Ausgabe 
17.6.1935
 
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gnädige

gewohnt, Mit va-

kommen Interesse

jorn von gestern wieder .Er dachte an

Oberhessen.

Landkreis Gießen

Klein-Linden, 16.Juni. Am Samstag

Oer Tag des Roten Kreuzes

(22. und 23.3uni 1935 )

Das ganze Jahr über arbeiten die Vereine, Sa- nitätskolonnen und Schwesternschaften vom Roten Kreuz über 1300 000 Männer und Frauen in aller Stille, der Oeffentlichkeit entrückt, daran, ihre sehr vielseitigen Pflichten zu erfüllen, zu denen neben der Hilfeleistung stetig auch die weitere Aus- bildung gehört, um für den Fall der Gefahr, des Unglücks und der Not gerüstet zu sein.

Nur wenn plötzlich ein Massenunglück sich er­eignet oder wirklich eine große Not über Nacht hereingebrochen ist dann taucht, den Zu­schauern sichtbar und den Verwundeten und Gefährdeten wie ein helles Licht das Rote kreuz auf, um feine Hilfs- und Rettungsarbeit zu vollbringen.

Aber an einem Tage im Jahr tritt das Deutsche Rote Kreuz mit all seinen Organisationen und Mit­arbeitern in das Helle Licht der Oeffentlichkeit und vor alle deutschen Volksgenossen, um ihre Hilfe zu erbitten, das Rotkreuzwerk auch weiter- hin zu sichern. In diesem Jahre findet die Rotkreuzsammlung am Samstag, 22. Juni, und Sonntag, 23. Juni, statt. An diesen Tagen werden wieder die Schwestern und Helferinnen und die Sa­nitätsmänner vom Roten Kreuz mit der Sammel­büchse in der Hand auf Straßen und Plätzen in allen Städten und Ortschaften Deutschlands das deutsche Volk um eine Beihilfe zum weiteren Auf­bau des Deutschen Roten Kreuzes bitten. Im neuen

Stelle?" ,

Herr Oberinspektor Rockesch ist wegen der Holz­verhandlungen in die Kreisstadt gefahren, Frau von Stechow. So hielt ich es für nötig, an seiner Stelle zu kommen."

Konnten Sie nicht warten, bis ich Sie dazu aufforderte? Ich wüßte nichts, was wir heute mit­einander zu besprechen hätten. Die Arbeiten für heute und morgen sind ja festgelegt."

Eckehard bezwang sich mühsam. Am liebsten hätte er das Zimmer sofort verlassen. Aber er durfte ja nicht.

Ich bedaure", sagte er hart,wenn ich unge­rufen zum Bericht kommen muß, gnädige Frau. Ober Herr Oberinspektor Rockesch hat mich beauf­lagt, Ihnen mitzuteilen, daß heute nacht die braune Zuchtstute schwer erkrankt ist."

Barbara wurde bleicht , v v

11.30: Sozialdienst. 11.45: Dauernfunk. 12:

konzert: 13: Nachrichten aus dem Sendebezirk, le.'ö: Mittagskonzert. 14: Nachrichten. 14.15: Wirtschasls- bcricht: Was gibts Neues? Worüber man spricht. 14.45: Sendepause. 15: Nachrichten. 15.15: Für die Frau! 15.40: Große Deutsche erleben Heimat und Welt. 16: Kleines Konzert. 16.30: Unser Schulkind daheim (III): Gesundheitserziehung und Körper­pflege. 16.45:Flüssiges Dbft' ist gesund und billig! Ein kleines Kapitel über Fruchtsaftberei^ 17: Nachmittagskonzert. 18.30: Neuland aus Me^r und Moor: Bodengewinnung an der Nordsee und im Emsland. 18.45: Gustav Ruhland. Ein Vorkämpfer nationalsozialistischer Wirtschaftsauffassung. 19: Un­terhaltungskonzert. 19.50: Bedeutung des Volks­empfängers für den nationalsozialistischen Volksfunk. Zwiegespräch. 20: Nachrichten. Anschließend: Der Zeitfunk bringt den Tagesspiegel. 20.15: Orchester­konzert. 21.15: Aus Meister Hämmerlings Chronik. Eine Funkfolge. 22: Nachrichten. 22.15: Nachrichten aus dem Sendebezirk. 22.20: Klaviermusik. 23: Musik vor Mitternacht. 24: Nachtmusik.

Aber um Himmelswillen, woran denn?" Das wissen wir nicht genau. Ich habe in der Nacht sofort den Tierarzt geholt. Die Sache sah nach einer Kolik aus. Das Tier muß irgend etwas gefressen haben, was Dergiftungserscheinungen her- vorgerufen hat."

Barbara war auf ihrem Sessel zusammengesun.- ken. Das war ein harter Schlag. Man hatte die Stute unter sehr großen Kosten von England her­überbekommen. Sie sollte zur Aufzucht eines gan- zen Gestüts mit verwandt werden. Nur aus Die­tern Grunde hatte Barbara den außerordentlich hohen Kaufpreis angelegt. Nun war mit dem Tode des Tieres die Hoffnung auf die baldige Er­richtung des Gestüts wieder in die Ferne geruckt.

Eckehard schwieg. Er wußte, wie Barbara an jedem einzelnen Tier hing. Ihm selbst war ja der Tod des klugen, schönen Pferdes nahe gegangen.

Sehr scharf sagte Barbara plötzlich:

,Es scheint mir doch, Herr von Mackenroth^ als ob an irgendeiner Stelle nicht die genügende «Sorg­falt beobachtet würde. Die dritte plötzliche Kata- Strophe in wenigen Wochen! Und immer gerade

Eckeh^rd^wurde fahl. Das klang ja gerade wie ein Vorwurf gegen ihn.

, Gnädige Frau, wenn das em Angriff auf meine Pflichterfüllung sein soll, so muß lch.lhn zurück- weisen. Wir tun unser Menschenmögliches. Aber es gibt eben Dinge, gegen die man nicht gefeit ist.

Sie sagen das so eigentümlich. Was meinen Sie damit?" m , ,,

Daß ich einen gewissen Verdacht habe . Verdacht worauf, Herr von Mackemroth.

>uf ein planmäßiges Vorgehen zur Schädigung Ihrer Interessen."

Barbara lachte kurz auf:

Torheit, Herr von Mackenroth! Wie Sie auf solche Ideen? Wer sollte ein daran haben, mich 3" schädigen?

Eckehard zuckte die Achseln:

Bestimmte Beweisehabe ich nicht, Frau. Und dennoch..."

Barbara stand auf. Scharf sagte sie. Herr von Mackenroth, ich bin nur auf bestimmt- Beweist hin zu urteilen.

gen Andeutungen kommen wir hier nicht weiter. Also klipp und klar! Was behaupten Sie?"

Ick behaupte nichts Positives. Ich möchte nur gehorsamst daran erinnern, daß ich bei den beiden anderen plötzlichen Todesfällen in unserem Vieh­bestand riet, durch eine Obduktion die Ursache die­ses plötzlichen Todes feststellen zu lassen. Herr Oberinspektor Rockesch war anderer Ansicht. Und dieser Ansicht haben sich gnädige Frau ange­schlossen."

Sie meinen also, daß Herr Oberinspektor Rockesch ein Interesse daran haben konnte, diese Obduktion zu verhindern?"

Ich meine zum mindesten, daß auch ihm daran gelegen sein müßte, im Interesse des Ganzen eine Aufklärung zu erzielen."

Barbara sah Eckehard scharf an. Lag in seinen Worten ein Verdacht gegen den Oberinspektor? Aber sie hatte doch bei Lebzeiten ihres Mannes die Tüchtigkeit Rockeschs oft genug von Albert rühmen gehört. Auch ihr Vater hatte nach dem Tode Alberts, als man die Bücher durchsah und an die Begleichung der großen Verbindlichkeiten ging, den Oberinspektor gelobt. Nach der Meinung des Senators wäre auch Schedlowitz schon längst unter den Hammer gekommen, wäre nicht die Tat­kraft des Oberinspektors gewesen. Sebert hatte sich ja niemals um die Bewirtschaftung seines schö- nen Besitzes ernsthaft bekümmert und war der Mei- nung, daß man dafür seine Leute hatte.

Barbara war darin ganz anderer Ansicht. «So­fort nach dem Tode ihres Mannes hatte sie sich mit aller Energie daran gemacht, eine Gutsherrin zu sein, wie sie und ihr Vater das für notwendig hielten. Albert hatte ja Barbara jede Tätigkeit in haus und Hof verboten.Eine elegante Frau, die nach Kuhstall riecht pfui Teufel!" hatte er erklärt.Alles Unästhetische tötet die Liebe eines feinfühligen Mannes."

Mit der blinden Leidenschaft der ersten Zeit hatte sie sich gefügt. Obwohl sie schon damals das dunkle Empfinden hatte, daß Alberts Einstellung zum Berufe einer Gutsherrin nicht die richtige war. Sie sah es ja auf den Gütern ringsum, daß die Gutsherrin mit arbeiten mußte, sollte alles ge­beten. Daß sie damals nicht die Energie gehabt, sich gegen Alberts oberflächliche Einstellung aufzu- lehnen, hatte sich bitter gerächt. Wäre der Vater nicht mit feinen Geldmitteln eingesprungen, und hätte der Oberinspektor Rockesch nicht mit eiserner Hand zugegriffen, sie säße heute hier nicht mehr auf Schedlowitz.

Sie wußte, was sie Rockesch verdankte. Er hatte sich in den ganzen Monaten als treuer, zuverlassi- ger Mitarbeiter erwiesen. Wie kam Mackenroth jetzt dazu, ihn zu verdächtigen?

Ich werde die Sache überdenken, sagte sie kurz, haben Sie sonst noch etwas, Herr Inspektor?

In zornigem Grübeln sah sie an ihrem Schreib­tisch. Sie vermochte sich gar nicht zu konzentrieren. Da lagen die Abrechnungen über die Heulieferungen und die Vorschläge des Rentamts über den Holz­vertrag mit einer Firma. Sie hatte alles noch bis zum Vortrage des Inspektors heute erledigen wollen.

Nun saß sie untätig da. Dor ihren Augen war immer nur das eine Bild: Magdalenas zartes, lieb- liches Gesichtchen und Mackenroths Kopf, rote sie sich beide über die Blumen beugten. Da hörte sie drau­ßen jemand kommen. Sie kannte den Schritt. Es war Eckehard von Mackenroth. Sie straffte sich.

Als Eckehard nach kurzem Klopfen eintrat fah er in ein sehr blasses, sehr hochmütiges und beherrsch' tes Frauengesicht. Was ihm aus Barbaras Augen entgegensprühte er konnte es nicht deuten. Es war etwas von der gestrigen Verachtung, gennscht mit einem heftigen Zorn. Sofort stieg auch in Ecke- Hard von Mackenroth der Zorn von auf. Aber er bezwang sich eisern.

Magdalenas Mahnung. Es ging ja nicht um ferne persönlichen Beziehungen zu Barbara. Es ging um das Gut es ging um viel mehr.

Barbara hatte seinen höflichen Morgengruß nicht erwidert. Ohne ihn aufzufordern, näher zu treten, sagte sie kurz: _

,Zch erwarte Herrn Ob-rinspektor Rockesch, Herr von Mackenroth. Wieso kommen Sie an seiner

merspielzeit der Schwank:Der Hochtourist" von Kraatz und Neal zur Aufführung. Schon die Namen der beiden Autoren rufen angenehmste Erinnerung an lachlustige Abende wach. Auch in diesem Schwank erweisen sich die Verfasser als außerordentlich an­griffslustig auf schlechte Stimmung.

«

** Don der Universität. Von der Presse­stelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Professor Dr. Karl Vietor ist von der Harvard- Universität in Boston eingeladen worden, im Winter- K 1935/36 als Gastprofessor Vorlesungen über Literatur zu halten. Professor Dr. E. Küster ist von der Utrechter Gesellschaft für Kunst und Wissenschaft zum ausländischen Mitglied ernannt worden.

♦♦ Wiedersehensfeier der Gießener Oeffentlichen Handelsschule. Am ver­gangenen Samstagabend feierte die Oeffentliche Handelsschule in derKarlsruhe" ihre diesjährige Wiedersehensfeier, zu der alle ehemaligen Schüle­rinnen und Schüler eingeladen worden waren. Die Veranstaltung war denn auch gut besucht und nahm einen sehr unterhaltsamen Verlauf. Der Leiter der Oeffentlichen Handelsschule, Diplom-Handelslehrer Dr. Kruse hieß die ehemaligen Schülerinnen und Schüler der Anstalt herzlich willkommen und um- riß in launiger Weise den Sinn dieser Wieder­sehensfeiern. Er gab seiner Freude über den Besuch Ausdruck und schloß mit den besten Wünschen für einen unterhaltsamen Abend. Rasch vergingen die Stunden beim Tanz, dem ausgiebig gehuldigt wurde. Mitglieder der Kapelle des Marinesturmes warteten mit guter Musik auf. Gesangliche und humoristische Vorträge von Herrn Uhde und Frau B r u s i u s, sowie die Aufführungen zweier unter- Haltsamer Sketsch, fanden viel Anklang. Erst zu vor- gerückter Stunde machte man sich auf den Heim­weg.

Rundfunkproqramm.

Dienstag, 18. Juni.

6 Uhr: Choral, Morgenspruch. Gnrnnastik. 6.15: Frühkonzert. In der Pause (7 Uhr): Nachrichten. 8.10: Gymnastik. 8.30: Frühkonzert. 9: Werbekon- zert. 9.15: Festtage im Markgräfler Land. 10: Sende- pause. 10.45: Prakt. Ratschläge für Küche und Haus.

Deutschland steht das Deutsche Rote Kreuz unter der «Schirmherrschaft unseres Führers und Reichs­kanzlers Adolf Hitler, unter nationalsozialistischer Führung und gemäß dem Führergrundsatz in straf­fem Ausbau auf der Grundlage freiwilliger Unter­ordnung und uneigennütziger Arbeit.

Der Rotkreuztag ist, ähnlich wie es bei den Sammlungen des DinterhUfswerks der Fall war, verbunden mit der Hilfe für ein deutsches Rotstandsgebiet.

Das Abzeichen, das in diesem Jahr an den Rot- kreuztaaen verkauft wird, stellt eine in Weiß und Rot gehaltene hübsche Plakette aus dem Coburger Gebiet dar. Mehrere Millionen solcher Plaketten sind in Auftrag gegeben worden und haben monate­lang Hunderten von Volksgenossen, die durch den Rückgang der Ausfuhr, das Darniederliegen ihrer heimischen Jndustrieen notleidend geworden sind, Arbeit und Brot gegeben. Wer am Rotkreuztag die geschmackvolle kleine Nadel mit dem leuchtenden Zeichen des Roten Kreuzes kaust, unterstützt also nicht nur das große Werk des Deutschen Roten Kreuzes, sondern trägt auch zur Arbeitsbeschaffung für deutsche Volksgenossen bei.

Denkt am Rotkreuztag 1935 der Helferinnen in den Krankenhäusern, Heimstätten und Heimen, denkt der Sanitätsmänner, der unerschrockenen Retter in Not und Unglück!

helft ihnen Helsen!

Samstags.

Leichtathletik und Vorbereitung zum Reichssport­abzeichen, für Frauen und Männer gemeinsam, von 17 bis 19 Uhr, Universitätssportplatz am Kugelberg.

Reiten.

In der Zeit von 6.30 bis 7.30 Uhr und nachmit­tags können noch Reitkurse eingelegt werden. Inter- essenten melden sich mit Angabe der gewünschten Uebungszeiten an das Sportamt, Schanzenstraße 18.

Tennis.

Für den Tenniskurs, Montags von 18 bis 19 Uhr, oder von 19 bis 20 Uhr, können noch Teil- nehmer zugelassen werden. Ferner können für Fort­geschrittene verschiedene Uebungsftunben ohne Leh­rer eingerichtet werden. Anmeldungen an das Sportamt. In den Kursuskosten sind Platzbenutzung, Bälle und Schläger mit einbegriffen!

Boxen.

Auch für das Boxen werden noch Anmeldungen auf dem Sportamt entgegengenommen.

Sportkurse in Lollar.

Der erste Schwimmkursus in Lollar findet am Samstag, 22. Juni, von 16 bis 18 Uhr in der Lahn- Badeanstalt statt. Kosten 30 Pfennig mit Schwimm­unterricht. Für die Kurse Fröhliche Gymnastik und Spiele (nur für Frauen) und Allgemeine Körper- Ichule (für Frauen und Männer gemeinsam) werden die Zeiten noch bekanntgegeben.

Oie llnterhaltszuschüffe der Referendare.

DNB. Die Pressestelle des Reichsjustizministe­riums teilt mit:

Der Reichsminister der Justtz hat am 16. Mai 1935 eine allgemeine Verfügung über die Unter­haltszuschüsse und Vergütungen für Referendare erlassen. Diese Verfügung ist in der Oeffentlich­keit vielfach dahin ausgelegt worden, als werde nunmehr jedem Referendar ein Unterhaltszuschuß gewährt und als fei damit die wirtschaftliche Not der Referendare im wesentlichen beseitigt. Dem ist nicht so. Auch nach der Neuregelung kann, weil nur beschränkte Mittel zur Verfügung stehen, nur besonders tüchtigen Referendaren ein Unterhalts­zuschuß gewährt werden.

Auch wird der Unterhaltszuschuß keineswegs in jedem Falle in dem zugelassenen Höchstbetrag von 140 bis 170 RM. monatlich gewährt; vielmehr wird zumeist nur ein geringerer Betrag bewilligt werden können. Die Neuregelung des Unter­haltszuschusses ist daher nur ein geringer Beitrag zur Behebung der wirtschaftlichen Not des juristi­schen Nachwuchses. Es bleibt nach wie vor die Aufgabe aller in Frage kommenden Stellen, zur Erleichterung der wirtschaftlichen Lage der Jung­juristen alles zu tun, was sich zurzeit möglich machen läßt.

Einheitliche Ausbildung derTurnlehrer

Ausbildungsjahr an der Universität Gießen.

Durch einen Erlaß des Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volks­bildung vom 24. April 1935 ist die Ausbildung der Turnlehrkräfte einheitlich für das Reich ge­regelt worden.

Danach müssen alle Bewerber und Bewerberin­nen an einem Ausbildungsjahr, das in Hessen an der Universität Gießen ab 1. Oktober 1935 zur Durchführung kommt, teilnehmen.

Die Ausbildung steht offen:

1. Studierenden, die die wissenschaftliche Prüfung für das höhere Lehramt oblegen wollen;

2. Studienreferendaren(-innen) und Studienassesso- ren(-innen), die die Lehrbefähigung in dem FachLeibesübungen und körperliche Erzie­hung" nachträglich erwerben wollen (Erweite- rungsprüfung);

3. mit besonderer Genehmigung a) Studierenden anderer Fakultäten, für die die Teilnahme an der Ausbildung eine wesentliche Ergänzung für die Berufsausbildung ist; b) Bewerbern < (-innen), die bereits andere Lehrbefähigungen (nicht des höheren Lehramts) besitzen; c) Be­werberinnen, die technische Lehrerinnen wer-

Warum verkeiuistdinnich, Varbara?

Vornan von Liane Sande«.

Urheberrechtschutz: Fünf-Türrne-Verlag, Halle (S.) 11. Fortsetzung Nachdruck verboten!

13. Kapitel.

den und zunächst die Lehrbefähigung für Tur­nen erwerben wollen.

Voraussetzung für die Zulassung ist bei allen unter 1 bis 3 genannten Bewerbern(-innen) der Nachweis arischer Slbammung sowie die körper­liche und charakterliche Eignung. Die unter 1 und 3a genannten Studierenden haben die erfolgreiche Ableistung der Grundausbildung, die unter 2 und 3b und c Genannten eine der Grundausbildung der Studierenden entsprechende körperliche Vorbil­dung nachzuweisen. Die letzteren haben sich außer­dem einer Aufnahmeprüfung zu unterziehen.

Die Unterrichtsgebühren betragen für die Stu­dierenden unter 1 und 3a 35 RM. je Semester, für die übrigen Teilnehmer-(innen) 75 RM. je Semester.

Die am Schlüsse der Ausbildung abzulegende Prüfung gilt für die unter 1 und 2 Genannten als Vorprüfung für die wissenschaftliche Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen in dem FachKörperliche Erziehung", für die Bewerber (-innen) unter 3b und c als Abschlußprüfung. Die durch letztere erworbene Lehrbefähigung hat nur in Verbindung mit anderen Lehrbefähigungen Gültigkeit. Den Bewerberinnen unter 3c wird daher" das Zeugnis über die Prüfung erst nach Abschluß ihrer übrigen Berufsausbildung ausge- händigt.

Die Meldungen zur Teilnahme müssen dis spä­testens 15. August 1935 an das Institut für Leibesübungen der Universität Gießen gerichtet werden.

Vornotizen.

Tageskalender für Montag: NSG. Kraft durch Freude": 18 bis 19.30 Uhr, Schwim­men für Frauen und Männer in der Badeanstalt des Männerbadevereins; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs, Brandplatz; 18 bis 20 Uhr Tennis auf den Tennisplätzen am Schützenhaus. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Liebe und die erste Eisenbahn". Bezirk Oberhessen der Deutschen Le­bensrettungsgesellschaft: 19 bis 20 Uhr in der Mül- lerschen Badeanstalt Lehrgang zur Vorbereitung zur Prüfung für den Grund-, Leistungs- und Lehr-

Stadttheater Gießen. Mittwoch, den 19. Juni, kommt als zweite Vorstellung der Som-

Schwer erkrankt? Woran? Warum hat man mich nicht gerufen?" ,

Gnädige Frau hatten noch Gälte. Als ich heute nacht von dem Fest nach Haufe kam, fand ich das Tier schwer krank."

Und wie geht es ihm jetzt?

Barbara schloß hastig ihren Schreibtisch zu:

Begleiten Sie mich, Herr von Mackenroth. Ich will gleich nach dem Tier sehen."

Er zögerte einen Augenblick. Dann sagte er:

Es ist leider zu spät, gnädige Frau. Das Pferd ist heute nacht eingegangen."

kurz vor 12 Uhr ereignete sich in der Frankfurter Straße ein schwerer Verkehrsunfall. Ein aus der Richtung Gießen kommendes Personenauto sollte von seinem Fahrer auf der Straße zum Wenden gebracht werden, als ein ebenfalls aus der Richtung Gießen kommendes Motorrad, das mit zwei Per­sonen besetzt war, auf den Vorderteil des drehenden Wagens auffuhr. Motorrad- und Soziusfahrer flogen in großem Bogen über ihre Maschine auf die Straße. Hilfsbereite Menschen waren rasch an der Stelle, den beiden Verletzten zu helfen. Der 21jährige Erwin Hoffmann von Dillenburg hatte eine schwere Knieverletzung erlitten. Das Sanitätsauto der Frei­willigen Sanitätskolonne Gießen verbrachte die beiden verletzten Motorradfahrer in die Chirurgische Klinik.

* Großen-Linden, 16. Juni. Der bei dem Motorradunfall in der Nacht zum Samstag schwer gestürzte hiesige Wilhelm Magnus erlitt einen Schädelbruch.

s. Lang-Göns, 16. Juni. Durch die W i e dereinrichtung und Erweiterung der hiesigen Ziegel st einbrennerei an der Holz- Heimer Straße (Inhaber Karl Müller), durch regere Bautätigkeit (zwei Wohnhäuser und mehrere Scheuern werden errichtet) und nicht zuletzt durch die Beteiligung an den Arbeiten an der Reichs- autobahn, die etwa 7 Kilometer östlich von un­ferm Ort vorbeiführen wird, gelang es, die Zahl der Arbeitslosen hier auf den Nullpunkt herabzudrücken. Diese Tatsache ist sehr erfreulich, da in unserer Gemeinde noch bis vor einigen Mo­naten verhältnismäßig viel (über 50) Arbeitslose gezählt wurden.

= Steinbach, 17.Juni. Am Samstagnachmit- tag verstarb unser ältester Mitbürger, der Land­wirt Philipp Balthasar Müller. Er erreichte das Alter von 89 Jahr. Geboren zu Hausen am 2. Februar 1846 zog er 1872 bei seiner ersten Ehe- schließung nach Steinbach. Er hat den Krieg von 1870/71 mitgemacht und war der einzige noch le- benbe Altveteran und Gründer des hiesigen Krie­gervereins, dessen Ehrenmitglied er war. Ohne lan­ges Krankenlager ist er überraschend zur großen Armee heimgerufen worden.

Hungen, 16. Juni. Auf der Weide des Hof- ,dtes Graß wurde dieser Tage am frühen Morgen einer unserer Störche tot aufgefunden. Der Vogel scheint gegen die Hochspannungsleitung ge­flogen zu sein.

* Dillingen, 16.Juni. Zur Entwässerung der Fluren 17 uno 21 der Gemarkung Dillingen wurde eine öffentliche Wassergenossenschaft, die den TitelWassergenossenschaft Dillingen" führt, gegründet. Zur Bildung des Genossenschafts­vorstandes findet demnächst im Rathaus eine Sit- zung statt.

Mackenroth sah in seinem Notizbuch nach:

Da wäre noch die Wiese am Karpensteiner Walde, gnädige Frau. Ich möchte sie heute fertig- mähen lassen. Aber mir fehlen noch mindestens zehn Mann."

Dann kann man die zehn Mann vielleicht drü­ben vom Gut Praczovoy bekommen", entschied Bar­bara.Ich habe gestern von Herrn von Geczy gehört, daß er mit dem Wiesenschnitt schon fertig ist und zehn Mann ablohnen will. Ich werde so­fort mit ihm telephonieren. Haben Sie sonst noch etwas?"

Nichts, gnädige Frau, als daß ick noch einmal gehorsamst an eine genaue Untersuchung der To­desursache der Zuchtstute erinnern möchte."

Er hatte es beinah widerwillig gesagt. Es wi­derstrebte ihm aufs äußerste, Barbara in dieser Sache zu drängen. Aber er hielt es für feine Pflicht.

Babaras Gesicht verschloß sich in hochmütiger Ab­wehr:

Es ist nicht notwendig, Herr Inspektor, daß die- selben Dinge mehrfach zwischen uns besprochen werden. Guten £agr

Eckehard verbeugte sich und wollte stumm hin­ausgehen. An der Tür drehte er sich noch einmal um.

Bitte, was ist noch?" Barbaras Stimme war sehr scharf.

Eckehard nahm das Abschiedsgesuch im Umschlag aus seiner Tasche, legte den verschlossenen Bries vor Barbara auf den Schreibtisch:

Darf ich bitten, gnädige Frau, dieses Schrift­stück zu lesen."

Was ist es?"

Mit fester Stimme sagte er:

Mein Abschiedsgesuch."

Barbara fühlte, wie sie erblaßte. Ein jäher Schreck zuckte durch sie.

,Lhr Abschiedsgesuch?"

Jawohl, gnädige Frau. Ich habe das Empfin- den, daß ich Ihr Vertrauen nicht mehr besitze. Ich kann aber nur arbeiten, wo ich Vertrauen fühle."

Barbara hatte sich gefaßt. Der Mann vor ihr sollte nicht merken, wie tief sie diese Überraschung getroffen hatte.

Sie wissen, daß Sie kontraktlich in vierteljähr­licher Kündigung stehen, Herr Inspektor!"

Ich weiß es, gnädige Frau. Ich hoffte aber, unter diesen Umständen auf eine frühere Lösung meines Kontraktes rechnen zu dürfen."

Barbara legte ihre Hände sehr fest auf die , Platte des Schreibtisches. Eckehard von Macken­roth sollte ihr Zittern nicht sehen.

Ich kann mich darüber jetzt nicht entscheiden, Herr Inspektor. Ich gebe Ihnen morgen Bescheid."

(Fortsetzung folgt!)