweisen". ..
Das Mädchen fragte, was sie begehre, und die
schen den fremden Besuchern zur Pfingstzeit Waldmeistersträußchen und Maienbüsche in Fülle an; will man aber das Kräutlein im eigenen Garten ziehen, so verlangt es nahrhafte humusreiche Walderde und schattige Lage unter Laubbäumen. Am besten gedeiht es, wenn es im September aus dem Wald in den Garten verpflanzt wird; für die Winterzeit bedarf die junge Pflanzung der gewohnten, leichten Laubdecke, die ihm im Wald das Herbstlaub der Buchen spendet.
Seinen Sänger und Herold sand er in Otto Ro- quette, der ihm zum Ruhm sein Rhein-, Wein- und Wanderepos „Waldmeisters Brautfahrt" schuf, in dem Prinz Waldmeister um Rebenblüte freit, die sich ihm im edlen Saft der Traube vermählt. Zedlitz gedenkt seiner in dem Märchen „Das Wald- fräulein", Baumbach, Johannes Trojan, Julius Wolff haben ihn gefeiert, keiner aber mit größerer Liebe als Scheffel, der in seiner Heidelberger Zeit im Bunde mit den Sodalen des „Engeren" das ..Maitranktrinken" alljährlich im „Waldhorn ob der Drück" zu einem täglich erneuerten Mysterium erhob:
„Der du mir die Seele mit Sonne, Die Kehle mit Maitrank durchglühst, O Frühling, Herold der Wonne, Sei tausendmal du mir gegrüßt!" F. h.
Otter bat: ,Zch bin vom Eichbaum heruntergefallen; hilf mir wieder hinauf".
Das Mädchen nahm die Schlange in die Hand und trug sie die Stiege empor. Kaum hatte es die Schwelle überschritten, schlug das Tor von selber zu, und es stand vor einem gewöhnlichen Baume. Auf der Rinde des Stammes liefen die Ameisen auf und ab, und eine Eichkatz schaute klug und neugierig aus dem Laube. Die Bauerntochter hob die Otter auf einen niederhängenden Ast, nahm Flinte und Reh und ging nachdenklich heim. Ihr war, als hätte sie eben im Eichenschatten geträumt.
Am nächsten Tage spaltete sie im Hofe Holz. Da hörte sie einen dumpfen Laut und glaubte, die Nachbarn wälzten ein Faß über die Tenne. Aber aus der Ferne kam eine Kugel, rollte näher und wurde immer größer. Vor der holzkliebenden zersprang sie mit einem scharfen Klang, als ob recht sprödes Glas zerbräche. Ein kleines Weib, schön von Angesicht und ländlich gekleidet, stand da. So sahen die guten Feen aus, nur trug sie Bauerngewänder.
Das Mädchen erschrak sehr, aber die Erscheinung sagte: „Fürchte dich nicht, ich bin die Otter, die du verschont und auf den Baurn gehoben hast. Ich und mein Sohn, der Prinz Schmetterling, sind nun erlöst. Du sollst nun bei uns im Schloß wohnen".
Das Mädchen schlug die hacke in den Holzblock und ging in das Haus, den Vater zu fragen. Er schlug eben die Eisenreifen fester auf die Dauben des Melkkübels und nickte ihr feine Eiwilligung zu.
„In drei Tagen holen wir dich und deinen Vater", sagte das Weib.
Dem Mädchen wurde vor lauter Freude schwindelig. Als sie sich nach wenigen Augenblicken umschaute, war die Fee verschwunden, und eine Schlange kroch in das hohe Gras der Wiese hinein.
Nach drei Tagen, in der Abenddämmerung beim Gebetläuten, da sauste und schwirrte ein Schwarm vom Waldrande her. Vier Schimmel zogen einen schönen Wagen und darin saß die Fee und Prinz Schmetterling. Neben dem Wagen flogen Tausende Falter in allen möglichen Farben, und das Wehen ihrer Flügel war wie ein leises Rauschen hörbar.
Der Bauer und seine Tochter sollten in die Kutsche einsteigen, aber da sah der Mann die Sense in dem Flur hängen, mit der er bei den wohlhabenden Nachbarn in so vielen Sommern die Mahd besorgt hatte, und das Mädchen hörte die Ziege meckern.
Auf einmal sagte es leise und schüchtern zu dem Prinzen Schmetterling: „Wir bleiben lieber hier."
„Du wirst aber im Schlosse aus goldenen Schüsseln elfen", sagte er.
„Ich trinke die Milch gerne aus unserer irdenen." 1 „Du wirst in einem seidenen Bette schlafen."
Eintragung in die Hankwerksrolte.
Vom Kreisamt Gießen wird uns mitgeteilt: Durch die dritte Verordnung über den vorläufigen Aufbau des deutschen Handwerks vom.18. Jan. 1935 ist die Berechtigung zum selbständigen Betrieb eines Handwerks von der Eintragung in die Handwerksrolle abhängig gemacht worden, die von der Handwerkskammer geführt wird. In die Handwerksrolle wird grundsätzlich nur eingetragen, wer die Meisterprüfung für das von ihm betriebene ober für ein diesem verwandtes Handwerk bestanden hat.
Diese gesetzliche Vorschrift ist für viele überraschend gekommen und hätte bei sofortiger strenger Handhabung außerordentliche Schwierigkeiten mit sich gebracht. Infolgedessen hat der Gesetzgeber lieber» gangsbeftimmungen vorgesehen. In Hessen sind die Kreisämter ermächtigt, in besonderen Fällen Erleichterungen für die Eintragung in die Handwerksrolle und damit für die Eröffnung eines Handwerksbetriebes zuzulassen (Ausnahmebewilligung). Von dieser Ermächtigung ist bisher in einer großen Zahl von Fällen Gebrauch gemacht worden, was aber auf dis Dauer nicht angeht.
In Zukunft ist, wie das Kreisamt mitteilt, nur noch unter ganz besonders schwerwiegenden Gründen mit der Erteilung solcher Ausnahmebewilligun-
„Jch liege auf rupfener Leinwand gut."
„Du wirst nicht mehr arbeiten müssen."
„Mir sind meine rauhen Hände schon recht."
Da lächelte Prinz Schmetterling und fuhr wieder davon. Aber er nickte den Bauersleuten so fröhlich zu, als wäre er nun erst völlig erlöst.
Tanz Der Wassersäulen.
Von Friedrich Schlack.
Den ganzen Tag und die Nacht hatte es heftig geweht. Auf einem kleinen Küstenfahrzeug, das Reis, Kaffee und Hölzer geladen hatte, fuhr ich im Indischen Ozean, unweit der Mastareneninseln. Wie eine Wand stand der Wind, darin sich das Schiff entlang scheuerte. Am Morgen daraus, mit einem Male, legte sich die steife Brise. Mächtig, doch lautlos dünte das Meer — wie durch einen hohlraum, angefüllt mit Totenstille, fuhr man unter dem schweren Himmel. Es war zur Zeit des Frühjahrsmon- sums, der seine Wolkenlasten westwärts trieb. Eine lauernde Stimmung hing plötzlich über dem Ozean. Das Schiff schlich, als hätte es ein schlechtes Gewissen, und war doch mit guter Fracht beladen. Aber das Meer sah eigentümlich bleifarben aus, zäh und dickflüssig.
Plötzlich gab es ein Bersten und Zerreißen in der Luft. Ein heftiger Wolkenbruch schmetterte nieder, auf das Deck knallend. Wie unter dichten Güssen von Schrot zischte die Wasserfläche, unaufhörlich. Zwei Stunden lang stürzte von oben eine See in die See. Dann, so schnell er niedergebrochen war, versiegte der Regen, und ein feiner Wasserstaub durchnebelte die Luft, mehr ein Dampf, der alle Gegenstände beschlug, soweit sie der Regen nicht schon genäßt hatte. Die Atmosphäre war gesättigt mit diesem Dunst, und er erinnerte mich durch seine Dichte an die Waschküchenluft des Roten Meeres, wo ich hinter Dampf- und Staubschleiern einmal den seltenen Anblick einer tiefblauen Sonne erlebt hatte.
Ich stand auf dem Achterdeck. Das Kielwasser schäumte ... Auf einmal bemächtigte sich meiner das Gefühl einer sonderbaren Verlassenheit, als wäre ich losgelöst von der modernen Zeit, wiewohl ich auf einem Schiff des 20. Jahrhunderts fuhr: eine Empfindung überfiel mich, wie sie ein Reifender der Urzeit vielleicht gehabt hätte, wäre nur einer auf dem Meer Herumgetrieben. So ungefähr war mein seelischer Zustand vor einem aufregenden und grandiosen Anblick, der sich mir auf dem Meer darbot.
In der Entfernung von etwa einer halben Seemeile war der Ozean von einer phantastischen Anstrengung überkommen. In der großen Stille stan-
gen zu rechnen. In der Regel ist daher vor Eröffnung eines Handwerksbetriebes die Meisterprüfung abzulegen. Es wird dringend davor gewarnt, sich leichtfertig über diese Bestimmung hinwegzusetzen und etwa Verpflichtungen einzugehen (Kauf von Betriebseinrichtungen, Abschluß von Mietverträgen usw) in der Annahme, daß dann behördlicherseits die vorherige Ablegung der Meisterprüfung erlassen wird und die Eintragung in die Handwerksrolle auf Grund einer Ausnahmebewilligung erfolgt.
Taten für den 19. Ma».
1607: Gründung der Universität Gießen; — 1762: der Philosoph Joh. Gottl. Fichte in Rammenau geb. (gestorben 1814); — 1891: der deutsche Kampfflieger Oswald Boelke in Halle-Giebichenstein geboren (tödlich abgestürzt 1916); — 1931: die Leiche des Grönlandforschers Alfred Wegener in Westgrönland gefunden (geboren 1880).
Taten für den 20. Mai.
1664: der Baumeister Andreas Schlüter in Hamburg geboren (gestorben 1714); — 1764: der Bildhauer Gottfried Schadow in Berlin geboren (gestorben 1850); 1846: der Heerführer Generaloberst Alexander von Kluck in Münster geboren.
Aus parteiamtlichenBekanntmachungen
Der Bund Nationalsozialistischer Deutscher Juristen, Bezirk Oberhessen, veranstaltet am Freitag nächster Woche, 19.30 Uhr, im Saale des Cafe Ebel zu Gießen eine Bezirksversammlung, in der Prof, heyland (Frankfurt a. M.) über das Thema: „Das nationalsozialistische deutsche Beamtenrecht" sprechen wird.
Deutsche Arbeitsfront.
RS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude".
Am 5. und 6. Juni finden im Stadttheater wieder zwei große fröhliche Abende statt, die hinter dem Abend des Schumanntheaters nicht zurückstehen werden.
Kabarett der Komiker!
Ein ganzer Abend, der nur auf Heiterkeit und unbändigen Humor abgestellt ist. Die Kräfte, die die einzelnen Nummern bestreiten, sind außerordentlich gut und zum großen Teil auch sehr bekannt. Der Ansager, der rheinische Humorist Harry Vogel, ist vom Rundfunk her bestens bekannt. Man wird die 4 lustigen Soundys, die luftigen Hofmusikanten, hören, die auf allen Musikinstrumenten Virituosen sind und fast alle menschliche Stimmen ihren Instrumenten entlocken können. Was sonst noch alles kommt, das bringen wir in den nächsten Tagen in der Presse. Eines ist sicher: man kommt wieder einmal aus dem Lachen nicht heraus. — Die Preise der Plätze sind von 60 Pfennig bis 1,50 Mk. Karten können durch die Orts- und Betriebswarte bestellt werden. Kartenvoroerkauf ist auf der Kreisdienststelle „Kraft durch Freude", Schanzenstraße 18, Zimmer 8, ferner bei der Oberhessischen Tageszeitung, Musikhaus Challier und Frau Huntemann.
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Kreiswandertag!
Der für den 19. Mai geplante Kreiswandertag in Kloster Arnsburg ist wegen der Eröffnung der Reichsautobahnen auf den 26. Mai in Kloster Arnsburg verschoben worden.
Wer darf bei einer Zagdverpachtung beeten?
Die Pressestelle des Kreisjägermeisters für den Kreis Gießen teilt mit:
In den nächsten Tagen beginnen die öffentlichen Verpachtungen zahlreicher gemeinschaftlicher Jagdbezirke im Kreise Gießen. Um Pachtlustige vor Unannehmlichkeiten zu bewahren, erscheint es geboten, diese auf § 12 Ziffer 4 des Reichsjagdgesetzes und die „Anweisung für das Verfahren bei der Jagd- verpachtung" Ziffer 5 nochmals hinzuweisen. Die Beobachtung zeigt nämlich, daß hierüber vielfach noch Unklarheiten bestehen.
Das Gesetz besagt: „Pächter kann nur fein, wer
den, wie hingezaubert, graue Wasserhosen; eine ganze Säulenreihe hatte sich erhoben und schien den Himmel zu tragen. Das ebenso anziehende, wie erstaunliche Schauspiel erinnerte an ein Bild aus einem alten Buch der Erdkatastrophen, Stürme und Sintfluten. In gewaltigen Massen sog die von seltsamen Wirbeln und Kräften hoch oben beherrschte Atmosphäre bas Meerwasser aufwärts. Man hätte beinahe meinen können, der Himmel versuche, das Meer durch mammuthafte Luftrüssel zu schlucken. Das Schwere war plötzlich leicht geworden, aber das Licht, das trüb hinter den Wolken keimte, hatte sich i durch die Wasserdämpfe noch mehr verdüstert. Bereitwillig gab sie der Ozean per. Ich glaubte in dem grauen halblicht an die zehn Säulen zählen zu können, wie sie, gleich den aschenfarbenen Stämmen eines seltsamen sich im Nebeldunst verlierenden Waldes, hintereinander standen und ihre rauchiggeftaltlosen Wipfel unter den Wolken sanft und schwermutsvoll hin- und herwischten, indes ihre Säulenfüße auf dem Wasser ruhten.
Eine wunderbare Halle von Wasser und Luft, für einen Augenblick aufgebaut, für einen Augenblick geheimnisvoll und unerhört fremdartig. Dann verging das flüchtige Werk wieder. Einzelne Säulen begannen zusammenzustürzen, in Wolken von Staub, andere schrumpften und schraubten sich aus der höhe zur Tiefe zurück, woher sie gekommen waren, bald war auch der Rest verschwunden und der ganze Tempel, den der Meergeist aus seinem amphibischen Reiche emporgeftemmt hatte, wieder in die Wellen versunken.
Aber er trieb sein Spiel noch eine Weile. Das ganze Meer war ein fruchtbarer Boden für die herrlichen Wasserbäume. Beständig spielte der Ozean damit; es war, als hätte ihn ein Rausch gepackt, ein Urzeitgedanke, den er verwirklichte: bald nah, bald fern stießen neue ungeheure Flutrüssel empor, manche fernen ganz in die Nähe des Schiffes, das stark schwankte und zwischen den beständig neu aufwachsenden Säulen hinschwamm. Auf dem Meer herrschte zwar vollkommene Windstille, doch wo eben eine Wasserhose aufbäumte, begann ein leichter Wirbelwind zu wehen. Der Ozean drängte empor zum Himmel, der Himmel neigte sich herab — die flüchtigen Staubsäulen verbanden die höhe mit der Tiefe. Da manche Säule unweit des Schiffes sich erhob, konnte ich ihre Entstehung genau beobachten, wie das Meer plötzlich an der Äufdruchstelle dunkel anschwoll, angesogen von den bildenden Kräften, unh wie der Staub und Dampf rasch in die höhe fäulten.
lieber eine Stunde währte der geisterhafte Aufmarsch der Säulen. Dann, als plötzlich alle die mächtigen Brunnen in ihren Ursprung zurückgcfallen i waren, geschah nichts weiter: die Meeresphantasir I war vorüber, das Schauspiel zu Ende.


