Ausgabe 
17.5.1935
 
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Von der Gaumstraße zur Autobahn.

Zur Eröffnung -er ersten Autobahnstrecke Frankfurt-Darmstadt am IS.Mai.

Wenn wir in diesen Tagen, da die erste Auto­bahnstrecke fertiggestellt wird und ein neues Ka­pitel in der Geschichte der deutschen Straße beginnt, zurückblicken, sehen wir in der Gestalt der Straße ein Stück Menschheitsgeschichte dargestellt. Was war die erste Straße der Men­schen? Der Pfad war es, auf dem das Wild zur Tränke ging; dort lauerte der Mensch, um es zu erlegen, dort ritzte er seine Tierbilder in die Felsen, magische Beschwörungen, die ihm helfen sollten, die Jagdbeute zu treffen: das primitive Dasein heftet sich an die Spur der Tiere. Als sich nach Jahrhunderten der Blick für die Weiten und Fer­nen der Erde öffnet, als sich Handelsbeziehungen zwischen den Völkern anbahnen, wird die Straße ein Mittel, den Raum zu überwinden. Im sechsten vorchristlichen Jahrhundert hatten die Per­serkönige ihre Reitposten eingerichtet; man reiste damals auf Maultierkarren etwa dreißig Ki- lometer täglich, und die reitenden Boten brachten cs mit Hilfe von regelmäßigen Stationen, auf denen Menschen und Pferde gewechselt wurden, bis auf 120 Kilometer am Tage.

Meister des Straßenbaues waren die Römer, die die erste umfassende Verkehrseinrichtung der Erde anlegten. Ein um 300 n. Ehr. erschienenes Straßenverzeichnis nennt gegen vierhundert Stra- ßennahmen, darunter die technischen Meisterwerke der siebzehn, die von Mailand strahlenförmig über die Alpen führten und von den Legionen auch im Winter beschritten werden konnten, und vor allem die Via A p p i a, bie Appische Straße, die von Rom südwärts durch die Campagna führte und von prächtigen Villen und Grabmälern eingefaßt war. Als Prokop, der Historiker des Ostgoten­krieges, achthundert Jahre nach der Anlage auf die Appische Straße kam, konnte er noch den fugen­losen Basaltbelag feststellen, mit dem dieKönigin der Straßen" gedeckt war.

Die germanischen Straßen waren zu­nächst nur dürftige Verbindungswege, Fußpfade und Dorfstraßen. Erst Karl dem Großen sind dieKönigswege" zu danken, die großen Straßen, die, der damaligen Triebrichtung des Volkes ent­sprechend, im allgemeinen von Westen nach Osten verliefen. Er hob den Straßenbau auf eine gewisse Höhe, auf dem er sich, von technischen Verbesserun­gen abgesehen, Jahrhunderte lang gehalten hat. Er bettete den Belag der Straßen in Kalk, um eine längere Haltbarkeit zu gewährleisten, er schuf die viae calciatae, die Kalk st raßen, ein Name, der sich in dem Wott Chaussee noch lange erhalten hat. Wenn damals auf kaiserlichen Befehl etwas zu bauen war, durfte sich kein Herzog, Bischof oder Abt ausschließen; das Volk, das zusammenaekom- men war, wurde nach Sippen eingeteilt uno eine jede hatte das ihr zugewiesene Straßenstück zu bauen. Die Verkehrs- und Handelsstraßen führten zu den Städten und durften daher Umwege nicht scheuen; wo aber die Verteidigung maßgebend war, legte man die Straßen auf den kürzesten Strecken durch sichere Höhenlagen; der Rennsteig in Thüringen ist das klassische Beispiel für einen solchen Heerweg.

Um den Straßenbau zu fördern, wurden Steine als Zoll erhoben, derart, daß die Zoll­pflichtigen zu gewissen Steinfuhren verpflichtet wurden, auch wurden Schuldige so bestraft, daß man sieein Stück Stadtmauer oder Straßen" bauen ließ. In den östlichen Marken waren die

Straßen eins der wichtigsten Mittel zur Erhaltung der Ordensherrschaft; sie waren den Or­densstallmeistern unterstellt, die das Land mit einem regelrechten Verkehrsnetz überzogen. Da ein regel­mäßiger Nachrichtendienst das Rückgrat der gewal­tigen Germanisierungsarbeit bildete, war der Post­vertrieb, der von den blaugekleidetenBriefjungen" besorgt wurde, sehr wichtig und nahm viele Maß­nahmen der heutigen Post voraus.

Welche Gefährte verkehrten auf den Straßen? Im Mittelalter waren es die Rollwagen dasRollwagenbüchlein", das Jörg W i ck r a m im Jahre 1555 seinem Freunde Martin Neue, dem WirtZur Blume" in Kolmar, widmete, war eine Art von mittelalterlichem Reisemagazin, dos Anekdoten, Schwänke und Erzählungen enthielt. Später fuhr die 'K u t s ch e über die Straßen. Sie soll ihren Namen von dem ungarischen Dorf Kosz bei Raab erhalten haben, wo 1602 die erste Kutsche" mit Glasfenstern erbaut worden sein soll. Indessen flutet der Verkehr auf den Straßen weiter dahin. Von seiner Ausdehnung und Wich­tigkeit zeugt noch heute die Anlage der Messe­stadt Leipzig mit den vielen Durchgangshöfen, die ganze Häuserblöcke durchschneiden, so daß man ein- und ausfahren konnte, ohne die Wagen wenden zu müssen.

Hören wir ein Straßenidyll, wie es der Wands­beker Bote Matthias Claudius schildert:Wir sind hier richtig gearrivieret, und Frau und Wagen haben gut gehalten, ist uns auch auf dem Wege gottlob kein Unfall begegnet; nur, versteht sich, zwi­schen Münster und Göttingen wären wir bald um- geworfen worden, und an einigen anderen Dreck­orten auch, wo die herrliche hannöversche Chaussee fehlt." Aus dem kalten Jahr 1709 berichtete ein Zeitgenosse:Sehr viele Wanderer hatten das Los zu erfrieren, ein Schicksal, vor welchem selbst die Passagiere in den Diligencen und die Postillone in den Hüllen ihrer Pelze nicht geschützt waren. Denn mehrere Male geschah es, daß die Postpferde mit ihren Wagen ober Felleisen an den Stationen an- kamen, aber niemand st i e g aus: bie Fah­renden und Reisenden waren zu Leichnamen ge­worden."

Es kommen die Jahrzehnte, da die Straßen von Fuhrwerken förmlich v e r st o p f t sind, weil sie dem wachsenden Verkehr nicht mehr genügen; es folgen die Jahre des beginnenden Eisenbahnver­kehrs, da die Straßen veröden, weil die Bahnen ihnen den Verkehr abnehmen; es kommt jene Zeit, da der Kraftwagen die Pferde von der Straße verdrängt, es beginnt endlich bie Epoche ber Auto­straßen: bie Avus unb ber Nürburg-Ring sind ihre Vorläufer, aber sie bleiben vereinzelte Er­scheinungen. Im Jahre 1933, am Tag der nationa­len Arbeit, verkündet der Führer sein Straßen­bauprogramm und beginnt das Werk mit dem er st en Spaten st ich. Am 19. Mai 1935 wird die erste Teil st recke der Reichsauto­bahnen zwischen Frankfurt a. M. und Darm­stadt eröffnet, während gleichzeitig 1500 Kilometer Reichsautobahnen in ganz Deutschland gebaut wer­den: Straßen, mit getrennten Fahrbahnen von je siebenemhalb Meter Breite, bie burch Unterbre­chungsstreifen von Büschen unb Strauchwerk von einanber getrennt sind. Ein neuer Typ der Straße entsteht, ein neues Kapitel in ber Chronik ber Straße hebt an.

Ausruf zum Michshaudwerkertag 193S.

Weister, Gesellen und Lehrlinge des deutschen Handwerks!

Zum dritten Male feierte in diesem Jahre das deutsche Volk den Tag, den der Nationalsozialismus zur Ehre ber Arbeit geschaffen hat. Erneut bekannten sich an ihm alle Schaffenden ber Stirn unb der Faust zum deutschen Sozialismus, der bie Arbeit in ben Mittelpunkt alles Geschehens stellt unb sie bem beutschen Volke als sittliche Pflicht auferlegt. Kaum eine Schicht unseres Volkes hat ben Feiertag ber Arbeit so sehr aus innerster Ueberzeugung miterlebt, wie bas beutsche Hanbwerk, bas in all seinen Glieberungen seit uralten Zeiten bie Arbeit geehrt unb aus ihr schöpferische Leistungen hervorgebracht hat.

Der Tag ber nationalen Arbeit ist vorüber. Fest und unerschüttert steht bie große deutsche Schick­salsgemeinschaft, zu deren aktivsten Kräften das Handwerk gehört! Leider hatte die breite Oeffentlichkeit in den Jahren nach dem Kriege den Sinn für das emsige Schaffen in den Handwerks­betrieben verloren, leider sind in einem Zeitalter der Technik und der Groß-Betriebe Aufgaben und Ziele des Handwerks verwischt worden. Darum i ft e s notwendig, daß das Handwerk immer wieder vor das deutsche Volk hintritt und nicht nur den Beweis erbringt, daß sich die Betriebsgemeinschaft, deren Wurzeln im Handwerk ruhen, im Dritten Reich in voller Stärke entfaltet hat, sondern daß auch der Leistungsgrund- s a tz im deutschen Handwerk wieder zu voller Blüte gekommen ist.

Der Reichshandwerkertag 1935, zu dem ich euch, Meister, Gesellen und Lehrlinge aufrufe, steht im Zeichen des Leistungswillens und der Gemeinschaftsarbeit! Wir wollen durch die Tat zeigen, daß wir da find und daß der Schaffens­drang, ben jeber einzelne von uns hat, dem deut­schen Volk zum Segen gereichen muß, wenn er von einer geschlossenen Gemeinschaft aller Handwerker und ihrer Mitarbeiter getragen wird.

Der Reichshandwerkertag stellt ebenso wie ber Reichsbauerntag eine Kundgebung besonderer Art bar. Aus ber Kampfgemeinschaft, Die im Handwerk in den Jahren der liberalistischen und marxistischen Herrschaft entstand, wurde eine Arbeitsgemeinschaft, aus der Gemeinschaftsarbeit entsprang die Kamerad­schaft und aus ihr das soziale Verständnis des Meisters für feine Mitarbeiter, weil er mit klarem Blick erkannte, daß da, wo Unfriede herrscht, ein fruchtbringendes Werk nicht gestaltet werden kann und daß da, wo Unlust bei der Arbeit Pate steht, auch die besten Gedanken unb Jbeen zum Tode ver­urteilt find.

Gab in der Vergangenheit die Liebe zur Scholle bem Hanbwerk ebenso wie bem Bauern bie Kraft zu feinem Tun unb Hanbeln, so ließ im Dritten Reich neben ihr bie Sehnsucht nach schöpferischer

Leistung unb bie Verbunbenheit mit seiner Werk­statt bas Hanbwerk zu einem krisenfesten bobenstän- bigen Bestanbteil staatlicher Orbnung heranwachfen. Ebenso, wie zu allen Zeiten beutscher Geschichte bilbet es heute eine Zelle innerhalb ber Volksgemeinschaft, in ber bie seelischen, geistigen unb politischen Werte bes Nationalsozialis­mus eine wahrhafte Pflegestätte finben.

Es war ein schwerer Kampf, ben Meister unb Geselle jahrzehntelang gemeinsam burchfochten, ein Kampf, ber fast zu scheitern brohte an ber zu- nehmenben kulturellen Verflachung bes Volkes unb an ber Tatsache, baß bie Oeffentlichkeit an Stelle von Qualitätsarbeit bie Maffenware bevorzugte. Im letzten Augenblick kam bie Rettung. Die national­sozialistische Staatsführung gab bem Hanbwerk bie Mittel an bie Hand, sich gegen unlautere Konkurrenz zu schützen, bas Qualitätsprinzip wieber herzu stellen unb mit ihm ben Meisterstolz unb bie Meisterehre.

Ein neuer Abschnitt ber Entwicklung bes beutschen Hanbwerks hat eingesetzt. Grundsätzliches ist bereits geschehen, um es wieder aufblühn zu lassen. Das deutsche Meisterhaus steht im Mittelpunkt gewaltiger Maßnahmen, die eingeleitet worden sind, um den schöpferischen Gestaltungswillen des Hand­werks zur Auswirkung zu bringen das Meister- Haus, das keinen Unternehmer und Arbeiter kennt noch kannte, sondern nur Mitarbeiter am gemein­samen Werk, das Meisterhaus als Urstätte frucht­bringender Arbeit, als Hüterin des Leistungs- unb Qualitätsgebanfens, als Keimzelle ber Liebe zu Volk unb Vaterlanb.

Der Reichshanbwerkertag 1935, besten Durchfüh­rung ich ber Reichsbetriebsgemeinfchaft Hanbwerk in ber Deutschen Arbeitsfront über­tragen habe, soll ber Oeffentlichkeit überzeugenb unb nachhaltig ben Beweis erbringen, baß bas beutsche Hanbwerk sich feiner Mission für Volk unb Staat bewußt ist, baß es weiß, welche Verantwortung auf seinen Schultern ruht, unb baß es bie Kraft in sich spürt, nicht nur ein Schicksal zu meistern, son- bern auch seinen zähen Aufbauwillen in ben Dienst ber Volksgemeinschaft zu stellen.

Der Reichshanbwerkertag soll weiter zeigen, baß bas Hanbwerk eine geschlossene Ein­heit bilbet, bie bereit ist, für bie Jbee bes National­sozialismus zu werben unb zu wirken, eine Macht, die in sich so gefestigt ist, daß der Führer sie jederzeit einzufetzen in ber Lage ist.

Die Tatsache, baß bie Durchführung bes Reichs- hanbwerkertages in ben Hänben ber Reichsbetriebs­gemeinfchaft Hanbwerk in ber Deutschen Arbeits­front liegt, weist im übrigen barauf hin, baß b i e Gemeinschaft zwischen Meister, Ge­selle unb Lehrling bewußt herausge- stellt werben soll. Diese Gemeinschaft ist ja gerabe bas, was ben Hanbwerksbetrieb vor allen anberen auszeichnet, in biefer Gemeinschaft liegt seine Stärke.

Unter biefem Zeichen steht ber Reichshanbwerker­

tag 1935. Hier findet sich bas Handwerk zu einer Kundgebung, die nicht ben Zweck hat, bem Volk eine Notlage vor Augen zu fuhren, fonbern ihm zu zeigen, baß es burch eisernen Willen unb burch Maßnahmen ber Selbsthilfe gelungen ist, bas beut» sche Hanbwerk neben bem Bauern a l s tragenbe Säule bes S t a a t e s z u erhalten unb baß ber Hanbwerksbetrieb alsZelle bes Gemein­schaftsgeistes unb Gemeinnutzes berufen ist, bahnbrechend) für bie Jbee bes Nationalsozialis­mus zu kämpfen.

Der Reichshanbwerkertag 19 3 5 ist aber auch notmenbig, um jebem einzelnen Berufsangehörigen vor Augen zu führen, baß es auf ben einen ebenso ankommt, wie auf ben anberen unb baß nur bas gemeinsam schaf­fe n b e deutsche Handwerk seine Stellung innerhalb der deutschen Volksgemeinschaft halten unb festigen kann. Daher erwarte ich, baß jeder

deutsche Meister, jeder Geselle und Lehrling, sofern es nur irgendwie möglich ist, an der gewaltigen ftunbgebung in Frankfurt a. M. teil­nimmt, und daß in gegenseitiger Opfer- ber.eitschast auch jenen die Fahrt ermöglicht wird, die aus eigenen Mitteln bie Kosten aufzu­bringen nicht in ber Lage finb.

Meister, Gesellen unb Lehrlinge! Bereitet die gewaltige Kundgebung bes Hanbwerks in Frankfurt a. M. mit Herz unb Seele vor, damit sie zu einem gewaltigen Bekenntnis des Schaffens wirb, zu einem Bekenntnis ber Leistungsgemeinfchaft, des Berufs­stolzes und der Arbeitsehre. In diesem Sinne: Gemeinsam ans Werk! Auf zum Reichshandwerkertag!

(Gez.): W. G. Schmidt, Reichsbetriebsgemeinschaftsleiter und Reichs- Handwerksmeister.

Wie sieht es in der Wirtschaft aus?

Aus dem Monatsbericht der oberschlesischen Eisen­industrie geht hervor, daß sich die Erzeugung der Stahl- unb Walzwerke im Monat April abermals erhöht hat. Es konnten auch beacht­liche Auslanbaufträge hereingenommen werben. Ein besonbers guter Abnehmer b^r Eisen- unb Stahl­industrie finb zur Zeit wieber bie Automobil- f a b r i f e n. Der Absatz beutscher Kraftwagen über­trifft alle Erwartungen. Bei Opel hat sich bie Zahl ber verkauften Automobile verdoppelt. Die Wande­rer-Werke berichteten über eine starke Zunahme ihres Umsatzes in allen Abteilungen. Der vorliegende Auftragsbestand sichert Beschäftigung auf Monate hinaus. Auch die Rentabilität hat sich gebessert, so daß die Dividende von 6 auf 8 v. H. erhöht werden konnte.

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Die deutsche Außenhandelsbilanz des ersten Vierteljahres 1935 schließt mit einem Einfuhrüberschuß von 149 Millionen Mark ab. Im letzten Vierteljahr 1934 hatte der Einfuhrüber­schuß nur 58 Millionen Mark betragen. Die Ent­wicklung der deutschen Einfuhr erfolgt unter dem Einfluß zweier einander widerstrebender Kräfte, nämlich auf der einen Seite der Bemühungen, die Einfuhr aller entbehrlichen Waren einzuschränken, auf der anderen Seite aber bes wachsenden Roh­stoffbedarfs infolge ber anbauernben Zunahme der deutschen Produktion. Dazu kommt, bah die Ein­fuhr unentbehrlicher Waren immer mehr auf solche ßänber umgestellt wird, mit denen Kompensations­oder Verrechnungsabkommen bestehen. Die Ein­fuhrstatistik läßt die Auswirkungen dieser Umlage­rung bereits erkennen. Die Einfuhr aus über­seeischen Ländern beginnt zwar wieder zu steigen, aber vorzugsweise diejenige aus Ländern, mit de­nen Kompensations- und Verrechnungsabkommen abgeschlossen werden konnten. So hat sich z. B. die Einfuhr aus Brasilien gegenüber dem ersten Vierteljahr 1934 mehr als verdoppelt, und auch die aus Chile und Argentinien hat beträchtlich zugenommen. Dagegen ist bie, Einfuhr aus ben Vereinigten Staaten wieber um 60 Prozent, bie aus Kanada um 85 Prozent ge­sunken. Die beutsche Einfuhr aus ber Türkei hat sich anbererfeits nahezu verdreifacht. Die deutsche Einfuhr paßt sich also in zunehmendem Maße den Ausfuhrmöglichkeiten an. Sie hat zwar gegenüber dem oorangegangenen Viertelsahr um etwa 10 Prozent abgenommen. Aber dieser Rückgang ist im wesentlichen saison­bedingt. Sehr beachtenswert ist die Tatsache, daß die deutsche Ausfuhr nach Uebersee um etwa 8 Prozent gestiegen ist. Was die europäischen Länder anbetrifft, so ist die deutsche Ausfuhr nach Frankreich, Holland, der Schweiz und Belgien erheblich gesunken, dagegen hat sich die Ausfuhr nach Spanien, Ungarn, Rumänien usw. erhöht. Die Außenhandelsstatistik zeigt ganz deutlich, daß wir bem Ziele, durch Umstellung der Einfuhr den Bezug ber unentbehrlichen Rohstoffe im Austausch gegen beutsche Ausfuhrwaren zu sichern, näher kommen.

Die beutsche Ausfuhr nach Rußland weist abermals einen bedeutenden Rückgang auf. Sie betrug im ersten Vierteljahr 1935 nur noch 9,2 Millionen Mark, während Rußland in dem gleichen Zeitraum für 56 Millionen Mark Waren nach Deutschland exportierte. Nun ist bekanntlich am 9. April d. I. ein neues Wirtschafts­abkommen zwischen Deutschland und der Sow­jetunion abgeschlossen worden, das einen Ausbau des Handelsaustausches zwischen beiden Ländery zum Ziel hat. In diesem Abkommen hat sich Sow­jetrußland verpflichtet, zusätzliche Bestellun- gen im Betrage von 200 Millionen Mark an deutsche Lieferfirmen zu ver­geben. Es wird sich nun zeigen müssen, ob sich die deutsch-russischen Handelsbeziehungen wieder normal gestalten werden. Als normal ist im Handelsaus­tausch zwischen Deutschland und Rußland ein erheb­licher deutscher Ausfuhrüberschuß an­zusehen, einmal weil in der deutschen Ausfuhr ja Rohstoffe enthalten sind; die Deutschland aus dem Auslande beziehen muß, und bann weil Sow­jetrußland im Gegensatz zu Deutschland ein G o l d- gewinnungslanb ist, seinen Einfuhrüberschuß also mit Golb bezahlen kann. Wie es heißt, sollen bie neuen zusätzlichen russischen Bestellungen in ber zweiten Maihälfte getätigt werden.

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Im Warenverkehr Deutschland s mit Oe st erreich zeigte die Handelsbilanz 1933 ein Verhältnis wie 18:10 zugunsten Deutschlands, 1934 wie 15:10 und im ersten Vierteljahr 1935 wie 10,6:10, mit anderen Worten, das anfängliche große Aktivurn Deutschlands ist jetzt ausgeglichen. Alles spricht für die Erwartung, wonach auf bem angebahnten Wege ber Kompensationen ber Ge- Geschäftsverkehr eine Erweiterung erfahren wirb, ba Oesterreich Holz im Ueb er f luß hat unb es sehr wohl gegen beutsche Kohle eintauschen kann, weil Oesterreich fast seinen gesamten Steinkohlenbedarf aus bem Ausland ein­führen muß. Erst in ben letzten Tagen würbe ein Tauschgeschäft von Schwellen gegen Steinkohle per­fekt. Da Oesterreich gegenwärtig mit ber Tschecho­slowakei im Hanbelskrieg steht, ist eine Umschich­tung ber österreichischen Kohlenbezüge burchaus wahrscheinlich, bie im Vorjahre noch zu 46 v. H. aus ber Tschechoslowakei, zu 40 v. H. aus Polen unb nur zu etwa 7 v. H. aus Deutschlanb stamm­ten, wobei vor allem ber deutsche unb ber pol­nische Anteil an ber Kohleneinfuhr zurückging, währenb bie Tschechoslowakei bie Kohleneinfuhr

nach Oesterreich trotz rückgängiger Gesamteinfuhr sogar noch steigern konnte. Der österreichische Han- belsminifter Stockinger erklärte kürzlich,bort zu kaufen, wo man verkaufen kann", unb ba Deutsch­lanb von Oesterreich viel kauft, ist es nur natürlich, baß es auch in Oesterreich künftighin mehr absetzt.

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In dem Jahresbericht der Bank für Internatio­nalen Zahlungsausgleich ist Präsident Fraser mit großer Entschiedenheit für eine Stabilisie­rung ber Währungen eingetreten. Wie es scheint, setzt sich auch in der öffentlichen Meinung Amerikas endlich ein Umschwung durch. In der Rede des amerikanischen Schatzsekretärs Mor - genthau, der die Meinung des Präsidenten Roosevelt zum Ausdruck brachte, kam die Bereit­schaft der Vereinigten Staaten, an einer gemein­samen Währungsstabilisierung mitzuwirken, zum ersten Male klar zum Ausdruck. In Europa hat diese Erklärung einen freudigen Widerhall gefun­den, denn die Währungswirren lähmen hier in zu­nehmendem Maße den weltwirtschaftlichen Waren­austausch. Nachdem Belgiens Währung eben­falls den Goldstandard verlassen hat, ist der schweizerische Franken der Zielpunkt spe­kulativer Manipulationen geworden. Im Monat April hat die Schweizerische Nationalbank für ins­gesamt 383 Millionen Schweizerfranken Gold ab­geben müssen. Dazu kommt noch, daß außerdem für 77 Millionen Franken Gold, das sich in priva­tem Besitz befindet, aus der Schweiz ins Ausland gebracht worden ist. Aber selbst Frankreich mußte in letzter Zeit erhebliche Goldmengen nach Amerika verschiffen. Vor dem Kriege war es das Vorrecht finanziell schlecht geleiteter Staaten, schwankende Währungen zu haben. Nach bem Kriege ist bas anbers geworden. Es gibt heute in der Welt überhaupt nur noch xroei Währungen, die schweizerische und die holländische, die noch über ihre alte Vorkriegsparität verfügen. Alle anderen Länder haben bereits den Schrecken der Inflation kennengelernt ober boch zumindest eine Abwertung ihrer Währungen vorgenommen. Es sind d i e Auswirkungen des Weltkrieges, die die Wirtschaft aller Länder und die Weltwirtschaft selbst aus ihrem Gleichgewicht gebracht haben. Auch heute noch bemühen sich die Länder, die Folgen dieses Krieges zu überwinden.

Die Währungsabwertungen sind im Grunde nichts anderes gewesen als große Abschreibungen von Ver­mögenswerten, die nur noch auf dem Papier stan­den und praktisch schon längst nicht mehr vorhanden waren. Wenn überall die Wirtschaftskrise mit einer Abwertung verbunden gewesen ist, so liegt es nahe, daß eine Wirtschaftsgesundung auch mit einer Stabilisierung der Währund ver­bunden sein muß. Und insofern ist die Rundfunk­rede Morgenthaus ein wichtiges Zeichen für ben Wunsch, bie Epoche ber Abwertung zu verlassen. Dor zwei Jahren noch hat Amerika die Weltwirt- schaftskonferenz auffliegen lassen, weil es sich wei­gerte, über eine Stabilisierung ber Währungen zu sprechen. Insofern ist also eine entscheibenbe Wenbung eingetreten. Ob sie allerbings schon unmittelbare praktische Folgen haben wirb, ist weniger wahr­scheinlich. Denn sicherlich ist die Erklärung Morgen­thaus nicht frei von innerpolitischen Rücksichten. Soweit die bisher aus Amerika vorliegenden Be­richte über' bie Rebe erkennen lassen, hat Morgen- thau nur erklärt, baß Washington einer allgemeinen Währungsstabilisierung kein Hindernis in ben Weg legen wirb. Diese Bereitschaft beschränkt sich also auf ein rein passives Verhalten, ohne selbst sich zu einem aktiven Vorgehen entschließen zu können. Unb gerabe eine aktive Stellungnahme Amerikas ist für bie Frage einer Stabilisierung ber Währungen von entscheibender Bedeutung. Denn eine wirkliche Stabilität der Währungen kann nur erreicht wer­den, wenn gleichzeitig auch die Schuldenfrage gelöst wird. Von den politischen Schulden aber hat Morgenthau nicht gesprochen. Amerika hat es bis­her stets von sich gewiesen, aus seiner veränderten Lage gegenüber der Vorkriegszeit die notwendigen Folgerungen zu ziehen. Amerika ist von einem Schuldnerland inöie Stellung eines Gläu­bigerlandes aufgerückt. Es ist aber für eine geregelte Gestaltung der weltwirtschaftlichen Be­ziehungen notwendig, daß ein Gläubigerland bereit ist, Waren aus ben Schulbnerlänbern zu beziehen. Depn internationale Zahlungen finb nur möglich burch Warenlieferungen. Hier muß also Amerika mitarbeiten, benn man kann nicht ein Uebel beseitigen, ohne auch besten Ursache zu besei­tigen.

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Bei ber ausschlaggebenden Bebeutung ber ame­rikanischen Wirtschaftspolitik für bas gesamte Preisgefüge der Welt ist es bedeutungsvoll, daß der Senat am 14. Mai das Nira - Gefetz, das am 30. Juli abläuft, nur bis zum 1. April 1936 verlängerte, und da die Nira den Zwang enthält, die Gewinne aufzudecken, die Ar­beitslöhne vorfchreibt und die Einstellung weiterer Arbeiter verfügt, fo ist damit ein Moment ber Un­sicherheit in bie amerikanische Wirtschaft getragen worben, bas für Roosevelts Wirtschaftspolitik ver­hängnisvoll werben kann, wenn bas Repräsentan­tenhaus biefem kapitalistischen Schritt bes Senats, wo zahlreiche Anhänger birekt gegen Roosevelt stimmten, mitmacht. Denn bis zum 1. April wird sich jeber Geschäftsmann und Industrielle davor hüten, die Nira-Bestimmungen zu erfüllen oder neu in die Nira einzutreten. Dabei hat gerade der Be­auftragte Oscar Johnston für bie Baumwoll. brauche soeben ein sehr pessimistisches Bild über die Lage bes Vaumwollmarktes gegeben, bas um

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