Ausgabe 
17.7.1935
 
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ßen. Gefährliche Derbrecherbanden wurden ausge- hoben. Zahlreiche Ausländer, meist südamerikanischer Herkunft, die hier einem zweifelhaften Gewerbe nach- gingen, mußten das Land verlassen. So ist schon viel Säuberungsarbeit erledigt, aber dennoch bleibt noch Erhebliches zu leisten, bevor das Ziel der sehr energischen Stadtführung erreicht ist, dieses ver­rufene Viertel völlig zu reiniaen.

Auch vom Vergnügen wird viel ins Freie ver­legt. Zum Beispiel das Kino. Es gibt hier und dort Freilichtkinos. Da kann man dann das Geflimmer auf der Leinwand zusammen mit dem Geflimmer der Sterne genießen. Und ein weiteres untrügliches Zeichen, daß der Sommer ins Land gezogen ist, bilden dieverbonas", die Straßenfeste. Hier lebt fern aller seichten Vergnügungen altes, wertvolles Volksgut auf. Hier findet sich jung und alt im ur­sprünglichen Heimatfest zusammen. Wie jede Stadt und jedes Dorf ihren Schutzheiligen hat, dessen Jah­restag mit großen Feiern begangen wird, so hat auch jede Straße ihr Sonderfest, ihreverbena", deren Anlaß jedesmal der Namenstag eines Hei­ligen ist. Die Straßen sind festlich geschmückt. Gir­landen ziehen sich von Häuserfront zu Häuserfront. Die Fenster sind bunt und farbenfroh illuminiert.

Und die Musik spielt auf zum Tanz. Dann gibt es ein frohes Feiern und Tanzen auf dem Parkett der Straße, bis der Morgen graut und der beginnende Tag wieder zur Pflicht ruft. Dieseveroenas sind das Schönste mit, was die spanischen Städte an Werten der Ueberlieferung und der Volkstumpslege

bieten.

Aber auch die kühlen, freudegeladenen Nächte ver­gehen, und immer von neuem beginnen die heißen, trockenen Tage. Wenn die Sonne erbarmungslos brennt, möchte man sich wohl Wolken undWind wünschen. Aber die lassen noch ewige Monate auf sich warten. Und dann gelingt es selbst bem Spreng mann nicht, unsere Sympathie zu erwerben dem Sprengmann, der mit dem Wasserschlauch m der Hand die Straßen sprenat. Denn die Sonne hat den Asphalt heiß und weich gemacht, und die Sonne nimmt auch das Wasser in wenigen Augenblicken wieder weg, so daß man den dicken Wasserdampf über der frisch gesprengten Straße aufsielgen sieht. Das bedeutet keine Abkühlung mehr, wenn die heiße Luft mit Feuchtigkeit geschwängert ist. Ja, in der Tat, jetzt kann uns selbst der Sprengmann nicht mehr imponieren ...

3m Reiche des silbernen Löwen.

Vom alten Persien zum modernen Iran.

Wer heute eine Reise ins Reich des sil' bernen Löwen unternimmt, wird mit Kops­schütteln die alten Reisebücher über Persien bei­seitelegen, denn in den letzten Jahren hat sich das Gesicht dieses Landes, das wie ein Füllhorn zwi­schen Vorderasien und Zentralasien liegt, wesentlich geändert. Erwartete man primitive Verkehrsmittel, schlechte unwegsame Straßen, unkultiviertes Acker- und Weideland, eine nachlässige Verwaltung und ein ungeordnetes Heereswesen, kurzum ein Dolce far niente, begünstigt durch ein Klima, das träge und faul macht, so muß man jetzt in vielem auf das Gegenteil gefaßt machen. Das Verkehrswesen hat große Fortschritte gemacht, in der Hauptstadt Teheran gibt es einen lebhaften Kraft- wagenoerkehr, ein aufblühender Handel hat einen rascheren Lebensrhythmus mit sich gebracht, und die energische Verwaltung, gestützt auf ein durchorganisiertes modernes Heer, ist bestrebt, hier eine Staatsmacht zu begründen, die nicht mehr der Spielball fremder Interessen ist, sondern die Kraft und die Fähigkeit hat, ohne irgend welche imperialistischen Träume sein eigenes Lebensrecht jederzeit gegen mißgünstige Nachbarn zu verteidigen.

In hervorragendem Maße ist dieser innere und äußere Wandel ein Werk des Schahs Riza P a l e o i, der vom einfachen Soldaten der ehe­maligen Kosakenbrigade zum Kriegsminister auf­stieg und 1925 die erbliche Würde als Schah erhielt. Seine tatkräftigen Reformmaßnahmen haben das Land im Verlaufe eines Jahrzehnts wesentlich umgestaltet, und es gibt kaum ein bedeut­sames Arbeitsgebiet, auf dem er nicht bereits wesentliche Fortschritte erzielt hat. Allerdings hat der Schah nicht ein solches Tempo anschlagen kön­nen wie Mustafa Kemal Pascha es etwa in der neuen Türkei möglich war. Das Schicksal Amanullahs im benachbarten Afghanistan hat den Schah gelehrt, daß alte Sitten mit den Erfor­dernissen des modernen Lebens verbunden werden müssen. Don größter Bedeutung wurde der im Oktober 1927 begonnene Bau der transper - fischen Eisenbahn, die das Kaspische Meer mit dem Persischen Golf verbindet. Im gleichen Jahre wurde auch ein Gesetz erlassen, das nach einem bestimmten Plan die allgemeine Schulpflicht einführte und die Alleinherrschaft der Mollahs in Schule und Unterrichtswesen besei­tigte. Die Schulen bestanden bis dahin lediglich aus Lehrräumen, die unmittelbar an die Moscheen an- geschlossen waren und den Mollahs unterstanden. Ein wenig Koranunterricht war alles, was die Schüler genossen. Damit konnten sie aber nicht die Aufgaben erfüllen, die ihnen durch die handels­politische Lage des Landes aufgetragen wurden.

Einer der wichtigsten Bodenschätze des Landes ist

nämlich das Oe(, das oon der Anglo-Persian Oil Company gefördert wird, einer Gesellschaft, die mehr als zwanzigtausend Arbeiter beschäftigt, den Achtstundentag eingeführt und eine Reihe von Wohlfahrtseinrichtungen geschaffen hat, die zuvor im Lande noch unbekannt waren. Jetzt trifft man überall im Lande Arbeiter, die bei der Errichtung von Geschäfts- und Privathäusern und bei dem Bau von Straßen tätig sind.

Die Steuern werden regelmäßig auch von den Häuptlingen der Bergstämme eingezogen, die sich bisher immer gegen die Leistung von Abgaben ge- wehrt hatten. Hinter dem Schah steht heute eine aut ausgerüstete, europäisch uniformierte Armee, bei der wesentlich andere Sitten herrschen als bei jenen korrupten und fragwürdigen Soldatenscharen der früheren Zeit, die für einen wirksamen Schutz des Staates ganz unfähig gewesen waren. Sie er­halten jetzt ebenso wie die Beamten ihren regel­mäßigen Sold und brauchen ihn nicht mehr wie ehemals an die Offiziere abzutreten, um von jenen andere Vergünstigungen einzuhandeln. Wie das Militär durchaus europäisch wirkt, so hat sich auch die Tracht in kürzester Zeit geändert. UeberaU in den Straßen der Hauptstadt trifft man europäische Anzüge und Kopfbedeckungen, und die früheren Gewänder werden nur noch bei besonderen Festlichkeiten oder als Schmuck getragen.

Das gilt vor allem auch für die Frauen, deren Stellung sich im letzten Jahrzehnt entscheidend ge­ändert hat. Auch hierbei hat der Schah auf die alten Anschauungen und Glaubenssätze Rücksicht genommen und doch wesentliche Neuerungen er­wirkt. So erhielten in dem erlassenen Ehegesetz die Frauen zwar nicht formell dasselbe Recht wie die Männer, aber der Heiratsvertrag, dessen Abschlie­ßung durchaus in ihre Hände gegeben wird, bietet ihnen doch manche wertvolle Vorteile. So kann z. B. eine Frau im Vertrag festlegen, daß sie sich im Namen des Gatten einen Anwalt nehmen darf, der formell zwar im Auftrag des Gatten auftritt, tatsächlich aber ihr Rechtsvertreter ist und unter bestimmten Voraussetzungen die Scheidung erwir­ken kann. Auch wird nicht etwa ein allgemeines Verbot über die Vielweiberei ausgesprochen, aber es ist der Frau die Möglichkeit gegeben, beim Abschluß eines Eheoertrages die Klausel einzufügen, der Mann dürfe nur mit ihrer Einwilli­gung weitere Frauen nehmen. Auch die soge­nannte Zeitehe und die Kinderheirat, zwei der schlimmsten sozialen liebel, sind durch derartige kluge Gesetze praktisch unmöglich gemacht worden. Selbst der schwarze Schleier der Frau ist gefallen, nicht durch eine Verordnung und an einem be­stimmten Zeitpunkt, aber in den Städten ist es schon üblich geworden, unverschleiert zu gehen, und in der Provinz folgt man langsam diesem Beispiel.

Die Weisheit der Einfalt.

Don Alfred Huggenberger.

Sommersonne. Zwei Leutchen schaffen an der Halde unterm Rehberg zur Merzenwand auf einem kleinen Runkelnacker. Es ist der jüngere Kehlhofer- sohn Ferdi Steinruck und seine Frau. Seit drei Wochen sind sie miteinander verheiratet. Nachbars- fmber. Ihr Leben hat bis jetzt keinen romantischen Verlauf genommen: aber sie sind mit der Vergan­genheit und mit der Zukunft, ja mit der Welt über­haupt, in hohem Maße zufrieden. Ferdi hat seine Augen nicht so weit herumgeworfen, wie sein älte­rer Bruder Jakob, dessen Unternehmungslust dem schönen Geschlecht gegenüber keine Schranken kennt und der fast jeden Sonntag nach einem andern Ja­wort auf der Fahrt ist. Als Ferdi Steinruck in sei­nem jungen, einfältigen Leben etwas von Liebe und Gernhaben zu ahnen begann, da saß Rose Zui> buchen vor ihm in der Schulbank. Fast von heute auf morgen fand er, daß es sehr kurzweilig sei, sie zu betrachten, wenn sie nach den Bänken der Abc- Schützen hinübersah, um sich an deren drolligen und einfältigen Antworten zu ergötzen, wobei sie ihre Aufsätzlein oft nur auf drei ober vier Zeilen brachte, und darum vom Lehrer manchen Rüffel zu hören bekam. Dann weinte sie jedesmal schon bei den ersten Worten, und Ferdi dachte mit wenig Wohlwollen für den Lehrer bei sich: O der weiß doch, daß sie nicht gern Aufsätze macht! Es wird wohl auch etwas sein, wenn ein Mädchen in ihrem Alter schon die wildeste Rebe flink zu säu­bern und aufzuheften versteht, wo erfahrene Reb- frauen erst dreimal um den Stock herumgehen müs­sen, bevor sie anfangen können.

Schon damals war für Ferdi Steinruck die wich­tigste Zukunftsfrage gelöst: Rose Zurbuchen gab einmal seine Frau. Es wäre ihm ganz sinnlos vor­gekommen, irgendeine andere Möglichkeit ins Auge zu fassen. Wozu auch? Sie gefiel ihm, und es schickte sich alles sehr gut. Sie war einziges Kind: zum andern hielt der Mathis Zurbuchen seine Sa­chen gut beieinander. Auf dem Kehlhof konnte doch später nicht mehr als einer regieren, da mußte man sich nach einem andern Königreich umsehen. Vorläufig sagte er ihr zwar noch nichts, es hatte ja Zeit. Aber wenn sie sich beim Graseintun ober beim Einfuhren ber Frühkartoffeln zu viel zuge­traut hatte, war er sicher fast jedesmal gleich bei ber Hand und nahm ihr den schweren Schiebkarren ab; sie konnte bloß nebenhergehen und feine strotzende Kraft bewundern. Ihren Dank lehnte er jeroeilen freundlich ab:Ich tue das von mir aus". Als sie auf dem Wege nach ßintbreiten hinauf zur

Unterweisung zufällig einmal etwas hinter den an­deren zurückgeblieben waren, rückte er zum ersten- mal in seiner gelassenen Weise mit seinem Plane aus. Ihre Antwort war:Wenn du mir ver­sprichst, nie mit einer anderen zu gehen, dann bin ich dabei. Es ist mir recht, daß du jetzt endlich ein­mal von dem anfängst. Wir kennen doch einander und wissen, daß so etwas nicht ganz dumm heraus­kommen kann, wenn es mit dem Gernhaben richtig steht."

Don da an sind sie im stillen einig gewesen. Mit zwanzig Jahren haben sie sich öffentlich verlobt, mit vierunbzwanzig geheiratet. Es verschlug nichts, daß dem Bruder des Hochzeiters, dem mädchenfreund­lichen Jakob Steindruck, eines schönen Tages die Augen aufgingen, und er sich an die Stirn schlug: Ei wo bin ich denn bis heut gestanden? So ein hübscher, molliger Käfer, wie die Rose einer ist, muß doch wohl eher für mich gewachsen sein als für diesen langnüchternen Eigensinn!" Die stür­mische Werbung des Sieggewohnten fiel bei der jungen Nachbarin auf recht ungünstigen Boden, die Rose bereitete ihm eine gründliche Abfuhr.So, du meinst, ich sei dazu auf der Welt, deine Hun- dertzwanzitzste zu fein? Für so dumm hätt' ich dich jetzt doch nicht gehalten! Das andere wird dir dann ber Ferdi sagen."

So ist benn also mit den beiden alles seinen guten, lieben Weg gegangen. Rose hat darauf ge­halten, die lebige Zeit so lang als möglich hinaus­zuziehen. Man könne sich bann boch später, wenn es vielleicht nicht mehr ganz so schön sei, an bies unb bas erinnern. Die Hochzeit hat im Leben der beiben Menschen keine große Umwälzung bedeutet. In Rosens Kammer ist ein zweites Bett gekommen, und statt eines Knechtes schafft jetzt Ferdi Stein­ruck auf dem Zurbuchen-Gütlein. Wie's auf dem Kehlhof geht unb ob ber Bruber von feinen unge­zählten Freiersgängen eine Reiche ober eine Arme, eine Schöne ober eine Häßliche heimbringe, bas ist ihm wurst. Der alte Kehlhofer hat alles auf Heller unb Rappen geschätzt unb errechnet unb seinem Jüngern den ihm zukommenden Teil auf den Tisch I)in gezahlt. Dessen beständiges Wesen hat bei ihm mehr Beifall gefunden, als des Erstgeborenen weit- schweifende Unternehmungslust.

Die zwei vom Schicksal so freundlich bedachten Erdenkinder haben sich jetzt zum Vesperbrot hin­gesetzt. Sie schäkern unb lachen zusammen, als hät­ten sie bie große Kunst, einander das Leben süß zu machen, erst gestern erfunden. Ferdi kneift seine junge Bäuerin einmal leicht ins Ohrläppchen. Die krähtAu!" als hätte es ihr wirklich weh getan: sie gibt ihm einen leichten Klaps, legt ihm aber bann aus Reue sogleich einen Arm um den Hals

Im August wird in Berlin eine Ausstellung eröffnet, die die Reichsgemeinfchaft für Radfahr- wege-Bau e. V. gemeinsam mit der Abteilung Schadenverhütung beim Hauptamt für Dolkswohl- fahrt veranstaltet. Diese Ausstel­lung, die später als Wanderaus­stellung in allen deutschen Groß­städten gezeigt wird, soll darauf aufmerksam machen, daß Deutsch­land besonders Radfahrwege braucht, um bie Unfallgefahren zu oerminbern. Wie sehr gerade die Radfahrer von Unfällen be­troffen werden, zeigt dieses Plakat. (Scherl-M.)

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Die Familie des Schahs hat selbst jeweils ein Vor­bild für diese Reformen gegeben. So trägt Persien nicht nur einen neuen Namen es nennt sich seit kurzem allgemein Iran sondern es ist im Be­griff auch ein völlig neues modernes Staatswesen zu werden. C. K.

Drei Monate motorisierte Gtraßenpotizei.

Ausbau der Kommandos in Hessen-Nassau geplant.

LPD. Frankfurt a. M., 15. Juli. Die motori­sierte Landstraßenpolizei ist in den drei Monaten ihres Bestehens in allen Teilen der Provinz Hessen- Nassau eingesetzt worden. Ständig waren sechs Kon- trollftreifen in den ©treifenbexirten der Regie­rungsbezirke Wiesbaden unb Kassel vom Stanbort Frankfurt aus unterwegs und forderten bie Ver­kehrssicherheit, nicht nur gegenüber Kraftfahrern, fonbern auch gegenüber Radfahrern unb sämtlichen Verkehrsteilnehmern. Die Kontrolle ergab, baß die Derkehrsvorschriften noch nicht in genügendem Maße beachtet werden; das Soraenkinb der Poli­zei bildet immer noch bie Disziplinlosig­keit der Rabfahrer unb ber Fahrzeuge mit den roten Probenummern. Bei der Kontrolle der Fahrzeuge ergaben sich viele Mängel, die die Ver­kehrssicherheit gefährdeten. Die Beamten haben bei ihrer Tätigkeit in erster Linie mit Belehrungen unb mündlichen Verwarnungen eingegriffen. Neben diesen formlosen Verwarnungen mußten in schwe­reren Fällen gebührenpflichtige Ver­warnungen erteilt oder sogar Anzeige erstattet werden. Wiederholt hatten die Beamten Gelegen­heit, bei Unglücksfällen erste Hilfe zu leisten. Auch wurde sonstiger Rat unb Tat gewährt.

Die bisher beobachteten Erfahrungen haben die Notwenbigkeit der motorisierten Lanbstraßenpolizei bewiesen. Deshalb hat sich bas Ministerium ent­schlossen, die Verkehrskontrolle der Landstraße wei­ter auszubauen, und damit die Schlagkraft der Streifen im Kampf gegen die Verkehrssünder zu erhöhen. Es ist geplant, die Zahl der in Frankfurt stationierten sieben Streifen auf etwa 20 3u erhöhen und gleichzeitig die Zahl der Fahrzeuge (Sportzweifitzer sowie Beiwagenmaschi­nen) ebenfalls von fieben auf 20 zu vermehren. Die praktischen Erfahrungen haben gezeigt, daß das be­stehende Frankfurter Kommando zur Betreuung der gesamten Provinz bei weitem nicht ausreicht. Aus diesem Grunde will man später bie zu befah­renden Streifenbezirke verkleinern, so daß die Beamten in ihrer täglichen Dienstfahrt nicht wie bisher fast 300 Kilometer, sondern nur etwa 200 Kilometer zurückzulegen haben. Dadurch wird eine gründlichere Kontrollweise gewähr­leistet. Ferner ist geplant, in Kassel ein zweites

und gibt ihm ja, das tut sie vor dem Hellen Sonnentage! sie gibt ihm einen zeitlich nicht zu schmal abgegrenzten Kuß. Nachher sagt sie ihm leise etwas ins Ohr:Wenn es ein Bub ist, muß er werden wie du..."

Spaß muß fein!

Don Emil Harbich.

Es fing damit an, daß Jochen sich mächtig wun­derte, wie steif die drei Finnen Guten Morgen sagten unb zu ihren Kanus hinuntergingen, um sie für die Wettfahrt flottzumachen.Was sagst du dazu", wandte er sich an Hans,gestern abend waren das doch drei kreuzvergnügte Lerchelchen..."

Sohne des Nordens", erwiderte Hans achsel­zuckend,wenn du sie tagsüber lachen sehen moch­test, mußt du schon ein Ding drehen, ein Ding, sage ich dir, so ein Ding wirst du bestimmt im ganzen Leben nicht drehen können, verlaß dich drauf!"

Jochen sah seine Kameraden an, die blickten den drei Finnen nach, bie mit gerabezu erschütternbem Ernst an bie Arbeit gingen. In einer Stunbe soll­ten bie Wettfahrten beginnen. Die Sonne brannte bereits unbarmherzig hernieder; ihr goldenes Schwert zog einen blenbenben Strich über den Strom.

Wollen wir wetten", begann Jochen nach einer Weile, während er aus einer großen Tube eine dunkelbraune, dicke Schmiere auf den Beinen ver­rieb,daß die drei da unten doch noch einmal tags­über lachen, bevor sie ins Land ber tausend Seen heimziehen?!"

Spaß muß sein!" antwortete einer,aber wie willst du bas machen?"

Jochen ging plötzlich auf Hans zu, die rechte Hand weit vorgestreckt, unb sagte fest entschlossen: Wetten um bein kanabisches Kanu, baß sie bis morgen Mittag lachen werben, die drei!"

Haha!" lachte Hans, aber Jochen hielt dessen Hand fest und ein anderer schlug durch.Am hell­lichten Tage lachen", fuhr Hans fort,ausgeschlossen! Absolut ausgeschlossen!!"

Darauf salbte sich Jochen schnell noch die Beine mit der dunkelbraunen Schmiere, um sich gegen Sonnenbrand zu schützen, und sie gingen alle mit­einander zum Ufer hinunter.

Es wurde ein mächtig vergnügter Tag, obgleich die Finnen nicht besiegt werden konnten. Abends saßen sie im Klubhaus, eine Menge Mannschaften aus aller Herren Länder, und die Finnen tauten derart auf, daß Hans starr vor Verwunderung immer wieder hinsah und fast das Lachen verlernte.

Kommando mit ebenfalls neuen Fahrzeugen ein­zurichten, das dann auch dem Regierungspräsiden­ten in Wiesbaden untersteht. Bis jetzD fahren noch die Frankfurter Streifen nach Kassel, Eschwege und Witzenhausen. Die großen Entfernungen follen in Zukunft in Fortfall kommen. Bei der in Aussicht genommenen Verkleinerung der Bezirke und gleich­zeitiger Vergrößerung der Kommandos glaubt man mit Bestimmtheit, den auf den Landstraßen Leben und Gesundheit unserer Mitmenschen gefährdenden wilden" Fahrern gründlich das Handwerk zu legen. Oftmals genügt, wie die Untersuchungen ergeben, ber Zustand des Fahrzeuges noch nicht einmal den notwendigsten Anforderungen der Sicherheit. Die Strahenpolizeikommandos werden sich später etwa mit den Gebieten der Regierungsbezirke decken. Innerhalb eines Monats legten die Frankfurter Streifen 25 000 Kilometer zurück.

Das erste Gaufest des Sängergaues Nassau.

LPD. Frankfurt a. M., 16. Juli. Der Sän­gergau Nassau, der nach den neuesten Festellun- gen der Geschäftsführung 791 Vereine mit etwa 40 000 Sängern unb 32 000 passiven Mitgliebern zählt, hält in den Tagen vom 19. bis 22. Juli in Wiesbaden fein erstes Gaufest ab, für das um­fassende Vorbereitungen getroffen sind. Der heutige Sängergau Nassau geht auf den Sängerbund Nassau zurück, der am 28. Januar 1883 auf Ver­anlassung des Lehrers L e w a l t e r in Niederlahn- stein gegründet wurde, der auch drei Jahre Vor­sitzender war. Nachdem die Bestimmung, wonach nur Vereine in Städten über 10 000 Einwohner nicht Mitglied werden konnten, aufgehoben worden war, kam man durch den Beitritt der Wiesbadener Sängervereinigung, der Sängerbünde Westerwald, Dill und Untertaunus zur Gründung eines Ein­heitsbundes, und am 17. März 1929 fand dann im Römer au Frankfurt a. M. der Zusammenschluß des Nassauischen Sängerbundes, des Sängerbundes Frankfurt a. M. unb des Großbundes der Frank­furter Sängervereinigung zu dem heutigen Sän­gergau Nassau statt. Der Sängergau Nassau um­faßt das Gebiet des Regierungsbezirks Wiesbaden, sowie den Kreis Hanau (Stadt unb Land) unb ist in 15 Kreise eingeteilt: Groß-Wiesbaben 56 Ver­eine, Main 44, Mittelrhein 29, Untertaunus 57, Rhein-Lahn 48, Unterlahn 64, Mittel-Lahn 50, Oberlahn 43, Unterwefterroalb 63, Oberwefterwald 42, Dill 43, Saalburg 19, Obertaunus 45, Frank­furt a. M. 128 unb Hanau (Stabt unb Lanb) 60 Vereine, zusammen 791 Vereine. Der Sängergau Nassau bilbet somit eine starke Säule bes Deutschen Sängerbunbes, was auf bem 1. Gaufest in Wies- baben deutlich in Erscheinung treten wird.

Wirst dein Kanu verlieren!" sagte Jochen beim Zubettgehen.Morgen vormittag lachen sich die drei tot, absolut tot!"

... werben ja sehen", ermiberte Hans schein­bar gelassen.Habe in meinem ganzen Leben noch keinen Finnen tagsüber lachen sehen..."

Der gute Jochen wußte bereits, womit er den Finnen einen Morbsspaß bereiten wollte. Als bie brei am nächsten Morgen aus dem Hause traten, stand er mit einigen Kameraden in der grellen Sonne unb salbte sich bie Schultern mit einer dicken, dunkelbraunen Schmiere, die er gleich seinen Kameraden aus Tuben quetschte, von denen er in jeder Hand eine hatte. Ab und zu biß er ein Stück von dem braunen Zeug ab, das aus der Tube quoll, und kaute es sichtlich mit großem Behagen.

Was ist das?" fragte einer der Finnen, auf die Tube in Jochens rechter Hand deutend.Baum­harz", antwortete Jochen,in Tirol aus Nußbaum­öl zubereitet, fabelhafte Sache" einmal ver­suchen!" sagte der Finne, und Jochen ließ ihn so­gleich ein ordentliches Stück von dem Zeug ab« beißen, das aus der Tube trat, die er in der linken Hand hatte.

Im nächsten Augenblick machte ber Finne ein fo jämmerliches Gesicht, daß seine beiden Kameraden herausplatzen mußten. Prustend, spuckend, lachend suchte sich ber Finne von dem ekelhaft klebenden, scheußlich schmeckenden Zeug zwischen den Zähnen zu befreien, es verging ein Stunde fortwährend neuer Lachsalven, dann war endlich alles Harz heraus.

Und dann gestand Jochen, daß es zwei Sorten Tuben gab, eine mit bem Baumharz und eine andere mit Schokolade, die um Mitternacht in leere Harztuben gegossen worden war.

Spaß muß fein!" schloß Jochen, die Hände reibend, unb bie Finnen lachten noch einmal aus vollem Halse. Hans kam bazu, unb ohne etwas von den Vorgängen zu wissen, begriff er sogleich, daß er die Wette verloren hatte, denn die Finnen lach­ten immer noch.

Was ist los?" fragte er kleinlaut.

Nichts weiter", erwiderte Jochen,die Herren wollen nur wissen, ob ich ein Kanu kaufen mochte! Ich habe ihnen gesagt, ich brauchte jetzt feins mehr sie sollen sich an dich wenden!"

Hochschulnachrichten.

Der frühere langjährige Ordinarius für deutsches bürgerliches und römisches Recht an der Universität Heidelberg, Professor Dr. Otto Graden- witz, ist dieser Tage in Berlin verstorben.