Ausgabe 
17.6.1935
 
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9156,22 Mark Einnahme, 7558,31 Mark Ausgabe, also mit 1597,91 Mark Ueberschuß wurde im An­schluß an den lobenden Bericht des Rechnungs­prüfers einstimmig genehmigt. Ebenso einstimmig wurde der Voranschlag für 1935 mit je 6700 Mark in Einnahme und Ausgabe gutgeheißen.

lieber den Umbau des Llubhauses auf dem hoherodskopf im Zusammenhang mit dem Autostrahenbau der Provinz Oberhessen durch den Oberwald sollen der Gesamtvorstand und der Bauausschuh bis zum Herbst alle Fragen klären, damit dann in einer außerordentlichen Hauptversammlung die endgültige Entscheidung getroffen werden kann. Durch einen zeitgemäßen Anbau an das neue Clubhaus soll nach den einstweiligen Vorschlägen des Architekten Raum geschaffen werden für 30 Betten für Pensionäre und längere Aufenthaltnehmende, ferner für 30 Betten für Skisportler. Weiter ist an einen vom Haus abliegenden Autoparkplah gedacht, ins­besondere sollen die großen Autobusse von dem

Haus ferngehalten werden.

Als 'Bausumme ohne die Inneneinrichtung wurde ein Betrag von 40 000 Mark genannt. Die endgültige Entscheidung hat aber, wie gesagt, die außerordentliche Hauptversammlung zu treffen. Das Jägerheim ist für drei Jahre vermietet wor­den, vielleicht kann es auch verkauft werden.

An den Tagen der Hauptversammlungen, des hoherodskopffestes, der Sternwanderung und des hcrbftausfluges darf in Zukunft kein Zweigverein mehr Vereinswanderungen vornehmen.

Die Zweigvereine sollen sich in ihrer engeren Heimat nach der s ch ö n st e n Eiche umsehen, von denen dann wieder die beste ausgesucht und den NamenHindenburg-Eiche" erhalten soll.

Die nächstjährige Hauptversammlung des DHC. wird in Schlüchtern stattfinden.

Nach Erledigung einiger kleinerer Angelegenheiten wurde dem Gesamtvorstand aus der Mitte der Ver­sammlung heraus herzlicher Dank gesagt für die mühevolle Arbeit im verflossenen Jahre. Danach schloß der Vorsitzende Dr. Bruchhäuser die arbeitsreiche Tagung mit freudig aufgenommenen Heil-Rufen auf die oberhessische Heimat und den VHC.

Der Festzug.

Am Nachmittag stellte sich aus dem Gelände am Bahnhof ein prächtiger Festzug auf, der unter Dor­antritt des Spielmannszuges der HI., bei flotten Märschen der vereinigten Licher Musiker und mit frohen Wanderliedern die von einer großen Men­schenmenge umsäumten, festlich geschmückten Stra­ßen der Stadt durchschritt. An der Spitze folgte hinter einer Reitergruppe und dem Spielmannszug der HI. der Gesamtvorstand des DHC., anschließend die Fahne des Gesamtoereins, daran reihten sich dann viele Festwagen und die große Zahl der Zweigoereine. Von den Festwagen brachte gleich der erste mit der AufschriftMusterung" einen zeit­gemäßen Hinweis auf das wichtigste Ereignis im Leben unserer Jungmannschaft von 1914, das am heutigen Tage mit dem Beginn der Musterung in Gießen für sehr viele Wirklichkeit wird. Inter­essant war ferner der Wagen mit der Aufschrift 2000 Jahre Urquell alter Germanen", der von der Licher Brauerei-Industrie wirkungsvoll hergerichtet war. Ein reizvolles Bild bot die flott im Zuge marschierende Gruppe der Licher Schneiderinnen, die einen interessanten Ueberblick überDie Mode im Wandel der Zeiten" durch Vorführung ent­sprechender Kostüme gaben. Sehr anerkennenswert war auch der gut hergerichtete Waben mit Vor­reitern eines Kaufmanns in der Zeit des Mittel­alters mit Stangenfahrern und Begleitmannschaft in der Tracht der Landsknechte bzw. Reiter der damaligen Zeit. Flott ging es in dem WagenZur Linde" zu, bei dem es an Feuchtfröhlichkeit nicht fehlte. Recht schön war auch der Wagen des Ge­sangvereinsCäcilia", ebenso der reich mit Blumen ausgestattete Festwagen der Licher Gärtner. Im Zug sah man außerdem Trachtenträgerinnen, ferner Wander- und Wanderinnengruppen, die zum Teil, wie besonders die Licher Gruppe, in schöner ein­

Grenzen.

Von Hannah Spohr.

Hannah Spohr gibt ein Tanzgastspiel im Gießener Stadttheater.

Wissen Sie, was tänzerisch ist? Der Begriff wird ja immer so eng gefaßt. Tänzerisch sein heißt: be­jahen können. Nicht durch verneinende Ablehnung, erst durch Bejahung kann man zur Gestaltung kommen.

Ein wirklich Tänzerischer muß möglichst alles gestalten können, und zwar so, daß er weder am Grundsatz, noch am Objekt, noch am Milieu klebt. Ich will mich in stärkster Dramatik ebenso ergehen wie in zartester Lyrik und schillerndem Witz; die schmissigen höhen des wirklichen Operettengeistes will ich ebenso bejahen und genießen wie die Tiefen der Tragödie. Man bedenke sich, ehe man unersättliche Leidenschaft, die zu allem verbindung- fuchend hinstürmt, einregistriert in den bequem greifbaren Begriff der Zersplitterung, der erst durch Jntensitätsmangel entsteht. Die Quelle zu ersterer ist die starke Bejahung aller Dinge und Zustände; eine Quelle aber zur Zersplitterung besteht gar nicht, denn sie ist die Folge einer Quellenlosigkeit. Der Zersplitterte fällt von allem eben Erreichten fortgesetzt ab; der Allumfassende nimmt immer neue dazu. Der Zersplitterte teilt sich; der Allum­fassende verdoppelt, vervielfältigt sich. Seine Wur­zel ist die Bejahung.

Ein Tänzer aber, der als Mensch nicht bejahen kann, bleibt höchstens ein mehr oder weniger ge­schickter Hüpfer und Schrittemacher; darüber wer­den ihm weder Fleiß, noch Routine, noch ein Dutzend Examen bester Schulen hinweghelfen.

Statt Examensnöten braucht der Künstler zum heranreifen die Not des Suchens, der seelischen Heimatlosigkeit, den fortgesetzten Kampf mit dem seelischen Bankrott. Aus diesem Stahlbad der Not heraus wird der wirkliche Künstler das Leben in seinen sämtlichen Phasen und mit seinen sämtlichen Geschöpfen bejahen. Er muß durch Not, Hunger, Krankheit hindurchgehen können wie ein Kind, oas durch einen Kirmestunnel fährt, sich gruselt und schreckt und den Schreck abwirft, sobald es wieder Licht sieht. Es tanzt durch diese Eindrücke hin­durch.

Diese Bejahungsfähigkeit wird auf dem Gebiete der Kunst zu einer ganz anderen Einheitlichkeit führen, als man sie bis jetzt meist nur für die große Einseitigkeit" gelten ließ, nämlich zu einer Einheitlichkeit, die alle Provinzgrenzen des Kunst­gebiets ignoriert. Ohne herkömmliche Einregistrie- rung, Grenzziehung und Phantasiebeschränkung, un-

heitlicher Wanderkluft erschienen. Ueberall wurde der Festzug mit warmer Sympathie begrüßt und mit großem Interesse in Augenschein genommen.

Der Ausklang des Festes.

Der Festzug und mit ihm große Scharen der Zuschauer begaben sich von der Stadt aus nach dem herrlich gelegenen Festplatz, dem Hardtberg, wo für die Unterkunft der Besucher bestens vor­gesorgt war. hier sprach bald nach der Ankunft DHC.-Druder Sern, Offenbach a. M., als Vertreter des Reichswanderführers, Staats- Präsident i. R. Professor Dr. Werner, und zu­gleich im Auftrage des Führers des Gesamt-VHC., Dr. B r u ch h ä u s e r, zu der stattlichen Versamm­lung. Er dankte dem Zweibverein Lich für die sorgsame und glanzvolle Herrichtung dieses schonen VHC.-Festes und brachte zugleich seine öffent­liche Anerkennung für die schöne Begrüßungsfeier am Samstagabend zum Ausdruck. Ferner dankte er der Licher Bevölkerung für den überaus festlichen Schmuck der Straßen. Sodann hob er hervor, daß der Verlauf der Veranstaltungen die Volksgemein­schaft im besten Sinne des Wortes offenbart habe, wie auch eindrucksvoll erkannt werden konnte, daß in der Wanderbewegung nicht nur die Volksgemein­schaft eine gute Pflegestätte habe, sondern dann zugleich eine ausgezeichnete Schule zur körperlichen Ertüchtigung des Volkes durch verständnisvolles Wandern gegeben fei. Dieser Festtag des VHC. sei für alle DHC.er ein sonniger, froher Tag, bei dem zu dem Hellen Sonnenschein noch die Sonne im Herzen dazukomme. Sodann wies der Redner auf die hohen ideellen Werte des rechten deutschen Wan­

derns hin und warb für den Anschluß aller Volks­genossen an die deutsche Wanderbewegung. Weiter gab er der freudigen Zustimmung des VHC. zu dem großen Werk der Jugendherbergen Ausdruck, das zum Wiederaufbau unseres deutschen Volkes in wirkungsvoller Weife beitrage. Dem großen deut­schen Vaterlande habe von jeher die volle Hingabe und die warme Liebe aller deutschen Wanderer und Wanderinnen gehört, und daher sei auch im DHC. die Freude groß über die unter der Führung Adolf Hitlers zur Tat gewordene Wiederauferstehung eines deutschen Vaterlandes der Ehre, der Gleich­berechtigung und des Ansehens in der Welt.

Anschließend kam der Redner die Weihe von drei Vereinswimpeln durch die Berührung mit der Fahne des Gesamtoereins vor und gab dabei der Hoffnung Ausdruck, daß die Zweigvereine mit ihren Wimpeln stets in treuer Gefolgschaft dem Gesamtverein folgen möchten.

Zum Schluß huldigte der Redner dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler und seinem großen Werk zum Segen des deutschen Volkes mit eindrucksvollen Worten, wobei er betonte, daß unser deutsches Volk unter der Führung Adolf Hit- l e r s wieder voll hofnung einer guten Zukunft entgegensetzen könne. Den Dank an den Führer und das Gelöbnis zu treuer Gefolgschaft, sowie alle guten Wünsche für Führer, Volk und Vater- land faßte der Redner in dreimalige, von der Ver­sammlung mit Begeisterung aufgenommene Frisch-Auf-Rufe zusammen. Anschließend wurden gemeinsam die ersten Verse des Deutschland- und des Horst-Wessel-Liedes gesungen.

Die weiteren Nachmittagsstunden und der Abend waren einem frohgestimmten Volksfest gewidmet.

Aus der provinzialhaupistadi.

Die Gefahren des Sonnenbrands.

Bitte nicht berühren!" Diese flehentliche Auffor­derung kann man nach den ersten brütend heißen Sommertagen in vielen Mienen lesen. Wieso? Es sind die unglücklichen Menschen, die zu nahe oder zu lange an das Zündloch geraten sind, mit anderen Worten, denen die Sonne gründlich das zarte Fell verbrannt hat. Bei den Menschen ist es nämlich gerade umgekehrt wie bei den Tieren. Wir hüllen uns im Winter so dicht in wärmende Wolle, lassen während der langen Monate nicht ein einziges Lichtstrählchen an unseren Körper, daß er, wenn zum ersten Male die Sonne so recht zu einem Bad im Freien lockt, bleicher als ein Kartoffeltrieb im dunklen Keller ist. Und diese Armen haben in diesen Tagen schwer büßen müssen. Jetzt laufen sie umher, als trügen sie in jeder Tasche ein Dutzend rohe Eier, sie halten ihren Kopf mit einer komisch würdevollen Steifheit, und wenn sie die Arme über Kopfhöhe heben müssen, ist das eine Qual. Und jeder hat da­zu noch sozusagen seine besondere Achillesferse, seine besonders empfindliche Stelle, und dort hat die Sonne nicht nur ein bißchen die haut angefengt, sondern den Armen ist, als ob das glühende Gestirn an dieser Stelle geradezu ein Loch gefressen hätte. Bei manchem sind es beispielsweise die Schienbeine, bei anderen der Fußrist. Auch jener Punkt, an dem schon Siegfried verwundbar war, zwischen den Schulterblättern wird von den brennenden Pfeilen der Sonne bevorzugt. Oder beispielsweise die Augen­lider, der Nasenrücken, der Ellenbogen ach, man glaubt es nicht, mit welchen Tantalusqualen die Sonnenverbrannten bedacht werden. Einige können nicht sitzen, anderen macht das Treppensteigen eine schwere Mühe, dann gibt es Leidensgefährten, die keinen Kragen an ihrem gemarterten hals dulden, kein Jakett auf ihren glühenden Schultern tragen können; o ja, es wird ihnen nichts geschenkt, diesen allzu Fürwitzigen und Sonnenhungrigen.

Und wenn man sie fragt, wissen sie zumeist gar nicht warum und wieso gerade sie!Wo ich doch bloß drei Stunden in der Sonne und nur viermal im Wasser war! Verstehe ich gar nicht, bin doch sonst nicht so empfindlich, im Gegenteil, habe eine ausgesprochen abgehärtete haut!" Mit der ab­gehärteten haut nach so vielmonatiger Entbehrung

ist das aber so eine Sache und mit dem Einölen und der Benutzung aller möglichen Cremes ist es auch nicht immer getan. Blonde Menschen sind zu­meist viel empfindlicher als dunkelhaarige, bei ihnen tritt auch der Sonnenbrand bann unweigerlich auf, wenn sie soviel Oel verbrauchen, daß die nähere und weitere Umgebung riecht, als würden Kartoffel­puffer gebacken. Die haut ist diesem ersten heftigen Ansturm der Sonne einfach nicht gewachsen. Darum: langsames Gewöhnen! Braun auf den ersten An­hieb werden zumeist nur diejenigen Menschen, deren haut so viel Schutzfarbe entwickeln kann, daß sie auch in den Wintermonaten nie ganz schwindet. Alle anderen handeln aber ausgesprochen unver­nünftig, wenn sie das erste Freibad gleich zu einem ausgiebigen Sonnenbad benutzen. Schwere Ver­brennungen führen oft zu gesundheitlichen Störun­gen ernster Natur, leichtere lassen sich zumeist mit einer dicken Schicht Puder und dem nötigen Helden­mut, den man immer aufzubringen gewillt ist, wenn es sich mehr oder weniger um eine Sache der Eitelkeit handelt, beseitigen. Aber auch sie sind unangenehm genug. Sonne ist etwas herrliches, man muß sie aber auch zu nutzen verstehen.

Bkn.

Morgen allgemeine Trauerbeflaggung.

Der Reichs- und preußische Minister des Innern hat angeordnet:

Am Dienstag, 18. Juni, dem Tage der Beisetzung der Opfer des Unglücks in Reinsdorf, fetzen die staatlichen und kommunalen Verwaltungen, Anstalten und Betriebe, die Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts, sowie die öffent­lichen Schulen die Flaggen auf halbmast.

Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda erläßt folgenden Aufruf:

Das ganze deutsche Volk trauert um die Kame­raden der Arbeit, die dem furchtbaren Schicksals­schlag von Reinsdorf zum Opfer fielen. Die Be­völkerung gibt ihrem trauernden und ehrenden Denken Ausdruck, indem sie sich durch Trauer­beflaggung am Beisetzungstage dem Vorgehen des Reiches, der Länder und Gemeinden anschließt."

gehindert durch Vorurteile jeglicher Art soll der Künstler der großen tänzerischen Kunst des Lebens huldigen können, jede Stufe der erhabenen Skala der Gefühle die schönste zu finden und diesen Superlativ zu meistern, indem er seinen herkömm­lichen Begriff der Steigerungsunmöglichkeit um» wandelt in den Begriff der sich selbst ewig steigern­den, doch nie sich erschöpfenden Intensität.

Man achte und bejahe durchaus die Notwendig­keit der Grenzen der großen Einseitigkeit, aber ebenso: Bahn frei dem Künstlertyp, der mit jener nie zu stillenden Leidenschaftlichkeit jede Begrenzung seiner Gestaltungsmöglichkeiten und -formen durch­bricht, wie er am stärksten und unbeschränktesten im Mittelalter mit seiner unerhörten Intensität wachsen konnte! Richter allein sei ihm das Maß seiner je­weiligen spontanen Zündkraft, aber ewig steckbrief­lich verfolgt sei nur der Pharisäer!

Der in diesem wahren Sinne tänzerische Mensch, der je gelebt hat, war wohl Franz von Assisi. Einmalig. Und zwar von jener Einmaligkeit, die die Menschheit zwingt, sich ihrer periodisch zu er­innern, sich an ihm aufzurichten in Zeiten drohenden Verfalls, die naturgesetzliche Schuld der Ehrung abzahlend, um die man verstandesgemäß den Lebenden zu kurz kommen ließ.

In seiner ungeheur zweckvollen Intensität vom Papst seiner Zeit als fördernd und aufbauend für die Kirche anerkannt und entsprechend geehrt: Das war die Heiligsprechung durch die Kirche. In seiner grandiosen Liebeskraft, in seinem Verbundenheits­gefühl zu Geschöpfen, Dingen, Zuständen so stark, daß die Menschheit nach Jahrhunderten auf ihn zurückkommt, um im Schatten seines gewaltigen Wesens Besinnung zu finden: Das ist die Heilig­sprechung durch die Zeit. Don einem beträchtlichen Teil seiner Mitmenschen fürverrückt" erklärt: Das war die Heiligsprechung durch die Menschheit. Daß sie sich diese Form wählte, fällt auf sie selbst zurück, während die Tatsache, den Tribut darstellt, zu dem das Wesen dieses Genius sie zwang.

Man sagt von diesem Franziskus, wenn er zum Volke sprach, schließlich zu tanzen begann. Wie viel besser als unsere Zuschauer von heute doch die im Mittelalter wußten, wastanzen" war, nämlich: in Bewegung und Gestik hineingesteigerter Lebens­rhythmus. Dieser Mann war seinerzeit nicht nur um Jahrhunderte, sondern um Jahrtausende vor­aus, denn heute, nach Jahrhunderten, sind wir ja noch lange nicht so weit, daß sein Wesen allgemein praktische Nachahmung in der Menschheit findet. Erschöpfend beschreibt Chesterton:Alle jene Grenzen der Brüderlichkeit und des guten Beneh­mens, alle jene Marksteine sozialen Lebens, welche das Ertägliche vom Unerträglichen scheidet, alle jene

gesellschaftlichen Bedenken und herkömmlichen Rück­sichten, die beim Durchschnittsmenschen normal und sogar edel sind, alle jene Dinge, welche viele acht­bare Gesellschaften zusammenhalten, konnten diesen Mann durchaus nicht halten. Er liebte, wie es ihm beliebte; er schien jedermann gern zu haben, be» sonders aber" jene, von denen niemand an ihm gern hatte, daß er sie gern hatte ... Ein sogar in kleine Dinge verliebter Mensch, hatte er nie das gleiche Empfinden wie für das Mißverhältnis zwischen kleinen und großen Dingen. Er soll eine Reise zum Kaiser gemacht haben, der inmitten seiner Armeen unter dem Adler des Heiligen Römischen Reiches thronte, nur um Fürbitte für das Leben gewisser kleiner Vögel einzulegen."

Also ein Wesen, das für die Heutigen nur ein leuchtendes Ziel darstellen könnte, dessen allgemeine Verfolgung jedoch infolge Unreife zur Katastrophe führen würde. Noch haben wir ja dieBedenken und Rücksichten, die normal und sogar edel sind" und denZusammenhalt der achtbaren Gesellschaf­ten" so bitter nötig, weil nur einzelne die unbe­rechnende Verschwendungsgabe der Welt gegenüber besitzen, die aber den Mut haben müssen, jederzeit ihren Untergang zu riskieren. Man kann, um auf einen Turm zu gelangen, feine Treppenstufe über­schlagen, 'sondern muß sie kräftig und bejahend durchschreiten. Das Ueberfliegen solcher Treppen­stufen ist nur denVerrückten" beschieden. Aber tempofördernd ist es doch, ein Ziel, eine Leuchte vor sich zu sehen, gleichgültig, ob jetzt oder nach Jahrtausenden erreichbar, ein Ziel, das die ein­fachste Formel des Lebens darstellt: Bejahung, Derbundenheitsgefühl; man sagt auch: Liebe.

Aber die Welt machte sich dies Leichteste zum Schwersten, und mühsam uno systematisch muß sie den Rückweg antreten.

Zeitschriften.

Das Juni-Heft der K u n ft f a m m e r", der illustrierten Monatsschrift der Reichskammer der bildenden Künste (im Propyläen-Verlag, Berlin), bringt u. a. einen Beitrag überPlastik am Bau" von Fritz v. Graevenitz mit zahlreichen Abbildungen, sowie die interessante Rede, die Prof. Eugen Honig zur Eröffnung der Münchener Glas-Palast-Aus- ftellung im Juni 1931 hielt. Außerdem wird über neue kunfthandwerkliche Lederarbeiten und moderne gewirkte Wandbehänge berichtet; Kurt Wehlte schreibt über Kasein-Malerei auf der Wand, Feder­zeichnungen von Architekt Otto Bünz zeigen städte­bauliche Naturstudien. Das Heft enthält fast vierzig schone Bilder.

Das Juniheft derSüddeutschen Mo­natshefte" (Verlag Süddeutsche Monatshefte)

Oie Mitarbeit der Frau bei den Auf­gaben der 7iS.-Do>kswohlfahrt.

Der Reichsfender Frankfurt teilt mit: Als Auftakt der ersten Sammlung der NS.-Volkswohlfahrt für das HilfswerkMutter und Kind" spricht die Reichs- frauenführerin, Frau Scholtz-Klink, am Mon­tag, 17. Juni, von 19 bis 19.20 Uhr über alle deut­schen Sender über das Thema:Die Mitarbeit der Frau bei den Aufgaben der NS.-Volkswohlfahrt".

Deutsche Arbeitsfront.

315. GemeinschaftKraft durch Freude". Roch 150 Plätze frei für die Rheinfahrt

am 23. Juni.

Anmeldungen werden noch bis Mittwoch auf der GeschäftsstelleKraft durch Freude", Gießen, Schanzenstraße 18, entgegengenommen.

Achtung! Ferienfahrer!

Es kommt immer wieder vor, daß die Frist der Voranmeldungsgutscheine nicht eingehalten wird und die Scheine verfallen. Jeder, der einen Gutschein zu 3 RM. hat, achte genau auf die auf dem Gutschein angegebene Zahlungsfrist.

Tanzgastspiel Hannah Spohr und Tanzgruppe Lotte Müller am 23. Juni im Stadttheater.

Das schon seit Monaten beabsichtigte Tanzgastspiel findet nun am 23. Juni, abends 7 Uhr, im Stadt­theater statt. Alle Freunde dieser beschwingten, überall Freude bringenden Kunst sollten sich diesen Tanzabend ansehen. Hannah Spohr, längst in Gie­ßen keine Unbekannte mehr, und die Tanzgruppe Lotte Müller aus Frankfurt bildeten den Kern der Frankfurter Tanzfestspiele, die im Januar d. I. im Hippodrom von der NS. GemeinschaftKraft durch Freude" vor fast 4000 Zuschauern aufgeführt wur­den. Die Presse schrieb damals darüber:Kraft durch Freude hat sich selbst übertroffen." Die Preise der Plätze sind 0,60, 1, 1,30 und 1,50 RM. Karten sind im Vorverkauf zu haben bei sämtlichen KdF.-Warten und auf der NS. GemeinschaftKraft durch Freude", an der Kasse des Stadttheaters, Musikhaus Challier und Frau Huntemann, Seltersweg.

Amt für Berusserziehung.

Achtung! Mafchinenschreiber!

Anfang August findet in Frankfurt a. M. für das gesamte Reich ein Maschinenwettschreiben statt. Das Amt für Berufserziehung eröffnet am kommenden Mittwoch, 19. Juni, 20 Uhr, einen Vorbereitungs­lehrgang, an dem alle Mitglieder der DAF. teil- nehmen können. Anmeldungen werden in der Ge^ fchäftsstelle des Amtes für Berufserziehung, Gießen, Lonystraße 18, entgegengenommen.

SportkurseKraft durch Freude''.

Montags.

Neuer Schwimmkurs für Frauen und Männer gemeinsam! Von 18 bis 19.30 Uhr in der Badeanstalt des Männerbadevereins.

Reiten. Von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs, Brandplatz.

Tennis. Von 18 bis 20 Uhr, Tennisplätze am Schützenhaus.

Dienstags.

Fröhlicher Sport- und Spielbetrieb, für Frauen und Männer gemeinsam. Von 19 bis 21 Uhr, Uni­versitätssportplatz am Kugelberg.

Reiten. Von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schombs, Brandplatz.

Mittwochs.

Schwimmen, für Frauen und Männer gemein­sam. Von 20 bis 21 Uhr, Volksbad. Von 21 bis 22 Uhr, Volksbad.

Reiten. Vpn 20 bis 21 Uhr, Reitschule Schombs, Brandplatz.

Donnerstags.

Fröhliche Gymnastik und Spiele, nur für Frauen. Von 20 bis 21 Uhr, für jüngere, Lyzeum, Damm- ftraße. Don 21 bis 22 Uhr, für ältere, Lyzeum, Dammstrahe.

Freitags.

Allgemeine Körperschule, für Frauen und Män­ner gemeinsam. Von 20 bis 21.15 Uhr, Lyzeum, Dammstraße.

trägt den TitelVorkämpfer deutscher Kultur". Am Anfang der Reihe steht dann Johann Gottfried Herder. Tim Klein schildert ihn als den Vorkämpfer einer neuen Betrachtungsweise der Geschichte und Kultur, die ihm seine geniale Auffassung der Volks­poesie ermöglichte. Ernst Moritz Arndt gilt der Bei­trag von Hans Kern. Die elementaren Mächte ger­manischen Seelentums taten sich ihm kund, die germanisch-heidnische Verbundenheit mit der Scholle wurde ihm wieder zur Forderung an den einzelnen wie an den Staat. Görres als Den unermüdlichen Kämpfer, fein Werk als zukunftswichtiges Vermächt­nis in aufschlußreicher Schilderung wieder lebendig erstehen zu lassen, ist Hanns Reich gelungen. Das Lebendigste liebte" gleich Görres auch Franz von Baader. Sein Biograph, Johannes Sauter, geht in seinem Aufsatz dem überall anregenden Schaffen des Münchener Philosophen nach. Karl Richard Ganzer zeichnet in seinem BeitragRichard Wagner, der Revolutionär und Verkünder", diesen als den Schöpfer einer neuen, von den Mächten der Herkunft und der organischen Bindung getra­genen Ordnung. Lagarde nahm Front gegen die Gefahren des Marxismus feiner Zeit. Seine höchst gegenwartsnahen Forderungen behandelt H. E. Eifenhuth. Das Werk des 1907 verstorbenen Rem- brandtdeutschen, das einen Idealismus deutschbeton­ter Art verfocht, deutet Wilhelm Weigand; Chamber­lains Erkenntnis der germanischen Aufgabe und sein Kampf für das Deutschtum sind Gegenstand eines Aufsatzes von Curt von Westernhagen. Ab­schließend erfährt der früh verstorbene Moeller van den Bruck als der wichtigste vornationalsozialistische Denker und Publizist unserer jüngsten Vergangen­heit feine Würdigung durch Hans Schwarz.

lieber den richtigen Umgang mit Büchern schreibt Eugen Kalkschmidt in der neuesten Num­mer derJllustrirten Zeitung" (I. I. Weber, Leipzig) und zeigt, welch großer, unverlier­barer Schatz im Buch verborgen ist. Aus dem übri­gen Inhalt: Don einer Fahrt auf einem großen Segler bei Wind und Wetter, an sonnigem Tag und bei sternklarer Nacht berichtet Rolf von Hoer- schelmann in seinem von stimmungsvollen Zeich­nungen begleiteten Aufsatz:Zu Gast auf der Padua". Das Bauernleben ist in vier charakteri­stischen Holzschnitten festgehalten. Ein Stück deut« scher Vergangenheit lebt auf in der Gestalt Johan­nes Bugenhagens, des Reformators Niederdeutsch« lands, dem Lic. Oskar Thulin anläßlich seines 450« jährigen Geburtstages einen Gedenkbeitrag widmet. Die heutige Zeit mit ihren technischen Errungen­schaften, ihren sportlichen Höchstleistungen und ihren politischen Ereignissen spricht eindrucksvoll zum Leser. v