Ausgabe 
17.6.1935
 
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Nr. 138 Erster Blatt

185. Jahrgang

Montag, ll.Zuni 1935

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DerMchShandwerkerlag in Frankfurt a.M.

Der Führer erhebt Frankfurt zur Gtadt des deutschen Handwerks.Eindrucksvolle Feierstunden.

Frankfurt a. M., 16. Juni. (LPD.) Der Reichshandwerkertag 1935 brachte am Samstag die Eröffnung der großen Reichsfach­ausstellung des deutschen Fleischergewerbes in der Festhalle. Zu dem feierlichen Eröffnungsakt hatten sich neben dem Reichshandwerksmeister Schmidt Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger, der Reichsführer des Handels Prof. L ü e r, Landes­bauernführer Dr. W a g n e r, Oberbürgermeister Dr. Krebs, zahlreiche Vertreter der Partei, der Be­hörden, der Wirtschaft und eine große Menschen­menge eingefunden. Von dieser Feier begab sich der Reichshandwerksmeister mit seiner Begleitung nach dem großen Platz vor der Großmarkthalle, wo er die auf der Handwerkszielfahrt mit dem Fahrrad, Motorrad oder Auto nach Frankfurt a. M. gekommenen Handwerksmeister, Gesellen und Lehrlinge mit einer Ansprache begrüßte. Am Sams­tagnachmittag eröffnete der Reichshandwerksmeister im Kaisersaal der Festhalle die Meisterschau des deutschen Handwerks.

Am Samstagabend fand in dem festlich ge­schmückten Haus der Technik auf dem Festhallen­gelände der Handwerker - Fe st abend in Gegenwart der Spitzen von Partei und Staat, einer großen Anzahl von Ehrengästen und etwa 12 000 Volksgenossen statt. Reichshandwerksmeister Schmidt begrüßte die Festteilnehmer, insbeson-^ dere den Reichsorganisationsleiter der NSDAP. Pg. Dr. Robert Ley, den Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht, den gast­gebenden Gauleiter Reichsstatthalter Sprenger, ben Stabsleiter der Deutschen Arbeitsfront Dr. von Rentelen, sowie den Vertreter der Wehr­macht. Er erteilte dann dem

Reichswittschastsminister Dr. Schacht

das Wort, der unter dem Jubel der Tausende mit­teilte, daß er im Auftrag des Führers und Reichskanzlers gekommen sei, der es unend­lich bedaure, daß es ihm nicht vergönnt war, seine ursprüngliche Absicht auszuführen, zu dieser Fest­woche der Handwerker zu erscheinen. Aber wer wie ich, so fuhr Dr. Schacht fort, aus nächster Nähe die Arbeitsbelastung und die unerhörte tägliche An­spannung d^s Führers kennt, der wird ihm die Ruhe gönnen, die nötig ist, um die schweren Auf­gaben zu lösen und durchzuführen, die er bisher so erfolgreich unternommen hat. Sie wissen, daß auch heute noch viel gemeckert wird.

Aber wenn Sie auf die Jahre zurückblicken, die wir hinter uns haben, so brauchen wir nur eine einzige Frage aufzuwerfen, um die Er­folge der nationalsozialistischen Bewegung und unseres Führers festzustellen, nämlich die ein­zige Frage: Wie stand Deutschland vor 2% Jahren in der Welt, und welche Stellung hat Deutschland in der Welt heute? (Stürmischer Beifall.) Wer den Unterschied zwischen damals und heute noch nicht erkannt hat, der wird diesen Unterschied auch niemals merken. (Bei­fall.) Ich habe Ihnen herzliche Grüße des Führers zu überbringen, der durch seine Maß­nahmen dem deutschen Handwerk seine Er­werbsmöglichkeiten wiedergegeben hat.

Aber ich überbringe nicht nur die Grüße und Wünsche des Führers, sondern auch die der ge­samten Reichsregierung, die diese Tagung mit großem Interesse verfolgt. Ich begrüße diese Tagung als die erste große Heerschau des deutschen Handwerks und freue mich, daß ich diese Grüße und Wünsche aussprechen kann m Frankfurt a. M., das schon im Jahre 1848 den überhaupt ersten Handwerkertag gesehen hat. Was jener erste Handwerkertag vor 90 Jahren forderte, Handwerkerorganisation, Selbstverwaltung und Be­fähigungsnachweis, das alles ist jetzt erst erfüllt worden unter der Führung Adolf Hitlers im Drit­ten Reich. Aber es ist viel mehr geschehen als das. Damals herrschte noch die Ansicht, daß der Hand­werksbegriff durch den Handwerksmeister gekenn­zeichnet war. Das aber ist falsch: das ganze Handwerk soll es sein, Meister, Geselle und Lehrling müssen zu einer Arbeitsgemeinschaft zu­sammengeschweißt werden, auf der die Zukunft des deutschen Handwerks sich aufbauen kann.

Diese Arbeitsgemeinschaft, gegründet auf der Selbstachtung von einem zum anderen und nicht getrennt durch Standes- und Klassen­unterschiede, soll alle zusammenfassen. Diese nationalsozialistische Grundauffassung ist es ge­wesen, die mich mit dem Führer der Deutschen Arbeitsfront Dr. Ley zusammengeführt hat, um eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft nicht nur im Handwerk, sondern in der ganzen deut­schen Wirtschaft zu schaffen.

Das ist der Sinn des Abkommens, das ich mit dem Führer der Deutschen Arbeitsfront getroffen habe. Das erste freudige Bekenntnis zu diesem Gedanken und diesem Geiste legt das deutsche Handwerk heute in dieser gewaltigen Versammlung ab. Noch in einer anderen Beziehung unterscheidet sich heute das deutsche Handwerk von damals. Man sprach immer so viel von der gewerblichen Wirt­

schaft und dachte nur zu leicht daran, daß dar­unter die Großindustrie verstanden ist. Nach der Zahl der Meister, Gesellen und Lehrlinge und nach der Höhe des Umsatzes hat das Handwerk trotz aller ungünstigen politischen und wirtschaft­lichen Umstände früherer Zeiten sich wirtschaftlich und kulturell zu einem bedeutenden Grundpfeiler des deutschen Wirtschaftslebens entwickelt. Ich ver­zichte darauf, im einzelnen aufzuführen, was das Reichswirtschaftsministerium für das Handwerk ge­tan hat.

Was wir im Dritten Reich wollen und was wir mit allen Mitteln im Drillen Reich för­dern werden, ist, daß jeder einzelne zu seinem Recht auf Arbeit gelangt. Wenn wir im be­sonderen vorn Handwerk sprechen, so ist noch eines zu sagen: Das Handwerk ist keine Klasse und kein Stand für sich; auch das Handwerk

Den in Frankfurt a. M. zu festlicher Kund­gebung versammelten Handwerksmeistern, -ge­sellen und -lehrlingen gilt heute mein Ge­denken. Ls ist mein Wunsch und Wille, daß das deutsche Handwerk verwurzelt in ehrwürdiger Ueberlieferung, im Schuhe von Volk und Staat, einer neuen Blüte entgegensehe. Die Wohl der alten Kulturstadt am Main mit ihrer großen, ruhmreichen Handwerkertradition als Stadt Ihrer Tagung ist ein besonders glückliches Symbol dieses Aufstiegs. An ihm in zäher Energie und unerschütterlichem Glauben an ein ewiges Deulsch-

wird im Drillen Reich nur gedeihen, wenn es sich mit den übrigen Ständen verbunden fühlt.

Wenn ich für Ihr Recht kämpfe, so verlange ich von Ihnen Verantwortungsgefühl gegenüber der Allgemeinheit. Wir haben nicht den Klassen­kamps beseitigt, wir haben nicht den Klassen- st a a t zerschlagen, um nun etwa den Kasten- st a a t aufzubauen. Wir wollen das Gemein­schaftsgefühl aller Stände und Klas­sen, wir wollen uns gegenseitig achten, weil wir mit allen Volksgenossen zusammen aufbauen wollen ein glückliches Deutschland unter der Führung Adolf Hitlers.

Nachdem Dr. Schacht seine Ausführungen be­endet hatte, verlas der Reichshandwerks­führer unter nicht endenwollendem Jubel fol­gendes

land milzuarbeiten, um dem deutschen Handwerk die seiner großen wirtschaftlichen Bedeutung entsprechende Geltung im In- und Auslande zu erringen, ist Aufgabe jedes einzelnen von Ihnen. Meiner Unter- stühung hierbei können Sie ge­reift sein. In diesem Sinne entbiete ich Ihnen, Herr Reichshandreerksmeister, und den Teilnehmern am Deutschen Handwerkerlag 1935 meine herzlichen Grüfte und sende Ihnen allen meineaufrichligenGlück- und Segenswünsche für Ihre weitere Arbeit.

Adolf Hiller."

Appell der wandernden Gesellen eingefunden. In ihren schlucken und zünftigen Trachten, mit dem derben Wanderstock in der Hand, gaben sie diesem Festakt das Gepräge.

Freudig begrüßt erschienen bald Reichshandwerks­meister Schmidt, Reichsorganisationsleiter Dr. Ley und der Oberbürgermeister' der Stadt Frank­furt a. M., Dr. Krebs, um persönlich die wan­dernden Gesellen willkommen zu heißen. Ein jun­ger Konditorgeselle aus Ostpreußens Hauptstadt Kö­nigsberg trat aus den Reihen seiner Kameraden hervor und übergab dem Reichshandwerksmeister als Zeichen der Dankbarkeit die wuchtige und künst­lerisch gestaltete H a n d w e r k e r l a d e, die mit ihren herrlichen Holzschnitzereien ein wahres Kunst­werk darstellt und dazu berufen ist, für Jahrhun­derte symbolisch die alte Tradition des deutschen Handwerks zu wahren.

Mit kurzen und herzlichen Dankesworten über­nahm der Reichshandwerksmeister die Lade, wor­auf

Reichsorganisationsleiter Dr. Ley,

von der Menge stürmisch begrüßt, zunächst die Grüße der Partei und Arbeitsfront überbrachte und seiner stolzen Genugtuung darüber Ausdruck gab, daß durch das Aufleben des alten Brauches des Gesellenwanderns eine neue Epoche angebrochen fei. Der deutsche Mensch sei erst dann wirklich mit seinem Vaterland verbunden und lerne es aus hei­ßem Herzen lieben, wenn er all' seine Schönheiten kenne. So werdet ihr, fuhr Dr. Ley unter dem Beifall der Menge fort, die Idee des Nationalsozia­lismus hinaustragen: ihr werdet Propheten einer neuen Zeit sein und damit zu den besten Soldaten Adolf Hitlers gehören.

Den Dank der wandernden Gesellen faßte zum Schluß noch einmal ein Geselle in dem glühenden Bekenntnis zu unserem Volk und Führer zu­sammen.

Im Anschluß an diese Kundgebung versammelten sich im Bürgersaal des Frankfurter Rathauses 90 ausgewählte Meister des deutschen Handwerks, um hier in feierlicher Handlung vom Reichshandwerks­meister

die Meisterketten

zu empfangen. Zu diesem Festakt waren auch Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident Dr. Schacht, Reichsorganisationsleiter Dr Ley und die Vertreter der Behörden und Bewegung, sowie die Führerschaft des deutschen Handwerks er­schienen. Nach einer Begrüßung der Gäste durch Oberbürgermeister Dr. Krebs überreichte dieser dem Reichswirtschaftsminister als Zei­chen Les Dankes für feine Bemühungen um das deutsche Handwerk und das deutsche Volk Goethes Faust" in einer zweibändigen, ledergebundenen Sonderausgabe. Dr. Schacht, der bekanntlich ein anerkannter Goetheforscher ist, gab seiner großen Freude über dieses Geschenk Ausdruck und sprach über die tiefe Beeinflussung, die gerade Goethe in seiner Geburtsstadt Frankfurt am Main für sein großes Schaffen gewonnen habe.

Nachdem Dr. Schacht sich verabschiedet hatte, verpflichtete der Reichshandwerksmeister die durch die Verleihung der Amtskette Ausgezeichneten. Dann fand im Kaisersaal des Römers die

offizielle Begrüßung der Ehrengäste

statt, wobei Dr. Krebs dem Reichsorganisations­leiter Dr. Ley als Ehrengabe der Stadt Frank­furt am Main einen Fayence - Krug aus dem 18. Jahrhundert und dem Reichshandwerksmeister einen Frankfurter Silberbecher aus, dem 17. Jahr­hundert überreichte.

Und dann bildet die in der Nähe des Römers gelegene historische P a u l s k i r ch e den Rahmen zu einer würdigen

Feierstunde

des deutschen Handwerks.

Das weite Rund des bis auf den letzten Platz ge­füllten Gotteshauses war herrlich ausgeschmückt mit frischem Grün und den Fahnen des Reiches. Der Rednerplatz mit der wuchtigen Reichshandwerker- lade davor, prangte in einem einzigen Blumen­meer. Unter den Klängen der Orgel hielten die alten Fahnen des Handwerks und der Zünfte ihren Einzug, ihnen folgten die Ehrengäste, an der Spitze der Reichshandwerksmeister, Reichsorga­nisationsleiter Dr. Ley, Reichsstatthalter und Gauleiter Sprenger, der Führer des deutschen Handels, Professor L ü e r , Oberbürgermeister Dr. Krebs und dann die Führer des deutschen Hand­werks, sowie zahlreiche Vertreter der Partei, der Behörden und der Wirtschaft.

Feierlich klang dasWach auf" eines gemischten Chors durch die weiten Räume des Gotteshaifies. Dann sprach der Reichshandwerksmeister nach altem, überlieferten Brauch die Jungmeister frei und ehrte alte, verdiente Handwerksführer, indem er ihnen persönlich die Amtskette umhing Die Handwerker- lade wurde geöffnet, die Kerzen flammten auf; in feierlicher Weise mahnte der Reichshandwerksmeister

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geschaffen.

mpil-bsbandwerksmeisterlade, die gestern in Frankfurt a.M. überreicht wurde. Das interessante Werk wurde im Auftrag der Deutschen Arbeitsfront von dem Bildhauer Alfr^i Thiele (Leipzig) entworfen und unter Mitwirkung^der ^"rchauer^A r n o l d, Selzner und Chemnitz

Der Statoleifet der SW., Ar. von Benfelen,

führte dann u. a. aus: Wenn wir heute zu einer so großen Kundgebung des deutschen Handwerks zu- ammengekommen sind, dann wollen wir einen ern­ten Blick tun auf unsere Schicksalsgememschaft. Seit der Führer im Jahre 1933 den Befehl.gab bas deutsche Handwerk auch in der nationalsozialistischen Arbeitsfront zu organisieren, hat das deutsche Hand­werk einen steilen Aufstieg sowohl in politischer wie auch in wirtschaftlicher Hinsicht genommen. Darum gehört auch in dieser Stunde unser Dank in erster Linie unserem Führer Adolf Hitler. Außerdem gibt es noch verschiedenes, auf das wir uns besinnen müssen. Wie alles Leben m der Natur aus der Wurzel kommt nur lebensfähig ist, so ist auch das deutsche Handwerk nur lebens­fähig. wenn es sich fest verbindet mit ber Wurzel der Heimat und des Bodens, wenn es bodenständig ist und bleibt. Wehe dem Handwerk, wenn es sich von dieser Wurzel löst.

Das Handwerk muft ein gesunder Körper des deutschen Volkes sein, dann wird es blühen und gedeihen. Wir vergessen zu leicht, daft der, der sich selbst aufgibt, zugrunde geht. Nur wenn

das Handwerk selbst an sich glaubt, wird es vorwärts mit ihm gehen.

Und hier in Frankfurt muß es einen entscheidenden Schritt nach dieser Volksgemeinschaft hin tun, in­dem es sich zusammenfindet in der Deutschen Ar­beitsfront. Das deutsche Handwerk muß seine Pflicht gegenüber dem deutschen Volk tun und dem deutschen Volke geben, was ihm gebührt, dann wird auch das deutsche Volk dem deutschen Handwerk das geben, was es verlangen kann.

Die Ausführungen des Redners fanden in der qroßen Versammlung immer wieder stürmische Zu­stimmung. Vorführungen alter Handwerkerbräuche, wie Zimmererklatschen der Berliner Handwerker, Schwertertanz von Nürnberger Handwerkern, Mün­chener Schäfflertanz usw., hielten die Festteilnehmer noch lange Zeit in froher Gemeinschaft zusammen. Der zestsonntag-Horimttag.

Schon am frühen Sonntagmorgen herrschte in den Straften und auf den Plätzen der Reichshand­werkerstadt bereits ein emsiges Leben und Trei­ben Auf dem Opernplatz und feiner Umgebung hatten sich an die tausend wandernde Ge­sell e n, die vor einiger Zeit ihre Heimatgaue ver­lassen hatten, um nach altem Handwerkerbrauch auf Schusters Rappen ihr deutsches Vaterland ken­nenzulernen, zu einem

Telegramm des Führers an den Reichshandwerksmeister Schmidt, Franksnrt a. Äl.: