Oberheffen
Nachdruck verboten!
19 Fortsetzung.
Deutsche Volksgenossen! Wenn am 20. Oktober Kinderfäuste an eure Tür klopfen, dann öffnet und gebt ihnen von dem, was ihr an Kinder- kleidern und Wäsche entbehren könnt. Sie kommen im Auftrage bei Winterhilfe, die das von euch Gegebene der Volksgemeinschaft zuführen wird!
Wilderling begrüßte Gerhard etwas verlegen und versprach etwas nervös: „Jetzt habe ich noch allerlei zu tun, aber ich besuche euch morgen, mein lieber Junge."
Es klang, als sagte er: -alte mich nicht auf, ich habe keine Zeit!
Ihm war es entsetzlich peinlich, Gretel Syden mit Gerhard Diendorf in einem Raum beisammen zu sehen. Gerhard Diendorf haßte ja ihren Bruder als den Zerstörer seines Lebensglücks, eine Vorstellung mußte um jeden Preis vermieden werden.
Er stutzte, denn Gretel lachte eben vergnügt: „Sie werfen ja den Herrn Doktor förmlich hinaus und er ist doch so nett. Beim Eintreten hier haben wir uns nämlich angerempelt, der Herr Doktor und ich. Ich habe ihn zufällig derb in die Seite gestoßen und er hat nicht mal gebrummt. Er ist ein Verwandter von Ihnen, Herr Wilderling, er sagte es mir vorhin."
Jutta von Syden lächelte ihr liebenswürdigstes Lächeln. , , .
„Darf ich ine Herrschaften, ich meine, unsere beiden über Nacht berühmt gewordenen rheinischen Landsleute ein bißchen feiern. Ich bin um diese späte Stunde immer sehr unternehmungslustig, seit ich mit Gretel reise und bitte Sie herzlichst zu einem Glase Hejmatwein. Herr Dr. Diendorf, schlie- ßen Sie sich doch an. Als Verwandter von Herrn Wilderling gehören Sie auch ein wenig zum Rhein."
„Natürlich schließt sich der Herr Doktor uns an", lachte Gretel und ihre tiefblauen Augen lachten auch.
Gerhard Diendorf nahm mit einer Verbeugung an.
Er war gekommen, um Konrad Wilderling zu begrüßen, und die Blumen hatte er in dem Sinne gesandt, wie es Bettina Hochwald aufgesaßt. Er hatte ihr noch einmal dafür danken wollen, daß sie in seiner bösesten Lebensstunde zu seinem Schutzengel geworden.
Dem alten Musiker brach der Angstschweiß aus, weil nun Gerhard Diendorf und Gretel Syden gemeinsam an einem Tisch sitzen würden. Nein, das ging nicht an, das mußte verhindert werden. Das wäre geradezu toll, wäre unmöglich. Gerhard Diendorf und Hans Sydens Schwester an einem Tisch!
Bettina beobachtete, wie der alte Herr sich mit allerlei quälenden Gedanken herumschlug. Sie wußte genau, was in ihm vorging und gab ihm einen Wink mit den Augen, sagte laut und mit, einem Lächeln: „Ich möchte gern ein paar Worte mit Herrn Wilderling sprechen. Wichtiges über das Konzert. Danach sind Mr gern bereit, uns ein bißchen feiern zu lassen."
Er trat zu chr und sie zog rhn ein paar Schritte abseits, finsterte ihm zu: „Dr. Diendorf kennt den
Zwischendurch sang der Gesangverein einige Lieder und Schulkinder sprachen turnerische und völkische Gedichte. Turner Hch. Eimer erzählte von der Turnfahrt nach Ober-Seemen. Den Mittelpunkt ber Veranstaltung bildete die Rede des Turnbruders Lehrer Becker, der den Zweck der Leibesübungen und die Daseinsberechtigung der leibesübungtreiben« den Verbände darlegte Danach zeigten die Turner und Turnerinnen noch Hebungen am Pferd, sowie Spruntzübungen. Den Schluß der Veranstaltung bil» bete bie Ansprache bes Ehrenvorsitzenden Lehrer B o p f. Er bankte im Namen bes Vereins, ben er lange Jahre geführt hatte, allen Beteiligten, sowie bem Lehrer Becker, ber bas Werk Bopfs, bie Turnerei in Groß-Eichen, mustergültig weiter führt. Ein dreifaches Sieg-Heil auf ben Führer unb bas gemeinsam gesungene Horst-Wessel-Lieb beschloß bie Kundgebung.
Kreis Alsfeld.
ll. Merlau, 16. Okt. Die beiden hiesigen Spar- und Darlehensgenossenschaften hielten im Saale von Hörle eine gemeinschaftliche Versammlung ab, in der der Zusammenschluß vollzogen wurde. Direktor Müller eröffnete die Versammlung. Revisor Rühl (Alsfeld) sprach über den Sinn unb Zweck bes Genossenschaftswesens
der Festgemeinde nicht nur die frohe Mitteilung machen, daß sie bei den Gaben im abgelaufenen Jahr mit 143 Mark an der Spitze des Dekanats marschierte, sondern daß sich die Gesamteinnahme des Dekanats Gießen gegenüber dem vergangenen Jahr um 500 Mark gesteigert hätte. Zum Schluß führte Pfarrer Dr. Winkelmann die Gemeinde noch einmal nach Oesterreich, sprach über seine politische Entwickelung bis in bie Jetztzeit unb be» sonbers über bie Lage ber evangelischen Kirche, deren Glieder in der jetzigen Uebertrittsbewegung mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden hätten.
Posaunenchor unb Kirchenchor stellten, wie immer bei berartigen Gelegenheiten, ihre Kräfte in den Dienst des Ganzen. Die zahlreichen auswärtigen Teilnehmer von Gießen und der Nachbargemeinden waren in ber Kaffeepause in ber Gemeinbe zu Gast. Die Festkollekte ergab ben Betrag von 68 Mark. Der Altar, am letzten Sonntag bes Erntebankfestes einzigartig geschmückt, am Nachmittag bas Ziel vieler Dorfbewohner, bot auch, biesmal von Gärtner Sänger (Großen-Linden) anläßlich einer am Samstag stattgehabten Hochzeit übernommen, ein bem Festtag würdiges, prachtvolles Bilb.
Alles in allem ein schönes Fest. Zumal es auch äußerlich von ber warmen Herbstsonne am wolkenlosen Himmel überstrahlt war.
Jahresversammlung des Hessischen Landesvereins für Innere Mission.
= Butzbach, 16. Okt. Der Hessische Landesverein für Innere Mission hält am 27. unb 28. Oktober in unserer Stadt seine diesjährige Jahresversammlung ab. Sie wird mit einem Festgottesdienst am Sonntagmorgen in der
Der Violinist, der ihr Bangen bemerkte, lächelte: „Sie haben es gerade nötig, sich im ßampenfieber abzuquäl-n. Ich g-st-h- es, als Sie mit aufs Pro- gramm kamen, war ich wenig zufrieden. Ich stellte mir nichts Besonderes von Ihrem Gesang vor. Rhei- ni ehe Lieder! Leichte Ware! dachte ich. Mumpitz! sie gehören nicht in den Konzertsaal. Und jetzt bin ich bekehrt. Ihr Gesang und die Lieder paßen m jedes Programm. Aber Sie haben meine Erfolge verdunkelt. Mit Ihnen zusammen mochte ich nicht mehr auftreten. Heute ist es das letzte Mal. Gott fei Dank! Verzeihen Sie, Fräulein Hochwald, aber das ,,©ott fei Dank" dürfen Sie mir nicht verübeln. Also gehen Sie frischen Mutes hinaus, Sie können auch hier Ihres Erfolges sicher fein."
Konrad Wilderling lachte sie einfach aus.
„Raus, Mädel, wir beide werden uns den ganzen, großen gefüllten Saal einfangen. Sie mit Ihrer Stimme, ich mit meinen Melodien. Ich habe schon Größenwahn und keine Angst mehr. Tun Sie's mir nach."
Aber als er bann am Flügel faß und sein Vorspiel erklang, verwehte Bettinas Angst und sie sang die Lieder, die sie nun schon so oft gesungen und der Beifall blieb Liedern und Sängerin auch in Berlin treu. Blumen wurden ihr gereicht. Ein Korb weißer Rosen, ein Strauß leuchtender Nelken und wundervolle Chrysanthemen. Blumen hatte sie Überall erhalten. Sie stammten stets von dem Mu- sikverleger Peter Starke, der in fast allen Konzerten saß, in denen sie sang. Kurz vor bem Konzert tauchte er auf unb gleich nach bem Konzert ver- schwanb er roieber. Aber heute gab es noch brei andere Blumengrüße. Im Künstlerzimmer suchte Bettina nach Karten der Spender. Sie sand den Namen ber Gräfin Jutta, ben Gretels und fand den Namen Dr. Gerhard Diendorfs.
Im Künstlerzimmer fiel Gretel Bettina einfach um ben Hals: „Mädel, du liebes, liebes Madel, was machst du für Geschichten Als wir von dem Konzert lasen, Großchen und ich waren mir mm- bestens fünf Minuten sprachlos. Und wie wirst du gefeiert!"
St. Markuskirche eröffnet, in dem Pfarrer Sckmidt - Laubach die Festpredigt halten wird. Anschließend findet ein Feftkindergottesdienst statt. Am Nachmittag werden sich bie Helfer unb Helferinnen ber hessischen Kinbergottesdienste zu einer Arbeitstagung zusammenfinden, in deren Mittelpunkt ein Vortrag steht über die Frage „Warum und wie erzählen wir biblische Geschichte?" Der erste Tag wird mit einem Gemeindeabend abgeschlossen, in dessen Verlauf Berichte aus der Arbeit der Inneren Mission gegeben werden (Direktor Pfarrer Schneider- Nieder-Ramstadt über „Die Arbeit an Epileptischen und Krüppeln" und Schwester Irma Röhner über „Die Arbeit an Gefährdeten unb Verirrten"). Musikalische Darbietungen werben den Abend umrahmen. Der zweite Tag beginnt mit der geschlossenen Mitgliederversammlung (Rechnung, Voranschlag, Wahlen). In der darauffolgenden öffentlichen Jahresver- Versammlung spricht ber Leiter der Theologischen Schule, Pfarrer D. Brandt- Bethel, über das Thema „Wieherns Stellung zur Frage ber Vererbung unb Erziehung als Gegenwartsproblem". Direktor Röhricht- Darmstadt wird den Jahresbericht erstatten, an den sich eine Aussprache über Arbeitsfragen ber Inneren Mission anschließen wird.
Die Hessische Hochschule für Lehrerbildung nach Darmstadt verlegt.
LPD. Friedberg, 16. Okt. Die Hessische Hochschule für Lehrerbildung wird nach einer Entscheidung des Herrn Reichsstatthalters mit sofortiger Wirkung nach Darmstadt verlegt. Das Wintersemester wird bereits in Darmstadt eröffnet.
NSDAP, statt, in der Kreisleiter Seipel, Friedberg, sprechen wird. $u dieser Versammlung wird das Erscheinen aller Angehörigen der Bewegung und auch der übrigen Volksgenossen erwartet. — Am gestrigen Mittwoch feierten der Landwirt Heinrich S ch e l d unb seine Ehefrau Margarete, geb. Mootz, das Fest dersilbernenHochzei t.— Zur Bekämpfung ber Obstbaumschäblinge hat bie Gemeinde an allen Gemeinde-Obstbäumen Klebgürtel anbringen lassen.
§ Mainzlar, 16. Okt. Die erste Eintopf- fammlung in unserer Ortsgruppe (Mainzlar, Daubringen und Staufenberg) erbrachte insgesamt 154,60 RM.
Q] Queckborn, 16. Okt. In einer Versammlung sprach der Kreisamtsleiter der NS.- Volkswohlfahrt Pg. Kloß (Gießen) über politische Tagesfragen und anschließend über die Aufgabengebiete der NSV. Zum Schluß forderte der Redner auf, auch in diesem Jahre das Winterhilfswerk wirkungsvoll zu unterstützen. Als zweiter Redner sprach Jungbannführer T a e s l e r (Gießen) über die Hitler-Jugend, über ihre Aufgaben und Ziele. Ortsgruppenleiter Weber schloß die Versammlung mit dreifachem „Sieg-Heil!" auf den Führer Adolf Hitler. — Eine Honigsamm- lung, die von der NS.-Frauenschaft durchgeführt wurde, erbrachte fünf große Eimer Honig. Das Ergebnis ist um so erfreulicher, als nur bei den Mitgliedern der NS.-Frauenscyaft gesammelt wurde.
♦ Langsdorf, 17. Okt. Am kommenden Sonntagabend spricht hier im „Deutschen Haus" in einer öffentlichen Versammlung der stellv. Kreispropagandaleiter Heß über das Thema: „Gegen Staatsfeinde und Dunkelmänner unserer Zeit". Alle deutschen Volksgenossen werden zu dieser Versammlung erwartet.
■■ Musckenheim, 16. Okt. Die Kartoffelernte ist beendet. Man ist nun mit dem Ein- bringen der Dickwurz beschäftigt. Die Runkelrüben sind gerade in letzter Zeit noch stark gewachsen, so daß einzelne Stücke 13 bis 15 Pfund wiegen.
# Bellersheim, 16. Okt. Landwirt Karl Schäfer von hier, dessen Scheuer im Nachsommer mit der ganzen ungedroschenen Getreideernte in Flammen aufging, hat eine neue Scheune errichtet, die mit allen Einrichtungen ihrer Vollendung entgegengeht. Nach altem dörflichem Brauch wurden
Schwere« Autounglück in Lang-Göns.
* Lang-Göns, 17. Okt. Am gestrigen Mittwochnachmittag stieß hier auf dem Kreuz das Personenauto des Lehrers Sch. aus Grünin- gen, das mit fünf Personen besetzt war, mit einem Lastauto mit Anhänger des Kalkwerkes Großen- Linden zusammen. In der Mitte der Straße wurde der Personenwagen am Hinteren Teil von dem aus Richtung Großen-Linden kommenden Lastwagen gefaßt und bis auf den gegenüberliegenden Fußsteig gedrückt. Dabei wurde die Frau des Lehrers Sck. in Grüningen schwer, doch zum Glück. nicht lebensgefährlich verletzt; nach erster Hilfeleistung durch den schnell herbeigeeilten Arzt wurde die Frau nach Nieder-Weisel in das Krankenhaus gebracht. Die übrigen Insassen kamen mit leichten Verletzungen davon. Der Personenwagen wurde so schwer beschädigt, daß er abgeschleppt werden mußte, das Lastauto erlitt nur geringen Schaden. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.
Landkreis Gießen.
00 Klein-Linden, 16. Okt. Im Caf6 Lutz hielt der Geflügelzuchtverein Klein- Linden eine stark besuchte außerordentliche Mitgliederversammlung ab. Es wurde beschlossen, die kommende Gauschau in Frankfurt a. M. mit einigen Nummern zu beschicken, ferner wurde ein Sonderbeitrag für den Ehrenpreisfonds der Gauschau genehmigt. Einstimmig wurde die Ueberroeifung eines Geldbetrages an das diesjährige Winterhilfswerk gutgeheißen. Die Mustersatzung für die der Reichsfachgruppe Ausstellungsgeflügelzüchter angeschlossenen örtlichen Ausstellungs - Geflügelzüchtervereine wurde einstimmig angenommen. Auf Grund dieser neuen Satzung mußte die Neuwahl des gesamten Vorstandes oorgenommen werden. Aus dieser Wahl ging einstimmig Züchter August Lenz als erster Vereinsführer hervor, während Züchter Gg. Lutz, nachdem er erklärt hatte, daß er unter keinen Umständen den Posten des ersten Vereinsführers angenommen hätte, ebenfalls einstimmig als stellv. Vereinsführer gewählt wurde. Zu der Ende Januar stattfindenden örtlichen Werbegeflügelschau wurden vorläufig etwa 60 Nummern durch die Mitglieder zugesagt. »
wg. Großen-Buseck, 17. Okt. Am heutigen Donnerstagabend findet hier im Saale des Gastwirts Wilh. Wagner V. eine Kundgebung der
MiWinMnBel
Vornan von Anny von Panhuys Urheberrechtsschutz Aufwärts-Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68.
Gräfin Jutta in stumpfer grauer Seide mit paf- fendem Schal, dessen Enden begrenzt wurden von gediegenem hellgrauen Persianer, stellte fachkundig das Menü zusammen.
Man aß, trank, (Stimmung wurde wach und wacher.
Dr. Diendorf saß zwischen Bettina und Gretel. Er muhte manchmal lachen über die nette urwüchsige Art, in der die Komtesse redete. Es tat ihm gut, das Beisammensein mit frohen Menschen, er staunte, daß er lachen konnte, hatte er doch geglaubt, das vergnügte harmlose Lachen hätte er verlernt für immer. Und jetzt war es plötzlich wieder da. War wie ein frischer Luftzug nach enger Stubenhackerei, war wie ein kühler Trunk nach beschwerlicher Wanderung.
22. Kapitel.
Loreley.
Im Saale sprach es sich herum, wer der kleine Herr war, dem die grauen dicken Locken immer wieder in die Stirn fielen, und man erfuhr auch, wer die schöne Blonde war, die wie eine junge Nordlandskönigin da hinten am Ecktisch des kleinen Herrn faß und meist so ernst aussah, daß man ferst nicht zu glauben vermochte, sie könnte beim Singen der Rheinlieder zuweilen so hinreißend lächeln.
Die kleine Hauskapelle wußte auch schon, wer heute hier zu Gast war. Der Kapellmeister hatte vor ein paar Tagen neue Noten gekauft. Es handelte sich um die erste Ausgabe eines Rheinlieder- Potpourris von Wilderling für Orchester arranaiert. Peter Starke arbeitete ja schon mit Hochdruck. Auch ein Band Lieder war bereits herausgekommen, gleich nach den ersten Konzerten.
Der Kapellmeister legte die Noten auf, trat ge- schmeidig vor, rief überlaut: „Wir werden jetzt etwas zu Ehren von Bettina Hochwald und Konrad Wilderling spielen!"
Still wurde es ringsum, kein Lachen, kein Wort mehr ward laut.
Die beiden, die es am meisten anging, was der Kapellmeister eben verkündet, blickten sich erschreckt an. Waren sie schon so bekannt, daß sie hier in dem großen Berlin nicht einmal ein Stündchen ungestört in netter Gesellschaft verweilen konnten?
Ueber dem Gesicht des alten Musikers lag jetzt ein heller Schein, der war wie Sonnenglanz. Sein Herz klopfte stürmisch vor Stolz und Gluck.
Stolz und Glück des anerkannt schaffenden Künstlers, Stolz und Glück, die er in diesem Augenblick fast stärker empfand als je vorher.
(Fortsetzung folgt!)
Namen von Gretels Bruder noch immer nicht. Der Name Syden sagt ihm also nichts."
Wie atmete der alte Wilderling da auf. Der Abend heute barg also keinerlei Gefahr, und Gretel Syden würde Dr. Diendorf wohl kaum jemals im Leben wiedersehen.
Nachdem Wilderling und Bettina noch ein paar Reportern und Photographen standgehalten, auch Peter Starke war flüchtig aufgetaucht und wieder verschwunden, fuhr man in ein Weinrestaurant am Kurfürstendamm. Gräfin Jutta und der alte Musiker in der einen Taxe, in einer zweiten Dr. Diendorf mit den beiden jungen Damen. Bettina hatte ihre elegante Konzerttoilette anbehalten, sie trug sie ja heute zum letztenmal, in Berlin hatte ihr letztes Konzert stattgefunden.
In der Garderobe des Restaurants legte man die Uebergarberobe ab, und als Bettina noch einmal, um Frisur und Aussehen zu prüfen, vor den großen Spiegel trat, stand hinter chr Gretel, sagte leise: „Du bist wunderschön, Bettinalein. Nun kennen wir uns von Kind an und ich habe das eigentlich gar nicht bemerkt bisher."
„Wie ein radschlagender Pfau komme ich mir vor", gab Bettina zurück. „Ich hätte das Kleid nicht anbehalten dürfen, es paßt nur für mein Auftreten."
Gretel kicherte: „Rede doch keinen Unsinn. Hier dürftest du noch mehr Damen in großer Abendtoilette finden. Doch wahrscheinlich wirst du auch hier die eleganteste, bestimmt aber die interessanteste Dame sein." Sie raunte ihr zu: „Du glaubst gar nicht, wie sehr ich dich bewundere, Bettina, ich bin ganz unbändig stolz darauf,* daß ich deine Freundin bin."
Gretel trug ein hübsches Seidenkleid. Stahlblauen Grund Überstreuten weiße und rosa Feldblumen. Es war einfach gearbeitet und ließ Gretel noch jünger erscheinen als sie war.
Man betrat den Hauvtspeisesaal, an den sich mehrere kleinere Säle anschlossen. Der Eintritt der Neuangekommenen erregte Aufsehen. Es waren ein paar Gäste hier, die das Konzert besucht hatten.
Bettina fühlte die Blicke, die ihr entgegenkamen, peinlich. Jetzt stand sie nicht mehr auf dem Podium, jetzt sollte man sie nicht so anstarren. Sie dachte nicht daran, daß man sie erkannt hatte, schob die kleine Sensation, die sie hier erregte, lediglich auf das mattgrüne Samtkleid und dachte ärgerlich, sie hätte sich lieber doch erst umkleiden sollen.
In einer Ecke des Saales nahm man auf Gräfin Juttas Bitte Platz. Man saß hier abseits und doch frei für jedes neugierige Augenpaar.
durch die Ortsbauernschaft Stroh und Futterfrucht gesammelt, um dem Brandgeschädigten über bte schwerste Zeit hinwegzuhelfen. — Die Bautätigkeit hielt sich in diesem Jahre in normalen Grenzen. Neben verschiedenen Um- und Anbauten an Wohnhäusern und landwirtschaftlichen Gebäuden wurde in der Bahnhofstraße ein neues Einfamilienhaus errichtet. — Der Obstabsatz war dank der guten Obsternte hier sehr rege. Auswärtige Aufkäufer holten in Lastautos das Fall- und Schüttel- obst und zahlten 3 bis 5 Mark je Zentner. Besonders gefragt waren Zwetfchen, für die noch 10 bis 12 Mark für den Zentner geboten wurden. Rheinische Bohnäpfel kosten 9 bis 10 Mark, Schafnase 8 bis 9 Mark, Herrnävfel 11 bis 12 Mark. Gute Preise werden für Tafelobst angelegt; so erzielen Winter-Goldparmänen bis 18 Mark für den Zentner, für auserlesene Früchte der Sorte Schöner von Boskop und Goldrenette von Blenheim werden bis 20 Mark für den Zentner erzielt.
)—( Obbornhofen, 16.Okt. Der neue Ge- meinderat hat in seiner ersten Sitzung beschlossen, die B ü r g e r ft e u e r im Rechnungsjahr 1936 mit hundert Prozent zu erheben. Mit Rücksicht auf die gute finanzielle Lage der Gemeinde sollen in Zukunft von den 12 Zielen Wassergeld und Kanalgebühren zwei erlassen werden, was ein Einnahmeausfall von etwa 800 Mark für die Gemeindekaffe bedeutet. Die Umlage braucht trotzdem nicht erhöht zu werden. — Seit einigen Wochen halten sich auf den Bäumen in den Hofreiten und Hausgärten mehrere Käuzchenpaare auf, die oft am Tage, besonders aber in der Nacht gegen Morgengrauen ihren eigenartigen Lockruf ertönen lassen. In früherer Zeit deutete man ihre Schreie in „Komm mit" um und glaubte, daß bald jemand in der Nähe sterben müsse. Deshalb heißt heute noch das Käuzchen bei der Landbevölkerung Toten- vogel, gegen den jedermann eine gewisse Abneigung hat. — Wie an dieser Stelle schon berichtet wurde, sind die Mannesmannwerke AG. seit Monaten im hiesigen Gemeindewald auf der Suche nach Bauxitvorkommen. Neuerdings wurden auch Probelöcher im Gewann „Am Marktweg" abgeteuft. Wie weit die Arbeiten von Erfolg gekrönt werden, läßt sich noch nicht mit Bestimmtheit angeben.
* Lang-Göns, 14. Okt. Auf der großen zweiten Junggeflügelschau in Hannover, die aus ganz Deutschland beschickt wurde und die am gestrigen Sonntag die großen Geflügelausstellungen einleitete, errang der hiesige Züchter von rebyuhnfarbigen Italienern Willi Frey einen Ehrenpreis für eine Junghenne unter 387 Ausstellungstieren dieser Rasse. Eine zweite Jung- Henne von ihm wurde mit „gut" ausgezeichnet. Willi Frey ist in den Kreisen der Geflügelkenner schon seit Jahren als ganz vorzüglicher Züchter bekannt und geschätzt.
Kreis Büdingen.
ch Nidda, 14. Okt. Unser Zweigverein des Vogelsberger Höhenklubs unter- nahm gestern bei einer Beteiligung von 24 Mitgliedern eine planmäßige Wanderung nach Bad Homburg und der S a a l b u r g , der man unter fachkundiger Führung großes Interesse entgegenbrachte. Anschließend besichtigte man noch einige Sehenswürdigkeiten Homburgs.
Kreis Schotten.
♦ Schotten, 16. Okt. Bei der Eintopf- fammlung wurde im Kreise Schotten der Betrag von etwa 1200 Mark gesammelt. Das Ergebnis liegt um einige hundert Mark über dem des Monats Oktober 1934.
ch Groß-Eichen, 14. Okt. Gestern abend hielt der hiesige Turnverein eine Kundgebung für Leibesübungen ab. Von der Schule aus bewegte sich der Zug der Schuler, Schülerinnen, Turner und Turnerinnen mit fröhlichem Gesang nach der Turnhalle. Dort hatten sich die Einwohner zahlreich eingefunden. Mit dem Gesang des Liedes „Turner auf zum Streite" marschierten die Turner und Turnerinnen auf die Bühne. Turnbruder Wilhelm Zimmer begrüßte die Teilnehmer. Darauf erklang das neue Turnerlied „Getreu allezeit". Nach einem Sprechchor begannen die Darbietungen mit Bodenübungen, wie sie zur Zeit Jahns gezeigt wurden. Barrenübungen, Gruppenturnen, sowie gymnastische Vorführungen zweier Arbeitsdienstlerinnen.
und empfahl die Zusammenlegung der beiden Kassen. Anschließend wurde die Verschmelzung der Sparund Darlehenskasse und des Spar- und Darlehenskassenvereins einstimmig beschlossen. Revisor Rühl empfahl im weiteren Verlaufe der Versammlung, daß die Spar- und Darlehenskasse den Direktor und der Spar- und Darlehenskassenverein den Rechner stellen sollten. Von der Versammlung wurde einstimmig Otto Kaufmann Jium Rechner bestimmt. Zum Schluß sprach Pg. M ü n ch im Auftrage der NSDAP, den Dank aus für die vollzogene Zusammenlegung und schloß die Versammlung mit dreifachem „Sieg-Heil!" auf den Führer Adolf Hitler.
# Ober-Ohmen, 16. Okt. Die Gaufilmstelle ber NSDAP. veranstaltete im Saal von Krebs einen F i l m a b e n d mit dem Tonfilm „Krach um Jolanthe". Als Vorspiel wurde ein Filmstreifen vom vorjährigen Erntedanktag auf dem Bückeberg gezeigt. — Eine Riefenkarotte wurde hier geerntet. Das Exemplar weist einen Umfang von etwa 25 Zentimeter auf und hat ein Gewicht von 1% Pfund. Die übrigen geernteten Exemplare wogen 375 bis 500 Gramm.
—.— Homberg, 15. Okt. Am Sonntag hielt der Kleinkaliber -Sckiitzenverein sein König- und Ritterschiehen veim schönsten Herbstwetter auf seinem auf dem Hermannsberg gelegenen neuen Schießstande ab. Die Veranstaltung fand durch ein gemütliches Beisammensein im Frankfurter Hof seinen Abschluß. Zu Beginn dieser Festlichkeit begrüßte der Vorsitzende, Dentist W. Becker, alle Teilnehmer, gab das Resultat des Schießens bekannt und nahm die Ehrung der Sieger vor. König wurde Ehrenmitglied Hans Schmitz (Gießen) mit 150 Ringen, erster Ritter Friedrich Goß- f elber mit 144 Ringen, zweiter Ritter Wilhelm Spieß mit 140 Ringen und bester Jungschütze Heinrich Rieß (Gontershausen) mit 124 Ringen. Die beim Schießen errungenen 6 Ehrenscheiben wurden ebenfalls ausgegeben. Ferner erhielt der bei den Verbandswettkämpfen als Altfchützen-Mei- fter hervorgegangene Kamerad Rudolf Seipp eine Medaille, gleichfalls der Jungfchütze Willi Strauch. Herr Schmitz trug durch den Gesang schöner Lieder sehr zur Verschönerung des Abends bei.
£ Groh-Felda, 16. Okt. Auf Veranlassung ber Deutschen Arbeitsfront, Kreiswaltung Alsfeld,
Strengt Ihr Beruf Sie an ?
.. auf Kaffee Hag umstellen I


