Nr. 114 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Zreitag.17. Mai IW
Die Energiewirffchast in der Arbeitsschlacht
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und sich der Weltmarktlage anzupassen. W> also die deutsche Elektrizitätswirtschaft ourch Er
teilung von Mehraufträgen und erhöhte Verwendung ihrer Erzeugnisse fördert, so stärkt man dadurch auch ihre Exportfähigkeit und damit die deutschen Exportaussichten überhaupt gerade auf demjenigen Gebiete, auf dem ein weiteres Vordringen am aussichtsreichsten ist.
Man braucht also nicht zu befürchten, daß etwa für ein Vorwärtstreiben der Fronten in der Arbeitsschlacht kein geeignetes Terrain mehr vorhanden sein wird, wenn sich einmal die Möglichkeiten
DAI. kämpft für Deutschland.
Gitt Bericht über das Saus des „Deutschen Auslands-Instituts" in Stuttgart.
Von Dr. Gerhard Hagenmeyer.
befruchtet die meisten übrigen Wirtschaftszweige. Wenn dem Elektrohandwerker zusätzliche Arbeit gegeben wird, so finden dadurch fast immer auch andere Handwerkszweige, wie Maurer Tapezierer, Weißbinder usw. erweiterte Beschäftigung. Soweit aber bisher in der Energiewirtschaft noch ausländische Rohstoffe gebraucht wurden, ist man neuerdings in weitgehendem Maße dazu gelangt, diese Stoffe durch andere, im Inlande erzeugte, zu ersetzen. Es sei nur daran erinnert, daß es gerade in der Elektrowirtschaft gelungen ist, das Kupfer, das zum überwiegen- gen Teile eingeführt werden muß, durch in Deutschland erzeugtes Aluminium zu ersetzen und dadurch die deutsche Aluminiumindustrie' kräftig anzukurbeln.
Endlich muß auch auf die Bedeutung einer möglichst leistungs- unti wettbewerbsfähigen deutschen elektrotechnischen Industrie für den deutschen Außenhandel und die deutsche Devisenwirt- schaft hingewiesen werden. Denn auf diese Industrie entfällt allein ein Drittel des Ausfuhrüberschusses, den Deutschland In den Jahren vor der Weltwirtschaftskrise erzielt hat. Auch während des Rückgangs der deutschen Ausfuhr hat sich der Export der Elektrizitätsindustrie als besonders widerstandsfähig erwiesen. Denn dieser Export beruht auf Qualitätsleistungen der deutschen Technik und der deutschen Forschung. Er ist daher gegen den Wettbewerb des Auslandes besonders gut gesichert. Anderseits ist es auch klar, daß der Auslandabsatz der deutschen elektrotechnischen Industrie um so mehr steigen muß, je mehr diese durch einen erhöhten Inlandabsatz instandge- ,setzt wird, in ihrer Preis st ellung auf die ver- mmderte Kaufkraft und den erstarkenden Konkur- tenzwillen anderer Länder Rücksicht zu nehmen
Wenn bisher die Bauwirtschaft in der vordersten Front der Arbeitsschlacht gestanden hat, so wer- den, je länger und erfolgreicher diese Schlacht gegen die Arbeitslosigkeit geführt wird, in desto größerem Umfang auch andere Zweige der Wirtschaft mit in diese Front einbezogen werden müssen. Das gilt insbesondere für die deutsche Energiewirtschaft, die als eine der großen Schlüsselindustrien hervorragend geeignet ist, zu einem Zurückdrängen der Arbeitslosenwelle beizutragen. In der deutschen Elektrowirtschaft sind heute schon annähernd 400 000 Volksgenossen beschäftigt, nämlich etwa 80 000 in den stromerzeugenden Elektrowerken, mindestens ebensoviele im Elektro- handwerk und mehr als 200 000 in der elektrotechnischen I n d u st r i e. Trotzdem könnte diese Wirtschaftsgruppe, da noch immer ein nicht geringer Teil der deutschen Haushaltungen und der deutschen Landwirtschaftsbetriebe außerhalb des Stromversorgungskreises steht, noch mindestens weiteren 100 000 Menschen Brot und Arbeit geben. Die Auswirkungen einer hierauf abzielenden orga- nischen Förderung der Elektrizitätswirtschaft würden aber weit über diesen Menschenkreis hinausgehen. Denn die Elektroindustrie ist, wie schon erwähnt wurde, eine Schlüsselindustrie von fast ebenso hoher Bedeutung und mit einem ähnlich weitreichenden Radius wie die Bauwirtschaft. Denn die Elektrizitätsindustrie braucht Rohstoffe der allerverschiedensten Industrien, und zwar fast ausschließlich solche, die im Inlands herge- stellt werden können, und deren Erzeugung deutschen Arbeitern Beschäftigung und Brot gibt. Eisen, Metalle, Preßstoffe aller Art, Porzellan, Glas, Spinnstoffe, Papier, Holz, Lacke und noch viele andere Stoffe werden in dieser Industrie verwendet und finden daher um so größeren Absatz, je mehr die deutsche Energiewirtschaft entwickelt und vorwärts gebracht wird. Mehrleistung der Elektroindustrie bedeutet zugleich Mehrarbeit für eine große Anzahl wichtiger deutscher Rohstoff- und Verarbeitungsindustrien. Ein Erfolg des Elektrofachs in der Arbeitsschlacht bringt für einen erheblichen Teil der deutschen Industrie vermehrten Umsatz und gesteigerte Beschäftigungsmöglichkeiten.
Fast alle Zweige der Industrie und des Handwerks sind irgendwie mit dem Wohl und Wehe der Energiewirtschaft verbunden. Die Herstellung elektrischer Geräte und elektrischer Stromleitungen
den. Auswanderer werden beraten und auf die rechten Bahnen geleitet.
Dem schließt sich noch die Aufklärung und Werbung an durch die Mittel von Bild, Schrift und Wort, die reichen Sammlungs- und Erfahrungsschätze werden dazu ausgewertet. Vorträge, Aussprachen, Schulungsgemeinschaften, eine Monatszeitschrift „Der Ausländsdeutsche", eine Pressekorrespondenz, ein jährlicher Kalender und nicht zuletzt die wertvollen Ausstellungen aus Volksdeutschen Gebieten, die jeder im „Haus des Deutschtums" einmal sehen sollte — das rundet die Arbeit des Stuttgarter Auslandsinstituts ab und gibt ihm vollends den Charakter der vornehmsten Pflegestätte unserer großen deutschen Volksgemeinschaft.
Wenn man seine Stellung im neuen Deutschen Reich bezeichnen will, so geschieht dies am eindeutigsten mit dem Hinweis, daß seine höchste Auszeichnung, der „Deutsche Ring", von dem Führer und Reichskanzler Adolf Hitler getragen wird. Wer einmal dieses Haus besucht hat, wird niemals wieder den tiefen Eindruck vergessen von der w e l t- weiten Zerstreuung der Deutschen, nirgends kann er tiefer in sie eindringen und unser tragisches Wanderschicksal tiefer verstehen und erkennen als an dieser umfassenden Sammlungsstätte. Und er wird sie verlassen mit dem einen Gedanken: teilzunehmen am Geschick auch unserer fernsten Volksgenossen, als einer aus dem großen Hundert-Millionenvolk.
Vor zehn Jahren, am 21. Mai 1925, wurde das Haus des „Deutschen Auslands-Instituts" in Stuttgart eingeweiht. Wir bringen aus diesem Anlaß über eine der wichtigsten Stätten für die volksdeutsche Arbeit einen anschaulichen Bericht, der jedem Volksge- nassen zeigt, was in dieser einzigartigen Zentralstelle für Deutschland geleistet wird. Es ist ein Glückwunsch, den wir dem „Deut- schen Auslands-Institut" im Haus des Deutschtums in Stuttgart heute schreiben. Es ist aber, genau besehen, mehr ein Glückwunsch an uns, an uns alle, die wir die Früchte der Arbeit des DAI. genießen. Und das ist in Wirklichkeit das ganze deutsche Volk, so wenig auch der einzelne von der stillen Gelehrtenarbeit merken mag. Denn das Stuttgarter Institut ist das Archiv und die Pflegestelle unserer großen, unserer größten Volksgemeinschaft.
„Das neue Deutschland hat seine gesamte Aufbautätigkeit so unbedingt auf die ursprünglichen und ewiaen Werte des Volkstums gestellt, daß jede Arbeit für das Volkstum zugleich der Gestaltung der deutschen Zukunft dient" — heißt einer seiner Leitsätze.
Auf welche besondere Weise arbeitet nun das Aus- lands-Institut für die Gestaltung unserer Zukunft? Es geht von der Tatsache aus — die wir in ihrer erschütternden Bedeutung täglich aufs neue erleben und erkennen sollten —, daß j e d e r d r i t t e D e u t s ch e im Ausland lebt..Es ist keine nach außen wirkende Propagandastelle und überläßt es anderen, und diese Tatsache immer wieder ins Bewußtsein zu hämmern. Aber es will sammeln, pflegen, beraten^ und zeigen. So ist das „Haus des Deutschtums" die Stätte der gewaltigsten Sammlung aller Dokumente a u s l a n d s d e u t s ch e n Lebens, die gedacht werden kann. Bücher, Zeitungen, Zeitschriften, Berichte, Bilder, Filme, Karten, Statistiken, Ausstellungen; Buchoerlag, Zeitschriftenverlag, Auskunfts-, Wirtschaftsoermittlungs-, Auswanderer - Beratungsstelle; Familienforschung, Vorträge, Schulungskurse — das ist nur ein ganz roher Ueberblick über dies ungeheure Tätigkeitsfeld.
Lassen wir für kurze Zeit die Zahlen sprechen. 1300 Zeitschriften, 4 0 0 Zeitungen aus allen Deutschtumsgebieten der Erde gehen reael- mäßig in diesem Hause ein und stehen uns allen täglich frei zur Verfügung. 100 000 Ausschnitte aus allen Zeitungen werden verwaltet und geordnet. 43 000 auslandsdeutsche Organisationen sind in der Kartei übersichtlich verzeichnet, über 30 000 Drucksachen und Berichte von Schulen, Einrichtungen und Verbänden stehen zur Benutzung. 60 000 Bände bilden die vollständigste Sammlung aus- londsdeutscher Schrifttumskunde. 10 500 Karten, 35 000 Bildpositive über 3000 Bildklischees können eingesehen und entliehen werden.
Man muß erst Atem holen nach dieser sprechenden Wucht der nackten Zahlen. Als der Schreiber dieser Zeilen sich einmal durch die Räume und Sammlungen dieses äußerlich so schlichten Hauses führen ließ, machte ihm den tiefsten Eindruck von allem, daß dies ungeheure, man kann ruhig sagen einzigartig vollständige Material so einfach und übersichtlich geordnet und verwaltet ist, daß mit einem Griff in die raffinierten Kartotheken die schwierigsten, abgelegensten Fragen mühelos beantwortet werden können. Und der nächste Eindruck war der, wie großzügig und einladend diese reichen Schätze aktiviert und zugänglich gemacht sind. Denn sie sollen ja nach ihrer ganzen Bestimmung nicht im geheimen für Spezialisten modern, sondern jeder Deutsche soll an ihnen teilnehmen und von ihnen durchdrungen werden. Lesesäle für die Zeitschriften und die Bibliothek stehen offen; alle Bücher, die allgemeines
Interesse haben, werden in einem besonderen Buchdienst nach auswärts verliehen, die Bilder und Filme werden durch den „v o l k s d e u t s ch e n B i ld e rd i e nst" unentgeltlich ausgeliehen; wenn man will zugleich mit fertigen Textoorträgen.
Das zweite große Arbeitsgebiet des Instituts ist die vermittelnde, beratende und helfende Tätigkeit. „Mit dieser Tätigkeit dient das DAI." — um es mit feinen eigenen Worten zu sagen — „dem wirtschaftlichen Leben und der wirtschaftlichen Vermittlung. Ihr Ziel ist die Schaffung einer wirtschaftlichen Verflechtung von Reich und Auslandsdeutschtum, die auf alle erreichbaren, wirtschaftlich gesunden gegenseitigen Beziehungen der Produktion und des Handels gegründet ist. Sie dient dem Auslandsdeutschtum ebenso wie der reichsdeutschen Wirtschaft." Tausende von freiwilligen Mitarbeitern in allen Ländern schicken dem Institut regelmäßig Berichte von überall her über die kulturellen und wirtschaftlichen Verhältnisse der fremden Länder und ihrer auslandsdeutschen Bewohner, über Arbeits- und Währungslage, Klima und besondere Bedingungen. Rechtsfragen und Vorträge können geprüft, Beziehungen vermittelt wer
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Der älteste noch lebende Ziekenhusar.
Die ehemaligen Zietenhusaren hielten in Rathenow ihren Regimentsappell ab, an dem auch der älteste noch lebende Zietenhusar teilnahm. Es ist der ehemalige Regimentssattler Erk, der von 1859 bis 1908 bei den Husaren diente und jetzt 9 5 Jahre alt ist. Unser Bild zeigt ihn im Gespräch mit dem General der Kavallerie von Kayser.
auf dem Gebiet des Wohnungsbaues und der öffentlichen Bauten infolge der Erfüllung der Programme vermindert haben werden. Die deutsche Energiewirtschaft bietet noch gewaltige Arbeits- beschaffungsmöglichkeiten, wenn hier in steigendem Maße finanzielle Kräfte der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft eingesetzt werden. Von einer fortschreitenden Elektrifizierung bes deutschen Verkehrs, des deutschen Haushalts und der deutschen Landwirtschaft wird die gesamte deutsche Wirtschaft Nutzen haben, weil jede erhöhte Auswertung heimischer Energiequellen für die verschiedensten Wirtschaftszweige Mehrabsatz und Mehrarbeit schafft. Namentlich in den agrarischen Teilen Deutschlands sind hier noch fast unbegrenzte Möglichkeiten für eine erfolgreiche Bekämpfung der Arbeitslosigkeit vorhanden. Es sei in diesem Zusammenhänge nur daran erinnert, daß z. B. der Stromabsatz des Ostpreußenwerks im letzten Jahre um 25 v. H. gestiegen ist. Das ist ein Erfolg der ostpreußischen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen' der Reichsregierung und auch der Stärkung der Kaufkraft der ostpreußischen Landwirtschaft. Hier und in anderen Bezirken des deutschen Ostens sind noch weitere bedeutungsvolle Ziele für die Arbeitsschlacht des Jahres 1935 vorhanden. _____
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jetzt in der luftleeren Dose:
stets frisch wie am Tage der Röstung
Die Gorma.
Von Dr. Johannes Günther.
Die Schauspielerin Agnes Sorma würde heute, am 17. Mai, 70 Jahre alt.
Wer war Agnes Sorma? So fragen die jungen Menschen heute wohl schon. Diese Frage ist doch nicht so sehr verwunderlich. Schauspieler sind schnell vergessen. Und es sind etwa zwanzig Jahre her, daß Agnes Sorma zuletzt spielte, und an die dreißig Jahre, daß sie auf der Höhe ihres Ruhms stand.
Wer war die Sorma? Sie spielte Kätchen von Heilbronn und Kätchen die Widerspenstige, die Edrita von Grillparzers „Weh dem, der lügt", die Porzia und die Julia, auch die Hebbelsche Clara und, nicht 314 vergessen, die Minna von Barnhelm. Sie führte auch viele Rollen, deren Namen die Literaturgeschichte nur für unbedingt Interessierte aufbewahrt: Rollenwesen, die dem Typ des jungen Mädchens, des jungen Weibes um die Jahrhundertwende angehörten und den trüben Zivilisationskitsch der Zeit an sich trugen. Aber wenn die Sorma selbst diese noch mit dem Wesentlichen ihrer Kunst- lerpersönlichkeit durchsonnte, so mußte sie vollends dichterisch wichtige Rollen ihrer Bühnenepoche, aus Dramen Ibsens, Hauptmanns, Schnitzlers, Shaws, zum Siege führen.
Wer war Agnes Sorma? Eine Schauspielerin, die in Berlin dreimal, jedesmal unter dem Stern einer glückhaften Regie, jedesmal drei bis fünf Jahre lang, also nie zu kurz und nie ermüdend lange, schönste Kraft menschlicher Darstellungskunst zeigte und von dieser Stätte aus, dieser Stätte ihres Werdens und ihrer steten Erneuerung, auf Gastspielreisen Deutschland, Europa, ja die Welt begeisterte: nicht mit blendender Technik, nicht mit routinierter Mache, sondern mit ehrlich dargestellter Fraulichkeit, reichend von Gelöstheit und Heiterkeit bis zu Ernst und Schmerzensreichtum, immer geführt von einer sicheren Vornehmheit, ein Geschenk für das Ensemble — denn ihm teilte sich etwas von ihrer schönen Natürlichkeit mit, auch von ihrer hohen Lust am Werk zu schaffen. Noch ist dieser und jener unter uns, der unter dem Eindruck ihres tiefen Blicks und des Molltons ihrer Stimme gestanden hat.
Wer war die Sorma? Eine Trägerin seltsamen Schicksals, die in verhältnismäßig jungen Jahren von der Bühne schied, die eine gute Mutter war und im Kriege eine treue Soldatenpflegerin, und die dann in Amerika, in Arizona, ihre letzten Jahre zubrachte, in Farmer-Atmosphäre und doch
eigentlich ohne Abenteuerlichkeit, nein, Bilder vom Ende ihres Lebens sehen der greifen weißen Eleonore Düse ähnlich.
Wer war die Sorma? Vielleicht eine unsterbliche Kraft, die sich schon im achtzehnten Jahrhundert in der frühvollendeten Charlotte Ackermann Erscheinung schuf und auch in der von Goethe gerühmten Friederike B e t h m a nn - Unze l m a n n , und die nun vielleicht wieder in schönsten Leistungen der Käthe Dorsch auftaucht oder in der jungen Erika Dannh 0 f wiederzukehren verspricht.
„Polenblut."
Die lange Reihe der verfilmten Operetten hat die Bavaria mit Oscar N e d b a l s „Polenblut" fortgesetzt. Da wir das Original vor nicht langer Zeit hier auf der Bühne gehabt haben, ergibt sich Gelegenheit, die beiden Fassungen miteinander zu vergleichen. Das Drehbuch von Peter Ort weicht von der Bühnenform nicht unerheblich ab, doch bleibt die lustspielmäßige Gegenüberstellung der Helena Zaremba und des Grafen Bolko auch hier im Mittelpunkt der Ereignisse, und die Verwandlung der Helena in eine ebenso tüchtige wie hübsche Wirtschafterin, die das verwahrloste und ausgepfän- dete Gut des von ihr geliebten Grafen mit Energie und drastischen Sanierungsmethoden wieder in die Höhe bringt, ist die eigentliche Pointe auch in der Filmhandlung. Diese Helena ist eine neue Paraderolle für Anny Ondra, die ihren letzthin ziemlich übersteigerten grotesk-komischen Darstellungsstil hier auf ein angenehmes, lustspielhaft-menschliches Maß zurückführt und auch gesanglich den mancherlei lieber« raschungen des Drehbuchs geistesgegenwärtig gewachsen bleibt. Ivan Petrovich gibt den Bolko mit kavaliersmäßigem Anstand, doch hat man den Eindruck, daß er in einer ernsthaft-dramatischen Rolle (wir denken etwa an den „Letzten Walzer") mehr zu geben vermocht hätte. Sehr nach vorne spielt sich auch hier wieder der schon aus vielen Filmen bekannte Wiener Komiker Hans Moser in der Rolle des Jan Zaremba. Hilde Hildebrand, als Wanda eine pikante Gegenspielerin der Helena, Margarete Kupfer und Rudolf Carl sind vom Ensemble noch hervorzuheben. Regie führt, wie immer bei Anny Ondra , Karl L a m a c : glatt und gefällig; das Tempo könnte gelegentlich etwas lebhafter fein; rein filmisch am besten gelungen scheinen uns die Traumszene, ein paar malerische Landschaften und das musikalisch und räumlich grotz- rügig entwickelte Erntefest -um Schluß. — Der Film sand im Lichtspielhaus ein angeregtes
Publikum. Im Beiprogramm interessiert neben der Wochenschau, auf die wir am Dienstag bereits aufmerksam gemacht haben, ein Kulturfilm aus Indien unter dem Titel „Götter, Tempel und Fakire."
Dom Fischreiher.
Der Fischreiher, der in Deutschland immer seltener geworden ist, steht in einem schlechten Ruf; er gilt als ein unverbesserlicher Fischräuber, und wenn er auch in vielen Gegenden geschont wird, so geschieht das nur, weil er von der Gefahr des Aussterbens bedroht ist. In den Kreisen der Fischer begegnet man ihm noch immer mit Mißtrauen, ja mit offener Feindschaft. Die llebertreibungen in der Literatur mögen übrigens viel dazu beigetragen haben. Studienassessor S. U l b r i ch teilt nun in der im Hugo Bermühler Verlag Berlin erscheinenden Zeitschrift „Der Naturforscher" nach feinen Beobachtungen in der Umgebung von Magdeburg mit, daß sich der Fischreiher dort als ein fleißiger Mäuseoertilger erwiesen habe. Jedenfalls wurde das Tier mehr auf den Wiesen und Feldern als an den Gewässern angetroffen. Besonders häufig suchte es die Stoppelfelder zur Zeit der Kornernte auf, also gerade dann, wenn die Mäuseplage ihren Höhepunkt erreicht hat. Erne Untersuchung der Reiher- Gewölle, der Ballen von unverdauten Haaren, die von den Tieren wieder ausgewürgt werden, hat eine Bestätigung dieser Annahme ergeben; die meisten setzten sich nur aus Mäusehaaren zusammen. Aufschlußreich waren auch die Panzerreste des Gelbrandkäfers, die beweisen, daß der Fischreiher diesen schädlichen Käfer, der erfahrungsgemäß die Fischbrut angreift, den Garaus macht. Ueberdies wird behauptet, daß der Vogel ein Vertilger der gefürchteten Wollhandkrabbe fein soll. „Es würde zu weit gegriffen fein, wenn man auf Grund der nützlichen Eigenschaften des Fischreihers für feinen vollständigen Schutz eintreten wollte. Aber in vielen Gegenden unseres Vaterlandes sollte man auf die Erhaltung des schönen und in feiner Lebensweise so bemerkenswerten Vogels mehr bedacht fein, damit ihn nicht dasselbe Geschick ereilt, das den ihm in vieler Hinsicht ähnlichen Kormoran getroffen hat."
Zeitschriften.
Im Maiheft der „Berliner Monatshefte", Zeitschrift zur Vorgeschichte und Geschichte des Weltkrieges (herausgegeben von Dr. h. c. Alfred von Wegerer, Quaderverlag, Berlin W 15) wendet sich Kurt Jagow in einem Aufsatz .Die Schuld am Zarenmord" in ausführlicher Ünterju« chung gegen die von dem ehemaligen französischen
Botschafter in Petersburg, Maurice Paleologue, erhobene Anklage, daß das Blut des 1918 von den Bolschewisten ermordeten Zaren und seiner Familie an den Händen des deutschen Kaisers klebe. Er sei der einzige gewesen, der den unglücklichen Zaren hätte retten können. Iagows Beweisführung zeigt, daß die Verantwortlichkeit für das Schicksal der Zarenfamilie nicht auf der deutschen Regierung lastet. Aus dem unveröffentlichten Dokumentenmaterial des Auswärtigen Amtes geht klar hervor, daß die deutsche Regierung sich der Lage der Dinge nach ernstlich bemüht hat, die über dem russischen Kaiserhause schwebende Gefahr abzuwenden. Zu zwei Ereignissen, die sich im Mai zum 20. Male jähren, der Torpedierung der „Lusitania" und dem Eintritt Italiens in den Weltkrieg, nehmen Vizeadmiral a. D. Spindler vom Marine-Archiv und Dr. Carl Mühling Stellung. Spindler weist nach, daß der Lusitaniafall zunächst in der amerikanischen Öffentlichkeit objektiv betrachtet worden ist. Hätte sich Wilsons Politik mehr nach der Majorität des amerikanischen Volkes gerichtet, wäre ein deutsch-amerikanischer Ausgleich über die U-Boot- Kriegsührung damals möglich gewesen. Mühling gelingt es, sehr eindrucksvoll „die Mobilisierung der Geister", und das listige diplomatische Doppelspiel der italienischen Regierung herauszuarbeit"n
— Im Maiheft der „Z e i t w e n d e" (Wichern- Verlag, Berlin-Spandau, Ev. Iohannesstift) widmet dem Entschluß des Wiederherstellung der deutschen Wehrhoheit Major Edgar Röhricht, Leiter der Pressegruppe im Reichswehrministerium eine klare, soldatisch knappe Betrachtung, die davon zeugt, daß sich unsere Reichswehr nicht nur der Verantwortung bewußt ist, die ihr der Aufbau des neuen Volksheeres auferlegt, sondern daß sie auch die Kraft zur Lösung dieser Ausgabe mitbringt. Ein Essay von Tim Klein über das dramatisch-tragische Geschick eines der größten Soldaten der Weltgeschichte schließt sich an: des englischen Generals Gordon, dessen bis in den Tod bewährtes Heldentum ganz in feinem unerschütterlichen christlichen Gottesglauben wurzelte und der bei aller soldatischen Strenge von echter Nächstenliebe gegen die ihm anvertrauten Farbigen beseelt war. Tötet christlicher Glaube den heldischen Sinn? Hier haben wir, in einem lebendigen Menschenbild, an dem sich nicht rütteln und deuten läßt, die Antwort auf eine Frage, die heute viele Deutsche- bewegt. Frontkämpfergeist ist es auch, der in Frankreich eine politische Erneuerung anftrebt, die lieber- Windung des Parlamentarismus und der „Ideen von 1789". Hierüber berichtet Ernst Schüfe, während Wilhelm Koblbaas in das ebenfnfk durch krieaerikch- Gldatstche Haltuna bestimmte Werden des Südslawenstaates einführt.


