Ausgabe 
17.10.1935
 
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Aus parteiamtlichenBelanntmachungen

Die Ortsgruppe Gießen-Nord veranstaltet am kommenoen Sonntag, 20. Oktober, 11 Uhr, im Lichtspielhaus, Bahnhofstraße, eine Vorführung des Films der ReichspropagandaleitungDie Saat geht auf". Der Film, der vom Stabsamt des Reichs­bauernführers hergestellt wurde, zeigt den deutschen Dauern, seine Arbeit, seine Seele, sein Schicksal und ferner das verhängnisvolle Judenproblem im Verhältnis zum Bauern. Eintrittskarten sind im Vorverkauf in der Geschäftsstelle, Walltorstraße 16, erhältlich.

Weniger Sahne - dafür mehr Butter.

Die Deutsche Milchwirtschaftliche Hauptvereini- gUng hat die Molkereien angewiesen, die Herstellung und den Vorkauf von Schlag- und Kaffeesahne um 40 Prozent ihrer bisherigen Erzeugung zu ver­mindern und die dadurch freiwerdenden Rahm­mengen zu Butter zu verarbeiten. Dadurch tritt eine gleichmäßige Kürzung der Rahmbezüge für alle Sauwirtschaften, Cafebäckereien und Konditoreien ein. Diese vorübergehende Einschränkung des Scklag- sahneverbrauchs ist ein soziales Erfordernis, denn ehe der Kaufkräftige sich den Schlagsahnegenuß ge­stattet, muß der normale Fettbedarf der weniger kaufkräftigen Bevölkerung gesichert werden.

Festtagsrückfahrkarten der Reichsbahn.

Die Deutsche Reichsbahn wird zu Weihnachten 1935 und zu Ostern 1936 wieder Festtaasrückfahr- farten mit 33Vs v. H. Ermäßigung auflegen. Zu Weihnachten gelten die Karten, die für den gesam­ten Reichsbahnbereich ausgegeben werden, vom 20. Dezember 1935 (Freitag vor Weihnachten) 0 Uhr bis zum 3. Januar 1936 (Freitag nach Neujahr) 24 Uhr. Zu Ostern gelten sie vom 8. April 1936 (Mittwoch vor Ostern) 0 Uhr bis zum 16. April 1936 (Donnerstag nach Ostern) 24 Uhr. Die Rück­reise muß am 3. Januar bzw. am 16. April um 24 Uhr beendet sein. In gleicher Weise wird auch die Geltungsdauer der Arbeiterrückfahrkarten zu Weihnachten/Neujahr verlängert. Zu Ostern bleibt die im Tarif vorgesehene Geltungsdauer der Ar­beiterrückfahrkarten von zehn Tagen unberührt.

Polizeibericht der Kriminalpolizeistelle Gießen.

Unmenschliche Ellern.

Arn 12. Oktober 1935 erhielt die Kriminalpolizei­stelle Gießen von der Staatsanwaltschaft Gießen den Auftrag, bei den Eheleuten CH. Sch. in Burk­hardsfelden Ermittlungen über angeblich vor­liegende Mißhandlungen gegenüber ihrem 22 Jahre alten Sohne anzustellen. Den Beamten bot sich beim Erscheinen in der Wohnung ein trostloser Anblick. Der Erkrankte lag völlig abgemagert in einem total schmutzigen Bette, teilnahmslos im Zimmer umherschauend. Auf Fragen gab er keine Antwort. Das Kranken- und die übrigen Zimmer waren in größter Unordnung und schmutzig. Der sofort mit zugezogene Amtsarzt ordnete wegen großer Verwahrlosung schnellste Ueberführung in die Nervenklinik an. Aerztlicherseits rechnete man bei der Einlieferung des Kranken, der stark aus­gehungert und in der Körperpflege total vernach­lässigt war, auf ein baldiges Hinscheiden infolge der Unterernährung. Bemerkt wird, daß der bedauerns­werte Mensch seit etwa 3 Jahren an Epilepsie leidet. Seit dieser Zeit ist er anscheinend ein überflüssiges Glied in der Familie. Von seinem Vater erhielt er nach einem Anfall noch Fußtritte und Schläge. Die Mutter, der die Pflege oblaa, die aber ihre Pflich­ten gröblich verletzt hat sie zog u. a. erst einen Tag vor dem Einschreiten einen Arzt zu wurde dem Amtsgericht zugeführt und in Untersuchungs­haft genommen. Der Zustand des Erkrankten hat sich seit der Einlieferung bedeutend gebessert.

Diebstähle.

In der letzten Zeit wurden aus einer Leihbücherei etwa 100 Bücher, meistens Jugendschriften, aus einer Bude am Pferdemarktplatz ein Umhang aus grauem Segeltuchstoff, aus einem Ankleideraum des Universitätssportplatzes ein grauer, braundurchwirk- ter Herrenpullover und aus einem Keller des Kasernenneubaues in der Licher Straße drei 3 m lange, 1,5 Zoll starke Rohre gestohlen.

In der Nacht vorn 4. auf 5. Oktober wurde im Seltersweg ein Schaukasten erbrochen. Personen, die über die Diebstähle sachdienliche Mitteilungen machen können, werden ersucht, der Kriminalpolizei­stelle Nachricht zu geben.

Heimabend der Hausgehilfinnen.

Nach der Sommerpause hielten die vier Orts­gruppen der Kreiswaltung Gießen in der Reichs­fachgruppe Hausgehilfinnen im Hause der Deutschen Arbeitsfront ihren gemeinsamen Heim­abend ab, der gut besucht war. Bei Kaffee und Kuchen kam bald eine gemütliche Stimmung auf, die die Mädchen mit Handarbeiten ausnützten.

Der Kreiswalter der Fachgruppe der Haus­gehilfinnen begrüßte die Mädchen, besonders die­jenigen Hausangestellten, die nun auch den Weg zur Deutschen Arbeitsfront gefunden haben. Er ermunterte alle zu treuer Mitarbeit an dem großen Werk des Führers. Für das Winterhilfswerk sollen sie ihre Arbeitskraft einsetzen, indem sie gebrauchte Sachen ausbessern, oder neue Handarbeiten anfer­tigen. Diese Arbeit soll an gemeinsamen Heim­abenden verrichtet werden.

Nach einem Hinweis auf die Bedeutung der DAF. für die Hausangestellte gab der Kreisfach- gruppenwalter für jene Mädchen, die bei der Um­gruppierung die Ummeldung zur DAF. nicht voll­zogen haben, eine Vergünstigung bekannt. Alle diese Mädels können ihre alten Anrechte durch die nachträgliche Ummeldung und die Nachzahlung der geringsten Beiträge erwerben.

Welch' große Bedeutung die DAF. für die prak­tische Fortbildung der Hausgehilfin besitzt, kam einleuchtend in dem Vortrag der Fachschullehrerin Wall zur Geltung. Die praktischen Schulungs­kurse im Kochen, Nähen, Krankenpflege und Säug­lingspflege, die die Fachgruppe in den nächsten Wochen für alle 14- bis 20jährigen Hausgehilfin­nen veranstaltet, sollen die Einzelne nicht nur mit praktischen Kenntnissen versehen, sondern auch durch eine Abschlußprüfung dazu dienen, den Beruf der Hausgehilfinnen auf die gleiche Stufe zu heben, wie z. B. den der Schneiderin oder anderer gewerb­licher Art, so daß es auch Gesellen und Meistern unter den Hausgehilfinnen geben wird. Die jetzt beginnenden Kurse sind bereits die erste Vorberei­tung dazu. Anmeldungen müssen sofort erfolgen.

In längeren Ausführungen sprach der Kreiswal. ter der DAF. Pg. Wagner von der großen Be­deutung der Mitarbeit der Hausgehilfin am Auf- bauwerk des Führers. Er sprach von der anzu­strebenden Hausgemeinschaft zwischen Hausfrau und Hausgehilfin in ihrer Bedeutung für die Volks- gemeinschaft, die von der Familie ausgehen muß, und von ihrer volkswirtschaftlichen und volkspoli» tischen Wichtigkeit. Solcher Erziehungsarbeit die-

Aufmarsch der SA. Gruppe Hessen in Limburg.

Stabschef Lutze kommt.

Arn nächsten Sonntag, 20. Oktober, sind et in Limburg ein Aufmarsch der SA. der Gruppe Hessen in Stärke von etwa 25000 Mann ftatt, zu dem der Stabschef der SA. Lutze sein Erscheinen zugesagt hat. Um 14 Uhr wird der Stabschef im Rahmen eines Appells auf dem Marktplatz zu der SA. sprechen und anschließend den Vorbeimarsch auf dem Adolf-Hitler-Platz abnehmen. Am Abend findet sodann ein Appell der Führer vor dem Stabschef statt, dem sich ein Kameradschaftsabend anschließen wird.

Verfügung des Landrats.

Anläßlich des SA.-Aufmarsches am 20. Oktober in Limburg werden folgende Straßenstrecken von 10 bis 19 Uhr auf Anordnung des Regierungs­präsidenten für den Durchgangsverkehr gesperrt:

1. Die Fernverkehrsstraße Nr. 8 Frankfurt a. M.

LimburgKöln zwischen Lindenbolzhausen und Limburg (Brückenoorstadt). Die Umleitung erfolgt über LindenholzhausenEschhofen MühlenDehrnDietkirchenLimburg (Brük- kenvorstadt) und umgekehrt.

2. Die Fernverkehrsstraße Nr. 54 zwischen Freien­diez und Limburg. Die Umleitung des Verkehrs erfolgt in Freiendiez am Kriegerdenkmal über DiezAullStaffelLimburg (Brückenvor­

stadt) und umgekehrt.

3. Die Straße von Holzheim nach Limburg. Die Umleitung erfolgt von Holzheim über Freien­diezDiezAullStaffel.

4. Die Straße KirbergLimburg. Die Umlei­tung erfolgt über Zollhaus bei Mensfelden LindenholzhausenEschhofen usw. wie zu 1.

5. Die Straße zwischen EschhofenLimburg. Die Umleitung erfolgt wie zu 1 über Mühlen oder Lindenholzhausen.

Der Landrat.

Zeder Hilst dem Wmterhilsswerk!

Macht Truhen und Schränke auf!

lief vergraben In Schranken und Truhen liegen bestimmt noch Kinderkleidchen und wasche und Jäckchen, längst hat der Bub und das Alädel die Sachen schon ausgewachsen. Und draußen laufen Kinder herum, die haben kaum das nötigste zum Anziehen, und ein langer Winter steht vor der Tür!

Liebe Mütter! wir Jungmädel aus Hessen-Nassau bitten euch ganz herzlich, guckt einmal nach in allen Schränken und Kisten und kramt die Sachen zusam­men, die eueren Buben und Mädeln viel zu klein sind, aber bestimmt anderen Kindern passen, die sonst frieren müssen.

Am Sonntag kommen wir Jungmädel zu euch und sammeln die Sachen ein, die ihr uns gebt für das Wlnterhilfswerk, zu dem der Führer uns alle aufgerufen hat.

Liebe Bläffer! Suchf schon heufe aöes' zusam­men! Macht weif die Truhen und Schränke auf und helff! Die Iungmädel in Hessen-Nassau.

Ergebnis der Eintopf-Sammlung im Kreise Gießen.

Die Elnfopssammlung vom vergangenen Sonntag erbrachte im gesamten Kreise Gießen (ein­schließlich Stadt Gießen und Gaststätten) den Betrag von etwa 8000 Wart.

Einzahlungen für dasWmier- hilfswerk 1935/36

sind auf das Konto 2938 bei der Deutschen Bank und Diskonto-Gesellschaft. Zweigstelle Gießen, ober auf unser Postscheckkonto Frankfurt a. 2H. 16114 zu tätigen.

Kreisamtsleitung Gießen der NSV.

Bisher gingen folgende größere Spenden ein:

Brauerei A. und W. Denninghoff 3000 Mk., Brauerei Jhring-Melchior, Kommanditgesell­schaft in Lich 3000 Mark.

GießenerVioiogen imFerienlager an derAordsee.

Vortragsabend der Oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde.

Die Oberhessische Gesellschaft für Natur- und Heil­kunde hatte für den gestrigen Mittwoch zu einem Vortragsabend eingeladen, der von Professor Dr. Henneberg mit einem kurzen Hinweis auf die bevorstehenden Veranstaltungen eingeleitet wurde.

Sodann sprach sofort Dr. W. Ankel über die Erlebnisse und Ergebnisse der Nordseefahrt Gieße­ner Biologen und ihren Aufenthalt in einem Fe­rienlager auf der Insel Sylt. Er sprach zunächst in wenigen Worten grundsätzlich zu diesem Unter­nehmen. Die Exkursion galt in erster Linie, so führte er u. a. aus, der Ausweitung des Lebens­bildesDeutschland". Sie führte an die Nordsee, weil gerade dort Lebensbedingungen für Tier und Pflanze anzutreffen sind, wie sie an irgendeiner anderen Stelle unseres Vaterlandes nicht vorzu­finden sind. Diese Lebensbedingungen sind extrem­ster Natur. Eine bestimmte Fauna läßt sich nur an der Nordsee beobachten. Das Ferienlager an sich sollte die Möglichkeit schaffen, Kameradschaft zu erproben. Die Ergebnisse der Exkursion waren außerordentlich reich. Darüber hinaus waren den Teilnehmern starke Erlebnisse beschieden.

Der Redner wandte sich nach diesen grundsätz­lichen Worten der Landschaft zu, in der sich die Exkursionsteilnehmer zu bewegen hatten: zwischen Festland und Meer im Watt. Das erste Ziel war Wilhelmshaven und der Jadebusen, in dessen Schlick die ersten Forschungen angestellt wurden. Den Wissenschaftlern wurde dabei tatkräftige Unter­stützung durch die Marinebehörden zuteil und sie lernten dabei gleichzeitig die riesigen Anlagen, die Eisenbahnen hinaus in das Wattenmeer kennen, mit deren Hilfe der Jadebusen von dem in unge­heuren Mengen anfallenden Schlick freigehalten wird.

In ausgezeichneten Lichtbildern zeigte der Vor­tragende nun auch interessante tierische Funde (Ge­lege der Tintenschnecke, eine Qualle, das Gelege der Zwergseeschwalbe, die Herzmuschel, die Seepocke ufro.). er schilderte das merkwürdige Landschafts­bild im Wattenmeer, die Halligen, sowie die Inseln und ihre Dünen.

Nach einem kurzen Aufenthalt auf der Insel Wangeroog, nach einem Besuch der Insel Oldoog, führte die Fahrt nach Helgoland. Der Redner er­zählte hier besonders von den für die Biologen so außerordentlich ergebnisreichen Fischzügen im Klip- penfelb der Westküste.

Einen längeren Aufenthalt verbrachten dann die Gießener Biologen im nördlichen Teil der Insel Sylt, im Ferienlager Klappholttal. Eingehend schil­derte Dr. Ankel die dortige Landschaft, den merk­würdigen Gegensatz von Dünen-, Heide- und Moor- landschast, die auf engstem Raume vereinigt sind und eine dementsprechend stark unterschiedliche Flora aufweisen. Den Gießener Wissenschaftlern galt

aber als Wichtigstes der für sie so sehr ergiebige Weststrand, der eine unerschöpfliche Quelle für den Biologen darstellt, da dort Tier- und Pflanzenwelt in größter Reichhaltigkeit und verschiedensten Her­kommen angeschwemmt wird. In einzigartig klaren Lichtbildern und aufschlußreichen Schilderungen be­kamen die Zuhörer einen Eindruck von der an die­sem Küstenstrich auftretenden Tier- und Pflan­zenwelt.

Mit Interesse hörte man auch von hem gegen­wärtigen Stand der deutschen Austernfischerei auf Sylt, der die Exkursionsteilnehmer ebenfalls viel Aufmerksamkeit schenkten. Ein Ausflug nach der in dänischen Besitz befindlichen bekannten Vogel­insel J'orosand und die Streifen durch die Vogel­schutzgelände die sogenannten Vogelkojen auf der Insel Sylt, rundeten das Bild der Exkursions­teilnehmer zu einer im Rahmen der zur Verfügung stehende Zeit möglichen Vollständigkeit. Ziel der Unternehmung war, so schloß Dr. Ankel den be­richtenden Teil seines Vortrages, aus eigener An­schauung zu erkennen, wie sich in der weiten unbe­lebten Welt der Wolken, der Luft, der Winde, unter den extremsten Bedingungen die Tierwelt zu be­haupten vermag, und damit das zu erreichen, was er dieAusweitung des Lebensbildes von Deutsch­land" nannte.

Mit Worten des Dankes an Rektor und Regie­rung, die der Exkursion alle notwendige Förderung angedeihen ließen, und mit dem Wunsche, daß es gelingen möge, für weitere Exkursionen einen Fonds zu schaffen, fand der mit großer Aufmerksamkeit verfolgte Vortrag seinen Abschluß.

Im Anschluß daran war den zahlreichen Be­suchern der Vortragsveranstaltung die Möglichkeit gegeben, die reichen Forschungsergebnisse in einer entsprechend umfangreichen Ausstellung zu besichti­gen. Das, was der Vortrag an kurzen Hinweisen auf die Tier- und Pflanzenwelt an der deutschen Nordseeküste brachte, hatte in dieser Ausstellung vollendete Ergänzung gesunden. In vielen sorg­fältigen Präparaten, den Ergebnissen einer eminent fleißigen Arbeit, hatte man die vielfältigen Er­scheinungen tierischen und pflanzlichen Lebewesens vor dem Auge und konnte nicht zuletzt daran die große Bedeutung erkennen, die solchen Exkursionen beigemessen werden muß. Für viele Besucher der Ausstellung dürfte es eine große und angenehme Überraschung gewesen sein, daß viele Forschungs­ergebnisse ihren Niederschlag in wunderbaren Zeich­nungen (Bleistiftzeichnungen und farbige Wieder­gaben) fanden, die nicht nur hervorragend natur­getreu waren, sondern gleichzeitig großartig künst­lerisch gesehen und wiedergegeben waren. Es fiel vielen Besuchern dieser anregenden Veranstaltung sichtlich schwer, sich von dieser aufschlußreichen Aus­stellung zu trennen.

nen die Heimabende, denen jetzt gemeinsame Abende mit den Hausfrauen folgen werden. Aus solcher Betätigung der Volksgemeinschaft wird auch das große Werk des Führers, das Winterhilfswerk, um das uns andere Völker beneiden, Nutzen ziehen. Erst wenn die innere Bereitschaft jedes Einzelnen, der Drang des Herzens ihn dazu bringt, mitzu­helfen, dann erst bahnt sich die große Volksgemein­schaft an. Das Winterhilfswerk ist die Beweisfüh­rung für das praktische und positive Christentum des Volkes. In ihm wird verwirklicht, was andere nur im Munde führen. Die packenden Worte des Kreiswalters fanden reichlichen Beifall.

Kreisfachgruppenwalter Tipper besprach dann die große Werbeaktion zur Gewinnung der letzten Hausgehilfin für die Deutsche Arbeitsfront. Wo die Meldung nicht von selbst vorgenommen wird, wer­den Beauftragte von Haus zu Haus und von Fa­milie zu Familie die Ermittelungen vornehmen und die Anmeldung veranlassen.

*

** Arbeitsbeschaffung in Gießen. Das Städtische Hoch- und Tiefbauamt vergibt die äußeren Weißbinder- und Anstreicherarbeiten an Häusern in

der Wilhelmstraße, Scbützenstraße und Wolkengasse. Interessenten mögen Die heutige Bekanntmachung beachten.

..** Das Schlageter-Ehrenkreuz wurde für seinen Einsatz für Deutschland als erster SA.- Sturmführer in Gießen und Vorkämpfer für die Bewegung dem August Weller, früher Klein- Linden, jetzt Bleichsttaße 18, verliehen.

* * 40jähriges Dienstjubiläum bei der Reichsbahn. Am gestrigen 16. Oktober konnte der Reichsbahn-Lokomotivführer Emil Marx, Gießen, Bleichstraße, auf eine 40jährige Dienstzeit bei der Deutschen Reichsbahn zurückblicken. Aus diesem An­laß wurden dem Jubilar vom Führer und Reichs­kanzler, dem Generaldirektor der Deutschen Reichs­bahn, sowie vom Präsidenten der Reichsbahndirek­tion Frankfurt a. M. Glückwunsch- und Anerken­nungsschreiben durch Reichsbahnrat Nieder- straßer persönlich überreicht.

* * Kurzschriftprüfung bei der Jndu- ftrie - unb Handelskammer Gießen. Die Industrie- und Handelskammer Gießen teilt mit, daß die nächste Geschäftsstenographenprüfung am (Sonn­tag, 17. November, stattfindet. Jeder junge Kauf-

Reichsinnenminister Dr. Frick besuchte die Organi- sationsleitung des Winterhilfswerks in Berlin-Neu­kölln und die organisatorischen Einrichtungen des Deutschen Frauenwerks. Unser Bild zeigt links Frau Scholtz-Klink, neben ihr Reichsminister Dr. Frick. (Presse-Illustration Hoffmann-M.)

mann und jede Stenotypistin, die diese Prüfung mit Erfolg abgelegt haben, erhalten hierüber ein Zeug­nis, das für das Fortkommen im Beruf von großer Bedeutung ist. Man beachte die heutige Anzeige.

* * Vergebung von Straßenbauarbei« t e n. Die Tiefbauverwaltung der Provinzialdirektion, schreibt in unserem heutigen Anzeigenteil die Ar­beiten und Lieferungen für die Herstellung von Kleinpflaster in der Ortsdurchfahrt Berstadt aus. Interessenten seien besonders darauf hingewiesen.

* * Auf gehobene Straßensperre. Die Straßensperre auf der Provinzialstraßen-Ortsdurch- fahrt Griedel wird von heute ab wieder auf­gehoben.

Giehener Vochenmarktpreije.

* Gießen, 17. Okt. Auf dem heutigen Wochen­markt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,50 bis 1,55 Mark, Landbutter 1,42 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier (holländische Kühlhaus) Klasse B 11 bis IIV2, (inländische) Han- delsklasse B 12, C 11, Wirsing, das Pfund 6 bis 10 Pf., der Zentner 6 Mark, Weißkraut, das Pfund 4 bis 8 Pf., der Zentner 4,50 Mark, Rotkraut, das Pfund 8 bis 12 Pf., Gelbe Rüben 8 bis 10, Rote Rüben 8 bis 10, Spinat 10 bis 15, Römischkohl 6 bis 10, Bohnen (grün) 20, Unterkohlrabi 5 bis 8, Rosenkohl 20 bis 35, Feldsalat 90 Ps. bis 1 Mark, Tomaten 10 bis 20 Pf., Zwiebeln 8 bis 10, Meer­rettich 35 bis 70, Schwarzwurzeln 25 bis 30, Kürbis 5 bis 6, Pilze 30 bis 45, Kartoffeln 4 Pf., der Zentner 3,20 bis 3,40 Mark, Falläpfel, das Pfund 5 bis 8 Pf., Aepfel 10 bis 28 Pf., der Zentner 12 bis 30 Mark, Birnen, das Pfund 10 bis 20 Pf., Zwetschen 18 bis 20, Nüsse 35 bis 40, junge Hähne 85 bis 90, Suppenhühner 70, Gänse 80 bis 90, Tauben, das Stück 50, Blumenkohl 10 bis 60, Salat 8 bis 10, Salatgurken 5 bis 20, Einmachgurken 1 bis 3, Endivien 8 bis 12, Oberkohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 12, Sellerie 10 bis 40, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bund 8 bis 15 Pf.

Schöffengericht Gießen.

Der Fr. B. aus Kesselbach wurde wegen Ver­gehens gegen die Paragraphen 186, 196 StGB, zu einer Gefängnisstrafe von einer Woche und zur Tragung der Kosten des Verfahrens ver­urteilt. Der Angeklagte schrieb am 6. Februar einen Brief an das Amtsgericht Grünberg, in dem er in Beziehung auf einen dortigen Richter eine nicht er­weislich wahre Tatsache behauptete, die den Be­amten in der öffentlichen Meinung herabzusetzen geeignet war.

Eine weitere Sache wegen Beleidigung wurde durch eine Erklärung des Angeklagten W. St. aus Großen-Buseck, die an die Ortstafel angeheftet war, beigelegt. Der Angeklagte hat die Kosten des Ver­fahrens zu tragen.

Ebenfalls wegen Beleidigung eines hiesigen SA.- Mannes, sowie eines SA.-Führers in Großen- Buseck wurde der O. B. daselbst zu insgesamt 5 0 Mark Geldstrafe sowie zu den Kosten des Verfahrens verurteilt.

Gegen einen Angeklagten, der wiederholt nicht erschienen ist, wurde Haftbefehl erlassen.

Kirche und Schule.

Gustav-Adolf-Iest in Leihgestern.

Der Zweigoerein des Dekanates Gießen feierte am Sonntag fein diesjähriges Jahresfest in Leih­gestern. Festvrediger war Pfarrer Dr. Winkel- m a n n aus Offenbach. Vor und während des Krie­ges in Oesterreich elf Jahre als Pfarrer tätig, be­sonders in der Süd-Steiermark, führte er in dem Vormittagsgottesdienst die Schul- und konfirmierte Jugend in die Schönheit dieses Landes mit seinen Bergen und Tälern, in denen Glaube und Heimat eine unzerstörbare Einheit bilden. Die Zeiten der Gegenreformation ließ der Redner lebendig werden. Ebenso erstand - manches Bildnis seiner pfarramt­lichen Tätigkeit vor den Augen der Zuhörer, ob es ein Gottesdienst, ober eine Beerdigung mitten im Winter hoch oben im Gebirge war. Immer war es die Treue zum Evangelium, zu ihrer lutherischen Kirche, die durch die Schilderungen durchklang, eine Treue, die sich gerade in der pfarrerlosen Zeit be­sonders bei diesen kernigen Gebirgsbauern bewährte. Der Hauptgottesdienst am Nachmittag stand unter dem Wort 1. Korinther 1,27 und Jes. 40,31.

Die Nachversammlung eröffnete der Ortsgeistliche mit dem Wort aus der Epistel des Sonntags:Seid fleißig zu halten die Enigkeit im Geist durch das Band des Friedens", als richtunggebend für die Ar­beit des Gustav-Adolf-Vereins. Denn je mehr mir die innere Verbundenheit und Geschlossenheit der Heimat mit der evangelischen Diaspora des Inlan­des und besonders des Auslandes (Memelland, Oester­reich, Siebenbürgen u. a.) erstreben, um so fester und treuer hielten diese Kämpfer draußen auf Vor­posten die Wacht. Nach den Worten des Delons Sattler, der die Grüße des Dekanats Gießen überbrachte, erstattete Pfarker Becker (Gießen) den Jahresbericht. In lebendiger, fesselnder Weise ent­ledigte sich der Redner seiner Ausgabe und konnte